Autor: Hexymama

  • Nach Lanzarote Tag 3

    Baro 1022, wolkig mit einzelnen sonnigen Abschnitten, Wind 4-6 Beaufort aus NO, die See 1,5 – 2 m, Hexe ist auf See

    Gestern Abend gab es Pizza, wir hatten noch Teig von dem ersten Aufenthalt in Lorient, der war schon mal nach Darmstadt und zurück gefahren, aber immer noch in Ordnung. Salami, Tomaten, Champignons und natürlich Käse darauf, und ab in den Ofen. Immer wieder gut.

    Nach dem Abendessen holt Volker den in der vorigen Nacht verlorenen Schlaf ein bisschen nach (ich weiß, dass das nicht geht, aber es klingt gut), ehe ich mich um halb zwölf in die Kabine verabschiede. Aus der „Straße“ der Tanker und Frachter sind wir inzwischen raus, jetzt sollte es auf dem AIS ruhiger werden.

    Der Wind in der Nacht war in der Richtung ziemlich konstant, wie seit Beginn aus Nordost, die Stärke hat variiert zwischen 15 und 25 Knoten. Auf jeden Fall sind wir flott voran gekommen, 182 sm in 24 Stunden. Weil wir aber weiterhin vor dem Wind kreuzen, sind das nicht 182 sm in genau die richtige Richtung, aber wir nähern uns den wärmeren Temperaturen, glücklicherweise, nachts ist es kalt hier auf dem Ozean.

    Volker fängt plötzlich an zu überlegen, was wir denn diesen Winter alles machen könnten. Und da taucht die Idee auf, dass wir nicht nur zu den Kapverden segeln könnten, das hatten wir schon lange mal auf dem Plan, sondern auch noch zum Gambia River. Das wäre nochmal etwas ganz Neues, die Kapverden und Westafrika haben wir mit unserem Boot noch nicht angefahren. Der Hinweg ist bestimmt super mit dem Passatwind im Januar, und für den Rückweg muss der Passat halt mal ‘ne Pause machen. Oder wir segeln erst zu den Azoren und von da aus zurück nach Lanzarote.

    Das konfuse Wellenbild und das daraus resultierende Gewackel ist eine echte Herausforderung an meinen schlecht vorhandenen Gleichgewichtssinn. Ich hangele mich vom Kartentisch zum Kühlschrank oder der Pantry, eine besondere Herausforderung sind die Stufen hinab zu den Rümpfen, denn vor allem beim Abstieg wäre ein Sturz fatal. Aber ich komme zurecht, und Volker hilft mir sehr, wenn es wieder mal zu schaukelig wird und übernimmteinige meiner Pflichten, wie zum Beispiel das Abwaschen.

    Jetzt nähern wir uns der spanisch/portugiesischen Küste, und ab hier beginnen die Interaktionen mit den Orcas. Orcas sind Wale aus der Familie der Delfine, und diese iberischen Orcas sind eine eher kleine Spezies mit 3,5 bis 4 m Länge. Sie ernähren sich von dem roten Thunfisch, dem Blue Finn Tuna, der im Winter vor Gibraltar schwimmt und im Sommer Richtung Norden aufbricht.  Und die Orcas folgen ihrer Beute. Der rote Thunfisch war deutlich überfischt, ist seit 2010 durch zahlreiche Auflagen geschützt, und vermehrt sich zu der Freude der Orcas wieder. Es sind ja hübsche Tiere, und ich gönne ihnen ja auch, dass sie wieder genug zu fressen haben, aber müssen sie denn unbedingt ihre Langeweile vertreiben, indem sie mit den Rudern von Segelbooten spielen?

    Wir jedenfalls nehmen lieber einen Umweg in Kauf und bleiben gut
    70 Meilen von der Küste entfernt. Nun sind es nur noch weniger als 1.000 Meilen bis Puerto Calero. Zur Erinnerung: Wer unseren aktuellen Weg verfolgen möchte: Die Links sind unter dem Menüpunkt „Jetzt sind wir hier“ zum Anklicken.

    Und hier auch:

    PredictWind

    YellowBrick

    Viel Spaß!

