Winter in Darmstadt

Im Fernsehen gibt es gerade eine Dokumentation über besondere Bauwerke und ihre Bedeutung bis in unsere heutige Zeit hinein. Die Capitania chillt neben mir auf dem Sofa, die Heizkörper strahlen eine gemütliche Wärme ab, und die Kerzen tauchen das Wohnzimmer in ein friedlich-warmes Licht. Eins der vorgestellten Bauwerke in der Doku haben wir beim Beginn unserer Segelreise im Oktober 2014 bestaunt. Es geht um die Stahlkonstruktion einer Brücke über den Douro, einem 160 Meter breiten Fluss in der portugiesischen Stadt Porto. Diese freitragende Metalllbogenkonstruktion ohne Mittelpfeiler ist eine echte Pionierleistung vom Erbauer des Eiffelturms Gustav Eiffel. Die Brücke ist u.a. ein Vorgänger der heutigen Dachkonstruktionen in den großen Fußballstadien dieser Welt. Gut, die Darmstädter Fußballequipe spielt in keinem voll überdachten modernen Stadion. Das scheint im Moment auch nicht notwendig zu sein, denn der SVD ist leider tief im Tabellenkeller der 2. Bundesliga, und alle Fußballfans in der City hoffen auf die Wende für die Lilienelf, damit kein Abstieg in die Drittklassigkeit erfolgt.

Klar sind wir auch hier in Darmstadt mit der Seglerwelt verbunden, und fast alles dreht sich um diese schönste Nebensache der Welt. So verfolge ich täglich die Neuigkeiten im Internet rund um den Segelsport. Was auffällt ist, dass die bei den Onlinewebseiten der Segelmagazine vorgestellten neu auf den Markt gekommenen Segelschiffe immer größer werden. Während die Serienmotorboothersteller natürlich auch große Boote verkaufen, bieten sie zugleich aber immer wieder kleine Schiffe für Einsteiger an. Motorboote scheinen sowieso immer beliebter zu werden, erstmals hat Hanseyacht während der Boot in Düsseldorf mehr Motorboote als Segelyachten verkauft. Bavaria Yachts aus Würzburg hat seine Motorbootpalette ebenfalls erweitert und bietet erstmals mit seiner Katamaransparte “Nautitech” einem gut motorisierten 47 Fuß langen Motorkatamaran an. Die Bestellzahlen für Boote gehen nach oben und man hat den Eindruck, dass die Wassersportbranche sich, nach schwierigen Jahren, im Aufwind befindet.

Auf Aufwind unter den Tragflächen und genügend Schubkraft der Treibwerke hoffen wir auch, wenn wir am Sonntag nach La Gomera zurückfliegen. Morgen gibt es also einen vorerst letzten Wintertag, es soll schneien in Darmstadt und dann geht es am Sonntag ab in den Süden…

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29 Knoten Topspeed

Das Meer ist aufgewühlt

Windgepeitschte Wassermassen stürmen heran, gute vier Meter hoch sind die Wellenberge, Wasserteilchen auf dem Wellenkamm werden vom Sturmwind weggerissen, weiße Gischt schlägt an die Fenster. Das Schiff legt sich weit über und rollt stark im Seegang, manche Wellen beschleunigen es, andere bremsen uns spürbar ab. Wir haben den sicheren Hafen La Gomera früh am Morgen verlassen, vorübergehend zumindest, es geht nach Osten, Teneriffa liegt voraus, vor dem Bug der Schnellfähre, auf der wir uns befinden. Eine Art Dauergrinsen liegt auf unseren Gesichtern, wir erfreuen uns an dem Naturschauspiel, das uns das Meer bietet. Naturgewalten sind Urgewalten, wir sind heilfroh, dass wir auf der Trimaran-Schnellfähre sind, die mit ihren beachtlichen 124 Metern Länge durch die Meerenge von La Gomera und Teneriffa pflügt. Einige Mitfahrende opfern den Meeresgöttern, weiße Brechtüten gibt es an jedem Sitzplatz auf dem Schiff.

Cabo São Vicente,
der südwestlichste Zipfel Europas

Wir haben für eine Woche Heimaturlaub geplant, und die Wettergötter tun anscheinend alles, damit uns wir diese Reise nicht vergessen werden. In Los Cristianos gibt es nach dem Anlegen der Fähre erst mal eine einstündige Pause für uns am Strand, bevor es mit dem Bus zum Flughafen geht.

