Grenzgänger

Weitersegeln, den Westwind nutzen, Gibraltar links liegen lassen, in einem durchsegeln bis Cartagena, gut 250 Meilen weiter im Osten. Bloß den Frust über die gestrige neue technische Panne mit der Steueranlage im Kielwasser achteraus lassen. Hätten wir machen können. Doch dann hätten wir unseren Freund Harald und seinen Sohn Julian verpasst, die sich mit ihrem Schiff in der letzten Woche, meistens gegen den Wind, nach Gibraltar vorgekämpft hatten, um uns im Mittelmeer willkommen zu heißen. Und auf ein Wiedersehen haben wir uns schon seit dem letzten Tunesienaufenhalt sehr gefreut.
Nach einem kurzen Anruf in der Marina Alcaidesa, im spanischen Teil von Gibraltar, haben wir unseren Kurs zum “The Rock”, dem Felsen, wie Gibraltar im englischsprachigen Raum genannt wird, abgesteckt. Dort gab es einen wunderbaren Längseitsliegeplatz für uns und im nahegelegenen Restaurant habe ich uns ein paar Brötchen zum Frühstüsck besorgt. Der Hund hat sich über den Landgang sehr gefreut, hat wie wild herumgetobt, mit anderen Hunden gespielt und ist beim Spaziergang sicher die 5-fache Strecke vom normalen Weg gelaufen. Zurück an Bord gab es ein ausgiebiges Frühstück mit allem Drum und Dran, denn am Vorabend waren wir zu geschockt gewesen, um an Essen zu denken.
Aber was genau ist mit der Ruderanlage passiert? Jetzt wird es leider ein bisschen technisch und vielleicht langatmig, weil man es sonst nicht verständlich erklären kann. Plötzlich hatte sich der Autopilot ausgeschaltet, und das Boot fuhr direkt in die Fahrlinie eines näher kommenden Frachters. Um diesem auszuweichen, schalte ich den Autopilot aus, greif ins Steuerrad, und nix passiert. Die Hexe ändert ihren Kurs nicht, ich schalte geschwind den Autopilot wieder ein, ändere den Kurs, die Hexe dreht, wir kommen frei vom entgegenkommenden Frachter. Gott sei Dank.
Danach versuchen wir, den Fehler zu finden, zuerst in der Schaltbox, wo man von der Steuerradsteuerung auf die optionale Pinnensteuerung mittels eines Bowdenzuges umstellen kann. Der Bowdenzug hat am Ende einen Metallbolzen, der den Ruderquadranten der Radsteurung und den der Pinnensteuerung miteinander verbindet, oder auf Wunsch eben über die Schaltbox trennen kann. Wie gesagt, die Schaltbox ist in Ordnung. Ich verziehe mich in den Motorraum, guck mir die Rudermechanik dort direkt am Quadranten an, und was finde ich? Ein abgebrochener ca. drei Zentimeter langer Metallbolzen liegt auf dem Boden, ich fluche rum, maule (natürlich ungerechtfertigter Weise) in meiner Wut/Hilflosigkeit über die Situation, die Capitania an. Nix gut, doppelte Scheiße. Also erstmal raus aus der Situation und dem Motorraum, runterkommen, abkühlen und nachdenken. Cornelia meint, das wir dann halt den Rest der Strecke nur mit Autopilot fahren können, was ja prinzipiell ginge. Doch so schnell will ich nicht aufgeben, irgendwie muss eine Lösung her, damit wir im Notfall über die Steuerräder steuern können, dafür sind die ja da…
Nach einer Weile fällt mir ein, dass wir Gewindestangen in verschiedenen Durchmessern an Bord haben, und dass man damit die zwei Quadranten verbinden könnte. Abgeregt geht es ans Werk und nach einem Versuch mit Irrtum und 60 Minuten später, arbeitet die Steuerung wieder so, wie sie soll. Nur meine Wut über die Outremerwerft, das Schiff, den ganzen Pannenmix, die bleibt, auch noch mit einem Tag Abstand. ENDE
In Gibraltar ging es dafür umso erfreulicher mit dem Vater-und-Sohn-Gespann per Pedes in Richtung spanisch-englischer Grenze. Und ganz so, wie man es aus den Medien kennt, stauten sich tatsächlich die Autos vorm britischen Grenzübergang bei der Ausreise aus dem spanischen Teil, auf einigen hundert Metern. Wir vier gingen zuerst mit gezückten Personalausweisen durch die spanische Grenzkontollbaracke, ohne beachtet zu werden. In der nachfolgenden englischen Baracke wurde unsere Ausweise von Officer kurz in Augenschein genommen. Danach waren wir offiziell im englischen Teil von Gibraltar, was man an der typisch roten Telefonzelle gleich auch optisch erkannte.
Dann folgte die nächste Besonderheit, wir überquerten zu Fuß die Start- oder Landebahn des Flughafens, wo noch kurz zuvor eine große Boing von Easyjet gelandet war. Lustiges Gefühl, aber wenn ein Flugzeug angekündigt ist, wird der Durchgang für den ganzen Verkehr gesperrt und mehrere Kontrollfahrzeuge fahren das gesamte Rollfeld ab. Kurze Zeit später saßen wir in einem netten Pub und blickten dabei über die Shepphard’s Marina. Der Rückweg lief dann in umgekehrter Folge. Zum Sonnenuntergang saßen wir endlich mit hängenden Mägen in “unserem” Hafenrestaurant, das schon am Mittag und Nachmittag voll war mit spanischen Familien, die den Sonntag feierten, und haben lecker gegessen und getrunken.
Danach war bei Cornelia und mir die Luft raus, rien de va plus, ganz schnell ab in die Koje. Heute Morgen sind wir mit dem Kat, ohne Grenzkontrolle, zum englischen Gibraltarteil rübermotort und haben Diesel für knapp 60 Cent je Liter gebunkert. Jetzt pflügen wir mit Rückenwind und Schmetterlingssegelstellung durchs aufgewühlte Mittelmeer. Wie cool, wir waren gerade über 16 Knoten schnell im Surf, und das mit 2-fach gerefftem Großsegel und verkleinerter Genua :-))). Segeln kann ja so schön sein!

Dieser Beitrag wurde unter Leben an Bord veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Grenzgänger

  1. Esther Sancho sagt:

    Fantástico amigos del Hexe!!!! Felicidades por acabar la travesía sanos y salvos, y también el descubrimiento y reparación del problema de la dirección del catamarán! Abrazo!!!

  2. Os envio nuestro bloc.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.