Autor: Skipper Volker

  • À la voile – unter Segeln

    Die gute Nachricht vorweg, seit dem gestrigen Ablegen schweigen die Motoren. Der kräftige Wind mit bis zu 27 Knoten und Drehern hat mir eine erste nahezu komplett schlaflose Nacht beschert. Mehrfach gehalst, mehrfach das Vorsegel dem Wind angepasst. Belohnt werden wir dafür mit einer guten Geschwindigkeit und einem Kurs, der nicht weit weg von der Ideallinie liegt. Mit 185 gesegelten Seemeilen in 24 Stunden. 

    Cornelia ist wegen des Lärmpegels in den Rümpfen während der unzähligen Gleitfahrten, im Salon geblieben und hat da mit ein paar kleinen Unterbrechungen von 23 bis 6 Uhr morgens, ganz passabel geschlafen. Mehrmals in der Nacht hat die 10 Kilowatt Dieselheizung für muggelig warme Innenraumtemperaturen gesorgt. In der Nacht haben wir zwei andere Segler überholt, die ebenfalls in Richtung Nordspanien unterwegs sind. Nur der halbe zunehmende Mond war kurz nach Einbruch der Dunkelheit auch schon wieder untergegangen. Pechschwarz war der Rest der Nacht und spät, erst nach 8 Uhr kam der herbeigesehnte Sonnenaufgang. Der heutige Tag plätschert so dahin. Ein bisschen Schlaf habe ich nachgeholt. 

    Der Vormittag bescherte uns ein paar wärmende Sonnenstrahlen, doch inzwischen ist der Himmel fast komplett bewölkt. Der kalte nördliche Wind lädt nicht gerade dazu ein, länger als man muss, draußen zu verweilen. Die Wellenhöhe ist im Laufe des Tages von unangenehmen drei Metern und konfusen Richtungen auf angenehme 1,5 Meter zurückgegangen. So ist das Bordleben gleich viel erträglicher. Der Wind ist weniger stark und erreicht in Böen nur noch 20 Knoten, Trotzdem sind wir noch im ersten Reff im Großsegel, nur die Genua ist jetzt komplett ausgerollt. 

    Zwischendrin denke ich schon an mal darüber nach, den großen Gennaker zu setzten, doch gerade wenn ich mich aufraffen will, kommt wieder eine Böe und schneller als die weg ist, fällt die Entscheidung gegen das Leichtwindsegel. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

    Ein Vorteil hat ja so ein Aufenthalt in Frankreich noch, die Auswahl an Fleisch- und Wurstwaren in den französischen Supermärkten ist gigantisch. Unser Tieffrierer ist bis an die Oberkante mit französischen Spezialitäten gefüllt, und im Kühlschrank warten Paté de Fois, Paté de Campagne, Rillette vom Schwein, und ein leckerer Camembert, um nur einige zu nennen, auf das nächste Frühstück. 

    Mit den gemachten Einkäufen könnten wir wahrscheinlich für Wochen auf See bleiben. Ein Fest für die Sinne und den Magen. Gestern gab es zum Abendessen Gelleriewestambes, ein Gericht aus unser beider Region, sowohl die Saarländer als auch die Hessen kennen das, Kartoffeln, Möhren, beides kleingedrückt, dazu gibt es Blutwurst, in unerem Falle französische Boudin à l‘oignon, die auch untergemischt wird. Volker hat das noch durch weiße Rüben verfeinert und mit gedünsteten Zwiebeln garniert.  Sehr lecker, auch wenn es nicht so klingt. Der Saarländer gibt natürlich reichlich Maggi dazu :-)).
    Ein Hochgenuss!

    Jetzt segeln wir beständig zwischen 6-und 8 Knoten schnell mit dem leichteren Wind und den kurzzeitigen Böen, und seit einem Winddreher nahezu auf Idealkurs. Da gibt es nix zu meckern.

  • Seglers Fluch,

    Regen und Besuch? Nein!!!! Beim Regen mag das ja stimmen, aber für den Besuch ist genau das Gegenteil der Fall, denn die letzten 16 Tage waren unsere Tochter Larissa nebst Mann Johannes und Hund Nana bei uns in Workum, teils an Bord, teils mit dem Camper am naheliegenden Strand.

    Und was liegt da näher, als den beiden endlich mal das Windsurfen beizubringen? Eigentlich war die Intention von Larissa und Johannes, das Kitesurfen zu erlernen. Doch nach der ersten Doppelstunde gab es viele schwachwindige Tage, nix zu machen für die Kiter, aber ideal, um ins Windsurfen einzusteigen. Und da kommen unser neuer Freund Klaus und sein Kumpel Jörg ins Spiel. Denn beide haben das Windsurfen aufgegeben und sind jetzt leidenschaftliche Kiter. Ein großer Vorteil für Johannes und Larissa, denn sie können im wahrsten Sinne des Wortes, für einen Apfel und ein Ei, mehrere Windsurfsegel, fünf Carbonmasten, einige Gabelbäume und ein total schnelles Mistral Surfbrett übernehmen. 

    Beide machen bei dem leichten Wind schnell große Fortschritte. Johannes kommt selbst bei Starkwind zurecht und gleitet sehr schnell und gekonnt übers Ijsselmeer. Und mit dem vielen Wind der letzten Woche konnten die beiden dann endlich auch die Kitesurfstunden nachholen. Doch viel Wind kann schnell auch zu viel Wind sein, und nach einem ungewollten Höhenflug strich Larissa vorläufig die Segel, oder besser gesagt den Kite. Kiten zählt zu den Risikosportarten und Vorsicht ist besser als Nachsicht. Ich habe einen Tag Starkwind auch genutzt und ein paar Stunden, in wilder Gleitfahrt am Gabelbaum hängend verbracht. Und ich muss sagen, so schnell war ich noch nie auf dem Wasser surfend unterwegs gewesen. Abends schmerzten dann zwar die Schultern, und die Arme waren gefühlt länger als zuvor, doch das war es wert. Am zweiten Tag waren mir dann die Böen zu heftig.

