Es grünt so grün

So sehen die Bäume ja schön aus …

Nach dem Durchzug der Sturmfront hat der Wind auf Nordwest gedreht und in der Nacht zum Donnerstag nochmals kräftig zugelegt. Mit der Folge, dass unser (ehemals) weißes Schiff von den Bäumen die in dem kleinen Park zwischen Vereins- und Stadthafen stehen, mit Blättern, Blüten und kleinen Ästen übersät war. Die Überraschung war groß, der Schreck auch, denn beim Versuch, mit Besen und Bürsten den feingeriffelten Antirutschbelag zu reinigen, verfärbte das Chlorophyll die weiße Oberflächenstruktur in eine unansehnliche grün-graue Fläche.

Der Skipper ist verzweifelt, die Capitania sprachlos, selbst das Schrubben mit Nagelbürste und Reiniger führte keine wesentliche Besserung herbei. Gedanken flogen im Kopf umher, die auch ausgesprochen wurden. Wenn so die Natur des Nordens unserem Schiff zusetzt, müssen wir ganz schnell wieder in den Süden zurück,  Abdeckplanen anfertigen lassen, zum Lackierer am Ende des Winters, oder oder oder …

Dann fiel mir ein, dass wir seit 2017 einen Hochdruckreiniger an Bord haben, den wir genau nur einmal ausprobiert hatten, um zu gucken ob er funktioniert. Also den schnell ausgepackt, die Teile zusammengesteckt und los ging’s. Und siehe da, der harte Wasserstrahl löste zwar langsam, aber beständig das lästige Blattgrün aus der Oberflächenstruktur heraus. Noch besser ging es dann mit dem mitgelieferten runden Aufsatz zum Hochdruckreinigen von Flächen. Nach dreieinhalb Stunden waren alle Oberflächen wieder so, wie sie sein sollten, und wir auch wieder entspannt.

Blick zur Hafeneinfahrt

Das nächste Problem für den anstehenden Winter im Norden wird uns hingegen noch etwas länger beschäftigen. Unsere Webastoheizung funktioniert seit der Überholung auf Lanzarote im vergangenen Jahr bestens, aber sowohl die Heizung selbst als auch die Lüfter im Innenraum des Schiffes sind vieeeeel zu laut. Da haben wir zunächst mal mit Boris, der sich gut mit dem Thema auskennt, ein paar Gedanken ausgetauscht.

Folgende  drei Optionen zur Optimierung haben sich dabei herauskristallisiert:

  1. Wir lassen alles so, wie es ist und heizen mit Elektroheizern, Ölradiatoren, o.ä. in der Nacht wenn es ruhig sein soll und schalten dann die Dieselheizung aus.
  2. Wir tauschen die Webastoheizung gegen eine gebläsefreie Dieselheizung, z.B. von Kabola aus. Das ist eine kleine kompakte Dieselheizung die fast wie eine Ölheizung zuhause funktioniert und nahezu geräuschlos ist. Dazu müssten dann noch Heizkörper an verschiedenen Stellen im Schiff eingebaut werden.
  3. Wir versuchen die bestehende Heizung so zu dämmen, durch bessere Schalldämpfer, Isolationsmaterialien, Verlegung des Auspuffs, etc., dass wir sie viel ruhiger bekommen und installieren ein paar Heizkörper, um die Gebläsegeräusche zu vermeiden.

Ich will jetzt garnicht alle Optionen kommentieren, sondern wir wollen in der nächsten Woche mit Boris und einem Fachbetrieb die Möglichkeiten erörtern, werden dann berichten und begründen, für welche Alternative wir uns entschieden haben.

Blick auf “De Hoofdtoren” (der Turm rechts im Bild), da kann man lecker essen …

Gestern Abend waren wir mit dem Winterhafenmeisterehepaar des WSV, Kees und Gre, die mit ihrem Schiff noch in Broekerhaven liegen, lecker im Restaurant “de Buren” essen. Sie sind mit ihrer „Westergouw“ fast am Ende ihrer Sommerreise angekommen, die sie in diesem Jahr von hier aus in die Berliner Gewässer geführt hatte. Wir freuen uns schon sehr darauf, wenn sie ihre Leinen wieder hier in Hoorn festmachen. Wir sind jetzt fast 20 Jahren mit den beiden befreundet – wie die Zeit vergeht …

