Autor: Skipper Volker

  • Angeschlossen

    Die Sonne ist im Moment unser größter Freund, wenn sie endlich mal so viele Stunden scheint, wie man es für Lanzarote eigentlich erwarten kann. So sah es vorher aus:

    Da geht was

    Die guten Nachrichten mal vorab, Jan hat direkt am Anfang der letzten Woche die Solarpaneele angeschlossen. Und alles hat von Anfang an, so wie geplant, bestens funktioniert. Wir sind jetzt wirklich komplett energieautark, wenn denn die Sonne scheint. Jedoch selbst bei starker Bewölkung fließen immerhin noch 400-500 Watt in unsere Batterien. Doch wenn die Sonne am blauen Himmel steht, gibt es Sonnenenergie satt und soviel Ertrag, dass selbst die Waschmaschine Energieneutral betrieben werden kann. Es gehen dann immer noch mehr Ampere in die Batterien, als entnommen werden. Genau da wollten wir hin, mit unserer Planung und dem neuen Solarfeld. Selbst bei fast vollen Batterien fließen kraftvolle 1600 Watt, bzw. 60 Ampere Strom in die richtige Richtung. Da brauchen wir, so wie es aussieht, in Zukunft kein Landstromkabel mehr, Energieautonomie pur.

    Wir haben schon mal spaßeshalber rumgealbert, dass wir jetzt mit der Hexe ja eigentlich Strom ins Hafennetz einspeisen könnten, wenn denn die Bezahlung dafür stimmen würde.

    Aber, funktionieren oder nicht, scheint an Bord nahe beieinander zu liegen, denn vor ein paar Tagen war es mal wieder so lausig kalt und stürmisch, dass die Capitania die große Dieselheizung anschalten wollte. Ein lautes Klack, das typische Geräusch des Schalters beim Einschalten, doch es  folgt kein vertrautes Brummen unserer Webasto-Heizung, denn die tut absolut keinen Mucks. Noch nicht einmal einen abgebrochenen Startversuch. Wir gucken uns etwas ratlos an, wiederholen das Prozedere mit dem gleichen negativen Ausgang. Die Capitania bemerkt nur lapidar, dass  es ja gut sei, dass sie das mit der Heizung jetzt nochmal ausprobiert hat, bevor wir in Richtung Norden segeln. Ich kann der Situation erstmal nichts Positives entnehmen. Ich begebe mich auf Fehlersuche, nur um  mir kurz darauf achselzuckend einzugestehen, dass ich am Ende meines Lateins bin, da entweder der Fehlerspeicher der Dieselheizung weitere Startversuche vereitelt, oder die Stromversorgung durch die Sicherung unterbrochen ist. Wir packen die elektrischen Schaltpläne aus, doch irgendwie hat es die Heizung anscheinend nicht in die Schaltpläne bei Outremer geschafft.

    Die nächste Stufe sind ein paar Telefonate und Textnachrichten, mit Kevin von der Heizungsfirma in Holland, die die Webasto-Heizung im letzten September überholt hatten. Ich solle mal einen Hartreset durchführen, die Heizung mit dem Schalter anschalten und den Hauptstecker abziehen, doch das führt leider zu nix. Cornelia hat mittlerweile das Werkstatthandbuch im Internet gefunden und da steht, dass insgesamt drei Sicherungen verbaut sein müssen, und dass die große 20-Ampere-Sicherung für eine Minute gezogen werden soll, damit der Reset erfolgt und der Fehlerspeicher von der Webasto 90 Pro gelöscht wird. Nur wo verstecken sich diese vermaledeiten Sicherungen, die ich trotz intensiver Suche nicht finde. Es ist zum Haare raufen.

    Ich rufe Jan an, er kommt und findet Gott sei Dank, nach langer Suche die Sicherungen in einem eigenen Kasten im Motorraum, wo auch die Heizung hängt. Wir kontrollieren alle Sicherungen, keine davon ist durchgebrannt. Dann ziehen wir  die Hauptsicherung für eine Minute ab. Anschließemd startet die Heizung wieder, beginnt zu heizen und schaltet sich nach zwei Minuten ab. Der Vorgang wird natürlich mehrfach wiederholt, immer mit demselben Ausgang. 

    Teileliste für Webasto-Heizung

    Auf Anraten von Uli sollen wir bei diesen Thema ruhig einmal die künstliche Intelligenz im Internet befragen, er hätte damit sehr gute Erfahrung gemacht. Wir fragen also so: „Webasto Pro 90 Dieselheizung startet und schaltet sich nach zwei Minuten wieder ab“. Die KI gibt folgende Lösungsmöglichkeiten vor: Luft in der Dieselleitung, Dieselpumpe defekt, Umwälz-Wasserpumpe funktioniert nicht, Brennervlies verunreinigt. 

    Wie geht es weiter? Das mit dem Brennervlies, der Dieselpumpe und der Luft in der Leitung schließen wir aus. Warum? Die Heizung läuft für zwei Minuten, mehrmals, also bekommt sie Diesel und man hört die Dieselpumpe ticken. Das Brennervlies ist im September erneuert worden und verschmutzt nicht so schnell mit Ablagerungen aus der Verbrennung. 

    Es bleibt nach unserer Ansicht nur noch die Umwälzpumpe, die unten an der Heizung hängt. Da sag ich zu Jan: „Wir sollten mal mit dem Hammer auf die Pumpe hauen, vielleicht hilft das.“ Er lacht und sagt, dass seine Oma auch auf alles, was nicht funktionierte, ebenfalls mit dem Hammer draufgehauen hat. Ein paar Hammerschläge später läuft unsere Dieselheizung mit dem typischen Gebrumm wieder, genau so, wie sie soll. Alle bisherigen Versuche, eine neue Umwälz-Wasserpumpe nach Lanzarote zu bekommen, sind leider gescheitert. Aber jetzt läuft die Heizung ja erst einmal. Da hatte die Capitania doch mal wieder Recht, dass es gut war, dass sie die Heizung anschalten wollte.

