Noch mehr Sport

Ja, mer saan mim Radl da…

Um uns, weil bootlos, ein bisschen zu betätigen, machen wir am Wochenende gerne ein bisschen Sport, wie berichtet z.B. mit dem Kanu, um auch unsere Umgebung erkunden.

Bei der letzten Tour sind wir übrigens mit dem Kanu gekentert beim Einsteigen, was uns aber nicht vom weiterpaddeln  abgehalten hat, wir haben die nassen Kleider ausgezogen und sind im Badeanzug losgepaddelt.

Danach waren wir auf die Fahrräder umgestiegen (es wird ja langsam auch Herbst), und wir haben zwei schöne Touren am Main gemacht und eine weitere am Rhein über den Kühkopf.

Frankfurter Skyline

Die erste Fahrt ging von Schwanheimer Ufer aus Richtung Schleuse Offenbach, dort über die Kaiserleibrücke nach „Hippdebach“, wie wir Frankfurter die nördlichen Stadtteile nennen (für Ortsfremde „auf unserer Seite des Flusses“ im Gegensatz zu „Dribbdebach“, das ist die Sachsenhäuser  Seite, nämlich die auf der anderen Seite des Mains).

Ein Tanker fährt in die Eddersheimer Schleuse ein

 

Von dort aus ging es wieder zurück bis zur Griesheimer Staustufe, insgesamt ca. 22 km.

Wir waren begeistert, wie schön das Mainufer von Frankfurt geworden ist. Auf beiden Seiten des Mains führen Spazier- und Radfahrwege entlang des Flusses, es gibt Gastronomie an und auf dem Wasser, Bänke für Wanderer zum Ausruhen, für Familien zum Picknick und für gestresste Banker in der Mittagspause.

Breite Mainwiesen und ein schönes Café säumen das Deutschherrnufer

Vor allem auf der nördlichen Seite des Mains stehen ganz viele Spielplätze, mit den tollsten Geräten und einen Skatepark mit Halfpipes etc., in dem die Kleinen mit ihren Rollern ebenso Platz fanden wie jugendliche Sportler auf den Skateboards. Es gibt Restaurants für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel, auch Cafés und Bars locken die Besucher. Die breiten Mainwiesen im Frankfurter “Nizza” bieten viel Platz für Besucher und Sportler aller Art, Jogger, Skater, Spaziergänger und eben auch für Fahrradfahrer.

Hier fließt der Main in den Rhein

Unser zweiter Fahrradausflug am darauffolgenden Samstag sollte uns bis zur Mainspitze führen, also dorthin, wo der Main in den Rhein mündet. Da ich insgesamt nicht mehr als 30 km radeln wollte – das, dachte ich, reicht für meinen ungeübten Fahrradpopo – hab ich einen Punkt ausgesucht, der ungefähr 15 km von der Mündung entfernt war, und an dem eine Brücke über den Main führt, damit wir an beiden Ufern radeln konnten.

Die Mönchhofkapelle

Begonnen haben wir an der Eddersheimer Schleuse, die verbindet Eddersheim mit dem Mönchhof, bekannt durch das danach genannte Dreieck. Auf der südlichen Mainseite sind wir bis zum Rhein gefahren, zunächst waren wir ein kleines bisschen enttäuscht, denn die Strecke nach Frankfurt rein, die wir letzte Woche geradelt sind, war kurzweiliger und führte viel näher am Main entlang.

 

schöne Bilder entlang des Weges

eine schmale Durchfahrt

Aber die Wege waren gut zu fahren, an Rüsselsheim und Bischofsheim vorbei, bis wir bei Ginsheim-Gustavsburg wieder den Main überquerten.

Diese Brücken sind für mich immer eine Herausforderung, ich hasse es, das Fahrrad über die schmale Rinne hinauf- und wieder hinunter zu schieben, glücklicherweise habe ich einen sportlichen und lieben Mann, der das für mich macht. Danke, Volker!

Pause

An der Mündung angekommen haben wir eine kurze Pause gemacht, um dann den Heimweg auf der nördlichen Mainseite über Hochheim und Flörsheim anzutreten.

voller Weintrauben

Diese Seite war interessanter, der Weg führte entlang der Weinberge, in denen auch gerade gelesen wurde. Ein bisschen weiter hingen die Reben noch voll mit Trauben, und ein paar Sorten mussten wir im Vorbeiradeln probieren, die Trauben schmeckten sehr lecker und verhießen guten Wein…

Nach 34 Kilometern kamen wir wieder an der Staustufe an, eine letzte Brücke, dann hatten wir es geschafft.

Das war einer der besseren Wege…

Hier wurde der Weg schon schmaler

Am nächsten Tag haben Volker und der Kühkopf gemeinsam mich geschafft. Nicht nur, dass zwei drittel der Zeit die Wege steinig und hubbelig waren, manchmal waren die Spuren für die Fahrräder so schmal, dass ich – nach einem etwas schmerzhaften Sturz in eine Brennesselböschung – auf diesen Strecken lieber das Fahrrad geschoben habe. Die blauen Flecken sind immer noch nicht ganz weg.

Wiesen und Wiesen

Über den Altrhein

Die Landschaft ist zwar wirklich idyllisch, aber am Ende war ich doch sehr froh, dass wir irgendwann den kürzesten Rückweg genommen haben und ich meine schmerzenden Glieder ausruhen konnte.

Dieser Weg sah besser aus

Eine Woche später haben wir auf einem kurzen Ausflug – mit neuem Sattel – den restlichen Kühkopf erkundet, das war schon deutlich angenehmer, waren doch hier auch die Wege eher asphaltiert.

Apropos schmerzende Glieder: Mein Skipper ist ja schon mit Schulterschmerzen nach Deutschland zurück gekommen. Als dieser Schmerz immer weiter Richtung Ellenbogen zog und sich verschlimmerte, hat Volker unseren besten Orthopäden und unsere ungeschlagen allerbeste Physiotherapeuten-Freundin  aufgesucht. Mit dem Erfolg, dass zwar mittlerweile Schulter und Ellenbogen in Ordnung sind, aber, wahrscheinlich wegen eines Karpaltunnelsydroms die Finger kribbeln, auf sehr unangenehme Weise. Und man weiß nicht, wie lange das dauert (nichts für ungeduldige Seemänner), und ob es nicht zu einer andauernden Lähmung führt. Mal sehen, was daraus wird…

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Hauptsache auf dem Wasser!