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Sturmwind im Gepäck

Eigentlich hatten wir geplant, nur ein paar Tage in Darmstadt zu bleiben, doch am Ende sind es fast drei Wochen geworden, bis wir wieder zu unserer Hexe reisen konnten. Der Grund lag am regenreichen Unwetter, das uns und vor allem unseren Keller am vorletzten Sonntag in den heimatlichen Gefilden heimgesucht hat. Gegen ein Uhr nachts ging es mit dem Starkregen los, und weil ich wusste , dass wir bei einer Entwässerungsleitung ein mögliches kleines Leck in den hinteren Keller „eingebaut“ hatten, hab ich mich schlafensmüde in den Keller begeben. Dort suppte es, wie gedacht, an einer Stelle aus der Decke, schnell einen Eimer untergestellt und schon sah ich das Problemchen  als gelöst an. Doch plötzlich hörte ich ein verdächtiges Grollen und Grummeln aus den Bodenabflüssen und im gleichen Moment schossen aus denselben Wassermassen empor, und die begannen, alle Kellerräume rasend schnell mit Wasser zu fluten.

Ich geriet für kurze Zeit in eine Art sprachloser Schockstarre, erst, als ich mich davon erholt hatte, schrie ich (war wohl echt ein bisschen aufgeregt ;-)) Cornelia zu, dass sie die Feuerwehr rufen sollte. Dann wurde ich aktiv und wuchtete noch nicht ausgepackte und noch trockene Umzugskartons in höhere Lagen.  Währenddessen sprudelte das Wasser, von dem sintflutartigen Regen weiterhin angetrieben, munter aus den Abflüssen und stand in einzelnen Abschnitten mittlerweile über fünf Zentimeter hoch. Doch mittlerweile kam das schreckliche Nass nicht mehr allein aus Abflüssen, sondern es drückte sich auch durch die Kellertür am Ende der seitlichen Hauseinfahrt. Die Lage spitzte sich immer mehr zu. Bis mit einem plötzlichen erneuten Gurgeln das Wasser auf umgekehrtem Weg wieder abzulaufen begann. Ich traute meine Augen kaum.

Mittlerweile waren auch Cornelia, Sohn Leonard und vier Männer von der Feuerwehr in unseren Kellerräumen tätig, um der verbliebenen Wassermassen Herr zu werden.  Mit Besen, Abziehern und vereinten Kräften schöpften und zogen wir das Wasser in Richtung der Bodensyphons. Gegen 2.30 Uhr war der Einsatz der Feuerwehr bei uns beendet, wir mit unseren Kräften am Ende und sowas von reif fürs Bett.

Die folgenden Tage haben wir die Kellerräume komplett leergeräumt, alle durchnässten Baumaterialien, wie Putz, Betonestrich und Fugenmasse nach draußen befördert, unseren alten Industrietrockner reaktiviert, tagsüber für Durchlüftung und Sonneneinstrahlung gesorgt und alles aufgeklart. Die Ursache für die Misere wird wohl in unseren Baumaßnahmen zu suchen sein; eine Verstopfung, die dann wahrscheinlich durch den steigenden Wasserdruck im Keller plötzlich aufgelöst wurde, so schnell weg, wie sie kam …

Der Wind peitscht die Zweige

Jetzt sind wir wieder an Bord und verfolgen mit Spannung das aktuelle Wettergeschehen, das an der nicht allzu weit entfernten Küste für Windgeschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern gesorgt  – und uns immerhin noch bis 90 km/h beschert hat, garniert mit heftigen Regenschauern, herabfallenden Blättern und kleinen Ästen von den benachbarten Bäumen.

Kleine Blätter verwandeln die weißen Rümpfe

Seit gestern Abend heult der Wind, Regenmassen stürzen hernieder, damit leider auch die Blätter der benachbarten Bäume.

Das Einhorn, Wahrzeichen der Stadt des “Goldenen Zeitalters”

Hoorn im allgemeinen und der Vereinshafen im besonderen zählen wir zu den sichersten Häfen, die wir kennen. Die nahe Stadt mit dem markanten Turm, das Hafengebäude. die Mauer des alten Stadthafens und der angrenzende Wald mit Baumbestand sorgen für einen geschützten Liegeplatz, bei allen Wetterwidrigkeiten.

Mittlerweile ist auch unser neues Lazybag, die „Großsegelstaupersenning“, angekommen und wenn sich das Wetter beruhigt hat, können wir das austauschen. Cornelia hat da auf den neuen Segelsack eine schönere Grafik draufsetzen lassen, da sind wir schon sehr gespannt drauf …

Wir hatten gestern Besuch von einem Clubmitglied unseres hiesigen holländischen Segelvereins, dem WSV HOORN, er hat  einen Bericht über uns und unsere Reisen für die Onlineausgabe der Vereinszeitschrift geschrieben, und wollte noch kleine Details mit uns besprechen. Daraus entwickelte sich eine längere, sehr lebhafte und anregende Unterhaltung. Bedankt Walewijn, wij hopen jou weer een keer an bord ontmoeten te kunnen!

