Nach Lanzarote – Angekommen

Am Nachmittag und Abend lässt der Wind auf angenehme 18-20 Knoten nach, das heißt wir segeln nicht mehr ganz so schnell wie in den letzten 24 Stunden, aber immer noch flott. Das letzte Abendessen auf See ist klassisch Spaghetti bolognese, wir lieben das.  Danach sind wir noch weit genug von der Insel entfernt, sodass wir noch ein paar ruhige Stunden haben für ein bisschen Schlaf.  Der Wind ist immer noch lebhaft, 18 bis 20 Knoten, dabei gibt es auch noch Böen bis 26 Knoten.

Ab La Graciosa, das ist die kleine Insel vor der Nordspitze Lanzarotes, wird der Kurs unangenehm, weil komplett vor dem Wind. Nun könnten wir – wie auf der ganzen Strecke auch – vor dem Wind kreuzen, aber jetzt wollen wir einfach mal ankommen. Wir bergen das Großsegel und fahren zunächst nur mit der Genua, aber irgendwann ist des Skippers Geduld am Ende, und der Motor läuft.

Lanzarote empfängt uns mit Kalima und Nieselregen. Dafür haben wir die weite Strecke gesegelt?! Nach sieben Tagen und 23 Stunden erreichen wir Puerto Calero, Wes steht am Steg, um die Leinen anzunehmen, Roisin kommt auch dazu, es ist wie „Heimkommen“. 

Jetzt zu den Zahlen:
von Lorient bis Puerto Calero sind wir 1.443 sm gesegelt, haben dafür 191 Stunden gebraucht, das ergibt einen Schnitt von 7,55 Knoten pro Stunde, nicht schlecht! Die höchste Windgeschwindigkeit war über 30 Knoten, und unser Top Speed waren sensationelle 15,3 Knoten. Insgesamt sind wir ca. zehn Stunden unter Motor gefahren, ich habe leider nicht gezählt, wie oft wir das Großsegel und die Genua ein- und ausgerefft haben, aber es waren ganz schön viele Male.

Nach dem Anlegen holen wir noch ein bisschen Schlaf nach, ich mehr, Volker weniger, der putzt das Boot und befreit es von den Unmengen Salz, das die Wellen der tanzenden See überall hinterlassen haben. Ich backe, während der Skipper schläft, aus den von Darmstadt hierher gesegelten Pflaumen und drei Äpfeln einen Streuselkuchen. Den nehmen wir um 15 Uhr mit zu Wes und Roisin auf ihr Boot, außerdem noch die letzte Flasche lanzarotenischen Sekts, die mit uns nach Holland und wieder zurück gesegelt ist, und genießen die Wärme.

Nach Lanzarote Tag 8

Baro 1024, bedeckt, ca. 18º, Wind NO in Böen bis 30 Knoten, die See 3m

Glücklicherweise kam der Skipper um Mitternacht auf die Idee, doch ein 2. Reff ins Großsegel zu binden. Die Aktion selbst war zwar nicht so schön, weil das Boot zum Reffen ja in den Wind gedreht werden muss, und das macht bei 25 Knoten und Wellen über zwei Meter nicht so richtig Spaß. Aber inzwischen sind wir eingespielt, ich bin nur immer ein bisschen bang, wenn Volker aufs Deck muss bei dem schwankenden Schiff. Auch die Genua ist etwas eingedreht, die Hexe war gerüstet für die Nacht. Und das war eine gute Entscheidung, denn ab fünf Uhr gingen die Böen auf 27 Knoten, und um acht waren es dann auch mal 30 Knoten. Dafür gibt es fast immer zweistellige Zahlen für die Geschwindigkeit des Bootes, oft über 16 Knoten Fahrt, Volker hat sogar einmal die 18 gesehen.

Die Bewegungen der See sind eine Herausforderung an mich, bei jedem Schritt muss ich mich irgendwo festhalten, um nicht überall anzustoßen, Volker kann das besser, er turnt ja – wenn es nötig ist – schon mal auf dem Dach herum.

