Home Sweet Home

Prall stehen die roten Segel im Wind, mit mächtig Schräglage segeln wir unter einem bedeckten Himmel dahin, die Logge zeigt sportliche 5,8-6,5 Knoten an.

Drei Segler bei kühlen Bedingungen auf dem Ijsselmer

Wir, Lukas, Carl-Martin und ich sind mit der Sherazade, meinem ersten und ehemaligen, 6,60 Meter langen Kajütboot auf dem Ijsselmeer, von Workum nach Stavoren, unterwegs.

Einen Tag früher sind wir in Washington/Dulles mit der KLM in Richtung Amsterdam gestartet und 7 Stunden später in der bezaubernden holländischen Hauptstadt gelandet. Auf die deutschen Maskenfliegerei verzichten wir gerne, solange sich das umgehen lässt und diese sinnlose Regelung besteht.

Sherazade

Carl-Martin holt uns früh morgens am Flughafen ab und ein paar Stunden später, sitzen wir in fröhlicher Herrenrunde auf der 51 Jahre alten Sherazade, die die kurzen und steilen Wellen bravourös meistert. Lukas hat die schiffige Dame komplett überholt und das alte Gelcoat glänzt nun wieder fast wie neu. Am Abend feiern wir mit Lukas, Christian und Steffi in der Hafenkneipe, wie in alten Zeiten, die schon über 20 Jahre zurück liegen. Am nächsten Morgen verabschieden wir uns von Carl-Martin, und Lukas fährt uns dankenswerter Weise nach Darmstadt zurück.

Der letzte Abend an Bord

Wes und Roisin sind wieder an Bord der Hexe, die in der Jabin Yacht Yard einen wunderbar ruhigen Liegeplatz hat. Wes will noch ein paar kleine Reparaturen ausführen. Dann werden die beiden mit dem Hexenkat, bis hoch nach Maine segeln, wo wir das Boot Ende August wieder übernehmen wollen. 

Endlich ist auch die neue 24-Volt-Pumpe für den Wassermacher in Annapolis angekommen, nach einem achttägigen Irrlauf bei UPS, Amerika. Weitere Ersatzteile bestellen wir hier von Darmstadt aus und werden diese dann im übervollen Gepäck auf dem Rückflug zum Boot mitnehmen.

Der perfekte Liegeplatz

In der nächsten Woche haben wir einen Termin zur Beantragung unseres B1/B2-Touristenvisums bei der amerikanischen Botschaft in Berlin. Dieses Visum erlaubt es, bis zu 180 Tagen am Stück in Amerika zu bleiben. Für unsere weiteren Segelpläne ist das mehr als ausreichend, am Ende der Hurrikanzeit, Ende November, geht es zurück in Karibik. Die Bermudas, die US-Virgin-Islands, die British-Virgin-Islands, Antigua und Barbuda sowie die Grenadines stehen auf dem Programm. Diese Inseln haben nun auch, vernünftiger Weise, alle Covid-Beschränkungen aufgehoben und sind wieder normal zu bereisen. Doch bevor es zurück in die immer warmen Gefilde der Karibik geht, wollen wir weitere Teile der Ostküste von Amerika besegeln. Und eventuell geht es für einen kurzen Abstecher hoch nach Kanada. Nova Scotia oder Halifax, allein die Städtenamen klingen schon verlockend!

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Zusammenfassung Teil 2

Der Duft von frisch gemähtem Gras weht zu uns hinüber, Landluft statt Seeluft, wir liegen an der Mündung des Potomac River, dem Fluss, der bis nach Washington DC hoch führt. Von drei kleineren Yachthäfen gegen die südlichen Winde geschützt, ein Naturparadies, mit altem Baumbestand, Sümpfen, grasgrünen Wiesen und adretten Wohnhäusern mit Steganlagen. Andere Gastyachten gibt es hier nicht, aber dafür ein Restaurant, die Pier 450, im Smith Creek. Die Anfahrt war nicht leicht, gespickt mit Untiefen und hunderten Fischerbojen; es ist „Jagdsaison“ auf den durchziehenden Rockfisch. Die Capitania war schwer beschäftigt, bis der Anker im modrigen Flussbett versunken ist, einmal hatten wir sogar eine leichte Grundberührung. Ein kleines Kommunikationsproblem zwischen mir und meiner Liebsten, aber dank des weichen Schlicks ist nix passiert. Was aber wohl ein Problem darstellt, ist, dass unser Antifouling, wohl sehr bewuchsfreundlich erscheint und die maritime Flora wie einen Magnet anlockt. Anders kann ich mir es nämlich nicht erklären, dass  beide Rümpfe mit kleinen Muscheln übersät sind. Zudem sorgt das brackige Flusswasser der letzten Tage für einen gelben unansehnlichen Rand im Bereich des Wasserpasses. Der notwendige Tauchgang im trüben Gewässer wird dann zur kleinen Abenteuerpartie, weil es zum einen manchmal kleine weiße juckende Quallen gibt, und dann schwimmen winzige Fischchen immer wieder auf Hautkontakt an den Rücken ran, außerdem tummeln sich in dem Brackwasser, bekannter Weise, immer wieder mal Bullenhaie. 

An der Beachbar kurz vor dem Abendessen

Cornelia macht einen auf Haiwächterin und ich mach mich über den Bewuchs her, nach einer dreiviertel Stunde im trüben Nass ist ein Rumpf bewuchsfrei, immerhin. Danach machen wir uns schick, lassen das Dinghy ins Wasser und düsen mit Volllast zur Pier 450.  Die großzügige Steganlage bietet Platz für viele Boote, der große Außenbereich ist wie eine Beachbar angelegt und für die, die genug von Sonne und Natur haben, gibt es einen schönen Innenbereich mit Restaurant- und Barteil.

Wir kommen mit der Besitzerin ins Gespräch, die zu Beginn der „großen“ Pandemie das Ensemble gekauft und in ein echtes Schmuckstück verwandelt hat. Ich esse das große saftig-knusprige Schweinekotelett mit Püree Buttergemüse und Cornelia nimmt Ceviche vom lokalen Rockfisch.

Nach dem wunderbaren Essen zieht es uns an die Bar, wo wir mit einem netten Paar aus der Umgebung schnell ins Gespräch  kommen. Kurz zusammengefasst, Smith Creek ist noch ein wirklich verborgenes Juwel.

Der lokale Yachtclub

Am nächsten Morgen geht es früh ankerauf, nicht ohne ausgiebige Reinigung der Ankerkette von dem klebenden Flussschlick. Unser nächsten Ziel sind die lokal bekannten Solomon Islands, ca. 40 Seemeilen weiter nördlich in der Chesapeake Bay. Auch hier findet Cornelia einen lauschigen Ankerplatz in einem kleinen Flussarm, eingerahmt von schicken Villen mit wunderbaren Gärten und einem Yachthafen.

Flaggentausch

Mit dem Beiboot tuckern wir auf der Suche nach einem Anlandeplatz in den nahegelegenen Hauptort, Johnstown. Wir werden beim Solomon Islands Yacht Club fündig, Cornelia fragt um Erlaubnis das Dinghy am Steg parken zu dürfen, wir werden willkommen geheißen. Im Clubgebäude hängen hunderte Flaggen von anderen Vereinen, sie sammeln diese und sind natürlich an Flaggen von anderen Segelvereinen interessiert, mit dem Hintergrund, dass sie damit ins Guiness Buch der Rekorde wollen, weil sie der Verein sind, der die meisten verschiedenen Flaggen in seinem Vereinshaus hängen hat. Zum Glück haben wir einige Flaggen von meinem Segelverein, dem Segelclub Saar an Bord und, nach einer kurzen Tour mit dem Beiboot zurück zum Schiff, kreuze ich mit der 499-igsten Flagge auf, die im Solomons Island Yacht Club hängen wird. Und wie es sich nach alter Tradition gehört, gibt es einen offiziellen Flaggentausch mit anschließendem kleinen Umtrunk. Ein sehr schöner Moment!