    Vor ein paar Tagen kam die Familie Paukert, mit zwei von drei Töchtern auf einem offenen Kielboot, einer Falke, zu uns zu Besuch. Paukerts sind Segelfreunde der ersten Stunde, die wir vor 12 Jahren in Portugal kennengelernt haben. Der Kontakt und die Freundschaft haben sich über all die Jahre gehalten. Wir verbrachten zwei wunderbare Tage in großer Runde miteinander. Es gab viel zu erzählen.

    Abschied von Larissa, Johannes und Nana

    Seit gestern ist eine fast unheimliche Ruhe an Bord. Für Larissa und Johannes sind die Ferien zu Ende und die Paukerts machen mit dem Boot die friesischen Seen unsicher. Damit der Schritt in die Einsamkeit nicht zu schnell ist, bekamen wir gestern Abend noch zwei Überraschungsbesuche. Zuerst kam Klaus der Kiter zum versprochenen Bier, und anschließend hatten wir Horst, einen Segelfreund, mit Sohn und drei Monate altem Enkel zu Besuch, auch Horsts Vater war mit seinem süßen Hund dabei, vier Generationen bei der Hexe!

    Jetzt müssen wir uns erst mal wieder um ein paar technische Probleme kümmern. Der Hauptautopilot funktioniert nicht mehr und der neue Plotter verliert sporadisch die AIS-Signale. Deswegen geht es morgen nach Lelystad in die Flevomarina. Dort sitzt ein Raymarine Servicecenter. Im nächsten Blogbeitrag werde ich die Fehler näher beschreiben und natürlich auch erzüählen, wie unser Reparaturstop verlaufen ist.

  • Sommerfreuden

    Ich war ein bisschen erschrocken, als ich im Blog nachgeschaut habe, von wann unser letzter Beitrag ist. Gähnende Leere im Blogkalender, sorry, das war keine Absicht. Die letzten drei Wochen sind wie im Flug vergangen. Die Tage in Deutschland waren angefüllt mit Enkelbesuchen und heimischer Gartenarbeit bei sommerlichen Temperaturen, einigen Abenden im Biergarten und natürlich haben wir Freunde getroffen, die wir schon wochenlang nicht mehr gesehen hatten. 


    Schon war es an der Zeit, mit unserer geliebten Enkeltochter Zoey in den gemeinsamen Ferien zu starten. Ferien an Bord in Workum, wohlgemerkt. Hier ist ein Paradies für Kinder und damit auch für die Eltern oder die Großeltern. Ein großer Strand ist nur einen Steinwurf entfernt, ein toller Spielplatz am Hafeneingang, Fahrradwege, Campingplatz mit Imbiss um die Ecke und vieles mehr, wird für unternehmungslustige Kinder hier geboten. 


    Und so kam es, dass wir jeden Tag stundenlang am Strand waren, Burgen bauten, Zoey im 24 Grad warmen flachen Wasser endlos spielen konnte und auch wir mal geschwommen sind. Am Nachmittag ging es meist mit dem Dinghy ins benachbarte süße Städtchen Hindelopen, wo Cornelia ihren Matjes und wir lecker Eis bekamen. Nach dem Abendessen an Bord ging es dann nochmals auf den Spielplatz oder für eine Fahrradrunde über den Campingplatz. Auch diese Tage zogen schneller als man gucken konnte ins Land. 


    Am nicht ganz so warmen Freitag packten wir eine große Picknicktasche, Badezeug und Getränke ins Dinghy und fuhren damit stadteinwärts, in Richtung Workum. Das Glück war mit uns und die Schleuse öffnete in dem Moment ihre Tore, als wir ankamen. Ein paar vor uns wartende Boote fuhren wie an der Perlenschnur aufgereiht vor uns in die Schleuse, doch für so ein kleines Wasserfahrzeug wie unser Dinghy es in der Relation ist, ist selbst in einer vollen Schleuse immer noch irgendwo ein Platz. Der Schleusenmeister kam und bekam seine 6 Euro Schleusengebühr und danach befanden wir uns schon mitten im Herzen von Workum, respektive dem Kanal, der uns durch Workum führte. Für Zoey und uns gab es soviel zu sehen, schöne traditionelle Schiffe, die festgemacht da lagen, historische Gebäude, entgegen kommende Boote und niedrige Brückendurchfahrten. Letztere versperrten uns nicht den Weg, denn wir machten uns ganz klein im Dinghy, die anderen Schiffe mussten jedoch auf die Brückenöffnung warten. 


    Irgendwann waren wir unter der letzten, der Eisenbahnbrücke durch und mit langsamer Gleitfahrt fuhren wir entlang der landwirtschaftlich geprägten Gegend. Bald schon näherten wir uns der weit verzweigten  friesischen Seenlandschaft und einige aufkreuzende Segelboote kamen uns entgegen, andere segelten mit Rückenwind in östliche Richtung. Im Groote Gaastmeer bogen wir nach links ab und machten kurz darauf an einem großen Längsseitssteig, auf einer der zahlreichen Inseln unsere Leinen fest. Auf einem kleinen Inselrundgang erkundeten wir das Naturparadies und spielten ein bisschen Fußball. Danach war das tägliche Schwimmen angesagt, mit anschließender ausgiebiger Verköstigung der sehr hungrigen, großen und kleinen Crew. Schon war es an der Zeit für die Rückfahrt nach Workum, zum zweiten Mal ging es durch die diesmal fast leere Schleuse.  Am Samstag wurde Zoey von den Eltern und Schwester für einen Campingurlaub abgeholt.

