Badetage auf São Miguel

Top-Sehenswürdigkeit von São Miguel: Die Kraterseen von Siete Cidades

Das nächste Sturmtief zieht über den Atlantik heran, dunkle Wolken und südwestliche Winde sind die Vorboten von dem, was bald kommen wird. Obwohl es schon später im Jahr ist, gibt es auf der Tiefdruckautobahn, zwischen Amerika und Nordeuropa, momentan noch keinen Stillstand. Die Temperaturen in Irland, unserem auserwählten Reiseland, fallen nachts noch auf kalte 7 Grad und auch hier, in Ponta Delgada, kann man nur selten von vorsommerlicher Wärme sprechen. Doch die seltenen warmen Momente habe ich, nicht immer ganz freiwillig, für einige Ausflüge ins kühle Nass genutzt.

Der erste Kontakt mit dem Salzwasser war ein Absturz von hoch oben vom Deck ins Hafenbecken. Dabei umklammerte ich noch den Schrubber, weil ich gerade dabei war, das Deck zu putzen, bzw. das Boot zu entsalzen. Der Hintergrund: Der Schnapper mit dem Relingsdraht vom seitlichen Einstieg war zwar eingehakt, aber verkehrt rum, und als ich mich leicht daran anlehnte, gab der Schnapper plötzlich nach. So gab es einen unfreiwilligen, aber Gott sei Dank folgefreien Abgang vom Boot ins Hafenwasser.

Der nächste Badetrip war zwar eher spontan, aber mit Absicht. Wir sind über die Insel gefahren, und es gibt hier neben den wunderschönen Orten, den romantischen Kraterseen und anderen Sehenswürdigkeiten, auch wunderbare Naturschwimmbecken, die bei Flut mit frischem Meerwasser gefüllt werden.

Da konnte ich mich nicht mehr zurückhalten und bin in zwei besonders schöne Becken reingesprungen, in Mosteiros, am nordwestlichen Zipfel von São Miguel. Danach ging es dann über Ribeira Grande, mit einem Ausflug ins tolle historische Stadtzentrum, weiter nach Furnas.

In Furnas gibt es warme Schwefel-Quellen, mit lockenden 39 Grad. Da konnte sich selbst die Capitania nicht mehr zurückhalten, und nachdem wir zwei Tickets online gebucht haben, (es gibt keinen normalen Kartenverkauf, schöne neue Welt?) genossen wir das wohltuend warme, leicht schweflig riechende Wasser. Nach einer Stunde waren wir zart angegart und müde. Es war Zeit zur Rückfahrt zu unserer Hexe.

Es grünt und blüht auf San Miguel, der Wahnsinn, mediterranes Klima, gepaart mit häufigen Regenfällen. Bäume, Sträucher und Blumen, so eine verschwenderische Vielfalt und Fülle an Vegetation haben wir noch nicht gesehen. Die Straßenränder sind gesäumt von Hortensien, Lilien aller Arten, auch Tagetesbüsche und Papageienblumen wachsen in üppiger Fülle. Die Landschaft ist leicht hügelig, sehr ordentlich, und von Grüntönen dominiert, nur auf den saftigen Weiden stehen hunderte schwarzweißer Kühe. Wer das erleben will, muss nicht unbedingt mit dem Boot hierher kommen. São Miguel ist die Hauptinsel der Azoren und wird von vielen Flughäfen aus angeflogen.

Der Yachthafen ist eingebettet in einen Industriehafen, dicht beim Zentrum von Ponta Delgada Stadt und ziemlich schwellig. Dauerlieger nutzen Altreifen als Ruckdämpfer. Zudem ist der Lärm von den Fracht- und Militärschiffen, sowie die Abgasbelastung, enorm. Wer Ponta Delgada mit frischer untoxischer Atlantikluft assoziiert, ist auf dem Holzweg. Gestern war der ganze Aufbau unseres strahlend weißen Kats mit Rußpartikeln überzogen, eine schöne Sauerei, fast so wie in Santa Cruz de Tenerife.

Ob wir bald weiter Richtung Norden fahren werden, hängt natürlich wie immer vom Wetter ab. Die Vorhersagemodelle widersprechen einander.

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Insel, die aus Träumen geboren …

… so singt Roland Kaiser über Santa Maria. Der Text geht ein wenig schnulzig weiter, aber der Schlager „Santa Maria“ ist ja schon 1980 auf die Welt gekommen.

Sieben schöne Tage hatten wir auf dieser Insel. Mit einem großen Hallo wurden wir von Jens und Martina von der SY Maje, sowie von Lloyd, dem Hafenmeister, auf der südlichsten Azoreninsel empfangen. Santa Maria ist ein kleines vulkanisches Eiland, mitten in der großen Weite des atlantischen Ozeans. Und doch ist es eine besondere Insel, mit sanft-hügeligen Landschaften, die uns an Schottland erinnern.

Doch bevor wir weiter von Santa Maria berichten, wollen wir erst einmal das Wiedersehen mit Jens und Martina und Günter und Monika feiern. Es ist doch schön, wenn die Wege mit befreundeten Seglern sich wieder kreuzen, man gemeinsam in Erinnerungen schwelgen kann und das Gefühl von Vertrautheit sich einstellt. Und auch neue Segelfreunde haben wir gefunden, Regula und Thomas aus der Schweiz waren beim gestrigen Champagne-Friday dabei. Die Crew der Maje wird den Sommer auf den Azoren verbringen, während Günter und Monika, wie wir, auf ein Wetterfenster warten, um weiter in Richtung Irland zu segeln.

Günter hatte für die Folgetage ein Auto gemietet, und gemeinsam mit den beiden haben wir eine mehrstündige Inselrundfahrt gemacht, bei der wir Altbekanntes vom letzten Santa Maria Besuch erneut angeschaut und auch neue Highlights wie den Wasserfall am Ostende der Insel entdeckt haben.

