Der Frühling hält Einzug auf Lanzarote, zum einen ist es deutlich wärmer, sowohl tagsüber als auch nachts, und zum anderen blüht alles in den tollsten Farben. Regen gibt es immer mal wieder, doch gestern war einer der Tage, an dem der Himmel nur eine Farbe kannte, und die war blau. Der blaue Atlantik hat förmlich nach uns gerufen, und dem Ruf sind wir sehr gerne gefolgt.


Doch zuerst mussten die Winterleinen gelöst und die Vorspring fürs Ablegemanöver gelegt werden. Horst und Evelyn waren mit von der Partie und prompt versemmele ich das erste Ablegemanöver. Die einströmende Flut schob die Hexe schneller als gedacht zurück an den Steg, also musste ein zweites und besseres Manöver, mit der Vorspring, uns vom Steg weg bringen. Das klappte dann tadellos und nach dem Wendemanöver am östlichen Hafenende zeigte der Bug dahin, wo er sollte, in Richtung Hafenausfahrt.


Draußen war schon richtig was los. Ein Atlantikruderer mit Gästen an Bord trainierte für die atlantische Überfahrt, viele Kinder in Optimisten folgten, aufgereiht wie an der Perlenschnur, dem Trainerboot, und die ersten RC 44 Cup-Boote fuhren ihre täglichen Up- and Down-Bahnen, um für den in einer Woche anstehenden Calero Cup zu trainieren.

Cornelia steuerte uns erstmal raus aufs offene Meer, sodass wir in aller Ruhe unser 124 qm großes Großsegel setzen und das Boot komplett aufklaren konnten. Der leichte Wind verfing sich in dem Flügelprofil des Segels und schob uns langsam an. Die Motoren waren flugs abgestellt und die wohlbekannte typische Stille an Bord, die eigentlich jeder Segler nach dem Segelsetzen genießt, stellte sich ein. Doch nur mit dem Groß ging es sehr langsam voran, und mit Horst zusammen hisste ich schnell unseren 212 qm großes buntes Segel, den Gennaker. Schon kam Bewegung in die Hütte und wir beschleunigten auf Windgeschwindigkeit. 8 Knoten zeigte die Logge anbei 7-9 Knoten Wind.
Eine der RC 44 Carbon Regattayachten versuchte uns in Luv zu überholen, was der Crew zu unserer Freude aber nicht gelang. Ingesamt 336 qm Segelfläche befeuern die Hexe ordentlich und machen aus ihr ein sehr competitives Boot. Perfekt getrimmt zogen wir unsere Bahn, die RC 44 halste gekonnt hinter unserem Heck durch. Das zaubert nicht nur mir ein Lächeln ins Gesicht.
Wir rollten den Gennaker weg, halsten ebenfalls und segelten mit Genua auf einen Windstrich zu, der uns nach Westen bringen sollte. Hoch am Wind, mit abgefiertem Leeschwert, geschoben von einer leichten Dünung, brachte uns dieser kleine Streifen Wind in Richtung Playa Blanca. Nach drei Seemeilen wendeten wir, und mit einem Windwinkel von 60 Grad können wir genug Fahrt im Schiff halten, um immer im Bereich der jeweiligen Windgeschwindigkeit zu segeln und nicht von der nun entgegenkommenden Dünung gebremst zu werden.
Die warme Luft war sehr angenehm, die Unterhaltungen mit unseren Freunden plätscherten so dahin, Segeln vom Feinsten, Entspannung pur. Doch mit der Entspannung war es in dem Moment vorbei, als wir sahen, dass zwei der RC 44 vom schwedischen Team in ein paar Minuten ein weiteres Mal unseren Kurs kreuzen werden. Der Sportsgeist war erwacht, ich trimmte den Traveller ein wenig nach Luv und winschte die Genuaschot noch etwas dichter. Die Hexe dankte es mir und beschleunigte noch um ein paar Zehntel Knoten. Beide RC 44, Artemis und Carisma segelten, von einem Trainerboot begleitet, maximal hoch am Wind, eine Spezialität dieser Americascup ähnlichen Boote, auf Steuerbordbug. Wir hatten die Segel auf Backbord stehen und damit Vorfahrt vor ihnen und beobachteten gespannt die Annäherung der beiden Boote.
Mit unseren leicht gefierten Schoten und reichlich Druck im Segel, müssen die beide RC 44 Boote an unserem Heck vorbei. Evelyn und ich filmten, was das Zeug hält. Sowas bekommt man nicht alle Tage geboten, zumal auf den hochaufgerüsteten Booten weltbekannte und bezahlte Regattasegler aus der ganzen Welt sitzen, wie beispielsweise Torben Torquist und Iker Martinez.
Jetzt wird noch trainiert, ab nächstem Donnerstag werden acht RC 44 auf der abgesteckten Regattabahn um wichtige Punkte segeln. Danach werden die Schiffe in ihre Container gepackt, die eigentliche Idee hinter diesem Design, und werden zum nächsten Regatta-Event verschifft.

Für uns hieß es kurz danach, alle Segel einzupacken, denn dem leichten thermischen Wind ging, wie vorhergesagt, die Puste aus. Wir motorten zum Playa de la Arena, warfen den Anker und ein jeder, außer der Capitania, nahm ein erfrischendes Bad im kühlen Atlantik. Die Wassertemperatur ist in den letzten zwei Wochen spürbar gesunken, ich schätze sie auf ca. 18 Grad.
Schon bald war’s Zeit für den Rückweg, gekonnt manövriert die Capitania das Boot über den Anker, während die Ankerwinde die Kette aufwinschte. Das Anlegemanöver war entgegen dem Ablegen unspektakulär und schnell waren alle Leinen festgemacht. Der aufgehende Moment im Osten und die gleichzeitig untergehende Sonne im Westen gaben dem wunderbaren Sonntag ein passendes Ende.


































































































