Und ewig weht der Mistral

Ein Basteltag

Ein Basteltag

Schon drei Tage an Bord und immer noch nicht fort. Eigentlich war geplant, die Betontristesse von Cap d’Agde schnell achteraus zu lassen und nach Saintes-Maries-de-la-Mer zu segeln. Ein lohnenswertes Ziel, ein hübsches altes Städtchen mit kleinem Hafen, ein Treffpunkt für Künstler aus aller Welt und auch die musikalische Heimat der berühmten Gipsy Kings.

33,6 Knoten Wind, gut, dass er von vorne kommt

33,6 Knoten Wind, gut, dass er von vorne kommt, beim Segeln mögen wir das ja nicht so, aber im Hafen ist es besser

Doch wenn der Mistral mal loslegt, können schon ein paar Tage oder gar Wochen vergehen, bis dem kühlen Nordwind aus dem Rhonedelta die Puste ausgeht. So liegen wir immer noch an unserem Liegeplatz, draußen heult der Wind, fauchende Böen erzeugen ein infernalisches Staccato, immerhin bei überwiegend blauem Himmel. Da hilft nur das berühmte Abwarten und Teetrinken, bei dem Wetter und der damit einhergehenden Vorhersage verlässt keiner freiwillig den Hafen.

Alles ist wieder an seinem Platz

Alles ist wieder an seinem Platz

Nachdem wir angekommen sind, haben wir erst mal alles Mitgebrachte seefest verstaut, das Solarpanel wieder an seinem angestammten Platz befestigt. Ebenso die Seenotausrüstung, wie Mann- über- Bord- Boje, Rettungsring, Bergeleine, sind wieder am Heck montiert. Zu guter Letzt weht auch die schwarz-rot-goldene Heimatflagge, der sogenannte Adenauer, wieder stolz im Wind. Wir wären dann soweit, wenn uns die Wetterfee grünes Licht dazu gäbe.

Geschafft, die roten Dreiecke senden ihre Signale und wir können sie sehen

Geschafft, die roten Dreiecke senden ihre Signale und wir können sie sehen

Da dem eben nicht so ist, nutzen wir die Zeit im Hafen mit all seinen Annehmlichkeiten, wie Strom-, Wasser- und Internetanschluss, d.h. die Capitania erledigt noch Restarbeiten für die Firma und assistiert mir nebenher bei so wichtigen Arbeiten,wie dem Neuverlöten unserer AIS-Antenne, jetzt sind wir auch wieder bei den anderen sichtbar.

Der Motor sieht immer noch aus wie neu (ist ja auch ein Segelboot)

Der Motor sieht immer noch aus wie neu (ist ja auch ein Segelboot)

Der Wasseranschluss war auch bitter nötig, denn die vormals frisch gewachste “Außenhaut” unserer Hexe war komplett verdreckt mit rotem Saharasand, der hier bei Regen und Winden aus südlichen Richtungen seinen Niederschlag findet. Langweilig ist uns also nicht. Heute morgen kam dann noch ein freundlicher Motorenmechaniker. Jetzt hat unser kleiner 40 PS-Motor wieder frisches Motorenöl, neue Dieselfilter und für die Kühlwasserversorgung einen neuen Impeller. Der gute Volvo schnurrt wieder wie neu in seinem geräuschisoliertem Motorraum und läuft hoffentlich die nächsten Monate genau so zuverlässig und klaglos wie bisher.

Von Monika, Paul und den drei Töchtern von der “Namastee” haben wir gehört, dass sie nach zweieinhalb Wochen Überfahrt, von den Kapverden zu den Azoren, heute wohlbehalten dort angekommen sind. Da sind wir sehr, sehr froh drüber. Zog doch am 6. und 7. Mai ein schwerer Sturm durch dieses Seegebiet, bei dem ein Katamaran sank, vier weitere Segelschiffe in Seenot geraten sind, eine Crew von Seglern mit dem Helikopter geborgen werden musste und ein sechsjähriges Mädchen nach mehreren Stunden im Wasser durch Unterkühlung starb. Tragisch.

Es gehört trotz guter Planung und Vorbereitung einer Segelreise wohl auch immer ein Quentchen Glück dazu. Unglücke geschehen leider, ob an Land oder auf dem Wasser. Wir fühlen uns bisher immer sehr wohl und sicher an Bord, ein kleines Restrisiko besteht jedoch wie bei allem. Sei es die Autofahrt, der Gang über die Straße, die Bergwanderung oder vieles andere.

Der Wind heult durch den Hafen

Der Wind heult durch den Hafen

Noch eins zum Schluss. leider hat die allzu optimistische Aussage, dass wir ab jetzt keine Heizung mehr brauchen, sich schneller als verfrüht erwiesen, als uns lieb war. Nachts bei klarem Sternenhimmel kühlt es draußen auf frische 10 Grad ab. Morgens muss dann erstmal der Heizlüfter ran, bevor wir aus dem gemütlich warmen Bett steigen.

Es gibt also zumindest beim Wetter noch deutlich Luft nach oben.

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