Als Ergänzung zu dem Besichtigungsprogramm mit dem Wagen haben wir beide uns an einem Nachmittag in unser Schlauchboot gesetzt und sind an der Steilküste vor dem Hafen entlang gefahren. Dabei sieht man wirklich beeindruckende Felsformationen, die von Lavaströmen und erkaltetem Stein geprägt sind.

Santa Maria ist ein Idyll, das aufgrund des kleinen Hafens und des auch nicht ganz so großen Flughafens vom Massentourismus verschont geblieben ist. Nur an einem Tag in der letzen Woche kam ein kleines Kreuzfahrtschiff, die Hanseatic Nature, mit 180 Passagieren an Bord, die vor dem Hafen ankerte. Die Kreuzfahrer wurden mit Zubringerbooten an Land gebracht. Nach 16 Uhr war das kurzfristig emsige Treiben im Hafen schon wieder Geschichte, und die bekannte Ruhe zog ein. Wir haben die wesentlichen Sehenswürdigkeiten von Vila do Porto angeschaut, und waren begeistert von einer Ausstellung über das Schuhmacherhandwerk der Insel.

Apropos Ruhe, der Hafen mit seinen Mauern und Kais wird gerade gegen zukünftige Stürme gewappnet. Vor den Außenmolen werden riesige Steine platziert und im Innenhafen werden die Molensteine lautstark mit Bagger umgeschichtet. Das sieht aus, als ob da ein riesiger Greifarm an der Böschung Tetris spielt. An unserem Liegeplatz, am Kopf des Stegs, bekommen wir den meisten Lärm ab, ein Umstand, der nicht zu ändern ist. Die Abende, verbringen wir meistens zusammen mit den Freunden, in geselliger Runde.

Vorgestern hat Cornelia mich hoch in den Mast gezogen, nicht, weil ich mich schlecht benommen habe, ein Riggcheck stand auf dem Programm. Alle Wanten, Stage, Fallen und Halterungen sahen gut aus, nur die Edelstahlteile wiesen einen leichten Anflug von Flugrost auf. Also ging es noch ein zweites Mal den Mast hoch, und mit Edelstahlpolierpaste und Zahnbürste rückte ich dem Bösewicht zu Leibe. Ein freundlicher Regenschauer hat in einer Nacht den letzten Saharastaub aus Mast und Fallen gewaschen. Somit ist das stehende und laufende Gut wieder tiptop.

Jeden Tag schauen wir nach den aktuellen Wettermodellen für die anvisierte Reise nach Irland, um dann aufs Neue sehen zu müssen, dass der Wind im Norden noch immer mit bis zu 40 Knoten weht, und die See in der Nähe von Irland mit 6-8 Meter hohen Wellen, ab dem kommenden Wochenende, für uns unpassierbar wird. Das korreliert mit den doch recht kühlen Temperaturen, die hier auf den Azoren vorherrschen.

Jens hat mir sehr beim Entlüften der Dieselheizung geholfen. Im Warmwasserstrang war wohl eine große Luftblase, die sich vor dem Lüfter in der Eignerkabine angestaut hat.

Heute hat uns früh am Morgen die Reiselust gepackt, und wir haben die Leinen losgeworfen. Ziel ist Ponta Delgada auf San Miguel.

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Ein Sommer im Norden, Etappe 2, Tag 3

Samstag, 11. Mai 2024 abends, auf See,
Ankunft in Vila do Porto, Santa Maria, Azoren 11:00 Uhr
Baro 1025, bedeckt, Wind 6-8 kn, die See unter 1 m
Etmal um 11 Uhr 125 sm, gesamte Strecke 469 sm

Ich hab bisher immer Etappe 1 geschrieben, das ist natürlich falsch, weil die Etappe 1 von Lanzarote nach Madeira ging. Jetzt ist es korrigiert!

Flaute!

Die See ist ganz ruhig, und leider müssen wir auch motoren, aber damit haben wir gerechnet, als wir aufgebrochen sind, wir wussten, dass wir in die Flautenzone des Azorenhochs kommen würden, der Diesel muss ja auch mal verbraucht werden, sonst wird er schlecht. 

Zum Abendessen gibt es vom Chef selbst gemachte „Semmelnknödeln“, dazu Rotkraut und Schweinelendchen in dunkler Pilzsauce, was soll ich sagen, mal wieder: „Lecker!“

Danach folgte ein ausgiebiges Telefonat mit unserer Enkelin Zoey, Mama Allegra hatte gestern ein Video geschickt, in dem Zoey mir ihrer Schwester in einem selbst gebastelten Boot, ich würde es „Pipi-Langstrumpf-Segler“ nennen, die Leinen loswirft, und das Boot ablegt. Vielleicht eine neue Seglerin in der Familie?

Um 08:30Uhr sehe ich, dass ein großes Passagierschiff, die „Hanseatic Nature“ direkt auf Kollisionskurs auf uns zukommt, ein Kreuzfahrtschiff der Expeditisionsklasse von Hapag Lloyd, es fährt nach Funchal, und – natürlich- weicht es, wie auch wir, nach Steuerbord aus.

Ab 22:00 Uhr kehrt die Nachtroutine ein, zuerst schläft der Käpt’n in bisschen auf dem Sofa. Ich versuche derweil mein Glück mit der Kurzwelle. Vor Starlink habe ich immer den Wetterbericht auf langen Strecken per email von PredictWind über die Kurzwelle geholt, manchmal haben wir auch von lieben Funkerfreunden ausführliche Interpretationen der Wetterlage per email erhalten. Da wir mittlerweile mit Starlink einen viel einfacheren Zugang zum Internet haben, und somit auch zu den Seewetterberichten, wurde bei uns an Bord diese Form der Information über die Kurzwelle eher vernachlässigt. Aber was wäre, wenn das Starlink mal kaputt ist??? Leider scheint es einenFehler an meinem Pactor-Modem zu geben, denn dort blinken zwei rote Lichter, die da nicht hingehören. Ein bisschen frustriert gehe ich anschließend in die Kabine, und Volker übernimmt die Wache.

