Atlantische (wieder)-Taufe

Fröhlich lächelnd zieht Cornelia ihre Bahnen im atlantischen Wasser, ums Boot herum.

So klar ist das Wasser hier…

Vor mehr als 48 Stunden hat sich unser Anker im  gelb-goldenen unterseeischen Grund auf 7 Meter Tiefe eingegraben. Glasklar ist das Wasser hier, und eine Ankerkontrolle mit Maske und Schnorchel ist nicht notwendig, zudem hält das Grundeisen auch bei beiden Motoren voll achteraus, unseren Kat fest an der Stelle.

Noch eins vorab, für alle, die nach Madeira oder Porto Santo segeln, man muss sich im jeweiligen Hafenbüro und bei der Hafenpolizei registrieren und ein Online-Covidformular ausfüllen, und für dieses auch die gelben Impfausweise einscannen und hochladen. Dieses Onlineformular geht an das Inselkrankenhaus nach Madeira, wo die Gesundheitsbehörde ist, die geben dann die Zustimmung, mit der man sich anschließend frei auf beiden Inseln bewegen kann. Unsere superfreundliche Hafenmeisterin hat uns bereits nach zwei Stunden telefonisch mitgeteilt, dass die Prüfung der Impfpässe zur vollsten Zufriedenheit verlaufen ist.

Der (noch leere) Biergarten in dem kleinen Ort

Noch eine kleine Anmerkung: Wir ziehen den Ankerplatz vor dem 9 Kilometer langen Strand dem Ankerplatz im großen Hafenbecken vor, weil dort immer wieder mal ‚ne Fähre mit brummenden Generatoren liegt und weil die Stromstation mit den Dieselgeneratoren, die das Eiland mit Strom beliefern, ebenfalls dicht beim Hafen ist. Der Ort ist 20 Laufminuten vom Hafen weg, oder 5 Beibootminuten von unserem Ankerplatz.

Nach den formellen oder informellen Infos wird es jetzt Zeit, von den Schönheiten der Insel und dem freundlichen Miteinander seiner Bewohner zu berichten.

So schön präsentiert sich Porto Santo

Schon die Anfahrt auf Porto Santo gestaltet sich durch die weithin sichtbaren Berge, das weit tragende Leuchtfeuer und die bewaldeten Bergspitzen als sehr sehr schön, bei uns kam noch die aufgehende Sonne als ein extra Schmankerl dazu.

Die Ankerbucht zieht sich an der gesamten Inselsüdseite entlang, und der Sandstrand fällt mit einem gemäßigten Gefälle ab. Wir ankern auf 7 Meter Wassertiefe und sind knapp ca. 100 Meter vom Strand entfernt.

Die kleine Kirche

Der Ort ist recht hübsch, hat ein historisches Zentrum mit Restaurants und Biergärten, einer schönen Kirche und mehrere liebevoll gestaltete Plätze.

Entspanntes Warten auf das Abendessen

Den ersten Abend haben wir zum Apéritif und zum späteren Abendessen in der wundervoll-direkt am Strand gelegenen Bar, „La Siesta“ verbracht. Erfrischende Drinks, leckeres Essen, nette Menschen zum Unterhalten sind der perfekte Mix für einen gelungenen langen  Abend.

Bisher sind wir dreimal mit dem Beiboot am Strand angelandet, immer ging jemand uns sofort zur Hand und half, das störrische Beiboot den Strand hinauf zu ziehen. Beim heutigen Weg zum Supermarkt lotste uns eine Señora sogar über ihre Terrasse und stellte die Handdusche an, damit wir den Sand von den Füßen waschen konnten, bevor wir uns Schuhe angezogen haben.

Das Leben kann so nett sein

Jetzt bleiben wir erstmal ein paar Tage auf unserem Ankerliegeplatz liegen und genießen das Inselleben, die schöne Umgebung und die wohltuende Wärme des Südens.

Veröffentlicht unter Leben an Bord | 3 Kommentare

Nach Madeira Tag 6: Die Ankunft auf Porto Santo

Freitag, 02.07.2021, Baro 1018, klar, Wind 4 Knoten aus NW
Position 33°14’344N; 016°07’839W

06:00 Uhr, noch 13 sm bis zur Anteuerung von Porto Santo. Über uns ist ein beeindruckender Sternenhimmel, und wenn das Boot durch das Wasser pflügt, leuchten die kleinen Algen im Meer. Der Leuchtturm an der Ilheu de Cima ist schon über eine Stunde zu sehen, damit es uns nicht zu langweilig wird, ist gerade auch noch ein Frachter nach Cartagena in Columbien drei Seemeilen hinter uns durchgegangen. Wir sind immer ganz interessiert daran zu schauen, wo die großen Tanker und Frachter so hinfahren. Im AIS stehen sowohl die voraussichtliche Ankunftszeit wie das Ziel, allerdings immer in Abkürzungen, da sind Kombinationsvermögen und Geografiekenntnisse gefragt, das hier war leicht, wenn da steht CO CTG, aber gestern kam einer, der wollte nach NXEUX, das klingt doch sehr französisch, aber der sollte am 10. Juli wo auch immer eintreffen. Der Richtung nach führ er eher zum Panamakanal. Spannend, oder? Für was man sich so auf reizarmen Seereisen interessieren kann.

Draußen ist es immer noch stockdunkel, aber hier ist es ja eigentlich eine Stunde früher, wir müssten mal langsam unsere Uhren umstellen. Das erledigt sich fast von selbst, denn als wir uns dem Land nähern und die mobilen Geräte wieder Empfang haben, stellen sich alle Uhren von selbst um.

Um 07:00 Uhr Ortszeit, 06:00 UTC, geht die Sonne auf, vorher dämmert es schon leicht, und wir sehen die Insel in ihrer ganzen kargen Schönheit vor uns liegen. Wir fahren zu dem langen Sandstrand, für den Posto Santo berühmt ist, schon weil Madeira wohl keinen hat, davor fällt der Anker und wir sind angekommen.

Am 02. Juli 2021, 09:00 portugiesischer Zeit, wir sind 799,17 sm gefahren in 118 Stunden seit A Coruna, unser beider bisher längste Strecke ohne Land. Es war eine wunderbare Überfahrt, die wir beide sehr genossen haben.

