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  • Let’s go West oder Süd

    Gestern Abend hatten wir auf Wunsch der Capitania nochmal Ausgang. Ein Fisch musste her, nicht für mich versteht sich, Cornelia wollte die Nähe zum Meer und der französischen Küche noch einmal verwöhnen lassen, bevor es raus auf die hohe See geht. Also sind wir zum benachbarten Armor Plage gefahren, einem typisch bretonischen Ort, mit kleinem Altstadtkern, großem Strand und Häusern mit dicken Mauern, ein netter Ort,  in dem es jetzt in der Nachsaison sehr beschaulich zugeht. Zuerst waren wir ganz allein im Restaurant, einer muss ja den Anfang machen, doch nach und nach trudelten immer mehr Gäste ein. Der Service war perfekt, das Essen sehr lecker und die Preise moderat, sehr empfehlenswert das „Ty Mero“, was will man mehr. 

    Heute früh ging es für die vergessenen Paprika und die gefüllten Nudeln nochmal zum È Leclerc Supermarkt und danach zur Autorückgabe.

    Um 11 Uhr warfen wir die Leinen los und motorten langsam zum Ausgang der riesigen Bucht. Alle Fender und Leinen wurden verstaut, das Großsegel gesetzt und motorsegelnd ging es zum ersten Wegepunkt, südwestlich  der Ile de Groix. Die Wetterberichte sagen nordöstliche Winde für die nächsten Tage voraus, nicht ganz perfekt, da genau von achtern, aber das Wetter, bzw. den Wind können wir leider nicht ändern, sondern nur die Segel danach ausrichten. (Und besser als Sturm von vorne ist es allemal, Anm. d.R.) Noch länger in Lorient zu bleiben ist ebenfalls keine Option, je weiter das Jahr voranschreitet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für heftige Herbststürme in diesem Teil des Atlantiks. 

    Leider dämpfen  erneute Orca-Attacken in den letzten Tagen, in der Gegend zwischen A Coruña und Porto, unsere Reisefreude, denn sie zwingen uns dazu, unseren Kurs nicht nur nach dem Wind, sondern auch nach den durchgeknallten Viechern auszurichten. Wir werden mindestens 60 nautische Seemeilen Abstand zur Küste halten, eher mehr. Das sollte auf jeden Fall  reichen, ein Besuch im schönen A Coruña verkneifen wir uns unter den gegebenen Umständen. 

    Gerade jetzt schiebt uns der Wind und eine chaotische See mal mehr nach West und dann wieder mehr nach Süd. Wir kreuzen vor dem Wind. Wir wollen es langsam angehen lassen, die Leichtwindsegel bleiben heute noch eingepackt. Wir möchten uns erstmal langsam an die See und die Bewegungen gewöhnen. Es sind noch zwei weitere Schiffe in die gleiche Richtung unterwegs und je nachdem, ob wir im Wellental oder auf dem Wellenkamm sind, sind diese am Horizont sichtbar. 

    Die nächste Nacht wird kalt, die Temperaturen fallen auf 8 Grad, das ist schon wie Wintersegeln in Holland, oder die voraussichtliche Temperatur zuhause an Heiligabend. Doppelte Decken, warmer Tee und ab und an die Dieselheizung halten uns hoffentlich warm. Delfine waren auch schon da, haben eine Zeitlang mit der stampfenden Hexe gespielt und andächtig dem Rhythmus gelauscht, den ich bei solchen Anlässen am Bug für die verspielten Tiere trommele. Auch ein kleiner Spatz hat sich zu uns gesellt. Das war sicher keine gute Idee, denn obwohl wir ihn mit Sonnenblumenkernen füttern und Wasser zum Trinken hingestellt haben, kann er die weite Fahrt eigentlich nicht überleben.

    Jetzt ist ja die Katze irgendwie auch schon fast aus dem Sack. Unser Ziel ist – entgegen allen früheren Lippenbekenntnissen im schön warmen Hochsommer – nicht Holland als Winterlager, sondern doch wieder das sonnenverwöhnte Lanzarote. Ja, irgendwie sind wir um das Thema, wo wie wir den nächsten Winter verbringen wollen, wochenlang wie die Katze um den heißen Brei herumgeschlichen. Schließlich hat die Sehnsucht nach blauem Wasser, Wärme und dem Leben, das vor der Tür statt im beheizten Schiff stattfindet, den Ausschlag für Lanzarote gegeben. Das schöne Holland muss bis zum nächsten Frühsommer auf uns warten und ein paar holländische Freunde kommen uns hoffentlich auch auf Lanzarote besuchen. 

