Schutzhafen

Es heult, brummt und kreischt der Sturmwind in den Masten, Wanten und Stagen der umliegenden Yachten. Ein Gratis Hafenkonzert, wenn man so will, vom Hauptakteur des Tages. Die elektronische Nadel des  Windmesser zeigt oft über 30 Knoten an, einzelne Böen bringen es auf über 35 Knoten Wind.

Sonnenuntergang über dem Hafen

Gestern früh haben wir uns vom Ankerplatz in den Hafen von Porquerolles verholt. Die Wetterprognosen bis Mittwoch wurden immer ungünstiger und als sich dann zur Sturmvorhersage noch Starkregen dazu gesellte, war die Entscheidung schnell gefallen. Wir können es gut und gerne ein paar Tage ohne Landgang auf dem Schiff aushalten, für Samy sieht das anders aus, der will  natürlich dreimal am Tag an Land geführt werden, wenn es denn da ist. Aber letztendlich ist es auch für uns bei schlechtem Wetter viel komfortabler, im sicheren Hafen zu liegen, ohne aktivierten nächtlichen Ankeralarm seelenruhig durchschlafen zu können.

Der supernette Hafenchef von Porquerolles hat uns einen bestens geschützten Längseitsliegeplatz im Hafen zugewiesen, mit Klampen auf dem Steg, die auch ein 100 Tonnen schweres Schiff im ärgsten Sturm sicher halten würden. Gestern, einmal im Hafen angekommen, ging es gleich an die Arbeit, denn durch die “Urlaubsegelei” der letzten Woche gab es einen zum Teil sichtbaren Unterhaltsrückstau an Bord. Rostanflug bedeckte so manches Edelstahl, die eine oder andere Gelcoatfläche schimmert nur noch matt und das Schiffsinnere musste mal gründlich entstaubt werden.

Hier ging es noch gerade

Am späten Nachmittag war schon viel getan und wir holten seit langem mal wieder die Fahrräder aus der vorderen Backskiste heraus. Porquerolles ist ein Eldorado für Fahrradfahrer, im Ortskern gibt es daher gut und gerne zehn Fahrradverleiher. Wir haben unsere Räder zum Glück dabei, die erste Fahrradtour führte uns raus aus dem Ortskern, am Weingut Perzinsky vorbei,  durch mediterrane Kiefernwälder und die edle Hotelanlage des Mas de Langoustier, bis wir schließlich nach 30-minütiger Fahrt in der schönen Bucht Anse du Parfait angekommen sind.

La baie des langoustiers

Auf der anderen Seite der schmalen Landzunge liegt die Bucht Baie du Langoustier, wo wir vor über drei Jahren schon it unserer alten Hexe geankert haben. Für die Rückfahrt haben wir dann einen küstennäheren Weg gewählt und den ein oder anderen hübschen Ankerspot entdeckt, das war ganz schön anstrengend, auf klapprigen Wegen die Hügel hoch, und naja, auch wieder schön runter zu fahren.

La calanque du Maure, super geschützt bei Ostwind

Nach eineinhalb Stunden haben wir Samy vom Alleinsein erlöst, uns die Boulekugeln geschnappt und mitten auf dem Dorfplatz, heute ganz allein, ein paar schöne Runden gespielt. Danach gab es noch einen Sundowner mit Appetizer „Panisse“ (eine Spezialität aus Marseille, in Nizza heißt sie Socca), aus Kicherbsenmehl, frittiert, mit einem leichten Tomatencoulis, sehr lecker. An Bord gab es Abendessen mit anschließendem Schwarzweißfilm aus den sechziger Jahren, den Cornelia noch von früher kannte, „Die Gentlemen bitten zur Kasse”

Regentropfen, die an mein Fenster klopfen

Heute morgen gingen die Polierarbeiten weiter, bis der Regen einsetzte. Im Moment ist draußen alles grau in grau und außer den großen Fähren hat heute noch kein Schiff den sicheren Hafen von Porquerolles verlassen. Zum Hundespaziergang ziehen wir Ölzeug an…