Auf unserer Überfahrt in die Karibik habe ich mich jeden Morgen per Kurzwelle in die Intermar Runde eingewählt, das war nicht immer einfach und mit vielen Störgeräuschen oft nervig, aber es hat uns sehr geholfen, weil der jeweilige Net-Control Mensch zu allererst ausführliche Wetterinformationen gegeben hat. Nun ist das eine Männerdomäne, wenn da plötzlich eine weibliche Stimme im Funk ist, wird die auch besonders zuvorkommend behandelt. Wir bekamen oft direkte Wetterinformationen für unsere Strecke als allererstes genannt, im Morgen- und Abendnetz. Und dann habe ich auch bei Predict Wind mit Gribfiles Wetterinformationen abholen können und auf unsere Strecke einlesen. Wir konnten auch per email kurze Berichte auf unseren Blog stellen. Das war schon gut! Das Abholen der Gribfiles und das Aussenden der Blog-Texte über  die Kurzwelle hat aber hohe Anforderungen an die Geduld gestellt. Es dauerte oft sehr lange, bis die Daten an der richtigen Stelle ankamen. Und manchmal hat die Übertragung nicht geklappt oder ist mitten drin abgebrochen, dann musste ich das halt noch einmal anfangen. Heute habe ich es auch probiert, aber heute gibt es einen weltweiten Contest in der Kurzwelle, da habe ich auf der Intermar-Frequenz nur Amerikaner gehört.

Man mag zu Elon Musk als Person unterschiedliche Meinungen haben, aber mit den Satelliten für Starlink liebe ich ihn. Jetzt kann ich zu jeder Tages- und Nachtzeit meine Wetterinformationen abrufen, wir bleiben in Kontakt mit Familie und Freunden zuhause. Ich habe auch nicht ungefähr 500 Mails mehr, wenn ich den Computer nach einer Zeit auf See wieder anschalte, sondern kann sie jeden Tag abrufen und beantworten. Und wir können jederzeit Filme anschauen, das ist alles Luxus pur. Es kostet halt nur ein bisschen Geld. Es gibt bei Starlink einen Reisetarif für terrestrische Reisen und Küstengewässer für 95€ im Monat, und wenn man auf hoher See ist, außerhalb der 12 Meilen-Zone, kann man den Ocean-Modus dazu buchen, da wird nach Verbrauch pro GB 1,91€ abgerechnet. Den Ocean-Modus kann man jederzeit pausieren oder auch abschalten. Man hat es selbst in der Hand, wieviele Gigabytes man sich leisten will. 

Ab Mittag werden die Böen ein bisschen weniger, aber die Wellen sind weiterhin hoch, und die Hexe schaukelt sich nach Süden. Inzwischen ist auch die Sonne heraus gekommen, da sieht ja alles gleich viel schöner aus, und es wird warm, deutlich zu spüren, dass wir einige Breitengrade weiter südlich gesegelt sind.

Weiter geht’s – Seguimos adelante

Autor: Skipper Volker

Ich mache mal da weiter, wo die Capitania gestern Abend mit ihrem Blogbeitrag aufgehört hat. Den Gennaker haben wir bis Mitternacht stehen lassen, denn da war der Wind dann weg. Aber die letzten drei Stunden mit dem bunten Segel waren Rauschefahrt pur. Bei Böen bis 27 Knoten und tollem Windwinkel beschleunigte der Kat bis auf 13 Knoten. Wir saßen bei der Speedfahrt am Kartentisch, hielten den Windwinkel und den Idealkurs im Auge und konnten das Boot nach Belieben ein bisschen an den Wind pressen und beschleunigen.

Nachts fühlt sich die Geschwindigkeit noch schneller an, da man durch die Dunkelheit den Bezug zur Umgebung verliert. Bis vier Uhr in der Früh waren wir dann segellos, unter Motor unterwegs. Dann setzte der Nordostpassat ein, zuerst zögerlich und schwach, doch bald standen 6-7 Knoten Speed auf der Logge.  (Ich werde wach, diesmal nicht, weil der Motor unter meinem Bett angegangen ist, sondern erst, als ich das Gebrumm nicht mehr hörte. Ich hüpfe dann ja immer aus dem Bett, um Volker zu helfen, aber der hatte schon alles erledigt. Das Großsegel war gesetzt und die Genua ausgerollt. Seitdem segeln wir wieder, mit achterlichem Wind fast auf Kurs. Anm. d. Red.)

Gestern haben wir die Uhr eine Stunde zurück auf Kanarenzeit umgestellt. Mit der europäischen Sommerzeit wurde es uns, soweit im Süden und Westen, morgens zu spät hell. Erst ab 8 Uhr setzte langsam die Morgendämmerung ein. Jetzt passt die Uhrzeit besser zum Rhythmus der Natur in unserer Umgebung.

Nachts kommen wir jetzt ohne Dieselheizung aus, so warm ist es und tagsüber ist kurze-Hose-Wetter. Wir haben eine weitere unsichtbare Ländergrenze übersegelt und schippern nun entlang der marokkanischen Küste. Doch diesmal sind wir nicht nur ein Land weiter südlich, wir haben den europäischen Kontinent verlassen und den nordafrikanischen erreicht. Dieser Kontinent hat eine enorme Ausdehnung von 8.00 Kilometer, von Nord nach Süd.