Die Fahrräder passen in den Kofferraum und das Kanu aufs Dach

Da wir im Moment in Darmstadt sozusagen auf dem Trockenen sitzen, (da gibt es nur den winzigen Darmbach, der eignet sich höchstens für Segeln mit Papierschiffchen!), haben wir am letzten Sonntag einfach mal das Kanu aus dem Schuppen geholt und sind mit blauem Boot auf dem Dach und unseren Rädern im Kofferraum an den Altrhein gefahren.

Ab ins Boot!

Gut, dass wir einen Kangoo haben, da ist genug Platz für uns beide und die ganze Ausrüstung.

In Stockstadt beim Restaurant “Bootshaus” gibt es einen Steg, an dem kleine Boote anlegen können. Auf der Wiese davor haben wir unsere Fahrräder abgeladen. Mit dem Kanu auf dem Dach sind wir weiter gefahren bis Gernsheim, Volker hat dort das Boot im Hafenbecken ins Wasser gelassen, das Auto zum Parken gefahren und unter den skeptischen Blicken der Sonntagsausflügler sind wir eingestiegen und auf den Rhein raus gepaddelt.

Die Ufer des Rheins strahlen im Sonnenschein

Es war das schönste Wetter, die Ufer des Rheins auf beiden Seiten, der hessischen und der rheinland-pfälzischen, waren gut besucht von sonnenhungrigen Menschen mit Picknick, Kinderwagen und Sonnenschirmen. Mit der Strömung den Rhein abwärts zu paddeln motiviert, denn die Fließgeschwindigkeit des Rheins mit ca. fünf Stundenkilometern lässt das Ufer schnell vorbei gleiten.

 

Nach dem Frachtern geht es auf die andere Seite

Wir kreuzen immer wieder das Fahrwasser, um auf der flacheren Innenkurve zu bleiben, denn dort sind wir außerhalb des Fahrwassers und die großen Frachtschiffe bleiben seit genug weg.

Ab und zu steht ein Angler im Wasser, oder ein Hund spielt im kühlen seichten Wasser. Auch Jetskis und kleine schnelle Motorboote fahren an uns vorbei oder kommen uns entgegen.

 

So idyllisch ist es im Altrhein

Wir lassen den Eicher See links liegen, kreuzen mal wieder das Fahrwasser, nachdem drei große Frachter vorbei sind, und bei Rheinkilometer 468,3 biegen wir in den Erfelder Altrhein ein. Nach sechs Kilometer auf dem strömenden Rhein paddeln wir nun bei deutlich weniger Strömung durch eine idyllische Flusslandschaft.

 

Ahoi!

 

 

 

Ein Reiher begleitet uns die ganze Zeit, links grast ein Reh, zahlreiche Enten fliegen über uns, wir genießen die stille Fahrt. Vor Stockstadt sehen wir die ersten anderen Paddler, später kommen auch die Tretboote. Bis dahin waren wir völlig allein auf dem ruhigen Altrheinarm.

Auf dem Radl

Beim Bootshaus steigen wir trockenen Fußes über den Steg aus, denn den am Sonntag ist die Tür geöffnet, wir können das Boot über den Steg raustragen und legen es oben aufs Gras.Mit den auf vorhin abgestellten Fahrrädern radeln wir zurück nach Gernsheim, beim Fährhaus und der Frittenbude gegenüber ist es inzwischen noch voller geworden, denn bei dem schönen Wetter kommen alle nach draußen und genießen den Tag.

Was für ein schöner und sportlicher Tag

Wir haben einen zwei Drittel-Triathlon hinter uns, ca. 12 km Paddeln und fast 10 km Radfahren, am nächsten Tag merke ich zwar meine Schultern, aber es war ein wunderschöner Tag mit einem etwas anderen Wasserfahrzeug.

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Die „Jolateros“ von Lanzarote: Boote aus Ölfässern

Hier steht der Jolatero im Regen…

Die brüllende Hitze, die in den letzten Tagen Lanzarote heimgesucht hat, haben wir derzeit in Deutschland nicht, nach einigen schönen Sommertagen schüttet seit gestern Zeus als verantwortlicher griechischer Gott über das Wetter unglaubliche Regenmengen aus. Positiver Nebeneffekt: Wir müssen den Garten nicht wässern, aber die vergangenen Hochwasserkatastrophen lassen doch immer wieder Befürchtungen aufkommen, wenn so große Wassermengen in kurzer Zeit auf die Erde fallen. Die letzten Tage waren trocken und warm, hoffen wir, dass der Sommer in der nächsten Woche noch einmal zurückkehrt.

Ein bunte Vielfalt

Wir haben aus Arrecife als Souvenirs bunte „Jolateros“ mitgebracht. Ursprünglich waren das kleine Boote aus alten Treibstofffässern, die die Einwohner von Arrecife Anfang des 20. Jahrhunderts, sozusagen aus „Müll“, gebaut haben, um den Fischern auf den großen Booten zu assistieren, wenn sie den Fang nach Hause brachten. Diese Boote konnten nur mit einem, höchstens mit zwei Mann gefahren werden, dann wurde der Fang eingeladen und an Land gebracht.  Angetrieben wurden und werden die Boote nicht etwa mit Rudern, sondern mit den bloßen Händen und vielleicht mit kleinen Holzbrettchen aus der Küche.

In kanarischen Farben

Mit der zunehmenden Technisierung verschwand diese mühsame Tätigkeit, aber man baute die Bötchen weiter, und es entwickelte sich eine neue Freizeitkultur. Ob man just for fun alleine oder zu zweit durch den Charco, den kleinen See in der Hauptstadt Arrecife paddelt, oder an den Regatten teilnimmt, die anlässlich der jährlichen Feier zu Ehren des Stadtpatrons am Charco de San Gines ausgetragen werden, heutzutage scheint es ein großer Spaß zu sein, denn in Arrecife sieht man viele der attraktiven Metallboote am Rande des Sees liegen.

