Zusammenfassend

Das war schon ein ziemlicher Schock für uns, als wir feststellen mussten, dass unsere Website gehackt und nicht mehr erreichbar. Immerhin sind da beinahe acht Jahre dokumentierte Segelzeit hinterlegt, all unsere Reisen und Abenteuer. Doch jetzt sind wir erstmal positiv gestimmt, weil Christian die angerichteten Schäden beseitigen und die Website wieder an den Start bringen konnte. 

Nachdem wir in den letzten Monaten viele Buchten, Strände und Inseln besucht hatten, haben wir uns schon im Vorfeld sehr auf die amerikanischen Orte und Städte an der Ostküste mit ihrer wechselhaften Geschichte gefreut. Bis jetzt sind wir nicht enttäuscht worden. 

Steinhaus in St. Augustine

Fangen wir mit der ältesten dauerhaft besiedelten Stadt an. Saint Augustin wurde von dem spanischen Seefahrer Ponce de Leon  entdeckt, die Stadtgründung datiert auf das Jahr 1565. Gut erhaltene spanische und amerikanische Kolonialarchitektur prägen bis heute das Stadtbild dieser schmucken und lebhaften Stadt in Florida. Es ist eine wahre Freude, durch den Altstadtkern zu wandeln und eine Sehenswürdigkeit nach der anderen zu entdecken. Zudem gibt es zahlreiche Pubs und Restaurants mit abendlicher gepflegter Livemusik sowie zahlreiche Ausstellungen und Kunstgalerien. 

Die Kingsbridge erleuchtet

Der Gemeindehafen, gleich nach der King Bridge, bietet alle Annehmlichkeiten, die man von einem modernen Yachthafen erwarten kann. Wir haben uns für eine Mooringboje vor der Brücke entschieden. diese Bojen werden ebenfalls vom Gemeindehafen bewirtschaftet und sind mit 28 Dollar inklusive Wifizugang, Müllentsorgung und Nutzung des Dinghysteges preislich wirklich günstig. Nachbarlieger, die sich für einen Monat an der Mooringboje eingemietet haben, bekamen sogar einen deutlichen Preisnachlass. Vom Mooringfeld aus hat man einen fantastischen Blick auf die Altstadt und das alte Fort. Zusammenfassend muss man sagen, dass diese hübsche Ostküstenstadt ein kleines Juwel ist, dazu kommt noch der nahegelegene kilometerlange Ponte Vedra Beach und die Sümpfe im Hinterland. In allen Süß-und Brackwasserbereichen gibt es Alligatoren und die wollen nicht nur spielen!

Keine verdeckten Waffen erlaubt, nur andere?

Saint Augustin ist zudem Port of Entry, das heißt, man kann dort in die USA einklarieren. Neben der Online Anmeldung über die CBPRoam App, für die wir im Vorfeld eine E-Sim erstanden haben, um die Anmeldung zeit- und küstennah zu beantragen, denn vorher darf keiner an Land. Das Einklarieren mit der App ist unkompliziert und innerhalb von zwei Stunden erledigt, trotzdem ist es notwendig, zu Zoll und Immigration am örtlichen Flughafen zu fahren. Der dortige zuständige Officer ist wirklich sehr freundlich und hilfsbereit, und nach ein paar Minuten sind wir nun offiziell in Amerika angekommen. 

Jetzt folgt eine kleine Zusammenfassung, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, wenn man mit dem Esta- oder Visa-Waiver-Visa Programm und dem eigenen Boot in die USA einreisen will. Es gibt unterschiedliche Informationen im Netz, wir sind den Empfehlungen eines Freundes und den Hinweisen auf Noonsite gefolgt. Da wir kein B1/B2 Visum bei den Botschaften vor unserer geplanten Reise aufgrund der Pandemie erhalten konnten, haben wir uns ausführlich über mögliche Alternativen informiert.

Vorkehrungen für die Hurrikan-Saison

Bei dem Esta-Programm muss man vor der Einreise mit dem eigenen Boot unbedingt einmal mit einem offiziellen Transportmittel, per Flugzeug mit einem Linienflug, oder per Boot mit einer offiziellen Fähre  nach Amerika eingereist sein, damit das Esta-Programm gestartet ist. Danach ist die Einreise in die USA mit dem eigenem Boot möglich, Personen dürfen 90 Tage in den USA weilen, das Boot kann länger bleiben. Wer weitere Fragen dazu hat, kann sich gerne an uns wenden. 

Der Officer am Flughafen hat ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es ein Vergehen wäre, ohne gestartetes Esta-Programm mit dem eigenen Schiff in die USA einzureisen, dass mit mindestens 580 Dollar Strafe je Person geahndet wird und evtl. weitere Konsequenzen zur Folge hätte. Man erhält bei den Customs auch das zwingend notwendige Cruisingpermit für die USA. Alle Anmeldevorgänge, außer dem Esta selber, und das Cruisingpermit sind erfreulicherweise kostenlos.