Nach anschließendem Abendessen in dem nahegelegenen Buckeye Grill, mit zünftiger Livemusik, schnacken wir noch ’ne Weile mit zwei anderen Seglerpaaren. Am folgenden Morgen gehen wir abermals früh ankerauf und segeln mit unzähligen Halsen und Gennakermanövern, mit leichten und wechselhaften Winden, nach Galesville.  Dort hat sich Cornelia das bekannte PiratenCrow (Piratennest) im Vorfeld als Restaurant auserkoren. Dem Besuch der Gaststätte stand nur noch die Reinigung des 2. Rumpfes und des Wasserpasses im Weg, nach anderthalb Stunden tauchen und schwimmen ums Boot ist die Hexe jetzt untenrum clean. Cornelia aß zur Feier des Tages Crab Cake, Krabbenkuchen, eine regionale Spezialität.

Ab 18 Uhr gab es Livemusik, das ganze Restaurant sang Cornelia ein Geburtstagsständchen, und sie durfte sich noch ein Lied wünschen. Dann war es schon Zeit, mit dem Dinghy zurück zur Hexe zu brettern, dunkle Wolken kündigten ein nahendes Gewitter an. Das hatte es auch in sich, weder vom Regen noch vom Wind her, dafür mit heftigen Blitzeinschlägen in der nahen Umgebung. Unser Stressbarometer ging mächtig nach oben. Aber irgendwann war auch dieses Nauturereignis glücklicherweise vorbei. 

Der historische Leuchtturm vor der Einfahrt

Gestern sind wir nach Annapolis geschippert, ganz ohne Wind und daher ohne Segel, nur mit Motorkraft. Annapolis soll die Heimat für unser Schiff in den nächsten Wochen werden.

Und kann es einen besseren Platz für ein Schiff geben, als eine Stadt, die sich als die Segelhauptstadt der Welt bezeichnet und deren Motto ist „I have lived, and I shall die free“ (ich habe frei gelebt und ich werde frei sterben“)?

Wir werden noch ein bis zwei Tage vor der Marineakademie ankern, bei der morgen ein riesiges Feuerwerk zum Nationalfeiertag abgebrannt werden soll, und uns danach in einen nahen Yachthafen verholen. 

Auch solche Schiffe bieten hier Bootstouren an

Noch ein paar kleine Infos zu Annapolis, dessen Altstadt wir in den nächsten Tagen erkunden wollen. Es sind an diesem Sonntag gefühlt tausende Boote aller Art auf dem Wasser, kleine Daycruiser, Segelkanus, Jollen, Segelyachten, Motorboote von klein und offen bis hin zu der 80 Meter langen Megayacht, einigen Rundfahrtbooten, dazu unzählige Kajaks und Standup-Paddleboards. Bei einer kleinen Dinghytour sind wir sicher an 15 verschiedenen Yachthäfen vorbei geschippert. Annapolis ist also ein echtes Segelmekka.

Knapp 40000 Menschen leben hier. Für kurze Zeit war die Stadt die Hauptstadt von Amerika, 1783-1784. Namengebend für Annapolis war Prinzessin Anne von Dänemark und Norwegen gegründet wurde die Stadt 1649. Annapolis ist die Hauptstadt vom Bundesstaat Maryland und politisch fest in der Hand der Republikaner.

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Der Skipper in Heaven

Nachdem ich immer wieder einen kleinen Bericht über Beaufort versprochen habe, fange ich heute mal damit an: Beaufort ist eine kleine Stadt mitten am „Eissiedabbljuu“ dem „IntraCoastalWaterway“, der an der Küste entlang, aber immer ein bisschen entfernt vom Meer, von Florida bis Norfolk geht. Leider gibt es darin Brücken mit einer Durchfahrtshöhe, bei der wir unseren Mast absäbeln, oder zumindest die darauf befestigten Antennen verlieren würden. Sonst wären wir gerne ein kleines Stück darauf gefahren, schon um die Aussicht auf das Innere des Landes zu genießen.

In Beaufort sind wir mit dem Dinghy bis zu eben jenem ICW gefahren, und haben uns an den unendlichen Weiten der inneren Wasserwege erfreut. Auch die Südstaaten-Architektur der Stadt hat es uns angetan, die an Filme wie „Vom Winde verweht“ erinnert. Ich erwarte immer, dass Scarlett O’Hara aus einem der Häuser tritt oder wenigstens Rhett Butler mir auf der Straße zuzwinkert. Es gibt so schöne und gepflegte Häuser und Grundstücke, nicht nur in Downtown, sondern auch rundherum. Hier in den USA sind die Menschen an Entfernungen gewöhnt, Einkaufszentren mit allem, was das Herz begehrt und das Portemonnaie erlaubt, liegen weit außerhalb des fußläufigen Bereichs. Dorthin sind auch wir gefahren, mal wieder mit einem Uber, und auch an den Straßen außerhalb der Stadtmitte stehen solche schönen Anwesen.

Wo ist Scarlett?

Einen Vormittag haben wir im hiesigen historischem maritimen Museum verbracht, haben einiges über den lokalen Bootsbau gelernt, und ganz viele Geschichten erfahren, um Blackbeard, den gefürchteten Seeräuber, dessen Schiff, die „Queen Anne’s Revenge“ vor Beaufort untergegangen ist. Einige Fundstücke aus dem Schiff sind in dem Museum zu besichtigen.

Es hat uns sehr gut in Beaufort gefallen, Originalton des Skippers: „Hier könnte ich mir vorstellen, so ein solch schönes Haus zu kaufen, und darin zu leben.“

Geschichtsunterricht im öffentlichen Raum

Soviel zu Beaufort, am Montag Nachmittag waren wir nach anderthalb Tagen auf See in Hampton, ganz nahe von Norfolk angekommen. Dort haben wir etwas ganz Schönes für den Skipper gefunden. Am Dienstag sind wir, nach den langen Tagen auf See, am Nachmittag zu einem Spaziergang aufgebrochen, an den schönen überwachten Stränden entlang. Dann fanden wir einen Eingang zu den großzügigen Anlagen von Fort Monroe, eine der größten Anlagen in den USA, das besonders während des amerikanischen Bürgerkriegs von Bedeutung war. Edgar Allen Poe war hier während seiner Militärzeit stationiert, und Präsident Abraham Lincoln plante mit den anwesenden Generälen hier den Angriff auf Norfolk.

Nun waren wir genug gelaufen, und Volker fragte verzweifelt: „Gibt es denn hier kein Pub oder irgendetwas, wo man mal ein Bier trinken kann?“ Ich hatte schon mal vorher nachgeschaut, und festgestellt, dass in diesem Teil von Hampton die gastronomischen Erlebnisse offensichtlich nicht gefragt waren. Außer dem Restaurant in der Marina, das uns gestern Abend nicht wirklich überzeugt hatte, fand ich nur eine kleine Brauerei, die man wohl auch besichtigen konnte. Da sollte aber auch ein Ausschank sein! Google hatte geschätzt, dass wir neun Minuten zu Fuß dahin brauchen, mit dem Durst des Skippers ging das auch schneller. 

Prost!

Und tatsächlich war das wie ein Sechser im Lotto! Aus vierzehn(!) Zapfhähnen gab es die verschiedensten Biere, alle in der kleinen Brauerei hergestellt. Wir durften vor der Bestellung zunächst aus ganz kleinen Gläsern einen Schluck kosten, bis wir uns beide für das American Lager entschieden hatten. Die anderen Biere waren auch sehr gut und ganz unterschiedlich, es machte Spaß, sie zu probieren, aber sie waren doch zum Teil sehr stark mit anderen Aromen versetzt, das überzeugt den Liebhaber des klassischen Bieres, gebraut nach dem Reinheitsgebot, nicht wirklich. So verbrachten wir einen sehr vergnüglichen Nachmittag und Abend, hörten am Ende dem Pubquiz gerne zu, bei dem wir allerdings keine Chance gehabt hätten, nur fast alle Namen der Kinder der Trapp-Familie aus „Sound of Music“ hätte ich gewusst, allerdings nicht in der richtigen Reihenfolge von der ältesten bis zur jüngsten. Mit viel Bier im Bauch und gut gelaunt und mit der nötigen Bettschwere sind wir zum Boot gekommen und auch bald danach eingeschlafen.