Sehr dekorativ: bepflanzt mit immergrünen Sukkulenten

Ein Mann aus Lanzarote, der sich „Toño“ nennt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Tradition, also den Bau der Jolateros aus den ursprünglichen Materialien, aufrecht zur erhalten und vor allem an Jugendliche der Insel weiterzugeben, als sinnvollen Zeitvertreib. Mit purer Muskelkraft werden aus den Metallfässern die Bootsseiten geschnitten und in eine entsprechende Form gebracht, an Bug und Heck verbindet ein Vierkantholz die beiden Hälften, und alles wird mit Metallnägeln zusammengehalten. Danach werden die Boote innen und außen mit reichlich bunter Farbe angestrichen, und so entstehen ganz vielfältige phantasievolle Kunstwerke.

Ein Stückchen Sehnsucht am Schlüsselbund

Wir haben und werden unsere Miniatur-Boote bepflanzen und in den Garten oder auf den Balkon stellen, und ich trage das Zwergenmodell dazu am Schlüsselbund.

Ein bisschen Lanzarote in Darmstadt …

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Arbeitszeit

Blasen an den Händen

Die Sonne knallt von einem strahlend blauen Himmel aufs unser Vordeck, der Schweiß fließt, zwei Blasen an den Händen bluten und die letzten Meter ziehen sich wie Gummi.

Leicht soll es sein, wenig wiegen soll das Vorschiff, um elegant durch die Wellen zu gleiten. Nach dem Eintauchen in die Welle soll das Vorschiff mit seinen schmalen Rumpfspitzen und dem wenigen Auftriebsvolumen möglichst schnell wieder auftauchen. Das ist der eigentlich Grund, warum man zwischen den Rümpfen die großen Trampoline montiert hat, denn die wiegen nichts, also fast nichts. Unsere beiden großen gewebten Kunststofftrampoline wiegen gerade mal 10 Kilogramm und sind jeweils ca. 13 Quadratmeter groß, eine schöne Fläche, direkt über dem blauen Meer, die zum Verweilen einlädt, oder auf der man die großen Vorwindsegel für den Gebrauch klarieren kann.

Hier nagte der Zahn der Zeit

Leider sind die Trampoline permanent, wenn sie scheint, den schädlichen UV-Strahlen der Sonne ausgesetzt, daher gibt es mit der Zeit in der gewebten Kunststoffoberfläche immer wieder mal kleine Beschädigungen oder Risse. Die kann man mit Takelgarn oder einer dünnen Leine wieder reparieren, aber den Verfall des Trampolins kann man nicht aufhalten, und immer mehr Stellen reißen. Ein Trampolin hält für gewöhnlich vier Jahre durch, dann muss es durch ein Neues ersetzt werden.

Wir haben unsere neuen Trampoline vor der Abreise bei Outremer bestellt und auch die neue Leine, mit der sie befestigt werden sollen. Mit Max hatten wir einen starken Helfer an Bord, der mich tatkräftig bei dieser Herausforderung unterstützen sollte.

Sollen wir da nicht lieber ein Schwimmbad einbauen?

Wie so oft vor größeren Arbeiten, hat sich bei mir schon ein paar Tage vorher eine gewisse Nervosität eingestellt, da ich nicht der geborene Handwerker bin.

Vor drei Tagen war es dann soweit, ab 15 Uhr wurde gearbeitet. Am Abend vorher wurde das neue Trampolin in einem mit Wasser gefüllten alten blauen Fass eingeweicht. Das Raustrennen des ersten Trampolins ging zügig voran, dann wurde es kniffliger.

Vorgespannt sieht es immer noch klein aus

Denn das eingeweichte Ersatzteil füllte nur etwas mehr als die Hälfte des leeren Zwischenraumes aus, und wir schauten uns alle etwas verdutzt an und fragten uns, ob wir die richtige Trampolingröße geliefert bekommen hatten.

Zum Glück hat Wes von Catlanza uns ein paar Tipps gegeben, wie man durch den Einsatz von Winschen, Fallen und gespannten Hilfsleinen das Trampolin vorspannen und zentrieren kann. Und Max hatte mit den mitgebrachten, einen halben Meter langen Kabelbindern, genau das richtige Hilfsmittel dabei.

Nach eineinhalb Stunden Arbeit war das kleine Trampolin schon bedeutend größer und auch mittig mit gleichen Abständen zu den Seiten zentriert.

Das endgültige Befestigen ist harte Arbeit

Es musste jetzt nur noch mit dem 5 mm starken Leine eingewebt und weiter zu den Seiten gespannt werden.

Eine anstrengende Tortur, mit drei Schlingen an jedem Loch, dem kräftigen Zug danach, der erhalten bleiben musste, bis die Leine am nächsten Loch eingewebt war.

Nach fast sechs Stunden – einer gefühlten Ewigkeit – waren wir und das erste Trampolin geschafft.

Geschafft!

Zumindest mir tat am Abend von den seltsamen Arbeitspositionen und Anstrengungen alle Körperteile weh, die möglich sind, die Knie, der Rücken, die Schultern und die blutenden Hände …

Da ein Katamaran nicht nur zwei Rümpfe und zwei Motoren, sondern auch zwei Trampoline hat, mussten wir gestern nochmal ran.