Veröffentlicht unter Logbuch | 1 Kommentar

Nach Madeira Tag 5: Endspurt

Nach den 5 Geschwindigkeits-Vorhersagemodellen für unser Boot, die wir noch in A Coruna erstellt haben, sollten wir eigentlich am heutigen Tag auf Madeira, bzw. der kleinen Nachbarinsel Porto Santo ankommen. Zur Zeit sind wir noch über 80 Seemeilen von unserem Zeil entfernt und gehen davon aus, dass wir morgen so um die Mittagszeit den Anker im weitläufigen Hafenbecken von Porto Santo werfen, und, unter anderem, unser bisher längstes Seestück ein bisschen feiern können.

Warum liegen wir hinter dem Vorhersagemodell? Dafür gibt es mehrere Erklärungen, eine davon ist, dass wir der Kurslinie des Modells nicht gefolgt sind, sondern ca. 80-100 Seemeilen westlicher davon entlanggesegelt sind, so konnten wir die portugiesischen Fischernetze und die große Fischerflotte elegant umschiffen, hatten dafür jedoch insgesamt weniger Wind. Zudem hat bereits am ersten Tag für die ersten neun Segelstunden keines der Modelle den schweren West-Süd-Westwind vorhergesagt, der uns dazu zwang, mit langsamer Geschwindigkeit, gegen 25 Knoten Wind und Welle anzumotoren.

Und seit gestern weht der Wind schwächer, bzw. aus einer komplett anderen Richtung, als er für unser Seegebiet vorhergesagt ist. Aber, und das ist ein echt dickes aber, wir fühlen uns schlichtweg pudelwohl auf dem friedlichen Atlantik, so macht es uns gar nichts aus, dass wir aus den vorgenannten Gründen einen Tag später ankommen werden. Im Gegenteil, wir genießen gerade jede Minute in dieser einsamen Wasserwüste, in der, wenn es hochkommt, an einem Tag zwei Frachter irgendwo um uns rum oder in weiter Ferne vorbei schippern. Sonst ist hier nix los, nada, niente. Man könnte auch sagen, hier sind nicht Fuchs und Hase begraben,sondern eher Möwe und Walfisch. Der Atlantik ist momentan so ruhig, dass man sich auf einem Binnensee wähnt, der nicht vorhergesagte Ostwind fächelt mit 5-7 Knoten, der Kat segelt auf einem Halbwindkurs mit nahezu Windgeschwindigkeit, dazu ist es so angenehm warm, dass auch nachts die kurze Hose und eine dünne Sweatjacke ausreichen. (Anmerkung der Capitania: „Wenn ich mich flach auf den Rücken lege, spüre ich das Atmen der Meeres, auch wenn das wie ein Klischee klingt.“)

Ein paar Motorstündchen sind seit gestern notwendig gewesen wegen Windmangels, aber motoren wegen Windmangels, ist ja, zumindest mit unserer Einstellung, wie Urlaub auf dem Wasser, weil man dann nicht an den Leinen und Segeln rumzupfen muss. Zumal man so eine Segelpause und quasi Strom im Überfluss für nützliche Dinge verwenden kann. So hat die Capitania, die Gunst der Stunde dazu genutzt, eine Waschmaschinenladung zu waschen, und ich habe dem Wassermacher angestellt, damit die Wassertanks ein bisschen aufgefüllt werden, damit wir am zukünftigen Ankerplatz nicht mit dem Wasser sparen müssen.

Zudem lesen wir wie die Weltmeister, weil es soviel freie Zeit gibt. ich habe schon 3,5 Bücher verschlungen…
Das erste Buch, was ich aus unserem Bücherregal gekramt habe, heißt „Ostsee Prinzessin“ von Merle Ibach, die in jungen Jahren, mit schmalem Budget und kleinem Schiff, eine mehrmonatige Ostseerundreise bis ins ferne St. Petersburg erfolgreich absolviert hat.
Das zweite Buch beschreibt eine 2-jährige atlantische Rundreise von Deutschland aus bis in die Karibik und zurück, und enthält unter anderem, meiner Ansicht nach, viel nützliche Informationen über die verschiedenen Karibikstaaten und Inseln. Das Buch ist von der Schweizerin Regula Gurtner verfasst und hat den netten Titel „Bis morgen – in zweieinhalb Jahren“.
Das 3. Buch kann man mit seinen über 400 Seiten beinahe als dicken Schinken bezeichnen und ist von dem zur Zeit wohl erfolgreichsten deutschen Autor für Psyschothriller, Sebastian Fitzek. Das packende Buch, das ich beinahe in einem Rutsch durchgelesen hab, heißt „Passagier 23“ und die Handlung spielt passender Weise auf hoher See.
Und im Moment lese ich die „Ländersammlerin“ eine Reisebeschreibung von der Frankfurterin Nina Sedano, die sämtliche, von den Vereinten Nationen, anerkannten 193 Länder dieser Erde, zu Luft, zur See, mit dem Auto, der Bahn, dem Pferd und zu Fuß bereist hat.

(Und noch eine Anmerkung der Capitania: “Glücklicherweise bleibt dem Skipper neben der umfangriechen Lektüre noch genug Zeit, um ein leckeres Abendessen zuzubereiten.”)

Veröffentlicht unter Logbuch | 5 Kommentare

Nach Madeira Tag 3, Rest und Tag 4

Dienstag, 30.06.2021, zweiter Teil, aus dem Logbuch:

13:00 Uhr Nach dem späten Frühstück (heute eine Stunde früher als gestern das wirkliche Spätstück) holt der Skipper noch ein bisschen Schlaf nach, hier auf seiner gemütlichen Couch. Ich übernehme, mache die Daten fertig für Volkers heutigen Bericht im Blog, und sehe im AIS auf unserem Plotter, dass ein Frachter mit Ziel Skagen in Dänemark direkt auf uns zukommt. Ich beobachte den Kurs der „Golden Empress“, der goldenen Kaiserin, aber sie kommt weiterhin direkt auf uns zu. So richtig nach Kaiserin sieht sie beim näheren Hinschauen nicht aus, eher wie eine gewöhnliche Bürgerin, aber vielleicht hat sie innere Qualitäten. Ihr Skipper war auf jeden Fall sehr freundlich, denn als sie noch ca. 20 Minuten entfernt ist, und weiterhin direkt auf uns zuhält, rufe ich auf Kanal 16, und bekomme auch postwendend eine Antwort. Ich frage, ob sie vor uns durchgehen, dann müssten sie mal ein bisschen aufs Gaspedal, oder an unserer backbord-Seite vorbei fahren. Der Mensch am Funk sagt, ja, er wolle auch gerne wissen, was unsere Intention sei, ob wir unseren Kurs beibehalten möchten? „Ja,“ sage ich, „wir sind ein Segelboot und vom Wind abhängig, ich würde schon gerne unseren Kurs beibehalten.“ „Ist gut“, sagt er, „then we will pass at your stern“, er geht nicht vorne durch, sondern an unserer Backbord-Seite vorbei. Geht doch, oder? Wir wünschen einander noch eine gute Reise, und fahren unserer Wege.