    Zum Schluss noch: Gestern Abend ging es dann richtig rund im Hafen. Böen mit 38 Knoten pfiffen kreischend durch den Mastenwald, was für eine Geräuschkulisse. Bei einer Messstation in Arrecife wurden für über zwei Stunden Windböen von 56 Knoten gemessen, das sind 11 Beaufort, ein Orkan.

    Ich habe auf der Stegseite, auf die wir gedrückt werden, noch ein paar zusätzliche Fender rausgehangen. Auch auf anderen Booten wurden nochmal Leinen und Fender justiert. Irgendwann in der Nacht war das Spektakel vorbei und damit endet hoffentlich eine weitere sturm- und regenreiche Zeit hier auf Lanzarote, mit untypischem Kanarenwetter. Länger anhaltende Besserung ist vorhergesagt, endlich!

  • Semana Santa ( Heilige Woche)

    in der vergangenen Woche ist viel passiert: Alle Solarpaneele sind im Rahmen montiert, und zusätzliche Kabel sind verlegt worden. Larissa und Johannes waren zu Besuch, der Capitania geht es besser, und wir haben eine kleine Ausfahrt mit der Hexe gemacht.

    Hier auf den Kanaren werden nicht nur die traditionellen, uns bekannten Osterfeiertage gefeiert. Eine ganze Woche lang wird das nahende Osterfest zelebriert, mit Prozessionen, Gottesdiensten und zahlreichen Feiertagen. Wer kann, hat frei und arbeitet nicht. 

    Dazu stellte sich auch das passende Wetter ein, bei Tagestemperaturen zwischen 23 und 27 Grad lässt es sich gut aushalten. Die Strände und Buchten sind voll mit Einheimischen und Touristen. Viel Glück in dieser Hinsicht hatte natürlich auch meine Tochter Larissa und ihr Ehemann, die sich genau diese Woche zu einem Besuch bei uns an Bord ausgesucht hatten.

    Obwohl ich mir nicht sicher bin, ob Johannes auch so denkt. Denn genau in seine paar Urlaubstage fiel der Anbau der Sonnenpaneele und das Ziehen der neuen, notwendigen Kabels. Doch Johannes hat ein gutes handwerkliches Talent und dank ihm und Max gingen die anstehenden Arbeiten, gut voran. Jetzt müssen die Paneele nur noch vom Elektriker fach- und sachgerecht angeschlossen werden. Das soll sogar noch in dieser Woche passieren.

    An den arbeitsfreien Tagen haben Larissa und Johannes zahlreiche Ausflüge über die Insel unternommen und die Schönheiten Lanzarotes für sich entdeckt. Am Samstag waren sie sogar mit Cornelia zusammen auf dem schönen Kunstmarkt in Haria, und die beiden Damen kamen mit neuem Ohrschmuck zurück.

    Am selben Tag blieb sogar noch genügend Zeit für einen kurzen Ausflug mit der Hexe zur Ankerbucht. Die Wassertemperatur liegt wieder bei erträglichen 20-21 Grad und der blaue Atlantik lud zum Baden ein. Die Jugend war sogar über 20 Minuten lang im kühlen Nass. Die kleine Ausfahrt beginnt:

    Larissa hat, nach ein paar Übungsmanövern, den Kat dann bravourös an unserem Liegeplatz angelegt. Hat sie da das Talent von mir geerbt?

    Cornelia kämpft sich wacker langsam in ihre  alte Form zurück. Sogar abendliche Ausflüge ins Restaurant oder ins Upperdeck sind hin und wieder möglich. Seit heute macht sie sogar morgens wieder leichte Yogaübungen. 

    Übrigens, der Ostermontag ist seltsamerweise in Spanien kein Feiertag. Wenn man im Netz nachschaut, warum der Ostermontag gefeiert wird, findet man man auch nur die Antwort, dass dieser Feiertag, als eine Ergänzung zum Ostersonntag, die christlichen Osterfeierlichkeiten verlängert. Dafür ist in Spanien der Gründonnerstag bereits arbeitsfrei.

  • So schlecht

    Um es kurz zu machen, das Wetter ist weiterhin schlecht und in den nächsten acht Tagen wird sich nichts ändern. Kalt, regnerisch und ab morgen für drei Tage wieder stürmisch. Abends  mal schön irgendwo in einem Restaurant zum Essen draußen sitzen, kann man vergessen, bei 15 Grad und Wind macht das keinen Spaß. Puerto Calero ist abends normalerweise ein Ort, an dem Touristen schön gedressed an der Promenade lang schlendern, seit Tagen ist alles halb verwaist. Der zweimal wöchentlich stattfindende Wochenmarkt findet entweder garnicht oder nur mit ein paar tapferen Ausstellern statt. 