Eigentlich wollte Cornelia heute einen Zwetschgen-Streuselkuchen backen, doch daraus wurde leider nix, weil sie mal wieder mit der Optimierung unserer Website zu lange beschäftigt war. Statt dessen gibt es eine sechs Tage alte Rosinenschnecke für mich und Müsliriegel für die Capitania.

Segeln im Passatwind steht für die 340 Seemeilen lange Reststrecke auf unserem Programm. Der Windwinkel ist dabei recht raum, 150-160 Grad von achtern, aber es gibt zum Glück genügend Wind, wir segeln derzeit mit 7-8 Knoten über eine moderate Atlantikwelle. So könnte es weiter gehen bis Lanzarote, doch für die kommende Nacht hat das Wetter viel Wind im Gepäck. Böen bis 28 Knoten, das entspricht Windstärke 7. Wir werden das Großsegel auf Reff 2 und die Genua auf Reff 3 verkleinern.

Ich habe auch schon mal ein paar Stunden vor geschlafen, und bin fit und ausgeruht für das, was da kommt. Ein Vorteil hat der Wind, wir werden bestimmt schnell, Rauschefahrt durch die Nacht und das ist ja faszinierend!

Nach Lanzarote Tag 6

Baro 1026, Temperatur angenehm, Wind umlaufend um 2 Beaufort, die See 3m mit langsamer Atlantikdünung

Es war eine Nacht mit Motorfahrt, zunächst noch mit Großsegel, das wurde dann aber geborgen, und  wieder gesetzt, und wieder geborgen bis zum nächsten Morgen. Nach dem Frühstück kündigt sich ein leichter Wind aus günstiger Richtung an, es wird ein erneuter Versuch gewagt, aber auch diese Hoffnung endet nach wenigen Minuten bei 3-4 Knoten Wind.

So eine Motorfahrt hat aber auch ihr Gutes. Volker stellt den Wassermacher an, außerdem kann die Waschmaschine einmal laufen. Das ist gut, denn wir hatten unsere Schmutzwäsche mit nach Darmstadt genommen, weil es in Lorient so viel Luftfeuchtigkeit hatte, dass die Sachen nach dem Waschen niemals ganz getrocknet wären. Und dann haben wir – oh Schreck – den Koffer mit den gewaschenen Sachen einfach im Keller stehen lassen, anstatt ihn ins Auto zu packen. Ich hätte morgen meine letzte frische Unterhose anziehen können, obwohl wir in Lorient im Leclerc Supermarkt nochmal aufgestockt haben.

Wir haben jetzt aber so schönes Wetter, dass wir die Wäsche an der Reling aufhängen konnten, und sie innerhalb kürzester Zeit trocken war. Nun muss ich mir um die unterste Lage meiner auf einer Überfahrt ansonsten sehr gleichbleibenden Kleidung keine Sorgen mehr machen.

Gerade eben kam eine ganze Herde Delfine vorbei, zuerst waren es nur drei, vier, die an Backbord schwammen, aber es wurden immer mehr, und Volker hat dann seinen Delfin-Rhythmus an den Rumpf geklopft, und tatsächlich bewegen sich die schönen Tiere im Takt. Elf Tiere habe ich gezählt, eine Großfamilie. Zum Schluss blieb noch ein Pärchen, das vor uns durchs Wasser tanzte und eindeutig miteinander agierte, superschön!

Um 17 Uhr kommt endlich der Gennaker ins Spiel. Volker redet schon seit Tagen, dass er ihn setzen will, aber dann ist der Wind zu raum, oder zu stark, oder zu viele Böen oder zu schwach. Aber nun ist es so weit. Es passt, wir haben acht bis zehn Knoten Wind, fahren mit einem Windwinkel zwischen 130º und 140º, später werden es sogar 14 Knoten, im Gegensatz zu der Motorfahrt rennt die Hexe wieder, der Skipper ist zufrieden.

Ach ja, gestern gab es Eintopf aus Wirsing, Rüben und Kartoffeln mit friesischer Mettwurst, klassisch, erdig und gut. Das Abendessen heute war eine echte Herausforderung, an den Koch, die Größe der Küche, die Anzahl der Herdplatten und Töpfe und anschließend an die Spülfrau. Das Ergebnis aber konnte sich sehen, bzw. schmecken lassen: Rindergulasch mit ganz vielen verschiedenen Gemüsesorten wie Englischer Sellerie, Zwiebeln, Paprika, Lauch, dazu selbstgemachte Semmelknödel und Rotkraut, ein Gedicht!

Noch steht der Gennaker, wenn der Wind nachher weiter auf Nord dreht, werden wir ihn wegpacken, und mit der Genua oder dem Motor weiter fahren. Gute Nacht!