Das Verfallsdatum für die jetzt noch neuen Trampoline steht auch schon fest …

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Ausflüge

Entspannter Damenschwatz unterm Gennaker

Eigentlich wollten wir am Sonntag mit Nelleke, die am Vortag mit dem Flugzeug aus Holland angekommen ist, nach Teguise zum Sonntagsmarkt fahren. Volker sagt noch, dass er abwäscht, damit wir drei Damen direkt los kommen. Ulrike macht sich schon mal Stadt-, nein Markt-fein, aber dann kommt plötzlich des Käpt’ns Stimme aus dem Off: „Heute ist ein schöner Segelwind, wir gehen segeln. Ulrike, ruf Deine Freunde an, ob sie Zeit haben.“

Die Sonne steht schon tief, als wir zurückkehren

Und sie sind ganz spontan, fünfzehn Minuten später steht die Familie mit einer Flasche Cava und Snacks vor dem Liegeplatz der Hexe. Mit Gennaker fahren wir vor dem Wind zum Strand vor Papagayo, genießen das Schwimmen, einen kleinen Imbiss zum Mittag, und die Ruhe am Ankerplatz, obwohl hier natürlich auch ein paar Boote vor Anker liegen, unter anderem die beiden Catlanzas aus unserem Hafen. Zurück müssen wir gegen den Wind kreuzen, aber auch das gefällt der Familie, dass es mal so richtig schaukelt. Selbst das Putzen im Hafen, um die Salzduschen von dem Boot abzuwaschen, macht vor allem den Kindern richtig Spaß.

Der Skipper wartet auf die Crew

Und am Mittwoch haben wir noch mehr Crew – Verzeihung, Gäste natürlich – an Bord. Unsere Freunde, die nun auch mit ihrem Boot in Puerto Calero angekommen sind, wollen mal schauen, wie sich das Segeln auf zwei Rümpfen so anfühlt. Am Vorabend haben wir in guter Laune zu Volkers Geburtstag verabredet, dass wir einen kleinen Segeltörn zu der Fuerteventura vorgelagerten Insel Los Lobos unternehmen. Pünktlich um zehn Uhr stehen alle bereit: Leinen los!

Die Herren müssen arbeiten

Wieder starten wir mit Gennaker, bis der Wind so weit auffrischt, dass wir das bunte Segel bergen müssen. Erst vier Seemeilen vor Los Lobos können wir es noch einmal ausrollen, dann sind wir auch schon am Ankerplatz angekommen.

Diesmal ist es leider nicht so warm, deshalb mag niemand schwimmen, aber Volker grillt Schweinelendchen, weiße Bratwürste und eingelegte Gambas. Da wir ja so früh aufgebrochen sind, hat niemand richtig gefrühstückt, sodass wir alle ordentlich Hunger haben und uns mit Grillgut, Käse und Brot entsprechend die Bäuche voll schlagen.

Auf zur Dinghy-Fahrt

Nach dem Essen möchte eins der Mädchen mal im Dinghy fahren, am liebsten ganz schnell, Volker tut ihr den Gefallen, er mag das ja auch gerne. Anschließend geht es wieder los, denn auf dem Rückweg müssen wir ja wieder kreuzen, weil der Wind genau aus Puerto Calero kommt, und da dauert es schon ein bisschen länger. Aber bei ruhiger See und schönem Wind macht das allen Spaß, auch Hund Nelli liegt entspannt auf dem Sofa.

Dank an Elke für die Fotos!

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Der Hexenstich

Am Ende ist auch der Skipper zufrieden mit der Arbeit der Hexen…

Schon lange hat sich der Skipper gewünscht, dass ich ihm eine Tasche für die Reserve-Segellatten des Großsegels nähe. Nun brauchen wir dazu einen möglichst UV-beständigen Stoff, der außerdem zumindest wasserabweisend ist. Die längsten Segellatten sind fast sieben m lang, das bedeutet, man muss mehrere Stoffbahnen aneinander nähen, sichere Nähte machen, damit keine Latten den Stoff zerstören, also eine echte Herausforderung an “Nähnomaden”.

Nur ein Bruchteil der Auswahl

Nun ist ja glücklicherweise Ulrike noch bei uns, sodass wir zwei Frauen gemeinsam über die beste Methode, die sauberste Naht – damit keine der unterschiedlich langen Latten sich innen in der Tasche verhakten kann –  und die einfachste Nähmethode grübeln können. In dem Stoffgeschäft „El Kilo“ in Lanzarote werden wir schon mal fündig und kaufen einen schönen  hellen Bezugsstoff. Dieser Laden ist sensationell, hunderte von Stoffbahnen aus allen möglichen Fasern, in allen möglichen Farben und mit den unmöglichsten Mustern versehen lagern hier. Die dort arbeitenden Damen kennen jede Ecke, laufen durch die Gänge und greifen zielsicher den gewünschten Stoff heraus. Drei Meter breit liegt der von uns ausgesuchte UV-beständige hellbeige Stoff, das ist gut, denn die große Breite spart uns einige Nähte. So reicht uns ein Meter des Stoffes, und zufrieden ziehen wir ab.

Zuschneiden am Cockpit-Tisch

Mit List und Tücke überlegen wir, wie man am besten gerade Bahnen schneiden kann, ohne Zuhilfenahme von großen meterlangen Linealen. Glücklicherweise hat unser Cockpit-Tisch in der Mitte eine kleine Holzleiste über die ganze Breite, das wird unser Hilfslineal. Fast perfekt schneiden wir so drei Bahnen à 25 cm des drei Meter breiten Stoffes, und wollen mit meiner Bord-Nähmaschine frisch ans Werk gehen.

Doch, oh Schreck!, die Maschine hat sich irgendwann zwischen Hoorn und Lanzarote verschluckt, und will nicht vorwärts nähen. Im Rückwärtsgang geht alles gut, aber wenn es normal nach vorne gehen soll, näht sie in winzigen Stichen rückwärts. Da ist die Enttäuschung erstmal groß, hatten wir doch gedacht, dass wir am Dienstag, nachdem uns Carl-Martin in Richtung Amsterdam verlassen hat, die Aufgabe locker bewältigen können.

Aber glücklicherweise kennt Ulrike hier auf Lanzarote wahrscheinlich mindestens jeden dritten Einwohner der Insel, und so ist schnell über das entsprechende Beziehungsnetz ein Laden gefunden, der Nähmaschinen nicht nur verkauft, sondern auch reparieren kann. Außerdem hat Ulrike eine gleiche Singer-Nähmaschine zuhause, die wir während der Reparatur benutzen können.

