Von Lagos nach Lanzarote in weniger als drei Tagen

Samstag, 4. November 2017, Baro 1014, sonnig leicht bewölkt, Wind W 5

Gestern hat Volker für unsere neue Crew, Trevor and Kay, eine ausführliche Sicherheitseinweisung gemacht, die Lage der Feuerlöscher ist bekannt, ebenso die Handhabung der Rettungsinsel. Wir haben ein Grabbag gepackt, und neben der Rettungsinsel verstaut, jeder hat seine Rettungsweste einmal angezogen, Lifelines liegen ebenfalls bereit, jeder weiß, wo sich das Epirb, die Fire Blanket, etc. befinden. Außerdem habe ich den beiden die Bedienung unserer Navigationsinstrumente erklärt, und die Sprache im Navionics vorsichtshalber auf Englisch umgestellt.

Heute morgen waren wir alle in der Marina zum Duschen, die Selbstwendefock ist angeschlagen, letzte Einkäufe auf dem Bauernmarkt sind erledigt, pünktlich um 10:00 Uhr standen Ralf und Inge bereit, um die Leinen loszuwerfen, und um 10:40 Uhr war das Wasser im Kanal soweit gestiegen, dass wir loskonnten.

Nach einer halben Meile wird das Großsegel gesetzt, Reff 1 ist eingebunden, die Genua wird, ebenfalls mit einem Reff, ausgerollt. Kurs 210°, 540 Meilen liegen vor uns. Die See ist sehr ruppig, und die Wellen werden wohl noch höher werden, wenn wir aus der Abdeckung des Cabo de São Vicente heraus sind, aber heute Nachmittag soll der Wind weiter nördlich drehen, wir werden sehen.

Es ist zunächst tatsächlich eine ruppige und nasse Fahrt, Die Wellen kommen seitlich immer mal wieder über das Boot, die erste, während des Brunchmahls mit Kürbissuppe und Würstchen, erwischt fast das Cockpit, glücklicherweise hat Volker kurz zuvor die Zeltplanen heruntergelassen. Aber eine Menge Wasser fließt doch über den Boden, das wird immer wieder passieren in den nächsten zwei Stunden. Der Wind hat aufgefrischt auf 20 – 24 Knoten, die Wellen sind zwischen  anderthalb und zwei Meter hoch. Es ruckelt und scheppert im Schiff.

16:30 Uhr ist Zeit für Intermar, ich mache zum ersten Mal mit, Federico, DE8AEW, hört mich gut und auch ein unbekannter Amateurfunker aus dem Saarland bestätigt, dass er mich laut und deutlich verstehen kann, ob das einer von meinen Kollegen aus der Prüfung war? Da gab es nämlich auch viele Saarländer. Nur Ralf konnte ich leider nicht empfangen, schade.

18:00 Uhr: Baro 1016, der Wind hat ein bisschen geraumt und ist auf 15 – 16 Knoten zurückgegangen, Volker denkt über den Code D nach, aber erstmal kommen die Delfine, wieder tanzen sie mit den zwei Rümpfen, dass es eine Wonne ist. Der Code D bleibt im Sack.

19:30, der Wind ist auf 13 – 15 Knoten zurückgegangen, kurz vor dem Abendessen wird das Großsegel ausgerefft, danach gibt es draußen am Cockpittisch Mezzelune mit Wildscheinkotelett-Sahnesoße. Trevor und Kay freuen sich über die Tatsache, dass so einfach Flaschen auf dem Esstisch stehen können. Das geht bei Wind und Wellen nur mit einem Katamaran!

23:20 Uhr, Baro 1020, dunkle Wolken verdecken den Mond, und machen uns Arbeit. In der einen Wolke steckt ein bisschen mehr Wind, danach nimmt er auf unter neun Knoten ab und raumt, wir rollen die Genua ganz weg und wollen schon das Großsegel bergen, da kommt die nächste Wolke und bringt wieder Wind mit.

Sonntag, 5. November 2017, 06:40 Uhr, Baro 1020, kurz vor Sonnenaufgang, leicht bewölkt, NNO um 5

02:45 Uhr: Der Katamaran „Cristal“ fährt in einer halben Meile Entfernung an uns vorbei, offensichtlich auf dem Weg nach Madeira oder in die Karibik. Schon seltsam, da ist das Meer hier so groß und weit und leer, und plötzlich sind sich zwei Boote so nah, dass man aufpassen muss, dass es nicht zu einer Kollision kommt.