Um 14:30 hätten wir theoretisch die Hälfte der Strecke hinter uns, 392 sm sind wir bereits gefahren laut Zähler, und auf der geraden Strecke liegen noch 386 sm vor uns. Aber da sind keine Halsen oder andere Umwege drin, also schaumermal…

16:15 Uhr Der Wind hat nachgelassen, wir setzen den Genaker, bisher hatte ich so meine Bedenken (aber die hab ich ja gerne), od wir zwei allein das noch gut handeln können, schließlich merke ich leider, dass ich nicht mehr so mobil und vor allem so stabil bin wie früher. Und wenn dann nachts der Wind plötzlich auffrischt und alles sehr schnell gehen muss, fange ich auch gerne an, Fehler zu machen. Das ist dann auch ziemlich doof. Aber jetzt ist es natürlich sehr gut, und Volker hat auch darauf bestanden, dass ich die Schoten lege, damit ich das wieder wie selbstverständlich in meinem Kopf habe, das hilft auch gegen die Fehler aus Panik.

Der Gennaker zieht sehr gut, wir sind viel flotter unterwegs, und die Wellen sind dadurch auch angenehmer. Es sind immer so 14-16 Knoten Wind, und wir können inzwischen sogar den Kurs auf der Ideallinie nach Porto Santo halten. Es braucht nur viel mehr Aufmerksamkeit, den so an der Kante zu fahren bedeutet, dass man auf jede kleine Winddrehung reagieren muss, auf der einen Seite nicht zuviel von dem Idealkurs abzukommen, und auf der anderen Seite nicht so weit vor den Wind zu geraten, dass das Boot zunächst viel langsamer wird und durch weiteres Abfallen das oot mit dem Heck durch den Wind geht, das hätte eine ungewollte Halse, die sogenannte Patenthalse als Folge.

Zum Abendessen gibt es Schweinelende und ein Stück Rindersteak,lecker mit Zwiebelringen, Reste von dem gestrigen Risotto und Rosenkohl aus dem spanischen Supermarkt.Danach überlegen wir gerade die Schlaf-Strategie für die Nacht, denn mit dem Genaker können wir uns nicht so eine faule Nachtwache wie die letzten beiden Nächte erlauben, als der Wind deutlich auf über 20 Knoten auffrischt und Volker nur sagt: „Der Genaker muss weg“. Der Skipper ist schon ein wenig traurig, denn gerade lief es so schön, aber für die Nacht ist das schon eher vernünftig. Und wir müssen ja keine Regatta gewinnen, jetzt, auf unserer Reise.

Matthijs hat uns wieder eine sehr detaillierte Beschreibung des Streckenwetters und der möglichen Strategien über die Kurzwellenmail geschickt, leider ist er davon ausgegangen, dass wir seiner Empfehlung gefolgt sind, und viel weiter östlich sind als es tatsächlich der Fall ist. Trotzdem kommen wir bis jetzt gut voran, das Halbtagesetmal um 23 Uhr liegt bei 97 sm, das entspricht quasi dem Etmal bis 11:00 Uhr heute Mittag.
Ich gehe jetzt ins Bett, Volker schaut mal, was die Nacht so bringt, und dann sehen wir morgen weiter. Gute Nacht!

Mittwoch, 30.06.2021, Baro 1021, Sonnenaufgang, leicht bewölkt, Wind N um 3, See ruhig

Meilenstand um 07:00: 508 sm seit A Coruna. 53 Meilen sind wir gefahren seit gestern Abend um 23 Uhr, das ist zwar nicht viel, aber im Moment müssen wir ja auch keine Regatta gewinnen. Da hier um uns herum fast keine Schiffe fahren, ist es auch eher ruhig, wenn das Wetter sich nicht grundlegend ändert, also konnten der „Skipper unn sin Fru“ hervorragend schlafen, und ab und zu mal einen Blick auf den Windeinfallswinkel und das AIS werfen.

Der Wetterbericht von heute Morgen bestätigt die Annahmen von Matthijs und uns von gestern: Es wird eher weniger Wind, wir werden das wenige ausnutzen und nicht noch zusätzliche Meilen in Kauf nehmen, nur um ein paar Knoten mehr Wind zu haben. Volker denkt noch über die Alternative Gennaker oder Spinnaker nach, das sei sein Bier, habe ich gesagt, ich bin dabei nur für die Wetterberichte zuständig.

Wie schön ist es, wenn am Morgen zum Sonnenaufgang die Sonne auch wirklich scheint! Heute morgen sieht es hier wirklich aus wie im Film, auch wenn des Seglers Herz dabei blutet: Kleine langgezogene Schäfchenwölkchen, eine absolut flache See, 360 Grad um uns herum, nur schade, dass dabei der Motor laufen muss, weil für diesen Kurs, mit leichtem Wind komplett von hinten, die Segel nicht gut stehen würden, es sei denn, s.o., wir würden den Spinnaker setzen. Aber nun muss auch erstmal der Wassertank gefüllt werden mit dem Wassermacher, und das machen wir nur unter Motor, weil der sonst zuviel Strom aus den Batterien zieht.

