Ein kapitaler Fehler

Mittwoch, 21. Februar 2018, Baro 1014, sonnig mit einzelnen Wolkenfeldern, Wind NW um 6, später nix, später 6-7
San Sebastian de Gomera 07:15 – 17:45 Puerto de Mogan

Um sechs Minuten vor sieben weckt Volker mich: „Los, raus aus dem Bett, wir legen ab!“ Das habe ich ja schon lange nicht mehr gehört, für alle diejenigen, die früher mit uns gesegelt sind, ist das allerdings ein wohl bekannter Ruf. Wir haben 74 Meilen vor uns, von La Gomera bis Puerto de Mogan auf Gran Canaria, wo schon unsere Freundin, die Hutmacherin Susanne wartet.

Good morning; Gomera

Conny und Hermann von der September winken uns zum Abschied, und werfen die Leinen los. Nach dem Ablegen müssen schnell die vielen Fender und Leinen verstaut werden, dann kommt das Großsegel hoch, und schon sind wir drin in der Acceleration Zone, es frischt auf, 24 Knoten Wind und mehr in Böen. Mit nur einem kleinen Vorsegel fliegt die Hexe mit über elf Knoten Geschwindigkeit über die Wellen. Die Wellen spritzen über den Bug, schlagen gegen die Rümpfe, das könnte ein schönes Schauspiel sein, hätten wir nicht einen kapitalen Fehler gemacht.

Der Teide, heute ohne Wolken

Normalerweise checken wir vor dem Ablegen, dass alle Abflüsse in den Waschbecken verschlossen sind, und alle kleinen und großen Fenster zu. Nur dass wir diesmal das kleine Fenster in der Toilette des Gästerumpfs vergessen haben. Und das bei diesen Wellen! Natürlich steht in dem kleinen Raum alles unter Wasser und natürlich hat sich das Salzwasser schon seinen Weg gebahnt , über den Flur in die Bilge, und natürlich nicht nur in eine, sondern in allen dreien schwabbelt fröhlich ein kleiner See. Mit Schwamm, Tüchern und Schüssel machen wir es erstmal halbwegs trocken.

Nur noch die Hand der Capitania ist zu sehen …

Um 08:45 lässt der Wind nach, die Wellen werden kleiner, und um 09:15 muss der Motor mit schieben. So unterschiedlich sind die Konditionen auf den Kanaren. Zeit für uns, um den Bilgeninhalt: Überlebensanzüge, unser immerwährender Weihnachtsbaum, Kisten mit Lebensmitteln, Dosen, Dauerbrot, Marmeladen, Einweckgläsern und ähnlichem abzuwaschen. Die Bilgen selbst werden ebenfalls mit Süßwasser gereinigt und getrocknet, dann muss noch der Raum mit der Gästetoilette komplett entsalzen werden.

Um 11:00 Uhr gibt es endlich Frühstück mit Rührei und Buttertoast, ich freue mich auf meinen Cappuccino, doch bevor ich den ersten Schluck nehmen kann, muss ich ihn leider wegschütten. Ich hatte aus Versehen des Skippers liebstes Gewürz, Maggi, statt in die Rühreier in meine Kaffeetasse geschüttet, brrrr!

Die Hexe on her way

Um 11:30 Uhr passieren  wir die südwestlichste Ecke von Teneriffa, der Wind frischt ein kleines bisschen auf, Volker rollt die Genua aus, aber ein Motor muss mit schieben bis nach 14:00 Uhr, zu spitz ist der Winkel des eher schwachen Windes. Dann erst kommt der versprochene Nordwester mit 15 Knoten aus 60°, mit kurzen kabbeligen Wellen, und sofort freut sich unsere Hexe, der Motor darf schlafen, neun Knoten Geschwindigkeit fühlen sich spielend an, der Neigungswinkel beträgt zwischen drei und sechs Grad. Leider spritzen die Wellen natürlich auch wieder Salzwasser an Deck, nur vorne, aber da hat Volker doch alles schon schön entsalzen…

Die lange Motorfahrt hat unsere Wasservorräte aufgeheizt, wir nutzen es für eine Dusche unter Segeln. Das ist gar nicht so einfach. Die Dusche ist eher am Bug des Schiffes, dort ist es unruhiger als am Heck, und es wackelt dermaßen, dass ich mich zum Haarewaschen und Einseifen auf den kleinen Rand setze, denn mit einer Hand muss man sich tatsächlich festhalten, um nicht umzufallen.

Delfine.…

Zweimal haben wir Delfine gesehen auf unserer heutigen Überfahrt, das erste Mal kurz nach dem Frühstück, ein riesiger Schwarm kam vorbei und spielte lange Zeit mit den Rümpfen, später kamen noch einmal welche, die waren aber offensichtlich mit der eigenen Jagd auf Futter beschäftigt, und relativ schnell weg.

Die zweite Accelertion Zone vor Gran Canaria hat uns auch wieder aufgerüttelt, wir mussten Großsegel und Genua nacheinander reffen; aber insgesamt war es ein schöner Segeltag, auch wenn Volker das Boot heute zweimal entsalzen musste. Ich habe schon beim ersten Mal gesagt: „Na hoffentlich machst Du das heute nicht noch einmal, kurz vor Gran Canaria!“

Eine Meile vor dem Hafen ist der Wind plötzlich wie abgestorben, wir motoren hin, aber ich finde, es sieht zum Ankern nicht sehr anheimelnd aus. Ich telefoniere mit der jungen Frau im Harbour Office, ob wir nicht doch eine Nacht dort bleiben können. Am Anlegesteg des Ausflugsboots ist nach 18 Uhr Platz bis morgens früh um 08:30. Das lassen wir uns nicht entgehen, kaum hat das Ausflugsboot abgelegt, sind unsere Leinen dort fest, und ich habe eine neue Freundin im Harbour Office.

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Ein Kommentar zu Ein kapitaler Fehler

  1. Susanne Bollmann sagt:

    Hallo ihr Lieben, wir haben uns sehr über euren Besuch gefreut und hoffen auf ein baldiges Wiedersehen.

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