Das Motorsegeln geht leider die ganze Nacht, der Wind ist morgens nur noch 3 Knoten. Das bleibt leider auch so, bis wir bei Santa Maria sind. Als das GPS nur noch sechs Meilen bis zum Hafen anzeigt, bergen wir auch das Großsegel. Laut Hafenmeister Lloyd ist unser Platz am Kopf des ersten Stegs frei, Jens und Martina von der Maje wissen Bescheid, Günther und Monika von der Hugin sollten auch eingetroffen sein. Das klingt nach einer guten Party heute Abend!

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Ein Sommer im Norden, Etappe 2, Tag 2

Freitag, 10. Mai 2024 abends
Baro 1020, kleine Wölkchen am Himmel,Wind 13 kn, die See höchstens 1 m

Sonnenuntergang, immer wieder ametwas besonderes auf See

Sonnenuntergang war um 21:18 Uhr, jetzt, um 22:05 Uhr ist immer noch ein Lichtschein am Himmel zu sehen. Zum Abendessen gibt es Carbonara (ohne Coca-Cola), lecker wie immer, wir haben alles aufgegessen. Direkt nach dem Abspülen wird das Großsegel ausgerefft, ebenso die Genua.

Unser blinder Passagier mag das gar nicht, wenn wir irgendetwas an den Segeln machen. Wenn es laut wird, fliegt sie immer auf, bisher hat sie jedesmal danach einen Platz gefunden. Wir würden ihr ja auch mal ein bisschen Wasser hinstellen, aber sie sitzt immer an den unmöglichsten Plätzen, und ist sehr scheu, das ist bestimmt eine Wildtaube.

Samstag, 11. Mai 2024
Baro 1024, Sonne-Wolken-Mix, Wind 8 – 10 Knoten, die See unter 1 m

Ein neuer Tag

Wir konnten die ganz Nacht durch segeln, der Wind blieb stabil nicht unter 10, eher 12 Knoten, hat auch gerade noch durchgehalten bis zum Frühstück um 11 Uhr, aber danach geht die Windgeschwindigkeit runter auf 6 Knoten, und der Windeinfallswinkel fällt unter 50°. Ab Mittag ist es flau – wie vorhergesagt – der Motor wird gestartet, und schiebt mit.

Unsere Taube ist tatsächlich immer noch da, Volker hat ihr ein paar Brotkrümel hingeschüttet, aber die hat sie nicht angerührt. Hinten auf den schrägen Solarpaneelen können wir ihr auch kein Wasser hinstellen, das würde sofort von der schrägen Fläche ins Meer rutschen. Ich habe sie Nora getauft, weil – wie ich gelesen habe – der Name „anders“ oder „fremd“ bedeutet. Sie ist so menschenscheu, dass sie, als ich mich nur dem Solarpaneel genähert habe, sofort rückwärts gegangen ist. Wir wollen sie ja nicht wieder aufscheuchen, vielleicht hält sie ja durch bis morgen, und kann als madeirischer Flüchtling einen neuen Wohnsitz auf Santa Maria beantragen …

Hier an Bord ist Routine, schlafen, lesen, essen, Film gucken, ab und an mal den Kurs korrigieren, solange wir gesegelt sind, jetzt fällt das weg. Volker hatte bereits alles vorbereitet, um den Code Zero zu setzen, aber der Wind, bzw. der nicht mehr vorhandene Wind, hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dabei hätten wir doch so gerne das neue Segel hochgezogen.

Etmal um 15:00 Uhr 168 sm

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Ein Sommer im Norden, Etappe 2, Tag 1

Donnerstag, 9. Mai 2024
Calheta / Madeira 15:00, 465 sm liegen vor uns
Baro 1015, sonnig, Wind am Hafen 2 kn, am Ende der Insel 19 kn, die See ca. 1-1,5 m

Die Palette möchte man nicht treffen!

Nach unseren Ausflügen auf der schönen Insel Madeira legen wir heute ab in Richtung Santa Maria. Die Windprognosen sind günstig, bei einem vorhergesagten Windwinkel zwischen 60° (bis Freitag Abend) und 80° (bis Samstag Nacht), sollten wir es gut schaffen, im Hellen auf Santa Maria anzukommen. Vorräte haben wir genügend an Bord, Fleisch ist in der Kühltruhe, Gemüse und Obst im Kühlschrank, und auch Brot, Butter und Eier sollten uns nicht ausgehen.

Zwanzig Minuten nach der Hafenausfahrt steht das Großsegel, noch müssen wir motoren in Lee der Insel. Aber kaum sind wir an der westlichen Ecke, schon sehen wir weiße Pferdchen, Schaumkronen auf dem Wasser. Dort kommt viel Wind, das Großsegel wird erst einmal auf Reff 1 eingebunden. Es werden tatsächlich bis zu 20 Knoten Wind, sehr spitz, Die Genua ist mindestens vier Umdrehungen eingerollt.

Chillen

Ab 17:00 Uhr lässt der Wind wieder nach, nun sind es nur noch 8-10 Knoten, zuerst wird die Genua voll ausgerollt, dann auch Reff 1 aus dem Großsegel ausgeschüttet. Als der Skipper von seiner Ausruhzeit erwacht, wird der Windwinkel so spitz, dass wir 20 Grad hätten abfallen müssen. „Nee, das ist nix, da kommen wir zu weit vom Weg ab!“ Also muss der Motor ran, und wir fahren unter Maschine gegenan. Das macht keinen Spaß, muss aber mal sein.