09:50 Gennaker steht, Kurs 225, SOG 6,8kn, TWS 9-10 kn, TWA 140°, noch 258 sm bis Porto Santo.
10:30 Gehalst Kurs jetzt 150°
11:15 Spinnaker steht, Kurs 188°, Wind 5-6 Knoten
12:00 gesegelte Meilen seit A Coruna 537 sm, Tagesetmal um 11:00 Uhr 177 sm

Der Wind reicht einfach nicht aus, um den Spi sinnvoll stehen zu lassen, deshalb bergen wir ihn. Leider mache ich beim Öffnen der Klemme für das Spifall am Mast irgendeine unbedachte Bewegung, und schreie auf über den Schmerz, wieder so ein Hexenschuss! Und das auf der Hexe!
Jetzt muss Volker den Spi packen, eigentlich ist das meine Arbeit, und mir eins von den selbstgebackenen Brötchen schmieren, denn momentan kann ich nur liegen. Der Wind wird noch schwächer und hat leider noch nicht gedreht, wir motoren erstmal, damit wir ein Stückchen vorwärts kommen. Der Skipper darf noch eine Runde Nachtschlaf nachholen, danach lege ich mich auch nochmal ins Bett, und hoffe, dass danach mein Rücken wieder halbwegs einsatzbereit ist.

Als ich aufwache, ist es draußen inzwischen richtig warm, so wie sich das für einen solchen Sommertag gehört. Leider ist immer noch kein Wind und mittlerweile ist der blaue Himmel einer fast kompletten Wolkendecke gewichen. Und so wild bewegt die Wellen am Anfang unserer Überfahrt gewesen sind, so ruhig und glatt erscheint die See jetzt. Aber tief, tief! Über 4.000 m, das war es allerdings auch schon in der Biscaya. Nur manchmal sind kleine Meeresberge darin, dort stehen dann nur noch 100-200m in der Seekarte.

Um 18:30 hat der Wind soweit gedreht, das wir den Gennaker auspacken können, es sind immerhin sechs bis sieben Knoten aus Nordwest, die uns mir ca vier bis sechs Knoten Fahrt Richtung Madeira bringen. Um 20.00 Uhr liegen noch 200 Seemeilen bis Porto Santo vor uns, bei durchschnittlich vier Knoten Fahrt sind das noch fünfzig Stunden, dann kämen wir nach 22 Uhr am Ankerplatz an; bei fünf Knoten Fahrt wäre es noch hell, und bei sechs Knoten…

Morgen sehen wir weiter.

Veröffentlicht unter Logbuch | 2 Kommentare

Der dritte Tag auf See

Der Skipper berichtet:
Tiefliegende Wolken bedecken den Himmel, der sonst so blaue Atlantik erscheint als graue Wasserwüste, einen Silberstreif am Horizont gibt es im Moment nicht. Jedoch, wir kommen gut voran, der Nordwind ist unser treuer Begleiter, und entgegen der geplanten Strategie, ganz nahe an Portugals Küste vorbeizusegeln, haben wir uns nach dem gestrigen Wetterbericht über Kurzwelle dazu entschieden, einen direkteren Kurs nach Madeira einzuschlagen. Der Windgürtel hat sich weiter nach Westen verschoben als ursprünglich vorhergesagt. Wir segeln mit flotten 8-10 Knoten, mit vollem Großsegel und der Genua, bei 15-21 Knoten Wind von schräg hinten. Und das auf direktem Kurs nach Madeira, sprich 213 Grad. Das Ziel liegt noch 428 Meilen entfernt.
Bei dem guten Speed ist unser Hydrogenerator der Energielieferant Nummer 1 und das rund um die Uhr, auch ohne Sonnenschein. Denn die Solarpaneele brauchen die Sonne und die hat heute wohl Urlaub. Der Autopilot, die Plotter, der Kühlschrank, der Spannungswandler zum Laden der Computer und einige andere kleinere elektronische Helfer saugen gut 120 Watt, was bei unserem 24-Volt-System ca. 5 Ampere entspricht, stündlich aus unserer Batteriebank. Neben der Bewölkung sorgen auch die kürzer werdenden Tage für einen schlechteren Ertrag der Solarzellen. Wir sind jetzt schon soweit im Süden, dass es erst morgens nach 6 Uhr hell wird und abends um 22.30 bereits wieder stockdunkel ist, und das verschiebt sich mit den gesegelten Meilen nach Süden zum negativen. Doch nach all den Problemen, die wir mit dem Hydrogenerator hatten, lädt er jetzt unsere Batterien, rund um die Uhr, zuverlässig voll. Ansonsten ist das Leben so fern ab von allem, zu zweit auf dem weiten Ozean, sehr angenehm. Wir haben uns eingeschaukelt, uns dem Rhythmus des Meeres angepasst, backen täglich frische Brötchen, Cornelia hört/spricht täglich in der Amateurfunkrunde von Intermar, ich absolviere ein tägliches Sportprogramm und abends kochen wir zusammen, ein herrliches Leben in unserem eigenen Kosmos.
Zumal es hier fast keine Frachter und Fischer gibt, und wir das Meer fast für uns alleine haben.
Unseren Wachrhythmus haben wir komplett umgestellt und weichen damit auch vom üblichen Schema an Bord der meisten Fahrtenyachten ab. Im Moment ist es so, dass die Capitania um 23 Uhr abends zu Bette geht und dann erst, so gegen 7Uhr morgens wieder auf der Bühne erscheint (Das stimmt nicht ganz, ich, die Capitania, komme zwischendurch immer mal nach oben, frage, ob der Skipper gerne schlafen möchte, und er schickt mich dann wieder zu Bett mit der Aussage, dass er ja zwischendurch gut schlafe). Ich erlaube mir in dieser Zeit mehrere 15-minütige Schlaffrequenzen, dazu schlafe ich mehrere Stunden am Tag, je nach Müdigkeitsgrad. Ich komme mit den nächtlichen Kurzschlafphasen gut zurecht, da ich sowieso schnell einschlafen kann und zackig wieder wach bin. Cornelia hingegen liest noch ein paar Seiten und braucht immer eine Weile, bis sie einschläft. Daher ist es für sie angenehmer, wenn sie eine längere Zeit am Stück schlafen kann. Im Moment gefällt uns die Routine einfach am besten
Wir hoffen, dass der Rest der Reise weiterhin so unspektakulär verlaufen wird. Wir haben in den letzten 24 Stunden 192 Seemeilen zurückgelegt. Und keine Segelmanöver seit 24 Stunden, lediglich ein paar kleinere Kurskorrekturen, je nach Windeinfallswinkel.