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Race

Das Plakat

Als wir in Calvi waren, fand dort der zweite Tag einer Oldtimer-Rallye über Korsika statt. Wir haben am Nachmittag die Schrauber besucht, und am Abend mussten alle Autos zur Ausstellung kommen, am nächsten Morgen sind sie vom Hafen aus gestartet. Richtige Schätzchen waren dabei. Innen drin ist es furchtbar eng in den Wagen, und sie sind unglaublich laut Die Fahrer sind meist nicht ganz jung, und die Beifahrer bekommen dicke Kladden als Anweisungen. Auf den Autos stehen die Namen von Fahrer und Beifahrer, und deren Blutgruppen!

Wir haben sehr viele Fotos gemacht, die wir Euch nicht vorenthalten wollen:

 

 

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Die Überfahrt

Route nach Porquerolles

An La Revellata, dem Leuchtturm vor Calvi müssen wir noch vorbei, dann gehen wir auf Kurs 281° Richtung Porquerolles. Die See ist ruppig, die Wellenhöhe beträgt geschätzt zwei bis drei Meter, und die Hexe wird ganz schön durchgeschaukelt. Dafür sind wir schnell unterwegs und nachmittags soll der Wind ein bisschen abnehmen, Im Moment haben wir immer wieder mal über 20 Knoten, meist 18 – 19, und das Wasser spritzt hoch durch das Trampolin.

Die komplette Elektronik wird geladen

Volker hat, sehr vorausdenkend, gleich ein Reff ins Groß gebunden, auch die Genua ist um gute zwei Umdrehungen verkleinert. Auf der Luvseite sind ist das Cockpitzelt zugezogen und feste eingehängt, damit möglichst kein Wasser den Weg ins Boot findet.

Wir können den Navigationsbildschirm beständig anlassen, auch Computer, Ipad und Handys werden geladen, denn der Hydrogenerator sorgt dafür, dass wir genug Strom haben. Bei diesen Geschwindigkeiten lädt er viele Ampères in die Batterie. Wir schalten sogar den Solar-Lader aus, nur der Hydro soll laden, denn wenn die Batterien voll sind, macht er schrecklichen Lärm, und man muss ihn wieder aus dem Wasser holen. Bei den Wellen mache ich mir immer ein bisschen Sorgen, wenn Volker da hinten auf der Badeplattform herum turnt.

Die Motoryacht schlägt in die Wellen

Auf dem Bildschirm sieht man, wie nahe wir aneinander vorbei gefahren sind

Um 13:50 Uhr fährt eine 27 m lange Motoryacht, die „Magnum Force“ keine 200 Meter vor unserem Bug vorbei, sie fährt 355°, fast genau in die Wellen, und schlägt auch trotz ihrer Länge ganz schön auf. Hoffentlich haben die ihr Geschirr und die Gläser gut gesichert! Aber auch uns heben die seitlich anrollenden Wellen ganz schön an, sechs Grad nach Backbord, und dann wieder zurück, und wieder hin, das ist ein Geschaukel!

Nach 15:00 Uhr lässt der Wind ein bisschen nach, die Wellen sind nicht mehr ganz so hoch. Bald schütten wir das Reff aus dem Großsegel, und kurze Zeit später kommt der Code D zum Einsatz, damit wir auch weiterhin mit gut neun Knoten Fahrt dem französischen Festland entgegen kommen.

Mit Topfklammern gesichert steht der Gulasch auf dem Feuer

Volker kocht einen hervorragenden Gulasch und macht aus den alten Brotresten Semmelknödel, sehr fein, dazu gibt es frisches Sauerkraut, das wir gestern beim Super U gefunden haben. Leider lässt nach dem Essen und dem anschließenden Sundowner der Wind deutlich nach und kommt direkt von achtern, sodass wir den Code D wieder einrollen, und den Motor anwerfen.

