Auf dem Weg nach Gibraltar – Tag 1

Samstag, 14. Oktober 2017, Baro 1021, sonnig, Wind NO 3-4

Gestern Abend waren Tatjana und Jeremy von der Outremer „Infinity“ mit ihren beiden sehr lieben kleinen Söhnen zu Gast, und wie immer werden Seglergeschichten (und Klagen über die Probleme des Outremer-Cats) ausgetauscht. Während wir bei dem Thema „Reisen mit Kindern“ sind, erzählen sie von dem anderen Katamaran, der bei ihnen am Steg liegt, auf dem sogar ein Junge lebt, der gerade ein Fernabi macht. Volker springt wie elektrisiert auf: „Das muss doch Bernhard sein!“ „Ja, bestätigt Jeremy, „der Mann heißt Bernhard und sie Beate“. Das ist doch die Familie, die wir bereits vor drei Jahren in Cartagena getroffen haben, und die wir eigentlich hier vermutet und bereits gesucht hatten. Nun haben sie aber einen anderen Kat, „Aurora“ und nicht mehr „Kentipi“, deshalb haben wir sie nicht gefunden. Volker läuft sofort rüber, um sie auf die Hexe einzuladen, und so wird es ein langer schöner Abend mit vielen Erzählungen.

Am Morgen wollen wir uns nur kurz verabschieden, es werden zwei Stunden daraus, zuerst einmal wollen wir natürlich die Aurora besichtigen, super Kat mit viel Platz, clever ausgebaut. Wobei Bernhard schon wieder im absoluten Bastelmodus ist, auf Booten ist ja immer etwas zu tun, und auf zehn Jahre alten noch viel mehr. Sohn Alexander lernt fürs Abi, er macht sein 8 Jahren Fernschule, nur zu den Prüfungen muss er nah Hamburg. Wir treffen auch noch die Eigner der Katherine, einer wunderschönen 20 m langen X-Yacht, auch diese dürfen wir anschauen, tolles Boot, Volker würde sofort tauschen…

16:00 Uhr, Baro 1019, sonnig, Wind ONO 5

Heute morgen haben wir zweimal einen Wal gesehen, direkt vor dem Bug ragte eine schwarze Rückenflosse aus dem Wasser. Mit achterlichem Wind segeln wir – leider lange gegen die Strömung – dahin, die Fock zunächst im Schmetterling, dann dreht der Wind weiter auf Ost, und seitdem fahren wir mit einem Windeinfallswinkel von 155-160° und 16 – 19 Knoten Windgeschwindigkeit durch das sonnenbeschienene Mittelmeer.

19:00 Uhr, Baro 1019, leicht bewölkt, Wind ONO 3-4

Spi steht, der Wind hat wieder geraumt, der Skipper kocht Spaghetti bolognese mit Wermut. Um 21:20 Uhr versuche ich mein Glück mit einer Funkrunde mit Ralf von der Malwieder, aber wir hören beide nichts, wie wir bei einem anschließenden Telefonat feststellen. Es mag anachronistisch anmuten, dass wir miteinander funken wollten, obwohl wir ja auch das Telefon benutzen könnten, um miteinander zu sprechen. Aber Tatsache ist, dass ich mit meinem Funkgerät immer noch nichts höre, und ich dachte, es liegt vielleicht daran, dass ich die falschen Frequenzen zur falschen Zeit benutze. Und irgendwann muss es ja mal funktionieren, spätestens, wenn wir fernab jeglicher Handyzelle sind und Wetterberichte oder -beratung von Freunden bekommen sollen.

23:00 Uhr, Baro 1020, kurz nach dem Cabo de Gata, Wind O 6

Kurz bevor wir den Wegepunkt erreichen, frischt der Wind plötzlich so auf, dass wir den Spinnacker bergen müssen. Leider wird das zu einem katastrophalen Manöver. Luvschot und -achterholer sind los, nur das Spifall ist oben am Mast belegt, ich muss hochsteigen aufs Dach, derweil verdreht sich leider der Spi so sehr um den Mast, dass er garnicht mehr runter kommen mag. Volker zieht mit allen Kräften und flucht, der Spi rührt sich nicht. der sitzt wie festgeklebt am Vorstag, keine Chance. Petra zieht mit, der Spi rührt sich nicht. Volker will in den Mast, da lege ich ein Veto ein, nicht nachts und bei 20 Knoten Wind und Welle, lieber erstmal nachdenken. Wir ziehen die Fock zehn Zentimeter raus, der Spi hält fest. Dann auf einmal gibt er ein kleines bisschen nach, und dann können wir noch einen Meter runterziehen, und dann haben wir gewonnen.  Petra und ich entwirren die 190 qm im Cockpit mit viel Geduld, nun ist er wieder in seiner Tasche, wir haben geschiftet, sind auf Kurs Richtung Gibraltar, noch 153 sm bis dorthin.

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