    Auf dem Rückweg gab es vor der Schleuse noch ein Konzert vom Leierkastenmann


    Seit Sonntag ist übrigens der Sommer hier in Holland vorbei, die maximale Tagestemperatur beträgt gerade noch magere 17 Grad.


    Sonntag machten wir mit Andreas, einem Interessenten für Performance Katamarane, bei bis zu 26 Knoten Wind einen flotten Segelausflug. Mit bis zu 12 Knoten Speed flogen wir im 2. Reff über das aufgewühlte Ijsselmeer.

    Petra genießt den Ausflug

    Montag kam Petra zu Besuch. Dienstag sind wir bei ruhigem Wetter, mit Sonne, zum Windpark und zurückgesegelt. Was für ein Kontrastprogramm zum sonntäglichen Segelausflug.
    Heute fährt Petra nach Hause und Larissa, Johannes mit Hund Nana checken für einen Woche an Bord ein.

  • Nebelsuppe

    Der Ärmelkanal ist eines der Seegebiete, in dem zu bestimmten Jahreszeiten häufig Nebel mit Nebel gerechnet werden muss. Gerade jetzt im Frühsommer trifft  das noch kalte Meerwasser auf feucht warme Luft, bei dem der sogenannte Seenebel entstehen kann. Die Sichtverhältnisse verschlechtern sich dann schnell und bilden eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Schifffahrt. Trotz modernster nautischer Hilfsmittel wie AIS und Radar kommt es leider immer wieder mal zu Kollisionen. Das letzte medial ausgeschlachtete Ereignis war zwar, Gott sei Dank, keine Kollision, dennoch sehr brisant. Im Nebel näherte sich die Segelyacht Bright Future der russischen Fregatte Grigorowitsch so weit, dass der Kapitän Warnschüsse abgeben ließ. Auch uns hat der Seenebel verschlungen doch dazu später mehr.

    Am gestrigen Abend motoren wir mit dem letzten Büchsenlicht des gestrigen Abends gemächlich nördlich von Guernsey vorbei  in Richtung französischen Festlands, garniert von einem einem üppigen Resteessen. Mit der einsetzenden Dunkelheit wird es dann spannend auf dem Wasser, denn gefühlt von überall her blinken uns zahlreiche Leuchtsignale entgegen. Der große Leuchtturm vom französischen Kap, unzählige wild blinkende Kardinalbojen und zahlreiche Blinkfeuer, die auf irgendwelchen Felsen stehen, dazu hell erleuchtete Fähren und zahlreiche wild umher kurvende Fischerboote sind extrem verwirrend. Kurz gesagt, dem müden Käpt’n bietet sich ein chaotisches Lichtspektakel auf dem Wasser, das das schläfrige Gehirn erstmal einordnen muss. Erschwerend kommt der quer setzende Gezeitenstrom noch dazu, der das Schiffssymbol auf der elektronischen Seekarte zur Seite gedreht darstellt.

    In solchen Nächten schlafen wir beide im Salon

    An einem Punkt wird es mir dann zu viel, ich wecke die schlafende Capitania und wir sortieren die Bilder der Realität, also das was man draußen sieht, und die Bilder der virtuellen Realität, also Plotter und Radar, gemeinsam und legen einen leicht geänderten Kurs zum nächsten Wegepunkt fest. Es kommt uns dann noch ein Fischer entgegen, der alle paar Minuten den Kurs vor uns kreuzt. Doch als der vorbei ist, ist es geschafft und die restliche Nacht geht ihren gewohnten ruhigen Gang. 

    Der Tag beginnt mit einem Wolkenband im Osten und erstaunlich flacher See. Nur der Wind ist wie abgestellt, dafür zieht um die Mittagszeit Seenebel auf. Das Radar muss arbeiten, mit Alarmzone für gefährliche Ziele, schalten die Positionslichter an, kramen das Nebelhorn raus und aktivieren auch den AIS Alarm. Und natürlich halten wir gründlich Ausguck, ich bin überwiegend draußen, um sich nähernde Motorengeräusche besser wahrnehmen zu können als drinnen im Schiff.

    Eine schnittige 23 Meter lange Kunststoffmotoryacht kommt uns seitlich versetzt mit 17 Knoten Fahrt entgegen und erst im letzten Moment ist ein winzig kleiner Punkt auf dem Radar zu erkennen. Kunststoffschiffe ohne Radarreflektor geben kein gutes Radarecho ab. Irgendwann lichtet sich der Nebel und es setzt ein Wind aus Westnordwest mit 6-11 Knoten ein, sofort ist der Gennaker ausgerollt, die Motoren werden abgestellt und endlich segeln wir wieder.

    Heute haben wir die Reservekanister in die halb leeren Tanks gefüllt. Falls wir die nächsten 20 Stunden durch motoren müssen, brauchen wir uns keine Gedanken um Tankfüllstände zu machen. Am frühen Abend setzt wieder Seenebel ein und der Wind macht Feierabend. 