  • Let’s go West oder Süd

    Gestern Abend hatten wir auf Wunsch der Capitania nochmal Ausgang. Ein Fisch musste her, nicht für mich versteht sich, Cornelia wollte die Nähe zum Meer und der französischen Küche noch einmal verwöhnen lassen, bevor es raus auf die hohe See geht. Also sind wir zum benachbarten Armor Plage gefahren, einem typisch bretonischen Ort, mit kleinem Altstadtkern, großem Strand und Häusern mit dicken Mauern, ein netter Ort,  in dem es jetzt in der Nachsaison sehr beschaulich zugeht. Zuerst waren wir ganz allein im Restaurant, einer muss ja den Anfang machen, doch nach und nach trudelten immer mehr Gäste ein. Der Service war perfekt, das Essen sehr lecker und die Preise moderat, sehr empfehlenswert das „Ty Mero“, was will man mehr. 

    Heute früh ging es für die vergessenen Paprika und die gefüllten Nudeln nochmal zum È Leclerc Supermarkt und danach zur Autorückgabe.

    Um 11 Uhr warfen wir die Leinen los und motorten langsam zum Ausgang der riesigen Bucht. Alle Fender und Leinen wurden verstaut, das Großsegel gesetzt und motorsegelnd ging es zum ersten Wegepunkt, südwestlich  der Ile de Groix. Die Wetterberichte sagen nordöstliche Winde für die nächsten Tage voraus, nicht ganz perfekt, da genau von achtern, aber das Wetter, bzw. den Wind können wir leider nicht ändern, sondern nur die Segel danach ausrichten. (Und besser als Sturm von vorne ist es allemal, Anm. d.R.) Noch länger in Lorient zu bleiben ist ebenfalls keine Option, je weiter das Jahr voranschreitet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für heftige Herbststürme in diesem Teil des Atlantiks. 

    Leider dämpfen  erneute Orca-Attacken in den letzten Tagen, in der Gegend zwischen A Coruña und Porto, unsere Reisefreude, denn sie zwingen uns dazu, unseren Kurs nicht nur nach dem Wind, sondern auch nach den durchgeknallten Viechern auszurichten. Wir werden mindestens 60 nautische Seemeilen Abstand zur Küste halten, eher mehr. Das sollte auf jeden Fall  reichen, ein Besuch im schönen A Coruña verkneifen wir uns unter den gegebenen Umständen. 

    Gerade jetzt schiebt uns der Wind und eine chaotische See mal mehr nach West und dann wieder mehr nach Süd. Wir kreuzen vor dem Wind. Wir wollen es langsam angehen lassen, die Leichtwindsegel bleiben heute noch eingepackt. Wir möchten uns erstmal langsam an die See und die Bewegungen gewöhnen. Es sind noch zwei weitere Schiffe in die gleiche Richtung unterwegs und je nachdem, ob wir im Wellental oder auf dem Wellenkamm sind, sind diese am Horizont sichtbar. 

    Die nächste Nacht wird kalt, die Temperaturen fallen auf 8 Grad, das ist schon wie Wintersegeln in Holland, oder die voraussichtliche Temperatur zuhause an Heiligabend. Doppelte Decken, warmer Tee und ab und an die Dieselheizung halten uns hoffentlich warm. Delfine waren auch schon da, haben eine Zeitlang mit der stampfenden Hexe gespielt und andächtig dem Rhythmus gelauscht, den ich bei solchen Anlässen am Bug für die verspielten Tiere trommele. Auch ein kleiner Spatz hat sich zu uns gesellt. Das war sicher keine gute Idee, denn obwohl wir ihn mit Sonnenblumenkernen füttern und Wasser zum Trinken hingestellt haben, kann er die weite Fahrt eigentlich nicht überleben.

    Jetzt ist ja die Katze irgendwie auch schon fast aus dem Sack. Unser Ziel ist – entgegen allen früheren Lippenbekenntnissen im schön warmen Hochsommer – nicht Holland als Winterlager, sondern doch wieder das sonnenverwöhnte Lanzarote. Ja, irgendwie sind wir um das Thema, wo wie wir den nächsten Winter verbringen wollen, wochenlang wie die Katze um den heißen Brei herumgeschlichen. Schließlich hat die Sehnsucht nach blauem Wasser, Wärme und dem Leben, das vor der Tür statt im beheizten Schiff stattfindet, den Ausschlag für Lanzarote gegeben. Das schöne Holland muss bis zum nächsten Frühsommer auf uns warten und ein paar holländische Freunde kommen uns hoffentlich auch auf Lanzarote besuchen. 