Der Himmel über dem Julianapark it ganz dunkel – Blick zur “Nieuwe Wereld”

Spät abends haben wir mit Segelfreunden Jan Jaap und Adrienne von der „Nieuwe Wereld“ den Lotusgrill angeworfen, leckere Fleischspieße gegrillt und den Unterschied zwischen Mangold (Snijbiet auf holländisch) und Pak Choi, dem sog. Chinesischen Senfkohl, diskutiert. Mangold hatten wir als Gemüse aus unserem kleine Nutzgarten in Darmstadt mitgebracht und für heute Abend zubereitet, Pak Choi hielt ich fälschlicher Weise für Mangold. Ganz lustig, das Ganze in einer Fremdsprache zu erörtern, aber Dank Übersetzungstool und Geduld lösbar. Schön, wieder soviel holländisch sprechen zu können; noch besser, dass dadurch unser Wortschatz gleichzeitig immer weiter anwächst.

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Wieder zuhause in Hoorn

Das war unsere Ankerstrecke über Nacht

Nun ist unser kleiner Ausflug in die holländische Waddenzee beendet, gestern Mittag sind wir wieder in Hoorn eingetroffen, wo die Hafenmeister uns unseren Liegeplatz reserviert hatten, sodass wir die große Hexe ganz bequem wieder einparken konnten.

Es hat uns gut gefallen vor Anker im Watt, nur das Trockenfallen haben wir noch einmal aufgeschoben, wir hatten doch ein bisschen Schiss, ob das alles gut gehen würde. Aber die Robben, die am Boot vorbei geschwommen sind, und vor allem die abendliche Stille mit der großartigen Kulisse haben uns sehr bezaubert.

Wir haben uns rechtzeitig auf den Rückweg gemacht, um einerseits den Gezeitenstrom auszunutzen und in der Hoffnung, dass noch nicht allzu viel Betrieb in der Schleuse ist. Das hat auch gut geklappt, zuerst müssen immer die großen schweren Plattbodenschiffe einfahren, dann kommt der Katamaran. (Die Holländer betonen das ganz anders, sie sagen „Katamáran“, mit der Betonung auf der vorletzten Silbe.)

Geräucherte Fischplatte, lecker!

Zurück im Ijsselmer ankern wir für einen Badestopp zwischen Makkum und Workum, aber als dann der Wind auffrischt, segeln wir doch noch die paar Meilen bis Stavoren. Dort hat die sehr freundliche Hafenmeisterin einen Liegeplatz für uns im Gemeindehafen, im Teil für die Berufsschifffahrt, wir liegen am Steg hinter der Teresa, einem großen Frachtschiff. Der Ort ist – wie eigentlich alle Orte hier oben – total voll, keiner fährt weg, alle machen Urlaub in der Nähe der Heimat. Im Café Max gibt es nichts mehr zu essen für uns, nur noch einen Tisch für ein Bier, auch die Vorräte der Küche sind offensichtlich schon leer gegessen, aber im Posthoorn, da waren wir früher auch oft, bekommen wir noch einen Tisch und leckeres Essen.

Wie kleine Sterne leuchten die Ankerlichter

Leider hat auf der anderen Seite des Stegs ein Gastanker festgemacht, als wir zurück zum Boot kommen, und dessen Generator brummt so laut, dass Volker doch lieber wieder auf den Ankerplatz möchte. Geht auch, wir finden noch einen Fleck vor Stavoren, mit uns ankern ca. 40 Boote, und lauter kleine weiße Ankerlichter leuchten in der sternklaren Nacht.

Am nächsten Morgen geht es wieder früh los nach Süden, auch hier war die Schleuse voll, aber sehr diszipliniert, und im Hafen erwarten uns schon Fred und Uschi, die mit ihrer Villa Achterwerk schon zwei Jahre vor uns auf große Reise gegangen sind. Das wird ein großes Hallo nach sieben Jahren, und ein sehr schöner Abend mit lauter lieben Freunden aus dem Segelclub.

Wieder daheim in Hoorn!

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Ankern in der Waddenzee

Im Hintergrund das Wahrzeichen von Terschelling, der Leuchtturm „Brandaris”

… doch der im letzten Bericht erwähnte Arbeitsanfall hielt nicht allzu lange an, da wir ankernd vor der Museumsinsel in Enkhuizen lagen und die Schleifmaschine über den Spannungswandler betrieben wird und ganz schön die Batterie leergesaugt hat. Aber ein paar Quadratmeter Gelcoat glänzen wieder, wie es sein soll.

