Ich muss jetzt mal schnell zwei Ereignisse aufschreiben die wir so, Gott sei Dank, noch nie in unserer Seglerkarriere erlebt hatten und die sich hoffentlich nicht wiederholen werden. Manchmal hilft Aufschreiben ja, um was zu vergessen oder besser zu verarbeiten.
18 Seemeilen vor Puerto Calero, circa auf der Höhe von Costa Teguise, hörten wir einen abgehackten Mayday-Ruf auf UKW Kanal 16. Die Verkehrszentrale in Arrecife meldete sich auf den Notruf hin, verstand aber auch anscheinend nicht alles, was gemeldet wurde. Seitens der Verkehrszentrale wurde immer wieder nachgefragt, was denn jetzt das eigentliche Problem sei und womit man helfen könnte. Auch nach der Position musste mehrfach nachgefragt werden. Wir konnten zu dem Zeitpunkt nicht mehr verstehen, was mit der Yacht los war. Wir hörten nur die Wiederholungen von der Leitzentrale.
Das erste, was wir verstanden haben, war, dass die Yacht anscheinend Motorprobleme hatte, kurze Zeit später hieß es, dass die Yacht in Richtung der Küste treibe, dann folgte noch, dass das die in Höhe von Orzola sei, also ziemlich im Norden von Lanzarote. Jetzt liegt Orzola gerade mal acht Seemeilen nördlich von unserer aktuellen Position. Wir überlegen, ob wir helfen können. Doch keine zwei Minuten später sehen wir das Ais-Signal des Rettungsbootes, das mit Vollgas zur havarierten Yacht steuert. Wenn Profis von der Seenotrettung am Werk sind, macht es für uns keinen Sinn, zur Hilfe zur eilen., da wir bei den hohen Wellen und dem vielen Wind sowieso sicher nicht mehr als sechs Knoten in Richtung der havarierten Yacht schaffen würden. Doch trotzdem beschäftig einen dann schon so ein Seenotfall in der Nähe. An ein bisschen Schlaf, obwohl ich todmüde war, war danach für mich nicht mehr zu denken. Zu sehr wühlte mich das Gehörte auf, und ich fragte mich, was da mit dem Schiff und der Mannschaft in Seenot passiert.
Wie der Zufall es dann so wollte, schickte mir unsere belgische Freundin Ria am Tag danach einen Artikel zu. Und tatsächlich drehte es sich bei dem Artikel genau um die Yacht, die am Tag zuvor in Seenot geraten war. Der Ausgang des Seenotfalles ist leider auch ziemlich tragisch. Die Yacht ist in der Nähe von Orzola auf den scharfkantigen Felsen gestrandet. Der Skipper versuchte schwimmend die Küse zu erreichen, um das Schiff zu retten und erlitt an den Felsen multiple Verletzungen beim ans Ufer klettern, die anderen Mitsegler gingen in die Rettungsinsel und wurden ebenfalls verletzt, als die Rettungsinsel an Land gespült wurde. Alle fünf mussten im Krankenhaus behandelt werden. Wenn ich mir vorstelle, was das für ein Horror gewesen sein muss, bei der hohen Brandung und den messerscharfen Felsen in der Dunkelheit ans Ufer gespült zu werden. Heftig.
Man kann sich im Nachhinein fragen, warum die französische Yacht überhaupt auf den für Yachten total ungeeigneten reinen Fährhafen von Orzola zuhielt. Und warum, nachdem man festgestellt hatte, dass der Motor nicht funktioniert, nicht zumindest das Vorsegel ausgerollt wurde, um Raum zwischen dem Boot und der drohenden Küste zu schaffen. Fragen über Fragen, auf die es bis jetzt keine Antwort gibt. Auf jeden Fall lässt mich dieser Vorgang seitdem nicht mehr los.
Das zweite Ereignis würde man wohl in die Kategorie „Pech gehabt“ einordnen. Denn kurz vor dem Erreichen des Hafens startete ich – wie gewohnt – die Motoren, nur um kurz danach aus dem Augenwinkel heraus, beim Fender Aufhängen zu sehen, dass aus dem Backbordmotor kein Kühlwasser kommt. Ok dachte ich mir, kein Problem, erstmal Motor abstellen, und die Gesamtsituation überdenken vor der Einfahrt in den Hafen. Ich habe dann Wes angerufen, ihm erklärt, dass wir mit nur einem Motor in den Hafen kommen und erst kurz vorm Anlegeplatz den zweiten Motor anschalten werden und ob er bitte unsere Leinen annehmen kann. Natürlich stand er am Steg. Alles lief wie geplant, und der Motor mit dem Kühlproblem lief für maximal zwei Minuten.
So beim Steggespräch danach gingen wir alle davon aus, dass der Impeller kaputt gegangen ist und das deswegen der äußere Kühlkreislauf nicht mehr funktionierte. Doch heute sollte sich rausstellen, das wir alle auf dem Holzweg waren. Erst einmal vorweg, wir wechseln die Impeller, seit wir das Schiff haben, im Jahresrhythmus und alle bisherigen ausgetauschten gebrauchten Impeller waren in einem top Zustand.D.h keine Einlaufspuren, alle Flügel unbeschädigt und das Gummi superweich, wie neu praktisch. Wir haben dann auch gleich am Montag Alberto, den Volvo Monteur, informiert.
Jetzt kam heute früh einer seiner Mechaniker und meinte zu mir, ich solle mal den Motor starten. Und man glaubt jetzt nicht, was dann passierte. Der Motor kühlt vom ersten Moment an wie er soll. Der Wahnsinn – die verzauberte Hexe? Der Mecanico fragt dann noch, ob er den Impeller kontrollieren soll. Klar, soll er. Das Ergebnis ist auch klar, der Impeller ist wie neu. Trotzdem entscheiden wir uns zu einem Wechsel, denn der letzte Motorservice ist auf den Tag genau ein Jahr her. Das geht ja flott so ein Impellerwechsel, der Alte raus, der Neue rein, ein bisschen Fett hier und und schwupp ist die Sache erledigt.

Jetzt ging das Mutmaßen weiter, was die Ursache für die Kühlwasserunterbrechung gewesen sein könnte. Ich vermutete eine Plastiktüte um die Ansaugöffnungen, mein Freund Uli meinte, dass irgendein Gegenstand eine kurzfristige Blockade verursacht haben könnte. Egal, zuerst war ich mal sehr froh, dass der Motor mit kräftigem Kühlwasserstrahl lief. Doch irgendwie hatte ich auch noch Zweifel. Also die Badehose an, Maske und Schnorchel dazu und ab ins salzige Nass. Und siehe da, in einer der Kühlöffnungen steckte noch, und das sogar ziemlich fest, ein Fetzen Plastik, vermutlich von einer Tüte. Jeder der uns kennt, weiss, dass wir diejenigen sind, die jedes Stück Plastik im Wasser einsammeln, das wir finden. Aber dass ausgerechnet uns es passiert, dass so ein Sch…stück Plastik unsere Seewasserkühlung lahm legt ist echt Pech. Was lerne ich daraus? Beim nächsten Kühlproblem werde ich erstmal kurz rückwärts fahren oder den Kopf unter Wasser stecken, um zu schauen, ob irgendwas den Kühlwassereinlass blockiert.










