    Die Sonne senkt sich langsam zum Horizont, obwohl sie hier, soweit westlich, deutlich später untergeht als im heimischen Deutschland. Zum Glück haben wir zunehmenden Mond, genau wie bei der Reise in die Bretagne. Ich bin absolut kein Fan von superdunklen Nächten.

    Wir rechnen mit zehn Tagen Reisedauer.

  • Es regnet – il pleut 

    wie der Franzose sagt. Der Regen ist an sich nichts Ungewöhnliches in der Bretagne, aber es regnet auch, wenn Sonnenschein vorhergesagt ist. Die Luftfeuchtigkeit ist enorm hoch, Handtücher, die wir zum Trocknen in den kurzen regenfreien Perioden raushängen, sind kaum weniger feucht, wenn wir sie wieder abhängen.

    Aber das Wetter soll nicht die Hauptrolle in diesem Blogbeitrag spielen, eher eine kleine Nebenrolle. Ansonsten ist es sehr schön hier in der Bretagne, malerische Buchten und Flussläufe zeigen ein veränderliches Landschaftsbild durch das ständige auf und ab der Gezeiten, hübsche historische Altstadkerne laden zum Bummeln ein, und in den traditionellen Creperien gibt es herzhafte Galettes, süße Crepes und natürlich den landestypischen Cidre.

    Auch dass unsere Website, an der wir so hängen, die unter anderem über 12 Jahre unseres seglerischeren Lebens beinhaltet und abbildet und in den letzten Wochen mehrfach offline, von gegnerischen Mächten angegriffen und noch immer nicht vollständig wiederhergestellt ist, bekommt nur eine kleine Nebenrolle, also ein paar Zeilen Aufmerksamkeit in diesem Blogbeitrag. Cornelia ist beinahe täglich, im nicht immer zufrieden stellenden Austausch mit unserem Provider Ionos und investiert Stunde über Stunde, nur damit auf der Website wieder alles so ist, wie es bisher war. Eine echte Sisyphusarbeit. Wir hoffen, dass  wir jetzt und zukünftig wieder Blogbeiträge einstellen können, damit wir unser Seglerleben mit Euch teilen können.

    Der eigentliche Grund für die Reise in die Bretgne war ja, das bei unserem Mastenbauer Lorima das sogenannte stehende Gut gewechselt werden soll. Bezahlen für die Wanten und das Vorstag mussten wir im Voraus, erst dann sollte die Bestellung an den Zulieferer rausgehen. Am Tag vorm Wechseltermin sind wir nach wunderbaren gemeinsamen Ferientagen mit unserer Enkelin hoffnungsfroh in die Bretagne zu unserem Boot nach Lorient gefahren.

    Kurz gab es nach dem Anruf vom Directeur von Lorima ein bisschen Konfusion, weil der uns mitteilte, dass der eingeplante und für uns vertraute Projektmanager nicht mehr zur Verfügung steht. Doch ein Ersatzrigger war schnell gefunden, nur mein Vertrauen in einen guten und geregelten Projektablauf war erst einmal ein bisschen erschüttert. Egal wie, gestern ging der Wechsel der beiden Hauptwanten mithilfe eines Krans und  der geriggten Hilfswanten, gut und flott über die Bühne. Zwei junge Rigger arbeiteten hoch im Mast und der Chef der Firma und ich als Helfer an Deck, sozusagen als Bodenpersonal. 

    Nach zwei Stunden waren die Wanten erfolgreich getauscht und die Hexe fuhr vom Kranplatz zurück zu unserem Liegeplatz. Dann ging es mit viel Einsatz, zu viert, an den Wechsel des Vorstags, ebenfalls bei stehendem Mast. Das ist insofern möglich, als wir ein zweites inneres Kutterstag und mehrere Fallen haben, die den Mast auch ohne Vorstag sicher oben halten.

    Schnell war das alte Stag unten, was dann extrem lang dauerte, war der Wechsel der einzelenen Aluminiumprofile, die über das eigentliche Vorstag montiert werden, und an denen das Vorsegel nach oben gezogen und aufgerollt werden kann. Es dauerte bis ca. 18 Uhr, bis wir soweit waren, dass das neue Drahtvorstag samt den alten ummontieren Aluprofilen, gesetzt werden konnte. Um 19 Uhr war dann alles erledigt, zehn Stunden harte Arbeit lagen hinter uns. Das Team von Iroise Rigging hat wirklich eine sehr gute Arbeit geleistet und meine Befürchtungen haben sich –  Gott sei Dank – nicht bestätigt. 

