Autor: Hexymama

  • Donnerstag, 18. Juni 2026 Tag 8

    Baro 1017, bedeckt, neblig, später sonnig, Wind S um 4 Beaufort, die See 1 m, Etmal 167 sm

    Heute Morgen hat sich mal wieder eine Taube auf dem Bugkorb niedergelassen, ein kleines Tier, und sie plustert sich auf, denn hier ist es wirklich noch kalt. Und der Wind, der mit 12-15 Knoten weht, macht es für den weit gereisten Vogel nicht einfacher. Als Volker nach vorne geht, fliegt sie doch lieber weg, es war eine Ringeltaube, die sind Menschen nicht so gewöhnt wie die Brieftaube, die uns so lange begleitet hat.

    Halb zehn zeigt sich tatsächlich ein bisschen blauer Himmel, die Sonne hat den Nebel aufgelöst. Inzwischen scheinen wir langsam wieder in der Zivilisation anzukommen, auf dem AIS sind sieben Schiffe gleichzeitig zu sehen. Es werden immer mehr Schiffe, die um uns herum auf den verschiedensten Kursen fahren, und es macht mir viel Spaß, im AIS zu schauen, wie sie heißen, wie groß sie sind, und wohin sie fahren. Ein General Cargo Segler ist dabei, die „Artemis“ fährt unter französischer Flagge, sie möchte am 7. Juli in Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe sein

    Noch mehr Schiffe um uns herum

    Das gibt es für uns sozusagen als Vorgeschmack auf den Englischen Kanal, damit wir uns darauf vorbereiten können, immer auf der Hut zu sein vor Schiffen, die unseren Weg kreuzen. Von russischen Militärbooten werden wir uns jedenfalls fern halten.

    Mit dem neuen Wetterbericht diskutieren wir erneut die richtige Strategie: Wo fahren wir an Ouessant vorbei? Zwischen der Insel und dem Festland? Oder doch lieber außen herum? Weiter hoch zur englischen Küste? Oder doch lieber an der französischen bleiben?

    Im Moment fahren wir auf einen Punkt westlich von Ouessant zu, dort werden wir heute Nacht sein, dann sehen wir weiter, wie wir durch den Englischen Kanal segeln wollen.

  • Mittwoch 17. Juni 2026 Tag 7

    Baro 1018, komplett bedeckt, in der Nacht hat es geregnet, Wind SW4-6 Beaufort,
    die See 1-2 m, Etmal um 08:45 Uhr 173 sm

    Um 07:00 Uhr steht wieder der Gennaker, in der Nacht sind wir mit Genua gesegelt, so konnte Volker auch ein bisschen schlafen. Mit dem Gennaker muss man so aufmerksam segeln, das ist sehr anstrengend in der Nacht. Und das kleinere Segel hat uns auch gut voran gebracht. Der Gennaker bleibt den ganzen Tag stehen und zieht uns brav bei dem achterlichen Wind Richtung Englischer Kanal.

    Seit heute Morgen ganz früh haben wir eine „2“ am Anfang der dreistelligen Zahl stehen auf der Anzeige der noch zu segelnden Meilen bis zu dem Kap vor Brest. Von da aus sind es „nur“ noch 355 sm bis Nieuwpoort, wo wir eine Pause machen wollen, um unsere Freunde Ria und Jan zu treffen. 

    Beim Studium der Wetterberichte überlegen wir immer wieder, ob wir dem Routing von den meisten Modellen bei PredictWind folgen sollen, denn diese Kurse machen einen  deutlichen Umweg nach Norden, offensichtlich um den etwas stärkeren Wind zu fangen, oder ob wir doch lieber bei unserer bis jetzt erfolgreichen Strategie bleiben, möglichst nahe an der Ideallinie zu fahren. 

    Die Modelle werden morgens und abends aktualisiert, anschließend verbringe ich viel Zeit mit der Suche nach der besten Taktik, besonders weil die verschiedenen Modelle sich eigentlich nie einig sind. Für die nächsten paar Stunden ist es meist  ein halbwegs annehmbarer Konsens, aber schon am nächsten Tag gibt es Divergenzen, und das potenziert sich, je weiter die Vorhersagen in der Zukunft liegen.

    Heute morgen kam in allen Modellen plötzlich raus, dass ab Samstag in der Nacht zum Sonntag im Englischen Kanal Nordöstlicher Wind herrschen soll. Das wäre aber die gänzlich falsche Richtung für uns. Deshalb wollen wir uns jetzt beeilen, sodass wir nicht später dort eintreffen werden, wir sind also „On the run“!


    Ab 16:00 Uhr fahren wir unter Motor ohne Vorsegel, der Wind hat wieder ungünstig gedreht, und wir müssen ein bisschen weiter nördlich fahren, damit wir den Anschluss an den Wind nicht verpassen.