Am Morgen sind wir zeitig in Hampton los gefahren, haben die riesigen Containerschiffe beobachtet, die alle nach Norfolk reinfahren. Später haben wir erfahren, dass der Wasserweg dorthin natürlich tief ist, Norfolk somit schon seit langer Zeit ein Umschlagplatz für Waren aus aller Welt. Leider war zunächst gar kein Wind, wir wechselten beständig zwischen Motorfahrt und Segelmannövern; bis mittags der Wind auffrischt und wir richtig schön vor dem Wind segeln können. 

Containerschiff

Das kleine Inlet im Jackson River erscheint uns bei diesem Wind nicht ausreichend geschützt , also kein guter Ankerplatz zu sein, es gibt nur schmale Stellen, an denen es tief genug ist, und die außerdem gegen diese südlichen Winde geschützt sind. Also fahren wir ein kleines Stückchen weiter in die Godfrey Bucht, dort sind wir fast alleine, es ist kein Geräusch zu hören, eine Wonne.

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Auf zur Chesapeake Bay!  Tag 2

27. Juni 2022, auf See – Hampton 14:38, 220 sm
Baro 1011, sonnig mit Wolkenfeldern, Wind OSO 12 – 17 Knoten

Schnell sind wir unterwegs

So segeln wir durch die Nacht, abwechselnd wachend, entspannt. Im Laufe des Morgens kommt auch der Gennaker wieder dran, der Wind ist immer noch südöstlich.

Nachdem unser Funkgerät in der Nacht immer nur Störgeräusche aufgenommen hatte, wurde es am Morgen wieder lebendig, es kam immer wieder die gleiche Meldung an „all stations“ mit einer „navigational warning“, aber leider sind die Kanäle, auf denen man die Details abhören sollte, auf unserem Funkgerät nicht vorhanden. Also ignorieren wir die Funksprüche. 

Das Segel ist rot!

Wir hören, dass ein Boot mit den roten Segeln gerufen wird, das können wir ja nicht sein. Auch als später die nordgehende Segelyacht sich melden soll, fühlen wir uns nicht angesprochen, denn unseren Namen kann man im AIS sehen, man würde uns direkt ansprechen können. Warum das nicht geschehen ist, wissen wir beide nicht, später fällt mir auf, dass wir ja mit Gennaker segeln, und der hat schon rot mit drin. Wir aber segeln fröhlich weiter, das Wetter ist gut, das Boot ist flott. 

Plötzlich sagt Volker: „Schau mal, da kommt jemand zu Dir!“ Wieso eigentlich zu mir? Das heißt es immer, wenn irgendetwas komisch oder kaputt ist, dann ist MEIN Kabel zerstört, oder MEINE Leine angerissen, und so kam eben dieses Schnellboot auch zu MIR.

Das U-Boot

Aber Volker redet mit den beiden in dem Boot, sie sagen, nun käme eine richtige Drohne über uns geflogen. Okay, das klingt ja spannend, wir beobachten den Himmel, aber wir hören und sehen nur die ganz normalen Flieger, die auf dem nahegelegenen zivilen Airport landen wollen. Vielleicht haben wir auch etwas falsch verstanden, denn nach ungefähr einer Stunde ruft Volker plötzlich: „Das ist ja großartig, das ist ein U-Boot, das da vorne kommt!“ Tatsächlich, es muss ein großes Boot sein, man sieht einen ziemlich hohen Turm mit den Antennen, der langsam an uns vorbei gleitet. 

Vor uns, nahe der Einfahrt in die Chesapeake Bay, liegt das offensichtlich zu der Übung gehörende riesengroße Militärschiff, das wir eigentlich an Steuerbord liegen lassen wollten, denn das wäre der kürzere Weg. Plötzlich sieht Volker, dass dort vor dem Schiff ganz viele kleine Boote im Wasser sind, also halten wir auf die andere Seite zu. Da kommt auch schon wieder ein schnelles Boot auf uns zu, diesmal ist es ein großer Jetski, und der Mann bedeutet uns, in ausreichendem Abstand um den grauen Riesen herum zu fahren. Hätten wir sowieso getan. 

Na, das war ja mal ein aufregender Vormittag auf See!

Der Hafen von Norfolk (unten links) ist voller großer Schiffe

Unser Ziel in der Chesapeake ist Hampton, ein kleiner Ort gegenüber von Norfolk. Norfolk selbst war uns zu groß, riesige Containerhäfen und Wolkenkratzer in der City. Wir liegen wir jetzt vor Hampton gut geschützt mit anderen Booten in einer kleinen Bucht gegenüber einer Marina, bei der man gegen eine Gebühr den Dinghy-Steg, sowie die Sanitärbereiche und die Waschmaschinen benutzen kann. 

Die Hexe liegt verankert vor der Marina

Ansonsten ist hier bis auf ein altes Fort, das man besichtigen kann, nichts los, mal sehen, ob wir  heute Nachmittag mit einem „Uber“ (das ist so etwas wie ein Taxi, nur günstiger) nach Downtown Hampton fahren können. Auf jeden Fall sind wir nun in der Chesapeake Bay angekommen und liegen über 37° Nord, der magischen Zahl, um – versicherungstechnisch – außerhalb der Hurrikanzone zu sein.

37 Grad!
Aus dem Dinghy muss das Wasser geschöpft werden

Am Abend probieren wir das Restaurant an der Marina aus, draußen wird es mir zum Essen zu windig, drinnen erschafft die Klimaanlage ein Eishaus, das Essen ist gut.

Auf dem kurzen Weg zum Dinghy werden wir von dem plötzlich einsetzenden Regen pitschnass, aber wir sind gut angekommen und lassen den Abend mit einem Film aus der Mediathek ausklingen.

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Auf zur Chesapeake Bay! Tag 1

26. Juni 2022 Cape Lookout 05:15
Baro 1018, sonnig mit Wolkenfeldern, Wind morgens 3 – 8 Knoten NO, zunehmend auffrischend bis 12 Knoten, auf O bis SO drehend

Wunderschöne Muscheln am Strand

Gestern sind wir aufgebrochen aus unserer Anker-Idylle vor Beaufort (Volker wird nnoch separat darüber berichten), nachdem wir einen Spaziergang auf der Insel gemacht haben, leider ohne die dort lebenden wilden Ponys zu sehen, nur ihre Hinterlassenschaften in Form von angetrockneten Knödeln lagen auf den schmalen Pfaden im Inneren der Insel. Als wir am Wasser entlang gingen, brachten sich tausende kleiner Einsiedlerkrebse vor unseren Tritten in Sicherheit, ein lustiges Schauspiel, ihnen dabei zuzusehen.

Skipper mit Leuchtturm

Doch am späten Nachmittag, nachdem wir die 10 Meilen zu der kleinen vorgelagerten Bucht Cape Lookout gekreuzt waren, sah ich plötzlich vom Beiboot aus einen braunen Flecken am Strand. Und tatsächlich, da standen vier Ponys und machten sich über die Reste her, die von den Lunchpaketen der Strandbesucher übrig geblieben waren. Wir landeten das Beiboot, und Volker ging zu ihnen hin, aber streicheln liessen sie sich doch nicht.

Auch den über 14 Seemeilen sichtbaren schwarz-weißen Leuchtturm haben wir besichtigt, von außen zumindest. Zurück am Boot besuchten uns auch Delfine, die hier in der Gegend zahlreich vorkommen, sogar in den Ankerbuchten vor den Städten. Nach einem frühen Abendessen mit den köstlichen Resten des Vortagsgrillens gingen wir zeitig zu Bett, denn wir wollten ja früh aufbrechen für die fast 200 Meilen bis zu einer kleinen Bucht vor dem Eingang zur Chesapeake Bay.

Das haben wir auch geschafft, um vier Minuten nach fünf Uhr waren wir auf den Beinen, Motoren an, Navigationslichter an, Instrumente an, der Anker wird hochgeholt, und wir motoren mangels Wind Richtung Cap Hatteras.