    Cornelias Husten hat sich bei dem Mistwetter weiter manifestiert und trägt ebenfalls nicht zur Stimmungsaufhellung bei. Ich frage mich ja, wie es geht, dass das Wetter in Deutschland so schön und hier so schlecht ist, obwohl die Kanaren 22 Breitengrade weiter südlich liegen. Und nicht nur Deutschland, sondern auch der gesamte Mittelmeerraum profitiert von einer Wetterlage, die dieses warme, sonnige und frühlingshafte Wettermodell begünstigt. Nur der Atlantik hat hier das Nachsehen. Tiefdruckgebiet reiht sich an Tiefdruckgebiet, und kalte nördliche Luftströmungen vermiesen uns hier das eigentlich übliche warme Wetter. Von uns aus kann hier alles grünen oder blühen, wie es will, wir würden ein warmes und  trockenes Lanzarote in den üblichen Brauntönen bevorzugen. Wenn wir das Kopfkino anschalten, buchen wir schon unsere Rückflüge in den warmen und sonnigen Norden, verkehrte Welt! 

    Weniger weit als gedacht, wegen – ich weiß es nicht – ist leider auch der Geräteträger für die neuen Solarpaneele. Das Grundgerüst ist schon seit zwei Wochen geschweißt, die Stützen sind noch nicht angefertigt und der Anstrich ist noch nicht erfolgt.

    Im April wollen wir los segeln, egal ob das Ding bis dahin fertiginstalliert ist oder nicht Zur Not klebe ich ein paar Solarzellen aufs Biminidach und schließe die an die Aussensteckdose an.

    Heute habe ich damit begonnen, die Rümpfe unter Wasser mal wieder zu reinigen. Trotz 17 Grad Wassertemperatur merkt man, dass der Frühling zumindest unter Wasser angekommen ist, der Bewuchsdruck gegenüber den Wintermonaten steigt. In anderthalb Stunden habe ich gerade mal einen halben Rumpf gereinigt und das Coppercoat neu angeschliffen. Algen, rote Flechten und grasähnliche schleimige Fäden haben sich am Rumpf angeheftet. Das bedeutet, dass ich in den nächsten drei Tagen ebenfalls einige Zeit im kühlen Nass verbringen werde.

    Ansonsten unterstützt Cornelia, zusammen mit anderen engagierten Frauen, eine Freundin von uns, die leider einen Schlaganfall hatte. Behördengänge, Dinge des täglichen Bedarfs, gemeinsamer Zeitvertreib und allgemeine Hilfestellungen stehen dabei im Vordergrund. So ein Schlaganfall reißt die Betroffenen von einem Moment auf den anderen aus dem normalen Leben raus, wir hoffen auf Besserung. In wenigen Tagen wird sich hoffentlich rausstellen, welche Institution auf Lanzarote weitere ambulante Hilfestellungen für unsere Freundin anbieten kann.

    Zu guter Letzt….
    Heute haben wir uns dann zusammen mit Horst und Evelyn Sahnetörtchen und Kuchenstücke einverleibt. Gekauft beim deutschen Bäcker in Tahiche, versüßen solche gehaltvolle Leckereien den Tag und lenken vom Negativwetter ab. Egal, dass es das reinste Hüftgold ist!

  • Blogpause?

    Oh Gott, wir haben echt schon ein super schlechtes Gewissen wegen der langen Blogpause, aber es ist soviel passiert. Vor drei Wochen sind wir ziemlich unerwartet nach Hause geflogen, weil eine technische Inspektion an unserem Gebäude anberaumt wurde und wir da gerne dabei sein wollten. Das war vorm Karnevalswochende und den Karnevalsumzug haben wir dann mit unseren hübsch verkleideten Enkelkindern, fröhlich und ausgelassen, gefeiert. 

    Es war ja echt so kalt an dem Wochenende, dass ich mich selbst noch mit kompletter Skibekleidung gefragt habe, ob das so eine gute Idee war, nach Deutschland zurück zu fliegen. Und prompt hat es dann kurz danach, sogar noch vor Aschermittwoch, an dem ja alles vorbei sein sollte, die Capitania voll erwischt. Am Rosenmontag war Schluss mit Lustig und Tätärä. Stattdessen lag Cornelia mit 39,5 Fieber im Bett und das war auch das weniger närrische Programm der nächsten Tage. Fieber, bösartiger Reizhusten, komplette Schlappheit und rasselnde Bronchien. Trotz frühzeitiger Antibiotika manifestierte sich das Grippevirus und hielt meine Liebste für noch weitere 10 Tage fest im Schach. 

    Eigentlich wollten wir ja nur eine Woche im kühlen Deutschland bleiben. Doch so konnten wir noch den wunderbaren heimatlichen Frühlingsanfang erleben und sogar das erste Mal draußen Frühstücken. 

    Gestern fuhr uns dann unsere Tochter in der Früh zum Flughafen. Dort sah es aus wie an einem Reisewochenende zum Ferienanfang. Stau auf der Zufahrt, ewig lange Wartereihen am Check-In Schalter und das gleiche Programm beim Security-Check. Gut, dass wir so früh am Flughafen waren, denn schon nach einer kurzen Wartezeit ging das Boarding los. 

    Nach einem angenehmen Flug sind wir jetzt wieder an Bord, und das Wetter auf unsererLieblingsinsel ist deutlich schlechter als deutsche Frühling. Die Temperaturen sind wohl dieselben, aber dunkle Regenwolken ziehen aus Nordwesten heran, ein Sturmtief ist im Anmarsch. Der letzte kanarische Sturm ist gerade mal drei Tage her, bei bis zu 50 Knoten Wind  hat es ein paar unserer Zeltgummis zerrissen, die ich gestern gleich durch neue ersetzt habe.

    Ab 20 Uhr soll es regnen und feucht soll es in den nächsten Tagen weiter gehen, bei Temperaturen zwischen 13-17 Grad. Nicht schön!

    Zwischenstände zum Thema neue Solarpanels, Batterien und noch einigem mehr, folgen in Bälde, die unerwartete Blogpause ist hiermit beendet.

  • Ahoi!