Der wunderbare Nähmaschinenladen in Arrecife

Am Mittwoch Vormittag fahren wir nach Arrecife, um die defekte Maschine abzugeben. Wir kommen in ein Geschäft, das, laut Aussage eines hiesigen Freundes, so aussieht, als gäbe es ihn bereits 100 Jahre. Die Besitzer sind ein älteres Ehepaar, die unsere einfache Singer kritisch beäugender, aber ich versuche zu erklären, dass wir sie ja „nur“ auf unserem Boot benutzen, und dass sie dafür durchaus ausreichend ist.

Die “richtige” Singer

Naja, der freundliche Herr erklärt sich dann doch bereit, die Maschine zu reparieren, meint aber, die schöne ältere Singer mit wahlweise Fußantrieb oder elektrisch könne man doch auch gut auf einem Boot mitnehmen.

Wir haben auf Ulrikes Maschine gestern Nachmittag den Schonbezug für die Segellatten fertig gestellt.  Drei lange Stücke haben wir mit einer sauberen Jeansnaht aneinander  genäht, dann hatten wir eine neun Meter lange Bahn.

Hexenzickzack

Um diese jetzt zu einer stabilen runden Hülle zu schließen, haben wir uns den „Hexenstich“ ausgedacht: mit Zickzacknähten gesäumt, und dann die Zickzacknähte wiederum mit einer Zickzacknaht aufeinander verschlossen. Soviel Zickzack können nur Hexen mit ihrem Hexenbesen…

Warten auf die Drinks im Upper-Deck

Die Enden wollte Volker mit einem Bändchen verschließen, die Latten werden mit Kabelbindern an die Reling gehängt. Zum Schluss waren wir stolz auf unser Werk und konnten mit Eva und Walter vom Nachbarboot, der „Indigo“, ausgelassen feiern.

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Sommer, Sonne, Partyspaß

Auch Nelli ist glücklich, dass sie wieder bei ihrem Frauchen und bei uns sein kann

Endlich sind wir wieder auf Lanzarote, 18 lange Monate haben wir dieses wunderbare atlantische Eiland nicht gesehen, es regelrecht vermisst und uns immer wieder hin gesehnt, oder uns hingeträumt. Jetzt sind wir endlich wieder da.

Nach der Ankunft erhält zuerst das Schiff seine verdiente Süßwasserdusche, es wird vom Bug bis zum Heck entsalzen und von vielen Händen liebevoll gepflegt. Nach zwei Stunden strahlt das Boot in seinem schönsten Weiß und wir starten unsere kleine Ankunftsparty mit einer Flasche Cava, ein paar leckeren Snacks und einem beherzten Sprung von mir ins atlantische Nass.

Endlich wieder auf dem Upper Deck

Nach der Feier ist vor der Feier. Abends zieht es uns zu unserer Lieblingskneipe, dem Upperdeck, wo wir von vielen vertrauten Gesichtern freudig strahlend begrüßt werden. Es gibt viel zu erzählen, viel nachzuholen und wir feiern unsere Rückkehr bis tief in die Nacht. Auch an Bord wird noch ausgelassen getanzt und getrunken, bis auch der letzte todmüde ins Bett fällt.

Über 2200 Seemeilen liegen zwischen dem Ijsselmeer und Lanzarote und wir sind zutiefst dankbar, dass wir so viele schöne Tage auf dem Wasser hatten. Insgesamt muss man für diese Reise festhalten, dass wir ein riesiges Glück mit dem Wetter hatten, kein Gegenwind im englischen Kanal, kein Sturm in der berüchtigten Biskaya und gute Winde für alle längeren Streckenabschnitte.

Jetzt sind wir hier, auf unserer Lieblingsinsel, finalmente 🙂

“Salzbergchen” in den Salinen

Carl-Martin vor leckeren Tapas

Während ich ein paar kleinere Jobs an Bord erledige, fährt Ulrike mit dem Rest der Crew über die Insel, denn für Carl-Martin ist es der erste Besuch auf der Kanareninsel. Die drei genießen die gute kanarische Küche, besichtigen die Lavafelder, die Saline, los Hermidores und machen noch einen Ausflug nach Arrecife.

Die defekte Platine

Leider ist durch den von mir verursachten Kurzschluss am Wassermacher die Platine im Schaltkasten leicht angebrannt und muss ausgetauscht werden. Wir hoffen, das bestellte Ersatzteil binnen einer Woche zu erhalten. Bedauerlicherweise können wir wegen des Defektes kein eigenes Trinkwasser mehr mit der Entsalzungsanlage produzieren. Um dennoch das beigesetzte Chlor aus dem hiesigen Trinkwasser filtern zu können, haben wir uns einen Carbonfilter zugelegt, den wir zwischen Wasserschlauch und Steganschluss anschließen. Damit ist die Trinkwasserversorgung gesichert, und wir müssen auch weiterhin keine Plastikflaschen aus dem Supermarkt anschleppen.

Das stolze Schiff vor seiner Reise rund um die Welt

Es gibt sie ja nahezu in jedem Hafen, Boote, die eine besondere Ausstrahlung haben, sei es wegen ihres Alters, ihrer Robustheit, ihres Baumaterials oder wegen ihrer Bestimmung, beispielsweise als Regattaschiff. Hier im Hafen liegt zur Zeit ein berühmtes Motorschiff, die Astra, die lange Zeit als Rettungsboot im schwedischen Offshorebereich im Einsatz war. Mit ihrem neuen schwedischen Eigner geht das Schiff auf eine Reise rund-um-die-Welt. Geplant sind auch Besuche in den entlegenen Polregionen unserer Erde, denn die „Astra“ hat eine Zulassung als Eisbrecher. Benannt ist sie nach dem schwedischen Pharmariesen AstraZeneca, der dieses besondere Schiff 1994 dem schwedischen Seenotrettungsdienst gespendet hat.

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Finalmente Puerto Calero – buenas días!