Um 09:30 wird immerhin das Groß gesetzt, der Wind kommt mit acht Knoten aus 15°, das kann man nicht segeln, und zum gemütlichen Kreuzen, wie gestern auf den zehn Meilen, ist der Weg zu lang. Noch vor dem Frühstück werden beide Motoren gestoppt, Volker geht ins Wasser, nein, nicht aus Kummer, sondern um die von irgendwelchen Ablagerungen zugesetzte Logge zu befreien, die die Geschwindigkeit durchs Wasser misst. Denn ohne diesen Wert sind die Berechnungen für die Windwinkel nicht nicht korrekt. Nach zwei Tauchgängen – nicht so einfach hier draußen mit der Strömung – ist es viel besser, es fehlen nur noch zehn Prozent, die rechnen wir einfach drauf.

Kap Hatteras gerundet

Ab 12:20 Uhr, zwei Stunden früher als in den Wetterberichten vorhergesagt, frischt der Wind auf und dreht weiter nach Osten, wir können segeln! Das geht ziemlich flott, mit sieben bis acht Knoten Fahrt pflügt die Hexe durch die kabbeligen Wellen. Die werden immer wilder, je näher wir Cap Hatteras kommen, das – wie Volker sagt – berüchtigt ist fast wie Kap Hoorn, weil dort der warme Golfstrom und der kalte Labradorstrom aufeinander treffen. Tatsächlich ist die Wassertemperatur bei uns von gemessenen 27° bei Cape Lookout auf 25° nach dem Cap Hatteras efallen. Immer noch nix zum Jammern für Mitteleuropäer, aber für Karibik verwöhnte Segler schon.

Wir haben Glück, der Wind weht uns mit 12 Knoten und einem guten Einfallswinkel um das Cap herum, unspektakulär, aber das finden wir sehr gut und freuen uns, dass das so einfach geklappt hat. Denn ein bisschen Respekt hatten wir beide schon, wir kennen die „Kap-effekte“ von anderen Stellen unserer Reise. Auf dem neuen Kurs nach dem Cap brauchen wir mal wieder den Code D, denn hier haben wir fast achterlichen Wind.

Bis jetzt hatten wir genug Zeit, abwechselnd ein bisschen auszuruhen und für die Nacht vorzuschlafen oder den versäumten der letzten Nacht nachzuholen. Vor längeren Strecken schlafen wir nicht so gut, diesmal allerdings war nur ich es, die sich mit lauter Gedanken im Bett gewälzt hat.

Nun zieht der Gennaker die Hexe, der Wind kommt genau von hinten, wir kreuzen mal wieder vor dem Wind bis zur Dunkelheit. Das ist das gute, wenn man im Sommer weiter nach Norden kommt. War es in der Karibik fast noch Tag- und Nachtgleiche, 13 Stunden hell und 11 Stunden dunkel, hier ist es selbst um 21 Uhr noch ein kleines bisschen hell, und ab fünf Uhr ist die Nacht vorbei. Heute wird es aber eine sehr dunkle Nacht werden, denn der Mond geht erst um kurz vor vier Uhr auf, und es snd nur 4 % zu sehen, in zwei Tagen ist Neumond.

Der Gennaker zieht uns bis 22:30 Uhr, danach segeln wir nur noch mit dem Großsegel, je nach Wind und -Einfallswinkel zwischen 4 und 6,5 Knoten, schnell genug, um vorwärts zu kommen, und trotzdem kurze Schlafperioden einzulegen, die berühmten zehn Minuten.

Noch ein Sonnenuntergang

Kurz vor dem Wegepunkt am Oregon-Inlet halst Volker, danach übernehme ich die Wache. Die Einfahrt zu dem Inlet gebärdet sich wie eine Lightshow, rote, weiße und grüne Lichter blitzen und funkeln um die Wette, glücklicherweise alle an Backbord und weit genug entfernt. Nur die beiden weiß blitzenden Bojen, die den „Navy Air Combat Manaeuvering Range“ markieren (was immer das beudeuten soll, mitten vor der Küste an einer gut besuchten Einfahrt), liegen an Steuerbord, aber auch sie in unbedrohlicher Entfernung.

Und der Sternenhimmel!!! Da ja – wie oben erwähnt – der Mond heute nur in sehr schlanker Form und erst sehr spät aufgehen wird, ist der Blick nach oben grandios. Die Milchstraße leuchtet orange und nicht zu übersehen, ich finde als erstes die gut zu erkennende Cassiopeia, auch den großen und den kleinen Bär, den Skorpion und die Waage, die Leier sowie die hell leuchtenden Sterne Altair, Arktur und den rötlichen Saturn. Der Sternenhimmel ist beeindruckend in seiner Vielfalt und Schönheit.

Außerdem müssen wir uns wieder an ein fast vergessenes Gefühl gewöhnen, wir frieren! Volker bittet mich vorhin, die Tür vom Cockpit zum Salon zu schließen: „Mir ist eiskalt!“ Okay, zugegeben ist das Jammern auf hohem Niveau bei 23° Nachttemperatur, aber die karibischen Nächte waren mit 28° doch deutlich angenehmer. Und der Fahrtwind macht es auch kälter. Dafür schläft man besser bei geringerer Wärme – man kann sich einfach alles schönreden.

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Zusammenfassend

Das war schon ein ziemlicher Schock für uns, als wir feststellen mussten, dass unsere Website gehackt und nicht mehr erreichbar. Immerhin sind da beinahe acht Jahre dokumentierte Segelzeit hinterlegt, all unsere Reisen und Abenteuer. Doch jetzt sind wir erstmal positiv gestimmt, weil Christian die angerichteten Schäden beseitigen und die Website wieder an den Start bringen konnte. 

Nachdem wir in den letzten Monaten viele Buchten, Strände und Inseln besucht hatten, haben wir uns schon im Vorfeld sehr auf die amerikanischen Orte und Städte an der Ostküste mit ihrer wechselhaften Geschichte gefreut. Bis jetzt sind wir nicht enttäuscht worden. 

Steinhaus in St. Augustine

Fangen wir mit der ältesten dauerhaft besiedelten Stadt an. Saint Augustin wurde von dem spanischen Seefahrer Ponce de Leon  entdeckt, die Stadtgründung datiert auf das Jahr 1565. Gut erhaltene spanische und amerikanische Kolonialarchitektur prägen bis heute das Stadtbild dieser schmucken und lebhaften Stadt in Florida. Es ist eine wahre Freude, durch den Altstadtkern zu wandeln und eine Sehenswürdigkeit nach der anderen zu entdecken. Zudem gibt es zahlreiche Pubs und Restaurants mit abendlicher gepflegter Livemusik sowie zahlreiche Ausstellungen und Kunstgalerien. 

Die Kingsbridge erleuchtet

Der Gemeindehafen, gleich nach der King Bridge, bietet alle Annehmlichkeiten, die man von einem modernen Yachthafen erwarten kann. Wir haben uns für eine Mooringboje vor der Brücke entschieden. diese Bojen werden ebenfalls vom Gemeindehafen bewirtschaftet und sind mit 28 Dollar inklusive Wifizugang, Müllentsorgung und Nutzung des Dinghysteges preislich wirklich günstig. Nachbarlieger, die sich für einen Monat an der Mooringboje eingemietet haben, bekamen sogar einen deutlichen Preisnachlass. Vom Mooringfeld aus hat man einen fantastischen Blick auf die Altstadt und das alte Fort. Zusammenfassend muss man sagen, dass diese hübsche Ostküstenstadt ein kleines Juwel ist, dazu kommt noch der nahegelegene kilometerlange Ponte Vedra Beach und die Sümpfe im Hinterland. In allen Süß-und Brackwasserbereichen gibt es Alligatoren und die wollen nicht nur spielen!

Keine verdeckten Waffen erlaubt, nur andere?

Saint Augustin ist zudem Port of Entry, das heißt, man kann dort in die USA einklarieren. Neben der Online Anmeldung über die CBPRoam App, für die wir im Vorfeld eine E-Sim erstanden haben, um die Anmeldung zeit- und küstennah zu beantragen, denn vorher darf keiner an Land. Das Einklarieren mit der App ist unkompliziert und innerhalb von zwei Stunden erledigt, trotzdem ist es notwendig, zu Zoll und Immigration am örtlichen Flughafen zu fahren. Der dortige zuständige Officer ist wirklich sehr freundlich und hilfsbereit, und nach ein paar Minuten sind wir nun offiziell in Amerika angekommen. 