    Wir sind ganz allein auf dem weiten Meer. Nur ab und zu zeigt sich auf dem Plotter ein AIS-Signal eines anderen Schiffes, bisher sind das meistens Tanker oder Frachter, die in ferne Teile der Erde fahren, ein paar nach Brasilien. Aber tatsächlich gesehen habe ich nur einen in Natura. 

    In den letzten Tagen zeigten sich ja  ab und an ein paar Sonnenstrahlen, oder auch ein schöner Sonnenaufgang. Heute bekommen wir nix Buntes, rundherum ist alles grau. Es sind nicht fünfzig, sondern eher „Two Shades of Grey“.

  • Freitag, 12. Juni 2026, nach Brest Tag 2

    Baro 1022, wolkig, später sonnig, Wind SO um 3 Beaufort, die See 1 m, Etmal  bis 08:40 = 132,3 sm

    Der Sonnenaufgang kurz nach sechs Uhr ist wunderschön, eine rot glühende Sonne taucht aus dem Atlantik auf. Sofort fühlt alles sich wärmer an. Wenn es richtig hell ist, kann auch die Dreifarbenlaterne kann ausgeschaltet werden, ebenso das Radar und die kleine rote Lampe am Kartentisch. Die Displays werden vom abgedunkelten Nachtmodus auf Tageshelligkeit umgestellt. Abwechselnd schlafen wir noch ein bisschen, die Nächte hier an Bord sind doch eher kurz.

    Wir segeln mit Genua, Kurs um 35º, Speed ca. 5 Knoten. Um halb acht wird auf den Code Zero gewechselt, das macht einen guten Knoten mehr Geschwindigkeit aus. Bis hierher sind wir insgesamt 15 Stunden unter Motor gefahren, das ist viel für zwei Tage unterwegs. 

    Aber seitdem segeln wir mit dem Code Zero, bei leichtem Wind zwischen sechs und acht Knoten und 120º zum Wind. Das ist wunderschön, überhaupt ist heute eigentlich Feiertagssegeln, das Meer ist ruhig, es gibt nur eine atlantische Dünung, es ist leise im Schiff, total entspannend.

    Der Code Zero ist ein Laminatsegel aus Kevlar und Mylarfoile mit Taffetta beschichtet, das ist ein  glänzender knitterarmer Stoff.  Dieses Segel ist größer als die Genua, aber der Stoff ist schwerer als zum Beispiel das dünne Polyamid oder Polyester des Spinnakers. Es schließt sozusagen die Lücke zwischen Genua und den großen Leichtwindsegeln wie Gennaker und Spinnaker.

    Doch am Abend muss das goldene Segel weg, es ist kein Wind mehr, aber ein wunderschöner Sonnenuntergang. So motoren wir durch die Nacht.

  • Donnerstag, 11. Juni 2026, nach Brest Tag 1

    Baro 1025, wolkig, Wind aus 130º 8-1 Knoten, die See um 1 m

    Nach Studium der Wetterberichte gehen wir um 08:40 Azorenzeit Ankerauf und nehmen Kurs auf Brest, 1.085 Seemeilen direkter Weg liegen mindestens vor uns, denn direkten Kurs werden wir bei den herrschenden Windverhältnissen nicht segeln können.

    Der Leuchtturm an der Ponta do Castelo

    Das Großsegel wird gleich gesetzt, ab der Ponta do Castelo, der südöstlichsten Ecke von Portugal, wäre 53º der Idealkurs Richtung Brest, wir fahren eher ein bisschen nördlicher, weil dort ab morgen mittag mehr Wind sein soll. Bisher ist er hier eher variabel, bis nach 12 Uhr gar kein Wind mehr, unter Motor konnten wir in Ruhe draußen frühstücken.

    Unter Motorfahrt hatten wir damit begonnen, ein loses Band an dem Lazy Bag wieder anzunähen, das ist der Sack, in den das Großsegel beim Bergen fällt. Dazu müssen wir oben auf das Dach über dem Cockpit, als plötzlich der Wind auffrischt. Und es war doch sowieso schon ein nerviges Unterfangen, weil die Nähnadel durch dickes festes Material durchgeschoben und mit der Zange auf der anderen Seite herausgezogen werden musste. Drei Nadeln haben wir dabei geköpft, dann war der Wind so aufgefrischt, dass der Faden erst einmal vernäht werden musste, und die Genua konnte ausgerollt werden.

