Hexenbriefe

Ulrikes Hündin Nelly ist immer dabei

nennt Ulrike unsere Blogbeiträge und verfolgt diese seit mehreren Jahren regelmäßig. Wir verfolgen Ulrike auch, natürlich nicht auf Schritt und Tritt, zumindest nicht im negativen Sinne. Ulrike ist unsere Freundin, unsere Anlaufstelle, sobald es sich um Lanzarote oder die Kanaren dreht  oder handelt. Ulrike kennt viele und vieles, und viele kennen Ulrike. Dadurch lernen wir u.a. auch immer neue nette Menschen auf der Vulkaninsel kennen. Aber auch, ich nenne es mal das soziale Umfeld in Puerto Calero, könnte besser nicht sein

Mit ein paar lieben Menschen aus dem Hafen hat sich seit unserer Rückkehr eine echte Freundschaft entwickelt, und viel Zeit wird miteinander verbracht.

Drei Kapitäne, der vierte fotografiert

So waren wir vor drei Tagen mit vier Skippern (Freunden) auf einem kleinen Herren-Tagestörn seglerisch unterwegs. Für mich neu war, dass es einen sogenannten Parasailor, also einen Spinnaker mit „Lüftungsklappe“ gab. Dieses Vorwindsegel soll einige positive Eigenschaften vereinen und deshalb war ich doch sehr gespannt, wie es funktioniert, und ob es auch das tut, was es soll.

Der Parasailor steht

Mit Rainers schlanker und schöner X-Yacht  ging es morgens raus aufs Meer, dank sorgfältiger Vorbereitung ging das Vorwindsegel schnell am hohen Mast nach oben. Ich schreib jetzt einfach mal ein paar Punkte auf – wertungsfrei – die mir beim Parasailor aufgefallen sind.

  • Dieser Spinnaker wird ohne das Großsegel gesetzt, und hat einen Bergeschlauch mit aufblasbarem Kragen, der für freundlichere Stauraummasse sorgt, als Segel mit einem festen Bergekragen.
  • Der Spi kommt ohne Spibaum aus und wird mit doppelten Spischoten gefahren, wobei eine der beiden Leinen als Niederholerleine benutzt wird.
  • Der Spi steht extrem ruhig und hat keine Tendenz zum Wandern oder „Tanzen“.
  • Man muss es richtiggehend provozieren, den Spi durch falsche Steuermanöver oder Kursänderungen zum Einfallen zu bringen. Geht man auf den Ursprungskurs zurück, entfaltet sich das Vorwindsegeli unspektakulär, also ohne dass das Segel knallt.
  • Wir konnten bis zu wahren 100 Grad an den Wind anluven.
  • Das Bergemanöver ist simpel.
  • Ein weiterer Vorteil soll sein, dass der Bug entlastet und durch diese Art von Spi nach oben gezogen wird, was ein Abtauchen in die vorauslaufenden Wellen verhindern soll.
  • Das Segel kostet fast das Doppelte eines normalen Spinnakers.

Das Boot segelt ja schief!

Nachdemwir an Los Lobos vorbei waren, ging der Spinnaker runter, die Amwind-Garderobe nach oben und die X-Yacht tat genau das, wofür das Schiff konstruiert ist: Wie an einem Lineal gezogen,geht es hoch am Wind zurück nach Puerto Calero, ein wahres Segelvergnügen. Leider war es auf den letzten Meilen so ein bisschen wie mit den vielen Köchen, die den Brei verderben, auch mit den vier Kapitänen an Bord. Trotz der geballten Kompetenz hatten wir nicht bemerkt, dass ein Salonluk leicht offen stand, und der übers Deck waschende Seegang seinen  Weg nach innen gefunden hatte und dort für salznasse Polster und Möbel im Salon gesorgt hatte. Des Skippers Frau nahm es gelassen auf, dass wir ihr schwimmendes Zuhause ein bisschen eingenässt hatten. Schwein gehabt!

Die Konstruktionszeichnung

Unser Reserveautopilot geht nach der Planung in die nächste Stufe der Realisierung, wir sehen dem mit Spannung und Neugierde entgegen. Nächste Woche soll der Einbau stattfinden, Fingers crossed!

Dave at work

Vielleicht können wir noch vor unserem Weihnachts-Rückflug nach Deutschland, einen kleinen Testschlag zum ausprobieren machen, das wäre klasse!

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Der erste Regen seit März …

Morgenstimmung über Calero

… fällt aus einem dichten wolkenbehangenen Himmel und die Menschen laufen fröhlich lächelnd unter dem ersehnten Nass hindurch. Acht lange Monate hat es auf Lanzarote nicht geregnet, keinen Tropfen und dementsprechend staubtrocken ist es besonders im südlichen Teil unserer Lieblingsinsel.

Von den Touristen wurde das Regenwetter sicherlich nicht herbeigesehnt, die wollen ja in aller Regel dem kühlen-spätherbstlichen Nordeuropa entfliehen und die Sonne des Südens genießen. Wir erfreuen uns mit den Einheimischem an dem Wetterwechsel.

Adventskalender für die Eltern!