    Hier läuft der Gezeitenstrom mit uns

    Noch eine kleine Kuriosität vom Vormittag. Da lief der Gezeitenstrom so stark gegen uns, das wir trotz des Einsatzes beider Motoren gerade einmal 1,9 Knoten Geschwindigkeit über Grund geschafft haben. Und das über einen Zeitraum von drei Stunden. das erinnert an frühere Nordsee Segelabenteuer, besonders im Bereich der Elbe. Wenn der Ebbstrom stark lief und man in Richtung Cuxhaven fahren wollte, blieb das Boot manchmal für längere Zeit fast auf der Stelle stehen. 

    Jetzt trennen uns noch eine Nacht auf See, 99 Seemeilen Entfernung und eine trickreiche Ansteuerung mit vielen Knickpunkten von Nieuwpoort.

  • Canale Grande

    Freitag, 19. Juni 2026 Tag 9
    Baro 1014, schöner Sonnenaufgang im Wolkenspalt am Horizont in 50º,
    Wind um 3 Beaufort, die See  1 m

    Wer vom großen atlantischen Ozean zurück zu den Niederlanden oder nach Skandinavien will, hat die Qual der Wahl zwischen drei verschiedenen Routen. Wobei für die Nordfranzosen, Südengländer, Belgier und Deutschen zwei dieser alternativen Routen gleich im Vorfeld ausscheiden dürften. Der weiteste Weg führt um Nordschottland herum, über die Nordsee zum jeweiligen Zielland. Ein sehr schöner Weg ist die Reise entlang der englischen Westküste und dann über den kaledonischen Kanal, mitten durch das Herz von Schottland, mit den Highlands und dem berühmten Loch Ness. Bei letzterem waren wie schon, ist lange her, da waren die Kinder noch kleiner, bzw. jünger.

    Der englische Kanal

    Die meist gewählte Segelroute, der englische Kanal, erstreckt sich von Calais bis Ouessant auf der französischen Seite und zwischen Dover und Falmouth auf der englischen Kanalseite. Die Gesamtlänge beträgt ca. 300 Seemeilen und die schmalste Stelle ist gerade mal 17 nautische Meilen breit.

    Wir haben den englischen Kanal in unserer Segelgeschichte einige Mal gequert, und auch diesmal sind wir der französischen Seite treu geblieben. Es ist auch der kürzere Weg, da der Kanal, bildlich gesprochen, eine leicht bananenförmige Biegung macht. Früh gegen 2.30 Uhr began unser jetziger Kanaltransit.

    Doch zuerst nochmal ein kleiner Schwenk zurück zum blauen Nordatlantik, der uns bei der Passage von den Azoren bis Ouessant wirklich wohl gesonnen war. Abgesehen von 30 Motorstunden konnten wir die 1.100 Seemeilen lange Distanz segeln. Wobei wir noch nie  so viele Stunden mit unserem bunten Gennaker Strecke machen konnten. Gestern und vorgestern stand das bunte Raumschotssegel für über 30 Stunden am Stück. Allein durch die leuchtend bunten Farben, die wir für den Code D ausgewählt haben, strahlt das 212 Quadratmeter große Segel für uns etwas Positives aus und macht uns fröhlich, wenn es unser Boot durchs Wasser zieht.

    Fröhlich, da unheimlich lecker, wurden wir auch beim gestrigen Abendessen, mit dem  Schweinebraten in dunkler Zwiebel-Bratensauce, mit selbst gemachten Semmelknödeln. Danach ging es in eine kühle Nacht mit 14 Grad und viel Berufsschifffahrt auf dem Wasser. Der Schlaf kam zu kurz, was aber nicht nur am Verkehr lag. Zahlreiche Segelmanöver hielten uns, bei wechselnden Windrichtungen, auf Trab. Da freut sich das Seglerherz, dass die Nächte kurz sind und die Morgendämmerung früh einsetzt, weil einige Situationen bei Tageslicht leichter einzuschätzen sind. Man kann ja an dieser Stelle sagen, dass wir uns in der Jahresphase der kürzesten Nächte befinden , und mit jeder Seemeile, die wir nach Norden kommen, die Zeit der Dunkelheit kürzer wird (leider nur noch bis Sonntag).

    Seit wir im Ärmelkanal sind, wechseln sich Phasen unter Motor mit Zeiten unter Segeln ab. Wind und Windrichtung wechseln manchmal im Minutentakt, und kaum ist der Gennaker ausgerollt, geht der Wind komplett weg.

    Jedoch bedingt durch Verkehr, die nahe, teilweise sichtbare Küste und den ständigen Funkverkehr fühlt sich der an Einsamkeit auf dem großen Meer gewöhnte Segler wieder zurück in der Zivilisation, und der Bordalltag gestaltet sich abwechslungsreicher.

    Diese Strömungs- und Gezeitenboje war in keiner Karte verzeichnet

    Auch die Gezeiten entscheiden jetzt in diesem Revier über unser Vorankommen, das sind wir auch nicht mehr gewöhnt. Ziemlich genau sechs Stunden geht die Gezeit mit uns und ebenso fast 6sechs Stunden lang werden wir durch sie verlangsamt. Einen kleinen Vorteil gibt es jedoch in der West-Ost-Richtung. Bedingt durch die Gezeitenverspätung in Richtung Osten läuft der Flutstrom länger mit als gegen uns, und bringt uns einen kleinen Geschwindigkeitsvorteil. Noch 275 nautische Meilen liegen vor uns, zwei Nächte müssen wir in diesem Seestück noch wachen, und so, wie es aussieht, am Sonntag mit Gegenwind kämpfen.