    Klar, dann fängt die Hexe an zu joggen, wunderbar. Das hält aber leider nicht lange an, der Wind wird schwächer. Volker holt den Code Zero raus und bereitet alles vor zum Ausrollen, als 13 Knoten Wind kommen, und wir lieber mit der Genua fahren. Dann aber hatte Äolus, der Gott des Windes, genug gestöhnt, und der Motor muss mitarbeiten bei drei bis acht Knoten Wind. So geht das den ganzen Tag. Erst wird die  Genua ausgerollt, dann endlich der Code Zero, der bleibt stehen bis 23 Uhr. Durch die Nacht wird mit Motor gefahren, es ist zu wenig Wind.

    Mittags fahren wir in gebührender Entfernung an den Islas Formigas vorbei. Auf der Seekarte sehen die auch wirklich wie Ameisen, Formigas, aus. Es sind unbewohnte Felsen, die aus dem Meer aufragen. Sie sollen ein Paradies für Taucher sein, und glücklicherweise steht dort ein Leuchtturm und warnt die Schiffer vor der Gefahr.

    Einmal kommen Delfine vorbei und spielen eine Weile um die Rümpfe. Den ganzen Tag haben wir nur einen Frachter gesehen, und beim Vorbeifahren konnten wir auch Sao Miguel, die zu Santa Maria nächstgelegene  Azoreninsel in der Ferne ausmachen.

    Für die Nacht bereite ich das Ipad so vor, dass Volker den gespiegelten Bildschirm des Axiom darauf sehen kann. Dann muss er nicht am Kartentisch sitzen, sondern kann bequem auf der Couch rumliegen, den Bildschirm vor Augen und die Fernbedienung in der Hand.

    Zum Abendessen gibt es ganz zartes Steak mit einer Unmenge Zwiebeln, die sollen gut gegen Skorbut sein, und Kartoffelbrei. Extrem lecker!

  • Mittwoch 10. Juni 2026

    Praia Formosa, Santa Maria

    bisschen weiter rechts ist unsere Ankerbucht

    Um  00:43 Azorenzeit, da war es in Deutschland schon 02:43, lag unser Anker im sandigen Grund vor der Praia Formosa, einer großen schönen Bucht von Santa Maria, der kleinsten Azoreninsel. Noch vor dem Schlafengehen schreibt Volker die To-Do-Liste für den nächsten Tag, mit insgesamt fünf Punkten.

    Zwei Aufgaben von der Liste waren erledigt, obwohl wir ja erst gegen zwei Uhr im Bett waren, ist Volker früh aufgestanden, und hat mucksmäuschenstill gearbeitet. Bis ich wach geworden bin, war das schon mal fertig:

    1. An dem Reißverschluss des Lazy Bag, das ist sozusagen die Tasche, in die das Großsegel fällt beim Bergen,  fehlte ein Stück Stoff, womit man die zwei Seiten des Reißverschlusses verbindet. Das war schon erledigt. 
    2. Im Steuerbord Motorraum war während der Fahrt immer etwas Diesel ausgelaufen?! Der Spritschlauch war  auf Lanzarote erneuert worden, und die Schlauchschellen waren offensichtlich zu weit, es lief beim Fahren ein bisschen Diesel in die Bilge. Glücklicherweise hatten wir noch passende engere Schlauchschellen und auch die hatte Volker in aller Früh schon ausgetauscht.

    Jetzt standen nur noch drei Punkte auf der Liste: 

    Am Lazy Bag muss ein loses Band festgenäht werden, das geht nur mit der Hand.

    Am Cockpitzelt müssen zwei Klettbänder ausgetauscht werden. Das geht zum Glück mit der Nähmaschine.

    Die Opferanode muss erneuert werden. Dazu muss Volker leider unters Boot tauchen. Wäre hier ganz schön, weil das Wasser sehr warm und sehr klar ist.

    Aber: Unser Freund Lloyd, der früher in der Marina von Vila do Porto Hafenmeister war, hat Zeit, uns zu treffen zum Schwatzen, und er würde uns freundlicherweise auch zum Supermarkt fahren. Das ist großartig, da fahren wir sofort mit dem Dinghy in die Marina, nehmen große Taschen mit. Schade, im Hafen gab es keinen Platz mehr für uns, da lagen schon zwei Katamarane an den Kopfstegen. Vor zwei Jahren ist im Sturm ein Steg weggebrochen, der liegt leider immer noch unter Wasser. Da fehlen natürlich ein paar Liegeplätze. Aber wir genießen die Ruhe und die schöne Aussicht an unserem Ankerplatz sehr.

    Lloyd ist ein echter Lebenskünstler, er arbeitet in einem Autohaus und verkauft Gebrauchtwagen, er macht Bootstouren rund um die Insel mit Touristen, und außerdem baut er sich jetzt ein Haus in einem großen Waldstück, muss Bäume schneiden und Wiesen roden, sensationell. Wir freuen uns schon darauf, nächstes Jahr den Fortschritt bestaunen zu können.