    Die Sonne senkt sich langsam zum Horizont, obwohl sie hier, soweit westlich, deutlich später untergeht als im heimischen Deutschland. Zum Glück haben wir zunehmenden Mond, genau wie bei der Reise in die Bretagne. Ich bin absolut kein Fan von superdunklen Nächten.

    Wir rechnen mit zehn Tagen Reisedauer.

  • Es regnet – il pleut 

    wie der Franzose sagt. Der Regen ist an sich nichts Ungewöhnliches in der Bretagne, aber es regnet auch, wenn Sonnenschein vorhergesagt ist. Die Luftfeuchtigkeit ist enorm hoch, Handtücher, die wir zum Trocknen in den kurzen regenfreien Perioden raushängen, sind kaum weniger feucht, wenn wir sie wieder abhängen.

    Aber das Wetter soll nicht die Hauptrolle in diesem Blogbeitrag spielen, eher eine kleine Nebenrolle. Ansonsten ist es sehr schön hier in der Bretagne, malerische Buchten und Flussläufe zeigen ein veränderliches Landschaftsbild durch das ständige auf und ab der Gezeiten, hübsche historische Altstadkerne laden zum Bummeln ein, und in den traditionellen Creperien gibt es herzhafte Galettes, süße Crepes und natürlich den landestypischen Cidre.

    Auch dass unsere Website, an der wir so hängen, die unter anderem über 12 Jahre unseres seglerischeren Lebens beinhaltet und abbildet und in den letzten Wochen mehrfach offline, von gegnerischen Mächten angegriffen und noch immer nicht vollständig wiederhergestellt ist, bekommt nur eine kleine Nebenrolle, also ein paar Zeilen Aufmerksamkeit in diesem Blogbeitrag. Cornelia ist beinahe täglich, im nicht immer zufrieden stellenden Austausch mit unserem Provider Ionos und investiert Stunde über Stunde, nur damit auf der Website wieder alles so ist, wie es bisher war. Eine echte Sisyphusarbeit. Wir hoffen, dass  wir jetzt und zukünftig wieder Blogbeiträge einstellen können, damit wir unser Seglerleben mit Euch teilen können.

    Der eigentliche Grund für die Reise in die Bretgne war ja, das bei unserem Mastenbauer Lorima das sogenannte stehende Gut gewechselt werden soll. Bezahlen für die Wanten und das Vorstag mussten wir im Voraus, erst dann sollte die Bestellung an den Zulieferer rausgehen. Am Tag vorm Wechseltermin sind wir nach wunderbaren gemeinsamen Ferientagen mit unserer Enkelin hoffnungsfroh in die Bretagne zu unserem Boot nach Lorient gefahren.

    Kurz gab es nach dem Anruf vom Directeur von Lorima ein bisschen Konfusion, weil der uns mitteilte, dass der eingeplante und für uns vertraute Projektmanager nicht mehr zur Verfügung steht. Doch ein Ersatzrigger war schnell gefunden, nur mein Vertrauen in einen guten und geregelten Projektablauf war erst einmal ein bisschen erschüttert. Egal wie, gestern ging der Wechsel der beiden Hauptwanten mithilfe eines Krans und  der geriggten Hilfswanten, gut und flott über die Bühne. Zwei junge Rigger arbeiteten hoch im Mast und der Chef der Firma und ich als Helfer an Deck, sozusagen als Bodenpersonal. 

    Nach zwei Stunden waren die Wanten erfolgreich getauscht und die Hexe fuhr vom Kranplatz zurück zu unserem Liegeplatz. Dann ging es mit viel Einsatz, zu viert, an den Wechsel des Vorstags, ebenfalls bei stehendem Mast. Das ist insofern möglich, als wir ein zweites inneres Kutterstag und mehrere Fallen haben, die den Mast auch ohne Vorstag sicher oben halten.