    Das war vorher nicht absehbar, sonst hätten wir nicht vor Santa Maria geankert. Das ist einfach kein Glück, von Pech wollen wir bei einer bisher schön verlaufenden Fahrt nicht reden.

  • Gebannt

    folgt die Capitania dem von Outremer organisierten Webinar, das sich in den nächsten acht Wochen immer dienstags verschiedene Situationen „Was ist, wenn“? beschäftigt. Ladies only. Heute hieß es: „Was ist wenn die Vorsegelrollanlage nicht funktioniert?“ Selbst gravierende Probleme werden von Nikki Hendersson, der erfahrenen Katskipperin, angesprochen. Man stelle sich vor die Reffleine von der Rollanlage reißt oder das Fall der Genua  bricht und das Segel rauscht nach unten. Dann heißt es schnell und zielgerichtet zu handeln, um weitere Schäden durch das schlagende Segel am Boot oder noch schlimmer, Verletzungen der Crew zu vermeiden. 

    Über solche Szenarien kann man meiner Meinung nach im Vorfeld garnicht oft genug nachdenken, denn es werden ganz sicher unerwarteteSituationen auf See  eintreten, man weiß nur nicht wann und was passiert. Ist man mental gut vorbereitet, kann man adäquat und zielorientiert handeln, dann verliert auch so eine prekäre Situation hoffentlich recht schnell ihren Schrecken.

    Letzte Nacht haben wir in bewährter Manier den Gennaker nach Einbruch der Dunkelheit geborgen und sind die ganze Nacht nur mit dem Großsegel unterwegs gewesen. Der Wind kam auch ziemlich genau von hinten und da fährt der Kat ja sowieso nicht so flott.

    Mal wieder ein Sonenaufgang

    Heute früh um sechs Uhr haben wir gehalst, um ein bisschen nach Norden zu halten, mit gesetztem Gennaker, aber das war dann doch die falsche Richtung, weil die Wellen quer zum Schiff liefen und wir so richtig durchgeschüttelt wurden. Nach zwei Stunden zeigte der Bug dann wieder nach Nordosten und Rauschefahrt war angesagt. Der Topspeed lag bei 13,5 Knoten!

    Im Laufe des Tages zogen Böenfelder durch, und gerade als die Capitania einen Mittagsschlaf machte, frischte der Wind auf 22 Knoten auf. Zuviel für das große bunte Segel. Schluss mit Schlafen hieß es für Cornelia und ab auf Manöverstation, in dem Fall an die Schotwinsch. Es dauerte eine Weile, bis der Gennaker weggedreht war, soviel Druck war im Segel. Um diesen Druck zu reduzieren, haben wir beide Motoren auf volle Fahrt voraus gestellt, damit der Wind von hinten weniger Druck im Segel erzeugt. Da der Wind ein bisschen mehr von der Seite kam, konnten wir gleich, nachdem alles aufgeklart war, die Genua ausrollen.

    Mit der Segelkonstellation sind wir noch jetzt unterwegs. Die Welle ist zwei Meter hoch, darauf sitzt  nochmal ein kräftige Windwelle, es geht also ab, wie man so schön sagt. Es sind jetzt noch 700 Seemeilen bis Nieuwpoort, respektive 360 Seemeilen bis zum Eingang des englischen Kanals. 

    Heute ist der 6. Tag auf See, der Luftdruck stabil und unverändert 1015, es war sonnig mit einzelnen Wolkenfeldern.

    Gestern Abend gab es dick geschnittenen panierten Bacon mit Kartoffelpüree, heute backt die Capitania Salamipizza.

    Morgen müssen wir uns entscheiden, ob wir noch einen kleinen Schlenker nach Norden machen, um mehr Wind zu haben, oder ob wir weiter auf direktem Kurs zum Wegepunkt bleiben. Vielleicht schauen wir nachher, zur Abwechslung, mal einen Film in der Mediathek.

    Mehr gibt es für heute nicht zu berichten. Wir melden uns morgen wieder.

  • So …

    was ist jetzt?, fragt die Capitania am Nachmittag ein bisschen gereizt. Schreibst du jetzt Blog oder soll ich schreiben? Das ist kein Einstieg in eine weitere Unterhaltung, sondern eine Aufforderung, die keinen weiteren Redebedarf erfordert. Paarkommunikation, mit wenigen Worten viel bewegen, man kennt sich, man versteht sich. Man weiß, was der andere von einem will. Nicht immer herzlich, aber sehr effektiv.  Und schon sitze ich an der Tastatur …

    Heute ist der fünfte Tag auf dem Weg nach Norden, und bisher war, bzw. ist diese Reise von der Durchschnittsgeschwindigkeit her unsere langsamste Reise. Magere 5,7 Knoten Durchschnitt, das ist schon langsam für uns und erst recht für eine Outremer, doch die bisherigen ruhigen Tage mit wenig Wind spiegeln sich in diesem Zwischenstand wider. Mehr war bisher nicht drin und wir haben fleißig von den Leichtwindsegeln Gebrauch gemacht. Vom Code Zero zum Code D gewechselt, gehalst und getrimmt, immer auf der Suche nach den besten Windwinkeln. Doch das ist jetzt vorbei, denn es soll in den nächsten Tagen auffrischen. Noch steht der Gennaker, aber schon morgen wird er in der Backskiste bleiben müssen. Böen bis 25 Knoten aus Südwest sind angesagt. Nichts dramatisches, aber zu viel Wind für das bunte Leichtwindsegel. 