    Nach der  Kaffeepause im Hafenrestaurant und der Einkaufsfahrt zum örtlichen Pingo Doce Supermarkt verabschieden wir uns von Lloyd „Bis die Tage“ und kehren auf unsere Hexe zurück.

    Heute sind wir nach Norden aufgebrochen, mehr dazu gibt es morgen.

  • Dienstag, 9. Juni 2026, Tag 3


    Auf See, Baro 1028, Wind NO 3-4 Beaufort, die See 1-1,5 m

    In den letzten Nachtstunden hat der Wind abgenommen auf 6-7 Knoten und geraumt, dann hat er wieder zugenommen und ist spitzer geworden, aber seit es im Osten hell wird, sind wir wieder bei 13 Knoten und Wind aus Nordost. Außerdem hat es ganz leicht zu regen begonnen, das macht Manöver ziemlich unangenehm, aber Volker freut sich, wenn das Boot ein bisschen entsalzen wird. Es regnet auch nicht mehr lange.

    Sie ist kaum zu sehen hinter den dicken Tropfen von den übergekommenen Seen

    Um kurz nach sieben Uhr bekommen wir doch tatsächlich mal wieder Besuch: Eine kleine Taube setzt sich aufs Martingall! Hoffentlich  sucht die sich bald einen Weg zurück zu den Azoren, sonst müssen wir wieder aufpassen, dass sie nicht am Tage ins Boot kommt, weil das mit der Toilette nicht so klappt … Aber die Wellen vor dem Bug waren ihr doch zu unangenehm und nach einem Power Nap hat sie uns wieder verlassen.

    Um 11:00 Uhr wird ausgerefft auf Reff 1, die Genua steht voll. Bei nunmehr um die 12-15 Knoten Wind segeln wir schnell mit über neun Knoten Fahrt.

    Ich habe den halben Tag am Laptop verbracht und mich durch sämtliche Segelwetterberichte gekämpft. Am Laptop und auf dem Handy wurden immer wieder andere Vorhersagen durchgecheckt, dann die wesentlichen Modelle wie GFS, ECMWF und PWE in PredictWind rechnen lassen, in Ventusky nachgesehen, bei Windy die Route geprüft, Volker schaut immer nochmal bei Passage Weather. Fahren wir ohne Stopp direkt weiter nach Norden, oder ist es besser, auf Santa Maria bis Donnerstag Morgen zu warten, weil dann die allgemeine Windrichtung besser passt? Tatsächlich ist es so, dass wir im Vergleich zwischen heute und Donnerstag fast zur gleichen Zeit ankommen sollten. Und wir würden fbeihnahe anderthalb Tage weniger motoren müssen. Na, wenn das keine Argumente sind, weiß ich es auch nicht.

    Das kleine grüne Boot ist die Worlddancer

    Eben haben wir ein anderes Segelboot überholt, die Worldancer 2, ein Stahlboot unter deutscher Flagge.  Volker hat mit einer weiblichen Stimme über Funk gesprochen, sie wollen auch nach Vila do Porto auf Santa Maria. 

    Zum Abendessen gibt es eine Variante der Krautfleckerln, mit kleinen Nudeln statt Kartoffeln, aber das schmeckt auch sehr lecker!

    Mit Sonnenuntergang wird der Wind immer schwächer, aber noch können wir segeln, trotz Reff 1 im Großsegel sind wir bei 80º Windeinfallswinkel mit über sieben Knoten Fahrt fast so schnell wie der Wind, der mit acht bis neun Knoten weht.

    Es ist eine dunkle Nacht, die schmale Mondsichel wird erst nach zwei Uhr früh aufgehen, vielleicht kommen wir da gerade am Ankerplatz vor Praia Formosa an. Morgen wollen wir dann einen Liegeplatz in der Marina von Vila do Porto finden, und – hoffentlich – am Donnerstag früh weiterfahren Richtung Brest.

  • Montag, 08. Juni 2026, Tag 2

    Auf See, Position um 06:30: 23 43 510 N, 019 41 339 W, um 09:40 Etmal 190 sm
    Baro 1027, bedeckt,  Wind seit 05:30 abschwächend von 18 Knoten auf rund 12-15 Knoten, die See ebenfalls von manchmal über 2 m auf rund 1,5 m

    Es ist so grau heute Morgen, das wirkt schrecklich aufs Gemüt nach all diesen sonnigen Tagen. So langsam kommt die Bordroutine der Langfahrt auf, Frühstück gibt es am Kartentisch, dann wird immer mal abwechselnd ein Nickerchen auf dem großen Sofa gemacht, nicht vergessen zu trinken. Wetterberichte müssen eingeholt und die Wirklichkeit beobachtet werden, ab und an ist es vorteilhaft, kleine Kurskorrekturen des Autopilots vorzunehmen, damit man das Boot am Laufen hält. Das geschieht direkt durch Eingabe am Plotter oder mittels einer Fernbedienung wie am heimischen Fernseher. So einen Autopilot möchte man ganz sicher nicht mehr missen.