    Unsere Wanten bestehen im Prinzip aus dem hochfesten Material Kevlar. Und laut der Auskunft vom Rigger werden unsere alten Wanten recycelt. Das Kevlar wird von einer holländischen Firma geschreddert und danach zu schussfesten Westen oder Hitzeschutzhandschuhen weiter verarbeitet.

    Die Hexe liegt jetzt vollgetankt, vollproviantiert und bereit für neue Abenteuer am Steg. Wir werden berichten.

  • Pustekuchen

    Die Freude über unsere wieder aufgetauchte Website währte nur kurz. Erstens funktionierten die Plugins wie Kalender oder die Benachrichtigung unserer Freunde, aber auch der Spam-Filter nicht mehr (ganz schlecht), und es war trotz mehrerer Versuche meinerseits und weiterer Telefonate mit den „Telefonseelsorgern“ von Ionos nicht möglich, sie erneut zu installieren.

    Und dann war die Seite noch einmal komplett weg. Und als sie dann nach weiteren Telefonaten wieder online war, sieht sie jetzt ein bisschen arm aus. Aber ich bleibe weiterhin dran 🥹.

    Wir haben eine schöne Woche in Hoorn verbracht, viele alte Freunde getroffen, alle Neuigkeiten ausgetauscht. Wir haben Rundfahrten mit dem Dinghy durch die Stadt gemacht.

    Im Hafenrestaurant vorzüglich gegessen, und als Highlight waren wir am letzten Abend bei einer Freundin eingeladen, um von ihrem Wohnzimmer mit der riesigen Fensterfront das jährliche Life-Konzert auf der „Abel Tasman“, einem riesigen alten Plattbodenschiff mitzuerleben.

    Es gab verschiedene musikalische Stile zu bewundern, als erster zeigten die Kinder der ansässigen Musikschulen ihr können, dann kamen von einem kleinen Orchester mit Streichern, Bläsern und Harfe eigenwillige Interpretationen klassischer Musikstücke, und schließlich wurde es populär bis rockig. Dazu tanzten – außer uns allen an dem Fenstern – viele Menschen unten an der Uferpromenade.

    In Deutschland haben wir in den vergangenen zwei Wochen eine entspannte Zeit verbracht bei den letzten wunderschönen Sommertagen. Ich habe ein bisschen was für meine Gesundheit getan, wir haben das Frühstück auf der Terrasse genossen, und viele Abende in Biergärten gesessen. Und natürlich waren wir ganz oft bei unseren Enkelkindern.

    Jetzt beginnt wieder der Ernst des Segelns. Ab Sonntag werden wir wieder mit der Hexe losfahren und sie bis Anfang Oktober nach Lorient in der Bretagne bringen. Dort soll das stehende Gut ausgetauscht werden, sie wird neue textile Wanten und ein neues Vorstag für den Mast bekommen. Wir werden versuchen, zügig voranzukommen, weil wir das Boot dann dort lassen werden, um unsere Enkeltochter  abzuholen, die gerne eine Woche ihrer Herbstferien bei Oma und Opa verbringen möchte.

    Wir werden wie gewohnt hier aus unserem Logbuch berichten und hoffen sehr auf gute und angenehme Winde.

  • Schnelle Fahrt übers Ijsselmer

    Dienstag, 1. September 2026
    Baro 1018, Sonne-Wolken-Mix, um 20 Grad, Wind W um 5 Beaufort

    Um 13:30 legen wir in Workum ab, haben schon vorher ein Reff eingebunden, und ab der Ansteuerungstonne segeln wir mit um die neun, manchmal bis zehn Knoten Richtung Enkhuizen. Der Wind weht mit 16-20 Konten aus West, ideal für uns, mit halbem Wind über das Ijsselmer zu brettern.

    Wir wollen heute bis Enkhuizen und morgen nach Hoorn, dort wollen wir ein paar Tage bleiben, bis wir Samstag oder Sonntag nach Amsterdam segeln werden. Dort werden wir beim Amsterdam Yachtservice die Hexe für ein bis zwei Stunden in den Kran zu hängen, um die Propeller-Nabe auszuwechseln, weil sie beim Schalten zwischen Vorwärts- und Rückwärtsgang immer wieder rutscht.

    Außerdem hat Volker heute morgen festgestellt, dass in dem linken Saildrive Wasser im Öl ist, da müssen Dichtungen getauscht werden, das soll dann auch im Kran geschehen. Und die Dichtungen müssen wir auch noch in Hoorn beim Yachtservice Händler kaufen.