Jetzt folgt eine kleine Zusammenfassung, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, wenn man mit dem Esta- oder Visa-Waiver-Visa Programm und dem eigenen Boot in die USA einreisen will. Es gibt unterschiedliche Informationen im Netz, wir sind den Empfehlungen eines Freundes und den Hinweisen auf Noonsite gefolgt. Da wir kein B1/B2 Visum bei den Botschaften vor unserer geplanten Reise aufgrund der Pandemie erhalten konnten, haben wir uns ausführlich über mögliche Alternativen informiert.

Vorkehrungen für die Hurrikan-Saison

Bei dem Esta-Programm muss man vor der Einreise mit dem eigenen Boot unbedingt einmal mit einem offiziellen Transportmittel, per Flugzeug mit einem Linienflug, oder per Boot mit einer offiziellen Fähre  nach Amerika eingereist sein, damit das Esta-Programm gestartet ist. Danach ist die Einreise in die USA mit dem eigenem Boot möglich, Personen dürfen 90 Tage in den USA weilen, das Boot kann länger bleiben. Wer weitere Fragen dazu hat, kann sich gerne an uns wenden. 

Der Officer am Flughafen hat ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es ein Vergehen wäre, ohne gestartetes Esta-Programm mit dem eigenen Schiff in die USA einzureisen, dass mit mindestens 580 Dollar Strafe je Person geahndet wird und evtl. weitere Konsequenzen zur Folge hätte. Man erhält bei den Customs auch das zwingend notwendige Cruisingpermit für die USA. Alle Anmeldevorgänge, außer dem Esta selber, und das Cruisingpermit sind erfreulicherweise kostenlos.

Das älteste Pub Floridas von 1897 steht in Fernandina Beach auf Amelia Island

Zurück zur Reise: Wes und Roisin sind zurück nach Lanzarote geflogen und nach vier Tagen an der Boje haben wir die Leinen gelöst und uns auf den Weg, nordwärts an der Ostküste lang, nach Charleston gemacht. Nach einem nächtlichen Zwischenstopp bei Amelia-Island und dem Besuch im ältesten Pub Floridas ging die Reise weiter.

Ein stolzer Löwe

Nach einer turbulenten und gewitterreichen Nacht sind wir am darauf folgenden Mittag im Ankerfeld vor der „Safe Haven Marina Charleston“ angekommen, haben den Anker im schlammigen Flussbett eingegraben, um erstmal den versäumten Schlaf nachzuholen. Cornelia hat die fehlende elektronische Ostküsten-Seekarte zu der lokalen Seglerladenkette, Westmarine, bestellt. Wir haben uns, seit wir in den USA sind, die Uber App aufs Handy geladen und erledigen alle notwendigen Fahrten mit diesem Fahrtdienstanbieter. Meistens kommt nach wenigen Minuten ein freundlicher Uberfahrer zu dem angegebenen Standort und kutschiert die Fahrgäste dahin, wo sie hin möchten. Das Ganze ist gegenüber den überteuerten Taxipreisen in Deutschland wirklich erschwinglich. 

Die drei Tage in Charleston haben wir dazu genutzt, das historische French Quarter und Battery zu erkunden. Charleston wurde zum ersten Mal 1670 erwähnt und zahlreiche gut erhaltene Gebäude stammen aus dem frühen 18. Jahrhundert. 

Die Altstadt präsentiert sich sehr lebendig. es gibt viele Galerien, jeden Abend finden Ausstellungen in den Markthallen und Livemusik an mehreren Plätzen statt.

Der Blick von der Waterfront über das Hafenbecken bis hin zum Fort Sumter ist atemberaubend. Wir haben die teuren Restaurants ausgelassen und uns gesellige Pubs fürs Abendessen ausgesucht. Im „The Griffon oder im „Blind Tiger“ kann man hervorragende Pubessen genießen und man hat zudem eine reichhaltige Auswahl von regionalen und überregionalen Faßbieren. 

Charleston hat auch eine dunkle Vergangenheit, die Stadt war einer der Hauptumschlagsplätze für Sklaven und die ersten Schüsse vom Fort Sumter eröffneten den verlustreichen amerikanischen Bürgerkrieg

Charleston ist eine Großstadt mit dem Charme einer Kleinstadt in den historischen Stadtteilen Der Ankerplatz vor der Safe Harbor Marina ist leider ziemlich voll und beim Durchzug einer stürmischen Gewitterfront sind wir ankerauf gegangen, da uns ein Nachbarlieger viel zu nahe gekommen ist. Die letzen beiden Tage haben wir dann ein bisschen weiter östlich und ohne Gedränge geankert. Für den Weg von der Marina zur Altstadt haben wir in bewährter Weise die Uber-App genutzt.

Am Dienstag sind wir nach anderthalb Tagen 220 Meilen auf See in Beaufort, North Carolina, angekommen, einer Kleinstadt mit gerade mal 4.000 Einwohnern.

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Segeln in die USA

Tag 1

Baro 1012, sonnig, leicht bewölkt, warm, Wind SW 3-4
an Bord: Roisin, Wes, Volker und Cornelia

Um 08:00 Uhr, früher als geplant, sind wir unterwegs, der Skipper hatte – ausnahmsweise – keine Geduld, bis zur geplanten Abfahrtszeit um 10:00 Uhr abzuwarten. Wir haben ca. 300 sm vor uns bis St. Augustine, unserem geplanten Einreiseort in Amerika. Das sind, je nach Windbedingungen, anderthalb bis zwei Tage. Es sind ideale Bedingungen für gemütliches Segeln, flache See, um zehn Knoten Wind, zunächst segeln wir mit dem Gennaker, die Geschwindigkeit ist 7-8 Knoten. Der Hefeteig steht am Fenster, und soll gehen, Kaffee ist von Wes ganz früh gekocht worden, der Wellengenerator sowie die Solarpanele liefern mehr als ausreichend Energie, so kann es weitergehen.
Tatsächlich ist es zunächst Sommersegeln vom Feinsten! Es ist warm, manchmal so warm, dass wir uns in den Wind stellen, um abzukühlen. Es gibt selbst gebackene Brötchen zum späten Frühstück, gekochte Eier und – wie fast jeden Morgen – unglaublich leckeres Obst. Mangos, Ananas, Papayas, fast alle Früchte kommen aus der Karibik oder den Bahamas selbst, vieles aus Guatemala und der Dominikanischen Republik, und es schmeckt einfach gut, weil es vor Ort gereift ist. Achtung, der Verzehr von reifen Ananas kann süchtig machen!
Seglerisch geht es erst einmal unspektakulär weiter.