Um 20:00 Uhr beginnt die Kinozeit, der Laptop steht mit Festplatte bereit, damit wir einen Film schauen können, ca. alle zehn Minuten halten wir ihn an, schauen draußen mit dem unter Seglern berühmten Rundumblick in die Gegend, außerdem läuft das Radar, durch die Motoren haben wir genügend Strom.

Der Sonnenuntergang verheißt für morgen schönes Wetter

Bei einem solchen Rundumblick stellt Volker fest, dass der Wind jetzt ausreicht, die Genua wird ausgerollt, der Motor ausgestellt, und viel leiser als vorher segeln wir durch die dunkle Nacht. Die schmale Mondsichel hat sich schon früh verabschiedet, aber der Sternenhimmel ist großartig. An Steuerbord sieht man den Lichtschein von Cannes und anderen Orten an der Côte d’Azur, an backbord kommen wir langsam einem Segler näher, der fast den gleichen Kurs fährt wie wir.

Nach dem Film wechseln wir uns mit der Wache ab, allerdings schickt Volker mich um Mitternacht ins Bett und verspricht, mich zu wecken. Zwei Meilen vor dem Wegepunkt außen vor Port Cros wache ich auf, ich habe anderthalb Stunden geschlafen und er hatte halt die ganze Zeit Wache.

Jetzt sollte ich dran sein, aber zwischen den Inseln wird der Wind weniger, ich dachte, das stehe ich durch, da kann der Skipper mal eine Stunde schlafen, aber Pustekuchen, der ist schon wieder wach und der Motor muss mitschieben. Drei Meilen vor der Nordspitze von Porquerolles rollen wir um 03:00 Uhr die Genua weg, jetzt schieben sogar beide Motoren. Noch gut fünf Meilen bis zum Ankerplatz.

Ankerplatz mit Hexe

Um 04:00 Uhr liegen wir am Ankerplatz, alles weggeräumt. Nach einer kurzen Nacht gehe ich um 08:30 mit Samy im Beiboot zum Land, hier ist noch richtig was los, Touristen ohne Ende und viele Boote, wunderbar im Sonnenschein.

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Der Wind kommt, wir gehen.

La Revellata, der Leuchtturm vor Calvi, und tschüss!

Pünktlich um 12 Uhr fing es an, in die Bucht von Calvi hinein zu wehen, wir gehen Ankerauf, Segel hoch und machen uns auf den Weg nach Porquerolles, auf jeden Fall an die französische Küste. Im Moment rollt die Hexe ganz schön in den Wellen, die See hat Schaumkrönchen, der Wind kommt aus guten 120° mit 16 – 18 Knoten, wir segeln beständig über neun Knoten schnell. Morgen nach der Ankunft gibt es dann ein Update, wo wir wann gelandet sind.

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Was eingebrockt

Noch ist Samy entspannt

Da hab ich mir was ausgedacht heute Morgen!

Wie immer habe ich, sobald die Augen aufgeschlagen und der Kopf aufnahmefähig ist, nach dem Wetterbericht geschaut. Und das sieht trübe aus für Capraia, ab heute Abend regnet es die ganze Zeit bis Freitag Vormittag. Ich schaue mal die anderen Möglichkeiten an, in St. Florent, Calvi, Cannes regnet es zwar auch, aber nicht ununterbrochen, sondern ab und zu. Also studiere ich sämtliche Windprognosen, Windfinder, Weathertrack und vor allem Predict Wind. Sie alle sagen südöstliche Winde voraus, die Windgeschwindigkeiten liegen zwischen 12 und 18 Knoten. Ich schlage Volker also vor, heute nach St. Florent zu fahren, mit schönem achterlichen Wind, noch ohne Regen und Gewitter, und dann dort im Hafen oder vor Anker den Donnerstag abzuwettern. Er ist zwar nicht begeistert, willigt aber ein.