Sonntag, 11. Juli – Montag, 12. Juli 2021, Baro 1025, Wind vorherrschend Nord-Nordost zwischen 16 und 30 Knoten

Quinta do Lorde 11.07. 06:40 – Puerto Calero 12.07. 15:00, 304,7 sm

Der zweite Teil

Der Gennaker zieht

Nach dem ersten Frühstück hat hat der Skipper um 13:00 Uhr ausgeschlafen, der Wind hat abgenommen auf 13-14 Knoten, auch die Wellen sind etwas kleiner, dann muss natürlich sofort zuerst die Genua, dann aber auch das Großsegel ausgerefft werden. Mal sehen, wann er den Gennaker setzt. Das hätte ich vielleicht nicht schreiben sollen, denn natürlich wird zehn Minuten später der Gennaker rausgeholt und um 14:00 Uhr steht das bunte Segel, bei um die 15 Knoten Wind haben wir wieder über zehn Knoten Geschwindigkeit.

Fototermin

Leider nimmt der Wind wieder ein bisschen zu, und eigentlich sollen wir den Gennaker nur bis 15 Knoten wahren Wind stehen lassen. bis zu 14 Knoten Fahrt zeigt die Logge mit dem bunten Vorsegel an. Als Volker dann die 20 Knoten auf dem Display sieht, nehmen wir den 190 Quadratmeter großen Gennaker halt wieder weg, und rollen die Genua aus. Der Wetterbericht, den ich über die Kurzwelle geholt habe, sagt auch voraus, dass der Wind gegen Nachmittag/Abend zunehmen soll, nun passiert das vielleicht schon etwas früher. Das war halt nur ein kurzes Vergnügen, aber wenigstens konnte Ulrike ein paar schöne Photos machen.

Heute kein Anglerglück?

Der Wind bleibt beständig, wir sind unglaublich schnell. Ulrike und ich sitzen „auf der Brücke“, sozusagen am Außen-Kommandostand, und träumen und ratschen ein bisschen auf Frauenart. Eigentlich wollten wir am Abend einen frisch gefangenen Fisch essen, und Volker hat auch die Angel aus dem Vorschiff geholt, der bunte Kalmar zappelt als Köder durchs Wasser, aber noch hat kein Fisch angebissen. Dann müssen wir zum Abendessen halt doch die Reste von der Lasagne essen, vielleicht haben wir ja morgen noch Anglerglück.

Noch kein Sommer: Die Gäste mit Anorak und Mütze

Als Volker erwacht und nach oben kommt, drehen wir die Genua ein bisschen ein. Doch wir bleiben schnell, ab und zu hebt eine große Welle das Boot an, und beschleunigt es. Um 19:00 Uhr haben wir ein Halbtages-Etmal von 118 Meilen, und ab dann beschleunigt der Wind mal wieder auf gut über zwanzig Knoten, wir reffen das Großsegel. Auch die Wellen sind wieder höher, sicher zwei Meter, und es fällt ein leichter Regen. Hinter uns ist es ganz dunkel, hoffentlich kommt da nicht noch mehr Wind.

Sunset

Vor dem Abendessen drehen wir die Genua zwei Umdrehungen ein, das Boot fährt immer noch mit einer Geschwindigkeit von deutlich über zehn Knoten, die Wellen allerdings sind noch ein bisschen höher geworden, und manchmal knallt so ein Brecher ans Brückendeck und es rumpelt ganz laut. Um 21:30 ist die letzte Tageshelligkeit verschwunden, und leider wird es auch eine richtig dunkle Nacht werden, denn vorgestern war Neumond, da leuchtet uns keine gelbe Scheibe durch die Nacht. Außerdem ist es sowieso bewölkt, da hätte auch der schönste Mondenschein wenig Chancen.

Nachtwache

Das Nachtsofa wird hergerichtet, also der Tisch im Salon abgesenkt und eine große Liegewiese entsteht, wo wir alle noch ein bisschen in den Ecken sitzen können und uns die Zeit vertreiben mit lesen, rätseln oder Handy-spielen. Carl-Martin zieht sich zurück ins Bett, dann kann er sich mal so richtig ausschlafen. Etwas später geht auch Ulrike in die Kabine, um 23:30 lege mich nach unten, Volker hält Wache. Irgendwann wird es mir unten zu bunt, die lauten Wellen schlagen gegen den Rumpf, und jeden Surf des Bootes bekomme ich dort verstärkt mit. Volker gibt mir ein Stück von dem Sofa ab, hier ist der ruhigste Punkt im Boot.

Das war noch nicht die Spitze, aber bei 17 Knoten ist nie der Foto zur Hand!

Über die Kurzwelle hatte ich noch einen Wetterbericht geholt, die Gribfiles sagen, dass es so bleiben wird bis nach Lanzarote, ca. zwanzig Knoten Wind aus Nordnordost, in Böen auch mal bis dreißig Knoten. Die Wellenhöhe beträgt weiterhin ca. 2,5 m, eventuell kann es im Laufe der Nacht etwas abflauen, dann verringert sich auch die Welle. Am südlichen Ende von Lanzarote wird es ganz bestimmt ruhiger werden, schon weil wir dort im Windschatten der Insel entlang fahren, ehe wir die letzten sieben Seemeilen bis Puerto Calero werden kreuzen müssen. Aber das wird ja dann erst morgen im Laufe des Tages sein. Tatsächlich lässt der Wind ab 02:00 Uhr ein kleines bisschen nach, die Genua wird ausgerefft, aber der Wind kommt immer weiter östlich, der Windwinkel wird immer spitzer, Volker schotet das Groß enger und auch die Genua, am Ende haben wir Halbwindkurs, aber mit 16 Knoten ist das ausgesprochen angenehm, die Wellen knallen nicht mehr so und die Schiffsbewegungen werden geschmeidiger.