Die Weihnachtsdeko haben wir, kurz vor dem ersten Advent, aus der Bilge herausgekramt und die liebevoll verpackten kleine  Adventskalenderpräsente von Larissa liegen auch schon, schön drapiert, im Salon. Vielen Dank dafür, liebe Larissa! Der Jahreszeitenwechsel kann kommen. (Bei Lidl in Puerto del Carmen gibt es sogar schon jetzt ein großes Regal mit Plätzchen, Stollen und echten Weihnachtssternen!)

Die Capitania räumt aus, katalogisiert die Vorräte und räumt sie dann wieder ein

Cornelia hat in den letzten Tagen Staulisten erstellt und sämtliche Lebensmittel, die jetzt schon an Bord sind, in Tabellen zusammengefasst. Einiges ließ uns staunen, denn wir hatten nicht gedacht, dass wir insgesamt 17 Tuben und Dosen Tomatenmark, 15 Fertiggerichte oder 12 Päckchen Nudeln bereits an Bord haben. Da hat sich wohl einiges in den letzten Monaten oder Jahren angesammelt, was ja auch Vorteile hat, da wir nicht mehr viel verproviantieren müssen vor dem Start unserer  karibischen Reise. Leider mussten wir auch ein paar Lebensmittel entsorgen, was uns einigermassen schwerfällt, da die zum Teil schon seit Ewigkeiten abgelaufen waren. Einsamer Spitzenreiter war eine Packung Grießbrei, deren MHD mit 12/2014 angegeben war, also dem Beginn unserer Reisezeit mit der Dehler 41. (Wahrscheinlich ist es schon zweimal umgezogen, wir hatten es sicher auch damals auf der Dehler 39!)

Stauraum in der Backbord-Bilge …

… und an Steuerbord

 

 

 

 

 

 

 

Aber nicht nur die Vorräte hat Cornelia erfasst, als gemeinsame „Paararbeit“ haben wir alle Stauräume und Kisten leergeräumt, sortiert und in die oben erwähnte Tabelle eingetragen. Alles ist jetzt also schön an seinem Platz nachvollziehbar gestaut.

Da heute Donnerstag ist, freuen wir uns schon wieder auf den Freitag, denn da feiern wir nun schon fast traditionell das Ende der Woche (weil die ja so stressig ist unter Reisenden…) mit lieben anderen Seglern aus dem Hafen bei uns an Bord. In fröhlicher Runde lassen wir dann die abgelaufene Woche Revue passieren, trinken ein paar Gläser zusammen und essen eine Kleinigkeit. Morgen will Bernd von der der deutschen Yacht „Hulla Poro“ auf der Hexe für alle Paella kochen, wir sind freudig auf das Resultat gespannt.

Eine Megayacht beim Zwischenstop auf dem Weg in Karibik

In der nächsten Woche wird dann hoffentlich im lokalen Metallbetrieb der Haltearm für die Reserve-Selbststeueranlage erstellt, außerdem warten wir leider noch immer auf den Krantermin für unseren Katamaran, damit wir das bereits zweieinhalb Jahre alte Antifouling erneuern können.

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Windpoker

Kein Wind in Sicht

Die Windvorhersagen für die nächsten Tage sind sehr unterschiedlich, sowohl was die Gebiete, die Windrichtungen und die -stärken angeht. Im Moment ist es fast windstill, die RC44-Regatta am Wochenende konnte nur ein paar Läufe durchführen.

Die Punkte sind die Boote

Auf dem Atlantik ist ganz schön viel los, wie meist im November, denn dann starten die ersten Törns in die Karibik.

Auch die GLYWO, das ist eine dreijährige Weltumsegelung, veranstaltet von Grand Large, der Mutterfirma unseres Bootsbauers Outremer, hat südlich der Kanaren wenig Wind. Einige von unseren Freunden und Bekannten nehmen teil, und beim Start in Teneriffa sah die Windsituation sehr mau aus.

Ursprünglich wollten wir hier mitsegeln

Die ARC+, die Atlantic Rallye for Cruisers mit Zwischenstop auf den kapverdischen Inseln, an der wir ursprünglich auch teilnehmen wollten, ist nach der ersten Etappe von Las Palmas nach Mindelo auf den Kapverden gestartet Richtung Grenada in der Karibik. Dort unten weht ein leichter Wind aus Nordost.

Die Teilnehmer der anderen ARC, die direkt in die Karibik fährt, ohne Stopover auf den Kapverden, sind ebenfalls gestartet. Im Moment herrscht auch dort wenig Wind. Wenn man den Vorhersagen glauben kann, kommt dann ein Südsturm, der anschließend auch noch auf West dreht, das sieht nach einer, zumindest am Anfang, anstrengenden Überfahrt in die Karibik aus. Wir werden das weiter beobachten.

Abendstimmung über dem glatten Meer

Wir aber genießen weiterhin die Sonne und die Wärme von Lanzarote, ohne kühlen Wind, und bereiten uns mit allerlei Arbeiten am und im Boot auf unsere Reise vor.

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Tatsächlich zurück auf der Insel

endlich zurück

Mit zwei Monaten Verspätung – am 3.9. wollten wir zurückfliegen, am 11.11. war es dann tatsächlich soweit – sind wir wieder an Bord.

