Flächenbrand / Ein voller Tisch

So fing es an…

Beim Tanken sind wir jedesmal positiv überrascht davon, wie wenig unser 6-PS-Tohatsu-Motor, den wir an unserem Beiboot hängen haben, an Benzin verbraucht. Jetzt sind wir eine ganze Woche, und das jeden Tag mehrmals, zwischen Land und Schiff hin-und hergefahren und trotzdem konnte der Tankwart an der Bootstankstelle in Porto Azzurro gestern nur gerade mal fünf Liter in unseren Zwölf-Liter-Tank nachfüllen. Gut für uns – wenig Umsatz für den Tankwart.

… und breitete sich ganz schnell aus

Auf dem Rückweg zum Ankerfeld bemerkte ich am Ufersaum aufsteigenden Rauch, nix besonderes denn hier werden überall Grünabfälle verbrannt. Keine fünf Minuten später loderten bereits Flammen meterhoch auf und mit jeder Windböe breitete sich das Buschfeuer weiter aus und verschlang laut prasselnd  alles Grüne, was ihm in den Weg kam. Der Rauch wurde dichter und weitete sich über die Bucht aus, die Flammen loderten immer höher und wir entschieden uns, sofort ankerauf zu gehen, um nicht geräuchert zu werden.

So schnell war die Hexe

Cornelia schoss schnell noch ein paar Fotos, dann hissten wir das Großsegel. Draußen auf dem Meer erwartete uns ein frischer, West  – Nordwest, nach dem Ausrollen unserer großen Genua beschleunigte die Hexe direkt auf über 8 Knoten Speed. Der Wind wurde stärker, der Kat schneller und Piombino kam immer näher. Hoch am Wind rauschten wir mit bis zu 11,8 Knoten dahin. Ganz schön viel Druck in, bzw. auf der Bude, es wird Zeit zum reffen. Mit Reff eins und der halben Fock sind wir in Böen immer noch mit 10 Knoten unterwegs.

Kurze Zeit danach fällt der Anker vor der Hafeneinfahrt von Salivoli. Unser erster Ankerversuch misslingt, der Spadeanker gräbt sich wegen sehr unebenem Meeresgrund zum ersten Mal nicht richtig ein, beim zweiten Anlauf hält das Grundeisen so wie es soll.

Cornelia hat soeben auch Blog geschrieben und das haben wir wohl unabhängig voneinander gemacht. Deswegen gibt es jetzt zwei Beiträge vom gleichen Tag, doppelt hält bekannter Weise manchmal besser, oder die linke Hand weiß nicht, was die Rechte tut.

Gruppenfoto mit Cosimo

Nachdem wir den Donnerstag Abend mit unseren neuen Freunden von dem Segelboot „Kima“ im „Quattro Gati“ in Porto Azzurro so sehr genossen hatten, trafen wir uns auch gestern wieder mit dieser außergewöhnlichen, multinationalen Familie. Der Star ist natürlich Cosimo, geboren in Oman, der zweieinhalbjährige goldblonde, süße und witzige Sohn von Maja und Massimo, einem vielsprachigem Italiener. Maja ist Tochter einer deutschen Mutter, in Brasilien geboren, dort aufgewachsen bis zum 12. Lebensjahr, dann nach Colorado umgesiedelt, und jetzt in Italien lebend, und natürlich spricht die Architektin alle diese Sprachen fließend. Selbst deutsch, obwohl sie nie in Deutschland gelebt hat. Mutter Monika wiederum ist in zweiter Ehe mit Eric verheiratet, aus Colorado, spricht ebenfalls fließend deutsch, klar, englisch, klar, portugiesisch, italienisch, und was weiß ich noch. Beide waren Lehrer, heute stellt Monika wunderbare Töpfereien her und Eric macht Skulpturen aus Eisen und Stahl. Auf jeden Fall geht es sprachlich hoch her bei unseren Treffen. Selbst Cosimo spricht italienisch, deutsch und englisch!

Der kleine Busfahrer

Salivoli liegt am nordwestlichen Rand von Piombino, wir wollten gerne einen Blick in die Altstadt von Piombino werfen. Alle halbe Stunde fährt ein Bus von hier ins Zentrum. Nachdem die Kima die Hafenformalitäten erledigt hatte, alle frisch geduscht waren, trafen wir uns an der Bushaltestelle vor der Marina. Volker und ich hatten schon mal vorgefühlt, ob die Busse den Samy auch ohne Maulkorb mitnehmen würden, ein freundlicher Fahrer meinte „das ist ja nur ein kleiner Hund, dann ist das in Ordnung!“ Vielleicht für Samy, auf jeden Fall für Cosimo war es das allererste Mal, eine neue Erfahrung: Busfahren. Mit hochroten Backen und leuchtenden Augen saß Cosimo neben seinem Vater und staunte. Der ganze Bus unterhielt sich mit uns, gab Tipps, bis wohin wir fahren sollten, und welches Restaurant zu empfehlen wäre. An der entsprechenden Haltestelle hielt der Busfahrer geduldig an, bis wir verstanden, dass wir hier aussteigen sollten. Und dann durfte Cosimo sich ganz alleine auf den Fahrersitz setzen, und das große Lenkrad anfassen! Alle Insassen winkten uns zu, als der Bus weiterfuhr, und wir uns auf den Weg in die Altstadt machten.

Den lebenden Hummer hat uns die Chefin auch angeboten

Ein schön angeleuchteter Wachturm kann dort abends besichtigt werden, die engen mittelalterlichen Straßen sind voller kleiner Geschäfte und vieler Restaurants, doch Massimo fand schnell das empfohlene Lokal “Al Buco Giusto”. Gut, dass wir relativ früh waren um kurz vor acht, denn wir bekamen in dem kleinen Restaurant einen Tisch für sechs Personen und ein Kinderstühlchen. Die Tische waren mit karierten Papiertischdecken überzogen, das Wasser kam in großen Literflaschen aus Plastik, der Wein wird in kleine Chiantiflaschen abgefüllt. Und das Essen ist perfekt!

Antipasti!

Massimo ging gleich mal in die Küche und schaute, was wir so zur Vorspeise bekommen. Eigentlich sollte es nur ein bisschen Fisch und Crostini sein, aber zum Schluss war kein Platz mehr auf dem großen Tisch, es gab einlegte Sardellen, köstlich, Cozze (Miesmuscheln), geröstete Brotscheiben mit Hühnerleber, Carpaccio vom Rind, Carpaccio von Steinpilzen, und noch Kutteln, (irgendein dritter oder vierter Magen der Kuh, aber sehr schmackhaft), alles außergewöhnlich lecker! Und eigentlich waren wir damit schon satt, dann gab es aber noch hausgemachte Papardelle, je nach Wunsch mit Steinpilzen, oder Muscheln, oder Fleisch, sensationell!

Hexentanz in der Altstadt

Wunderbar gesättigt sind wir mit Cosimo durch die Straßen getanzt. Leider fahren spätabends keine Busse mehr, aber Massimo hat ein großes Taxi für alle gefunden, angeblich das einzige in Piombino. So ein schöner Abend!

 

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