Abends ging es in die historische Altstadt und nach einem ausgiebigen Rundgang haben wir dem abendlichen Treiben von unserer unser Lieblingskneipe, „Het Ankertje“, aus zugeschaut. (Die hatten die Stühle und Tische inzwischen draußen so weit ausgebreitet, dass die jungen Kellner mit ihrem Tablett auf einem Segway balancierend herum gefahren sind, ultra cool!).

Die Nacht vor Anker war dann nicht ganz so ruhig, obwohl wir sicher lagen, weil der Wind auf über sechs Beaufort aufgefrischt hat. Am nächsten Morgen gingen wir um 8:30 Uhr Anker auf, um uns anschließend, nur mit dem Vorsegel, von einem immer noch frischen Südwind nach Norden pusten zu lassen. Faules Segeln.

Der Kirchturm von Makkum, sehr integrativ

In Makkum finden wir mit Glück und Geduld einen Liegeplatz mit Aussicht am langen Gemeindesteg. Der Tagespreis ist für unseren Katamaran mit 25 Euro, preiswert.

Spätabends begrüßen wir noch unsere Nachbarlieger an Bord, die mit ihrer Aluyacht neun Jahre lang um die Welt geschippert sind. Da gibt es viele Geschichten zum Zuhören, und die Zeit fliegt nur so dahin, der neue Tag hat schon begonnen.

Am nächsten Morgen beseitige ich die Spuren der Nacht, nicht die unserer Zusammenkunft, die war gemäßigt, aber dafür haben die Ijsselmermücken unser Schiff heimgesucht, und wer die  kleinen Biester kennt, weiß, welche Sauerei diese blöden Eintagsfliegen hinterlassen.

Kurz vor 12 Uhr lagen wir schon vor der Lorenzschleuse, dem Tor zum niederländischen Wattenmeer und um 12.45 Uhr waren wir mit vielen anderen Schiffen zusammen geschleust und auf dem Weg nach Terschelling, unserem Tagesziel.

Muschel mit angewachsenem Algenschopf oder:
Das Haar der Berenike

Endlich wieder Salzwasser unter unserem Hexenkat! Der Weg zu den holländischen Inseln ist uns vertraut und trotz sechsjähriger Abstinenz müssen wir von der Seekarte keinen Gebrauch machen. So vertraut ist uns diese Strecke, gepflastert mit unzähligen Erinnerungen von Segelreisen aus früheren Jahren, als noch unsere Kinder kleiner/jünger und mit an Bord waren. Wie die Zeit vergeht…

Da der Yachthafen voll und unsere Sehnsucht nach Ruhe groß ist, entscheiden wir uns, weiter östlich vom Hauptort der beliebten Urlaubsinsel, direkt vor einem Wattenhoch zu ankern, das sich später für einen kleinen Wattspaziergang bei Niedrigwasser angeboten hat. Cornelia frönte dem geliebten Muschelsammeln und jetzt geht der Tag schon wieder zur Neige, Ruhe liegt überm Watt und wird nur vom Geschrei der Möwen unterbrochen…

Wir sind fast täglich mit unseren Stand-up-Paddelboards unterwegs

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Segeln im Ijsselmer

Endlich, der Skipper am Rad

Am Sonntag sind wir auf „alten Pfaden“ über die A3 nach Holland gefahren. Natürlich war die Autobahn voll, es ist ja mitten in der Ferienzeit, und coronabedingt bleiben viel mehr Familien in der näheren Umgebung anstatt mit dem Flugzeug weite Reisen zu unternehmen. Aber am späten Nachmittag treffen wir in Hoorn ein, die Hexe liegt immer noch sehr schön am langen Steiger, das Ijsselmer und auch der Hafen sind gut besucht mit Segel-  aber auch mit vielen mittleren bis größeren Motorbooten.

Wir räumen ein, und dann machen wir uns mit Besen daran, die übelstenBlätter wegzukehren, die Spinnennetze, die an der Reling und anderen Drähten hängen zu entfernen, und Volker beschwert sich bitterlich, dass die Spinnen so einen furchtbaren Dreck hinterlassen, offensichtlich verfärbt der Spinnenkot das Gelcoat enorm! Hier in Hoorn gibt es in den Sommermonaten unzählige dieser ansonsten nützlichen kleinen Tiere, von überall her krabbeln welche, es hört gar nicht mehr auf.