    Aber jetzt genießen wir erst einmal das Segeln auf dem Ijsselmer bei Sonnenschein, nachdem es vorgestern und vor allem gestern wie aus Eimern geschüttet hat, Auch Donner war dabei, aber glücklicherweise so weit weg, dass keine Blitze in die Nähe kamen. Das ist uns immer ein bisschen unheimlich, haben wir doch den höchsten Mast im Hafen.

    Wir konnten uns nur mit leckeren Abendessen mit den Freunden Monika und Günther über das unschöne Wetter trösten. Am Sonntag waren wir in Workum in „de Smidte“ sehr fein essen, und gestern waren wir zu viert bei uns an Bord, es gab Lasagne (ich will mich ja nicht selber loben, aber die war auch lecker).

    Um 15:40 ist der Anker fest vor der Schleuse von Enkhuizen, mit großartiger Sicht auf alle ein- und ausfahrenden Boote.

  • Sie ist wieder da!

    Unsere Website war weg. Einfach so aus dem World Wide Web in ferne Weiten entschwunden. Es hat mich viele Stunden am Rechner und noch mehr in der Telefonschleife von Ionos, unserem Provider, gekostet, bis ich gestern einen ungeheuer fähigen jungen Mann in der Leitung hatte, dessen Name ich leider nicht weiß, sonst könnte ich ihn hier lobend erwähnen. Jedenfalls hatte er mir genau zugehört, als ich ihm unser Problem geschildert habe, und er kam tatsächlich – nach einer ganzen Weile, die ich mit der Pausenmusik von Ionos verbracht habe –  mit der unglaublichen Meldung zurück: „Ihre Website funktioniert wieder!“.

    Ich konnte mich dann auch tatsächlich wieder im Back-End einloggen, um diese kleine Nachricht zu veröffentlichen. Nur die sogenannten Plugins funktionieren immer noch nicht, sodass die Freunde unserer Reisen keine Nachricht erhalten, dass ein neuer Beitrag ins Netz gestellt wurde. Aber ich arbeite dran. Drückt mir die Daumen!

  • Auf dem Weg zur Reparatur

    Kurz nach 12 Uhr legen wir am Sonntag, 9. August  in Workum ab. Unter Motor fahren wir an Stavoren vorbei, lassen auch den Vrauwezand links liegen. In der Mitte der Strecke legen wir eine kleine Segelprobe ein, aber der Wind reicht nicht aus, außerdem kommt er genau von vorne, und wir müssten kreuzen, das macht bei 3,5 Knoten Fahrt keinen Spaß, auch noch Umwege zu fahren. Also werden die Segel schnell wieder geborgen.

    Nach unserer Segel-Einlage wird es auch auf dem Ijsselmer weniger voll, südlich von Lemmer auf der einen und Enkhuizen auf der anderen Seite des Ijssemers ist die Streckefür ist für die meisten Urlauber nicht so attraktiv, es sei denn, sie wollen nach zu dem schönen alten Fischerdorf Urk, oder eben – wie wir – nach Lelystad. Die meisten Segler mit Zielen im Markermer nehmen den Weg über das weiter nördlich gelegene Enkhuizen, und gehen dort durch die Schleuse. Und die Wochenendsegler, meist aus dem nahen Nordrhein-Westfalen fahren nun  wieder nach Hause.

    Wir waren am frühen Abend in der Flevo Marina in Lelystad, diese liegt noch vor der Schleuse zum Markermer,. An Steg 12B legen wir an, der hiesige Hafenmeister hatte uns dort schon einen Platz reserviert und hoffen, dass morgen früh die Arbeiten beginnen können, zumindest wurde uns das von dem Reparaturbetrieb bestätigt. Eines unserer Probleme habe ich, dank KI, selbst herausgefunden. Auf unserem Plotter haben wir hier im Ijsselmer nur AIS Signale in einem sehr begrenzten Raum, und wir haben uns gefragt, was da nun wieder kaputt oder falsch eingestellt sein kann. Aber beim Nachforschen fand ich heraus, dass so ein AIS auf dem Bildschirm nicht mehr als 100 Signale anzeigen kann, und da wird eben der Radius viel kleiner.

