Montagsboot?

Wellenspiele

Wellenspiele

In Sète haben wir einen Sozialarbeiter kennengelernt, der auf seinem Segelboot Kinder aus sozialschwachen Familien auf Segeltörns mitnimmt und diese auch zu Hause pädagogisch betreut. Ein engmaschiges Betreuungssystem wacht konstant, nicht nur bei den Segelfreizeiten, über das Wohl der Kinder. Das ist so leider nicht bei allen erlebnispädagogischen Maßnahmen der Fall und meines Erachtens der Grund, warum der Erfolg ausbleibt. Häufig fallen die Teilnehmer nach den Pädagogikmaßnahmen in ihre alten tradierten Verhaltensweisen zurück und langfristige zeigen sich keine Veränderungen. Aber das nur am Rande.

Jedenfalls kannte der nette Pädagoge einen Bootseigner, der so kreuzunglücklich mit seiner Dehler 41 ist, dass er schon langjährig prozessiert und einen eigenen Blog darüber schreibt. Das Boot wurde mit einem zu kurzen Mast geliefert, ist an mehreren Stellen undicht und der Innenausbau ist an einigen Stellen mangelhaft, kurz ein Montagsboot. Das schlimmste ist für den Eigner wohl, dass Hanse/Dehler Deutschland alle Garantieleistungen ablehnt und versucht, diese auf den Händler vor Ort abzuwälzen. Das Gerichtsurteil aus Frankreich erkennen die deutschen Bootsbauer nicht an, und so geht die Leidensgeschichte des unglücklichen Bootskäufers weiter. Das wirft auch kein gutes Licht auf den deutschen Bootsbauer.

Aber der Fairness halber, bei längerer Recherche im Internet finden sich einige solcher Bootskaufdramen im Netz, mit fast jedem Großserienbauer, aus unterschiedlichen Ländern. Ein bisschen widersprüchlich ist das schon von den Werften, da wird für viel Geld und Aufwand Werbung betrieben und im Reklamationsfall lässt man den Kunden im Stich und verliert somit nicht nur diesen, sondern durch dessen Erzählungen noch andere potenzielle Neukunden.

Wer das verstehen will? Klar gibt es häufig ein paar Dinge, die bei einem Neuschiff leider nicht so sind, wie vereinbart, es ist halt ein komplexes Sytem, so ein Boot. Diese kleinen Problempunkte sollten aber willig und zügig seitens der Werft oder vom Händler beseitigt werden. Boot gut, Kunde happy, macht Gratiswerbung für die Werft. So einfach ist es, und so sollte sein. Win-Win-Situation für alle. Es könnte halt vieles so leicht sein.

Jedenfalls meinte der Sozialpädagoge noch, dass die Dehler seines auch langsam sei und nicht so schnell wie seine Dufour. Ich war da ziemlich verdutzt, denn, um so eine Dufour fahren wir normalerweise Kreise und ich dachte, dass ich da erstmal nichts zu sage. Wir haben dann am nächsten Morgen gemeinsam abgelegt, er mit seinem und wir mit unserem Boot und raus ging es aufs Meer. An der Hafeneinfahrt hatte er schon das Vor-und Großsegel oben und wir nur das Groß. Motor aus, und selbst mit dem einen Segel schiebt sich unsere flinke Hexe ganz langsam am Gegner vorbei. Der schaut nur entgeistert und ruft noch, dass seine Elektronik nicht funktioniert, und er nicht sieht, wo der Wind herkommt. Das merkt man doch, wo der herkommt! Wir haben dann noch das Vorsegel ausgerollt und liesen ihn verdutzt zurück. Dann ging es auf Kurs La Grande Motte, der Spinnaker kam hoch und die Dufour wurde immer kleiner am Horizont.

Aprilwetter mit Hagelkörnern in Darmstadt

Aprilwetter mit Hagelkörnern in Darmstadt

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Ein Kommentar zu Montagsboot?

  1. Ralph sagt:

    Da ist er wieder der alte Volker, immer auf der Jagd nach dem blauen Band:-)

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