Dichter Nebel am Frankfurter Flughafen

Nach einem sehr angenehmen Flug sind wir – mit fast einer Stunde Verspätung – in der Sonne von Lanzarote gelandet. In Frankfurt sind wir bei dichtem Nebel gestartet, und bald waren wir über den Wolken. Schon über Mainz wurde die Sicht viel besser,

Die Windräder über dem Hunsrück

über dem Hunsrück konnten wir die zahlreichen Windräder sehen, und der kommunikative Kapitän machte uns Passagiere auch immer wieder auf die unter uns liegenden geographischen Besonderheiten aufmerksam.

die nordfranzösische Küste

Wir überflogen Nantes und die nordfranzösische Küste, dann in südlicher Richtung über die Gironde-Mündung zu den Pyrenäen, entlang der portugiesischen Küste bis Sagres, nahe dem Cabo San Vicente, dem südwestlichsten Punkt Europas. Übrigens, das Bier aus Sagres trinkt Volker sehr gerne bei unserem Lieblingsportugiesen in Darmstadt (Grüße an Maria und Blaise).

La Graciosa im Norden von Lanzarote

Ab dort gab es nur Meer zu sehen, erst kurz vor der Landung konnten wir La Graciosa erkennen, die kleine Insel im Norden von Lanzarote.

In Frankfurt sind wir schon mit einer Stunde Verspätung gestartet, weil es kein Transportmittel für zwei Rollstuhlfahrer gab, nach dem Start hat der Kapitän den Turbo eingeschaltet, und wir sind nur eine halbe Stunde zu spät in Arrecife gelandet. Aber dann fehlten die Bremsklötze für die Maschine, und schließlich noch die Treppen, am Ende war es dann doch über eine Stunde später, vielen Dank fürs Abholen und die Geduld, Gerd!

Endlich an Bord

In Calero liegt die Hexe seit einiger Zeit auf einem anderen Liegeplatz, und wir mussten halb um den Hafen fahren, bis wir vor dem Boot ankamen. Nun sollten noch die schweren Taschen mit unserem Reserve-Autopilot samt aller Elektronik und die Kleider und die Medizin und die neuen Schuhe für die Capitania, etc. aufs Boot getragen werden. Nach einem Glas Wasser war Gerd verschwunden und wir haben alles ausgeräumt und verstaut.

Der erste Vermejo im Upperdeck

Mezza luna über Puerto Calero

Am Abend genießen wir den Ausblick aus unserer Lieblingsbar, dem Upperdeck, und fallen um 22 Uhr, das ist 11 Uhr abends in Deutschland, müde ins Bett.

Am nächsten Vormittag kommt Ulrike mit Nelly an Bord, Nelly, die alte Hundedame führt einen Veitstanz auf, als sie uns endlich wieder sieht, und als sie wieder an Bord ist, rennt sie wie ein Derwisch von einer Ecke in die andere und tanzt förmlich im Cockpit, wie ein junger Hund. Wir freuen uns auch sehr, Ulrike und Nelly wiederzusehen, allerdings geben wir unserer Freude doch eher mit verhalten-wohlerzogenem nordeuropäischem Temperament Ausdruck.

Volker der Held hat meine Brille gerettet

Mittags will ich Nelly vom Boot tragen, damit Ulrike, die mit ihrer Hüfte auf der steilen Treppe schon genug Probleme hat, mit ihr spazieren gehen kann, nehme voller Übermut die letzte Stufe nicht, und falle – mit Nelly auf dem Arm – auf den Steg. Mein einziger Gedanke gilt dem Hund, ich halte Nelly hoch, damit ihr nicht passiert, und falle so ungünstig, dass sich meine Brille verabschiedet und ins Meer baden geht. Glücklicherweise kommt sie auf einem der großen Steine zum Liegen, aber zu tief, als dass man sie vom Steg aus erreichen könnte. Und natürlich ist Volker, ohne Telefon, unterwegs in der Marina, um Freunde auf anderen Booten wiederzusehen. Da niemand da ist, der uns einen so langen Käscher leihen kann, ziehe ich meinen Badeanzug an, und will gerade, mit Taucherbrille bewaffnet, todesmutig ins Wasser steigen und darunter tauchen, als Volker doch angeradelt kommt, und mich – und meine Brille – rettet.

Die Damenrunde

und die Herrenrunde ohne Volker

Zum Apéritif kommen neue und alte Freunde zu Besuch, es wird ein wunderbar fröhlicher Abend mit schönen Gesprächen, die Lust auf mehr machen. Lustig, ganz schnell haben sich zwei Gruppen gebildet, fünf Männer reden über Boote, das Segeln und die Technik dazu, vier Frauen über das Leben an sich und ihre Erlebnisse mit und ohne Boot.

krank im Bett

Am nächsten Morgen bricht bei mir eine doofe Erkältung mit trockenem Husten aus, die sich vorher schon leicht mit Halsweh angekündigt hat, aber vollkommen ignoriert wurde (nein, kein böses C., das habe ich zweimal getestet!). Leider ist es auch kein TMS, da ich ja damit begonnen habe. Aber da ich ja ein großzügiger Mensch bin, habe ich die nervige Erkältung mit Volker geteilt, der darüber zwar gerade erfreut war, sich aber nicht wehren konnte. Allerdings ist es besser, hier, als im kalten Darmstadt erkältet zu sein, hier kann man auf jeden Fall immer an der frischen Luft sein.