Das nächste Reisehighlight ist der Start des Ferienfliegers, in dem wir uns befinden. Kurz vorher sehen wir rechts von der Rollbahn  das vom Sturm aufgewühlte Meer. Direkt nach dem Abheben wird das Flugzeug von den Sturmböen erfasst und durchgeschüttelt, die Tragflächen schwingen wild auf und ab.

Die Pyrenäen sind schneebedeckt

Auf dem gesamten ansonsten ruhigen Rückweg nach Frankfurt haben wir starken Gegenwind und kommen mit fast einer Stunde Verspätung im winterlich kalten Hessen an. Gut, dass uns Larissa am Airport abholt, und wir uns dadurch nicht so lange in der Kälte rumstehend auf den Bus warten müssen. Die Stimmung im Grohe, Darmstadts ältester Gaststätte, ist gut und das erste Grohebier rinnt schnell unsere durstigen Kehlen hinunter.

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Da ist er wieder,


Blick von oben auf das aufgewühlte Meer

der Wind, nach einem Tag Ruhepause weht es in Böen wieder mit satten acht Beaufort durch den Hafen, auch in den nächsten Tagen.

Heute am frühen Morgen hieß es erst mal Abschied nehmen von Wolfgang und Ute, deren Kurzurlaub ist vorbei und mit der Frühfähre fahren die beiden nach Los Cristianos in Teneriffa und von dort weiter zum Flugplatz. Dafür gab es am Nachmittag ein freudiges und sehr überraschendes Wiedersehen. Hermann, der in frühen Jahren mit Cornelia zusammen die Ausbildung zum Musikalienhändler durchlaufen hat, kam samt Ehefrau Conny auf dem Katamaran  „September“ nach La Gomera. Wir hatten uns vor gut 10 Jahren mal beim Skifahren getroffen und wussten nichts von ihren Segelplänen. Umso größer war die Überraschung, auch diese beiden leben seit längerer Zeit an Bord, die (Segler)-Welt scheint wirklich klein zu sein.

Die Capitania, vom Winde verweht

Die Capitania macht mich gerade darauf aufmerksam, dass wir noch gar nicht von unserer Wanderung vor ein paar Tagen berichtet haben. Die Insel ist ja ein echtes Paradies mit einem vielfältigen Netz an Wanderwegen in allen Schwierigkeitsgraden. Ein schöner Weg ist der von San Sebastian in die Bucht von El Cabrito, gut sieben Kilometer lang, mit mittlerem Schwierigkeitsgrad. Nur an unserem Wandertag hat der Wind noch einen Tacken an Schwierigkeit dazugelegt, denn oben auf dem Berg blies es mit gut 100 Stundenkilometern und man musste gut aufpassen, um nicht weggeweht zu werden.

Nur Fliegen ist schöner

Bei dieser Wandertour gibt es noch eine sehr angenehme Besonderheit, und das ist die Fährverbindung, die zwischen El Cabrito und unserem Yachthafen besteht. Mehrmals täglich pendelt ein Motorboot hin und her, und man kann hinwandern, und die Fähre zurück nehmen. Nur nicht an unserem Wandertag, da war für das kleine Boot viel zuviel Wind, und der Fähranleger in der Bucht überschwemmt. Also musste auch wieder zurück gewandert werden.

Zu El Cabrito selbst gibt es eine eher betrüblich-berühmte Geschichte, die wir ein anderes Mal erzählen werden.

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Schmähgesänge…

Die Karnevalszeit auf La Gomera bzw. in San Sebastian ist gestern Abend eröffnet worden. Die Eröffnung der närrischen Saison wird mit  Schmähgesängen gefeiert. Lieder, bei denen die lokale Politik und das soziokulturelle Leben ingesamt durch den Kakao gezogen werden. Verschiedene Gesangstruppen treten dazu auf, das Publikum sitzt unkostümiert unter der überdachten Veranstaltungshalle auf dem Marktplatz. Trotz ihrer guten Spanischkenntnisse versteht die Capitania wenig von den dargebrachtem Texten, lustig sehen die Darbietungen der Künstler und deren Kostüme dennoch aus.

Wäre alles zu genießen, wenn es nur nicht so laut wäre. Es stehen einige tausend Watt an Lautsprechern vor Ort, und selbst im 500 Meter entfernten Yachthafen fühlt man sich wie live neben den Boxen. Anscheinenden mögen es die Locals, wenn es in den Ohren dröhnt. Der erste Karnevalsabend geht bis zum nächsten Morgen, erst um 5 Uhr 30 ist endlich Ruhe. Ab 16 Uhr geht es mit der Fiesta de Carnaval weiter und wir sind schon auf die nächste Nacht gespannt.