    Der Frühling hält Einzug auf Lanzarote, zum einen ist es deutlich wärmer, sowohl tagsüber als auch nachts, und zum anderen blüht alles in den tollsten Farben. Regen gibt es immer mal wieder, doch gestern war einer der Tage, an dem der Himmel nur eine Farbe kannte, und die war blau. Der blaue Atlantik hat förmlich nach uns gerufen, und dem Ruf sind wir sehr gerne gefolgt. 

    Doch zuerst mussten die Winterleinen gelöst und die Vorspring fürs Ablegemanöver gelegt werden. Horst und Evelyn waren mit von der Partie und prompt versemmele ich das erste Ablegemanöver. Die einströmende Flut schob die Hexe schneller als gedacht zurück an den Steg, also musste ein zweites und besseres Manöver, mit der Vorspring, uns vom Steg weg bringen. Das klappte dann tadellos und nach dem Wendemanöver am östlichen Hafenende zeigte der Bug dahin, wo er sollte, in Richtung Hafenausfahrt. 

    Draußen war schon richtig was los. Ein Atlantikruderer mit Gästen an Bord trainierte für die atlantische Überfahrt, viele Kinder in Optimisten folgten, aufgereiht wie an der Perlenschnur, dem Trainerboot, und  die ersten RC 44 Cup-Boote fuhren ihre täglichen Up- and Down-Bahnen, um für den in einer Woche anstehenden Calero Cup zu trainieren. 

    Die Hexe, mit Gennaker unterwegs

    Cornelia steuerte uns erstmal raus aufs offene Meer, sodass wir in aller Ruhe unser 124 qm großes Großsegel setzen und das Boot komplett aufklaren konnten. Der leichte Wind verfing sich in dem Flügelprofil des Segels und schob uns langsam an. Die Motoren waren flugs abgestellt und die wohlbekannte typische Stille an Bord, die eigentlich jeder Segler nach dem Segelsetzen genießt, stellte sich ein. Doch nur mit dem Groß ging es sehr langsam voran, und mit Horst zusammen hisste ich schnell unseren 212 qm großes buntes Segel, den Gennaker. Schon kam Bewegung in die Hütte und wir beschleunigten auf Windgeschwindigkeit. 8 Knoten zeigte die Logge anbei 7-9 Knoten Wind.

    Eine der RC 44 Carbon Regattayachten versuchte uns in Luv zu überholen, was der Crew zu unserer Freude aber nicht gelang. Ingesamt 336 qm Segelfläche befeuern die Hexe ordentlich und machen aus ihr ein sehr competitives Boot. Perfekt getrimmt zogen wir unsere Bahn, die RC 44 halste gekonnt hinter unserem Heck durch. Das zaubert nicht nur mir ein Lächeln ins Gesicht. 

    Wir rollten den Gennaker weg, halsten ebenfalls und segelten mit Genua auf einen Windstrich zu, der uns nach Westen bringen sollte. Hoch am Wind, mit abgefiertem Leeschwert, geschoben von einer leichten Dünung, brachte uns dieser kleine Streifen Wind in Richtung Playa Blanca. Nach drei Seemeilen wendeten wir, und mit einem Windwinkel von 60 Grad können wir genug Fahrt im Schiff halten, um immer im Bereich der jeweiligen Windgeschwindigkeit zu segeln und nicht von der nun entgegenkommenden Dünung gebremst zu werden. 

    Die warme Luft war sehr angenehm, die Unterhaltungen mit unseren Freunden plätscherten so dahin, Segeln vom Feinsten, Entspannung pur. Doch mit der Entspannung war es in dem Moment vorbei, als wir sahen, dass zwei der RC 44 vom schwedischen Team in ein paar Minuten ein weiteres Mal unseren Kurs kreuzen werden. Der Sportsgeist war erwacht, ich trimmte den Traveller ein wenig nach Luv und winschte die Genuaschot noch etwas dichter. Die Hexe dankte es mir und beschleunigte noch um ein paar Zehntel Knoten. Beide RC 44, Artemis und Carisma segelten, von einem Trainerboot begleitet, maximal hoch am Wind, eine Spezialität dieser Americascup ähnlichen Boote, auf Steuerbordbug. Wir hatten die Segel auf Backbord stehen und damit Vorfahrt vor ihnen und beobachteten gespannt die Annäherung der beiden Boote.

    Mit unseren leicht gefierten Schoten und reichlich Druck im Segel, müssen die beide RC 44 Boote an unserem Heck vorbei. Evelyn und ich filmten, was das Zeug hält. Sowas bekommt man nicht alle Tage geboten, zumal auf den hochaufgerüsteten Booten weltbekannte und bezahlte Regattasegler aus der ganzen Welt sitzen, wie beispielsweise Torben Torquist und Iker Martinez.

    Jetzt wird noch trainiert, ab nächstem Donnerstag werden acht  RC 44 auf der abgesteckten Regattabahn um wichtige Punkte segeln. Danach werden die Schiffe in ihre Container gepackt, die eigentliche Idee hinter diesem Design, und werden zum nächsten Regatta-Event verschifft.

    Playa de la arena

    Für uns hieß es kurz danach, alle Segel einzupacken, denn dem leichten thermischen Wind ging, wie vorhergesagt, die Puste aus. Wir motorten zum Playa de la Arena, warfen den Anker und ein jeder, außer der Capitania, nahm ein erfrischendes Bad im kühlen Atlantik. Die Wassertemperatur ist in den letzten zwei Wochen spürbar gesunken, ich schätze sie auf ca. 18 Grad.

