Wechselhaft

Die Hände schmerzen, die Schultermuskulatur verkrampft und der Rücken meldet sich auch. Die Rede ist hier nicht von einem Sportmarathon, dem ich mich freiwillig  und zu Trainingszwecken unterziehe. Unsere großen Trampoline müssen gewechselt werden. Zu morsch, zu schwach, vom Sonnenlicht zermürbt ist die Polysterstruktur der alten Trampoline. Obwohl alt so eine Sache ist in meinen Augen. Gerade mal fünf Jahre ist es erst her, der letzte Austausch, nicht lange, oder? Gut, die Dinger sind immer draußen, immer in der Sonne, immer den ultravioletten Strahlen ausgesetzt und ständig latscht jemand, also wir, darauf rum. Dazu kommen Wüstensand, Staub und das salzreiche Klima. Der Klügere gibt nach, könnte man fast sagen, in dem Fall die Kunststoffstruktur unserer Trampoline. 

Warum ich das so ausführlich beschreibe, ist klar. Es ist mit Abstand die körperlich härteste Arbeit, die ich je an Bord ausgeführt habe. Trampolinwechsel ist ein echte Qual. Denn die neuen sind, wenn man sie auspackt, gerade einmal halb so groß wie die alten und müssen mithilfe von Massen an starken Kabelbindern, und Leinenumlenkungen zu den Arbeitswinschen, auf die notwendige Größe gedehnt werden. Ist das nach gut zwei Stunden schweißtreibender Plackerei geschehen, folgt leider nicht die entspannte Kür, sondern das kräftezehrende Einflechten der Leinen die das Trampolin über die vorhergesehenen Löcher mit dem Bootsrumpf verbinden. Jeweils dreimal muss man mit dieser Leine durch die Löcher am Rumpf bzw. am Trampolin gehen, dabei so fest ziehen, dass das Trampolin, maximal gespannt wird, und alle paar Meter die Flechtleine verknoten. Ingesamt gibt es 103 Löcher am Rumpf, gut 50 Meter wurden insgesamt eingeflochten. Aber  egal wie, nach fast 4,5 Stunden Schufterei war es vollbracht, Max und ich haben ein Trampolin erfolgreich und mit perfekter Faserausrichtung gewechselt. Und das ist leider auch die Krux an der Sache, denn der Wechsel des zweiten Trampolins steht noch aus. Wir wollten ja unbedingt einen Katamaran haben, schrieb gestern ein Freund trefflich, bezüglich des zweiten Trampolins.

Doch jetzt ist erstmal ein paar Tage Erholung für die geschundenen Muskeln und Hände angesagt.

Bedingt durch die sehr warmen Tage gehen wir jeden Tag schwimmen. Und gerade hier am Hafeneingang und der angrenzenden Badebucht erleben wir dabei ein tolles Naturspektakel. Zur Zeit gibt es riesige Sardinenschwärme, selbst im und vor dem Hafen. Mit den Sardinen haben sich hunderte, ungefähr 30 bis 40 Zentimeter große Barrakudas und viele kleine Tunfische eingefunden, deren Hauptnahrungsquelle wohl die angesprochenen Sardinen sind. Deshalb, die Schnorchelei macht im Moment gleich doppelt soviel Spaß, bei dem Fischreichtum.

Sardinenschwarm im Hafen

Heute zieht das erste atlantisch herbstliche Tiefdruckgebiet auf die Kanaren zu. Mit dabei im Gepäck sind Regen und reichlich Wind, zudem bleibt der Tiefdruckkern bis Mittwochabend stationär, sozusagen über uns stehen. Dementsprechend voll ist es im Hafen geworden, denn bei den vorhergesagten südwestlichen Winden und relativ hohen Wellen gibt es nur wenig  geschützte Ankerplätze im Kanarenarchipel.

Seit drei Stunden branden die ersten Wellen donnergrollend an die Hafenmauer. Doch der Hafen bietet den besten Schutz, meiner Meinung nach, denn Fuerteventura liegt schützend nahe im Südwesten und zahlreiche natürliche Kaps vor der Hafeneinfahrt verhindern, dass es Schwell im Hafen gibt.  Mit dem aufkommenden Wind ist die Ruhe der letzten 14 flauen Hafentage dahin, der Mastenwald singt geräuschvoll sein bekanntes Lied.