    Um 18:15 waren die Leinen fest in der großen Flevo Marina in Lelystad. Noch beim Anlegen mach ich den Mückenvorhang zu, es ist so viel kleines fliegendes Getier unterwegs, obwohl hier überall Spinnennetze mit großen fetten Spinnen hängen, die die Mücken eigentlich fangen und auffressen sollten. Volker kocht uns ein leckeres Abendessen mit eingelegter Hühnchenbrust und Risotto, und nach einem kleinen Spaziergang durch die große Marina gabt es noch einen – alkoholfreien – Sekt und schon war es Zeit fürs Bett, denn am nächsten Morgen kam Martin, der Techniker, schon früh an Bord.

    Volker wird ja – wie im letzten Blog versprochen – über die Details der Arbeiten ausführlich berichten.

  • Seglers Fluch,

    Regen und Besuch? Nein!!!! Beim Regen mag das ja stimmen, aber für den Besuch ist genau das Gegenteil der Fall, denn die letzten 16 Tage waren unsere Tochter Larissa nebst Mann Johannes und Hund Nana bei uns in Workum, teils an Bord, teils mit dem Camper am naheliegenden Strand.

    Und was liegt da näher, als den beiden endlich mal das Windsurfen beizubringen? Eigentlich war die Intention von Larissa und Johannes, das Kitesurfen zu erlernen. Doch nach der ersten Doppelstunde gab es viele schwachwindige Tage, nix zu machen für die Kiter, aber ideal, um ins Windsurfen einzusteigen. Und da kommen unser neuer Freund Klaus und sein Kumpel Jörg ins Spiel. Denn beide haben das Windsurfen aufgegeben und sind jetzt leidenschaftliche Kiter. Ein großer Vorteil für Johannes und Larissa, denn sie können im wahrsten Sinne des Wortes, für einen Apfel und ein Ei, mehrere Windsurfsegel, fünf Carbonmasten, einige Gabelbäume und ein total schnelles Mistral Surfbrett übernehmen. 

    Beide machen bei dem leichten Wind schnell große Fortschritte. Johannes kommt selbst bei Starkwind zurecht und gleitet sehr schnell und gekonnt übers Ijsselmeer. Und mit dem vielen Wind der letzten Woche konnten die beiden dann endlich auch die Kitesurfstunden nachholen. Doch viel Wind kann schnell auch zu viel Wind sein, und nach einem ungewollten Höhenflug strich Larissa vorläufig die Segel, oder besser gesagt den Kite. Kiten zählt zu den Risikosportarten und Vorsicht ist besser als Nachsicht. Ich habe einen Tag Starkwind auch genutzt und ein paar Stunden, in wilder Gleitfahrt am Gabelbaum hängend verbracht. Und ich muss sagen, so schnell war ich noch nie auf dem Wasser surfend unterwegs gewesen. Abends schmerzten dann zwar die Schultern, und die Arme waren gefühlt länger als zuvor, doch das war es wert. Am zweiten Tag waren mir dann die Böen zu heftig.

    Vor ein paar Tagen kam die Familie Paukert, mit zwei von drei Töchtern auf einem offenen Kielboot, einer Falke, zu uns zu Besuch. Paukerts sind Segelfreunde der ersten Stunde, die wir vor 12 Jahren in Portugal kennengelernt haben. Der Kontakt und die Freundschaft haben sich über all die Jahre gehalten. Wir verbrachten zwei wunderbare Tage in großer Runde miteinander. Es gab viel zu erzählen.

    Abschied von Larissa, Johannes und Nana

    Seit gestern ist eine fast unheimliche Ruhe an Bord. Für Larissa und Johannes sind die Ferien zu Ende und die Paukerts machen mit dem Boot die friesischen Seen unsicher. Damit der Schritt in die Einsamkeit nicht zu schnell ist, bekamen wir gestern Abend noch zwei Überraschungsbesuche. Zuerst kam Klaus der Kiter zum versprochenen Bier, und anschließend hatten wir Horst, einen Segelfreund, mit Sohn und drei Monate altem Enkel zu Besuch, auch Horsts Vater war mit seinem süßen Hund dabei, vier Generationen bei der Hexe!

    Jetzt müssen wir uns erst mal wieder um ein paar technische Probleme kümmern. Der Hauptautopilot funktioniert nicht mehr und der neue Plotter verliert sporadisch die AIS-Signale. Deswegen geht es morgen nach Lelystad in die Flevomarina. Dort sitzt ein Raymarine Servicecenter. Im nächsten Blogbeitrag werde ich die Fehler näher beschreiben und natürlich auch erzüählen, wie unser Reparaturstop verlaufen ist.