Veröffentlicht unter Logbuch | Schreib einen Kommentar

Nach Madeira, Tag 2

Sonntag Abend, 27.06.2021, Baro 1019, kurz vor Sonnenuntergang, Wind NW (endlich) um 12-14 Knoten

22:00 Uhr Cap Finisterre – das Ende der Welt – liegt an Backbord querab, die Sonne geht hinter einem Wolkenband unter, die See ist schön flach, das ist sehr angenehm für mich, der Skipper hätte gerne noch etwas, oder auch viel mehr Wind, ich bin zufrieden mit 11-12 Knoten aus 125°, die Hexe fährt mit 7-8 Knoten, aber klar, so etwas ist für die Mädels….

23:30 Uhr: Sehr vorausschauend sieht der Skipper, dass da ganz dunkle Wolken von hinten aufziehen, und bei der Wetterlage mit dem Sturm über der Biscaya ruft er mich glücklicherweise, damit wir ein Reff ins Großsegel binden. Beim Durchholen der Großfalls gibt es einen schrecklichen Ruck, und wir suchen nach einem kaputten Fall. Wir denken, dass das Großfall gerissen ist und bergen vorsichtshalber das Segel. Dabei sieht Volker, dass es wohl nur der Gurt war, der Reff 1 einbindet, und nicht etwa die Leine von Reff 1 oder die Großschot oder sonst irgendetwas Schreckliches, was im Dunkeln schwer zu finden und zu reparieren ist. Von dem Gurt gibt es noch einen heilen, zwei von dreien sind gerissen oder angerissen, da müssen wir uns was ausdenken.

Froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist, setzen wir das Groß im ersten Reff, rollen die Genua aus, und fahren erst einmal mit beiden Motoren vor den dunklen Wolken weg. Nach einer Weile meint der Skipper, dass sie sich auflösen, und es dahinter wieder heller wird, die Motoren sollen aus, wir segeln, jetzt zwar leicht gebremst mit dem Reff im Großsegel, aber so ist das in Ordnung, und wir sehen, ob hinter den Wolken noch mehr Wind kommt.Ich bin ganz stolz auf meinen umsichtigen Skipper!

Montag, 28.06.2021, 00:00 Uhr, Baro 1021, Wind NW 12-14 Knoten.
Der Wind bleibt stabil, wir auch, Volker ruht oben auf der Couch, mit Ipad als Repeater des Navigationsbildschirms und dem Handy als Wecker. Alle 10-15 Minuten rappelt das Ding, Volker ist hellwach und schaut, was sich da draußen so tut.

04:00 Uhr, der Wind hat aufgefrischt auf 19-24 Knoten, wir werden immer schneller. Die Windmodelle raten alle von dem ganz direkten Weg nach Madeira ab, weil weiter draußen der Wind nachlässt, und er an der Küste längs bis Lissabon stabil aus NNW mit 15-20 Knoten wehen soll. Im Moment stimmt das auch, wir haben nur die Route so gesetzt, dass wir hier an der spanisch/portugiesischen Küste nicht unter einer Wassertiefe von 500-1.000 Metern fahren, weil da keine, nachts einfach unsichtbaren, Fischerbojen auf unserem Weg liegen. Nach Santiago de Compostela sieht man auf einmal ganz viele Frachter auf unserer Backbordseite, und zwischen uns und dem Land tummeln sich die Fischerboote. Gut, dass wir so weit draußen sind, den Fischern müssten wir auf jeden Fall ausweichen.

Um 06:30 Uhr bin ich wieder wach, und hoffe, dass Volker jetzt mal ein bisschen länger am Stück schlafen kann als immer nur die 15 Minuten, bis das Handy wieder klingelt. Der Wind hat nachgelassen auf ca. 15 Knoten, wir fahren leider nur noch 6-7 Koten. Gerade als ich das erste Mal heute morgen auf den Navigationsbildschirm schaue, begegnet uns in über zwei Meilen Entfernung ein Segelboot, Solosegler „Corum“ mit einer Länge von 18 m, und einer Breite von 6 m. Durchs Fernglas kann ich das leider nur schemenhaft erkennen, aber es sieht aus, als habe er sehr dunkle Segel, und er fährt beeindruckende 10 Knoten Geschwindigkeit auf einem Amwindkurs. Das muss ja ein Racer sein! (Der Skipper meint später fachmännisch, dass es ein Open 60 ist.)

Mit dem eher roten Sonnenaufgang um 07:20 kommt auch der Wind wieder, die Wellen hinter uns haben weiße Schaumkrönchen, der Windanzeiger zeigt 17-20 Knoten an. Als der Skipper erwacht, versuche ich gerade, den Baum-Preventer etwas fester zu setzen, aber das gelingt nicht wirklich gut, denn das eine Seil geht an der geknoteten Stelle auseinander, und jetzt habe ich drei Teile in der Hand, und kann sie nicht mehr gut halten, geschweige denn zusammen knoten.

Wir halsen um 08:40, reffen die Genua aus, um 09:30 ebenfalls das Großsegel, der Wind weht nur noch mit 14-16 Knoten, so fährt die Hexe angenehmer und wir kommen dennoch voran. Um 10:00 Uhr zur Funkrunde auf Intermar kann ich Uwe gut verstehen, er mich wohl auch leidlich, auf jeden Fall hat er unsere Position und wir die Bestätigung, dass wir auch weiterhin hier an der Küste nördliche Winde mit 4-5 Beaufort haben werden. Das sagen auch meine Gribfiles in Zygrib, die ich heute morgen über die Kurzwelle geholt habe, wir müssen nur sehen, dass wir nicht zu weit vom Land weg kommen, denn da nimmt der Wind ab.

Der Hefeteig für die Frühstücksbrötchen ist angesetzt, ich bin jetzt auch schon geduscht, weil wir nach der Halse für kurze Zeit den Motor mitlaufen hatten, und das Wasser warm ist. Wenn der Skipper dann auch geduscht hat, nach einem kleinen Morgenschlaf, schließlich hat er die ganze Nacht immer nur 15 Minuten am Stück geschlafen, dann gibt es ein leckeres Frühstück, und wir sind gerüstet für den Tag.