Splash!

Nach dem Abendessen, es gab Pizza, den Teig hatten wir noch aus den Resten der letzten Champagne-Friday-Feiern übrig, trotzdem lecker, überlegt es sich der Wind doch noch einmal. Seit 21:30 Uhr segeln wir wieder, das Reff im Groß ist ausgeschüttet. Mann, das ist wirklich viel angenehmer, auch bei den kurzen Wellen schlägt es längt nicht mehr so, wir segeln auf Kurs 305° mit 55° Windeinfallswinkel von Steuerbord. Nett!

So ähnlich setzt es sich in der Nacht fort, Volker refft irgendwann die Genua zwei Umdrehungen ein, wir kommen gut vorwärts.

Freitag, 10. Mai 2024
Auf See, Baro 2019, Sonne-Wolken-Mix; Wind um 14 kn aus N, die See 1,5 m, Wellenperiode 7 Sekunden

Sonnenaufgang

Um 07:21 Uhr geht die Sonne auf, wir sind auch wach, es gibt Kaffee (für mich) und Obst und Tee für uns beide. Wir haben wieder mal einen blinden Passagier, also hoffentlich ist sie nicht wirklich blind, die kleine Ringeltaube, die es sich auf unseren Solarpaneelen gemütlich gemacht hat.

Im AIS sehe ich das Signal von einem französischen Segelboot, das ist bestimmt die OKoume mit Regula und Thomas aus der Schweiz. Sie sind gestern ein paar Stunden vor uns los gefahren, aber es war klar, dass wir sie überholen würden, ihre RM ist ein viel kleineres Boot als unsere Hexe. Wir reden kurz über Funk, und geben den aktuellen Wetterbericht durch.

Intermar-Konferenz bei Echolink

Um 08:00 Uhr UTC probiere ich mein Glück mit der Intermar über Kurzwelle zu funken, aber da ist nur ein fernes Rauschen zu hören. Ich probiere es über Echolink, das ist die Internet-Version der Intermar-Funkrunde, dort verstehe ich alles glasklar, über Funk waren meine Rufe auch nicht zu hören, keiner hat reagiert. Fritz aus Schweden und der heutige Netcontrol Klaus-Dieter (wir haben vor Jahren zusammen die Prüfung zur Amateurfunk-Lizenz abgelegt) erklären im Echolink nachher noch, dass die Ausbreitungsbedingungen im Moment sehr schlecht sind. Na gut, dann probieren wir das morgen eben noch einmal.

Kurz nach dem Frühstück frischt der Wind auf, das freut uns, denn so werden die Meilen gefressen. Aber um 12:20 Uhr muss Reff 1 ins Großsegel, der Wind hat noch weiter aufgefrischt, auf 18 Knoten, das ergibt bei unserem Kurs hoch am Wind eine scheinbare Windgeschwindigkeit von deutlich über 20 Knoten, und ab eben dieser Zahl soll Reff 1 ins Großsegel, laut der Tabelle, die wir von Outremer bekommen haben. Es fühlt sich auch gleich besser an, das Boot schwankt nur noch wie ein buckelndes Pferdchen und nicht mehr wie ein gereizter Stier beim Stierkampf. Die schlagenden Segel beim Reffen haben unsere kleine Taube offensichtlich erschreckt, sie ist ganz aufgeregt ums Vorstag herum geflogen. Mal sehen, ob sie noch einmal wieder kommt.

15:00 Uhr: Vor 24 Stunden sind wir los gefahren, das Etmal beträgt 174 sm, die Logge zeigt nur 151 sm an, aber gemessen von unserem jetzigen Punkt auf der Seekarte sind es 174. Noch 293 sm bis Santa Maria.

Der Skipper und sin Fru
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Madeira

Eins noch am Rande, Madeira konnte man förmlich riechen, bei der Annäherung von See aus. Ein leicht torfiger Geruch, dazu etwas Feuchte, gerade soviel, dass es nicht unangenehm ist.

Jetzt liegen zwei Tage mit einem intensiven Besichtigungsprogramm hinter uns. Gestern fuhren wir in den Inselnorden, über die hohen Bergkämme, durch den Nebelwald bis zur Westküste. Beeindruckend, die Vegetation, sei es bei den Bäumen, den unzähligen blühenden Blumen, oder dem wuchernden, so bisher noch nicht gesehen Farn am Wegesrand. Das Ganze garniert mit Wasserfällen, die sich aus höchster Höhe in die tiefen Schluchten oder direkt ins Meer ergießen. Mal brausend laut, mal plätschernd leise, eine Freude fürs Auge und die übersprießende Natur.

Auf 1.240 Meter, mitten im Dunst, haben wir den höchsten Punkt der Rundfahrt erreicht; in Porto Moniz konnten wir die Naturschwimmbecken bewundern, die auch Inhalt eines jeden Reiseführers von Madeira sind. Zu Recht, obwohl bei den Becken in Porto Moniz der Mensch doch recht kräftig,mit der einen oder anderen Absperrmauer mitgeholfen hat, damit das Wasser ausreichend hoch in dem Vulkangestein zum Baden einlädt. Es gibt aber in zahlreichen anderen Orten an der Westküste naturnähere Becken, die zudem touristisch nicht so überlaufen sind. Wer sucht, der findet.

Nach Porto Moniz haben wir noch ein paar ausgedehnte Zwischenstopps in Seixal, Sao Vincent ind Ribeira Brava eingelegt. Bilder sollen hier mehr als Worte sagen.

Nach fünf Stunden fahren, wandern und bewundern, ist die Grenze der Aufnahmefähigkeit erreicht.