    Schnell war das alte Stag unten, was dann extrem lang dauerte, war der Wechsel der einzelenen Aluminiumprofile, die über das eigentliche Vorstag montiert werden, und an denen das Vorsegel nach oben gezogen und aufgerollt werden kann. Es dauerte bis ca. 18 Uhr, bis wir soweit waren, dass das neue Drahtvorstag samt den alten ummontieren Aluprofilen, gesetzt werden konnte. Um 19 Uhr war dann alles erledigt, zehn Stunden harte Arbeit lagen hinter uns. Das Team von Iroise Rigging hat wirklich eine sehr gute Arbeit geleistet und meine Befürchtungen haben sich –  Gott sei Dank – nicht bestätigt. 

    Unsere Wanten bestehen im Prinzip aus dem hochfesten Material Kevlar. Und laut der Auskunft vom Rigger werden unsere alten Wanten recycelt. Das Kevlar wird von einer holländischen Firma geschreddert und danach zu schussfesten Westen oder Hitzeschutzhandschuhen weiter verarbeitet.

    Die Hexe liegt jetzt vollgetankt, vollproviantiert und bereit für neue Abenteuer am Steg. Wir werden berichten.

  • Pustekuchen

    Die Freude über unsere wieder aufgetauchte Website währte nur kurz. Erstens funktionierten die Plugins wie Kalender oder die Benachrichtigung unserer Freunde, aber auch der Spam-Filter nicht mehr (ganz schlecht), und es war trotz mehrerer Versuche meinerseits und weiterer Telefonate mit den „Telefonseelsorgern“ von Ionos nicht möglich, sie erneut zu installieren.

    Und dann war die Seite noch einmal komplett weg. Und als sie dann nach weiteren Telefonaten wieder online war, sieht sie jetzt ein bisschen arm aus. Aber ich bleibe weiterhin dran 🥹.

    Wir haben eine schöne Woche in Hoorn verbracht, viele alte Freunde getroffen, alle Neuigkeiten ausgetauscht. Wir haben Rundfahrten mit dem Dinghy durch die Stadt gemacht.

    Im Hafenrestaurant vorzüglich gegessen, und als Highlight waren wir am letzten Abend bei einer Freundin eingeladen, um von ihrem Wohnzimmer mit der riesigen Fensterfront das jährliche Life-Konzert auf der „Abel Tasman“, einem riesigen alten Plattbodenschiff mitzuerleben.

    Es gab verschiedene musikalische Stile zu bewundern, als erster zeigten die Kinder der ansässigen Musikschulen ihr können, dann kamen von einem kleinen Orchester mit Streichern, Bläsern und Harfe eigenwillige Interpretationen klassischer Musikstücke, und schließlich wurde es populär bis rockig. Dazu tanzten – außer uns allen an dem Fenstern – viele Menschen unten an der Uferpromenade.

    In Deutschland haben wir in den vergangenen zwei Wochen eine entspannte Zeit verbracht bei den letzten wunderschönen Sommertagen. Ich habe ein bisschen was für meine Gesundheit getan, wir haben das Frühstück auf der Terrasse genossen, und viele Abende in Biergärten gesessen. Und natürlich waren wir ganz oft bei unseren Enkelkindern.

    Jetzt beginnt wieder der Ernst des Segelns. Ab Sonntag werden wir wieder mit der Hexe losfahren und sie bis Anfang Oktober nach Lorient in der Bretagne bringen. Dort soll das stehende Gut ausgetauscht werden, sie wird neue textile Wanten und ein neues Vorstag für den Mast bekommen. Wir werden versuchen, zügig voranzukommen, weil wir das Boot dann dort lassen werden, um unsere Enkeltochter  abzuholen, die gerne eine Woche ihrer Herbstferien bei Oma und Opa verbringen möchte.

    Wir werden wie gewohnt hier aus unserem Logbuch berichten und hoffen sehr auf gute und angenehme Winde.

  • Schnelle Fahrt übers Ijsselmer

    Dienstag, 1. September 2026
    Baro 1018, Sonne-Wolken-Mix, um 20 Grad, Wind W um 5 Beaufort

    Um 13:30 legen wir in Workum ab, haben schon vorher ein Reff eingebunden, und ab der Ansteuerungstonne segeln wir mit um die neun, manchmal bis zehn Knoten Richtung Enkhuizen. Der Wind weht mit 16-20 Konten aus West, ideal für uns, mit halbem Wind über das Ijsselmer zu brettern.