Zwischendrin wagen wir am heutigen Sonntag mit Ute und Wolfgang, frei nach dem Motto, “am Sonntag will mein Süßer mit mir Segeln gehen” einen kleinen Segelausflug aufs aufgewühlte Meer. Wir setzen das Großsegel im 2. Reff und rollen die Genua nur zur Hälfte aus, der Kat beschleunigt direkt auf 10-12 Knoten, und als dann noch eine Böe mit über 30 Knoten Wind in die Segel fällt, läuft die Hexe flotte 14 Knoten. Gischt fliegt über das Schiff und die Hexe surft permanent dahin. Playtime für Wolfgang und mich, nur die Capitania und Ute haben keinen Spaß an der Rauschefahrt und wollen zurück in den schützenden Hafen. Schade. Wir drehen die Genua weg und halsen. Auf dem neuen Bug drehen wir nur noch ein kleines Stück Vorsegel raus und dennoch segelt das Boot mit 8-10 Knoten dahin. Der Hafen kommt schnell näher, wir bergen die Segel und Cornelia legt meisterhaft an. Zwei Stunden segeln stehen dann eine Stunde Schiff abwaschen und entsalzen entgegen. Lohnt sich das? Klar!

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Gegensätze

Felsformationen

Am gestrigen Freitag sind wir, Cornelia, Ute, Wolfgang und ich einmal komplett mit dem Leihwagen um und durch La Gomera kutschiert. Die Insel ist voller Gegensätze und die ziehen sich bekanntlich an, oder im Fall von La Gomera, sie ergänzen sich bestens. Die Berge so hoch, die Täler so tief, trockene karge Abschnitte grenzen an den immerfeuchten Lorbeerwald, liebliche Strände münden in schroffe und wellenbrechende Küstenabschnitte und schön warm und usselig kalt sind nur ein paar Kilometer voneinander entfernt.

Valle Gran Rey

Unser erstes Ziel, war das Tal des Königs, Valle del Rey im Südwesten der Kanareninsel. Wer aus San Sebastian mit dem Auto raus will, kann zwei Straßen nehmen und jede führt in Serpentinen steil nach oben. Am ersten Aussichtspunkt blicken wir über das böenweiße Meer, hinüber nach Teneriffa. Konrads Aussage, dass alle 100 Höhenmeter die Temperatur um 1 Grad sinkt, trifft zu. Auf dem Bergkamm, auf 1300 Metern Höhe, sind es kalte 7 Grad, Nebelschwaden rasen, vom Wind getrieben, über die Bergspitze, der dichte dunkle Wald sieht mystisch aus.

Lorbeerwald

Aussichtspunkte heißen auf spanisch “Mirador” und der nächste macht seinem Namen wirklich alle Ehre. Steil fällt die Felswand nach unten, ein kleines Dorf schmiegt sich an die Flanken und am Ende mündet die Schlucht ins Meer. Die Bäume sind wegen der permanenten Feuchtigkeit mit Flechten übersät. Elche würden sich hier mehr als wohlfühlen, ist mein erster Gedanke. Nach eineinhalb Stunden Fahrzeit sind wir in Playa la Calera angekommen und genießen die Wärme, das Meer und die Betriebsamkeit auf der Uferpromenade. Es bleibt Zeit für ein Getränk und ein Mittagessen. Ich probiere erstmals die inseltypische Brunnenkressesuppe, die sehr lecker schmeckt. Wir machen noch einen kleinen Zwischenstopp zum nahe gelegenen Hafen mit der großen Ankerbucht und dann geht es auf den Rückweg.

Blick zum Meer

Diesmal wählen wir eine andere Route, fahren um, bzw. durch den östlichen Teil von La Gomera. Es folgen noch ein paar Stopps mit kleinen Spaziergängen und um kurz vor  19 Uhr sind wir wieder in San Sebastian.

Fazit – La Gomera lohnt sich, den Gegensätze ziehen sich an.