Sehr schnell – muy rapido

Das waren ja mal schnelle 24 Stunden! Es ist schon eine Weile her, dass wir über 200 Seemeilen in 24 Stunden geloggt haben. Gestern morgen drehte der Wind auf West-Nordwest und mit der Drehung wurde der Windwinkel spitzer. 120-140 Grad wahrer Windeinfallswinkel und das liebt die Hexe, gute Windwinkeln – guter Speed, eine einfache Gleichung. Gleichzeitig wurde der Wind und die Böen stärker. Windspeed so um die 17 Knoten, Böen bis 23 Knoten. Trotz Reff segelten wir immer zwischen 8-11 Knoten schnell. In der Nacht gab es dann regelrechte Squalls, mit sintflutartigem Regen und Böen bis 27 kn. 

Um es genau zu nehmen, 212 nautische Meilen oder 392,624 Kilometer sind wir an einem Tag gesegelt. Das ist schon super flott. Hier nochmals die leicht erweiterte Gleichung: gute Windwinkel+mehr Wind = super schnell!

Seit heute früh hat der Wind wieder zurückgedreht. Das Sturmtief zieht weiter zur Nordsee und soll dort Windgeschwindigkeiten bis 110 km/h bringen. Also wie gesagt, wir haben den Wind wieder aus Nordost, segeln etwas weiter östlich, näher zur portugiesischen Küste, um der großen Flautenzone, die sich westlich von uns bildet, auszuweichen. Wir wollen diedie Passatwindzone zwischen Marokko und den Kanaren erreichen. Lissabon liegt ca. 50 Seemeilen östlich von uns. Die nächsten beiden Tage werden wir von leichteren Winden begleitet und damit deutlich langsamer unterwegs sein als bisher. Rund 780 Seemeilen der Strecke Lorient – Lanzarote liegen am heutigen Nachmittag hinter uns, noch gut 600 Seemeilen vor uns. 

An der Stelle will ich auch gerne nachreichen, was an den letzten beiden Abenden auf den Tisch kam. Das war zum einem Zürcher Schweinegeschnetzeltes mit leckeren heimischen Eiernudeln und Wraps mit Füllung und Saucen nach belieben (siehe Foto).

Ich bin mal gespannt, ob wir morgen dann mal ein Leichtwindsegel setzen können, bisher war uns der Wind zu wechselhaft und die Böen zu stark. Endlich wird es wärmer, sowohl tagsüber, als auch nachts, wir sind ja auch 10 Breitengrade weiter südlich als Lorient, auf 38 Grad Nord.

Cornelia verarbeitet gerade eine Erkältung und schläft sich gesund, entweder hat sie sich was in Lorient aufgegabelt, oder das kommt durch die Kälte der ersten Tage und Nächte. Die Wärme der nächsten Tage wird ihr hoffentlich helfen.

Zum Glück – por suerte (spanisch)

Auf dem Atlantik gibt es keine sichtbaren Ländergrenzen, der Übergang von einem zum anderen Hoheitsgewässer ist im wahrsten Sinne des Wortes fließend. Seit gestern segeln wir an der nordspanischen Küste vorbei, die Biskaya mit ihren heranziehenden Herbststürmen liegt hinter uns. Glück gehabt, kann man sagen, denn gerade zieht ein ausgebreitetes Sturmtief mit Kern über der westlichen Biskaya heran. 

Die bisherige nordöstliche Windrichtung, mit der wir gut die Biskaya überquert haben, ist Geschichte. Wir befinden uns zur Zeit am Südrand des Drucksystems. Seit heute früh haben wir westliche Winde, mit leichtem südwestlichem Einschlag. Gerefft und mal mehr oder mal weniger auf Amwindkurs heizen wir mit 8-10 Knoten Speed dahin. 530 gesegelte Seemeilenliegen im Kielwasser. Gerade übersegeln wir wieder eine unsichtbare Ländergrenze. Der kurze nordspanische Küstenabschnitt, von A Coruña bis zur portugiesischen Landesgrenze, in der Nähe von Viana do Castelo, haben wir nur auf der Seekarte gesehen. Willkommen in Portugal – bem-vindo a Portugal.

Seit dem Ablegen hatten wir einen Fehler auf dem Ruderlagensensor des Backbord Autopiloten und haben deswegen den Steuerbord Autopilot genutzt, der zu 100 Prozent aus den gleichen Komponenten besteht. Damit man im Fall der Fälle auch Ersatzteile austauschen könnte, oder falls ein Blitzschlag einen Autopilot lahmlegen würde. Doch je mehr ich in den letzten Tagen über das Problem nachgedacht habe, umso klarer wurde es, dass der Fehler an der kleinen Schubstange des Ruderlagensensors liegen musste. 