    Wir wollen heute bis Enkhuizen und morgen nach Hoorn, dort wollen wir ein paar Tage bleiben, bis wir Samstag oder Sonntag nach Amsterdam segeln werden. Dort werden wir beim Amsterdam Yachtservice die Hexe für ein bis zwei Stunden in den Kran zu hängen, um die Propeller-Nabe auszuwechseln, weil sie beim Schalten zwischen Vorwärts- und Rückwärtsgang immer wieder rutscht.

    Außerdem hat Volker heute morgen festgestellt, dass in dem linken Saildrive Wasser im Öl ist, da müssen Dichtungen getauscht werden, das soll dann auch im Kran geschehen. Und die Dichtungen müssen wir auch noch in Hoorn beim Yachtservice Händler kaufen.

    Aber jetzt genießen wir erst einmal das Segeln auf dem Ijsselmer bei Sonnenschein, nachdem es vorgestern und vor allem gestern wie aus Eimern geschüttet hat, Auch Donner war dabei, aber glücklicherweise so weit weg, dass keine Blitze in die Nähe kamen. Das ist uns immer ein bisschen unheimlich, haben wir doch den höchsten Mast im Hafen.

    Wir konnten uns nur mit leckeren Abendessen mit den Freunden Monika und Günther über das unschöne Wetter trösten. Am Sonntag waren wir in Workum in „de Smidte“ sehr fein essen, und gestern waren wir zu viert bei uns an Bord, es gab Lasagne (ich will mich ja nicht selber loben, aber die war auch lecker).

    Um 15:40 ist der Anker fest vor der Schleuse von Enkhuizen, mit großartiger Sicht auf alle ein- und ausfahrenden Boote.

  • Sie ist wieder da!

    Unsere Website war weg. Einfach so aus dem World Wide Web in ferne Weiten entschwunden. Es hat mich viele Stunden am Rechner und noch mehr in der Telefonschleife von Ionos, unserem Provider, gekostet, bis ich gestern einen ungeheuer fähigen jungen Mann in der Leitung hatte, dessen Name ich leider nicht weiß, sonst könnte ich ihn hier lobend erwähnen. Jedenfalls hatte er mir genau zugehört, als ich ihm unser Problem geschildert habe, und er kam tatsächlich – nach einer ganzen Weile, die ich mit der Pausenmusik von Ionos verbracht habe –  mit der unglaublichen Meldung zurück: „Ihre Website funktioniert wieder!“.

    Ich konnte mich dann auch tatsächlich wieder im Back-End einloggen, um diese kleine Nachricht zu veröffentlichen. Nur die sogenannten Plugins funktionieren immer noch nicht, sodass die Freunde unserer Reisen keine Nachricht erhalten, dass ein neuer Beitrag ins Netz gestellt wurde. Aber ich arbeite dran. Drückt mir die Daumen!

  • Auf dem Weg zur Reparatur

    Kurz nach 12 Uhr legen wir am Sonntag, 9. August  in Workum ab. Unter Motor fahren wir an Stavoren vorbei, lassen auch den Vrauwezand links liegen. In der Mitte der Strecke legen wir eine kleine Segelprobe ein, aber der Wind reicht nicht aus, außerdem kommt er genau von vorne, und wir müssten kreuzen, das macht bei 3,5 Knoten Fahrt keinen Spaß, auch noch Umwege zu fahren. Also werden die Segel schnell wieder geborgen.

    Nach unserer Segel-Einlage wird es auch auf dem Ijsselmer weniger voll, südlich von Lemmer auf der einen und Enkhuizen auf der anderen Seite des Ijssemers ist die Streckefür ist für die meisten Urlauber nicht so attraktiv, es sei denn, sie wollen nach zu dem schönen alten Fischerdorf Urk, oder eben – wie wir – nach Lelystad. Die meisten Segler mit Zielen im Markermer nehmen den Weg über das weiter nördlich gelegene Enkhuizen, und gehen dort durch die Schleuse. Und die Wochenendsegler, meist aus dem nahen Nordrhein-Westfalen fahren nun  wieder nach Hause.