11:00 Uhr, Baro 1020, sonnig, Wind weiterhin NNW.
Das Tagesetmal beträgt 166 sm, wenn wir mit der Geschwindigkeit weiter fahren, sind wir morgen um diese Zeit vor Lissabon, vielleicht haben wir da noch einmal ein Telefonnetz, dann geht es auf das große Meer Richtung Madeira.Im Moment ist die See ganz flach, wir segeln bei 14-15 Knoten Wind Richtung Küste, bevor wir bei der 1.000-Meter-Tiefenlinie wieder halsen werden, um auf den günstigeren Kurs zu gehen.

13:00 Uhr wir haben gespätstückt, naja um eins kann man ja wohl kaum von Frühstück reden, mit selbst gebackenen Brötchen, draußen (obwohl ich erst Bedenken hatte, dass es viel zu kalt sei, war es sehr angenehm warm), vorher gehalst, und nun schaukeln wir so über das wellige Meer. Da macht man ganz automatisch die Sportübungen für Gleichgewicht und Haltung, sehr praktisch.

14:00 Uhr, der Skipper geht endlich mal richtig schlafen, runter, in die Koje, da hat er mehr Ruhe und ich muss nicht ganz leise sein.Ich versuche mich an den verschiedenen Wetterberichten, die ich über die Kurzwelle empfangen kann, Matthijs hat eine Einschätzung der Lage bei uns geschickt, auch er ist der Meinung, dass wir nicht zu früh den direkten Weg nach Madeira nehmen sollten, sondern so einen kleinen östlichen Bogen fahren. Das sagen meine Gribfiles auch.

18:00 Uhr, Baro 1023, der Wind hat wieder ein bisschen aufgefrischt, aber die Wellen bleiben bei ca. einem bis anderthalb Meter. Die Sonne hat sich auch getraut, und ein paar weiße und ein paar hellgraue Wolken sind rund um uns am Horizont. Wir diskutieren die möglichen Strategien für die nächsten Tage Richtung Madeira, ob wir den Vorhersagen ganz trauen sollen, und den Umweg fahren, der aber leider ein Vorwindkurs ist mit mehreren Halsen und außerdem länger, oder ob wir doch den fast direkten Weg nehmen, dafür einen besseren Kurs zum Wind haben, eventuell weniger Wind, aber den Kurs könnten wir dann mit dem Code D segeln, das würde wiederum mehr Geschwindigkeit bedeuten.

Jetzt fahren wir einfach weiter auf Kurs 208°, der Wind bleibt stetig zwischen 15 und 20 Knoten, zum Abendessen im Cockpit gibt es Risotto, mit einem saftigen Stück Fleisch für Volker und dem letzten Stück von unserem Thunfisch für mich. Menschenskinder, war der Fisch lecker! Ob roh als Ceviche, gegrillt auf dem Lotus oder im Risotto wie heute, so einen leckeren Thunfisch habe ich, glaube ich, noch nie gegessen.

Nach dem Abendessen setzen wir uns zum Sonnenuntergang nach oben, genießen die ruhige See mit ihren langen Wellen und philosophieren über die weiteren langen Törns, die wir dieses Jahr noch vorhaben. Morgen Abend werden wir „Bergfest“ feiern können, das wird die Hälfte der Strecke von A Coruna bis nach Madeira sein. Wenn alles gut geht, sollten wir in der Nacht vom 1. auf den 2.Juli in Porto Santo ankommen. Die 300 Meilen von Madeira bis Lanzarote, die dann noch vor uns liegen, fühlen sich wahrscheinlich wie ein Katzensprung an.

Und im November geht es dann richtig los. Von Gran Canaria bis zu den Kapverden sind es ein bisschen mehr als 800 sm, und von dort bis Grenada über 2000 sm. Da muss man vorher schon gut eingekauft haben, und ordentlich gestaut. Und auch die Lektüre muss bedacht werden, denn auf solchen Seereisen hat man, wenn man nicht in einen Sturm gerät (und wer will das schon?), ziemlich viel Zeit. Keine Mails, kein Internet, keine Nachrichten, vielleicht ab und zu ein Schwatz auf der Kurzwelle, ja, und klar, die kurzen Mails und Wetterberichte über das Kurzwellenprogramm. Aber das ist auch nicht tagesfüllend. Also üben wir jetzt schon mal…

Um 21:16 Uhr ist Sonnenuntergang, aber nach westeuropäischer Zeit, und unsere Uhren stehen noch auf mitteleuropäischer Zeit, damit wir nicht ganz wirr im Kopf werden, stellen wir sie erst bei der Ankunft in Porto Santo um. Also jetzt, um 21:45 scheint die Sonne noch, das Barometer steht weiterhin auf 1022. Am Himmel stehen ein paar kleine Wölkchen, der Wind kommt mit 16-20 Knoten aus NNO. Hoffen wir mal, dass es eine gute Nacht wird, in der wir weiterhin schön voran kommen, ohne größere Reff- und Ausreff-Aktionen.

Bis morgen!

Veröffentlicht unter Logbuch | 2 Kommentare

Nach Madeira – Tag 1: On the sea again!

