Kompliment an die Bootsbauer

Flötenspieler in Palamos

Flötenspieler in Palamos

Lebensplattform – Überlebensplattform mit Spaßfaktor, auch wenn Neptun das Deck wäscht und die Wogen hoch gehen. Stabil, agil und mit durabler Ausrüstung, so muss ein Schiff gebaut oder konstruiert sein. Es muss etwas abkönnen, wie man so schön sagt. Schwerem Wetter, Wind und Wellen widerstehen können. Im Ernstfall ist ein solide konstruiertes Schiff der Garant  für die Sicherheit und das Wohlbefinden der Mannschaft, das nur vorausgeschickt. Jeder, der länger im Mittelmeer rumschippert, ist schon mal vom Wetter kalt oder nass erwischt worden, und hat gegen oder je nach Sichtweise mit den Elementen zu kämpfen gehabt. Wir auch, gestern ganz besonders  intensiv.

Beim Start in Palamos war alles noch eitel Sonnenschein. Ein leichter Wind aus Ostsüdost schiebt unsere Hexe langsam, aber beständig über das silbrig glänzende Meer. Der Speck brutzelt, verführerisch riechend in der Pfanne, acht aufgeschlagene Rühreier folgen, frisches Baguette wird mit Butter bestrichen, fertig ist das üppige Seglerfrühstück. Der Wind schläft ein,  der Motor erwacht zum Leben, weiter geht die Reise. Barcelona ist noch fast 100 Kilometer entfernt.

Was verheißen diese Wolken?

Was verheißen diese Wolken?

Zwei Stunden später und elf Seemeilen weiter, ändert sich die Situation schlagartig. Der Wind hat um fast 180 Grad auf West gedreht, die Farbe des Wassers hat sich mit den herannahenden Böen von Blau auf Dunkel verändert, der Wind orgelt im Rigg. Wir haben sofort die Segelfläche angepasst, d.h. verkleinert. Vom Vorsegel steht nur noch zwei Drittel, das Großsegel ist im ersten Reff. Der Windmesser zeigt nach wenigen Minuten sieben Windstärken an, das Schiff legt sich schwer auf die Seite. Erste Wellen finden ihren Weg über Deck, der vorher warme Wind fühlt sich kalt an, die wasserdichten Segelklamotten werden rausgekramt. Es ist an der Zeit, die Segelfläche weiter zu verkleinern, die Böen lassen den Mast erzittern. Es locken die nahen Yachthäfen, doch sind sie allesamt dem Wind ausgesetzt. Ein Anlegemanöver bei mittlerweile über 30 Knoten Wind ist mehr als riskant. (Ich glaube, der Skipper hatte auch ein bisschen Spaß dabei.) Mit Minimalst-Segelfläche erkämpfen wir unseren Weg nach Luv. Ein Blick nach oben zeigt, dass ein Mastrutscher sich verabschiedet hat und die Segellatte wild gegen den Mast schlägt. Zeit, das Großsegel ganz zu bergen. Mit dem Vorsegel allein sind die Schiffsbewegungen trotz gut zwei Metern Wellenhöhe deutlich ruhiger. Und das bei über 6 Knoten Speed. Dafür werden die Wellen immer höher und immer öfter brechen sie übers Boot.

Mastrutscher

So ein Mastfutscher kann auch mal streiken…

Die kurze Mittelmeerwelle, berühmt-berüchtigt, alle 2-3 Sekunden folgt eine nasse Ladung, eine Belastung für Mannschaft (er, Hund und ich) und Schiff. Es geht voran, immer nach Luv, immer gegen den Wind, Kurs Westsüdwest. Nico ist im Bootsinneren und hat sich in sein Körbchen verkrümmelt. In diesen Momenten verflucht er bestimmt sein Leben als Bordhund (wer nicht?). Cornelia hat einen Hafen kurz vor Barcelona ausgemacht, der fast vollständig von Appartementhäusern umgeben ist und dadurch windgeschützt sein muss. Doch zuerst heißt es noch 12 Seemeilen gegenan zu segeln bei Böen von über 35 Knoten. Irgendwie ist das Ganze auch faszinierend (zumindest für den Skipper) – die brechenden Wellen, das Schiff, wie es sich seinen Weg durch die “Buckelpiste” bahnt. Ich genieße Stunde um Stunde am Steuer, 10 Stunden sind es am Ende ohne Autopilot, ohne Unterbrechung. Die letzten drei Meilen zum Hafen motoren wir. Vor den  landnahen Gebirgen hat sich eine Wolkenwand aufgebaut und bremst ab 20 Uhr den Seewind. Als wir im Hafen festmachen, weht nur ein laues Lüftchen. Das Schiff wird von seiner dicken Salzkruste befreit und bekommt eine Süßwasserdusche, Nico den wohlverdienten Gassigang und kurz darauf bruzzeln leckere Steaks auf unserem Lotusgrill. Der Mastrutscher wird am nächsten Morgen ausgetauscht. Ansonsten gibt es keine Schäden am Schiff zu vermelden, wir sind stolz auf unsere stabile agile Hexe. Eine der letzten Dehler, die noch in Freineohl gebaut worden sind. Seit ein paar Jahren werden dort keine großen  Schiffe mehr gebaut, über 50 Jahre Bootsbau sind in Freienohl Geschichte. Die Marke lebt zwar weiter, wird aber mittlerweile in Greifswald gebaut. Kompliment an die ehemaligen stolzen Bootsbauer!

Die Statue von Kolumbus ziert die Einfahrt von Barcelona

Die Statue von Kolumbus ziert die Einfahrt von Barcelona

Bei leichtem Wind geht es heute die letzten fünf Meilen nach Barcelona. Wir liegen wieder im Stadtzentrum und werden bis zum Wochenende dort bleiben und das urbane Leben einer wunderbaren Großstadt genießen.

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2 Kommentare zu Kompliment an die Bootsbauer

  1. Anett Martens sagt:

    Liebe Cornelia,lieber Volker,hallo Nico
    schön,dass Ihr gut angekommen seid
    Wir “fendern” das Sauwetter hier in La Grande Motte noch ab ,weil das Radar nicht funktionierte.Am Mi/Do geht`s dann los Richtung Marseille und dann schön ankern vor Porquerolles.
    Geniesst die Zeit!
    L.G. Anett und Patrick

  2. Anett Martens sagt:

    Hallo Ihr Lieben,
    wir haben hier in LGM 3 Tage das Mistwetter abgewartet (Regen,Regen….. und stürmische Winde .Morgen geht es Richtung Marseille in der Hoffnung dass der Sommer nun endlich Einzug hält.Mogli ist hier Nachtaktiv,heisst er tobt über das Schiff .drinnen wie draussen.Der Tag wird weitgehend verschlafen.Wir sind gespannt was Morgen beim ca.8std.Segeln passiert.Barcelona ist super;Altes und Neues bieten einen interessanten Gegensatz.Ich hoffe,dass Marseille ähnliches zu bieten hat.war 10 Jahre nicht mehr da.
    Komischer Weise kann ich e-mails empfangen,aber nicht senden.Zukünftig werde ich Euch über anett@worldcruisingcatamaran.de kontaktieren.
    Geniesst die Zeit und ganz liebe Grüße
    Anett und Patrick

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