Heute früh ging es dann zum östlichen Teil der Insel, nicht ganz ohne Diskussion mit der besten Navigatorin der Welt. Eigentlich war ich schon mit den Gedanken bei der Weiterreise zu den Azoren und wollte los schippern. Aber den Kampf habe ich schon verloren, ohne ihn richtig begonnen zu haben. Um 9.30 Uhr waren wir on the Road, am östlichen Zipfel gibt es ein Walfangmuseum. Der Walfang ist, bzw. war mit Madeira sehr eng verknüpft. Das Museum bietet einen tollen Rundgang durch diesen Teil der Geschichte an, man trägt ein Audiogerät mit sich rum und viele historische Dokufilme hinterlassen ein eindrückliches Bild vom damaligen harten Leben der Madeiraner und dem traurigen Schicksal der prachtvollen Meeressäuger.

Der nächste Besichtigungspunkt war mega touristisch, aber doch sehr schön. Über den Dächern von Funchal, liegt der wundervolle botanische Garten mit seinem alten Baumbestand, dem überschwänglichen Blumenreichtum und thematischen Akzenten, wie z.B. dem japanisch angelegten Parkteil.

Zufälligerweise haben wir genau neben dem botanischen Garten einen Parkplatz für unseren kleinen Fiat Panda bekommen und der Rückweg führte die gleiche Straße hinab, auf der auch die Touristen in den offenen traditionellen Holzschlitten hinabrutschen, geführt von zwei versierten Führern.

Seit 15 Uhr sind wir wieder segelnd unterwegs. Ein neuerlicher Besuch auf Madeira steht für den kommenden September auf dem Plan, es hat uns sehr gut auf dieser schönen Insel gefallen. Für die kommenden Tage bis zu den Azoren, wie gewohnt, die Capitania unseren Blog mit ihren Live-Beiträgen füllen. Wir freuen uns auf die Segelzeit.

Ein letzter Wasserfall verabschiedet uns
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Angekommen auf Madeira

Montag 6. Mai 2024

auf See, Baro unverändert 1015, mal bewölkt, mal sonnig, Wind zwischen 9 und 15 Knoten, Etmal 13 Uhr ca. 170 sm

Die Nacht war angenehm, Volker hat die Genua ein bisschen ausgerefft, dann auch Reff 2 aus dem Großsegel geholt, am Morgen haben wir zusammen Reff 1 ausgeschüttet und segeln seitdem mit vollem Großsegel und einer ab und zu ein- oder wieder ausgerefften Genua Madeira entgegen.

Schnell schnell Isabell, nee Hexe

Der Windwinkel wird immer angenehmer, während er am frühen Morgen noch 70° war, wurde es gegen Mittag immer besser, der Wind drehte, sodass wir einen Windeinfallswinkel von 100-120° bekamen. Bei Windgeschwindigkeiten von um die 15 Knoten wird die Hexe richtig schnell. Und die See hat sich beruhigt, die ruppigen Wellen sind weg, das Segeln wird viel angenehmer.

Volker inspiziert wieder einmal den Motorraum auf der Steuerbordseite, er findet ein bisschen Diesel, und keinen Hinweis darauf, wo der herkommt. Das Fluchen war erstaunlich leise. Das war aber noch nicht alles für heute.

Der Hydrogenerator fängt manchmal Sargasso-Gras ein, das blockiert dann die Schraube, und wir bekommen weniger Strom. Wir merken das besonders, wenn die Sonnenpaneele auf dem Geräteträger vom Großsegel verdeckt werden, oder es zu viele Wolken gibt. So begibt sich Volker oft mehrmals am Tag auf die Backbord-Badeplatform, an der der Wassergenerator befestigt ist, hebt den Schaft mit einer dafür vorgesehenen Leine an, zuppelt das Gras raus, und lässt ihn wieder ins Wasser gleiten. Diesmal aber höre ich wieder einen der berühmten Ausdrücke, denn diese Leine zum Hoch- und Niederholen hat sich losgemacht. Volker muss also den ganzen Hydro-Generator von der Halterung abmachen und an Deck holen, um die Leine neu festbinden zu können.

Ich bin da sowieso immer ein bisschen unruhig, weil die Wellen bei der schnellen Fahrt immer mal die Plattform überspülen, und das Boot sich natürlich auch heftig bewegt. Wenn Volker noch das schwere Ding da über die Stufen hoch trägt, das gefällt mir garnicht. Aber er knotet ganz souverän die Leine wieder an, prüft, ob alle Leinen und Kabel am richtigen Platz sind, bringt das Monster die Stufen wieder hinunter und befestigt es in der Halterung. Zum Glück sitzt der Knoten richtig, und der Arm des Generators mit der Schraube kann wieder ins Wasser gelassen werden. Voller Vorfreude gehen wir am MPPT-Controller nachschauen, ob es funktioniert, und sind arg enttäuscht, dass es dort komisch blinkt, und der Hydro nicht lädt. Bis uns auffällt, dass die Batterien voll sind, und nicht weiter geladen werden können. Später funktioniert wieder alles einwandfrei.

Es blinkt falsch

Waren wir zu dem Zeitpunkt noch am Überlegen, ob wir nicht ein Reff ins Großsegel binden sollten, die Genua war schon mit drei Umdrehungen verkleinert, so mussten wir doch später für ca. 20 Minuten den Motor mitlaufen lassen, weil der Wind deutlich unter zehn Knoten fiel und weiter raumte, da schaukelte selbst unsere Hexe nur noch in den Wellen und kommt sehr langsam voran. Aber seitdem läuft sie wieder gut, wir segeln mit gemütlichen 7,5 Knoten über ein flaches Meer. Es ist 23 Uhr und noch 24 Seemeilen bis Calheta.