Das Bild muss man vergrößern, um die Regentropfen zu finden

Eben kamen aus einer dunklen Wolke ein paar Regentropfen, aber die konnte man zählen.

So, liebe Freunde, das war jetzt ein langer Bericht, aber wir sind so froh, wieder an Bord zu sein, dass ich nicht nur meine Erkältung, sondern auch die schönen Momente der ersten Tage auf der Insel teilen und mitteilen wollte …

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Noch mehr Sport

Ja, mer saan mim Radl da…

Um uns, weil bootlos, ein bisschen zu betätigen, machen wir am Wochenende gerne ein bisschen Sport, wie berichtet z.B. mit dem Kanu, um auch unsere Umgebung erkunden.

Bei der letzten Tour sind wir übrigens mit dem Kanu gekentert beim Einsteigen, was uns aber nicht vom weiterpaddeln  abgehalten hat, wir haben die nassen Kleider ausgezogen und sind im Badeanzug losgepaddelt.

Danach waren wir auf die Fahrräder umgestiegen (es wird ja langsam auch Herbst), und wir haben zwei schöne Touren am Main gemacht und eine weitere am Rhein über den Kühkopf.

Frankfurter Skyline

Die erste Fahrt ging von Schwanheimer Ufer aus Richtung Schleuse Offenbach, dort über die Kaiserleibrücke nach „Hippdebach“, wie wir Frankfurter die nördlichen Stadtteile nennen (für Ortsfremde „auf unserer Seite des Flusses“ im Gegensatz zu „Dribbdebach“, das ist die Sachsenhäuser  Seite, nämlich die auf der anderen Seite des Mains).

Ein Tanker fährt in die Eddersheimer Schleuse ein

 

Von dort aus ging es wieder zurück bis zur Griesheimer Staustufe, insgesamt ca. 22 km.

Wir waren begeistert, wie schön das Mainufer von Frankfurt geworden ist. Auf beiden Seiten des Mains führen Spazier- und Radfahrwege entlang des Flusses, es gibt Gastronomie an und auf dem Wasser, Bänke für Wanderer zum Ausruhen, für Familien zum Picknick und für gestresste Banker in der Mittagspause.

Breite Mainwiesen und ein schönes Café säumen das Deutschherrnufer

Vor allem auf der nördlichen Seite des Mains stehen ganz viele Spielplätze, mit den tollsten Geräten und einen Skatepark mit Halfpipes etc., in dem die Kleinen mit ihren Rollern ebenso Platz fanden wie jugendliche Sportler auf den Skateboards. Es gibt Restaurants für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel, auch Cafés und Bars locken die Besucher. Die breiten Mainwiesen im Frankfurter “Nizza” bieten viel Platz für Besucher und Sportler aller Art, Jogger, Skater, Spaziergänger und eben auch für Fahrradfahrer.

Hier fließt der Main in den Rhein

Unser zweiter Fahrradausflug am darauffolgenden Samstag sollte uns bis zur Mainspitze führen, also dorthin, wo der Main in den Rhein mündet. Da ich insgesamt nicht mehr als 30 km radeln wollte – das, dachte ich, reicht für meinen ungeübten Fahrradpopo – hab ich einen Punkt ausgesucht, der ungefähr 15 km von der Mündung entfernt war, und an dem eine Brücke über den Main führt, damit wir an beiden Ufern radeln konnten.

Die Mönchhofkapelle

Begonnen haben wir an der Eddersheimer Schleuse, die verbindet Eddersheim mit dem Mönchhof, bekannt durch das danach genannte Dreieck. Auf der südlichen Mainseite sind wir bis zum Rhein gefahren, zunächst waren wir ein kleines bisschen enttäuscht, denn die Strecke nach Frankfurt rein, die wir letzte Woche geradelt sind, war kurzweiliger und führte viel näher am Main entlang.

 

schöne Bilder entlang des Weges

eine schmale Durchfahrt

Aber die Wege waren gut zu fahren, an Rüsselsheim und Bischofsheim vorbei, bis wir bei Ginsheim-Gustavsburg wieder den Main überquerten.

Diese Brücken sind für mich immer eine Herausforderung, ich hasse es, das Fahrrad über die schmale Rinne hinauf- und wieder hinunter zu schieben, glücklicherweise habe ich einen sportlichen und lieben Mann, der das für mich macht. Danke, Volker!

Pause

An der Mündung angekommen haben wir eine kurze Pause gemacht, um dann den Heimweg auf der nördlichen Mainseite über Hochheim und Flörsheim anzutreten.

voller Weintrauben

Diese Seite war interessanter, der Weg führte entlang der Weinberge, in denen auch gerade gelesen wurde. Ein bisschen weiter hingen die Reben noch voll mit Trauben, und ein paar Sorten mussten wir im Vorbeiradeln probieren, die Trauben schmeckten sehr lecker und verhießen guten Wein…

Nach 34 Kilometern kamen wir wieder an der Staustufe an, eine letzte Brücke, dann hatten wir es geschafft.

Das war einer der besseren Wege…

Hier wurde der Weg schon schmaler

Am nächsten Tag haben Volker und der Kühkopf gemeinsam mich geschafft. Nicht nur, dass zwei drittel der Zeit die Wege steinig und hubbelig waren, manchmal waren die Spuren für die Fahrräder so schmal, dass ich – nach einem etwas schmerzhaften Sturz in eine Brennesselböschung – auf diesen Strecken lieber das Fahrrad geschoben habe. Die blauen Flecken sind immer noch nicht ganz weg.