  • Sommerfreuden

    Ich war ein bisschen erschrocken, als ich im Blog nachgeschaut habe, von wann unser letzter Beitrag ist. Gähnende Leere im Blogkalender, sorry, das war keine Absicht. Die letzten drei Wochen sind wie im Flug vergangen. Die Tage in Deutschland waren angefüllt mit Enkelbesuchen und heimischer Gartenarbeit bei sommerlichen Temperaturen, einigen Abenden im Biergarten und natürlich haben wir Freunde getroffen, die wir schon wochenlang nicht mehr gesehen hatten. 


    Schon war es an der Zeit, mit unserer geliebten Enkeltochter Zoey in den gemeinsamen Ferien zu starten. Ferien an Bord in Workum, wohlgemerkt. Hier ist ein Paradies für Kinder und damit auch für die Eltern oder die Großeltern. Ein großer Strand ist nur einen Steinwurf entfernt, ein toller Spielplatz am Hafeneingang, Fahrradwege, Campingplatz mit Imbiss um die Ecke und vieles mehr, wird für unternehmungslustige Kinder hier geboten. 


    Und so kam es, dass wir jeden Tag stundenlang am Strand waren, Burgen bauten, Zoey im 24 Grad warmen flachen Wasser endlos spielen konnte und auch wir mal geschwommen sind. Am Nachmittag ging es meist mit dem Dinghy ins benachbarte süße Städtchen Hindelopen, wo Cornelia ihren Matjes und wir lecker Eis bekamen. Nach dem Abendessen an Bord ging es dann nochmals auf den Spielplatz oder für eine Fahrradrunde über den Campingplatz. Auch diese Tage zogen schneller als man gucken konnte ins Land. 


    Am nicht ganz so warmen Freitag packten wir eine große Picknicktasche, Badezeug und Getränke ins Dinghy und fuhren damit stadteinwärts, in Richtung Workum. Das Glück war mit uns und die Schleuse öffnete in dem Moment ihre Tore, als wir ankamen. Ein paar vor uns wartende Boote fuhren wie an der Perlenschnur aufgereiht vor uns in die Schleuse, doch für so ein kleines Wasserfahrzeug wie unser Dinghy es in der Relation ist, ist selbst in einer vollen Schleuse immer noch irgendwo ein Platz. Der Schleusenmeister kam und bekam seine 6 Euro Schleusengebühr und danach befanden wir uns schon mitten im Herzen von Workum, respektive dem Kanal, der uns durch Workum führte. Für Zoey und uns gab es soviel zu sehen, schöne traditionelle Schiffe, die festgemacht da lagen, historische Gebäude, entgegen kommende Boote und niedrige Brückendurchfahrten. Letztere versperrten uns nicht den Weg, denn wir machten uns ganz klein im Dinghy, die anderen Schiffe mussten jedoch auf die Brückenöffnung warten. 


    Irgendwann waren wir unter der letzten, der Eisenbahnbrücke durch und mit langsamer Gleitfahrt fuhren wir entlang der landwirtschaftlich geprägten Gegend. Bald schon näherten wir uns der weit verzweigten  friesischen Seenlandschaft und einige aufkreuzende Segelboote kamen uns entgegen, andere segelten mit Rückenwind in östliche Richtung. Im Groote Gaastmeer bogen wir nach links ab und machten kurz darauf an einem großen Längsseitssteig, auf einer der zahlreichen Inseln unsere Leinen fest. Auf einem kleinen Inselrundgang erkundeten wir das Naturparadies und spielten ein bisschen Fußball. Danach war das tägliche Schwimmen angesagt, mit anschließender ausgiebiger Verköstigung der sehr hungrigen, großen und kleinen Crew. Schon war es an der Zeit für die Rückfahrt nach Workum, zum zweiten Mal ging es durch die diesmal fast leere Schleuse.  Am Samstag wurde Zoey von den Eltern und Schwester für einen Campingurlaub abgeholt.

    Auf dem Rückweg gab es vor der Schleuse noch ein Konzert vom Leierkastenmann


    Seit Sonntag ist übrigens der Sommer hier in Holland vorbei, die maximale Tagestemperatur beträgt gerade noch magere 17 Grad.


    Sonntag machten wir mit Andreas, einem Interessenten für Performance Katamarane, bei bis zu 26 Knoten Wind einen flotten Segelausflug. Mit bis zu 12 Knoten Speed flogen wir im 2. Reff über das aufgewühlte Ijsselmeer.

    Petra genießt den Ausflug

    Montag kam Petra zu Besuch. Dienstag sind wir bei ruhigem Wetter, mit Sonne, zum Windpark und zurückgesegelt. Was für ein Kontrastprogramm zum sonntäglichen Segelausflug.
    Heute fährt Petra nach Hause und Larissa, Johannes mit Hund Nana checken für einen Woche an Bord ein.