Der Turm in Hoorn mit dem leckeren Restaurant

So ist es schon nach 20 Uhr, als wir uns endlich aufmachen, um ein Abendessen zu finden, das sind mehr spanische Zeiten, die Holländer essen früher. Im Schippershuis ist alles aufgegessen, keine Vorräte mehr übrig am Sonntag Abend, aber im der Bar von den Hooftoren, unserem bewährten Winterrestaurant gibt es noch leckere Spareribs für den Käpt’n und feine Sliptongetjes für die Capitania.

Tomaten aus heimischer Produktion

Am Montag wird für die Woche bei Albert Hein eingekauft, leckere Sachen zum Grillen, sowie Brot, Butter, Eier zu Frühstück.  Salat und Tomaten haben wir aus dem heimischen Garten mitgebracht, das muss man ja ausnutzen. Draußen wird weiter geputzt und gewischt, es gibt schon eine Menge zu tun, wenn man sein Boot so lange alleine lässt. Abends kommt Boris auf einen Drink und zum Schnacken, schon wieder ein Tag vorbei!

Heute morgen sind wir dann gleich losgefahren, zuerst an den Meldesteiger, um frisches Wasser zu tanken, leider haben sie in Hoorn kein Wasser an dem langen Besuchersteg, dann geht es los, raus aus dem Hafen, einmal übers glatte Markermer, es ist wenig Wind.

Die Hexe vor Anker in Enkhuizen

Trotzdem stehen um 11 Uhr die Segel, die Hexe gleitet zwischen all den anderen Seglern übers Wasser. Lange hält der Traum nicht an, es ist einfach viel zu wenig Wind, aber um 14:30 Uhr fällt der Anker im Vorhafen von Enkhuizen, nach 14 sm sind wir schon am Tagesziel angekommen, hier geht es weiter, das Gelcoat will poliert werden, der Skipper ist voll im Arbeitsrausch!

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Mehr geht nicht

Capitania an Bord

Nachdem die Capitania in den letzten Tagen einige schöne Blogbeiträge veröffentlich hat, will ich jetzt auch mal wieder in die Tasten hauen und berichten.

Im Ijsselmer

Zuerst mal, wir sind gut mit dem Kat in unserem vorübergehenden Heimathafen angekommen und liegen längsseits am langen Gästesteg von der Watersport Vereniging Hoorn, kurz WSVH. Und wir sind total happy, wieder an Bord unserer HEXE zu sein, um zumindest für ein paar Tage das maritime Leben zu genießen. Ralf und Inge-Lore von der „Malwieder“ liegen auch hier im Hafen  zusammen genießen wir das sommerliche Treiben mit allem, was dazugehört. Die Temperaturen sind auf mediterranem Niveau und auch das Ijsselmeerwasser lädt mit 22 Grad zum Schwimmen und Standuppaddeln ein.  Heute war noch Cornelias holländische Freundin Ingrid mit an Bord, die sie vor knapp 40 Jahren auf ihrer Amerikarundreise mit dem roten VW-Bus kennengelernt hat.

Doch vor den sommerlichen Freuden stand erstmal die Arbeit, frühmorgens waren wir schon zugange und haben bis jetzt zweieinhalb Flaschen Politur auf der Hexe verarbeitet. Bedingt durch unsere siebenmonatige Abwesenheit vom Schiff hat sich trotz regelmäßiger Wäsche von Pedro eine „dicke“ Schicht von Kalk und Staub auf dem Gelcoat festgesetzt und für eine milchig trübe Oberfläche ohne Glanz gesorgt. Jetzt sind noch einige Stellen zu polieren, bis morgen Abend sollte unser Hexenkat wieder hübsch und strahlend im Hafen parken.

In so einen Tag wie heute kann man wirklich nicht mehr reinpacken, mit lieben Freunden frühstücken, schwimmen, paddeln, Freundin treffen, Ralfs neuen Zwei-Takt 10 PS Außenbordmotor ausgiebig ausfahren (läuft wie Schmidt’s berühmte Katze), Axel zum Geburtstag gratulieren und fünf Stunden Schiff polieren.

Die Stunden vergehen wie Minuten, die Zeit rast nur so dahin – Sommerzeit und mediterranes Klima tun ihr übriges dazu, viele Menschen am, noch mehr auf dem Wasser, hier gibt es keine „neue Normalität“, alles fühlt sich an wie immer in Holland – vertraut.

Wir können auch endlich wieder ohne den schrecklichen deutschen Maskenmummenschanz in die Geschäfte shoppen gehen, das Leben hier fühlt sich unbeschwert und normal an.