Wiesen und Wiesen

Über den Altrhein

Die Landschaft ist zwar wirklich idyllisch, aber am Ende war ich doch sehr froh, dass wir irgendwann den kürzesten Rückweg genommen haben und ich meine schmerzenden Glieder ausruhen konnte.

Dieser Weg sah besser aus

Eine Woche später haben wir auf einem kurzen Ausflug – mit neuem Sattel – den restlichen Kühkopf erkundet, das war schon deutlich angenehmer, waren doch hier auch die Wege eher asphaltiert.

Apropos schmerzende Glieder: Mein Skipper ist ja schon mit Schulterschmerzen nach Deutschland zurück gekommen. Als dieser Schmerz immer weiter Richtung Ellenbogen zog und sich verschlimmerte, hat Volker unseren besten Orthopäden und unsere ungeschlagen allerbeste Physiotherapeuten-Freundin  aufgesucht. Mit dem Erfolg, dass zwar mittlerweile Schulter und Ellenbogen in Ordnung sind, aber, wahrscheinlich wegen eines Karpaltunnelsydroms die Finger kribbeln, auf sehr unangenehme Weise. Und man weiß nicht, wie lange das dauert (nichts für ungeduldige Seemänner), und ob es nicht zu einer andauernden Lähmung führt. Mal sehen, was daraus wird…

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Hauptsache auf dem Wasser!

Die Fahrräder passen in den Kofferraum und das Kanu aufs Dach

Da wir im Moment in Darmstadt sozusagen auf dem Trockenen sitzen, (da gibt es nur den winzigen Darmbach, der eignet sich höchstens für Segeln mit Papierschiffchen!), haben wir am letzten Sonntag einfach mal das Kanu aus dem Schuppen geholt und sind mit blauem Boot auf dem Dach und unseren Rädern im Kofferraum an den Altrhein gefahren.

Ab ins Boot!

Gut, dass wir einen Kangoo haben, da ist genug Platz für uns beide und die ganze Ausrüstung.

In Stockstadt beim Restaurant “Bootshaus” gibt es einen Steg, an dem kleine Boote anlegen können. Auf der Wiese davor haben wir unsere Fahrräder abgeladen. Mit dem Kanu auf dem Dach sind wir weiter gefahren bis Gernsheim, Volker hat dort das Boot im Hafenbecken ins Wasser gelassen, das Auto zum Parken gefahren und unter den skeptischen Blicken der Sonntagsausflügler sind wir eingestiegen und auf den Rhein raus gepaddelt.

Die Ufer des Rheins strahlen im Sonnenschein

Es war das schönste Wetter, die Ufer des Rheins auf beiden Seiten, der hessischen und der rheinland-pfälzischen, waren gut besucht von sonnenhungrigen Menschen mit Picknick, Kinderwagen und Sonnenschirmen. Mit der Strömung den Rhein abwärts zu paddeln motiviert, denn die Fließgeschwindigkeit des Rheins mit ca. fünf Stundenkilometern lässt das Ufer schnell vorbei gleiten.

 

Nach dem Frachtern geht es auf die andere Seite

Wir kreuzen immer wieder das Fahrwasser, um auf der flacheren Innenkurve zu bleiben, denn dort sind wir außerhalb des Fahrwassers und die großen Frachtschiffe bleiben seit genug weg.

Ab und zu steht ein Angler im Wasser, oder ein Hund spielt im kühlen seichten Wasser. Auch Jetskis und kleine schnelle Motorboote fahren an uns vorbei oder kommen uns entgegen.

 

So idyllisch ist es im Altrhein

Wir lassen den Eicher See links liegen, kreuzen mal wieder das Fahrwasser, nachdem drei große Frachter vorbei sind, und bei Rheinkilometer 468,3 biegen wir in den Erfelder Altrhein ein. Nach sechs Kilometer auf dem strömenden Rhein paddeln wir nun bei deutlich weniger Strömung durch eine idyllische Flusslandschaft.

 

Ahoi!

 

 

 

Ein Reiher begleitet uns die ganze Zeit, links grast ein Reh, zahlreiche Enten fliegen über uns, wir genießen die stille Fahrt. Vor Stockstadt sehen wir die ersten anderen Paddler, später kommen auch die Tretboote. Bis dahin waren wir völlig allein auf dem ruhigen Altrheinarm.

Auf dem Radl

Beim Bootshaus steigen wir trockenen Fußes über den Steg aus, denn den am Sonntag ist die Tür geöffnet, wir können das Boot über den Steg raustragen und legen es oben aufs Gras.Mit den auf vorhin abgestellten Fahrrädern radeln wir zurück nach Gernsheim, beim Fährhaus und der Frittenbude gegenüber ist es inzwischen noch voller geworden, denn bei dem schönen Wetter kommen alle nach draußen und genießen den Tag.

Was für ein schöner und sportlicher Tag

Wir haben einen zwei Drittel-Triathlon hinter uns, ca. 12 km Paddeln und fast 10 km Radfahren, am nächsten Tag merke ich zwar meine Schultern, aber es war ein wunderschöner Tag mit einem etwas anderen Wasserfahrzeug.