  • Angekommen

    Am Pfingstsonntag, 24. Mai sind wir in Puerto Calero losgefahren, Richtung Madeira, dort sind wir am 26. Mai angekommen.  Von dort aus sind wir am 7. Juni Richtung Azoren gestartet, nicht wissend, ob wir dort stoppen werden oder lieber weiter fahren. Wir haben dann doch zwei Nächte vor Santa Maria geankert, in der Nacht zum 10. Juni sind wir dort angekommen und am 11. Juni haben wir den Anker wieder gelichtet für das große Stück über den Atlantik. Am 21. Juni sind wir am 10. Tag der Fahrt über den Atlantik, die Nordsee und den Ärmelkanal in Nieuwpoort, Belgien, angekommen. Dort wurden wir von unseren Freunden Ria und Jan lieb empfangen, verbrachten ein paar Tage in der Marina der belgischen Luftwaffe. Anschließend gab es noch einen Stopp in Blankenberge, ehe wir am 27. Juni an der Schleuse zum Ijsselmer im Süßwasser angekommen sind.

    Die Reise dauerte insgesamt 35 Tage, davon insgesamt 17 Tage auf See, es waren 2.468 Seemeilen bis von Puerto Calero bis nach Workum. In Workum haben wir viele Jahre im Sommer gelegen, von 1998, noch mit der Sherazade, dann mit den „halben“ Hexen (weil sie nur einen Rumpf haben) bis 2012. Wir wurden freundlich begrüßt von Jan, dem langjährigen Hafenmeister, der nunmehr in Rente ist, aber noch zwei Tage in der Woche der Marina erhalten bleibt. Wir haben den schönsten Platz im Hafen, liegen am Meldesteiger mit voller Übersicht über alle ein- und ausfahrenden Boote, und einen sensationellen Blick auf den Kanal und die majestätisch vorbei segelnden Plattbodenschiffe.

    Im Wetterradar

    Noch am gleichen Abend bekamen wir was geboten: Zwei Stunden lang entluden sich endlos viele Blitze über Friesland, der Himmel war ein einziges Feuerwerk, und der Donner hatte die Wucht von vielen Dezibel. Es dauerte fast bis Mitternacht, bis wir in unserer Koje lagen.

    Schon am nächsten Tag hatte sich der Himmel aufgeklärt, es gab schönsten Sonnenschein, der Strand am Ijsselmer war voller Familien, die den warmen Sonntag genossen. Wir haben den vielen Kitern zugeschaut und ihre waghalsigen Sprünge bewundert. Der Wind war frisch, also haben wir für heute auf ein Bad in dem, zugegebenermaßen mit 24º richtig warmem Wasser verzichtet.

    Viele frühere Bekannte waren im Hafen, so ergab sich immer ein Schwätzchen, wir fühlten uns nicht einsam. Und dann kamen erst Monika und Günther mit ihrem schicken neuen Motorboot, und Wolfgang und Ute aus Heppenheim, Auch Ralf und Tochter Pia waren da, später kamen noch Arthur und Iris, wir haben schöne (natürlich Grill-) Abende in großer Runde bei uns an Bord erlebt, insgesamt ein wunderbarer Empfang.

    Auch ein Ausflug mit dem Beiboot zu der Fischbude am Hafen von Hindelopen durfte natürlich nicht fehlen, wo wir den großartigen Matjes Hering sehr genossen haben. Aber leider hatte unser Lieblingscafé geschlossen, sonst hätten wir auch noch die Appeltaart verspeist. Am nächsten Tag sind wir noch nach Workum geradelt, haben dort auch den Matjes probiert.

    Jetzt sind wir auf der Heimfahrt. Wir hatten Glück, Wolfgang und Ute nehmen uns in ihrem Wohnmobil mit, denn wir hatten natürlich kein Auto in Workum am Hafen stehen.

  • Fast im Ijsselmer

    Freitag, 26. Juni 2026
    Blankenberge 04:20 – 20:45 Anker vor Julianadorp, Nord-Holland, Schnitt 7,75 Seemeilen
    Baro 1014, sonnig, warm, Wind SO 4-5 Beaufort, später W um 4, die See 1 m

    Der Wecker steht auf fünf Uhr, aber als ich – wie auch Volker – um Viertel nach vier wach bin, sagt er „Komm, wir fahren.“ Sofort fängt er an, die zahlreichen Leinen los zu machen, ich ziehe mir schnell was an, und erwecke die Navigation und die Motoren zum Leben, schon geht es los. 