Sonntag, 27.06.2021, Baro 1016, leicht bewölkt und sonnig, Wind W um 4
A Coruna 10:45
Kurzentschlossen entscheidet der Skipper, dass wir schon heute losfahren, Richtung Porto Santo, der Wind scheint günstig zu sein, und außerdem fahren Rob und Abel von der Liberté heute auch los, also was sollen wir da noch in der Stadt?! Wir hatten eine sehr schöne Zeit hier in A Coruna, noch einen Tag mit Matthijs und den beiden von der Liberté, und gestern auch noch ein gemeinsames Abendessen mit Rob und Abel, denn wir mussten wir ja den großen Thunfisch verspeisen, und einen späten Ausflug in die Altstadt, den wir alle sehr genossen haben.
Der Wind schien günstig zu stehen für eine Fahrt nach Porto Santo, insgesamt nicht mehr als 22 Knoten, Nord bis Nordwest und eine Wellenhöhe von nicht mehr als zwei Metern. Die Wellenhöhe mag ja stimmen, aber der Wind kommt eher aus WSW, denn aus Nordwest. Also motoren wir halt erst einmal gegenan und warten auf die Versprechen des Wetterberichtes.
Ab 14 Uhr dreht der Wind tatsächlich ein bisschen. Zuerst haben wir um 13:00 Uhr ein Reff ins Großsegel gebunden, weil der vorliche Wind ordentlich aufgefrischt war, und ganz dunkle Wolken auf uns zukamen, dann kam ein ergiebiger Regenschauer, mit dem der Wind nachließ, jetzt – dreht der Wind, etwas weiter in die gute Richtung, wenn wir an der „Punta Pendurada“ mit der vorgelagerten Insel „Sisarga“ vorbei sein werden, können wir hoffentlich segeln. Die Liberté ist uns dicht auf den Fersen, am Anfang haben sie wohl versucht zu kreuzen, aber jetzt sieht es so aus, als ob sie motorsegeln so wie wir.
Um das Cap herum macht der Wind gerade, was er will, er dreht wieder voll auf die Nase, anstatt sich mal Richtung Nordwest einzupendeln. Glücklicherweise, zumindest für meine Stimmung, scheint inzwischen wieder die Sonne, hoffen wir mal, dass der Windeinfallswinkel demnächst auch für eine entspanntere Stimmung beim Skipper sorgt.
Auf Kanal 16 kommt eine „Gale warning“, die mich völlig aus dem Ruder bringt, natürlich habe ich keine Lust auf Windstärken bis 8 Beaufort! Und obwohl dieser Mensch jetzt ausnahmsweise mal langsamer spricht als die anderen am Mikrofon auf 16, verstehe ich nicht genau, wo das sein soll. Ich suche sofort in der Seekarte eine geschützte Bucht, in der wir dem Sturm entfliehen könnten. Volker sieht meine Besorgnis und da wir noch Netz auf den Handys haben, fragt er mal seine Segelfreunde, was denn die Windwarnungen im Netz so sagen für die spanische Westküste. Schließlich kann er mich überzeugen, dass da ein Sturmtief oberhalb von A Coruna in der Biscaya liegt, das heute am späteren Abend durchzieht, und nicht hier bei uns an der Küste. Schließlich finde ich es auch noch auf Windy und bei Windfinder, da sieht man schön, wie das Tief an Nordspanien vorbei Richtung Nordosten zieht.
Rob und Abel sind gut zehn Meilen hinter uns, leider verliert ihr Motor immer noch Öl an der Motorkupplung, und sie beschließen, eine Nacht in der Bucht von Malpica zu verbringen. Wir motorsegeln weiter, und hoffen, dass irgendwann der Wind nordwestlicher dreht und ein bisschen, nur einbisschen (!!!) zunimmt, dann können wir auch richtig segeln.
19:30 Uhr, der Wind hat gedreht! Nun weht er mit ca. 10 Knoten aus NW, das heißt Halbwind für uns, der Motor kann aus, und wir segeln! Und es bleibt auch noch um 20:45 Uhr so, nicht wir vorhin, als wir andauernd Genua ausrollen, Genua wegrollen gespielt haben. Nun sind es weiterhin zehn Knoten, mit einem Windeinfallswinkel von 100°-110°, das erfreut des Seglers Herz.
Zum Abendessen gibt es lecker Bratkartoffeln, mit Würstchen für den Skipper, mit dem Rest vom Ceviche für mich, beide sind zufrieden, und nun schauen wir mal, was die Nacht uns noch bringt.

Veröffentlicht unter Logbuch | 1 Kommentar

Über die Biscaya, Ankunft in A Coruna

Von Camaret-sur-Mer nach A Coruna, Mittwoch 06:00 – Freitag 08:00 Uhr, 381 sm

Hier noch die allerletzten Details für die Überfahrt:

23 :30 Uhr: Reff 1 im Großsegel und in der Genua wird eingebunden, der Wind war deutlich über 20 Knoten und wird spitzer. Im Laufe der Nacht nehmen Wind und Wellen zu, Volker refft die Genua noch weiter, wir pflügen mit beeindruckenden Geschwindigkeiten durch die See, Matthijs hat Spitzengeschwindigkeiten von über 16 Knoten gemessen, und ganz oft läuft das Boot mit 12 Knoten dahin. So kommen wir schnell durch die Nacht, ich werde wach, weil die Wellen plötzlich weg sind, und das Boot viel ruhiger segelt. Nur geht mit den Wellen leider auch der Wind weg, damit auch dir Geschwindigkeit. Nach einer Zeit hat Volker die Faxen dicke und wir fahren die letzte Stunde unter Maschine.

Um 08.00 Uhr laufen wir in den Real Club Nautico in A Coruna ein, nach 50 Stunden auf See und 381 Meilen, ein freundlicher Marinero nimmt uns in Empfang an dem reservierten Liegeplatz auf steg Nr. 8.

Die kurzen Hosen werden aus dem Schrank geholt, das Boot vom Salzwasser befreit, zum Frühstück genießen wir die südliche Sonne, und nach einem kleinen Vormittagsschlaf werden wir, trotz Maskenpflicht, in die Stadt gehen. Ab Morgen fällt diese Verordnung, dann können die Menschen draußen ohne Masken rumlaufen.

Veröffentlicht unter Logbuch | Schreib einen Kommentar

Über die Biscaya, dritter Teil, Petri Heil!

