Viel Tunesien

Die Flagge vom Segelclub Hoorn neben der tunesischen

Der Skipper: Viel kürzer als ursprünglich gedacht, war der heutige Segelausflug mit unserem tunesischen Freund Raouf und seiner Familie. Der Wetterbericht versprach leichte Winde um 7-10 Knoten, das Meer sollte entsprechend ruhig und wellenlos sein. Alle formellen Anforderungen, damit wir mit einer tunesischen Familie für ein paar Stunden segeln können, waren im Vorfeld seitens der engagierten Hafenverwaltung geregelt worden. Und ich dachte schon beim morgendlichen Blick über die Bucht, ob es überhaupt genügend Wind zum Segeln an diesem sommerlich heißen Samstag geben wird.

Die Herren

und die Damen

Kurz nach 13 Uhr stand die ganze Familie, Vater, Mutter, zwei Töchter und Sohn segelbereit auf dem Steg. Nach einem kurzen Bootsrundgang warfen wir alle Leinen los und nahmen Kurs auf die Hafeneinfahrt. Meine Befürchtungen bezüglich des Windes erwiesen sich als unbegründet, die Wellenspitzen trugen weiße Schaumkrönchen, also mehr als genug Wind zum Segeln, und das kann die Outremer ja bekanntlich gut.

Kleine Lehrstunde

Stolze Rudergängerin Sarah

Souverän steuert Nesrine die Hexe

Kaum waren die weißen Tücher oben und eingetrimmt, zeigte die Logge schon sportliche 10,5 Knoten an, die Bootsbewegungen waren entsprechend. Unsere Fahrt ging vorerst nach Ost, ein flotter Ritt bei nordwestlichen Winden. Alle Mann und Frau probierten sich an der Pinne, wir hatten Spaß, es wurde viel gelacht und viel fotografiert – erste Seemeilen auf einem Segelboot, für (fast erwachsene) Kinder.

Auch Sohn Rafi ist froh

Konzentriert an der Pinne

Bis zu dem Zeitpunkt, an den bei der Mutter der Familie, Houda, sich leider die Geisel der Seekrankheit bemerkbar macht. Man weiß nie, wann und bei wem dieser Feind der Seefahrenden zuschlägt, es kann jeden treffen. Wellen von der Seite verursachen unangenehme Schiffsbewegungen und tun ihr übriges dazu.

Noch lachen Houda und Raouf

Die Ursachen können bekanntermaßen vielfältig sein. Wir haben einfach gewendet und sind gegen gute 4-5 Windstärken zurück zum Hafen gesegelt. Der Vorteil der Seekrankheit ist, dass man von ihr ganz schnell geheilt ist, wenn man erst mal wieder festen Boden unter den Füßen hat, dazu braucht es keinen Arzt.
Heute Abend sind wir bei der Familie zum Essen eingeladen, ich hoffe, dass wir trotz Seekrankheit ein leckeres Essen zubereitet bekommen. Wir haben über diesen Umstand schon beim Segeln gescherzt und dass heute der Skipper für die Wellen und die Folgen vollumfänglich verantwortlich ist, nur zur Ergänzung.:-)))

Kamele auf dem großen Platz

Die Capitania: Glücklicherweise ging es Houda wieder gut, sobald sie festen Boden unter den Füßen hatte. Damit war unser Abendessen gesichert! Pünktlich um Viertel for sieben Uhr stand Abderraouf oder „Raouf“, wie er gerufen wird, mit seinem VW Caravelle am Marina Office. Er ist einfach der geborene Fremdenführer, also gab es eine kleine Tour entlang der schönsten Strände und Strandpromenaden von Bizerte. Und überall wohnt einer, den Raouf kennt, ein Bruder, ein Onkel, der Sohn des Onkels, ein Cousin, oder er winkt einem ehemaligen Arbeitskollegen, der vor uns über die Straße geht. Überhaupt, die Straßen: Wenn es sich ein bisschen staut, wird aus einer einspurigen Landstraße schnell eine dreispurige, die Autos fahren einfach nebeneinander her, dazwischen wuseln Mopeds, Motorräder und Vespas, hier muss man höllisch aufpassen beim Autofahren.

Sonnenuntergang am Cap Blanche

Wir fahren bis zum Cap Blanche, nordwestlich von Bizerte, hier gibt es sensationelle Sonnenuntergänge, und während der Feriensaison ist es richtig voll, sagt Raouf.