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Die „Jolateros“ von Lanzarote: Boote aus Ölfässern

Hier steht der Jolatero im Regen…

Die brüllende Hitze, die in den letzten Tagen Lanzarote heimgesucht hat, haben wir derzeit in Deutschland nicht, nach einigen schönen Sommertagen schüttet seit gestern Zeus als verantwortlicher griechischer Gott über das Wetter unglaubliche Regenmengen aus. Positiver Nebeneffekt: Wir müssen den Garten nicht wässern, aber die vergangenen Hochwasserkatastrophen lassen doch immer wieder Befürchtungen aufkommen, wenn so große Wassermengen in kurzer Zeit auf die Erde fallen. Die letzten Tage waren trocken und warm, hoffen wir, dass der Sommer in der nächsten Woche noch einmal zurückkehrt.

Ein bunte Vielfalt

Wir haben aus Arrecife als Souvenirs bunte „Jolateros“ mitgebracht. Ursprünglich waren das kleine Boote aus alten Treibstofffässern, die die Einwohner von Arrecife Anfang des 20. Jahrhunderts, sozusagen aus „Müll“, gebaut haben, um den Fischern auf den großen Booten zu assistieren, wenn sie den Fang nach Hause brachten. Diese Boote konnten nur mit einem, höchstens mit zwei Mann gefahren werden, dann wurde der Fang eingeladen und an Land gebracht.  Angetrieben wurden und werden die Boote nicht etwa mit Rudern, sondern mit den bloßen Händen und vielleicht mit kleinen Holzbrettchen aus der Küche.

In kanarischen Farben

Mit der zunehmenden Technisierung verschwand diese mühsame Tätigkeit, aber man baute die Bötchen weiter, und es entwickelte sich eine neue Freizeitkultur. Ob man just for fun alleine oder zu zweit durch den Charco, den kleinen See in der Hauptstadt Arrecife paddelt, oder an den Regatten teilnimmt, die anlässlich der jährlichen Feier zu Ehren des Stadtpatrons am Charco de San Gines ausgetragen werden, heutzutage scheint es ein großer Spaß zu sein, denn in Arrecife sieht man viele der attraktiven Metallboote am Rande des Sees liegen.

Sehr dekorativ: bepflanzt mit immergrünen Sukkulenten

Ein Mann aus Lanzarote, der sich „Toño“ nennt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Tradition, also den Bau der Jolateros aus den ursprünglichen Materialien, aufrecht zur erhalten und vor allem an Jugendliche der Insel weiterzugeben, als sinnvollen Zeitvertreib. Mit purer Muskelkraft werden aus den Metallfässern die Bootsseiten geschnitten und in eine entsprechende Form gebracht, an Bug und Heck verbindet ein Vierkantholz die beiden Hälften, und alles wird mit Metallnägeln zusammengehalten. Danach werden die Boote innen und außen mit reichlich bunter Farbe angestrichen, und so entstehen ganz vielfältige phantasievolle Kunstwerke.

Ein Stückchen Sehnsucht am Schlüsselbund

Wir haben und werden unsere Miniatur-Boote bepflanzen und in den Garten oder auf den Balkon stellen, und ich trage das Zwergenmodell dazu am Schlüsselbund.

Ein bisschen Lanzarote in Darmstadt …

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Arbeitszeit

Blasen an den Händen

Die Sonne knallt von einem strahlend blauen Himmel aufs unser Vordeck, der Schweiß fließt, zwei Blasen an den Händen bluten und die letzten Meter ziehen sich wie Gummi.

Leicht soll es sein, wenig wiegen soll das Vorschiff, um elegant durch die Wellen zu gleiten. Nach dem Eintauchen in die Welle soll das Vorschiff mit seinen schmalen Rumpfspitzen und dem wenigen Auftriebsvolumen möglichst schnell wieder auftauchen. Das ist der eigentlich Grund, warum man zwischen den Rümpfen die großen Trampoline montiert hat, denn die wiegen nichts, also fast nichts. Unsere beiden großen gewebten Kunststofftrampoline wiegen gerade mal 10 Kilogramm und sind jeweils ca. 13 Quadratmeter groß, eine schöne Fläche, direkt über dem blauen Meer, die zum Verweilen einlädt, oder auf der man die großen Vorwindsegel für den Gebrauch klarieren kann.

Hier nagte der Zahn der Zeit

Leider sind die Trampoline permanent, wenn sie scheint, den schädlichen UV-Strahlen der Sonne ausgesetzt, daher gibt es mit der Zeit in der gewebten Kunststoffoberfläche immer wieder mal kleine Beschädigungen oder Risse. Die kann man mit Takelgarn oder einer dünnen Leine wieder reparieren, aber den Verfall des Trampolins kann man nicht aufhalten, und immer mehr Stellen reißen. Ein Trampolin hält für gewöhnlich vier Jahre durch, dann muss es durch ein Neues ersetzt werden.

Wir haben unsere neuen Trampoline vor der Abreise bei Outremer bestellt und auch die neue Leine, mit der sie befestigt werden sollen. Mit Max hatten wir einen starken Helfer an Bord, der mich tatkräftig bei dieser Herausforderung unterstützen sollte.

Sollen wir da nicht lieber ein Schwimmbad einbauen?