    Heute haben wir wieder viel Zeit mit der Wetterplanung verbracht und Stand jetzt sieht es so aus, als ob wir im englischen Kanal nahe an England vorbei segeln sollten, statt auf der französischen Seite. Das hat Vorteile, weil dort der Wind stabiler wehen soll, sowohl in Stärke als auch in Richtung. Der Nachtteil sind aber der viele Verkehr, die stärkeren Gezeitenströme und die vielen Fischerbojen mit ihren tückischen Leinen. Doch noch ist das Zukunftsmusik, und wir müssen abwarten, welche Melodie die Götter des Windes spielen werden. 

    Gestern Abend haben wir dank Elon, das WM-Spiel Deutschland gegen Curaçao anschauen können, und ich muss sagen, das hat uns echt viel Freude bereitet. Eine offensive, passgenaue Spielweise. Schöne Unterhaltung an Bord, so kann die Fußball Weltmeisterschaft weitergehen.

    Nur die Zubereitung des Abendessens war durch den frühen Spielbeginn ein bisschen hektisch. Aber dank mexikanischer Küche, es gab gefüllte Fajitas mit Hackfleisch, Mais, Tomaten, Karotten, Lauch, Guacuemole, Knoblauchpaste, etc. konnten wir doch einiges vor dem Spiel, bzw. in der Pause vorbereiten.

    Ab Mitternacht ging der Wind komplett weg, Gennaker und Großsegel kamen nach unten. Und so eine segelfreie Nacht mit langsam drehenden Motor sorgt für ein ausgewogenes Schlafmanagement. Anders halt, als wenn Segel getrimmt, gerefft oder gewechselt werden müssen. Entsprechend erholt und motiviert waren wir heute früh, und mit dem einsetzenden Südwestwind ging erst das Großsegel am Carbonmast empor, abermals gefolgt vom Gennaker.

    Wenn es was zu meckern gibt, dann sind es die Temperaturen, mit 16-18 Grad ist es für uns recht frisch. Aber das warme Sommerwetter ist auf dem Weg, noch dreimal schlafen. So, wie es jetzt aussieht und berechnet ist, sind es noch sechs Tage zu segeln bis zu unserem Zwischenstopp in Belgien.

    Cornelia hat noch ein kleines Video vom Setzen unseres Gennakers gemacht:

    Und wer uns auf der Seekarte folgen möchte, das kann das über diesen Link anschauen:

    https://www.predictwind.com/tracking/syHexe?mapMode=useAtlas&windSymbol=Barb&weatherSource=ECMWF&trackDuration=0&visibleTrackDuration=90&t=1781401527&symbol=WindStreamlines&routing=false

  • Experimentierfreudig

    Heute gibt es Tag 3, 13. Juni, und Tag 4, 14. Juni, in einer Zusammenfassung, denn ich habe mal die Tastatur von der Capitania in die Hand gedrückt bekommen und nutze hiermit gerne  die Zeit, um ein paar Zeilen zu schreiben. Denn Zeit hat man auf einer langen Segelreise ausreichend. 

    Kochen, Segel trimmen, aufräumen und spülen, sowie mal eine kleine Reparatur hört sich nach ausreichend Beschäftigung an. Trotzdem gibt es viele Momente, in denen man schon nach Arbeit oder Abwechslung an Bord suchen muss, wenn einem danach ist. 

    Ein Punkt kam bei dem gestrigen Schwachwindtag jedoch nicht zu kurz, das war der Segelwechsel und der Segeltrimm. Denn der leichte Wind kam fast genau von hinten, doch es wäre viel zu schade gewesen, den ganzen Tag den Motor laufen zu lassen. So haben wir am Morgen vom Code Zero auf den Gennaker gewechselt. Nach dem Studium der Wetterberichte haben wir dann beschlossen, auf das empfohlene Wetterrouting Modell zu pfeifen und den vorgeschlagenen Umweg von gut 180 Seemeilen nicht zu segeln. Alle Modelle wollte uns weit nach Norden schicken. 

    Zurück zum Gennaker, der wurde dann flugs ausgerollt, stand jedoch mit dem achterlichen Wind sehr abgedeckt im Windschatten von dem Großsegel. Frei nach dem Motto „Jugend experimentiert“ haben wir überlegt, wie wir um den symmetrischen Spinnaker, den wir nicht so gerne setzen, herumkommen können, und lieber den Gennaker so einstellen können, dass er das Boot voranbringt. 

    Ein halbe Stunde später, unter dem Einsatz einiger Hilfsleinen, ist uns dies gut gelungen. Wir haben den kompletten Gennaker, mitsamt seiner Rollanlage, über den Stand-up-Block am Bug zum Luvrumpf gezogen. Diese Zugleine haben wir zur Winsch an der Mastbasis umgelenkt. So weit in Luv stehend konnten wir mit dem quietschbunten Segel bis zu einem Windeinfallswinkel, von 165º praktisch fast vorm Wind segeln. Bei 9 Knoten Windgeschwindigkeit lief die Hexe gute fünfeinhalb Knoten, und bei 10-11 Knoten Wind sogar mit über sechs Knoten Speed. Wir waren begeistert. 

    Abends ging der Wind komplett weg. Es folgte eine nächtliche Motorfahrt mit viel Schlaf für mich, es gab ja nix zu trimmen. Gut erholt und gut gelaunt bekamen wir heute früh ein tolles Schauspiel der Natur geboten. Ich habe einen Schwarm Seevögel beobachtet, die in engem Radius und niedriger Höhe über der Wasseroberfläche kreisten. Dann bewegte sich das Wasser und wie mit einem Antrieb heraus katapultiert sprangen Delfine wie wild umher. Nicht so spielerisch wie sonst, die Aktion wirkte gezielt und einstudiert. Schnell war klar, dass die Unterwasserfreunde auf der Jagd sind. Ich habe mir sofort das Handy geschnappt, die Fotofunktion aktiviert und einfach drauf gehalten. Und so sind diese Schnappschüsse geglückt. Bald danach kamen noch drei Delfine zum Boot und spielten ein bisschen am Bug. Glücksgefühle pur!