    Schon bald war’s Zeit für den Rückweg, gekonnt manövriert die Capitania das Boot über den Anker, während die Ankerwinde die Kette aufwinschte. Das Anlegemanöver war entgegen dem Ablegen unspektakulär und schnell waren alle Leinen festgemacht. Der aufgehende Moment im Osten und die gleichzeitig untergehende Sonne im Westen gaben  dem wunderbaren Sonntag ein passendes Ende.

  • Alte Tradition

    Schon lange bevor die eigentlichen Weihnachtstage beginnen, werden in zahlreichen Orten und Gemeinden Krippen aufgebaut. Doch nicht so wie in Deutschland, mit nur ein paar Figuren  und einem Stall. Bei den hiesigen Krippen werden die Highlights der Insel „en miniature“, detailgetreu nachgebaut. Sei es die Saline, die historische Bäderbrücke in Arrecife, das bunte Haus in Arrieta, die Vulkanlanschaften, die Weinberge und noch vieles mehr wird mit viel Aufwand modelliert und konstruiert. Die schönsten Krippen, die wir bisher kannten, stehen in Tinajo, in Arreciffe und Yaiza. Jede für sich ein echtes Kunstwerk. 

    Heute haben wir einen Ausflug in das Vulkan- und Weinanbaugebiet gemacht und einen Stop bei der Stratus Bodega eingelegt. Wir wurden mit stimmungsvoller Livemusik empfangen und nahmen uns dann erstmal viel Zeit, um die aufwendig gebaute Krippe zu inspizieren. An der Stelle sagen Bilder mehr als Worte, und was nachgebaut wurde, habe ich ja schon weiter oben ausgeführt. 

    Wir drehten noch eine Runde durch den dazugehörigen Bodegaladen, in dem neben dem Wein noch regionale Köstlichkeiten, Souvenirs und regionale Mode-Accesoires angeboten wurden. Cornelia konnten einem preisgekrönten Käse nicht widerstehen, aber der, wie sie selbst sagte, der teuerste Käse ist, den sie je gekauft hat. (Glücklicherweise schmeckt er auch richtig gut.)

    Wir hörten noch ein wenig der Band zu und machten uns dann auf den Weg zur nächsten Bodega, die nur einen größeren Steinwurf von Stratus entfernt ist.

    Angekommen bei der Bodega Geria, fanden wir das leckere grobe Salz (hier bezahlbar) aus der Inselsaline zum Verkauf und stöberten durch den Weinverkauf. Aber auch hier gab es leider keinen Spumante, und den trinken wir doch als mal gerne. Alsbald lockte uns Gesang und Gitarrenmusik nach draußen. Traditionelles kanarisches Liedgut wurde stimmungsvoll von einem Männerchor mit vielen Gitarren und phantasievollen Rhythmusinstrumenten dargebracht. Wir setzten uns zu den Fans und genossen den einzigartig schönen Ausblick ins Vulkangebiet, die Musik, die teilweise tanzende Menge und die wärmende Mittagssonne.

    Jeden Samstag gibt es diese musikalischen Veranstaltungen, bei verschiedenen Bodegas. Nun wissen wir jetzt schon, was wir am nächsten Samstag wieder machen werden.

    Ansonsten ist Weihnachten jetzt gelaufen, auch in Spanien. Am Tag der Heiligen Drei Könige bekommen die Kinder ihre Geschenke, danach verschwindet auch hier die Weihnachtsdekoration so langsam aus dem Stadtbild.

    An Bord standen in der letzten Woche ein paar Unterhalts-und Verbesserungsarbeiten an. Ich habe die beiden großen Genuawinschen in ihre Einzelteile zerlegt, gründlich gereinigt, frisch gefettet und wieder zusammengesetzt. Bei den großen Winschen ist das eine sehr zeitaufwendige Prozedur. Doch es  gibt noch ein paar weitere Fortschritte zu vermelden. Die neuen Batterien sind eingebaut und liefern ab jetzt den Strom und halten auch bei hohem Verbrauch ihre Spannung über 25, 6 Volt. Die dazugehörige Regelelektronik wie das Batterie-Management-System und der Cerbo, der die Daten übermittelt, arbeiten ebenfalls tadellos. Kurzfristig haben wir uns schon vor Weihnachten entschlossen, das Batteriesystem mit einer weiteren, also einer dritten Batterie zu erweitern. Die soll kommende Woche kommen und muss dann nur noch in das bestehende System integriert werden. Ich werde bald mal über das komplette Batterie-Setup ausführlich berichten, wenn es komplett ist.

    Ein Geräusch, das Freude macht: So schön klappert die frisch gereinigte und geölte Sperrklinke:

    Der lokale Motormechaniker will am Montag nochmal vorbeikommen, weil das Impellergehäuse auf magische Weise immer noch leckt, und an dem Punkt, zwei Monate nach der Wartung, mal endlich Ruhe herrschen muss, sonst schwillt mir der Kamm, wie man so schön sagt.

    Nächste Woche rauscht nochmal ein Tiefdruckgebiet mit Regen und Gewitter im Gepäck durch. Wir liegen ja gut hier in Puerto Calero, und erst, wenn die neuen Solarpanele installiert sind können wir wieder ans Segeln denken. Obwohl es so langsam in den Fingern kribbelt, so ein lange segellose Zeit ist nichts für mich. 

  • Leise

    …rieselte der Schnee am Abend vor unserem Rückflug nach Lanzarote und verzauberte unseren kleinen Garten in ein weißes Winter Wonderland.