Nur bedingt durch den heftigen achterlichen Wind, mit der nachlaufenden Welle, war an ein Öffnen der weit hinten liegenden Motorraumklappe nicht zu denken. Viel zu riskant wäre es, wenn eine brechende Welle ihren Weg in die Motorkammer finden würde. Tagelanges Entsalzen von allem darin Befindlichem würde anstehen. Doch heute, mit dem Wind von der Seite, war es Zeit, dem Problem nachzugehen. Und – wie gedacht – war die Schubstange ausgehakt, weil die runde Haltekugel sich losgeschraubt hat. 

Hä, was, wie bitte, was meint er denn da jetzt wieder, ich verstehe rein gar nix, Haltekugel, was ist das??? Bilder sagen mehr als Worte.

Schnell war die kleine Reparatur erledigt, zum Schluss habe ich noch 15 Milliliter Hydrauliköl für den Autopilot nachgefüllt. Jetzt haben wir wieder zwei perfekt funktionierende Autopiloten, unerlässlich bei zahlenmäßig kleiner Crew.

Ab heute Abend soll der Wind auf Nord drehen und damit wieder von weiter achtern wehen. Doch zuerst scheint noch eine kleine dunkle Front auf unserem Weg zu liegen. Ein dunkles Wolkenband schiebt sich von Luv heran und der Wind frischt gerade weiter auf. Die Genua ist jetzt im 3. Reff.

Nach Lanzarote Tag 3

Baro 1022, wolkig mit einzelnen sonnigen Abschnitten, Wind 4-6 Beaufort aus NO, die See 1,5 – 2 m, Hexe ist auf See

Gestern Abend gab es Pizza, wir hatten noch Teig von dem ersten Aufenthalt in Lorient, der war schon mal nach Darmstadt und zurück gefahren, aber immer noch in Ordnung. Salami, Tomaten, Champignons und natürlich Käse darauf, und ab in den Ofen. Immer wieder gut.

Nach dem Abendessen holt Volker den in der vorigen Nacht verlorenen Schlaf ein bisschen nach (ich weiß, dass das nicht geht, aber es klingt gut), ehe ich mich um halb zwölf in die Kabine verabschiede. Aus der „Straße“ der Tanker und Frachter sind wir inzwischen raus, jetzt sollte es auf dem AIS ruhiger werden.

Der Wind in der Nacht war in der Richtung ziemlich konstant, wie seit Beginn aus Nordost, die Stärke hat variiert zwischen 15 und 25 Knoten. Auf jeden Fall sind wir flott voran gekommen, 182 sm in 24 Stunden. Weil wir aber weiterhin vor dem Wind kreuzen, sind das nicht 182 sm in genau die richtige Richtung, aber wir nähern uns den wärmeren Temperaturen, glücklicherweise, nachts ist es kalt hier auf dem Ozean.

Volker fängt plötzlich an zu überlegen, was wir denn diesen Winter alles machen könnten. Und da taucht die Idee auf, dass wir nicht nur zu den Kapverden segeln könnten, das hatten wir schon lange mal auf dem Plan, sondern auch noch zum Gambia River. Das wäre nochmal etwas ganz Neues, die Kapverden und Westafrika haben wir mit unserem Boot noch nicht angefahren. Der Hinweg ist bestimmt super mit dem Passatwind im Januar, und für den Rückweg muss der Passat halt mal ‘ne Pause machen. Oder wir segeln erst zu den Azoren und von da aus zurück nach Lanzarote.

Das konfuse Wellenbild und das daraus resultierende Gewackel ist eine echte Herausforderung an meinen schlecht vorhandenen Gleichgewichtssinn. Ich hangele mich vom Kartentisch zum Kühlschrank oder der Pantry, eine besondere Herausforderung sind die Stufen hinab zu den Rümpfen, denn vor allem beim Abstieg wäre ein Sturz fatal. Aber ich komme zurecht, und Volker hilft mir sehr, wenn es wieder mal zu schaukelig wird und übernimmteinige meiner Pflichten, wie zum Beispiel das Abwaschen.

Jetzt nähern wir uns der spanisch/portugiesischen Küste, und ab hier beginnen die Interaktionen mit den Orcas. Orcas sind Wale aus der Familie der Delfine, und diese iberischen Orcas sind eine eher kleine Spezies mit 3,5 bis 4 m Länge. Sie ernähren sich von dem roten Thunfisch, dem Blue Finn Tuna, der im Winter vor Gibraltar schwimmt und im Sommer Richtung Norden aufbricht.  Und die Orcas folgen ihrer Beute. Der rote Thunfisch war deutlich überfischt, ist seit 2010 durch zahlreiche Auflagen geschützt, und vermehrt sich zu der Freude der Orcas wieder. Es sind ja hübsche Tiere, und ich gönne ihnen ja auch, dass sie wieder genug zu fressen haben, aber müssen sie denn unbedingt ihre Langeweile vertreiben, indem sie mit den Rudern von Segelbooten spielen?

