Jahresrückblickend

Gleich kommt 2015

Gleich kommt 2015

Ist gar nicht so einfach, ein ganzes Jahr zusammenzufassen und auf ein paar Zeilen zu reduzieren. Aber es kribbelt in den Fingern, und die Gedanken schwirren nur so durch den Kopf. Nur wer auf dem IPad schreibt, hört nicht wie in früheren Zeiten die berühmte Schreibmaschinentastatur klappern, sondern nur den doch recht dumpfen leisen Fingeraufschlag auf dem gläsernen Bildschirm. Für mich ein beruhigendes Geräusch.

So schön segelt unsere Hexe

So schön segelt unsere Hexe

Ganz kurz zusammengefasst: Viel haben wir erlebt, vor allem viel Positives.

Das Schiff blieb heil, wir beide waren in 2015 gesund und fit, wir haben viele nette Menschen getroffen, wunderschöne Natur, Landschaften und Städte gesehen, an den schönsten Plätzen geankert und uns des Lebens erfreut. Allein das ist ja schon genug!

Gute Sicht in den französischen Allen bei 3 Vallées

Gute Sicht in den französischen Alpen bei Trois Vallées

Die ersten zwei Wochen in 2015 haben wir nicht segelnd sondern skifahrend in Frankreich und abwartend in Almerimar verbracht. Letzteres war dank Ralf und Inge eine sehr harmonische Zeit.

Fischernetze am Hafen von Cartagena

Fischernetze am Hafen von Cartagena

Von dort ging es flott voran, an der spanischen Küste nordwärts bis nach Catrtagena, wo wir am 28. Januar eingetroffen sind. Dort gab es – oh Glück – so wie in Lagos eine echte “Fahrtenseglercommunity”, also viele nette Menschen, die wie wir auf ihren Segelbooten leben. Mit einigen sind wir schnell in Kontakt gekommen und es haben sich Freundschaften entwickelt. Der hübsche historische Stadtkern und das pulsierende Nachtleben in der Altstadt taten ihr übriges dazu, die Zeit verging wie im Flug. Über vier Wochen waren wir in Cartagena, Anfang März hieß es dann Abschiednehmen von neuen und alten Freunden, in zwei großen Tagesetappen ging es nach Denia und von dort zu unserer ersten Baleareninsel Ibiza.

Die Festung liegt hoch über Ibiza-Stadt

Die Festung liegt hoch über Ibiza-Stadt

Ibiza ist schön, und man braucht schon ein Mietauto, um das Eiland zu erkunden. Ganz anders als Formentara, die kleine Nachbarinsel, die man auch auf Schusters Rappen erlaufenund entdecken kann. Wir haben das ausführlich getan, sowohl mit Auto als auch mit dem Boot waren wir an vielen Stellen und haben die Schönheit der Insel erkundet.

Ja, und dann war es schon soweit, Mallorca, der Deutschen liebste Insel lag vor uns. Das ist schon ein tolles Gefühl, wenn man mit dem eigenen Boot nach monatelanger Anreise einen so schönen Fleck erreicht, anstatt wie früher mit zwei-stündigem Flug ab Frankfurt. Klasse, wir waren froh, dieses Zwischenziel erreicht zu haben. Die Insel war schön wie eh und je, nur das Wetter noch nicht ganz so frühlingshaft wie erwartet.

Die Kathedrale in Palma de Mallorca

Die Kathedrale in Palma de Mallorca

Jens und Martina sowie Ralf und Inge waren in der Zwischenzeit mit ihren Schiffen zu anderen Destinationen unterwegs, ein kleiner Wermutstropfen. Dafür kamen Larissa und Johannes für einge Tage an Bord. Mallorca haben wir mit dem Leihauto für uns entdeckt, absolut lohnenswert. Wir waren an der Ostseite in kleinen Buchten, im Landesinnern, wie es ganz schön kalt wurde, und – natürlich – einmal auf dem noch leeren Ballermann. Menorca wird auf dem Rückweg, aus dem Mittelmeer raus, besucht werden.

Sonnenuntergang auf der Überfahrt

Sonnenuntergang auf der Überfahrt

Unser längster Nonstoppschlag des Jahres (ok, der war nicht wirklich weit) führte uns halb motorend halb segelnd zum nächsten Highlight, Barcelona. Was für eine Stadt, was für ein schöner Hafen und das mitten in der Stadt, am Puls des Lebens. Allegra und Leonard erkundeten zu Ostern mit uns die Stadt und ihre unzählbaren Sehenswürdigkeiten.