    Kurz darauf fing der Wind wieder an zu blasen. Nach einiger Überlegung kam der Code D, also der Gennaker erneut zum Einsatz. Das bunte Segel, der Wind und der günstige Windwinkel versetzten die Hexe in Rauschefahrt und für mich wurden noch mehr Glückshormone ausgeschüttet. Seitdem zeigt die Logge immer wieder zweistellige Geschwindigkeitswerte an und die verbliebenden Seemeilen schrumpfen (endlich?) schneller. Der Code D will halt immer gut getrimmt sein und das nimmt mich den ganzen Tag in Anspruch. So vergeht die Zeit fast wie im Flug. Noch ca. 700 Seemeilen bis Brest.

    Lustig, heute früh haben wir unsere Kurslinie vom 25. Mai 2025 gekreuzt, als wir ebenfalls auf dem Weg zu englischen Kanal waren. Also haben wir mehr als zwei Wochen Verspätung.

    Zum Abendessen gab es gestern in Weißwein, Früchten und Gemüse geschmorte Hühnerkeulen mit Curryreis.

    Der Wind soll in den nächsten Tagen mit 9-12 Knoten aus West bis Südwest durchstehen. Es gibt eine ca. ein Meter hohe, sehr gemütliche atlantische Dünung aus West, fast keine Windsee. 

    Ganz traurig  macht mich der viel zu frühe Tod des französischen Segelhelden Charlie Dalin. Für mich ist er der beste Regattasegler der Neuzeit, der den letzten Rekord bei der Vendée Globe mal ganz locker um zehn Tage verbessert hat, damit war er nahezu uneinholbar für die Imoca-Konkurrenz. Ein echt super sympathischer Ausnahmesegler, der zudem Vorbild für viele Nachwuchs Imoca 60 Segler war. RIP and sail in heaven!

  • Madeira, wir bleiben?

    Vier Nächte haben wir in der schönsten Bucht von Madeira, der Ensenada de Abra geankert, bevor wir überhaupt nur ein bisschen Lust hatten, weiterzufahren. Die bunten Gesteinsformationen, die in der Sonne leuchten, die zahlreichen kleinen und größeren Höhlen, die Islas Desertas im Süden, das Gefühl unendlicher Weite und trotzdem gut geschützt zu liegen,  gegen Winde aus West bist Ost, das alles findet sich dort. Es gäbe bestimmt noch ein paar mehr Gründe, die man aufführen könnte, warum die Ensenada de Abra ein echtes Highlight ist, auch für Segler die schon an vielen schönen Plätzen dieser Welt geankert haben.

    Nur mit dem Großsegel schippern wir gemütlich mit Schiebewind in Richtung Funchal. Segeln vom Feinsten, ganz ohne Welle. Doch hat man erstmal das Kap Ponta do Garajau erreicht, ist es vorbei mit den Segelfreuden. Zu hoch sind die Berge mit ihren Windschatten, nichts geht mehr ohne Motor, das ist fast im ganzen Süden von Madeira so. Kurz vor Camara de Lobos gräbt sich der Anker wieder ein, der nächste Zwischenstopp für die folgenden zwei Tage. 

    Mit dem Dinghy geht es in den wohl bekannnten bunten Ort von Camara de Lobos. Die kleinen Gassen in der Altstadt sind gut gefüllt mit Touristen, die schöne historische Kirche lädt zu einem besinnlichen Zwischenstop ein, und die jährlich neu gestalteten Trashart-Dekoration  hängt wieder schön drapiert über unseren Köpfen. Es kommen einem gleich Begriffe in den Kopf wie Streetart oder Upcycling, denn was da in den Gassen hängt, ist wiederverwendetes Plastik, Pappe, oder Naturmaterial. Da gibt es hier ein paar Bilder dazu:

    Am zweiten Tag kaufen wir nochmal kräftig Lebensmittel ein, denn der Windbericht verspricht gute (wenn auch starke) Winde, um nach Brest zu segeln. Wir sind euphorisch, dass es endlich ein Wetterfenster für unsere Fahrt nach Norden gibt. Zuerst sollen wir gut 200 Seemeilen in Richtung der Azoren segeln, bevor wir von einem nahenden. tTiefdruckgebiet mit westlichen Winden profitieren sollen, eigentlich perfekte Vorhersagen für uns. Wir gehen Ankerauf, klarieren alles an Bord für mehrere Tage auf See, binden ein Reff ins Großsegel, um die ersten Böen abpuffern zu können, wenn wir aus der Landabdeckung von Madeira rauskommen. Aber zuerst gilt es, ca. 15 Seemeilen im südlichen Windschatten von Madeira unter Motor zu hinter uns zu bringen.

     Kaum am westlichen Ende der Insel angekommen, präsentiert sich das Meer mit weiß gespickten Schaumkronen und hohen Wellen. Der Wind steigert sich innerhalb einer halben Stunde auf bis zu 32 Knoten in Böen, die Gischt fliegt waagerecht übers Boot, das auf bis fast 13 Knoten Speed hoch am Wind beschleunigt. Klar ist, wir haben zu viel Segelfläche, wenden und laufen mit dem Wind ab. 