Wir jedenfalls nehmen lieber einen Umweg in Kauf und bleiben gut
70 Meilen von der Küste entfernt. Nun sind es nur noch weniger als 1.000 Meilen bis Puerto Calero. Zur Erinnerung: Wer unseren aktuellen Weg verfolgen möchte: Die Links sind unter dem Menüpunkt “Jetzt sind wir hier” zum Anklicken.

Und hier auch:

PredictWind

YellowBrick

Viel Spaß!

À la voile – unter Segeln

Die gute Nachricht vorweg, seit dem gestrigen Ablegen schweigen die Motoren. Der kräftige Wind mit bis zu 27 Knoten und Drehern hat mir eine erste nahezu komplett schlaflose Nacht beschert. Mehrfach gehalst, mehrfach das Vorsegel dem Wind angepasst. Belohnt werden wir dafür mit einer guten Geschwindigkeit und einem Kurs, der nicht weit weg von der Ideallinie liegt. Mit 185 gesegelten Seemeilen in 24 Stunden. 

Cornelia ist wegen des Lärmpegels in den Rümpfen während der unzähligen Gleitfahrten, im Salon geblieben und hat da mit ein paar kleinen Unterbrechungen von 23 bis 6 Uhr morgens, ganz passabel geschlafen. Mehrmals in der Nacht hat die 10 Kilowatt Dieselheizung für muggelig warme Innenraumtemperaturen gesorgt. In der Nacht haben wir zwei andere Segler überholt, die ebenfalls in Richtung Nordspanien unterwegs sind. Nur der halbe zunehmende Mond war kurz nach Einbruch der Dunkelheit auch schon wieder untergegangen. Pechschwarz war der Rest der Nacht und spät, erst nach 8 Uhr kam der herbeigesehnte Sonnenaufgang. Der heutige Tag plätschert so dahin. Ein bisschen Schlaf habe ich nachgeholt. 

Der Vormittag bescherte uns ein paar wärmende Sonnenstrahlen, doch inzwischen ist der Himmel fast komplett bewölkt. Der kalte nördliche Wind lädt nicht gerade dazu ein, länger als man muss, draußen zu verweilen. Die Wellenhöhe ist im Laufe des Tages von unangenehmen drei Metern und konfusen Richtungen auf angenehme 1,5 Meter zurückgegangen. So ist das Bordleben gleich viel erträglicher. Der Wind ist weniger stark und erreicht in Böen nur noch 20 Knoten, Trotzdem sind wir noch im ersten Reff im Großsegel, nur die Genua ist jetzt komplett ausgerollt. 

Zwischendrin denke ich schon an mal darüber nach, den großen Gennaker zu setzten, doch gerade wenn ich mich aufraffen will, kommt wieder eine Böe und schneller als die weg ist, fällt die Entscheidung gegen das Leichtwindsegel. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

Ein Vorteil hat ja so ein Aufenthalt in Frankreich noch, die Auswahl an Fleisch- und Wurstwaren in den französischen Supermärkten ist gigantisch. Unser Tieffrierer ist bis an die Oberkante mit französischen Spezialitäten gefüllt, und im Kühlschrank warten Paté de Fois, Paté de Campagne, Rillette vom Schwein, und ein leckerer Camembert, um nur einige zu nennen, auf das nächste Frühstück. 

Mit den gemachten Einkäufen könnten wir wahrscheinlich für Wochen auf See bleiben. Ein Fest für die Sinne und den Magen. Gestern gab es zum Abendessen Gelleriewestambes, ein Gericht aus unser beider Region, sowohl die Saarländer als auch die Hessen kennen das, Kartoffeln, Möhren, beides kleingedrückt, dazu gibt es Blutwurst, in unerem Falle französische Boudin à l‘oignon, die auch untergemischt wird. Volker hat das noch durch weiße Rüben verfeinert und mit gedünsteten Zwiebeln garniert.  Sehr lecker, auch wenn es nicht so klingt. Der Saarländer gibt natürlich reichlich Maggi dazu :-)).
Ein Hochgenuss!

Jetzt segeln wir beständig zwischen 6-und 8 Knoten schnell mit dem leichteren Wind und den kurzzeitigen Böen, und seit einem Winddreher nahezu auf Idealkurs. Da gibt es nix zu meckern.