 

 

Barcelona - wir kommen

Barcelona – wir kommen

Gaudí-Wohnhaus in Barcelona

Gaudí-Wohnhaus in Barcelona

Die Sagrada Familia in Barcelona

Die Sagrada Familia in Barcelona

Mittlerweile war es April, die Tage deutlich länger, wärmer und insgesamt angenehmer. Unser vorläufiges Ende von Spanien nahte und Frankreich tauchte am Horizont auf. In Cap d’Agde lassen wir für ein paar Wochen unsere Hexe liegen und tauschen das Fahrtensegler- gegen das Arbeitsleben ein. Ab dem 18. Mai waren wir wieder an Bord und setzten unsere Reise ostwärts fort.

Orientalischer Gemüseladen in Marseille

Orientalischer Gemüseladen in Marseille

Marseille ist der nächste Höhepunkt unserer Fahrt, diese quirlige multikulturelle Stadt ist ein gutes Beispiel für ein augenscheinlich gelungenes Miteinander der Kulturen. Der Frühsommer hat im Süden Einzug gehalten, die Heizung konnte seit dem für lange Zeit außer Dienst gestellt werden.

Dafür entdeckten wir die Freuden des Ankerns – das tagelange Liegen in einsamen Buchten, der absolut barrierefreie Zugang ins Wasser über unsere praktische Badeplattform, die unverbaute weite Aussicht vom Ankerplatz. Die Wassertemperatur klettert erstmals über die 20-Grad-Marke und die Badesaison war für eine sommerlange Zeit eröffnet. Das Beiboot wurde erstmals in diesem Jahr aufgeblasen und zum unentbehrlichen Shuttle für Landausflüge, Einkaufsfahrten, abendliche Kneipentouren und natürlich für Gassigänge mit Nico.

Das Leben fand seitdem fast nur noch draußen statt, die Anzahl der notwendigen Kleidungsstücke sank zunehmend mit den steigenden Außentemperaturen.

geheimnisvolle Landschaften auf Port Cross

geheimnisvolle Landschaften auf Port Cross

Die beiden Inseln Porquerolles und Port Cros muss man entdecken und erkunden, das haben wir getan. Jede für sich ist eine Schönheit, Port Cros, die kleinere von beiden, ist heute  Nationalpark und man darf nur ausgewiesenen Stellen frei ankern, ansonsten gibt es vom Amt ausgelegt Mooringbojen. Nur 20 Menschen wohnen dort ganzjährig und auch für Landurlauber ist die Insel per Fähre zugänglich. Ein Tagesausflug, der sich lohnt.

bizarre Steinformationen und Tauchparadies vor Porquerolles

bizarre Steinformationen und Tauchparadies vor Porquerolles

Porquerolles hat einen richtigen Ort mit Restaurants, Farhradverleih, Tauchschule, Segelschulen und zahlreiche Badestrände. Auch hier ist die Anbindung zum Festland durch einige Fährlinien ganzjährig sichergestellt.

Ein paar Meilen weiter östlich liegt die eigentliche Côte d’Azur. Egal, ob St. Tropez, Cannes, Antibes, Nizza, Monacco oder Menton, alle Städte sind sehenswert und haben uns über eine lange Zeit in ihren Bann gezogen. Es gibt nur einen gravierenden Nachteil, das ist der in den Sommermonaten häufig fehlende Wind und die zahlreichen großen Motorboote mit ihren Wellen. Die höheren Hafengebühren während der Hauptsaison haben uns nicht so gestört, da wir überwiegend geankert haben. Zahlreiche geschützte Buchten machen gerade die Côte d’Azur zum idealen Sommerziel für Segler.

großartige Buchten an Korsikas Westküste

großartige Buchten an Korsikas Westküste

Während der Hauptferienmonate August und September sind wir nach Korsika und Sardinien gesegelt. Ich habe es schon mal geschrieben, und kann es mit einigem zeitlichen Abstand nur wiederholen. Die Westküste von Korsika ist und bleibt für mich das absolute Highlight unserer bisherigen Reise. Diese Berge, diese imposante Landschaft und die schönen Orte sind mit Worten kaum zu beschreiben. Auch in der Hauptsaison von der Wasserseite her nicht überfüllt, der Artenreichtum im Wasser, all das rundet den positiven Eindruck ab. Zudem sorgen relativ stabile thermische Winde für eine gute Segelbrise. Zahlreiche nahezu leere Ankerbuchten gibt es im kurzen Abstand an der Westküste, doch Vorsicht ist geboten bei kräftigen Winden aus dem westlichen Quadranten. Da können einige dieser vermeintlich sicheren Buchten schnell zur Falle  werden.

Die Tavolara - eine Insel vor Olbia

Die Tavolara – eine Insel vor Olbia

Durchblicke im Maddalena-Archipel zwischen Korsika und Sardinien

Durchblicke im Maddalena-Archipel zwischen Korsika und Sardinien

Die Capitania hat Sardinien auf dem ersten Platz ihres “Besteplätzerankings“ stehen – zweifelsohne eine gute Wahl. Mich haben abermals die zahlreichen Motoryachten gerade im Nordteil der Insel gestört, die zum Teil rücksichtslos mit Full Speed an einem vorbei rauschen. Nach sieben Segelwochen ging es zurück an die Côte d’Azur und es folgte ein fünfwöchiger geplanter Heimataufenthalt.