    Keine 20 Minuten später sind wir wieder im ruhigen Windschatten der Insel. So als ob nichts gewesen wäre, dümpelt die Hexe in der Flaute. Ich guck die Capitania an und sage, dass ich gerne noch einen 2. Versuch, mit dem 2. Reff im Großsegel wagen würde. Ein schüchternes „Ja“ kommt  über ihre Lippen …

    15 Minuten danach sind wir wieder im stürmischen atlantischen Hexenkessel unterwegs. Die Schiffsbewegungen sind jetzt etwas ruhiger, unsere Gedankenwelt nicht. Diese Art der Segelei sollen wir über 24 Stunden aushalten, Spray und Gischt überall, hoch am Wind segelnd, gegen hohe Wellen anbolzen? Brauchen wir das wirklich, müssen wir uns das nach all den Jahren Segeln unbedingt antun? Ist es das wert, bei den Bedingungen nach Norden zu schippern? Die Antwort ist nicht ganz schnell gefunden, doch sagen wir es mal so, die Vernunft siegt. Wir drehen um.

    Aber was für eine Freude ist es, zurückzusegeln. Das Schiff fliegt förmlich übers Wasser, Gleitfahrt bis 14 Knoten, man könnte schreien vor Segelfreude, was für ein Unterschied zum vorherigen Amwindkurs. Kurz darauf machen wir die Leinen in Calheta fest, dem schönen und vertrauten Hafen im Süden Madeiras. Entsalzen steht auf dem Program, wir, das Boot, das Rigg und der Geräteträger, einfach alles erhält eine wohlverdiente Süßwasserdusche.
    („Eine Stunde segeln, drei Stunden Boot waschen“, beschwert sich der Skipper.)

  • Nord, Nord, Nord

    mal auch Nordwest, aber niemals Nordost. Diese wenigen Worte beschreiben präzise die Windrichtungen in den Langfristvorhersagen, und damit offenbart sich unser Dilemma mit unserer Reiseplanung. Die nördlichen Winde wehen von Nordspanien, ausnahmslos. Damit ist der Weg Richtung Madeira/Azoren erstmal für uns versperrt, denn nur von dort könnten wir in den atlantischen Tiefdruckexpress einsteigen, der uns in den Norden bringen könnte, dem diesjährigen Sommerreiseziel. 

    Vielleicht fehlt uns nur die Lust auf 3-4 Tage hart am Wind, gegen 2-3 Meter hohe Wellen, bei 5-6 Beaufort zu segeln. Egal wie, „Hätte, hätte, Fahrradkette“, wie man so schön sagt, es bleibt uns  nur „Abwarten und Teetrinken“. 

    Oder darf es doch ein alkoholisches Getränk sein, so wie gestern Abend. Da waren wir mit Jörn und Jana in unserem neuen Lieblingsrestaurant lecker Tapas essen. Die Auswahl und die Qualität der Tapas,im La Ermita in Tías ist wirklich unerreicht. Ich könnte da jeden Tag hin, Cornelia reichen gelegentliche Besuche. Danach gab es im vertrauten Upperdeck noch ein paar leckere weiße Cavasangria, mit Früchten und ausreichend Alkohol. (Ich hab lieber ein Glas Rioja genommen, und die Früchte am Ende aus Volkers Glas gepickt.)

    Seit drei Tagen sind wir wieder auf Lanzarote, und die Sonne hat in der Zeit unserer Abwesenheit ganze Arbeit geleistet. Die Farbe der zuvor grünen Insellandschaft ist dem traditionell vertrauten, rot-braunen Farbton gewichen. Das Wetter hat sich gebessert, der nasskühle Winter ist endlich Geschichte. Jedoch, so richtig sommerlich ist es noch nicht, aber bei 23 Tagestemperatur gibt es nicht wirklich einen Grund zu jammern. (Nur der Wind könnte sich auch mal ausruhen!)

    Gestern waren wir bei Lidl einkaufen, und nachdem die Capitania in Deutschland kiloweise Erdbeeren vernichtet hat, waren wir total happy, dass nun auch dort im Sortiment kanarische Erdbeeren aus Teneriffa angeboten werden. Wir wollten leckere Marmelade davon kochen, nur Gelierzucker gibt es auf Lanzarote nicht, man macht hier keine Marmelade selbst, sagte die freundliche Verkäuferin, aber Gelatinepulver gibt es, nun muss sie nur noch fest werden.

    Gestern war ich mal wieder im Wasser zum Rümpfe Reinigen und ich muss sagen, dass das Coppercoat von mal zu mal einen besseren Bewuchsschutz bietet. Vielleicht hat das damit zu tun, dass ich jetzt öfter mit einem Schleifschwamm die Oberfläche und damit das Kupfer reaktiviere. So macht die Unterwasserschiffpflege Spaß und geht auch schneller vonstatten.

    Ansonsten braucht der Aufbau mal wieder eine Politur, und  das ist mein Arbeitsprogramm der nächsten Tage. Die Capitan hat sich auch Arbeit, bzw. Material mitgebracht. Ein Reißverschluss vom Cockpitzelt hat leider Zahnausfall und muss ersetzt werden. Ansonsten steht die Hexe hübsch da, nachdem ich gestern, den Saharastaub der letzten Wochen mit einem gründlichen Waschgang entfernt habe.

    Gestern war hier nicht wie in Deutschland Vatertag, nur einen Bollerwagen mit ‘ner Kiste Bier für eine Vatertagstour habe ich hier auch nicht. Es gab stattdessen einen ausgiebigen Mittagsschlaf und ein großes Eis zur Kaffeezeit, sehr schön.