    Noch in der Dunkelheit verlassen wir den Hafen, nach der Ausfahrt werden natürlich sofort die Segel gesetzt, und – schwupp – sind wir wieder im Rennen. Kurz nach der Ausfahrt wird es kniffelig, denn dann kommen wir an Hoek van Holland vorbei, und in der Ansteuerung des Hafens kreuzen große Frachtschiffe und Tanker unseren Weg. Und abgesehen davon, dass sie auf einer Schifffahrtsstraße fahren, hat in Holland grundsätzlich die Berufsschifffahrt Vorrang. Auch die zahlreichen Kardinalbojen, die auf unserem Weg liegen, erfordern Beachtung. 

    Ansonsten  ist es das schönste Segeln, das man sich denken kann. Ein Wind mit genügend Kraft, um das Boot voranzubringen, relativ konstant, sodass man nicht dauernd an den Tüchern zuppeln muss, um die optimale Segelstellung zu erreichen, und absolut flaches Wasser erlauben dem Einen Zeit zum Ausruhen, und dem Wachhabenden entspannte Aufmerksamkeit.

    Am Maasmond müssen wir wieder alert sein, dort muss man sich vorher auf Kanal 03 bei Maas Entrance melden, dort wird Erlaubnis erteilt zum Queren oder Einfahren. Leider muss da auch der Motor mit schieben, der schöne Wind vom Anfang hat sich wohl erst einmal zum Frühstücken verabschiedet. Um 14:15 Uhr wird der Gennaker gesetzt, aber leider gleich wieder geborgen, da war Volker wohl zu optimistisch. Das bunte Segel kommt aber noch einmal zum Einsatz und zieht uns bei leichtem Wind schön voran.

    Nachdem wir auch das Fahrwasser von Ijmuiden hinter uns haben, hat der Wind freundlicherweise auf West gedreht und schiebt die Hexe mit 11 Knoten Wind auch trotz der jetzt leider gegenan laufenden Strömung mit sieben bis zehn Knoten voran. Manchmal fahren wir durch riesige Algenteppiche, das mögen wir gar nicht, normalerweise, weil sich da auch gern mal was in der Schraube vom Motor verfängt, oder sonst irgendwie, und dann das Boot bremst. Geht gar nicht. Aber diese Algen sind nett, sagt Volker, sie sind die, die das Wasser nachts zum Leuchten bringen, zum Beispiel, wenn man sie durch die Toilettenschüssel pumpt.

    Unser heutiges Ziel ist ein Ankerplatz irgendwo um die Schleuse von Den Oever. Das hat sich im Laufe des Tages ständig verändert, je nachdem, wie schnell wir voran gekommen sind. Vorhin hatten wir kurzfristig in Erwägung gezogen, an der kleinenRobbeninsel vor Texel mit Namen Noorderhaaks zu ankern. In der Seekarte ist dort ein Naturschutzgebiet eingetragen, in Navily war jemand, der dort geankert hat. Um sicher zu sein, habe ich eine WhatsApp an die Verkehrszentrale Den Helder geschrieben (wie modern!), die freundliche Antwort kam umgehend: „Gute Frage!“ Ich solle doch Kontakt aufnehmen mit dem Zentralen Meldeposten Waddenzee. Dort habe ich angerufen, und man fing an zu diskutieren, und ich solle doch mal bei der Verkehrszentrale Den Helder nachfragen. „Die haben mich an Sie verwiesen“, sage ich und weiter ging es mit der Unsicherheit. Schließlich hieß es „Leider nein, das ist wirklich ein Naturschutzgebiet.“ Aber alle hatten ihren Spaß dabei!

    Der Anker fällt um kurz vor neun im Sand vor dem ewig langen Sandstrand vor Julianadorp. Wir hatten keine Lust mehr, gegen die Gezeit und im Dunkeln in dem Watt-Fahrwasser bis zur Schleuse zu fahren. Es sind noch Menschen am Strand und auch zwei nervige Seascooter machen Lärm. Aber dann ist nur noch ein bisschen Hundebellen zu hören, das wird dann sicher nach Sunset um 22:12 aufhören. Noch ist die Sonne nicht untergegangen, aber in der Ferne ist im Dunst der Leuchtturm von Den Helder zu sehen, der uns in der Nacht immer wieder Grüße schicken wird.

    Jetzt weiß ich auch, warum wir doch früher geankert haben:

    WM Frankreich gegen Norwegen!