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Bestanden

Unser Freund Konrad ist an Bord und bewohnt die vordere Backbordkabine auf der Steuerbordseite. Unsere Freunde Wolfgang und Ute aus Heppenheim sind mit der 14.30 Uhr Fähre auf La Gomera eingetroffen. La Gomera hat einen Flughafen, von dort geht es jedoch nur zu spanischen Flugdestinationen, weswegen fast jeder über Teneriffa fliegt und von dort die Fähre nach La Gomera nimmt. Bei uns an Bord angekommen haben sich die beiden in der Steuerbordachterkammer häuslich eingerichtet. Leben in der Bude, Leben an Bord. Lebhaft ist der Wind auch noch immer, der kennt keine Atempause. Dafür hat scheint heute die Sonne von einem strahlend blauen Himmel.

Mit Konrad und auf den letzten Metern mit Cornelia haben wir alle glatten Gelcoatflächen am Aufbau poliert. Von 9.30 bis 14 Uhr haben wir die Polierlappen kreisen lassen und die glatten weißen Flächen auf Hochglanz gebracht. Abschließend habe ich noch einmal alle Flächen mit einem Wachs gegen die bösen UV-Strahlen, versiegelt. Die Oberflächen sollten jetzt für ca. drei Monate behandelt sein und nur noch hin und wieder vom Salz oder Wüstenstaub befreit werden müssen.

Die Ladies und Herren der Segelschule, die wir die ganze Woche bei den Anlegemanövern beobachtet haben, hatten heute ihren großen Tag, die Prüfung zum SKS-Schein stand an. Ein Prüfer vom deutschen Seglerverband nahm die Prüfung ab. Zur Freude aller, haben die sieben Segelnovizen die Prüfung mit Bravour bestanden, trotz sehr böiger Winde und 2-3 Meter hoher Wellen vor der Hafenausfahrt.

Wir wollen am Sonntag mal ein paar Meilen mit der Hexe rumschippern und auf der Südseite von La Gomera in einer hübschen Bucht ankern. Soweit zumindest der Plan, denn für Samstag soll ein heftiger Sturm mit Windgeschwindigkeiten bis zu 100 Kilometern die Kanaren heimsuchen und die See wild aufwühlen.

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Nächtliche Besuche

Dunkle Wolken hüllen auch hier die Berge ein

Das Wetter hat sich verändert, nur der Wind ist gleich stark geblieben, in Böen erreicht der Wind im Hafen bis zu 45 Knoten. Seit gestern Morgen gibt es immer wieder ergiebige Regenschauer und für Teneriffa wurde eine Schneewarnung ab 1700 Meter Höhe herausgegeben. Wir sehen Teneriffa von hier aus, nur die Bergspitze des Teide ist unsichtbar, weil in Wolken gehüllt. La Gomera, bzw. San Sebastian ist ein sehr beliebter Anlaufpunkt für Chartercrews. Täglich, von Montag bis Donnerstag, füllt sich der Hafen zum Nachmittag hin mit Mietbooten. Der Hafenmeister erzählte mir, dass seit ein bis zwei Jahren immer mehr Charterschiffe nach La Gomera kommen, weil viele Crews keine Lust auf Griechenland oder die Türkei haben, wegen der politischen Situation und den Flüchtlingsschiffen. Bootscharter auf den Kanaren ist anscheinend bei unseren östlichen Nachbarn sehr beliebt. Man sieht und hört u.a. viele polnische und russische Crews.

Beim Vorglühen auf der Florentine

Wir haben seit zwei Tagen Verstärkung bei uns an Bord, Konrad, der Sohn von unseren Damstädter Freunden Thomas und Steffi hat bei uns für ein paar Tage Quartier bezogen. Er liebt es, stundenlang über die Insel zu wandern und nutzt die Hexe als Basisstation. Eigentlich wollte er La Gomera überqueren, und auch draußen nächtigen, aber bei den im Moment herrschenden Temperaturen und Winden ist es angemessen, nur Tagestouren zu machen und momentan fallen diese Wanderungen nicht zu lang aus…

Samtpfoten

Es gibt auch tierische Momente bei uns an Bord, jede Nacht schleicht sich eine Katze ins Cockpit ein und schläft auf der gepolsterten Bank. Morgens sieht man kleine Katzenpfotenabdrücke auf dem Cockpitboden. Sogar oben auf dem Baum, in der Segelpersenning, war der Samttiger schon. Nur gesehen haben wir den heimlichen Bootsbesucher noch nicht. Gestern Abend haben wir mit der Florentinecrew zusammen wild gefeiert, und hatten, unabhängig von der nächtlichen Bordkatze, heute morgen einen kräftigen Kater.