Um zehn Uhr legen wir ab, im Hafen ist von Wind kaum etwas zu spüren, aber bereits draußen beim Segelsetzen frischt der Wind auf lockere 14 Knoten auf, und Volker bindet vorsorglich Reff 1 ins Großsegel. Das war eine gute Idee, denn kaum waren wir an der Nordspitze der Insel, wurden aus den 14 schnell 18 Knoten und mehr.

Böenwalze

Im Canal de Corse kommt es dann aber noch dicker. Fette Gewitterwolken hängen über dem Wasser, wir setzen Reff 2 ins Großsegel, ehe die Front kommt, die Genua ist verkleinert, ich sitze am Radar und beobachte die Geschwindigkeit der Gewitterzellen. Eine geht direkt über uns hinweg, und es schüttet wie aus Eimern. Man sieht die Böenwalze herankommen. Eine andere Gewitterzelle bleibt glücklicherweise hinter uns.

Die Spitzengeschwindigkeit betrug 13,8 Knoten!

Hinter Cap Corse hätten wir bei dem dort herrschenden Wind eine Kreuz von zwanzig Meilen bis St. Florent. Darauf hat aber keiner von uns Lust, am wenigsten wohl der Hund, der ist verschnupft, weil er nicht ins Trampolin zum Spielen darf. Und der Wind nimmt zu und zu, und die Wellen werden immer höher und kommen immer schneller, in der Spitze hatten wir über 31 Knoten Wind. Dann laufen wir doch lieber ab nach Calvi. Ich setze die Route neu auf, wundere mich ein bisschen, dass es 216° sind und nur noch 27 Meilen, aber das ist ja schön.

Das Wasser tobt

Die Wellen sind echt unangenehm, ich schließe alle Schubladen mit dem kleinen Verschlusskopf, das brauchen wir sonst nie, und die Schiebetür zum Eignerbereich macht sich hin und wieder selbständig. Die Orchidee steht an einem gesicherten Platz, der Outremer-Pokal ist umgelegt, und der Wassersprudler ist im Schapp versorgt.

Glücklicherweise habe ich routinemäßig nach dem Ablegen alle Fenster gecheckt, da war doch tatsächlich ein kleines Fenster in der Gästetoilette offen, das wäre sonst bitter gewesen, weil irgendwann das Salzwasser in die Bilge und in die Flure kommt, und man den ganzen Rumpf auswaschen muss…

Der Wind geht schlafen und Samy darf ins Netz

Fünf Meilen vor dem Ziel betrachten wir die Bucht, um zu überlegen, wo man da bei welchen Windrichtungen am besten ankert, als Volker plötzlich zu mir sagt: „Das ist die Bucht von Ile Rousse, nicht Calvi!“ Oh nein! Da habe ich die falsche Bucht als Ziel eingegeben, und mich noch gewundert, warum der Kurs nicht ganz stimmt, und die Entfernung kürzer ist! Wenn man schon Zweifel hat, muss man das überprüfen, oh je oh je!

Sofort setze ich den neuen Kurs auf Calvi ab, und siehe da, es sind genau die erwarteten 230°, nicht 216°, und es sind einfach gut zehn Meilen mehr. Tut mir jetzt sehr Leid für Samy, nächstes Mal hinterfrage ich es, wenn ein Wegepunkt nicht zu passen scheint.

Von Land aus sieht man die Hexe friedlich am Ankerplatz schwojen

Ab diesem Zeitpunkt ging auch der Wind schlafen und drehte auf genau von vorne, sodass wir motoren mussten. um 17:10 fiel der Anker vor Calvi, wir haben uns umgezogen, das Beiboot klargemacht, den Hund spazieren geführt. Er hat es uns (oder mir) nicht übel genommen. Danke Samy!