    Der Wind lässt nach, wir reffen aus auf Reff 1. Natürlich frischt dann der Wind wieder auf, und wir gehen in Reff 2 zurück. So wird uns wenigstens nicht langweilig.

    Leider ist es den ganzen Tag bedeckt, nur einmal schleicht sich für ein paar Minuten die Sonne durch die graue Schicht. Der Wind bleibt so, wie vorhergesagt, weht zwischen 13 und 17 Knoten aus um 30º aus Nordost. Wir kommen gut voran, und meine Seebeine sind auch wieder gewachsen. Jetzt besteige ich nicht mehr das Matterhorn, sondern gehe auf grünen Hügeln spazieren, da war wohl ein bisschen was eingerostet durch die lange Zeit auf Lanzarote :-)))

    Ansonsten war der Tag sehr entspannt, die Ruhephasen wurden nur von den Reff-Aktivitäten unterbrochen, all die kleinen Dinge konnten erledigt werden, die auf meinem Laptop als „To Do“ herum schwirrten, Kontoauszüge ablegen, Rechnungen bezahlen (Igitt!), aber auch mal lesen. Heute Nachmittag  hat sich Volker mit einem Schwung auf Sofa geworfen, sehr elegant. Nur leider lag darunter mein Ebook Reader, der hat dem Druck nachgegeben und sein schwarzweißes Leben ausgehaucht. Da muss ich wohl tatsächlich mal konventionell ein richtiges Buch lesen, so mit papiernen Seiten, das ist aber viel unhandlicher …

    Wenn es dunkel wird, gibt die Solarlampe ein heimeliges Licht

    Zum Abendessen stand heute ein italienischer Abend auf dem Programm: Spaghetti Carbonara (Spliff lässt grüßen), grüner Salat, und Mineralwasser statt Coca Cola.
    Um 21:40 Uhr, nach anderthalb Tagen auf See, liegen bereits über 280 Seemeilen in unserem Kielwasser.

  • Sonntag, 7. Juni 2026

    Abfahrt von Calheta um 9:40 UhrBaro 1022, sonnig – bedeckt, Wind nach der Insel um 6 Beaufort, Böen bis 27, die See 2-3 m

    Nach dem Ablegen sind wir um kurz vor elf aus der Abdeckung der Insel raus, der Wind frischt auf bis 32 Knoten. Darauf waren wir vorbereitet, wir haben Reff 2 im Großsegel und die Genua auf Handtuchgröße ausgerollt. Trotzdem ist es extrem ruppig, die Hexe knallt manchmal in die Wellen, gemütlich ist anders. Nach drei Stunden lässt der Wind etwas nach auf 17 – 20 Knoten, die Wellen werden allerdings nicht spürbar besser. Volker spielt mit der Größe der Genua, ein Stückchen einrollen, dann wieder drei Umdrehungen raus, damit unsere Hexe immer schön segelt. Trotzdem muss ich mich bei jedem Schritt festhalten, und der Rückweg von der Toilette in den Salon wird zu einem Bergsteiger-Erlebnis. Aber da müssen wir jetzt durch.

    So sieht es mit dem Wind am Abend aus

    Unser Kurs bringt uns erst einmal nach Nordwest, Richtung Azoren, und wenn die Wettermodelle sich mal einig sind, und das angekündigte Tief sich bildet und Richtung Nordeuropa zieht, wollen wir uns an den Rand der Tiefdruck-Autobahn anschließen und hoffen, dass wir so in Richtung Brest nach Norden kommen. Sonst machen wir einen Stopp auf Santa Maria und warten, dass der Wind günstig ist.

    Die Liegewiese im Salon ist gebaut, mit abgesenktem Tisch entsteht ein gut drei Meter langes  und breites Bett, auf dem wir uns am Tage ausruhen können, Volker schläft seine zwanzig minütigen Schlafperioden hier auch nachts, während ich in die Koje gehe, wenn es nicht zu sehr wackelt.

    Essen gibt es am Kartentisch, dann muss der Laptop weg und eine Tischdecke wird aufgelegt. Jawoll, Noblesse obliege! Nein, Spaß beiseite, erstens schützt diese vor allem die Oberflächen, wenn Teller, Besteck und Töpfe drauf stehen. Zum Abendessen gibt es „Gelleriebestampes“, ein Gericht aus dem Saarland, mit Gelben Rüben = Karotten, und Kartoffeln, zusammengemischt und gestampft, dazu angebratenem Lauch und Blut- oder Leberwurst. Wir hatten die allerleckerste Blutwurst (Danke an Rolf und Cerstin), es war köstlich.