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Auf dem Wasser, endlich!

Pünktlich hält der Zug der SNCF am Bahnhof von Cherbourg, ich springe in ein Taxi, texte Wes, dass ich angekommen bin. Wir treffen uns am Marina Office, dort kann ich den Liegeplatz bezahlen, dann steigen wir ins Dinghy und ab geht es durch die Marina zur wartenden Hexe. Da werde ich tatsächlich mit dem Boot zum Boot gefahren!
Clive und Shay sind gerade dabei, Diesel aus den Kanistern in die Tanks zu füllen, dabei haben sie einen schönen Trick entdeckt, mit dem Schlauch das Vakuum solange zu halten, bis das eine Ende desselben im neuen Kanister steckt, dann wird die Schlcuhschlaufe angehoben, und der Diesel fließt wieder aus dem Kanister in den Tank, ohne dass man das mit dem Mund ansaugen muss, viel gesünder. Wobei wir sonst eher die Kanister über einen selbstgebastelten Trichter aus einer alten Plastikflasche einfüllen, aber das erfordert mehr Muskelkraft. Anschließend werden das Dinghy und der Außenborder mit dem Fockfall an Bord gehoben, alle leeren Kanister verstaut, schon sind die Leinen los, und um 16:00 Uhr verlässt das Boot den Hafen für die letzte salzige Etappe der “Hexe@home-Aktion”.
Der Wind zeigte sich im Hafen von einer “vorfreulichen” Seite, im Hafen fliegen mir die Haare um den Kopf, und auch Wes’ Sohn Shay hat die langen Rastalocken mit einem Tuch eingebunden. Ich freue mich schon wie die berühmte Schneekönigin auf das erste Segeln nach über einem halben Jahr. Kaum sind wir aus dem Hafenfahrwasser raus, rollen die Jungs die Genua aus. Direkt vor dem Wind segeln wir leise im leicht kabbeligem Nordseewasser nach Nordosten. Als der Wind sich in eine spätnachmittägliche Brise gewandelt hat, wird der Genacker rausgeholt, alle Leinen gelegt, schon steht das bunte Segel und zieht uns auf unserer Route. Leider ist auch der Zauber nicht von Dauer, der Wind wird immer leichter, und wir müssen ja doch vorwärts kommen. Schließlich ist das eine Überführung und kein Urlaubstörn. Also Motoren an, und los geht’s.
Der gleichmäißge Sound begleitet uns durch die Nacht, auch am Samstag haben wir mit dem Segeln kein Glück mehr, vier bis acht Knoten Wind genau von hinten sind nicht genug für die Hexe. Dabei hatten die drei Jungs sich so auf einen richtigen Segeltörn gefreut. Am Anfang, als sie Lanzarote verlassen haben, hatten sie guten Wind,nach Madeira aber kam die Flaute. Danach waren es nur noch die drei Tage über die Biskaya bis Brest, dass es genug Wind zum Segeln gab, dort, das haben wir auf MarineTraffic gesehen, ist die Hexe geflogen, bei aus Vorsicht bereits gerefften Segeln, einmal mit über 12,5 Knoten über Grund, und fast immer segelte sie um die 11 Knoten Geschwindigkeit.
Der Ärmelkanal jedenfalls hat Spiegelqualität, ein leichtes Atmen des Meeres ist noch spürbar, ansonsten liegt das Wasser glatt wie ein stiller See. Aufpassen muss der Wachhabende trotzdem, denn auch hier gibt es an unerwarteter Stelle Fischerfähnchen, und ein paar Segelboote sind unterwegs zwischen dem Fahrwasser für die großen Pötte und der Küste. Wir passieren das Verkehrstrennungsgebiet vor Zeebrugge in Belgien, hier liegen Unmengen von großen Tankern und Frachtern vor Anker “Waiting for Orders”, die Weltwirtschaft schläft noch ihren gekrönten Dornröschenschlaf.
Am Vormittag haben wir an Backbord die weißen Klippen von Dover gesehen, an Steuerbord liegt die liebliche Landschaft der Normandie, danach verlassen wir La Grande Nation, fahren an Belgiens Küste vorbei. Mit den ersten Strahlen der Morgenröte haben wir – just in time – Hoek van Holland erreicht, dort müssen wir uns über Funk melden, und im extra markierten Fahrwasser für Yahtren vorbei fahren. Auf Marifonkanal 3 bekommen wir Anweisungen, wie die vor der Mündung arbeitenden Bagger zu passieren sind. Vom Ende des Fahrwassers sind es noch 30 Seemeilen bis zur Schleuse zum Nordseekanal bei Ijmuiden, eine Premiere für die zweibeinige Hexe, dann wird die Hexe zum ersten Mal im Süßwasser schwimmen.