Am Abend um 20 Uhr bekommen wir Besuch von einer kleinen Schwalbe, sie sitzt einfach im Salon auf am Fenster, hat Volker sie nach draußen gebracht, und sie fliegt immer um unser Vorstag herum. Kurz vor dem Hafen findet er sie im Cockpit und denkt, sie sei tot, aber als er sie aufhebt, schlägt sie mit den Flügeln und hat wohl nur geschlafen. Danach hat sie sich auf den ungünstigsten Platz verzogen, unterhalb der Stufen zum Steuerstand, wir mussten andauernd aufpassen, dass wir sie am Ende nicht noch zertreten.

Die Lichter von Madeira

Am Dienstag, 7. Mai 2023 laufen wir um 02:20 in den Hafen von Calheta ein. Volker meistert die enge Hafeneinfahrt souverän, und auch das Anlegen am Kopf von Steiger B klappt reibungslos. Der ganze Törn war ungefähr 300 sm lang, wir haben 37 Stunden dafür gebraucht, das ergibt einen Schnitt von 8,1 Knoten, not bad!

Als die Hexe gut vertäut liegt, bringt Volker die kleine Schwalbe an Land, und sie fliegt einfach grußlos weg. Aber heute Morgen sind drei Schwalben über uns weg geflogen, vielleicht war sie dabei …

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Am 2. Tag wird uns auch nicht langweilig

Sonntag, 5. Mai 2024

leicht bis voll bewölkt, Wind zwischen 14 und 20 Knoten, die See unverändert 1,5 bis 2 m, Tagesmeilen von Start heute Mittag bis Mitternacht 73 sm

Wir segeln weiter einfach so dahin, mal ein bisschen anluven, mal ein bisschen abfallen, bei einem Windeinfallswinkel von ca. 50° und Windgeschwindigkeiten von um 17 Knoten. Die Wellen bleiben weiterhin sehr kurz und ruppig, aber insgesamt besser als in den ersten Stunden. Ab und zu wird die Genua ein Stückchen ein- oder wieder ausgerollt, je nach Stärke des Windes. Wir wechseln uns ab mit kurzen Schläfchen, wobei ich am Nachmittag einen größeren Teil davon abbekommen habe, während Volker höchstens mal eine halbe Stunde in Morpheus’ Armen lag.

Während der Fahrt werden unsere schönen Elefanten-Karten von Künstlerin Claudia durch “Do not forget”-Zettel abgedeckt

Damit das nicht zu langweilig wird, höre ich gegen 20 Uhr den berühmten Schrei!

Was ist passiert? Nun, wir haben gerade mal wieder die Genua um eine Umdrehung gerefft, und alles schien in Ordnung zu sein, da entdeckt Volker, dass an der Schot für das Vorsegel auf der Backbordseite die Ummantelung abgerissen ist. Oh, oh, wenn die Schot reißt, haben wir keinen Spaß.

Aber Volker wäre nicht Volker, wenn ihm nicht sogleich eine Lösung des Problems einfallen würde. Schnell geht er auf die Suche nach einer anderen, mindestens ebenso langen Leine. Davon haben wir prinzipiell genügend an Bord, sie muss nur auch in dem Durchmesser in die entsprechenden Holepunkte passen. Es gibt eine sehr lange Leine, die lustigerweise auch in der gleichen Farbe ist wie die gerissene, aber sie ist ein klein wenig dünner als die alte.

Egal, wir wenden, sodass die Genua auf der anderen Seite steht und mit der Steuerbord-Schot gehalten wird, dann löst mein schlauer Skipper mit dem Messer den Knoten der verletzten Backbord-Schot an der Kausch, die kaputte Schot müssen wir jetzt einziehen, ohne dass sie über Bord fällt und in die Motorschraube kommt. Dann hätten wir nämlich noch ein ganz anderes Problem.

So, und jetzt bindet er die neue Schot ans Schothorn, das Vorsegel wird wieder eingerollt, das Boot zurück gewendet, und auf der richtigen Seite wird die Genua mit der neuen Leine wieder ausgerollt. Nun könnte ja alles in Butter sein, und wir kehren zufrieden an unsere Plätze im Boot zurück. Aber das Problem arbeitet weiter in Volkers Kopf, denn da die neue Schot ein bisschen dünner ist, kann sie unter Umständen durch den Holepunkt rutschen. Es dauert nicht lange, da hat er an der alten Schot die kaputte Stelle mit dem Messer abgeschnitten, geprüft, ob sie immer noch lang genug wäre, und schwupp! wiederholen wir das geniale Manöver. Um 20:40 ist alles wieder, wie es war, und der Skipper zufrieden. Ich bin voller Bewunderung für ihn, die schnelle Reaktion und das super Handling. Hut ab!

Danach gibt es das verdiente Abendessen, Volker kocht eine Bolognese mit viel Gemüse (sehr lecker), dazu gibt es Muschelnudeln, die kann man aus einer kleinen Schüssel essen, sehr praktisch bei Wellen. Anschließend kann Volker ein bisschen schlafen, ehe ich mich für die Nacht nach unten ins Bett verziehe.

Während meiner Wache verfolge seit einer Weile das Schiff Chassela, ein 230 m langer Frachter aus Panama, der auf Kollisionskurs zu uns fährt. Kurz vor einem direkten Treffen, dreht er ein bisschen ab, ich sehe die Steuerbord Lichter, dann ist er vorbei, Volker wach und ich im Bett.

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Kein einfacher Start

Samstag, 4. Mai 2024
Calero 13:15 – Papagayo Ankerbucht 14:50, 10 sm
Sonnig warm, Wind 18 kn aus NO, die See 1,5 m
Log 4.541, Motorstunden Rechts 992, links 980
Diesel getankt Rechts 120 Liter, links 115 Liter, gesamt 319,77 €

Mit Werkzeugen sind wir gut ausgestattet

Nachdem alle unsere Probleme gelöst scheinen, Volker, und Jan the Electrician, und Alberto, der Volvo-Specialist und Felix, der Handwerker für alle Fälle, alle haben nacheinander fast einen ganzen Tag in unserem Motorraum verbracht, haben wir uns von den vielen Freunden in Calero verabschiedet, schließlich werden wir längere Zeit weg sein.