    Am Tag davor haben wir alle Weihnachtsdekoration in die Kisten gepackt, den Weihnachtsbaum entschmückt, und ihn schließlich in den Garten verfrachtet. Danach galt es das hinterbliebene Nadelmeer auf dem Fußboden zu beseitigen und die Wohnung wieder auf Vordermann zu bringen. Wie ein eigentlich frischer Tannenbaum, nach gerade mal neun Tagen im heimischen Wohnzimmer, so arg nadeln kann, ist mir ein Wunder. 

    Aber egal, die Koffer waren rechtzeitig gepackt und wir abholbereit und abflugklar. Doch durch einen medizinischen Notfall in der Nachbarschaft unseres Schwiegersohnes mussten wir mit unserem Auto los, da die Straße dort durch die Rettungswagen blockiert war. Dabei habe ich wohl in der plötzlichen Hektik mein Telefon zuhause liegen lassen, und das erst kurz vorm Flughafen bemerkt. Ich nahm den Umstand halbwegs gelassen zur Kenntnis, denn wir haben noch ein altes Ersatztelefon an Bord, und ich habe mir schon vorgestellt, wie ich in den nächsten Wochen ein Smartphone freies Leben führe (das kann man sich aber gar nicht vorstellen Anm. d. R.). Doch wie es der Zufall so wollte, bekam die Capitania kurz nach dem Passieren der Security eine Nachricht auf ihr Telefon, dass unser Flug 1,5 Stunden Verspätung hat. Diese Chance musste ich dann schon nutzen, um doch mit meinem Telefon nach Lanzarote zu fliegen. Ein kurzer Anruf beim Schwiegersohn, der sich sofort bereit erklärte, das Telefon zuhause abzuholen, und ein kurzes Gespräch mit den Security Mitarbeitern, die uns wieder in den offenen Flughafen-Bereich schleusten, reichten . Eine knappe Stunde später hatte ich mein Mobiltelefon wieder in den Händen. Ein bisschen Abenteuer ist ja ganz ok. Danke an Johannes.

    Jetzt sind wir wieder auf dem Boot, haben Sylvester mit unseren lieben Freunden an Bord gefeiert und erfreuen uns an den wärmeren Temperaturen. Obwohl es in den letzten Tagen wettermäßig sehr wechselhaft ist für hiesige Verhältnisse. 

    Lanzarote verwandelt sich zusehends  zur grünen Insel, in den letzten Wochen hat es hier, nach den trockenen Wintern der letzten Jahre, außergewöhnlich viel geregnet. So grün haben wir unsere Insel noch nie erlebt. Überall wächst und gedeiht es, und es gibt viele wild blühende Blumen. Als ob es nicht schon genügend Regen gegeben hätte, liegt die atlantische Tiefdruckbahn in diesem Winter anscheinend so weit südlich, dass Lanzarote immer wieder von diesem windigen und feuchten Wetterphänomen gestreift wird.

    Heute waren wir mal wieder Wellen gucken, denn das jetzige Tief bringt eine Sturmfront mit hohen Wellen mit sich. Dieses Spektakel lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Rolf und Cerstin waren mit von der Partie, und in der Umgebung von La Santa bewunderten wir die anrollenden Wassermassen und die brechenden Wellen. 

    Die nächsten Tage werden mit 17-18 Grad recht kühl, die Dieselheizung an Bord funktioniert, und die langen Hosen stehen im Moment höher im Kurs als die Shorts. 

    Zum Schluss wollen wir es nicht versäumen, all unseren Lesern und Freunden ein wunderbares neues Jahr mit Glück, Freude und Gesundheit zu wünschen.

  • Last Minute

    Mit dem Einbau und dem Anschluss unserer neuen Batteriespeicher sind wir bis zum Abflug nicht soweit gekommen, wie wir uns das gewünscht haben. Es fehlen noch passende 95 Quadratmillimeter dicke Zuleitungskabel, es fehlen passende Sicherungen. Ein Tag vor unserem Abflug haben wir und das Einbauteam dann noch über zwei neue Zuleitungskabel von den Alpha Pro Steuergeräten, 1eines je Motorraum, gesprochen. Diese kleinen elektronischen Regler zeigen den Lichtmaschinen an, ob und wann sie Batterien laden sollen und wieviel Ampere eingeladen werden sollen. 

    Bisher ist das so, dass bei den AGM-Batterien, nur bei einer höheren Motordrehzahl, viele Ampere in die Batterien geflossen sind. Man muss wissen, dass bei höherer Drehzahl, durch die kleinen Schaufelrädchen an der Lichtmaschine, die Lichtmaschine dann auch ausreichend gekühlt wird. Die zukünftigen Lithiumphosphatbatterien sind dagegen so energiehungrig, dass sie schon im Standgas maximal viel Ampere aus der Lichtmaschine saugen. Häufig führt das zum frühen Tod der Lichtmaschinen wegen Überhitzung. Damit das nicht geschieht, muss jeweils ein neues Kabel von der Lichtmaschine zum neuen Batteriemanagementsystem, das nennt sich  „Cerbo“ bei der Firma Victron, verlegt werden. Das besagte Kabel hätte man, bzw. ich schon lange verlegen können, da war die Planung aber wohl nicht so top. 

    Jedenfalls, einen Tag vor der Abfahrt ist klar, dass ich noch die Kabel verlegen muss. Last Minute eben. Und damit es dann echt spannend wird mit dem pünktlichen Erreichen des Flugzeugs, standen Material und  Helfer am Tag des Abflugs auf der Matte. Und da muss man sagen, dass das nachträgliche Kabellegen in der Hexe wirklich spitzenmäßig von Outremer geplant und damit relativ simpel ist. Man muss nur nur die Wege kennen und das ist nach all den Jahren glücklicherweise der Fall. Und trotzdem steckt manchmal der Teufel im Detail. 