Die Kapitäne planen die Fahrt

Anfangs hat kurz der Gennaker gestanden, aber der Windwinkel wurde zu spitz, weiter geht es mit der Genua, bei einem Windeinfallswinkel zwischen 100 und 120 Grad wird unsere Hexe richtig schnell, und der Skipper ist glücklich. Leider baut sich eine kabbelige See auf, wir einigen uns darauf, dass es vom Golfstrom kommt, der an der amerikanischen Küste für eine starke Strömung nach Norden sorgt. Eigentlich kann der Golfstrom hier – wir sind ja immer noch in den Bahamas – keinen wichtigen Einfluss haben, aber wenigstens bekommen wir so eine Erklärung für die ruppige See. Am Nachmittag wechseln wir uns alle ein bisschen ab mit Schlafen, damit wir für die Nacht gut vorbereitet sind.
Das Abendessen verteilen wir heute auf die jeweiligen Ehepaare, denn da wir unterschiedliche Essgewohnheiten haben, was die Zutaten angeht, ist das Kochen etwas aufwändiger und bei dem Geschaukel muss man Töpfe und Pfannen auf dem Herd sichern. Zuerst essen Volker und ich kleine Nuggets von der Hühnerbrust mit selbst gemachtem Kartoffelpüree und einer kleinen Gemüsepfanne, unsere Gäste bereiten für sich Kürbispüree mit Kartoffeln zu.
Danach legen sich Wes und Roisin für eine Weile hin, Volker beobachtet Wind und Segel, damit der Windeinfallswinkel optimal ausgenutzt wird, ich versuche unseren Blog, Positionen und Wetterberichte über die Kurzwelle zu versenden und zu empfangen. Es wird langsam dämmerig, um uns herum stapeln sich die dunklen Wolken, es beginnt zu grummeln, und natürlich zucken auch leuchtende Blitze durch die Gegend. Im Radar schauen wir nach, ob sich die Wettergebilde uns zu bewegen, oder ob sie verschwinden werden. Der Regen aus den Gewitterfronten erzeugt ein Echo in der Radaranzeige, und man kann den Zug dieser manchmal sehr umfangreichen Regengebiete gut verfolgen.
Nun beginnt eine wilde Jagd: Der Wind hat zugenommen, klar in gewittrigen Zonen, und wir versuchen, einer breiten Regenfront angefüllt mit Donner und Blitz zu entkommen. Die Genua ist schon ganz klein gerefft, aber wir fliegen mit bis zu 14 Knoten Fahrt dahin, eigentlich ist der Skipper, trotz dicker Regenjacke, ganz glücklich, wenn da nicht solche runden Dinger voller Wasser auf dem Bildschirm drohten. Mein Blick jedenfalls ist starr auf die Radaranzeige gerichtet. In Böen haben die Fronten bis zu 35 Knoten Wind dabei, bei vollem Großsegel nicht so spaßig, deswegen ist Volker dann immer weiter abgefallen, vom Wind weg, bis die Böen vorbei sind.

Dunkle Wolken drohen


Irgendwann können wir einer Front nicht mehr entkommen, das ist der Zeitpunkt, an dem wir doch das Großsegel reffen. Wes und Roisin hören natürlich den Lärm, das Anspringen der Motoren und die unruhigen Schritte auf Deck, und kommen zum Helfen. Es ist immer spektakulär und aufregend, weil das Boot in den Wind gedreht werden muss, der scheint dabei stärker zu werden, weil er von vorne kommt. Das Segel muss schnell abgelassen werden, dazu geht Volker an den Mast und zieht es nach unten, auch nicht wirklich spaßig, wenn wegen zuviel Wind gerefft werden muss. Dabei müssen die Reffleinen nachgezogen werden, diese schlagen gerne mal, bis sie wieder fest sind, und gleichzeitig wird das Großsegel wieder hochgewinscht. Also eine eher stressige Situation.
Aber danach kommt – natürlich – eine Periode mit wenig Wind, aber nur kurz, anschließend geht es, gerefft, mit 8 – 10 Knoten Speed bei 12 – 14 Knoten Wind flott voran.

Tag 2

Sonnenuntergang

Baro 1011, bewölkt mit Aufheiterungen, Wind SW um 4, auf See
Tagesetmal um 08:00 Uhr: 175 sm, noch 131 bis St. Augustine
War das ein Geschaukel heute Nacht! Der Gang zur Toilette fühlt sich an, als versuche man, auf einem wilden Pferd beim Rodeo zu reiten. Bei der anschließenden Rückkehr in den Salon wird man zum Bergsteiger, vier Stufen hoch. Zähne putzen, Kaffee kochen und den Frühstückstisch zu decken, wird zum Abenteuer, denn für alle Tätigkeiten habe ich nur eine Hand frei, mit der anderen muss ich mich festhalten. Ausnahmsweise werden mal bei einem Katamaran die Schubladen gesichert, Flaschen und Gläser in die Spüle oder an einen sicheren Ort gestellt, damit sie nicht umfallen. Auch der Drehstuhl am Kartentisch, auf dem ich immer dieses Logbuch schreibe, erfordert Beweglichkeit im Rücken und in den Beinen, um weiterhin die Finger auf der Tastatur zu platzieren. Nur im Bett und auf dem für die Überfahrt zur großen Liegewiese ausgezogenen Sofa liegt es sich bequem. Dort hat Volker sein Bett aufgeschlagen, prinzipiell macht er nach alter Gewohnheit die Nachtwachen, deshalb liegt er oben und schläft dann hier richtig, wenn ich in der Früh komme und die Wache übernehme.

Wes und Roisin auf Wache

Aber jetzt sind wir zu viert, Wes und Roisin übernehmen auch Wachen, da muss Volker während der Nacht nicht alle 15 Minuten nach den Rechten sehen.Gegen Morgen wird das Geschaukel etwas besser, mal sehen, wieviele blaue Flecken ich morgen haben werde.
Halbwegs ausgeschlafen treffen wir uns alle zum Frühstück um 10:30 Uhr, wieder mit selbst gebackenen Brötchen, heute Spiegelei mit Püree oder Avocadocreme, und ebenfalls wieder jede Menge Früchte. Gut, dass wir soviel Zeit haben, die bissfertige Zubereitung von Ananas und Mango ist schon zeitaufwändig.
Danach holen alle nacheinander noch ein bisschen Schlaf nach, während die Hexe, in ihrer Geschwindigkeit auch begünstigt vom Golfstrom, weiter nach St. Augustine segelt. Um uns herum türmen sich leider wieder einige Schlechtwetterwolken auf, drohen mit Regen und Starkwind, sonst würde Volker sofort den Code D setzen, und wir könnten schneller unserem Ziel entgegenstreben. Wir werden auf jeden Fall im Dunkeln ankommen, aber die Karten zeigen keine wesentlichen Hindernisse, und die Einfahrt scheint gut betonnt zu sein. Außerdem war Wes schon hier und kennt – zumindest am Tag – die Gegebenheiten.Ab 15 Uhr kommen die dicken Wolken näher, ab 16 Uhr ist der Regen im Radar gut zu sehen, wir binden Reff 1 ins Großsegel, die Genua ist ja schnell weggerollt. Heute sind wir besser organisiert, wir müssen nicht erst reffen, wenn es schon Starkwind hat. Leider sieht es nur so aus, dass wir diesmal den Squalls mit dem vielen Regen nicht entkommen werden.

Die Fronten liegen um uns herum

Und so war es auch, leider. So viele große Regenfronten um uns herum habe ich noch nie auf dem Radar gesehen, es wurden immer mehr und sie vereinigten sich zu großen Gebilden, aus allen blitzte es, und dazu fiel unglaublich viel Niederschlag . Die Genua war schon nur ein Taschentuch, doch Böen von über 36 Knoten veranlassten Volker, das Großsegel ganz zu bergen, und nur mit dem Motor zu versuchen, den kräftigsten Fronten und Gewittern auszuweichen. Die Gewitter haben wir so – glücklicherweise – umfahren können, nur der Regen ließ sich nicht vermeiden. Fast zwei Stunden hat das Spektakel gedauert, das Boot ist mehrfach gewaschen worden, der Skipper und Wes aber auch, nur Roisin und ich haben die Entwicklungen am Radarbildschirm verfolgen dürfen, wir haben ab und zu Kursänderungen empfohlen, um den wildesten Gebilden auszuweichen, sowie bei stärkeren Donnern und Blitzen in der Nähe Laptops und Telefone im Backofen verstaut.
Es gab einen wilden Sonnenuntergang um 20 Uhr, der Wind ist immer noch viel stärker als vorhergesagt, und wir fahren gerefft in die zweite Nacht.

Tag 3

Kurz vor Sonnenaufgang kommen wir vor St. Augustine an, legen uns auf den ersten besten Ankerplatz und schlafen erstmal. Nach zwei Nächten und 320 Seemeilen sind alle ein bisschen müde, später werden wir zu den Bojen vor der Marina fahren, um dort ein paar Tage die wunderschöne Stadt zu erkunden. Aber darüber schreibt Volker im nächsten Beitrag.

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Oase der Ruhe

Unsere Webseite war zerstört, wie wahrscheinlich viele von unseren treuen Lesern gesehen haben, und ohne Schwiegersohn Christian würde die Capitania heute noch an der Wiederherstellung rumbasteln.
Vielen Dank an Christian, Du bist unser Held!

Das ist unser erster Blog seit langer Zeit, die anderen kommen bald.

