Weibliche Engel

17. Juni 2016, Freitag, Baro 1010, sonnig, warm, Wind SSW um 5-6
Portocolom 09:45 – El Arenal 18:30, ca. 50 sm
Nachdem es ja leider gescheitert ist, in Cala Ratjada bei einem der zahlreichen Hotels meine Ausdrucke zu machen, die ich dringend nach Deutschland senden muss, sind wir gestern extra nach Portocolom gesegelt, hier muss es irgendeine Möglichkeit geben, 20 schlappe Seiten auszudrucken! Ich frage gleich nach der Ankunft bei den Marineros, sie empfehlen mir den Tabac-Laden, oder einen Schreibwarenladen, ihren eigenen Drucker wollen sie nicht bemühen, ich habe das Gefühl, sie wären hilflos überfordert, nicht, dass sie unfreundlich waren, aber…
Der Tabac macht erst um 17 Uhr wieder auf, zu dem Schreibwarenladen ist es ein weiter Weg, den gehe ich erst später, vor 16 Uhr macht der bestimmt auch nicht auf. Volker hat noch die Idee, dass ich der Marina die Daten per Mail schicken könnte, falls sie Angst vor meinem Stick haben. Ich gehe noch einmal dorthin, und jetzt sitzt ein Engel im Büro! Auf meine Frage lässt sie mich einfach an den Computer, ich kann meinen Stick anstecken und meine Seiten ausdrucken. Vor lauter Schreck braucheich einen Moment, bis ich mich im spanischen PC zurecht gefunden habe, aber dann klappt alles und ich laufe glücklich mit meinen Seiten zum Boot, nicht ohne meinem Engel (ja, die können auch weiblich sein!) vorher ein ordentliches Tringeld zugesteckt zu haben. Jetzt kommt nur noch die Herausforderung “Post”!
Früher habe ich mal gelernt, dass es in Indien nicht klug ist, nach dem Weg zu fragen, weil die Antwort immer lautet: “Go straight, next building”, angeblich, weil es unhöflich wäre zu sagen: “ich weiß es nicht”. Aber in Spanien scheint es auch nicht immer einfach. Nach meinen Erfahrungen mit dem anderen Links in Fornells hätte ich ja schon vorgewarnt sein müssen. Auf meiner Suche nach einer Post vertraue zunächst der Auskunt von Google Maps, laufe mit Nico am Ufer entlang, das Handy in der Hand, die freundliche Frauenstimme gibt Anweisungen: “im Kreisel die 2. Ausfahrt nehmen”, “jetzt rechts”, aber da, wo sie mich hinschickt, steht nicht Correos, Post, sondern Eissalon Venezia. Eis wollte ich jetzt aber nicht, sondern einen Brief aufgeben.
Ich frage im Supermarkt nach, ja, es gibt eine oficina de correos, aber die hat nur vormittags auf. Ja, wo die denn sei? Naja, am Eingang zum Hafen, ganz nach links. Ich mach mich darauf gefasst, am nächsten Morgen in aller Frühe einen weiten Spaziergang zu machen, finde aber im Internet keinen Hinweis auf diese Poststelle, sondern wieder nur auf die, die ein Eissalon ist. Das Hafenbüro hat zum Glück schon früh geöffnet. Der ein bisschen dröge Marinero kennt zwar keine Post in Portocolom, doch sein Kollege weiß Bescheid: “Die Treppe hoch, nach rechts und weiter”. Nach meinen letzten Erfahrungen bin ich misstrauisch, aber tatsächlich befindet sich 100 m weiter ein richtiges kleines Post Office, der ebenfalls weibliche Engel dort nimmt sich meines Anliegens professionell an. Halleluja!
Danach werden sofort die Leinen losgemacht, Volker hat die Wetterberichte gecheckt, wir wollen in eine der schönen Buchten für zwei Nächte zum Ankern. Der Plan war gut, allein, der Wind spielt nicht mit. Kaum haben wir den schützenden Hafen verlassen, frischt er auf auf über 20 Knoten, und rate mal, woher? Natürlich von vorne!
Dabei wollte Volker heute garnicht kreuzen, na so was! Aber genau das machen wir, zunächst motoren wir tatsächlich die vier Seemeilen bis zum nächsten Cap, aber dann kommen die Segel hoch, der Motor geht aus, und wir segeln und wenden und segeln und wenden…
Cabrera liegt vor uns, vielleicht können wir dorthin? Ich versuche, im Internet in Erfahrung zu bringen, ob man mit dem Hund dorthin darf, finde nichts, aber eine Telefonnummer, die zwar zunächst chronisch besetzt ist, aber schließlich bekomme ich die Auskunft, nein, ein Hund darf nicht dorthin, gemein! Also kreuzen wir weiter an der Küste entlang. Nach den entzückenden Calas im Südosten kommt jetzt eine längere, eher gerade Küstenlinie, mit wenigen bis gar keinen Besiedelungen, nur Wald und ein paar Felsen. Es sieht so einladend aus, aber bei so viel Wind kann mannicht ungeschützt ankern.
Und immer wieder dreht der Wind mit. Kaum haben wir ein Kap erreicht, danachändern wir den Kurs, aber der Wind dreht mitund wir kreuzen weiter, und wenden und wenden.
An der wunderschönen Playa es Trenc, wo wir vor Jahren schon mal vom Land aus waren, wollen wirankern, vielleicht nur für eine Stunde baden und Hund spazieren, aber leider steht dort noch so viel Welle drauf, und weiter hinten wird es zu flach, Kehrtwendung, weiter segeln. In der Bucht vor Estanyol machen wir noch einen Versuch, aber auch der scheitert kläglich. Ganz hinten ist das Wasser so blau, ein Hinweis auf sandigen Grund, aber der Katamaran, der gerade herausfährt, signalisiert: “dort wird es zu flach”. Wir versuchen es auf 10 Meter Wassertiefe, nur dass es da anscheinend nurFelsen gibt, kaum ist der Anker unten ruckelt er entsetzlich, es tut einen Schlag und der Ankerscheint nachzuschleifen. Schnell ziehen wir ihn wieder hoch, anscheinend sind wir heute wie der fliegende Holländer zu immerwährendem Segeln verdammt.
Natürlich dreht der Wind auch am nächsten Cap mit, weiter auf die Nase, und am letzten Cap, als wir dann einen Anliegerkurs haben, geht der Wind schlafen. Der Skipper beschwert sich, erst ist soviel Wind, dass wir reffen müssen, und jetzt kommt die Flaute. Ich glaube, er denkt über ein Motorboot nach 😉
Ich reserviere uns einen Liegeplatz in El Arenal, dann gehen wir eben auf den Ballermann!

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