    Wir waren am frühen Abend in der Flevo Marina in Lelystad, diese liegt noch vor der Schleuse zum Markermer,. An Steg 12B legen wir an, der hiesige Hafenmeister hatte uns dort schon einen Platz reserviert und hoffen, dass morgen früh die Arbeiten beginnen können, zumindest wurde uns das von dem Reparaturbetrieb bestätigt. Eines unserer Probleme habe ich, dank KI, selbst herausgefunden. Auf unserem Plotter haben wir hier im Ijsselmer nur AIS Signale in einem sehr begrenzten Raum, und wir haben uns gefragt, was da nun wieder kaputt oder falsch eingestellt sein kann. Aber beim Nachforschen fand ich heraus, dass so ein AIS auf dem Bildschirm nicht mehr als 100 Signale anzeigen kann, und da wird eben der Radius viel kleiner.

    Um 18:15 waren die Leinen fest in der großen Flevo Marina in Lelystad. Noch beim Anlegen mach ich den Mückenvorhang zu, es ist so viel kleines fliegendes Getier unterwegs, obwohl hier überall Spinnennetze mit großen fetten Spinnen hängen, die die Mücken eigentlich fangen und auffressen sollten. Volker kocht uns ein leckeres Abendessen mit eingelegter Hühnchenbrust und Risotto, und nach einem kleinen Spaziergang durch die große Marina gabt es noch einen – alkoholfreien – Sekt und schon war es Zeit fürs Bett, denn am nächsten Morgen kam Martin, der Techniker, schon früh an Bord.

    Volker wird ja – wie im letzten Blog versprochen – über die Details der Arbeiten ausführlich berichten.

  • Angekommen

    Am Pfingstsonntag, 24. Mai sind wir in Puerto Calero losgefahren, Richtung Madeira, dort sind wir am 26. Mai angekommen.  Von dort aus sind wir am 7. Juni Richtung Azoren gestartet, nicht wissend, ob wir dort stoppen werden oder lieber weiter fahren. Wir haben dann doch zwei Nächte vor Santa Maria geankert, in der Nacht zum 10. Juni sind wir dort angekommen und am 11. Juni haben wir den Anker wieder gelichtet für das große Stück über den Atlantik. Am 21. Juni sind wir am 10. Tag der Fahrt über den Atlantik, die Nordsee und den Ärmelkanal in Nieuwpoort, Belgien, angekommen. Dort wurden wir von unseren Freunden Ria und Jan lieb empfangen, verbrachten ein paar Tage in der Marina der belgischen Luftwaffe. Anschließend gab es noch einen Stopp in Blankenberge, ehe wir am 27. Juni an der Schleuse zum Ijsselmer im Süßwasser angekommen sind.

    Die Reise dauerte insgesamt 35 Tage, davon insgesamt 17 Tage auf See, es waren 2.468 Seemeilen bis von Puerto Calero bis nach Workum. In Workum haben wir viele Jahre im Sommer gelegen, von 1998, noch mit der Sherazade, dann mit den „halben“ Hexen (weil sie nur einen Rumpf haben) bis 2012. Wir wurden freundlich begrüßt von Jan, dem langjährigen Hafenmeister, der nunmehr in Rente ist, aber noch zwei Tage in der Woche der Marina erhalten bleibt. Wir haben den schönsten Platz im Hafen, liegen am Meldesteiger mit voller Übersicht über alle ein- und ausfahrenden Boote, und einen sensationellen Blick auf den Kanal und die majestätisch vorbei segelnden Plattbodenschiffe.

    Im Wetterradar

    Noch am gleichen Abend bekamen wir was geboten: Zwei Stunden lang entluden sich endlos viele Blitze über Friesland, der Himmel war ein einziges Feuerwerk, und der Donner hatte die Wucht von vielen Dezibel. Es dauerte fast bis Mitternacht, bis wir in unserer Koje lagen.

    Schon am nächsten Tag hatte sich der Himmel aufgeklärt, es gab schönsten Sonnenschein, der Strand am Ijsselmer war voller Familien, die den warmen Sonntag genossen. Wir haben den vielen Kitern zugeschaut und ihre waghalsigen Sprünge bewundert. Der Wind war frisch, also haben wir für heute auf ein Bad in dem, zugegebenermaßen mit 24º richtig warmem Wasser verzichtet.

    Viele frühere Bekannte waren im Hafen, so ergab sich immer ein Schwätzchen, wir fühlten uns nicht einsam. Und dann kamen erst Monika und Günther mit ihrem schicken neuen Motorboot, und Wolfgang und Ute aus Heppenheim, Auch Ralf und Tochter Pia waren da, später kamen noch Arthur und Iris, wir haben schöne (natürlich Grill-) Abende in großer Runde bei uns an Bord erlebt, insgesamt ein wunderbarer Empfang.