Little Harbour, der kleine friedliche Ort mit seiner, zumindest unter Seglern, berühmten „Pete`s Bar and Restaurant“, war unser Ziel nachdem wir aus Nassau weg sind. Die dazugehörige Bucht bietet einen Rundumschutz gegen alle Unbillen des Wetters und Pete`s Bar stellt gut gesicherte Mooringbojen kostenlos zur Verfügung. Der kleine Ort schmiegt sich harmonisch ins Landschaftsbild ein, ein wunderbarer Anblick und ein Ruhepol für gestresste Seelen.

Abendessen mit Blick aufs Boot

Nachdem wir an der Mooringboje festgemacht haben, klaren wir die Hexe auf, wassern das Dinghy und tuckern langsam zum Dinghysteg. Zu Pete`s Bar sind es nur ein paar Schritte durch feinsten Sand und kurz darauf fließt ein gut gekühltes goldgelb schimmerndes Kalik Bier durch unsere durstigen Kehlen. Wir sind angekommen an diesem Platz, der schon von so vielen durchreisenden Seglern besucht wurde, und an dem einige ein T-Shirt mit Unterschriften an der Decke der Bar als Erinnerung hinterlassen haben. Das einfache aber frisch zubereitete Abendessen schmeckt hervorragend und dem ersten Bier folgen noch ein paar weitere.

Pünktlich zum Sonnenuntergang stellen sich die Bahamas-typischen Stechmücken ein. Rauchende Kokosnusschalen, Anitmückenspray und Rauchdosen auf dem Tisch helfen nur bedingt bei der Stechfliegenabwehr. Irgendwann wird es uns zuviel und wir flüchten auf unseren Kat. Dort hatten wir leider vergessen, eine offenstehende Luke zu schließen, und wir müssen deshalb erstmal ein paar Moskitos klatschen. Nachdem alle Fliegenrollos am Platz waren, kehrte Ruhe im Schiff ein.

Handgeschriebene Speisekarte

Nach einer sehr erholsamen Nacht ging es am nächsten Morgen um sieben Uhr schon los, denn die Fahrrinne in die Bucht ist zwar betonnt, aber nur 1,3 Meter tief, und die hochwasserzeit lag schon zwei Stunden zurück. Teilweise blieben bei der Ausfahrt nur 10 Zentimeter Wasser unter den Rudern, und alle Blicke richteten sich gebannt auf den Tiefenmesser. Aber selbst eine kleine Grundberührung sollte keine Folgen haben, denn der Untergrund ist weicher Sand.

Unser nächstes Ziel lag nach einer Strecke mit zahlreichen Untiefen und Sandbänken, was für viele Manöver und Spaß and Bord sorgte. Am frühen Nachmittag liefen wir dann in Marsh Harbour ein, und ankerten nahe bei der Zollbehörde, denn unsere Zeit in den Bahamas ist vorbei, wir wollen ausklarieren und weiter nach Amerika segeln.

Cornelia macht sich auf den Weg zum Zoll und zur Immigration, Wes und Roisin kaufen noch ein paar fehlende Lebensmittel im großen lokalen Supermarkt und ich erledige letzte Vorbereitungen für die gut 300 Seemeilen lange Überfahrt, Um 15 Uhr sind Schiff und Mannschaft klar zum Auslaufen in die 10 Seemeilen entfernte Bucht vor Guana Cay, wo wir noch eine nacht ankern wollen, bevor es nach Amerika geht.

Ab hier folgt demnächst das bewährte Segeltagebuch von Cornelia, und die will ich an dieser Stelle gerne einmal gebührend und ausführlich für ihre akribische Navigation, durch die Gewässer der Turks and Caicos und der Bahamas loben. Man umschifft in diesem Seegebiet, dem in früheren Zeiten endlos viele Schiffe zum Opfer gefallen sind, tagtäglich unzählige Untiefen, Riffe, Sände und Felsbrocken. Mit Hilfe des Kartenplotters und der dazugehörigen elektronischen Navionics Seekarten, auch unter Zuhilfnahme von Google Maps, muss man jeden Segelabschnitt akurat planen und anpassen. Zudem braucht man bei einigen Passagen eine hochstehende Sonne für die sogennante Augapfelnavigation. Cornelia hat uns und das Boot allzeit sicher durch dieses äußerst anspruchsvolle Fahrtgebiet geführt. Ein wahres Meisterstück, das musste mal erwähnt werden!

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Viel zu erzählen…

ein Bad am Morgen

Wir sind auf dem Weg zu den Abacos, einer Inselgruppe, die zu noch zu den Bahamas gehört und gleichzeitig das nördliche Ende markiert.

Während es in den letzten Tagen auf unserem Blog still war und keiner von uns beiden Beiträge geschrieben hat, haben wir doch einiges in der Zwischenzeit erlebt und auch einige technische Probleme haben uns ganz schön auf Trab gehalten.

hungrige Bache

Doch nun der Reihe nach: Von Georgetown sind wir nach Stanley Cay gesegelt, einer Insel, die einen Teil ihrer Berühmtheit den wild lebenden Schweinen zu verdanken hat. Die Schweine sind nicht wild, im Sinne von aggressiv, und man kann die zum Teil sehr gewichtigen Tiere vom Beiboot aus oder direkt am Strand mit allem füttern, was das Schweineherz begehrt.

Gibt es hier mal etwas zu essen?

Wir haben ein bisschen Toastbrot undSalat vom Vorabend mitgebracht, das hat dann gleich die Aufmerksamkeit einer kapitalen Bache auf sich gezogen, die unser Beiboot entern wollte.

So viel Nähe am Anfang war uns dann doch zu viel und im Rückwärtsgang ging es erstmal auf eine sicherere Beobachtungsposition. Nachdem der erste Schreck verdaut war und von den Nachbarbooten ein paar spaßige Kommentare gekommen sind, ob wir denn ein Schwein klauen wollen, wagten wir einen neuerlich Anlandungsversuch mit unserem Dinghy.

Ein Schweineleben

Am Strand konnten wir unbehelligt die Schweine beobachten, ein paar Schweine füttern und die quietschfidelen Ferkel beim Rumtoben bewundern. Die Zeit mit den Schweinen flog nur so dahin und wir konnten uns kaum losreißen von diesem besonderen Ort.

Am späten Nachmittag waren wir mit Carmen und Ralf von der Relax zum Schnorchelausflug in die berühmte Thunderball Grotto verabredet. Die Thunderball Grotto ist eine Höhle, die bei Ebbe schnorchelnd zu erreichen ist und die zudem Drehort bei dem James-Bond-Film „Thunderball“ war.

Fast alle tropischen Fischarten, die es gibt, sind in und um die Höhle rum vertreten, ein buntes Fischspektakel. Da wir nicht genug von der artenreichen Unterwasserwelt bekommen konnten, sind wir zusätzlich um das ganze Inselchen herum geschnorchelt. Den Anblick der farbenprächtigen Korallen und Fische werden wir wohl nie vergessen.
Nach einem Sundowner Drink auf der Relax ging ein ereignisreicher und einzigartiger Tag mit einem farbenprächtigen Sonnenuntergang zu Ende, bei dem der windstille Ozean mit dem Himmel zu verschmelzen schien.

Am nächsten Morgen gab es dann das negativ Kontrastprogramm, der Wasssermacher versagte seinen Dienst und war trotz systematischer Fehlersuche und viel gutem Willen nicht mehr zum Leben bzw. zum Arbeiten zu bewegen. Ein kleiner Schock für uns, den der Wassermachermacher beschert einen wichtigen Teil der Autonomie, die wir am Ankerplatz benötigen.

Einen Tag später bestätigt sich unser Verdacht zur Ursache. Die Kohlebürsten des Elektromotors des Wassermachers sind komplett abgenutzt, zudem ist das Innere des Motors korrodiert. Bei unserer Entsalzungsanlage handelt es sich um ein Modell mit zwei Motoren, Dessalator Duo 100″ es gibt einen 24-Volt-Motor, der nun kaputt ist und einen 220-Volt-Motor. Wes hatte dann den rettenden Gedanken, den 220-Volt-Motor vom Landstromanschluss ab- und an den 220-Volt-Spannungswandler anzukoppeln. Eine Stunde später war das schlafraubende Problem gelöst.