    Das schwarze Boot sind wir, und das grüne verdeckte ist der Fischer

    Am Abend sehen wir ein AIS-Signal auf dem Bildschirm, und als wir näher kommen, ist klar, dass es ein Fischer ist, der Kurs wechselt schnell und dabei fährt das Schiff nur drei Knoten. Fischern müssen wir ausweichen, plötzlich hören wir eine laute Stimme im Funk. Er sei beim Fischen, sagt eine raue Stimme und wir sollten doch bitte ausweichen. Das war uns sowieso klar, wünschen uns gegenseitig noch gute Fahrt und gute Woche. Die Saragarsa ist eine riesige Fabrik auf dem Wasser, taghell beleuchtet.

    In der Nacht funkt Volker noch einen Tanker an, der muss nämlich uns ausweichen, aber manchmal achten die Wachhabenden nicht so darauf, da ist es besser, sich bemerkbar zu machen. Jatzt ist das Meer hier so groß und unendlich weit, und die beiden Schiffe, die wir sehen, kreuzen direkt unseren Weg!

    Die Tropfen an der Scheibe kommen nicht vom Regen, sondern von der überkommenden Gischt

    Sonnenuntergang ist um 21:23 Uhr, der  Wind weht noch um 16-18 Knoten, die Wellen sind auch noch da. So haben wir den ersten Tag auf See mit vielen Wellen und überkommenden Seen verbracht. Volker schläft nach dem Abendessen mal eine Stunde vor, dann gehe ich ins Bett, aber es tut so viele laute Schläge ums Boot, dass wir beide nicht viel geschlafen haben.

    Volker schläft ja sowieso nicht viel, mit seinem Zwanzig-Minuten-Wecker. Außerdem refft er die Genua aus und nochmal aus, dann reffen wir sie wieder ein, um im Morgengrauen wieder auszureffen. Ich löse ihn um sechs Uhr ab, dann kann er mal eine Weile durchschlafen, anschließend darf ich nochmal schlafen und dann beginnt der neue Tag.

  • Drei Ausflüge auf Madeira

    Nachdem wir diese hübsche Insel wetterbedingt erst einmal nicht verlassen wollten, haben wir uns ein Auto geliehen, um Ausflüge zu machen.

    Ich liebe Madeira, aber ich finde, dass es sehr „geknautscht“ ist. Auf auf der Fläche von nur 741 Quadratkilometern wechseln sich 140 km Küstenlinie, saftige Täler mit luftigen Höhen ab. Auf kurzen Strecken erhebt sich das Land vom Meer an der höchsten Stelle auf über 1.800 Meter. Es ist wunderschön, aber auch zeitraubend, sich durch endlose Haarnadelkurven zu schwingen. Deswegen haben die Madeirer Tunnelsgebaut, mehr als 150 davon mit ingesamt mehr als 80 Kilometern, beeindruckend!

    Am Sonntag sind wir um den westlichsten Punkt herum gefahren, vorbei an der Stelle, wo wir vorher umgekehrt sind, und weiter auf gewundenen Straßen und durch ebendiese Tunnel. Zunächst ging es bis zum Leuchtturm von Ponta do Pargo, der am westlichsten Punkt von Madeira die Schiffer auf die Insel aufmerksam macht. Bei schönstem Wetter sind wir bis zum Leuchtturm gelaufen und schauten übers Wasser Richtung Azoren. 

    Einen zweiten Stopp legten wir in Porto Moniz ein, dort. gibt es natürliche Schwimmbäder in der Vulkanlandschaft, und sie werden an diesem schönen Tag gerne von zahlreichen Menschen genutzt. Leider hatten wir keine Badesachen dabei, und das Nacktbaden ist auf dem erzkatholischen Madeira nicht so gerne gesehen, vor allem nicht an solchen Plätzen.

    Wir fahren weiter, wollen durch einen großen Tunnel wieder auf die Südseite der Insel gelangen, aber davor ist ein Monsterstau, darauf haben wir keine Lust und wir fahren wieder den gleichen Weg zurück. Auf einer kleinen Straße zur Küste hinunter versperren uns einfach zwei Kühe und zwei Kälbchen den Weg. Sie wollten sich leider nicht streicheln lassen. Das war unser erster Ausflug am 3. Juni zum Westteil von Madeira.

    Bei unserem ersten Versuch Madeira zu verlassen, hat Volker das Display seines Handys so geschrottet, dass man gar nichts mehr damit anfangen konnte. Oh je! Zum Glück hatten wir noch ein altes Nokia an Bord, auf das ich ihm mit stundenlanger Geduld und der Sim-Karte aus unserem IPad zumindest die Adressen und seinen WhatsApp Account wieder herstellen konnte. Aber am Montag macht der Apple Laden, den es glücklicherweise in Funchal gibt, wieder auf und wir fuhren hin. Das ist immerhin fast eine dreiviertel Stunde Fahrt bis zu einem riesigen Einkaufszentrum, in dem an diesem Montag kaum was los war.

