Zwanzigkommaneun Knoten

20,9 Knoten war heute der absolute Topspeed, den ich jemals mit einem Segelschiff gefahren bin und ich bzw. wir segeln schon ein paar Jährchen. Heute morgen nach dem Ablegen hat es ganz flink aufgefrischt, kleine Schaumkronen färbten die Wellenspitzen weiß. Der erste Surf war mit 9,8 Knoten Bootsgeschwindigkeit schon mal nicht schlecht. Dann hatte der Wind wohl keine Puste mehr und schlief wieder ein, blöd für mich, die übriggebliebenen Wellen schaukelten das Schiff ganz schön durch. Heute hatte ich meinen Solosegeltag, d.h. ich bin allein gesegelt, Cornelia und Larissa sind mit dem Leihauto nach Almerimar gefahren.

So gegen 11 Uhr hatten die Windgötter wohl wieder genügend Kraft getankt und der Reigen ging los. Der Wind frischte auf flotte 7 Windstärken auf und die Hexe begann ihren Tanz. Bald zeigte die Logge 12 Knoten Bootsgeschwingigkeit an, schon mal ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. Ich habe dann ein bisschen von der Küste weggesteuert, um in der Erwartung stabilerer Winde, die nicht von den Bergen und der Küste abgelenkt werden.
So war es auch, zeitgleich nahm der Wind weiter zu, die Anzeige zeigte bald ständig Wind über 30 Knoten an, ca. 55 km/h. Bisher hatte ich nur das volle Großsegel oben, das war jetzt trotzdem deutlich zuviel Segelfläche und der erste Sonnenschuss war dafür ein klarer Indikator. ich habe gleich das 2. Reff eingebunden, man weiß ja nie, was noch kommt. Und das war gut so, der Windmesser zeigte bald 38 Knoten, also Windstärke 8, die Wellenhöhe nahm auch zu auf ca. 3 Meter. Die Hexe dankte es mit flotter Fahrt und ausgiebigen Surfs, manchmal über 15 Knoten. Hier gibt es das Video dazu. Das muss man gesehen haben!

An einem Punkt war das zuviel für den Autopilot und das ganze Schiff legte sich, relativ stabil, auf die Seite und lies sich weder mit gutem Zureden noch kräftigem Drehen am Steuerrad dazu bewegen, sich wieder aufzurichten. Ich habe deshalb das kleine Stück Vorsegel auch noch weggedreht, daraufhin fuhr das Schiff wieder dorthin, wo ich es wollte.
Kurz darauf erreichte der Wind die 40-Knoten-Marke und überbot sogar diese noch mit bis zu 48 Knoten. Der Kahn oder besser gesagt die Hexe war in einem Dauersurfzustand, ständig über 12 Knoten, teilweise auch bei 17 Knoten, so etwas hatte ich noch nie erlebt.

Und dann kam diese Welle, ich hörte sie schon anrauschen. Deutlich höher als ihre Vorgängerinnen hob sie das Schiff an, die einfallende Windböe ließ das Schiff lossurfen, 13, 15, bis17 Knoten. dann bohrte sich der Bug tief in die vorauslaufende Welle, weiße Gicht schoss über das Vordeck, doch plötzlich hebt sich der Bug, der Surf geht weiter, 17 Knoten, 19 Knoten, dann springt die Anzeige auf über 20 Knoten! Ich steh nur staunend da, der Autopilot hat die Kontrolle, dann münden mein Adrenalinrausch und meine angestauten Emotionen in einem lauten Jubel, so etwas hatte ich noch nie erlebt. Angsteinflößend, aber gleichzeitig auch faszinierend. Kurz danach war Schluss mit lustig, ein erneuter Sonnenschuss folgte und wir lagen abermals auf der Seite, eine Welle stieg dabei von der Seite ein und ergoss sich über das ganze Schiff und über mich. Das Wasser ist zum Glück noch relativ warm.

Kurze Zeit danach ließ der Wind immer weiter nach, nur die Wellen blieben, wie immer, deutlich länger noch und machten mir das Leben schwer. Ohne Wind hat ein Schiff keine so große seitliche Stabilität und rollt wie wild von einer Seite zur anderen. Da hilft nur, den Motor anzuschalten, Gas zu geben, und durch die damit verbundene Fahrt ist es ein bisschen angenehmer. Kurz vorm Hafen stand durch die abnehmende Wassertiefe noch reichlich Welle und eine davon sind wir, die Hexe und ich, mit 15,5 Knoten hinuntergerauscht, auch diese Welle hat sich vorher laut bemerkbar gemacht. Kurz darauf hatten wir die Hafeneinfahrt passiert und alles war ruhig und gut. Gott oder wem auch immer sei Dank, dass heute nichts zu Bruch ging.

Jetzt liegen wir in Almerimar, Larissa fliegt am 30. zurück nach Good Old Germany, wir werden hier Silvester feiern.
Danke an Ralf und Inge für das liebe Willkommen hier im Hafen.

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3 Kommentare zu Zwanzigkommaneun Knoten

  1. Sabine sagt:

    Verrückter Hund! 🙂

    Wir sind froh, dass du wenigstens einmal das Wort ‘angsteinflößend verwendest…
    Euch beiden einen guten Rutsch, habst Spaß und alles Liebe.
    Joachim & Sabine

  2. Allegra Großmann sagt:

    da werden Larissa und Mama aber nicht ganz so traurig sein, dass sie dieses Spektakel verpasst haben…

  3. susann kretschmer sagt:

    realmente locos! eso de esquiar despues de navegar regresando al norte en coche cienes de kilometros…. aber den “eisenhut” hätte ich auch gerne probiert…..
    freuen uns auf weitere Textfolgen…. suma

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