Cannes - die Stadt der Reichen und Schönen

Cannes – die Stadt der Reichen und Schönen

Anfang Oktober war es dann schon deutlich (Menschen-) leerer an der Côte, die Nachsaison hatte Einzug gehalten. Von Hektik, überfüllten Häfen oder Restaurants keine Spur mehr. Die dicken Motoryachten wurden von ihren Crews eingewintert. Obwohl natürlich eingewintert nicht bedeutet, dass im Herbst der Winter ausgebrochen ist. Tagsüber kletterte das Thermometer immer noch über die 20-Grad-Marke,

Die Altstadt von San Remo

Die Altstadt von San Remo

Passend zu den Temperaturen genossen wir das Dolce Vita an der italienischen Blumenküste. San Remo, mit seiner mittelalterlichen Altstadt haben wir dabei kurzerhand zu unserer Lieblingsstadt erklärt (es war auch die einzige!).

Abermals ging es nach einigen Wochen ins hessische Darmstadt zurück. Exakt 950 Kilometer gilt es abzufahren. Eine überwiegend reizvolle Strecke und mit etwas Glück in knapp zehn Stunden mit dem Auto zu bewältigen.

Heimathafen für die Hexe war und ist die sehr gut geschützte Marina Baie des Anges. Vernünftige Preise, ein ausgezeichneter Service, ein gutes Sicherheitskonzept und ausreichende Parkmöglichkeiten waren ausschlaggebend für die Wahl des Hafens.

Auch an der Côte gibt es Hühnergötter

Auch an der Côte gibt es Hühnergötter

Bei unserem spätherbstlichen Segeltörn war eigentlich geplant, das Schiff nach Barcelona zu überführen. Der vorherrschende Mistralwind vereitelte jedoch unsere ehrgeizigen Pläne. Ok, mal ganz ehrlich, ganz so doll ist es mit dem Ehrgeiz auch nicht mehr. Wir scheuen das Risiko mittlerweile wie der Teufel das Weihwasser, Sind wir früher im winterlichen Holland bei allen erdenklichen Wetter- und Windlagen Winterwettkämpfe gesegelt, manchmal ohne jegliche Rücksicht auf Mensch und Material, so hegen, pflegen und hüten wir heute unser  schwimmendes Zuhause umso mehr.

Antibes im November

Antibes im November

Die Bedeutung des Bootes für uns hat sich in den letzten Monaten nochmals deutlich verstärkt und verwandelt. Unser Bestreben ist es, mögliche Gefahrenquellen für uns und die Hexe schon im Vorfeld zu erkennen und, wenn es irgendwie geht, zu vermeiden. Wir segeln keine riskanten Abkürzungen mehr, nur um ein paar Meter zu sparen, wir reffen früher als vorher, riskante Anlegemanöver bei viel Wind vermeiden wir, so gut es geht, bei Starkwind, vor allem von vorne, bleiben wir entspannt im Hafen liegen. Den krisengeschüttelten afrikanischen Kontinent haben wir momentan von unserer Wunschliste gestrichen. Kurzum wir behandeln das Schiff wie unser Zuhause, was es auch ja ist!

Was nicht heißt, dass wir vor Schäden gefeit sind, aber bis jetzt, toi, toi, toi…

Der Dezember-Himmel über Darmstadt

Der Dezember-Himmel über Darmstadt

Seit Ende November liegt unser gutes Stück wieder in der Marina Baie des Anges und wartet auf unsere Wiederkehr. Hoffentlich werden wir im Frühjahr unsere Reise fortsetzen.

In 2016 wollen wir langsam, aber sicher das Mittelmeer verlassen, auf die Kanaren segeln und bis mindestens Dezember 2016 dort bleiben. Soweit zu Plan A, aber wenn aus irgendeinem wichtigen Grund Plan A nicht klappt, macht uns das auch keine Sorgen, denn das Alphabet hat ja noch weitere 25 Buchstaben und damit fällt uns bestimmt was ein 🙂

 

Und ganz zum Schluss noch ein paar Fakten.

Wir haben:

  • 2185 Meilen seit Jahresbeginn zurückgelegt,
  • dabei 46 Häfen angelaufen,
  • 90 Tage gesegelt,
  • in zwölf Monaten ca. 250 Stunden motort
  • 18 Kilo Grillkohle mit unserem heißgeliebten Lotusgrill “verbruzzelt”
  • 12 Kilo Antifouling aufs Unterwasserschiff gepinselt
  • 0 Kilo und Gramm Fisch selbst gefangen und wir hatten es mehrfach  versucht
  • immer noch unendlich viel Freude am Segeln und dem Leben auf unserer Hexe
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