Im Hafen tanken wir noch, denn auf Lanzarote ist das Diesel günstig, denn hier gilt nur 7% Mehrwertsteuer. Und schon geht es los. Wir wollen die Nacht am Papagayo Strand ankern, damit wir morgen früh nur Ankerauf gehen können und nicht alle Leinen und Fender versorgen müssen, ehe es richtig los geht. Außerdem haben wir dann schon mal 10 Seemeilen weniger bis Madeira.

Kaum ist der Anker am Papagayo-Strand gefallen, schon sind Horst und Evelyn von der Lippischen Rose mit dem Beiboot bei uns, denn wir sollen doch zur Philae von Ria und Jan zum Gin&Tonic kommen. Es werden zwei gesellige Stunden, viel Tonic, wenig Gin, aber leckere Pesto mit Schafskäse und Zwieback, ich hatte solchen Hunger!

Der Wetterbericht für morgen ganz früh steht, wir wollen um 04:00 Uhr aufstehen, es wird ein Amwindkurs, die Wellen 1,6 m, im 7-Sekunden-Takt, das ist nicht traumhaft, aber wir werden es probieren. Morgen um spätestens 5 Uhr wollen wir auf dem Weg sein.

Zum Abendessen gibt es Kalbsschnitzel und die letzten Spargelstangen aus der Heimat, dann wollen wir zeitig zu Bett gehen, um morgen früh ausgeschlafen zu sein.

So, das war der langweilige Teil unseres Törns Richtung Madeira, danach wurde es dramatischer.

***

1. Start:
Papagayo 20:00 Uhr, wolkenlos, Wind NO, die See 1,5 m, wahrer Windwinkel m die 50°, 36 sm

Wir warten aber nicht bis zum nächsten Morgen, um 20:00 Uhr segeln wir doch schon los, der Kurs ist 325 °, also NW. Wir haben noch einmal gerechnet und sind überzeugt, dass wir auch mit dem ganz frühen Start doch spät, also im Dunkeln ankommen werden. Wir müssten einen Durchschnitt von acht Knoten segeln, das erscheint uns bei dem Kurs, dem Windwinkel und der Gegenströmung utopisch. Also starten wir einfach am Abend, dann müssen wir uns zwar mit zwei Nächten herumschlagen, aber wir sollten im Hellen ankommen.

Bis zum Leuchtturm Pechiguera, am südwestlichsten Zipfel von Lanzarote, ist es ein Amwindkurs, danach müssen wir weiter anluven auf 325°, das scheint zunächst unmöglich, aber je weiter wir aus dem Schatten der Insel herauskommen, geht auch das. Wir segeln mit Reff 1, das passt gut. Aber plötzlich, gegen 22:00 Uhr, fällt die Hexe dermaßen in die Wellen, es kracht, und man denkt, eben ist was kaputt gegangen, weil der Wind aufgefrischt hat und wir über neun Knoten schnell sind.

Also muss Reff 2 ins Großsegel. Das geht ganz gut, wir sind ja geübt im Einreffen und Ausreffen, leider haben wir kurzfristig einen ekligen Überläufer auf die Winsch bekommen, den Volker doch mit seiner ganzen Kraft wieder herausziehen kann.

Dann aber höre ich, am Steuer stehend, einen lauten Fluch von vorne, das versetzt mich immer in Alarmbereitschaft. Manchmal ist das berechtigt, weil wirklich irgendetwas nicht geklappt hat oder etwas kaputt gegangen ist, manchmal ist es auch nur eine vorübergehende Aufregung. Diesmal aber war das laute Gezeter allerdings mehr als berechtigt.

Wenn unser Großsegel nicht komplett hochgezogen ist, also entweder geborgen oder gerefft ist, fällt es in ein „Lazy Bag“, eine am kompletten Baum entlang befestigte Tuchtasche, deren Außenseite der Länge nach mit Leinen über Umlenkrollen am Mast befestigt ist. Diese Leine war an der Backbord-Seite gerissen, und das gereffte Segeltuch fiel herunter. Oh Schreck! Das kann natürlich nicht so bleiben, denn das Großsegel scheuert bei der unruhigen See auf dem Dach und würde auf die Dauer kaputt gehen. Volker hat Großsegel und Lazy Bag mit Leinen am Baum befestigt, als Provisorium. Zum Reparieren müsste er in den Mast hochgezogen werden, um dort die gerissene Leine wieder zu befestigen.

Nach kurzem Überlegen beschließen wir umzudrehen, die bisher gesegelten 17 Meilen einfach wieder zurück zum Ankerplatz zu fahren, um die Reparatur am nächsten frühen Morgen, bei Helligkeit und wenn der Wind noch schwach ist, auszuführen. Um halb ein Uhr liegen wir fest am Ankerplatz, nach einem weiteren Stöhnen, weil der blöde Anker beim ersten Versuch nicht gehalten hat, und die 60 Meter Kette wieder aufgeholt und erneut abgelassen werden mussten.

***

Sonntag, 5. Mai 2024

2. Start:
Papagayo 12:30, leicht bewölkt, Wind NO 17 kn, See 1,7 m
Log 4574, Motorstunden rechts 995, links 985

Frühstück bei Peter und Irene

Nach einem kräftigen Frühstück, zu dem uns Irene und Peter auf die Zapoli eingeladen haben, brechen wir erneut auf Richtung Madeira.

Bei netten 16 Knoten segeln wir los, dann frischt es immer weiter auf, der Wind bläst mit über 24 Knoten aus Nord. Unseren Kurs von 325° können wir so nicht halten, zunächst fahren wir gerade mal um 300°. Volker hat Reff 2 bereits vorher in das Großsegel eingebunden, und von der Genua ist nur das berühmte Handtuch draußen. Trotzdem wird der Gang zur Toilette wieder zu einer Übung im Bergsteigen, denn das Boot bockt wie der Stier beim Rodeo.