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Capraia

ist eine von sieben Hauptinseln, die das toskanische Archipel bilden, sie befinden sich genau gegenüber der toskanisch-italienischen Küste. Dazu gehören: Elba, die größte und bekannteste Insel des gesamten Archipels, daneben Giglio, die Insel, neben der Kapitän Schettino die Costa Concordia auf Grund gesetzt hat, Montechristo, wo die berühmte Geschichte des dazugehörigen Grafen von Daniel Defoe zu Papier gebracht wurde, Pianosa, die unter Naturschutz steht und von Seglern nur im Notfall angelaufen werden darf, Gorgona und Giannutri, die jeweils nur aus einer Gemeinde bestehen und  Capraia, die Ziegeninsel, auf der wir uns zur Zeit befinden. Daneben gibt es noch einige kleinere überwiegend unbewohnte Inseln. Das gesamte toskanische Archipel umfasst eine Fläche von ca. 60.000 Hektar, die Eilande werden auch die tyrrhenischen Inseln genannt. Dieser Name entspringt einer Legende, wonach die tyrrhenische Venus dem Meer entstieg und dabei ihren Perlenschmuck verlor, der dabei in Splitter zerbrach, diese Splitter wurden zu den heutigen Inseln. Soweit und so schön die Legende, Tatsache ist wohl, dass der kleine Fleck Capraia und die anderen Inseln auch in der Folge von Vulkaneruptionen vor ca. 1 – 3 Millionen Jahren entstanden sind.

Soweit zum Archipel allgemein, nun zu Capraia im Besonderen. Der Ankergrund vor der Hafeneinfahrt ist nahezu vollständig mit Seegras bewachsen, und unser Anker hat trotz viel Geduld und mehrerer Eingrabungsversuche keinen Halt gefunden. Danach haben wir uns entschlossen nach Ankunft in den Hafen zu verholen. Hier sind wir jetzt seit vorgestern und haben bereits zwei größere Ausflüge zu Fuß unternommen und uns an der reichhaltigen Natur und dem hoch über dem Hafen thronenden alten Ortskern sehr erfreut.

Im Ort selbst herrscht fast eine gespenstige Stille, die meisten Häuser sind verwaist, da die Saison schlichtweg vorbei ist. In dem Ortsteil am Hafen sind die Kneipen, Restaurants, der Tauchexkursionsanbieter und der Supermarkt noch geöffnet, man hat das Gefühl, dass das Inselleben hier pulsiert und nicht im Oberdorf. Es kommen mal mehr oder weniger Chartersegelschiffe an, die dann den Hafen für eine Nacht bevölkern.

Wir hatten mit dem Schweizer Ehepaar Benno und Margit das Glück, zwei sehr nette Liegeplatznachbarn für zwei Tage zu haben, die zudem schon die Welt von 2003 – 2006 umsegelt hatten und mit ihren über 80 Lebensjahren über eine unglaubliche körperliche und geistige Konstitution verfügen. Die beiden segeln jetzt noch anspruchsvolle Törns im Mittelmeer und sind beim gemeinsamen Klönschnack ein Quell an Geschichten, sehr schön!

Eine Quelle des Ärgernisses ist die allabendliche Beschallung durch eine mehr als provinzielle Dorfdisko in der äußeren südöstlichen Hafenecke, die den gesamten Hafen mit ihrer Musik nervt, auch wenn kein Mensch mehr dort ist. irgendwie muss der alternde Besitzer dieses Etablissements ein gestörtes Verhältnis zu den Hafenbewohnern haben. Wir sind jedenfalls von der allabendlichen/allnächtlichen Zwangsbeschallung reichlich genervt und können deswegen den Hafen für ruheliebende Segler leider nicht empfehlen. Wie man als Inselverwaltung so einen Bullshit auf einer sonst so ruhigen und wunderbaren Insel genehmigen kann, ist uns absolut nicht verständlich. (Ich würde sie trotzdem empfehlen, es ist eine wunderbare Insel, Heimat sozusagen, dann muss man eben abends eigene Musik anmachen!)