    Auch ein Ausflug mit dem Beiboot zu der Fischbude am Hafen von Hindelopen durfte natürlich nicht fehlen, wo wir den großartigen Matjes Hering sehr genossen haben. Aber leider hatte unser Lieblingscafé geschlossen, sonst hätten wir auch noch die Appeltaart verspeist. Am nächsten Tag sind wir noch nach Workum geradelt, haben dort auch den Matjes probiert.

    Jetzt sind wir auf der Heimfahrt. Wir hatten Glück, Wolfgang und Ute nehmen uns in ihrem Wohnmobil mit, denn wir hatten natürlich kein Auto in Workum am Hafen stehen.

  • Fast im Ijsselmer

    Freitag, 26. Juni 2026
    Blankenberge 04:20 – 20:45 Anker vor Julianadorp, Nord-Holland, Schnitt 7,75 Seemeilen
    Baro 1014, sonnig, warm, Wind SO 4-5 Beaufort, später W um 4, die See 1 m

    Der Wecker steht auf fünf Uhr, aber als ich – wie auch Volker – um Viertel nach vier wach bin, sagt er „Komm, wir fahren.“ Sofort fängt er an, die zahlreichen Leinen los zu machen, ich ziehe mir schnell was an, und erwecke die Navigation und die Motoren zum Leben, schon geht es los. 

    Noch in der Dunkelheit verlassen wir den Hafen, nach der Ausfahrt werden natürlich sofort die Segel gesetzt, und – schwupp – sind wir wieder im Rennen. Kurz nach der Ausfahrt wird es kniffelig, denn dann kommen wir an Hoek van Holland vorbei, und in der Ansteuerung des Hafens kreuzen große Frachtschiffe und Tanker unseren Weg. Und abgesehen davon, dass sie auf einer Schifffahrtsstraße fahren, hat in Holland grundsätzlich die Berufsschifffahrt Vorrang. Auch die zahlreichen Kardinalbojen, die auf unserem Weg liegen, erfordern Beachtung. 

    Ansonsten  ist es das schönste Segeln, das man sich denken kann. Ein Wind mit genügend Kraft, um das Boot voranzubringen, relativ konstant, sodass man nicht dauernd an den Tüchern zuppeln muss, um die optimale Segelstellung zu erreichen, und absolut flaches Wasser erlauben dem Einen Zeit zum Ausruhen, und dem Wachhabenden entspannte Aufmerksamkeit.

    Am Maasmond müssen wir wieder alert sein, dort muss man sich vorher auf Kanal 03 bei Maas Entrance melden, dort wird Erlaubnis erteilt zum Queren oder Einfahren. Leider muss da auch der Motor mit schieben, der schöne Wind vom Anfang hat sich wohl erst einmal zum Frühstücken verabschiedet. Um 14:15 Uhr wird der Gennaker gesetzt, aber leider gleich wieder geborgen, da war Volker wohl zu optimistisch. Das bunte Segel kommt aber noch einmal zum Einsatz und zieht uns bei leichtem Wind schön voran.

    Nachdem wir auch das Fahrwasser von Ijmuiden hinter uns haben, hat der Wind freundlicherweise auf West gedreht und schiebt die Hexe mit 11 Knoten Wind auch trotz der jetzt leider gegenan laufenden Strömung mit sieben bis zehn Knoten voran. Manchmal fahren wir durch riesige Algenteppiche, das mögen wir gar nicht, normalerweise, weil sich da auch gern mal was in der Schraube vom Motor verfängt, oder sonst irgendwie, und dann das Boot bremst. Geht gar nicht. Aber diese Algen sind nett, sagt Volker, sie sind die, die das Wasser nachts zum Leuchten bringen, zum Beispiel, wenn man sie durch die Toilettenschüssel pumpt.