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Mit der Bahn zum Boot

Voller Vorfreude bin ich heute morgen um halb fünf aufgestanden, als der frühe Wecker geklingelt hatte. Heute geht es zur Hexe! Wes und seine Crew sind gestern Abend schon in Cherbourg eingelaufen, und obwohl ich telefonisch einen Liegeplatz reserviert, und extra gestern Nachmittag noch einmal im Marina Office angerufen hatte, um die Ankunft zu bestätigen, war an den mir genannten Längsseitsstegen nichts mehr frei, und sie mussten an einen „Inselsteg“ gehen, von dem aus man nur mit dem Beiboot an Land kommt.

Volker hat mich also heute morgen nach Frankfurt an den Hauptbahnhof gefahren, dort stand auch schon der ICE nach Paris auf Gleis 19, pünktlich ist er abgefahren. Doch leider kam schon in Mannheim die erste Hiobsbotschaft: Der Zug wartet auf verspätete Anschlusszüge, und hat dann selber 20 Minuten Verspätung. Der nette Zugbegleiter versicherte mir zwar, dass wir hinter der Grenze die Verspätung wieder aufholen würden, aber trotz Spitzengeschwindigkeiten von um die 320 km/h sind wir erst 10:20 statt 09:56 in Paris Est eingelaufen. Nun musste ich für den nächsten Zug leider den Bahnhof wechseln, denn in Paris fahren am Gare de l’est nur internationale Verbindungen, für innerfranzösische Correspondance muss man entweder zum nahe gelegenen Gare du Nord, oder halt, wie ich, zum etwas weiter entfernten Gare St. Lazare. Und ich hatte nur eine Stunde Aufenthalt!

Noch einige andere Mitreisende warteten nervös an der Tür, bis der Zug endlich auf dem Bahnsteig zum Stillstand kam. Nun, meine Experimente mit der Metro und einmal Umsteigen hab ich lieber gekippt, und mir einfach ein Taxi geschnappt. Der Fahrer war nicht sonderlich begeistert, denn es ist ja keine lange Strecke, zu laufen wäre es eine halbe Stunde gewesen, aber dann fuhren wir doch los. Natürlich war es voll, jede Menge rote Ampeln, Fahrradfahrer, die die halbe Fahrbahn einnehmen, Autos, die mal eben schnell, oder auch nicht so schnell was abladen wollen und in zweiter Reihe stehen bleiben und die Straße blockieren. Ich hab schon mal nach Leihwagen am Bahnhof geschaut, denn der nächste Zug nach Cherbourg würde erst zwei Stunden später fahren. Ein bisschen Wehmut und Sehnsucht kam schon in mir auf, Paris ist immer noch wunderschön, und ich wäre gerne ein bisschen länger geblieben…

Aber schließlich haben wir es geschafft, auf der rechten Seite taucht der Bahnhof St. Lazare auf, ich suche das Gleis, und keine fünf Minuten später ist der Zug auch schon eingefahren und alle wartenden Reisenden können einsteigen. Jetzt sitze ich kommod in einem in dunkellila gehaltenen Großraum der ersten Klasse (das hat für die ganze Reise nur 20 Euro mMehrkosten ausgemacht, sodass ich mir das einfach mal gegönnt habe), und fahre bei eher bedecktem Himmel der Küste entgegen. Volker muss leider noch ein bisschen in Darmstadt bleiben, und sich um die Renovierungsarbeiten und die Gartenanlage kümmern, der Arme! Ich freue mich aufs Boot, das wir wo lange nicht mehr besuchen konnten. So lange waren wir noch nie ohne Boot!

Hexe, ich komme!

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Hexe is coming home!

Seit den Mittagsstunden des 9. Juni ist unsere Hexe unterwegs!

Wettervorhersage für Mittwoch

Drei überaus fähige Segler sind an Bord und bringen sie von Lanzarote nach Holland. Wes und Clive kennen wir von Puerto Calero, Wes betreibt die dortigen Ausflugskatamarane, ist selbst erfahrener Katamaran-Eigner und schon mehrfach über die Weltmeere gesegelt. Außerdem verdient er, wie auch Clive, sein Geld mit der Reparatur und dem Service für Boote in der Marina auf Lanzarote, kurz gesagt, die Hexe ist in den besten Händen. Mit an Bord ist Wes’ Sohn Shay, den wir leider noch nicht persönlich kennen, der ebenfalls viele tausend Seemeilen auf den Ozeanen der Welt auf dem Buckel hat, also eine großartige Crew.