12:00 Uhr, Baro 1019, es ist leider bewölkt, und unser Watt & Sea hat endgültig alles Hydrauliköl verloren, sodass wir ihn nicht weiter betreiben können und keinen Strom mehr aus dem Wasser ziehen. Da wir nach Süden fahren, sind die großen Solarpaneele nicht direkt von der Sonne beschienen, deshalb haben wir unsere tragbaren Sonnenstrahlenfänger an die Reling gehängt. Jetzt müssen nur noch die Wolken, wie eigentlich vorhergesagt, verschwinden, dann bekommen wir genug Strom, um auch mal unsere Laptops oder das Satellitenhandy zu laden. Schließlich muss ich ja Logbuch schreiben, und mit meiner neuen Kurzwellensoftware über das Pactor-Modem Wetterberichte abrufen.

Am Nachmittag frischt der Wind weiter auf, in Böen bis zu 28 Knoten und die Wellen werden größer und bäumen sich, vor allem in der Nacht bis auf gute drei Meter auf, wir fahren mit einem Reff im Großsegel, und die Genua, je nach Lage im 1., nachts komplett im 3. Reff. Zum Abendessen, wie immer im Cockpit, gibt es Gulasch indischer Art mit Reis. Diese Nacht ist anstrengend, man muss andauernd den Kurs korrigieren, damit Großsegel und ausgebaumte Genua gut stehen, und alles wackelt und scheppert.

Montag 6. November 2017, Baro 1015,

05:30: In der Nacht hat zunächst  Volker von 21:00 Uhr bis nach Mitternacht die erste Wache übernommen, denn es war so viel Wind und Welle, dass er erstmal selber aufpassen wollte, wie sich die Hexe verhält und auch dauernd die Segel nachgestellt hat. Danach kurze Wachen, anderthalb bis zwei Stunden, aufgeteilt zwischen Volker, Trevor und Kay, und mir.

Ein dauerndes Brummen irritiert Volker, und er hat Bedenken, ob das jetzt der Autopilot ist, der sich verabschiedet, aber ich glaube, es sind nur Windgeräusche am Aufbau des Bootes. Das würde uns jetzt gerade noch fehlen, dass sich der Autopilot verabschiedet, und wir alles mit Hand steuern müssten!

Zwischen 04:00 und 05:00 Uhr lassen die Wellen glücklicherweise ein bisschen nach, sie werden kleiner und nicht mehr so gewalttätig, dass das ganze Boot scheppert. Als ich um 05:00 von Trevor die Wache übernehme, ist es daher schon angenehmer, auch wenn der Wind zwischendurch doch mal auf 27 Knoten anwächst.

09:30 Leider ist es wieder mehr bewölkt als sonnig, und unsere Energiebilanz eher negativ. Dabei brauchen wir doch den Sonnenschein auf unseren Solarpaneelen. Und die Wellenhöhe nimmt auch nicht ab, das ist ein elendes Geschaukel, wenn der Wind unter 18 Knoten ist.

Irgendwann am Vormittag werden die Wellen dann doch kleiner, der Wind bleibt bei 17 bis 22 Knoten,.

Nach 48 Stunden haben wir 431,5 Seemeilen auf der Logge! Das waren 204 in der ersten Hälfte und 227 in der zweiten, sensationell!

Nachdem alle auch am Vormittag ein bisschen  geschlafen haben, gibt es um 11:30 ein spätes Frühstück mit Pizza und den Resten des gestrigen Gulaschs. Einmal besuchen uns wieder Delfine, bleiben aber nur kurz. Beinahe hatte Trevor später einen Fisch an der Angel fürs Abendessen, aber der hat sich anscheinend selbst befreit. Glück für ihn, Pech für uns. Außerdem waren zahlreiche Frachter unterwegs, mit zweien musste ich funken, um sie auf uns aufmerksam zu machen, damit sie uns nicht überrennen.

15:00 Uhr  Baro 1011, mehr Sonne als Wolken, gut für die Energiebilanz, denn auch die Computer brauchen ab und zu einen kleinen Schluck aus der Steckdose. Und die Sonne geht ja schon vor 18:00 Uhr unter, die Tage sind kurz. Gut für die Nachtwachen, dass der Vollmond die Nächte erhellt.

Vor dem Abendessen wird das Reff im Großsegel ausgeschüttet, der Wind hat auf 15 Knoten abgenommen. Zum Abendessen gibt es den Klassiker, Spaghetti Bolognese mit Salat, danach wieder die übliche Wachenfolge, Volker beginnt, um 22:30 übernehme ich, Trevor kommt auch, wir schauen zu zweit, da kann sich immer wieder einer hinlegen.

23:45 Uhr: beim Routine-Rundumblick entdecke ich die ersten Lichter von La Graciosa sowie von die Küstenstraße von Lanzarote, an der die Lichter wie eine Perlenkette dem Seefahrer entgegen leuchten.

Noch 33 Seemeilen bis Puerto Calero.

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