Agathe, abgeschwächt, bevor sie zu Alex wurde

Ein anderes Problem zu dieser Zeit war der nahende Tropensturm, der sich auf der Pazifikseite bei Mexiko gebildet, sich dann zu einem Kategorie 2-Hurrikan entwickelt hat; der nun über Yukatan in Richtung Florida/Atlantik zu ziehen drohte. Zunächst war die Entwicklung positiv in unserem Sinne, denn der Hurrikan schwächte sich zu einer tropischen Depression ab. Leider war damit das Thema noch nicht vom Tisch, da sich das Wettergebilde nicht komplett auflöste, sondern sich im Nachgang nochmals intensivierte. Aus dem ehemaligen pazifischen Hurrikan Agathe wurde nun ein atlantischer Tropensturm Alex mit einer möglichen Zugbahn zu den Bahamas. Unsere inneren Alarmglocken schrillten im Endlosmodus.

Wir überdachten mit Wes und Roisin unsere Fluchtmöglichkeiten, die schützenden Buchten in der Nähe, oder die sicheren Häfen in der Umgebung. Am Ende entschieden wir uns für die Yachthaven Marina in Nassau, die uns für die zu erwartenden Windrichtungen und vorhergesagten Sturmböen als am geeignetsten erschien.

Am letzten Freitag haben wir in dem Yachthafen festgemacht. Nassau selbst hat uns nicht so gut gefallen, zu krass sind die Unterschiede zwischen dem zur Schau gestellten Reichtum einiger und der Armut eines nicht unerheblichen Teils der Bevölkerung. Der Plastikmüll im Hafenbecken und die täglich laufenden und ungekapselten Generatoren der umliegen Fischerboote verstärkten nur noch den negativen Eindruck von Nassau. Den eigentlich Zweck jedoch erfüllte der Yachthafen, er bot uns den erwarteten Schutz vor den starken Windböen, und die abendliche Kneipentour brachte ein wenig Abwechslung ins stürmisch-regennasse Bordleben. Tropensturm Alex hat zu zahlreichen sintflutartigen Regenfällen mit Überflutungen in Kuba, den Bahamas einschließlich Nassau und in Florida geführt.

Endlich wieder unter Segel

Gestern haben wir die Leinen losgeworfen, uns von Ralf und Carmen verabschiedet. Unsere Reise geht nach ein paar Tage derZwangspause endlich weiter.
Unser nächstes Ziel ist Abaco, ca. 80 Seemeilen nördlich von uns, der Wind ist schwach, der Dieselmotor tuckert im Gleichtakt, trotzdem – endlich wieder auf See.

– – –

Abschließend noch ein paar kleinere technische Reparaturdetails:

1. Der Hydraulikanschluss vom Hydrogenerator war von der Sonne marode und wurde ausgetauscht.

2. Einige Haltepunkte des Cockpit-Zeltes wurden erneuert.

3. Die werftseitig nicht angeschlossene Kühlschrankentwässerung, die immer wieder für einen feuchten Fußboden sorgte, ist jetzt provisorisch angeschlossen.

4. Die Heizung leckte – aus welchem Grund auch immer – am Wärmetauscher im Salon, da haben wir den ½-Zoll-Plastikverbinder gegen einen ½-Zoll-Metallverbinder getauscht.

5. Ein Gasbrenner von unserem Kocher russte und brannte schlecht. Die Gasdüse wurde ausgeschraubt, gereinigt, Russ und Dreckpartikel ausgesaugt, jetzt brennt er wieder, wie  er soll.

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Cruising the Exumas

Montag, 30. Mai 2022; Georgetown Exuma 08:55 – Staniel Cays 15:40, 67 sm, Baro 1013, bedeckt, leichte Schauer, Wind zuerst um 13, später um 18 Knoten

Mit an Bord sind Roisin und Wes, die nun bis in die Chesapeake Bay mit uns segeln werden.Um 08.00 Uhr, als wir eigentlich losfahren wollten, schüttet es, und es gewittert mal wieder über uns. Aber eine halbe Stunde später hört der Regen langsam auf,  wir machen uns auf den Weg Richtung Staniel Cay, wo wir am Abend die Relax mit Carmen und Ralph von der Relax treffen wollen.

Schnell genug!

Kurz nachdem wir aus der Ausfahrt von der Lagune sind, setzt Volker mit Wes die Segel, aber nach einer Weile ist das meinem Käpt’n zu langsam, der Code D wird rausgeholt und gesetzt. Diesmal habe ich Glück, heute ist Wes bei uns, da muss ich nicht mit arbeiten und wieder überlegen, welche Leinen wie durch welche Augen müssen. Der Gennaker gibt uns viel mehr Speed; wenn die Geschwindigkeitsanzeige zweistellig ist, ist der Skipper zufrieden.

Der Code D steht

Um den Batteriestatus zu verbessern – denn bei dem bedeckten Himmel können die Solarpaneele nur wenig Strom liefern – bringt Volker den Watt&Sea am Heck an, vorschriftsmäßig (Bedingung der Capitania) mit Schwimmweste und eingepickt. Dieser Wellengenerator liefert Strom aus der Fahrt durch das Wasser, während wir segeln.

Währenddessen frischt der Wind weiter auf, über 18 Knoten sind nicht gut für den Code D, er muss weg. Der Windeinfallswinkel wird auch immer besser, jetzt fährt die Hexe weiterhin mit deutlich über 10-11 Knoten. Natürlich wird der Wind anschließend ein bisschen weniger, und es gibt die Überlegung, wieder den Gennaker zu setzen, so geht das auf einem sportlichen Segelboot mit zwei Kapitänen. Zuerst aber wird das Großsegel ausgerefft, das gibt schon mal ein bisschen mehr Geschwindigkeit, und tatsächlich steht um 15 Uhr der Code D wieder. Dem Katamaran Relax mit Carmen und Ralph, die eine Stunde vor uns gestartet sind, rücken wir immer weiter auf die Pelle, da sie sich hier auskennen, lasse ich mich gerne anleiten, welche Einfahrt durch durch die Inselkette die beste ist, und wohin wir dann zum Ankern gehen. Von dort aus wollen wir zu dem Schweinestrand fahren, an dem man mit den auf der Insel heimischen Schweinen schwimmen kann, und Carmen von der Relax will uns beim Schnorcheln den Fischreichtum in der Thunderball-Grotte zeigen, in der Szenen des James-Bond-Films „Thunderball“ gedreht wurden. 

Der Skipper und die Capitania auf dem Weg zu neuen Begegnungen

Die Zeit in der Lagune vor Georgetown war angefüllt mit einer unglaublichen Menge schöner Begegnungen. Angefangen hatte es ja mit dem Pottluck (wir berichteten im letzten Beitrag), dann gab es jeden Morgen im Funk auf Kanal 72 die Ankündigungen weiterer Aktivitäten. An einem Nachmittag sind wir zufällig in eine größere Seglerrunde am Beach gekommen, und erst mit dem Angriff der Mücken zum Boot zurück gefahren. Abends waren wir fast immer mit neuen Freunden und Bekannten zusammen, ob bei uns oder auf anderen Booten, es war immer was los. Wir haben Familien mit Kindern kennengelernt, wie die kleine Pia, die wir ins Herz geschlossen haben, und die musikalischen Töchter des Ballet-tanzenden Ehepaares. Auch drei allein segelnde Männer, außerdem mit ihrem Booten Mareike von der Moana, die seit vielen Jahren mit Gästen Charter fährt und die Bahamas wie ihre berühmte Westentasche kennt. Es gab viele Paare, die meisten sind schon länger unterwegs. Einige werden nach Süden fahren zum „Übersommern“, die anderen wollen nach Amerika, so wie wir. Klar, dass es tränenreiche Abschiedsszenen gab.

Nun sind Roisin und Wes, unsere Freunde aus Lanzarote bei uns, sie werden mit nach Amerika und in die Chesapeake Bay fahren. Wir sind auf dem Weg nach Norden, mit ein paar touristischen Stopps bis an der Ostküste der USA.

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