    Unser heutiges Ziel ist ein Ankerplatz irgendwo um die Schleuse von Den Oever. Das hat sich im Laufe des Tages ständig verändert, je nachdem, wie schnell wir voran gekommen sind. Vorhin hatten wir kurzfristig in Erwägung gezogen, an der kleinenRobbeninsel vor Texel mit Namen Noorderhaaks zu ankern. In der Seekarte ist dort ein Naturschutzgebiet eingetragen, in Navily war jemand, der dort geankert hat. Um sicher zu sein, habe ich eine WhatsApp an die Verkehrszentrale Den Helder geschrieben (wie modern!), die freundliche Antwort kam umgehend: „Gute Frage!“ Ich solle doch Kontakt aufnehmen mit dem Zentralen Meldeposten Waddenzee. Dort habe ich angerufen, und man fing an zu diskutieren, und ich solle doch mal bei der Verkehrszentrale Den Helder nachfragen. „Die haben mich an Sie verwiesen“, sage ich und weiter ging es mit der Unsicherheit. Schließlich hieß es „Leider nein, das ist wirklich ein Naturschutzgebiet.“ Aber alle hatten ihren Spaß dabei!

    Der Anker fällt um kurz vor neun im Sand vor dem ewig langen Sandstrand vor Julianadorp. Wir hatten keine Lust mehr, gegen die Gezeit und im Dunkeln in dem Watt-Fahrwasser bis zur Schleuse zu fahren. Es sind noch Menschen am Strand und auch zwei nervige Seascooter machen Lärm. Aber dann ist nur noch ein bisschen Hundebellen zu hören, das wird dann sicher nach Sunset um 22:12 aufhören. Noch ist die Sonne nicht untergegangen, aber in der Ferne ist im Dunst der Leuchtturm von Den Helder zu sehen, der uns in der Nacht immer wieder Grüße schicken wird.

    Jetzt weiß ich auch, warum wir doch früher geankert haben:

    WM Frankreich gegen Norwegen!

  • Sonntag, 21. Juni 2026 Ankunft in Nieuwpoort

    Baro 10, sonnig,, Wind O, zunehmend 2-8 Knoten, die See weiterhin siegelglatt

    Das ist der Track unserer Reise

    Nach zehn Tagen und zweieinhalb Stunden, 1508 Seemeilen 138 (!) Motorstunden sind wir um zwölf Uhr Azorenzeit von Santa Maria bis Nieuwpoort gekommen.  Auch mit Sonnenaufgang  heute früh kam kein Wind, so sind wir die letzten Stunden wieder unter Motor gefahren. Das war in diesem Fall garnicht so schlecht, weil erstens anscheinend sämtliche Boote, die auf die Passage nach Frankreich oder England wollten, heute Morgen wegen des für diese Strecke günstigen Ostwindes ausgelaufen waren und uns entgegenkamen. Zum Zweiten war vor Nieuwpoort eine größere Regatta und viele Segler, einige mit bunten Leichtwindsegeln, kamen uns entgegen, denen wir ausweichen mussten.

    Ein großer Frachter

    Die letzte Nacht war – wie die vorherige – nicht so entspannt. Zwar motorten wir außerhalb des  Verkehrstrennungsgebietes, in dem die großen Schiffe wie auf einer Autobahn fahren, aber auch daneben gab es zahlreiche beleuchtete Seezeichen und Fischer, die ja nie einen geraden Kurs fahren, weil sie immer hinter den Fischschwärmen her sind, völlig unberechenbar. So konnte Volker nicht wie auf dem leeren Atlantik, alle zwanzig Minuten einen Wecker einen Wecker stellen und an sonsten Schlafen. Nein, hier musste man permanent aufpassen. Mit dem ersten schüchternen Licht am Horizont habe ich übernommen, und er konnte wenigstens ein paar Stunden schlafen.

    Gleich nachdem die Leinen fest waren im Hafen der belgischen Airforce, wo Jan uns einen Liegeplatz reserviert hatte, war das Dinghy bereit und wir sind mit einer seit gestern eisgekühlten Flasche Sekt aus Lanzarote zu der Philae, dem Boot von unseren Freunden Ria und Jan getuckert, um die Ankunft gebührend zu feiern.

    Nach dem eher stürmischen Beginn der ersten Meilen von Lanzarote und Madeira war dieser Törn sehr entspannt, zumindest für mich. Volker war manchmal von dem sehr achterlichen Wind genervt, aber dass der Gennaker tagelang stehen bkeiben konnte, fand er dann doch sehr schön.

    Die letzten Seemeilen bis Hoorn werden wir ruhig angehen, erstmal bleiben wir ein paar Tage hier im sonnigen Nieuwpoort.