    Egal wie ,um 11.20 Uhr waren beide Kabel mit viel Hektik und ein bisschen Aufregung erfolgreich verlegt. Um 11.25 Uhr war ich frisch geduscht, um 11.30 Uhr saßen wir im Auto, auf dem Weg zum Flughafen und kamen dort nach Abgabe des Leihautos um 11.50 an. Kurz nach zwölf Uhr warten wir auf das Boarding, das fünf Minuten später los ging. Just in Time! 

    Jetzt sind Boot und Atlantik ein paar tausend Kilometer entfernt und das Vorweihnachtsfieber hat uns gepackt. Am Tag nach der Ankunft in Deutschland kommt das ganze Dekomaterial und die Lichterketten aus den tiefsten Tiefen des Kellers ins heimische Wohnzimmer und anschließend an ihren Platz. Drinnen oder Draußen. Was für ein schöner abendlicher Lichterglanz in Haus und Garten. 

    Obwohl ich ja mal wieder nicht vom Boot weg wollte, hat mich das Vorweihnachtsgewusel voll in seinen Bann gezogen. Es gibt ja noch soviel zu tun. Geschenke für die Kinder und Enkel besorgen, das Essen planen, die Wintersonnenwendfeier organisieren…

    Das erste winterlicher Gänseessen liegt auch schon hinter uns und mein sich langsam leerender Adventskalender zeigt uns deutlich an, dass sich das Weihnachtsfest 2025 schnell nähert.

    Wir wünschen allen, die in diesen wuseligen Tagen noch Zeit haben unseren Blog zu lesen,  eine fröhliche Vorweihnachtszeit!

  • Jetzt …

    … geht es Schlag auf Schlag voran mit den Erneuerungen und Verbesserungen an unserer Hexe.

    Seit einer Woche sind die neuen Axiom Plotter eingebaut, und Cornelia ist täglich damit beschäftigt, sich durch die unendlich vielen Menüpunkte und Unterverzeichnisse zu wühlen. Es gibt soviele neue Funktionen und Features zu entdecken. Allein der Menüpunkt „Seekarte“ bietet zahlreiche  Funktionen, die  die vorhergehende Es-Serie nicht hatte. Einen davon finden wir besonders gut, auf der Seekarte kann nun in einer Ecke die komplette Tastatur des Autopiloten, virtuell eingeblendet und natürlich auch benutzt werden. Somit könne wir nun unser Schiff komplett vom Salon aus steuern. 

    Was auch auffällt, ist die Brillanz und der Kontrast der Bildschirme. Selbst im hellsten Sonnenschein sind die dargestellte Seekarte und die Symbole tadellos sichtbar. Da wir seit vielen Jahren an die Handhabung der Raymarine Plotter gewöhnt sind, macht es natürlich viel Freude, die Geheimnisse der  neuen Plotter durch Try and Error zu entlocken. Alternativ könnten wir natürlich auch 660 Seiten Bedienungsanleitung lesen, oder?

    … mit Zertifikat!

    Unsere Rettungsinsel ist seit heute, frisch geserviced mit entsprechendem Zertifikat, wieder an Bord und in ihrem Staufach solide angeleint. Drei Jahre lang ist das Prüfzertifikat bei ISO Rettungsinseln gültig, ein weiterer Punkt auf der To-Do-Liste, der abgehakt werden kann.

    Sehr schön gemacht, die neuen Polster

    Ebenfalls heute kamen unsere neuen Polster für die Sitze an den Außen-Steuerständen an. Wir sind begeistert, man sieht zum einen fast keine Farbabweichung zu den anderen Cockpitpolstern, und zum anderen haben sich Mitarbeiter von der Tapiceria Gabi in Arrecife deutlich sichtbar sehr viel Mühe bei den Nähten gemacht, die echt hübsch und edel aussehen. 

    Weiterhin haben wir mal, als eine Art Versuchsballon, einen Schaumkern von unseren Salonpolstern erneuern lassen. Das Resultat hat uns so überzeugt, dass wir nun auch bei den beiden anderen  „alten“ Salonpolstern die Schaummatratze austauschen wollen. Als Kernmaterial für die Sofas haben wir uns für den Schaumstoff mit dem hohen Härtegrad D40 entschieden, ein gänzlich neues Sitzgefühl!

    Zwei weitere Winschen sind noch komplett gereinigt, neu gefettet und die Sperrklinken mit einem Marineöl eingesprüht. Ein Job, für den man Zeit, Muse und Geduld haben muss. Und die Geduld … …

    Noch verpackt, die neuen Batterien

    Die nächste Baustelle im Arbeitsplan sind unsere Verbraucherbatterien. Bereits auf der Fahrt von Guernsey nach Lanzarote hatten wir zweimal ein komplettes Batterieblackout. Die Spannung ist von einer Minute auf die andere von 25 Volt auf 20 Volt abgesackt. Wir haben uns daher entschlossen, endgültig Abschied von den bisher eingebauten normalen Blei-Säurebatterien zu nehmen und auf Lithium Eisenphosphat-Batterien umzustellen. Die Batterien und weitere Komponenten, die zum Einbau nötig sind, sind mittlerweile in Puerto Calero eingetroffen. Der Einbau der Victron-Batterien soll voraussichtlich in der kommenden Woche erfolgen und wird zwei bis drei Tage in Anspruch nehmen, an denen das  Boot komplett stromlos sein wird. 