Let’s go West oder Süd

Gestern Abend hatten wir auf Wunsch der Capitania nochmal Ausgang. Ein Fisch musste her, nicht für mich versteht sich, Cornelia wollte die Nähe zum Meer und der französischen Küche noch einmal verwöhnen lassen, bevor es raus auf die hohe See geht. Also sind wir zum benachbarten Armor Plage gefahren, einem typisch bretonischen Ort, mit kleinem Altstadtkern, großem Strand und Häusern mit dicken Mauern, ein netter Ort,  in dem es jetzt in der Nachsaison sehr beschaulich zugeht. Zuerst waren wir ganz allein im Restaurant, einer muss ja den Anfang machen, doch nach und nach trudelten immer mehr Gäste ein. Der Service war perfekt, das Essen sehr lecker und die Preise moderat, sehr empfehlenswert das „Ty Mero“, was will man mehr. 

Heute früh ging es für die vergessenen Paprika und die gefüllten Nudeln nochmal zum È Leclerc Supermarkt und danach zur Autorückgabe.

Um 11 Uhr warfen wir die Leinen los und motorten langsam zum Ausgang der riesigen Bucht. Alle Fender und Leinen wurden verstaut, das Großsegel gesetzt und motorsegelnd ging es zum ersten Wegepunkt, südwestlich  der Ile de Groix. Die Wetterberichte sagen nordöstliche Winde für die nächsten Tage voraus, nicht ganz perfekt, da genau von achtern, aber das Wetter, bzw. den Wind können wir leider nicht ändern, sondern nur die Segel danach ausrichten. (Und besser als Sturm von vorne ist es allemal, Anm. d.R.) Noch länger in Lorient zu bleiben ist ebenfalls keine Option, je weiter das Jahr voranschreitet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für heftige Herbststürme in diesem Teil des Atlantiks. 

Leider dämpfen  erneute Orca-Attacken in den letzten Tagen, in der Gegend zwischen A Coruña und Porto, unsere Reisefreude, denn sie zwingen uns dazu, unseren Kurs nicht nur nach dem Wind, sondern auch nach den durchgeknallten Viechern auszurichten. Wir werden mindestens 60 nautische Seemeilen Abstand zur Küste halten, eher mehr. Das sollte auf jeden Fall  reichen, ein Besuch im schönen A Coruña verkneifen wir uns unter den gegebenen Umständen. 

Gerade jetzt schiebt uns der Wind und eine chaotische See mal mehr nach West und dann wieder mehr nach Süd. Wir kreuzen vor dem Wind. Wir wollen es langsam angehen lassen, die Leichtwindsegel bleiben heute noch eingepackt. Wir möchten uns erstmal langsam an die See und die Bewegungen gewöhnen. Es sind noch zwei weitere Schiffe in die gleiche Richtung unterwegs und je nachdem, ob wir im Wellental oder auf dem Wellenkamm sind, sind diese am Horizont sichtbar. 

Die nächste Nacht wird kalt, die Temperaturen fallen auf 8 Grad, das ist schon wie Wintersegeln in Holland, oder die voraussichtliche Temperatur zuhause an Heiligabend. Doppelte Decken, warmer Tee und ab und an die Dieselheizung halten uns hoffentlich warm. Delfine waren auch schon da, haben eine Zeitlang mit der stampfenden Hexe gespielt und andächtig dem Rhythmus gelauscht, den ich bei solchen Anlässen am Bug für die verspielten Tiere trommele. Auch ein kleiner Spatz hat sich zu uns gesellt. Das war sicher keine gute Idee, denn obwohl wir ihn mit Sonnenblumenkernen füttern und Wasser zum Trinken hingestellt haben, kann er die weite Fahrt eigentlich nicht überleben.

Jetzt ist ja die Katze irgendwie auch schon fast aus dem Sack. Unser Ziel ist – entgegen allen früheren Lippenbekenntnissen im schön warmen Hochsommer – nicht Holland als Winterlager, sondern doch wieder das sonnenverwöhnte Lanzarote. Ja, irgendwie sind wir um das Thema, wo wie wir den nächsten Winter verbringen wollen, wochenlang wie die Katze um den heißen Brei herumgeschlichen. Schließlich hat die Sehnsucht nach blauem Wasser, Wärme und dem Leben, das vor der Tür statt im beheizten Schiff stattfindet, den Ausschlag für Lanzarote gegeben. Das schöne Holland muss bis zum nächsten Frühsommer auf uns warten und ein paar holländische Freunde kommen uns hoffentlich auch auf Lanzarote besuchen. 

Die Sonne senkt sich langsam zum Horizont, obwohl sie hier, soweit westlich, deutlich später untergeht als im heimischen Deutschland. Zum Glück haben wir zunehmenden Mond, genau wie bei der Reise in die Bretagne. Ich bin absolut kein Fan von superdunklen Nächten.