Beim Motoren muss der Wassergenerator eingeholt werden

Ab 04:00 lässt der Wind immer mehr nach, wir schütten das Reff aus dem Großsegel, und jetzt dreht er auch wieder auf den vorherigen Windwinkel NO, das ist dann wieder ein Raumschotkurs, aber leider reicht der Wind nicht mehr zum Segeln, bei Bootsgeschwindigkeiten unter fünf Koten motoren wir. Um 05:00 Uhr sind wir 22 Stunden gesegelt und haben 219 Seemeilen auf der Logge, das ist ein Schnitt von 10 Knoten! Natürlich versaut uns das jetzige Motoren die Durchschnittsgeschwindigkeit, aber angeblich soll ab 09:00 Uhr der Wind wieder auffrischen. Das macht der gute Wind tatsächlich schon früher, ab 05:50 können wir wieder segeln, und sind dann schneller als unter Motor. Bei 14-16 Knoten und einem Windeinfallswinkel von 140-148° segeln wir über 7 Knoten schnell. Das ist auch gut so, denn ein großes Containerschiff würde, wenn wir die geringere Geschwindigkeit von knapp über sechs Knoten beibehielten, in nur einer halben Seemeile passieren. So aber fahren wir mit einem Abstand von zwei Seemeilen vor dem Containerschiff durch.

Frühstück im Cockpit

Um 06:00 Uhr weicht im Osten die tiefschwarzer Nacht bereits einer sehr sehr zarten Helligkeit, um 06:30 kann man rund ums Boot eine klare Linie zwischen Meer und Himmel unterscheiden, und im Nahbereich sind die Wellenbewegungen sichtbar. Die Nacht ist vorbei! Das Etmal um 07:00 ist 234 sm, das entspricht, trotz der kurzen Schwachwindphase in der Nacht, einem Tagesdurchschnitt von 9,75 sm, das freut insbesondere den Skipper und Carl-Martin, und ich freue mich über die flachere See bei gutem Wind. Inzwischen sind auch unsere Gäste aus ihren jeweiligen Kabinen gekrochen, es gibt einen ersten löslichen Kaffee, und ich setze den Hefeteig für die Brötchen an. Rechtzeitig zum Frühstück fangen die ersten Handys an zu piepen, wir haben wieder ein Mobilfunk-Netz, wenn auch nur schwach, es reicht noch nicht für einen Video-Anruf mit unserer kleinen Enkelin. Wir sitzen am Frühstückstisch und alle schauen wie gebannt auf ihre Handys. Das war ja auch ein Entzug von von fast 24 Stunden!

12:30 Uhr sind wir am Leuchtturm Pechiguera, dem südwestlichsten Ende von Lanzarote, nun sind es nur noch 13 Meilen bis Puerto Calero, wo Hafenmeister Alex unseren angestammten Liegeplatz frei gehalten hat und die Marineros schon auf uns warten, um die Leinen anzunehmen. Am Südende Lanzarote ist der Wind wie vorhergesagt eher schwach, aber auf dem letzten Stück nach Calero haben wir natürlich den Wind direkt auf die Nase, wir müssen tatsächlich, wie befürchtet, das letzte Stück heftig gegenan kreuzen. Es weht so heftig, dass Volker am Ende seine Mühe hat, das Großsegel ordentlich aufzutuchen. Nun müssen alle mithelfen, die Fender zu hängen, die Leinen vorzubereiten, und den Hafen zu informieren, dass wir gleich reinkommen werden.

Angekommen, am ersten Abend.

Was für eine tolle Überfahrt, unsere schnellste längere Reise bisher, und das Gute war, dass es am Anfang anstrengend war, mit dem vielen Wind und den hohen lauten Wellen, und dass die Reise dann, im Laufe der Nacht, immer angenehmer wurde.

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Madeira ade!

Kurz vor sechs Uhr sind wir beide wach, eine starke “Quinta-do-Lorde-Böe hat uns aufgeweckt, nachdem der starke Wind, der uns die letzten fünf Tage schrecklich genervt hatte, heute Nacht ein bisschen nachgelassen hatte. Sollen wir jetzt noch die halbe Stunde schlafen, bis der Wecker klingelt, oder aufstehen und einfach losfahren? Wir entscheiden uns fürs Losfahren, wecken Ulrike und Carl-Martin, und mit dem ersten Morgengrauen sind wir unterwegs.
Natürlich hat pünktlich zum Ablegen der Wind wieder ordentlich aufgefrischt, mit voller Kraft heulen die Fallböen von den Klippen.

Aber um 07:00 Uhr sind wir aus dem Hafen, das Großsegel ist im ersten Reff gesetzt und wir „fliegen“ Lanzarote entgegen. Am Anfang sind es gut 24 Knoten Wind, einige Böen haben sogar über 30 Knoten im Gepäck, auch die Genua ist eingerollt auf Reff 1. Wir fahren im Wellenschatten der langgezogenen Isla Deserta vorbei, danach sind die Wellen wieder gut zwei Meter hoch und die Hexe läuft beständig über 10 Knoten schnell, bei einem Top-Speed von 16,8 Knoten schreien Ulrike und der Skipper vor Wonne auf. Fünf Stunden nach dem Segelsetzen liegen mehr als fünfzig Meilen in unserem Kielwasser, eine durchschnittliche Geschwindigkeit von über 10 Knoten!

Überall in der Luft ist feiner Sprühnebel aus Meerwasser, der von den weißen Schaumkronen auf den Wellen durch die Luft fliegt, wir halten die Schiebetür bis auf einen kleinen Spalt geschlossen. Die Bootsbewegungen durch die schräg von achtern heranrollenden Wellen sind enorm, man muss sich immer mit einer Hand festhalten, um nicht durch das Schiff zu fallen. Auch mein beweglicher Schreibtischstuhl am Kartentisch, auf dem ich jetzt beim Schreiben sitze, gleitet um seinen Drehpunkt und sorgt dafür, dass ich meine Bauch- und Beinmuskeln trainiere.
Um kurz nach neun Uhr höre ich Uwe von Intermar, unter anderem mit der Wettervorhersage, allerdings waren wir da noch in der Abdeckung von der Deserta und der Empfang war nicht so klar wie sonst, wenn wir auf dem großen weiten Meer unterwegs sind.
Um 10:00 Uhr gibt es Frühstück im Cockpit, sicherheitshalber auf rutschfesten Unterlagen, mit selbstgebackenen Brötchen, Rührei und Speck. Danach ist Ruhe im Schiff, fast alle legen sich zu einem kleinen Vormittagsschläfchen nieder, der Wind hat auch ein bisschen nachgelassen, es weht nur noch mit 16-19 Knoten, weiterhin aus Nordost, die Wellen werden ein bisschen kleiner, und ab und zu wagt sich ein Sonnenstrahl durch die dünne, aber ansonsten geschlossene Wolkenschicht.