    Wir sind schon sehr gespannt, wie, beziehungsweise ob sich unsere bisherige Batteriebilanz unter den verschiedenen Aspekten wie Sonnenscheindauer, Sonnenwinkel, und Energieentnahme zu dem bisherigen Batterietyp verändern wird. Wir hoffen sehr auf mehr Spannungsstabilität und verbesserte Kalkulierbarkeit bei den neuen und teuren Lithiumbatterien.

    Trotz Kalima- Wanderung nach Playa Quemada

    Mit Birger und Kirsten habe ich in der letzten Woche ein paar Wanderungen unternommen. Nach Puerto del Carmen und nach Playa Quemada, beide Wanderungen führten uns direkt  an der schönen Steilküste lang. Und ein Besuch meines Lieblingsvulkan, der Caldera de los Cuervos, darf natürlich nicht fehlen. Durch unterschiedliche Lichtverhältnisse sieht es in dem Vulkankrater und der gesamten Vulkanlandschaft im Timanfaya Vulkangebiet natürlich immer anders aus. Für mich einer der schönsten Orte für Wanderungen auf Lanzarote überhaupt. 

    Und dann hatten wir noch einen wunderschönen Tag vor Anker, vor den malerischen Papagayostränden mit zehn lieben Freunden an Bord. Der Wind hat bei diesem Ausflug zwar gefehlt und die Dieselmotoren mussten ran. Dafür hat uns Cornelia mit einem schön gedeckten Mittagstisch, voll mit leckeren Köstlichkeiten, sehr verwöhnt. Wir alle haben bei milden Temperaturen ein Bad im blauen Meer genossen, pure Harmonie.

  • Solotörn

    Unser Großsegel ist wieder angeschlagen. Ingesamt 20 Nähstunden haben die Segelmacher benötigt, um das 124 Quadratmeter große Segel komplett zu überholen. Das Segeltuch am Achterliek ist erneuert, zwei Lattentaschen sind wieder fest angenäht und mein Provisorium entfernt worden, eine ebenfalls provisorisch erneuerte Naht ist final ersetzt. Wegen der Dicke des Segels an den Liekecken musste sogar teilweise von Hand genäht werden. 

    Einen Tag vorm Durchzug des Tiefdruckgebietes in der letzten Woche, haben wir, zusammen mit Alvaro und Leo von der Segelmacherei Ullmann Sails, das Segel wieder angeschlagen. Zwei Stunden harte Arbeit, bis die Mastrutscher, die Mastschiene, die Reffleinen, die riesigen Segellatten, die Unter- und Vorliekstrecker sowie der Block und das Großfalls fest montiert waren. Wir hatten ein Riesenglück mit dem Wind, der Gott sei Dank an dem Tag nicht existent war.

    Unser ausdrücklicher Dank geht an Alvaro Requena und Leo von AGR Marine/Ullmann Sails. Die ganze zeitliche Planung wurde präzise eingehalten, und alle Arbeiten absolut top und tadellos ausgeführt. Wer den Support von Alvaro benötigt, der eine Ausbildung als Naval Architect hat, und in allen Fragen rund um Segel, Leinen und Deckhardware beraten kann, findet mehr Informationen unter www.agrmarine.com. Oder sendet eine Mail an alvaro@ullmansails.com

    Vorgestern bin ich mit Wes, Gerry und Birger einen Nachttörn nach Las Palmas de Gran Canaria gesegelt. Grund der Reise war eine Reparatur auf einem foilenden Katamaran, der in die Antarktis will und einen neuen umbauten Schutz  fürs Cockpit für diese besondere Reise benötigt.Wir sind auf der Lagoon 570 „Time“ von Wes früh am Abend in Lanzarote los und pünktlich  zum Sonnenaufgang des folgenden Tages in Las Palmas angekommen. Glück hatten wir mit dem Wind, der uns mit 15-21 Knoten aus Nord, bei perfektem Windwinkel, nach GranCanaria schob.

    Mein Finger …

    Pech hatte ich mit meinem Ringfinger an der rechten Hand, der aus Unvorsichtigkeit zwischen Winschtrommel und Großfall eingeklemmt wurde. Schmerz lass nach! Bisher habe ich derlei Ungemach immer nur von anderen Seglern erzählt bekommt, jetzt hat es mich selbst erwischt. So ein Mist! Selbst Schuld, aber vielleicht auch der Umstand, dass der Schalter für die Winsch mit dem Fuß bedient wird. Bei uns an Bord werden alle Winschtaster mit der Hand bedient. Beide Hände  sind näher beisammen als Fuß und Hand, und so wird ein versehentliches Anschalten der Winsch durch einen Tritt mit Fuß auf den Schalter unwahrscheinlicher, wenn die Hand dazwischen ist. Glück im Unglück, der Finger ist noch dran. Wäre viel Last auf dem Fall bei beispielsweise mehr Wind gewesen, hätte das wahrscheinlich anders ausgesehen. 

    Jedenfalls ging es für Birger und mich, nach einem Besuch in der wundervollen historischen Altstadt von Las Palmas, mit dem Inselflieger wieder zurück nach Lanzarote. Die Überschrift „Solotörn“ bezieht sich natürlich mehr auf den Umstand, dass ich ohne meine geliebte Cornelia, beziehungsweise ohne unsere vertraute Hexe unterwegs war.

    Birger und Kirsten sind für ein paar Tage zu Gast an Bord und erkunden heute ohne uns die Insel. Cornelia bastelt mit Jan an den inzwischen angekommen Seekartenplottern rum. Und ich hole Schlaf vom Nachtttörn nach. Inzwischen hat der Herbst Einzug gehalten, es regnet immer mal wieder. Das Quecksilber steigt nur noch bis auf 22 Grad und die Nächte sind mit 15 Grad doch recht kühl.