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(K)eine neue Insel

Der Strand von Salivoli in der Morgensonne

Als wir heute Morgen relativ früh abgelegt haben, gab es einen Plan, heute nach Livorno zu motoren, weil leider wieder mal kein Wind weht, und morgen mit leichtem Ostwind die 40 Seemeilen nach Porto Venere vor La Spezia zu segeln. Doch anfänglich gab es Nordwind mit zehn Knoten, da mussten wir ganz schnell das Segel setzen, als er ein bisschen auf Nordost drehte… und plötzlich nur noch mit zwei Knoten wehte, als das Großsegel oben war.

Nach einer Stunde Motorfahrt kommt allerdings der Skipper und mault, dass er nicht so lange motoren will, und außerdem zeigte die Vorhersage für die italienischen Küstengebiete immer weniger Wind an, sodass die Gefahr von weiteren „Motorboot-Tagen“ herrschte. Auf solche Diskussionen habe ich ja überhaupt keine Lust, weil ich dann immer am fehlenden Wind Schuld bin, und kann doch leider gar nichts dafür. Wenn es nach mir ginge, hätten wir beständig zwölf bis vierzehn Knoten Wind aus 150 Grad, egal ob von Backbord oder von Steuerbord.

Also schlage ich vor, doch einfach den Kurs zu ändern und die kleine Insel Capraia anzusteuern, dann lassen wir eben die italienische Küste aus, lernen eine neue Insel kennen, und segeln in ein paar Tagen, hoffentlich mit Wind, nach Nizza oder Cannes. So machen wir das.

Capraia in Sicht!

Tatsächlich sind wir alle 26 Meilen unter Motor gefahren, der Wind kam aus wechselnden Richtungen mit einem bis viereinhalb Knoten, zehn Minuten lang durfte die Genua mit ziehen, aber dann war auch dieser Hauch vorbei. In Capraia angekommen, haben wir uns zunächst vor Anker gelegt, beim ersten Versuch hielt der Anker schlecht, beim zweiten Mal war es in Ordnung, aber hier ist viel Posidonia, und der Anker gräbt sich nicht richtig im Sand ein. Nach einem kleinen Erkundungsgang im Ort beschließt Volker plötzlich, dass wir doch besser im Hafen aufgehoben sind, zumal inzwischen noch ein Segler gekommen ist und sich sehr in unsere Nähe gelegt hat. Die Marina ist auch halbleer, ich telefoniere kurz mit dem Hafenbüro, klar können wir kommen, der Preis ist in Ordnung, nicht so günstig wie in Piombino, aber wir sind ja schließlich auch auf einer Insel hier.

Als ich nach dem Anlegen zum Marinabüro gehe, fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Ich war hier schon einmal! Vor ein paar Jahren, als ich bei Sabines Mädelstörn mitfahren durfte, haben wir genau hier angelegt, Fritzi ist in die Farmacia gegangen wegen ihres Quallenbisses, und abends sind wir auf den Hügel gestiegen, um dort vorzüglich zu essen. Also keine neue Insel für mich, aber für Volker und Samy. Und morgen werden wir sie erkunden!

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Facettenreich

Johannes, mit dem SuP unterwegs

Zum Ausprobieren gab es zahlreiche Gelegenheiten, egal ob beim Zwischenstop oder in der Lacona-Bucht. Immer ging unser neues Stand-Up-Paddleboard, kurz SuP genannt, direkt nach dem Ankern zu Wasser und wurde von Larissa, Johannes, der Capitania oder mir für ausführliche Buchtenerkundungen oder einfach nur zum Spaß genutzt. Die neue Trendsportart ist die am schnellsten wachsende Wassersportart, im Stehen zu paddeln hat  bei uns an Bord nun Einzug gehalten. Zuerst mit schlotternden Knien ums Gleichgewicht bemüht, speziell bei Wind und Wellen, hin und wieder kniend, doch dann fast elegant, waren wir alle auf dem aufblasbaren SuP unterwegs. Mit zunehmender Begeisterung wurde das neue Brett von allen angenommen, selbst Samy fährt mit, wenn man kniet.