Manchmal können wir die Hexe auf MarineTraffic orten, dann wieder auf Vesselfinder, aber am zuverlässigsten sind die Emails von Wes, die wir täglich bekommen, mit Positionsangabe und Details des letzten Tages. Natürlich checken wir mehrmals am Tag unsere Mails, schließlich fiebern wir mit. Leider konnten wir, bedingt durch die Reisebeschränkungen wegen Covid-19, nicht nach Lanzarote reisen, um das Boot selber in den Norden zu holen. So haben wir uns schließlich schweren Herzens entschlossen, die Hexe nach Holland überführen zu lassen.

Die bisherige Route

800 Seemeilen liegen schon in ihrem Kielwasser seit dem Start, es sind auch noch ca. 1200 Meilen bis Hoorn, dort haben wir in unserem Vereinshafen einen Liegeplatz reservieren können, dank der tatkräftigen Unterstützung von Kees, dem allerbesten Hafenmeister der Welt, vielen Dank, Kees, nochmal an dieser Stelle!

Im Moment ist an der portugiesisch-spanischen Atlantikküste eher Flaute, die Crew muss motoren, um rechtzeitig auf der Höhe von A Coruña zu sein, damit sie den einsetzenden Westwind über die Biskaya nutzen und schnell unter Segeln bis in den Englischen Kanal fliegen können, hoffentlich.

Es fühlt sich schon sehr komisch an, unser Boot segelt oder fährt unter Motor, dort, in  den unendlichen Weiten des Atlantik, ganz ohne uns!

Wenn alles klappt, werde ich Mitte dieser Woche in Brest oder Cherbourg zusteigen, und wenigstens die letzten gut 300 Seemeilen bis Holland mit segeln. Wir werden berichten…

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Unterstützung beim Rolling home für Segler

Wie alle sind auch wir in diesen seltsamen Zeiten häufig in telefonischem und Mail-Kontakt mit vielen Freunden. Hier in Deutschland arrangiert man sich mit den Umständen, Schlangen an den Supermärkten und der Maskenpflicht ab Montag, offensichtlich mehr oder weniger gut. Gestern waren wir mal am sehr späten Nachmittag kurz in der Innenstadt, um frisches Obst zu kaufen, dabei fiel uns, trotz der inzwischen auf 800 qm wieder geöffneten Geschäfte eine gähnende Leere auf.

Zuchttöpfe!

Aber glücklicherweise haben wir ja seit Wochen sehr schönes Wetter. Außerdem sind wir hier in Deutschland nicht sooo reglementiert wie unsere Freunde auf den Kanaren oder in der Karibik und in anderen Ländern. Wir wurschteln so vor uns hin, und ich freue mich auf meinen neuen Garten, für den ich schon ganz viele Gemüse- und Nutzpflanzen vorziehe. Außerdem vermissen wir Samy schmerzlich, auch die obligatorischen Spaziergänge. Jetzt muss ich morgens turnen, damit ich nicht einroste, statt über die Mathildenhöhe zu laufen.

Unsere Segelfreunde Ralf und Inge von der Segelyacht „Malwieder“ liegen noch in der Marina auf Antigua, aber sie scharren mit den Füßen (oder besser, wedeln mit den Segeln?), um nach Europa zurück zu kehren, denn die Hurrican-Saison in der Karibik naht, und mit ihr die Notwenigkeit, das Boot in sichere Gefilde zu bringen, also außerhalb des Hurrikan-Gürtels zwischen 10° und 30° N. Das Problem haben dieses Jahr viele Segler, die vielleicht eigentlich weiter in die USA oder durch den Panama-Kanal wollten. Und so hat Trans-Ocean, der Verein zur Förderung des Hochseesegelns, mit dem Verein Intermar e.V.  eine einmalige Initiative, das Trans-Ocean Rolling Home Team, entwickelt, um Boote, die sich auf den langen Weg machen, zu unterstützen, und den Crews mit Wetterberichten, und Kontakt zur eventuellen Transithäfen zur Seite zu stehen. Wer sich dafür interessiert, hier ist der Link dazu: https://www.trans-ocean.org/Bericht-lesen/ArticleId/6156/Unterstuetzung-fuer-die-Route-Karibik-Europa

Wir werden die „Malwieder“ auf jeden Fall, soweit es geht, verfolgen und per Mail Kontakt halten, ebenfalls das atlantische Wetter beobachten, um im Notfall mit Berichten helfen zu können.

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