Es bleibt so mit dem Wind, Nord 3-5 Beaufort, 10–16 Knoten, der Gennaker zieht, die See ist tief, die Wellen eher flach, wir kreuzen weiterhin vor dem Wind. Endlich habe ich auch einen brauchbaren Wetterbericht über ZyGrib bekommen, in den Details ist noch ein bisschen Arbeit, aber man kann damit weiter kommen. Es gibt keinen Sturm, eher weniger Wind, und die Richtung bleibt so, vielleicht, wenn wir Glück habe, dreht der Wind ein Stückchen weiter auf Nordwest. Die Stimmung an Bord ist gut, der Käptn schläft endlich mal, wenn er aufwacht, gibt es ein ordentliches Frühstück.
Das üppige Frühstück haben wir alle drei sehr genossen, in der Sonne und windgeschützt ist es auch angenehm warm. Die See ist flach, der Wind mit um die 15 Knoten genau richtig, wundersam ist nur, dass es offensichtlich keine Strömung mit uns gibt, der Geschwindigkeitsanzeiger zeigt bei dem Speed durchs Wasser immer ein bisschen mehr an als beim SOG, der Geschwindigkeit über Grund.
Gerade schreibe ich hier so schön, die beiden Skipper schlafen, da kommt ein ganz komisches Geräusch, so ein helles Klingeln. Ich denke zuerst, es ist der Hydrogenerator, der irgendetwas gefangen hat. Aber nein, das war die Angel, die etwas an der Leine hat. Volker stürzt raus, ich wecke Matthijs, das muss etwas ganz großes sein, denn die beiden Männer kämpfen mit der Angel, um die Leine einzudrehen. Der Gennaker muss geborgen werden, sonst ist das Boot zu schnell, und der Fisch zu schwer.
Und tatsächlich, als die beiden unter gemeinsamer Anstrengung die Angelschnur fast am Boot haben, kann man sehen, dass es ein richtig großer Fisch sein muss. Und tatsächlich, es ist ein Blauflossen-Thunfisch, den wir an der Angel haben. Wir bedanken uns bei ihm, er bekommt unseren besten Cognac hinter die Kiemen, und Matthijs zerlegt den Fisch fachmännisch. Das Tier wiegt bestimmt sieben Kilo, hoffentlich kommen Rob und Abel schnell nach A Coruna, oder wir geben der freundlichen Hafenmeisterin vom Real Club Nautico etwas ab, das können wir gar nicht alleine essen, zumal Volker ja keinen Fisch isst. Ich beginne gleich mal mit einem kleinen Ceviche-Rezept, den rohen Fisch mit Zwiebeln und Zitronenscheiben einzulegen, als Vorspeise für morgen. Außerdem müssen wir natürlich nachher grillen, und dann gibt es, zumindest für Matthijs und mich, Thunfischsteak satt.
Und der Thunfisch war unglaublich lecker, wir können ja nun keinen Alkohol trinken vor der für diese Etappe letzten Nacht auf See, sonst hätten wir dem großartigen riesigen Thunfisch mit einem Glas Champagner gedankt.
Noch vor dem Essen hat der Wind weiter aufgefrischt, der Gennaker wird geborgen, die Genua ist die bessere Wahl für Windstärke fünf. Glücklicherweise ist die See immer noch flach, so ist es ein angenehmes Segeln. Mit Sonnenuntergang kommen ein paar Wolken, mal sehen, wie es morgen früh aussieht. Und wenn alles so gut geht wie von den Wetterberichten her zu vermuten, werden wir morgen sehr früh im Real Club Nautico von A Coruna einlaufen, nach einer hoffentlich ereignislosen Nacht. Die spanische Gastlandflagge haben wir schon gehisst. Buenas noches, amigos!

Veröffentlicht unter Logbuch | 2 Kommentare

Über die Biscaya, zweiter Teil

Mittwoch 23.06. – Donnerstag 24.06.2021

18:00 Uhr, zunächst wundern sich die beiden Skipper, dass die Hexe so langsam segelt, vielleicht, so meinen sie, haben wir Kraut gefangen im Ruder oder an den Schrauben. Also werden die Motoren angeschaltet, die Hexe mal im Kreis gedreht und dann kurz rückwärts gefahren, damit sich die anhängenden Meereskräuter lösen.
Der Wind nimmt zu, er geht auf 18 – 20 Knoten, aber leider scheint die Strömung immer noch gegenan zu stehen.
19:45 fangen wir an, das Abendessen zu bereiten, Volker kocht heute mit Vorspeise: Farce bretonne, sowas wie Hackfleisch von Schwein und Kalb mit Lauch, Karotten und Tomaten, dazu eine Scheibe Baguette mit Salz und Olivenöl, sehr lecker, zum Hauptgang gibt es klassisch Schweinelendchen mit Champignonrahmsoße und Nudeln, auch fein.
Nach den harten Aufgaben heute darf auch mal der Käptn schlafen, um 21:00 Uhr legt er sich hin und schläft auch bald danach. Sowohl Matthijs als auch ich hatten einen Mittagsschlaf, ich habe gut anderthalb Stunden geschlafen, das war sehr erholsam.

23:30 Uhr: Inzwischen ist auch der Käptn wieder aufgetaucht, erholt nach einem kurzen Schlaf. Jetzt ist es dunkel, bis auf den fast vollen Mond, der heute, endlich mal wieder, an einem wolkenlosen Himmel steht und für einen hellen Streifen über dem östlichen Meer sorgt. Dadurch wird die Nacht nicht ganz so dunkel sein. Hier weit draußen auf dem Atlantik ist das Meer mehr als 4000 m tief, das sind über vier Kilometer Wasser, die da unter uns sind! Ein beeindruckender Gedanke, und ich stelle mir vor, welche Tiere wohl da unten in völliger Dunkelheit leben mögen.
Um uns herum gibt es nicht viele Schiffe, vereinzelt kommt mal ein Frachter oder ein Tanker vorbei, und ein großes, 17 m langes Segelboot, die „Wappen von Bremen“ fährt mit ungefähr der gleichen Geschwindigkeit vor uns her und taucht ab und zu im AIS auf. Ansonsten ist es sehr ruhig um uns herum.
Nach langem Probieren habe ich vorhin tatsächlich mal einen Wetterbericht über SSB bekommen, dann kann ich das am Morgen noch einmal probieren, damit wir für die etwas längere Fahrt von A Coruna nach Porto Santo gerüstet sind.

06:00 Uhr: Die Nacht war eher ruhig, der Wind hat immer weiter abgenommen, und heute morgen gab es einen wunderschönen Sonnenaufgang. Ich habe gut geschlafen, immer so drei Stunden lang, dann hab ich kurz nach oben geschaut und weitergeschlafen. Volker hat den großen Teil der Nachtwache übernommen, da es sehr ruhig war konnte auch er immer mal kleine Kurzschlafeinheiten einlegen.

Nach der Halse haben die beiden Skipper wieder den Gennaker gesetzt, es bleiben noch 174 sm bis A Coruna, wir haben um die 11 – 13 Knoten Wind , die Wellen sind flacher geworden, und ich versuche mich noch einmal an dem Wetterbericht. Mal sehen, was der Tag so bringt.

Veröffentlicht unter Logbuch | 1 Kommentar