Unterwegs zum Strand mit dem Dinghy

Wenn die Hexe in einer wunderbaren Bucht  vor Anker liegt, gibt es noch viel mehr Wassersportaktivitäten denen man je nach Gusto nachgehen kann. Ich guck gerne den Fischen zu und kann ewig lang an einer felsigen Küste schnorcheln und die Unterwasserfreunde beobachten, Larissa schwimmt auch mal weite Distanzen zwischen Ankerplatz und Strand, Cornelia dreht mit Vorliebe ihren Runden ums Boot und Johannes hat sich mit dem Windsurfvirus infiziert und bereits am ersten Tag enorme Fortschritte gemacht.

Lehrer und Schüler

Wassersport ist so facettenreich, besonders vom ankernden Schiff.

Mittlerweile sind wir wieder zu zweit allein an Bord. Larissa und Johannes haben gestern den langen  Heimweg angetreten. Wir haben den Tag im Hafen abgewettert und dessen Annehmlichkeiten genossen, weil es fast den ganzen Tag regnet.

Seit heute, Sonntag Morgen 09:30 Uhr sind wir wieder unterwegs, leider unter Motor, Richtung Livorno.

Nana und Nico haben ihre eigene Sportart – Tauziehen!

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Inselrundfahrt, oder Cornelias Wille geschehe.


Sie wollte, ich wollte nicht unbedingt, der Nachwuchs war indifferent. Schon seit ein paar Tagen liegt mir Cornelia damit im Ohr, dass sie gerne mal das Inselinnere von Elba mit dem Leihwagen erkunden möchte, ein paar Bergdörfer besichtigen, auf den Monte  Calamita, den höchsten Berg von Elba mit der Seilbahn fahren, und in einer Töpferei, wo sie früher schon mal war, nach einer ganz besonderen Kaffeetasse suchen. Ich finde Elba einmalig schön, sogar so schön, dass ich es für irgendwann mal, als einen Zweitwohnsitz durchaus in Betracht ziehen könnte. Aber muss ich dafür unbedingt einen Tag in einem kleinen Fiat Panda rumsitzen und auf den touristisch vollgestopften Inselstraßen rumgurken? Die Frage ist ganz klar mit nein zu beantworten, aber der stete Tropfen aus Cornelias Umstimmungsrepertoire zeigt sein Wirkung. So haben wir uns auf einen halben Autofahrtag geeinigt, nur am Panda ging leider kein Weg vorbei.

Erstes Ausflugsziel war das historische, am Berg gelegene Capoliveri, das mit einem wunderbaren Rundumblick und einer sehr hübschen Altstadt punkten konnte. Abseits der Piazza Garibaldi, auf der hauptsächlich deutsch gesprochen wird, sind nicht viele Touristen unterwegs in dem kleinen Städtchen, so können wir in Ruhe alles bestaunen und fotografieren.

Die Buchten des Inselsüdens sind von dort aus ebenso sichtbar, wie Portoferraio im Norden und die höher gelegenen Ortsteile von Porto Azzurro. Das nächste Etappenziel führte uns, einmal fast das gesamte Inselinnere durchquerend nach Marciana Marina und von dort ging es in einigen Serpentinen hoch ins Bergdorf Poggio. Auf der Fahrt dorthin fiel uns einmal mehr auf, wie grün Elba ist.

Summa summarum muss Man(n) sagen, dass eine Inselrundfahrt mit Leihwagen zum unbedingten Pflichtprogramm gehört. Der zweitägige Hafenaufenthalt in Portoferraio, war den Windvorhersagen geschuldet, die vor einem stürmischen Nordostwind n Verbindung mit Gewitter und Starkregen gewarnt haben. Diesmal trafen die Negativvorhersagen auch zu und ich war in der Nacht vom Montag auf Dienstag nicht der einzige Skipper, der wachend um zwei Uhr nachts an Deck stand und Leinen und Fender kontrolliert hat. Zumindest so lange, bis der Regen mich zurück in Koje zwang.

Heute präsentiert sich der Himmel und das Meer wieder in einem tadellos strahlenden Blau und wir sind einmal mehr in den Inselsüden aufgebrochen. Nun liegen wir wieder vor Lacona Beach, herrlich!