Dann sind wir angekommen am Haus der Familie mitten in Bizerte, 10 Minuten zu Fuß vom Strand. Unten wohnt der Bruder mit Familie, in der Mitte die Mutter und das obere Stockwerk ist für die Familie Kefi, allerdings hat Raouf es um eine weitere Etage erweitert. So haben die Eltern ganz oben eine Etage für sich mit Schlafzimmer, Büro und riesiger Dachterrasse, während im unteren Stockwerk ein rosa dekoriertes Zimmer den jungen Damen gehört, ein Zimmer mit blauen Wänden und Vorhängen ist für Rafi, den 16-jährigen Sohn, außerdem haben eine geräumige Küche und ein großzügiges Wohn-/Esszimmer Platz.

Blick von der Dachterrasse bis übers Meer

Es ist warm im Gebäude, und noch hat der Muezzin nicht gerufen, dass die Fastenzeit des Tages zu Ende ist, wir warten auf der Dachterrasse auf die mittlerweile vertrauten Klänge, mit denen der Sonnenuntergang besiegelt wird, danach strömen in allen Häusern die Menschen zum Esstisch, trinken erst einmal einen großen Schluck Wasser nach der Abstinenz des Tages, dann wird der Hunger gestillt.

Und der Tisch steht voll mit tunesischen Köstlichkeiten, Salade meschoui, eine scharfe Speise aus geschmorten Paprika, Tomaten, Knoblauch und Olivenöl, verfeinert mit Thunfisch und verziert mit hartgekochten Eiern, ein feiner Salat aus ganz klein geschnittenen Gurken, Tomaten und Zwiebeln, Tellern voller Bricks, jenen kunstvoll gefalteten gefüllten Teigtaschen, an denen Volker sich gar nicht sattessen kann, so lecker sind sie, natürlich jede Menge Brot, und in der Mitte ein wahrhaft königliches Couscous, dem Gast zuliebe mit überaus köstlichem Lammfleisch anstelle der sonst eher üblichen Variante mit Fisch. Mehr solle er essen, sagt Raouf zu Volker, es wird nicht aufgestanden, ehe alle Schüsseln leer sind. Nun gut, das schaffen wir nicht ganz, dafür gibt es zum Nachtisch auch noch frisches Obst, Weinbergpfirsische und Feigen, so süß und fein, wie sie bei uns niemals reifen könnten.

Danach sind wir alle zurück auf die Dachterrasse gestiegen, die Mädels haben schnell noch abgewaschen, und wir haben dort mit köstlichem Tee und verschiedenen Erfrischungsgetränken einen wahrhaft himmlischen Abend verlebt, einander die verschiedenen Kulturen näher gebracht. Wie funktionieren Krankenhäuser in Tunesien (Houda ist als MTA zuständig für die Narkosen im hiesigen Krankenhaus, es gibt für alle Stationen ansonsten nur einen einzige Anästhesisten); gibt es einen Staubsauger bei uns an Bord; die Mädels studieren BWL und Jura, aber ihre kleinen möblierten Wohnungen haben sie nur während des Semesters, im Sommer werden sie für viel mehr Geld an Touristen vermietet; welche Länder haben uns am meisten beeindruckt, und sie laden sich noch schnell meine Sternen-App herunter, damit sie des Abends auf der Terrasse die umgebenden Sternbilder benennen können, usw., usw. Um Mitternacht schwirrt uns der Kopf und Raouf fährt uns nachhause zum Boot.

Nicht nur Fremdenführer in Bizerte oder Tunis, Raouf hat viele Jobs

Dabei gibt es gleich den nächsten Grund zum Staunen: Obwohl es mittlerweile nach 24 Uhr ist, sind die Straßen und die Plätze und die Rasenflächen voller Familien mit Kindern, sie haben sich Decken und Proviant mitgebracht, und picknicken in den Parkanlagen entlang der Strandpromenade, gut, dass es keinen Alkohol gibt, die Leute gehen so direkt vor den Autos über die Straße, dass es uns Angst und Bange wird. Die Stadt ist voller promenierender Menschen, und noch bis weit nach zwei Uhr hören wir die Lifemusik von der Bar an der Ecke. Es ist das Ende von Ramadan, jetzt wird richtig gefeiert.

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Ein Kommentar zu Viel Tunesien

  1. Astrid sagt:

    Wie spannend! Wir freuen uns schon, selber nach Tunesien zu segeln und dank euch haben wir auch schon einen Reiseführer …. DANKE

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