    Im Apple Laden gibt es zwar schöne neue Apfel-Spielzeuge, aber für das alte 12er IPhone leider keine Scheiben mehr. Wir bekommen allerdings den Tipp, es doch mal bei dem IServices-Laden ein paar Geschäfte weiter zu versuchen. Ja, hier kann man das Display erneuern, wir schauen erst einmal auf ein paar generalüberholte IPhones 15 oder 16 an, aber schließlich entscheidet Volker, dass es sich doch rentiert, das 12er reparieren zu lassen. In einer halben Stunde sollen wir wieder kommen, da ist die Scheibe ist drin, aber es funktioniert noch nichts. Jetzt bekommt das alte Telefon noch einen Glasschutz, wieder zehn Minuten Warten, dann können wir es mitnehmen, und es soll acht Stunden dauern, bis alles wieder da ist, sonst muss es ganz zurückgesetzt werden. Es war natürlich nix da, als Volker es in den frühen Morgenstunden zur Hand nimmt, auch mehrere Wiederbelebungsversuche meinerseits hatten keinen Erfolg. Schließlich setzte ich es ganz zurück, danach baute ich es aus der Cloud wieder auf, und siehe da: Es funktioniert wieder. Der Skipper ist glücklich und ich erleichtert!

    Da wir nun schon in der Nähe der Insel-Hauptstadt sind, machen wir einen Ausflug dorthin, erfreuen uns an dem Atem einer richtigen Stadt, mit einem schönen Altstadtkern, erholsamen Parks und einer großzügigen Uferpromenade. Auf einer der großen Straßen hängen Riesen-Bananen, von Kindern angemalt, sehr schön. Wir laufen weiter, und wollen noch zu der beliebten Markthalle, aber die ist leider geschlossen, hä? Oh ja, es ist Fronleichnam, das war irgendwie an uns vorüber gegangen. So endet der Ausflug des zweiten Tages.

    Am dritten Ausflugstag, wir sind schon beim 5. Juni, gibt erst erst einmal Kunst. Von der Marina aus kann man das große graue Gebäude auf dem Hausberg sehen, in dem das Museum für moderne Kunst beheimatet ist. Natürlich war erst einmal Mittagspause, als wir dort ankamen, aber dann waren wir total beeindruckt: Für nur fünf Euro Eintritt gab es eine Vielzahl von perfekt gehängten oder platzierten Werken, auf drei großzügigen Etagen. Ein Großteil der Ausstellung widmet sich dem aus Madeira stammenden aber inzwischen in den USA lebendem Künstler „Rigo 23“. Hier gibt es mehr Fotos als Text dazu:

    Danach nehmen wir uns den Nordosten der Insel vor. Wir fahren wieder durch die Tunnels in der Mitte, diesmal in der anderen Richtung ohne Stau, dann an der wunderschönen Küstenstraße entlang, wieder hoch und runter und hoch und runter. In Santana wollen wir uns die kleinen Dreieckshäuser ansehen, und an dem einzigen noch gut erhaltenen Originalhaus empfängt uns ein freundlicher Besitzer, der als Kind schon mit seinen Eltern nach Venezuela ausgewandert war, weshalb die Verständigung für uns natürlich sehr viel einfacher wurde mit Spanisch statt Portugiesisch, wobei man sagen muss, dass hier fast jeder auch gut Englisch spricht.  Von diesen Hütten ist nur noch diese eine in einem schönen Zustand, die anderen, die es nur hier in diesem Dorf gibt, sind leider ganz verfallen. Bei dem Besucherzentrum gibt es Replikas, aber der Besitzer, dessen 90jährige Mutter in einem Anbau hinter dem Hüuschen lebt, ist stolz auf sein Original und will es auf jeden Fall schön erhalten.

    Auf der Rückfahrt durchfahren wir gefühlte hundert Haarnadelkurven bergan, bis wir auf der luftigen Höhe von 1.376 m angekommen sind, und über nicht ganz so viele Kurven wieder ins Tal Richtung Funchal und dann nach Calheta und freuen uns auf ein Abendessen und unser Sofa zum Beine hochlegen.

    Das wars von Madeira, gestern haben wir noch ein letztes Bad im Meer an der Strandpromenade genossen, seit heute morgen sind wir mit der Hexe unterwegs. Wo und wann wir anlanden werden, wird sich zeigen, aber es kommt alles in den Blog.

  • Ankunft auf Madeira

    Nach dem eher aufregenden Start waren die nächsten Stunden unserer Überfahrt nach Madeira eher unspektakulär. Segeln und motoren wechseln sich ab.