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Erinnerung

Bis hinüber nach Teneriffa
trägt das Meer Schaumkrönchen

Draußen singt der Sturmwind weiter sein Lied, ich sitze am Naviplatz und übersetze mir so nach und nach „Onkel Toms Hütte” aus dem Spanischen ins Deutsche. Die Betonung muss dabei schlichtweg auf „nach und nach” liegen, denn viele unbekannte spanische Vokabeln stellen sich mir in den Weg. Während es für eine einfache Konversation beim Einkauf im Supermarkt langt und es für meine Spanischbemühungen schon mal hin und wieder ein Lob gibt, fehlt mir bei dem Buch doch einiges an Vokabular. So lass ich jedes fehlende Wort von Google übersetzen und übertrage es dann ins Vokabelheft, das ist der beste Lernweg für mich.

Überblick…

über die Marina…

…von San Sebastian

Gleichzeitig fährt draußen immer wieder eine deutsche Segelschule Anlegemanöver, jeder Schüler legt zweimal an und wieder ab. Bei sieben Schülerlnnen, die sich reihum abwechseln, vergeht ganz schön viel Zeit. Mittlerweile übt die Crew seit über drei Stunden, hin und wieder muss der Segellehrer korrigierend ins Steuer eingreifen, damit es keine „feindlichen Berührungen” mit anderen Yachten gibt. Die SegelschülerInnen haben es bei dem Wind auch nicht wirklich leicht. Das Geschehen vor dem Fenster erinnert mich mal wieder an meine Segellehrerzeit in Kroatien und die mehreren hundert Anlegemanöver, die wir im Lauf der Jahre an der Stadtpier von Rovinji geübt haben. Jetzt hör ich mal schnell auf mit dem Blogschreiben, denn sonst schimpft die Capitania, dass ich nicht lang genug spanisch übe.

Cornelia hat gerade ein kleines Video von meinen “Wakeboardversuchen” auf dem Surfbrett bei 14 Stundenkilometern im Hafenbecken geschnitten , das ihr hier sehen könnt.

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Rund

Zwei Outremer 5x im Hafen von La Gomera
eine kleine Sensation!

Die fast kreisrunde Insel La Gomera ist die zweitkleinste der sieben kanarischen Inseln und liegt etwa 21 Kilometer östlich von Teneriffa, zu der täglich mehrere Fährverbindungen bestehen. Die Gesamtfläche beträgt ca. 369 Quadratkilometer und gerade einmal 24.000 Menschen besiedeln das Eiland. Der höchste Berggipfel von La Gomera ragt immerhin beachtliche 1.487 Meter hoch und befindet sich im Nationalpark Garajonay, der Park ist UNESCO Weltkulturerbe. Das besondere an diesem Park, oder besser gesagt am immergrünem Lorbeerwald, ist die große Artenvielfalt an Bäumen und Pflanzen, die dank der hohen Luftfeuchtigkeit bestens gedeihen können. An den meisten Tagen ist der Wald in eine Nebelwolke gehüllt, was ihm, wie könnte es anders sein, auch den Beinamen “Nebelwald” verleiht.

Die Inselhauptstadt ist San Sebastian, in deren geschütztem Yachthafen wir jetzt liegen. Die Stadt selbst besteht aus zwei Teilen, dem eigentlichen Ortskern direkt hinterm Strand, mit allen erdenklichen Versorgungsmöglichkeiten und einem hochgelegenen Ortsteil, der in die angrenzenden Klippen hineingebaut ist. Christoph Kolumbus soll bei seiner historischen Schifffahrt, Amerika entdeckend, von San Sebastian aus gestartet sein. weil El Hierro, die letzte Insel zu klein war, um Vorräte aufzustocken, legte Kolumbus hier an. Die angebliche Affäre mit der damaligen Herrin der Insel, Beatriz de Bobadilla scheint eher Mär als Wahrheit zusein.

Volker, standing upright on the board

Abends ist San Sebastian ein nettes lebhaftes Städtchen und bietet eine angenehme Vielfalt an Restaurants mit landestypischer Küche und einige Kneipen bzw. Bars. Bekannt ist La Gomera für sein ausgeprrägtes Netz an Wanderwegen, mit unterschiedlichen Längen-.und Schwierigkeitsgraden, die zum Teil schon einige Jahrhunderte Bestand haben und das ganze Inselinnere durchziehen. Wander-, bzw. Straßenkarten gibt es gratis im Tourismusbüro.