Bilder folgen!

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Um den Walfisch rum

Nun sind Larissa und Johannes schon den zweiten Tag an Bord, Nana hat sich gut eingelebt, sie liebt das Beiboot, denn das bringt sie zum Strand und zum Spazieren gehen.

Mit gutem Wind sind wir am Samstag von Piombino gestartet. Kaum waren die beiden nach vielen Staus endlich angekommen, habe ich mir beide Hunde geschnappt und sie Gassi geführt, während die anderen das Gepäck und die mitgebrachten Waren verstaut haben. Ja, unser Funkgerät ist mitgekommen, das bauen wir nachher ein, und probieren es aus; außerdem ganz viel Hundefutter für unseren schneubischen Esser, der mag nämlich nicht alle Sorten Trocken- oder Feuchtfutter; und – hurra – das SUP, das Stand-Up-Paddle-Board.

Noch vor dem Dunkelwerden fiel der Anker in der Bucht von Lacona, wir konnten zum Essen zum Italiener gehen, nicht so schwierig in Italien… Dort gab es lecker Pizza, Spaghetti alle Vongole verace und Cotoletta für Volker, wir waren so satt, dass nicht einmal eine Kugel Eis noch reinpassen wollte.

Erste Versuche auf dem SUP

Am nächsten Morgen sind wir früh zum Strand, es gab Markt auf dem kleinen Platz, und dann kam das Paddelboard dran. Alle haben sich mal dran versucht, die meisten mehr, ich weniger erfolgreich, aber auf Knien kann ich weit damit fahren. Das Video von Volkers Windsurfs ist online, und kann hier angeschaut werden.

Johannes hat seine neue Ganz-Gesichts-Tauchermaske ausprobiert, mit aufgeschnallter GoPro, so richtig begeistert war er noch nicht von dem Resultat, weil die Kamera natürlich einen anderen Ausschnitt nimmt als die Augen. Aber er arbeitet daran. Nachmittags wollten wir weiter nach Marciana Marina, leider mit nicht so viel Wind, sodass der Motor längere Zeit mitschieben musste.

Hinreißende Buchten…

Elba sieht ja wie ein Walfisch aus, mit einer mächtigen Schwanzflosse am östlichen Ende, bei Porto Azzurro, dem Bauch mit der Lacona Bucht und dem Kopf, der nach Westen zeigt. Und an diesem Kopf sind wir vorbei gesegelt, es gibt dort hinreißende kleine Orte, Sand- und Kieselstrände und wunderschöne kleine Buchten, in denen man tagsüber ganz gut und sicher ankern kann.

Um halb fünf fiel der Anker vor Marciana Marina, einem unserer Lieblingsorte auf Elba, mit den Hunden erkunden wir anschließend ein bisschen die Strandpromenade, lassen uns in einem Geschäft zum Kauf einer Flasche „Meloncino“ verführen, das ist ein Limoncello aus Melone.

Der Himmel kündigt den Wetterumschwung an

Nach einer ruhigen Nacht fängt es am Morgen an zu wehen, gleichzeitig wird das Meer unruhig, irgendwo muss es schon richtig viel Wind geben, die Hexe schaukelt und schaukelt. Auch als Larissa und ich in das Dinghy steigen für den Morgenspaziergang mit den Hunden, ist das eine ganz schön wackelige Angelegenheit. Wir kaufen Brot und leckeres Obst bei dem kleinen Gemüsestand, dann fahren wir zurück zur Hexe. Hier ist das Aussteigen auch eine Herausforderung, aber Taschen, Hunde und Menschen kommen trocken an Bord.

Bald darauf haben wir den welligen Platz verlassen und sind sieben Seemeilen bis Portoferraio  – motort, denn die Wellen sind zwar schon da, nur der Wind lässt noch auf sich warten. Um 12:00 Uhr sind die Leinen fest in Portoferraio.

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