Ab 14 Uhr und zehn Seemeilen weiter raumt der Wind etwas und lässt vor allem nach, jetzt sind es nur noch 16-18 Knoten, und die Genua wird wieder ein Stück ausgerollt. Fortsetzung gibt es morgen.

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Wir warten noch immer auf den guten Wind

Roter Vollmond über dem Hafen

Ja, seit wir zurück auf Lanzarote sind, kommt der Wind von Madeira. Und genau dort wollen wir hin auf unserer ersten Etappe Richtung Norden. Und auch noch weiter nördlich, Richtung Azoren, geben sich die Tiefdruckgebiete die Hand, und bringen leider starken bis stürmischen Wind. Also ist es insgesamt noch etwas früh im Jahr, die Winterstürme sind dem Wonnemond noch nicht gewichen. Dabei würden wir doch jetzt gerne mal aufbrechen, wir lieben zwar unsere Insel sehr, aber ein Boot ist doch eine Mobilie und kein schwimmendes Haus. Naja, ab Ende der Woche sieht es besser aus, wir warten wir es ab, die Wettervorhersagen ändern sich derzeit täglich.

Man sieht leider den Unterschied

Wir nutzen die Zeit nicht (nur) zum Entspannen. Es sind noch ein paar kleine Arbeiten am Boot zu erledigen. „Gelcoat-Sandy“ hat einige kleine Haarrisse im Gelcoat ausgebessert. Außerdem hatten wir im vergangenen Jahr, um den Motor rauszuholen, das Deck ein kleines Stück aufschneiden, weil die Öffnung der Luke nicht groß genug war. Das ist längst professionell repariert, aber es ist unendlich schwierig, die richtige Farbe zu treffen, um das eingesetzte Stück dem Rest des Decks anzupassen. Zuerst wurde nur das neue Stück gestrichen, aber das sah grottenschlecht aus. Sandy hat den Steuerbord Heckspiegel großflächig neu angelegt, aber auch hierbei stimmte die Farbe nicht, wie es am nächsten Tag deutlich zu sehen war. Also hat sie es mit einer minimal anderen Mischung probiert, doch auch das war noch nicht befriedigend. Und beim dritten Versuch passte die Körnung des Gelcoats perfekt, aber leider war die Farbe ein wenig zu grau. What to do?

Das Werkzeug liegt bereit

Volker hat den abgebrochenen Hydraulikanschluss vom Watt&Sea durch einen neuen ersetzt und mit Sikaflex abgedichtet. Zudem haben wir den Haltekorb von einer der beiden elektrischen Lenzpumpen im Motorraum neu eingeklebt. Die Pumpe war nämlich lose und wäre bei einem Wassereinbruch nur aufgeschwommen, anstatt zu lenzen.

Außerdem hatten wir ein paar abgeblätterte Farbstellen an den Aluminiumstützen unseres Bimini. Die hat Volker abgeschliffen, neu grundiert und anschließend wieder elegant mit Farbe überpinselt. Ich durfte immerhin die runden Abdeckungen zum Schutz der Schrauben ausschneiden und aufkleben.

Back to the roots, oder besser gesagt, back to the road:
Diesmal haben wir ein ganz besonderes Auto für die Fahrten auf der Insel. Wes hat uns seinen Land Rover Defender für ein paar Tage geliehen. Ein echtes Offroad-Fahrzeug, das klappert und scheppert, aber damit kann man gut die löchrige Schotterstraße zum Papagayo-Strand fahren. Das haben wir auch getan, es fühlte sich für mich so an, wie die kleinen Nebenstraßen in Bolivien. Staub überall, man kann entweder langsam fahren, um die  Unebenheiten so gut wie möglich zu umgehen, und das Auto zu schonen, oder man nimmt mehr Fahrt auf, auf einer Straße, die einer Wellblechstrecke gleicht, dann rattert es zwar, aber der Wagen fährt quasi von Gipfel zu Gipfel und wackelt insgesamt weniger.

Nur leider war es an dem Nachmittag, als wir dort waren, so kühl, dass wir unsere Badesachen gar nicht angezogen, und lieber einen Spaziergang von Bucht zu Bucht gemacht haben. Dort gibt es ach einen riesigen Camping-Platz, der aber leider total verlassen da liegt, einige Camper stehen lieber auf dem Parkplatz davor.

Feste drücken!

Doch der gute Defender fährt nicht nur Offroad, sondern uns auch zu Lidl und Tias-Fruit, so können wir unseren Vitamin-Haushalt auf der Höhe halten. Und weil wir hier keine elektrische Zitronenpresse an Bord haben, muss Volker die Apfelsinen für den täglichen Orangensaft mit der Hand auspressen…

Volker geht zur Zeit, Gott sei Dank nur bootsmäßig, mit fremden Booten unserer treuen Hexe fremd. Vorgestern ist er mit Evelyn und Horst und deren wunderschönen Dübbel und Jesse nach Rubicon gesegelt, und war ganz glücklich. Sie sind auch einmal rund um Los Lobos, die Fuerteventura vorgelagerte Insel gefahren und waren sehr schnell unterwegs. Heute hat er eine Jeanneau 440 von Lanzarote nach Fuerteventura überführt. So ist zumindest einer von uns beiden segelnd unterwegs. 

Der Jubilar und der Künstler

Ansonsten haben wir einen fulminanten Champagne Friday in großem Kreis gefeiert. Gestern waren wir dann noch zu dem 80. Geburtstag von Chris eingeladen, einem echten Urgestein aus Puerto Calero. Langweilig wird es uns hier auf Lanzarote nicht.

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