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Rundfahrt durch eine vielseitige Insel

Am Donnerstag ist zuerst unser langjähriger Segelfreund Carl-Martin aus Holland angekommen, und nachmittags landete dann auch Ulrike aus Lanzarote hier in Madeira. Die Landebahn von Funchal ist schon sehr speziell, eine unglaubliche Brückenkonstruktion, eine Ingenieursleistung der Spitzenklasse. Aber auch, wie unser Pilotenfreund Matthijs uns erklärte, eine der schwierigsten Landebahnen für die Flugzeugführer.

Am Freitag nun wollten wir einen Ausflug über die Insel machen, ich hatte schon verschiedene Routen mit den wichtigsten Attraktionen zusammengestellt, je nach Wunsch etwas länger oder kürzer. In unseren Clio würden wir alle reinpassen, wenn wir uns ein bisschen zusammenfalten, aber dann war in der Nacht so viel Wind und solche schrecklichen Böen, dass Volker es vorzog, beim Boot zu bleiben. Das war auch gut, denn die kleinen Gummis, die das Cockpitzelt spannen, gaben irgendwann der Kraft des Windes nach.

Ein typisches Dreieckshäuschen

… mit Inneneinrichtung

dieses ist noch bewohnt

So machten wir uns zu dritt auf, fuhren zunächst über eine der hervorragend ausgebauten Schnellstraßen der Insel, mit denen schwierige Steigungen einfach untertunnelt werden, zu der im Norden gelegen kleinen Stadt Santana. (Nein, Carlos kommt nicht von dort!). Da stehen die kleinen strohgedeckten Dreieckshäuschen, die auch das Wahrzeichen der Insel sind. Wir konnten in ein paar reinschauen, dort hatte man es so eingerichtet, wie es vielleicht tatsächlich mal benutzt wurde, in anderen wurden Souvenirartikel wie Korktaschen oder gewebte Tücher angeboten.

Trompetenblumen

Handtellergroße Hortensienblüten

 

 

 

 

 

 

 

 

Gleichzeitig blühten dort Sträucher und Blumen, wie Hortensien, Dahlien, Trompetenblumen und andere in so vollendeter Pracht und mit riesig großen Blüten. Unglaublich schön!

Ausblicke auf die Küste

Nach einem kleinen Kaffee, zu dem uns Carl-Martin eingeladen hatte, ging es weiter, zurück aus dem Ort, über Straßen, die in einem gefühlten 45°-Winkel nach oben und auch wieder nach unten führten, danach fuhren wir wieder auf einer etwas ausgebauteren Straße an São Jorge vorbei. Von dort hat man unglaubliche Aussichten auf die Steilküste und die kleinen Buchten mit dem schwarzen Lavagestein, in denen sich zum Teil natürliche Schwimmbecken bilden. Außerdem ist die Gegend um São Jorge berühmt für den Lorbeerwald, der sogar unter dem Schutz der UNESCO steht. Weiter ging es bis São Vicente, immer entlang der Küstenstraße, vorbei an üppig grünen Hängen, die Straße gesäumt von blauen und weißen Blüten.

Üppiges Pflanzenwachstum

An einem der Miradores, der Aussichtspunkte, stand ein kleiner Lastwagen mit einem Menschen, der uns leckeres Obst von der Insel verkaufte, eine kleine Wegzehrung aus leckeren Bananen, Kiwi, Maracujas und Chirimoyas. Gut, das meiste haben wir mit zum Boot genommen und dort gegessen. Auffällig war, dass es auf der Nordseite der Insel so unglaublich feucht war, immer wieder viel leichter Nieselregen aus den tiefhängenden Wolken, naja von nichts kommen auch keine blühenden Sträucher entlang der Straße.

Durch die Inselmitte schenken wir uns die Panoramastraßen, denn da fährt man durch eine Haarnadelkurve nach der anderen, und es würde sicher zwei Stunden länger dauern, um auf die südliche Seite Madeiras zu kommen. Endlos lange Tunnelstrecken, hervorragend ausgebaut, sind in die Berge eingebaut und führen uns schnell nach Ribeira Brava.

Sonnenschein

Unser Erstaunen ist groß, denn nach der letzten Tunnelausfahrt sind wir im Sommer angekommen. War es auf der Nordseite kühl, feucht und grau, so scheint jetzt hier die Sonne, blühende Blumen gibt es weiterhin, aber nicht in solch überbordender Fülle, die Bananen wachsen an den Sträuchern. Weinstöcke gab es auf beiden Seiten der Insel, das sind im wesentlichen die Trauben für den berühmten Madeirawein.

Durch Ribeira Brava spazieren wir, an der Kirche vorbei zum Strand, unglaublich, wie warm es jetzt ist. Aber natürlich auch viel trockener, wenn es hier nicht permanent aus den tiefhängenden Wolken regnet. Dort erreicht uns ein Anruf von Volker, dass wir uns doch einmal die Marina in Calheta anschauen sollten, ob wir vielleicht mit der Hexe dorthin könnten, um endlich dem Wind in Quinta do Lorde zu entfliehen. Das ist gut, denn dort wollte ich sowieso gerne vorbei fahren, die Praia de Calheta ist der einzige helle Sandstrand der Insel, und somit auch ein „Must-See“. Die Marina hat uns gut gefallen, mit vielen kleinen Restaurants und Geschäften, aber leider ist dort kein Liegeplatz für uns frei. Naja, dann reservieren wir das nächste Mal einfach ein paar Tage früher.

Auf dem Rückweg schenken wir uns den Abstecher in die Inselhauptstadt, inzwischen ist es schon spät geworden, und wir wollen noch einkaufen, solange wir das Leihauto haben.

So kehren wir nach einem ausgiebigen Ausflug durch die verschiedenen Klimazonen von Madeira, mit zumTeil abenteuerlichen Straßen, und wunderschönen Eindrücken, zufrieden und mit den Händys voller Photos, zurück zum Boot.

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