    Taube Andrea hat uns am Abend vorder Ankunft auf Madeira verlassen. Zunächst hat sie ein paar Flugübungen gemacht, dann hat sie sich getraut. Ob sie lieber auf das nahe Fischerboot mit Ziel Frankreich wollte, oder sich auf den Ilhas Desertas, den verlassenen Inseln, niederlassen will, steht in den Sternen, vielleicht ist sie ja zu den Kanaren zurückgeflogen, von wo sie abstammt.

    Wir jedenfalls haben nach 48 Stunden auf See um  11:47 in Quinta do Lorde an der Tankstelle angelegt, es waren 230 sm, davon sind wir ca. 16 Stunden gesegelt, aber eben auch 32 Stunden unter Motor gefahren. Für den nächsten, größeren Schlag wurden alle Kanister voll gemacht und die beiden Tanks wieder aufgefüllt, das waren satte 511 Euro, billig ist das Diesel hier auch nicht mit 1,87 € pro Liter.

    In der Marina wollten wir für 106 € pro Nacht nicht bleiben, sie ist nicht besonders einladend und in dem großen Hyatt Hotel ist man als externer Gast in den Restaurants auch nicht willkommen, wir sind wieder auf unseren bereits erprobten Ankerplatz in der Ensenada da Ambra gefahren, und haben mit dem Beiboot einen Ausflug zur Marina gemacht, um ein bisschen einzukaufen und uns die Beine zu vertreten. Auf dem Weg mussten natürlich wieder einige Höhlen von See aus besichtigt werden, das ist so gar nicht meins, ich finde das immer ein bisschen unheimlich.

     In dieser Nacht haben wir sehr ruhig geschlafen, außer uns war nur ein französischer Einrumpfer in der Bucht, und ein Stück weiter draußen lag eine Superyacht mit Namen Capricorn ebenfalls vor Anker.

    Viele tapfere Menschen wandern  on der Nähe der Marina bis zum Miradouro São Lourenço, einige schon früh um vier mit Stirnlampen, andere abends zum Sunset. Das sind auf dem Hinweg ca. dreieinhalb Kilometer und 220 Höhenmeter. Die „Fußfaulen ;-)) nehmen, statt alles wieder zurück zu laufen, das Wassertaxi ab dem Café bei m Leuchtturm.

    Wir machen das heute mittag bei einen Ausflug mit dem Dinghy, um die Schönheiten der Bucht aus der Nähe anzuschauen. Anfangs gab es einen größeren Schreck, an einer Stelle kurz vor dem Land, wo das Wasser so schön sprudelte und über die vorliegenden Felsen wieder ablief, ging der Motor aus, im Rückwärtsgang. Die Schaltung lies sich aber nicht mehr in neutral zurückstellen, und so konnte der Motor nicht gestartet werden. Und wir trieben immer näher auf die Strudel und Felsen zu. Jetzt schnell die Paddel nehmen und weg von dem Sog. Es war gar nicht o einfach, weil natürlich Strömung und Wind das Paddeln schwer machten, aber schließlich konnten wir an einer der zahlreichen ausgelegten Bojen festmachen, und Volker schaffte es natürlich, nachdem er den Deckel vom Motor abgenommen hatte, die Schaltung auf Neutral zu stellen. 

    Zuerst hatte ich die Schnauze voll von der Idee der Dinghy Tour, aber Volker war nicht zu erweichen, und es hat sich auch wirklich gelohnt. Die Felsformationen auf Madeira gleichen denen auf Lanzarote nicht, obwohl die Insel ebenfalls vulkanischen Ursprungs ist. Aber hier gibt es zwischendurch bunte Schichten aus dunklen Basaltformationen, rotem Tuffgestein und helleren Trachyt-Ablagerungen, wie uns nach unserem Grübeln die KI erklärt hat. 

    Wir sind mit dem Dinghy bis zum östlichen Ende der Insel gefahren, wo auf einer  kleinen vorgelagerte Insel, der Ilha do Farol der einsame Leuchtturm steht. Die Leuchtturmwärter mussten mit dem Boot hierher gebracht werden, es gibt auch Wohngebäude, jetzt wird der Leuchtturm allein mit Solar betrieben und es werden auch keine dort wohnenden Wärter mehr gebraucht.

    Tatsächlich sieht das alles, die Felsen, die Buchten, das Gestein so wunderschön aus, dass ich hunderte Fotos gemacht habe. Und die Strudel, die beim Aufschlagen der Wellen an den kleinen und großenGesteinshöhlen entstehen, sind einfach nur sensationell, und davon gibt es dann kleine Filme. Der Osten von Madeira ist in der Tat, ein echtes Naturparadies!