Wie so oft vor größeren Arbeiten, hat sich bei mir schon ein paar Tage vorher eine gewisse Nervosität eingestellt, da ich nicht der geborene Handwerker bin.

Vor drei Tagen war es dann soweit, ab 15 Uhr wurde gearbeitet. Am Abend vorher wurde das neue Trampolin in einem mit Wasser gefüllten alten blauen Fass eingeweicht. Das Raustrennen des ersten Trampolins ging zügig voran, dann wurde es kniffliger.

Vorgespannt sieht es immer noch klein aus

Denn das eingeweichte Ersatzteil füllte nur etwas mehr als die Hälfte des leeren Zwischenraumes aus, und wir schauten uns alle etwas verdutzt an und fragten uns, ob wir die richtige Trampolingröße geliefert bekommen hatten.

Zum Glück hat Wes von Catlanza uns ein paar Tipps gegeben, wie man durch den Einsatz von Winschen, Fallen und gespannten Hilfsleinen das Trampolin vorspannen und zentrieren kann. Und Max hatte mit den mitgebrachten, einen halben Meter langen Kabelbindern, genau das richtige Hilfsmittel dabei.

Nach eineinhalb Stunden Arbeit war das kleine Trampolin schon bedeutend größer und auch mittig mit gleichen Abständen zu den Seiten zentriert.

Das endgültige Befestigen ist harte Arbeit

Es musste jetzt nur noch mit dem 5 mm starken Leine eingewebt und weiter zu den Seiten gespannt werden.

Eine anstrengende Tortur, mit drei Schlingen an jedem Loch, dem kräftigen Zug danach, der erhalten bleiben musste, bis die Leine am nächsten Loch eingewebt war.

Nach fast sechs Stunden – einer gefühlten Ewigkeit – waren wir und das erste Trampolin geschafft.

Geschafft!

Zumindest mir tat am Abend von den seltsamen Arbeitspositionen und Anstrengungen alle Körperteile weh, die möglich sind, die Knie, der Rücken, die Schultern und die blutenden Hände …

Da ein Katamaran nicht nur zwei Rümpfe und zwei Motoren, sondern auch zwei Trampoline hat, mussten wir gestern nochmal ran.

Das Verfallsdatum für die jetzt noch neuen Trampoline steht auch schon fest …

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Ausflüge

Entspannter Damenschwatz unterm Gennaker

Eigentlich wollten wir am Sonntag mit Nelleke, die am Vortag mit dem Flugzeug aus Holland angekommen ist, nach Teguise zum Sonntagsmarkt fahren. Volker sagt noch, dass er abwäscht, damit wir drei Damen direkt los kommen. Ulrike macht sich schon mal Stadt-, nein Markt-fein, aber dann kommt plötzlich des Käpt’ns Stimme aus dem Off: „Heute ist ein schöner Segelwind, wir gehen segeln. Ulrike, ruf Deine Freunde an, ob sie Zeit haben.“

Die Sonne steht schon tief, als wir zurückkehren

Und sie sind ganz spontan, fünfzehn Minuten später steht die Familie mit einer Flasche Cava und Snacks vor dem Liegeplatz der Hexe. Mit Gennaker fahren wir vor dem Wind zum Strand vor Papagayo, genießen das Schwimmen, einen kleinen Imbiss zum Mittag, und die Ruhe am Ankerplatz, obwohl hier natürlich auch ein paar Boote vor Anker liegen, unter anderem die beiden Catlanzas aus unserem Hafen. Zurück müssen wir gegen den Wind kreuzen, aber auch das gefällt der Familie, dass es mal so richtig schaukelt. Selbst das Putzen im Hafen, um die Salzduschen von dem Boot abzuwaschen, macht vor allem den Kindern richtig Spaß.

Der Skipper wartet auf die Crew

Und am Mittwoch haben wir noch mehr Crew – Verzeihung, Gäste natürlich – an Bord. Unsere Freunde, die nun auch mit ihrem Boot in Puerto Calero angekommen sind, wollen mal schauen, wie sich das Segeln auf zwei Rümpfen so anfühlt. Am Vorabend haben wir in guter Laune zu Volkers Geburtstag verabredet, dass wir einen kleinen Segeltörn zu der Fuerteventura vorgelagerten Insel Los Lobos unternehmen. Pünktlich um zehn Uhr stehen alle bereit: Leinen los!

Die Herren müssen arbeiten

Wieder starten wir mit Gennaker, bis der Wind so weit auffrischt, dass wir das bunte Segel bergen müssen. Erst vier Seemeilen vor Los Lobos können wir es noch einmal ausrollen, dann sind wir auch schon am Ankerplatz angekommen.

Diesmal ist es leider nicht so warm, deshalb mag niemand schwimmen, aber Volker grillt Schweinelendchen, weiße Bratwürste und eingelegte Gambas. Da wir ja so früh aufgebrochen sind, hat niemand richtig gefrühstückt, sodass wir alle ordentlich Hunger haben und uns mit Grillgut, Käse und Brot entsprechend die Bäuche voll schlagen.

Auf zur Dinghy-Fahrt

Nach dem Essen möchte eins der Mädchen mal im Dinghy fahren, am liebsten ganz schnell, Volker tut ihr den Gefallen, er mag das ja auch gerne. Anschließend geht es wieder los, denn auf dem Rückweg müssen wir ja wieder kreuzen, weil der Wind genau aus Puerto Calero kommt, und da dauert es schon ein bisschen länger. Aber bei ruhiger See und schönem Wind macht das allen Spaß, auch Hund Nelli liegt entspannt auf dem Sofa.