Seit zwei Tagen weht ein kräftiger Wind und es pfeift lautstark durch den Mastenwald im Hafenbecken. Gestern haben wir mal unser Windsurfbrett ausprobiert, aber zweckentfremdet. Vom Beiboot gezogen, mit einer Zugleine verbunden, stehend auf dem Surfbrett, ging es gleitend durch das Hafenvorbecken – ein Art “Wakeboarding”. Einige Abstürze ins kühle Nass sorgten für Erfrischung, immerhin lässt sich das Surfbrett mit Kanteneinsatz bedingt steuern und es macht richtig Spaß. Erst habe ich Jakob gezogen, dann er mich, Cornelia stand am sicheren Ufer und hat gefilmt.

Zigzag auf dem Weg nach Barbados

Für eine letzte Nacht vor der großen Atlantiküberquerung, haben unsere südafrikanische Freunde, Rosemary und François von der Zigzag im Hafen festgemacht, um sich von uns zu verabschieden. Heute sind die beiden mit ihrem Katamaran, einer Maverick 440, nach Barbados aufgebrochen und wollen dort in ca. 17 Tagen ankommen.

We wish you a safe crossing and fair winds from behind…, hope to see you again, some day!!!

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Seemannsgarn?

Die Spitze des Teide winkt zum Abschied

Das Schiff schießt los, der Wind drückt mächtig in die Segel, Schaumkronen färben das blaue Meer weiß. Morgens beim Ankeraufholen herrscht noch bleierne Flaute, nur die Dieselmotoren bringen uns weiter, in Richtung La Gomera. Als ein leichter Westwind einsetzt, gehen die Segel hoch, doch die Brise ist so leicht, dass die Hexe ihrem Namen keine Ehre macht, passender wäre „schleichende Plastikente“.

Nur die Rückenflosse ist zu sehen,
wenn man genau hinschaut

Zudem wechselt das flaue Lüftchen alle paar Minuten die Richtung, ich sitze im Schalensitz und steuere mit der Pinne jede Winddrehung aus. „Es wäre schön, wenn es endlich Wind gibt!“, sage ich wiederholt zur Capitania, die mich zu mehr Geduld auffordert. Doch nochmal müssen 2 mal 75 Pferdestärken mit schieben. Dann kommt der nächste Segelversuch und einige Meter voraus zieht ein Rudel Pilotwale seine Bahn. Wir kommen uns sehr nahe, und Cornelia schießt ein paar Fotos der gemächlich dahin schwimmenden dunklen Tiere – das regelmäßige Atmen beim Auftauchen ist deutlich zu hören.

So friedlich empfängt uns der Hafen
von San Sebastian de la Gomera

So langsam zeichnet sich La Gomera immer deutlicher am Horizont ab, und dann kommt endlich Wind, erst wenig und dann immer mehr. Bald ist es zu viel Wind, die Hexe stürmt mit 12 Knoten hoch am Wind dahin und poltert über die Wellen. Weiße Gischt fliegt über den Bug und deckt das ganze Schiff ein, die Wellen passen irgendwie nicht zum Wind, zu kurz, zu abgehackt. Schnell verkleinern wir als “erste Hilfsmaßnahme” die Genua, fieren den Großsegeltraveller nach Lee und öffnen die Großschot, der Druck muss raus, noch 3,5 Seemeilen bis zum Ziel. Der Wind wird immer stärker, wir entscheiden uns, das Großsegel ganz zu bergen und mit der  gerefften Genua allein weiter zu segeln. Und dann ist plötzlich 500 Meter vor der Hafeneinfahrt der Wind komplett weg, nix mehr, nada, nicht ein Lüftchen. In unserem Heckwasser brodelt noch der Hexenkessel und wir schweben auf komplett plattem Wasser. Alle Segel weg, Fender raus, das Hafenoffice angefunkt.

So sah die Küche am nächsten Morgen aus…

Peter von der Florentine hat uns einen tollen Liegeplatz im Hafen reserviert. Längsseits geht es an den Steg, der Marinero nimmt die Leinen an, Peter steht mit Stiefsohn Jakob da, großes Empfangskomitee. Die Capitania legt das Schiff cool und souverän an den Steg. Den Rest des Tages spinnen wir Seglergarn, verdrücken das eine oder andere Bier, Grillen, was der Lotus hergibt und feiern in Kathrin’s Geburtstag rein. Weit nach Mitternacht geht’s mit ganz müden Augen endlich ins Bett.

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