Wir rechnen mit zehn Tagen Reisedauer.

Es regnet – il pleut 

wie der Franzose sagt. Der Regen ist an sich nichts Ungewöhnliches in der Bretagne, aber es regnet auch, wenn Sonnenschein vorhergesagt ist. Die Luftfeuchtigkeit ist enorm hoch, Handtücher, die wir zum Trocknen in den kurzen regenfreien Perioden raushängen, sind kaum weniger feucht, wenn wir sie wieder abhängen.

Aber das Wetter soll nicht die Hauptrolle in diesem Blogbeitrag spielen, eher eine kleine Nebenrolle. Ansonsten ist es sehr schön hier in der Bretagne, malerische Buchten und Flussläufe zeigen ein veränderliches Landschaftsbild durch das ständige auf und ab der Gezeiten, hübsche historische Altstadkerne laden zum Bummeln ein, und in den traditionellen Creperien gibt es herzhafte Galettes, süße Crepes und natürlich den landestypischen Cidre.

Auch dass unsere Website, an der wir so hängen, die unter anderem über 12 Jahre unseres seglerischeren Lebens beinhaltet und abbildet und in den letzten Wochen mehrfach offline, von gegnerischen Mächten angegriffen und noch immer nicht vollständig wiederhergestellt ist, bekommt nur eine kleine Nebenrolle, also ein paar Zeilen Aufmerksamkeit in diesem Blogbeitrag. Cornelia ist beinahe täglich, im nicht immer zufrieden stellenden Austausch mit unserem Provider Ionos und investiert Stunde über Stunde, nur damit auf der Website wieder alles so ist, wie es bisher war. Eine echte Sisyphusarbeit. Wir hoffen, dass  wir jetzt und zukünftig wieder Blogbeiträge einstellen können, damit wir unser Seglerleben mit Euch teilen können.

Der eigentliche Grund für die Reise in die Bretgne war ja, das bei unserem Mastenbauer Lorima das sogenannte stehende Gut gewechselt werden soll. Bezahlen für die Wanten und das Vorstag mussten wir im Voraus, erst dann sollte die Bestellung an den Zulieferer rausgehen. Am Tag vorm Wechseltermin sind wir nach wunderbaren gemeinsamen Ferientagen mit unserer Enkelin hoffnungsfroh in die Bretagne zu unserem Boot nach Lorient gefahren.

Kurz gab es nach dem Anruf vom Directeur von Lorima ein bisschen Konfusion, weil der uns mitteilte, dass der eingeplante und für uns vertraute Projektmanager nicht mehr zur Verfügung steht. Doch ein Ersatzrigger war schnell gefunden, nur mein Vertrauen in einen guten und geregelten Projektablauf war erst einmal ein bisschen erschüttert. Egal wie, gestern ging der Wechsel der beiden Hauptwanten mithilfe eines Krans und  der geriggten Hilfswanten, gut und flott über die Bühne. Zwei junge Rigger arbeiteten hoch im Mast und der Chef der Firma und ich als Helfer an Deck, sozusagen als Bodenpersonal. 

Nach zwei Stunden waren die Wanten erfolgreich getauscht und die Hexe fuhr vom Kranplatz zurück zu unserem Liegeplatz. Dann ging es mit viel Einsatz, zu viert, an den Wechsel des Vorstags, ebenfalls bei stehendem Mast. Das ist insofern möglich, als wir ein zweites inneres Kutterstag und mehrere Fallen haben, die den Mast auch ohne Vorstag sicher oben halten.

Schnell war das alte Stag unten, was dann extrem lang dauerte, war der Wechsel der einzelenen Aluminiumprofile, die über das eigentliche Vorstag montiert werden, und an denen das Vorsegel nach oben gezogen und aufgerollt werden kann. Es dauerte bis ca. 18 Uhr, bis wir soweit waren, dass das neue Drahtvorstag samt den alten ummontieren Aluprofilen, gesetzt werden konnte. Um 19 Uhr war dann alles erledigt, zehn Stunden harte Arbeit lagen hinter uns. Das Team von Iroise Rigging hat wirklich eine sehr gute Arbeit geleistet und meine Befürchtungen haben sich –  Gott sei Dank – nicht bestätigt. 

Unsere Wanten bestehen im Prinzip aus dem hochfesten Material Kevlar. Und laut der Auskunft vom Rigger werden unsere alten Wanten recycelt. Das Kevlar wird von einer holländischen Firma geschreddert und danach zu schussfesten Westen oder Hitzeschutzhandschuhen weiter verarbeitet.

Die Hexe liegt jetzt vollgetankt, vollproviantiert und bereit für neue Abenteuer am Steg. Wir werden berichten.