Dank an Elke für die Fotos!

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Der Hexenstich

Am Ende ist auch der Skipper zufrieden mit der Arbeit der Hexen…

Schon lange hat sich der Skipper gewünscht, dass ich ihm eine Tasche für die Reserve-Segellatten des Großsegels nähe. Nun brauchen wir dazu einen möglichst UV-beständigen Stoff, der außerdem zumindest wasserabweisend ist. Die längsten Segellatten sind fast sieben m lang, das bedeutet, man muss mehrere Stoffbahnen aneinander nähen, sichere Nähte machen, damit keine Latten den Stoff zerstören, also eine echte Herausforderung an “Nähnomaden”.

Nur ein Bruchteil der Auswahl

Nun ist ja glücklicherweise Ulrike noch bei uns, sodass wir zwei Frauen gemeinsam über die beste Methode, die sauberste Naht – damit keine der unterschiedlich langen Latten sich innen in der Tasche verhakten kann –  und die einfachste Nähmethode grübeln können. In dem Stoffgeschäft „El Kilo“ in Lanzarote werden wir schon mal fündig und kaufen einen schönen  hellen Bezugsstoff. Dieser Laden ist sensationell, hunderte von Stoffbahnen aus allen möglichen Fasern, in allen möglichen Farben und mit den unmöglichsten Mustern versehen lagern hier. Die dort arbeitenden Damen kennen jede Ecke, laufen durch die Gänge und greifen zielsicher den gewünschten Stoff heraus. Drei Meter breit liegt der von uns ausgesuchte UV-beständige hellbeige Stoff, das ist gut, denn die große Breite spart uns einige Nähte. So reicht uns ein Meter des Stoffes, und zufrieden ziehen wir ab.

Zuschneiden am Cockpit-Tisch

Mit List und Tücke überlegen wir, wie man am besten gerade Bahnen schneiden kann, ohne Zuhilfenahme von großen meterlangen Linealen. Glücklicherweise hat unser Cockpit-Tisch in der Mitte eine kleine Holzleiste über die ganze Breite, das wird unser Hilfslineal. Fast perfekt schneiden wir so drei Bahnen à 25 cm des drei Meter breiten Stoffes, und wollen mit meiner Bord-Nähmaschine frisch ans Werk gehen.

Doch, oh Schreck!, die Maschine hat sich irgendwann zwischen Hoorn und Lanzarote verschluckt, und will nicht vorwärts nähen. Im Rückwärtsgang geht alles gut, aber wenn es normal nach vorne gehen soll, näht sie in winzigen Stichen rückwärts. Da ist die Enttäuschung erstmal groß, hatten wir doch gedacht, dass wir am Dienstag, nachdem uns Carl-Martin in Richtung Amsterdam verlassen hat, die Aufgabe locker bewältigen können.

Aber glücklicherweise kennt Ulrike hier auf Lanzarote wahrscheinlich mindestens jeden dritten Einwohner der Insel, und so ist schnell über das entsprechende Beziehungsnetz ein Laden gefunden, der Nähmaschinen nicht nur verkauft, sondern auch reparieren kann. Außerdem hat Ulrike eine gleiche Singer-Nähmaschine zuhause, die wir während der Reparatur benutzen können.

Der wunderbare Nähmaschinenladen in Arrecife

Am Mittwoch Vormittag fahren wir nach Arrecife, um die defekte Maschine abzugeben. Wir kommen in ein Geschäft, das, laut Aussage eines hiesigen Freundes, so aussieht, als gäbe es ihn bereits 100 Jahre. Die Besitzer sind ein älteres Ehepaar, die unsere einfache Singer kritisch beäugender, aber ich versuche zu erklären, dass wir sie ja „nur“ auf unserem Boot benutzen, und dass sie dafür durchaus ausreichend ist.

Die “richtige” Singer

Naja, der freundliche Herr erklärt sich dann doch bereit, die Maschine zu reparieren, meint aber, die schöne ältere Singer mit wahlweise Fußantrieb oder elektrisch könne man doch auch gut auf einem Boot mitnehmen.

Wir haben auf Ulrikes Maschine gestern Nachmittag den Schonbezug für die Segellatten fertig gestellt.  Drei lange Stücke haben wir mit einer sauberen Jeansnaht aneinander  genäht, dann hatten wir eine neun Meter lange Bahn.

Hexenzickzack

Um diese jetzt zu einer stabilen runden Hülle zu schließen, haben wir uns den „Hexenstich“ ausgedacht: mit Zickzacknähten gesäumt, und dann die Zickzacknähte wiederum mit einer Zickzacknaht aufeinander verschlossen. Soviel Zickzack können nur Hexen mit ihrem Hexenbesen…

Warten auf die Drinks im Upper-Deck

Die Enden wollte Volker mit einem Bändchen verschließen, die Latten werden mit Kabelbindern an die Reling gehängt. Zum Schluss waren wir stolz auf unser Werk und konnten mit Eva und Walter vom Nachbarboot, der „Indigo“, ausgelassen feiern.

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