Das älteste Pub Floridas von 1897 steht in Fernandina Beach auf Amelia Island

Zurück zur Reise: Wes und Roisin sind zurück nach Lanzarote geflogen und nach vier Tagen an der Boje haben wir die Leinen gelöst und uns auf den Weg, nordwärts an der Ostküste lang, nach Charleston gemacht. Nach einem nächtlichen Zwischenstopp bei Amelia-Island und dem Besuch im ältesten Pub Floridas ging die Reise weiter.

Ein stolzer Löwe

Nach einer turbulenten und gewitterreichen Nacht sind wir am darauf folgenden Mittag im Ankerfeld vor der „Safe Haven Marina Charleston“ angekommen, haben den Anker im schlammigen Flussbett eingegraben, um erstmal den versäumten Schlaf nachzuholen. Cornelia hat die fehlende elektronische Ostküsten-Seekarte zu der lokalen Seglerladenkette, Westmarine, bestellt. Wir haben uns, seit wir in den USA sind, die Uber App aufs Handy geladen und erledigen alle notwendigen Fahrten mit diesem Fahrtdienstanbieter. Meistens kommt nach wenigen Minuten ein freundlicher Uberfahrer zu dem angegebenen Standort und kutschiert die Fahrgäste dahin, wo sie hin möchten. Das Ganze ist gegenüber den überteuerten Taxipreisen in Deutschland wirklich erschwinglich. 

Die drei Tage in Charleston haben wir dazu genutzt, das historische French Quarter und Battery zu erkunden. Charleston wurde zum ersten Mal 1670 erwähnt und zahlreiche gut erhaltene Gebäude stammen aus dem frühen 18. Jahrhundert. 

Die Altstadt präsentiert sich sehr lebendig. es gibt viele Galerien, jeden Abend finden Ausstellungen in den Markthallen und Livemusik an mehreren Plätzen statt.

Der Blick von der Waterfront über das Hafenbecken bis hin zum Fort Sumter ist atemberaubend. Wir haben die teuren Restaurants ausgelassen und uns gesellige Pubs fürs Abendessen ausgesucht. Im „The Griffon oder im „Blind Tiger“ kann man hervorragende Pubessen genießen und man hat zudem eine reichhaltige Auswahl von regionalen und überregionalen Faßbieren. 

Charleston hat auch eine dunkle Vergangenheit, die Stadt war einer der Hauptumschlagsplätze für Sklaven und die ersten Schüsse vom Fort Sumter eröffneten den verlustreichen amerikanischen Bürgerkrieg

Charleston ist eine Großstadt mit dem Charme einer Kleinstadt in den historischen Stadtteilen Der Ankerplatz vor der Safe Harbor Marina ist leider ziemlich voll und beim Durchzug einer stürmischen Gewitterfront sind wir ankerauf gegangen, da uns ein Nachbarlieger viel zu nahe gekommen ist. Die letzen beiden Tage haben wir dann ein bisschen weiter östlich und ohne Gedränge geankert. Für den Weg von der Marina zur Altstadt haben wir in bewährter Weise die Uber-App genutzt.

Am Dienstag sind wir nach anderthalb Tagen 220 Meilen auf See in Beaufort, North Carolina, angekommen, einer Kleinstadt mit gerade mal 4.000 Einwohnern.

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Segeln in die USA

Tag 1

Baro 1012, sonnig, leicht bewölkt, warm, Wind SW 3-4
an Bord: Roisin, Wes, Volker und Cornelia

Um 08:00 Uhr, früher als geplant, sind wir unterwegs, der Skipper hatte – ausnahmsweise – keine Geduld, bis zur geplanten Abfahrtszeit um 10:00 Uhr abzuwarten. Wir haben ca. 300 sm vor uns bis St. Augustine, unserem geplanten Einreiseort in Amerika. Das sind, je nach Windbedingungen, anderthalb bis zwei Tage. Es sind ideale Bedingungen für gemütliches Segeln, flache See, um zehn Knoten Wind, zunächst segeln wir mit dem Gennaker, die Geschwindigkeit ist 7-8 Knoten. Der Hefeteig steht am Fenster, und soll gehen, Kaffee ist von Wes ganz früh gekocht worden, der Wellengenerator sowie die Solarpanele liefern mehr als ausreichend Energie, so kann es weitergehen.
Tatsächlich ist es zunächst Sommersegeln vom Feinsten! Es ist warm, manchmal so warm, dass wir uns in den Wind stellen, um abzukühlen. Es gibt selbst gebackene Brötchen zum späten Frühstück, gekochte Eier und – wie fast jeden Morgen – unglaublich leckeres Obst. Mangos, Ananas, Papayas, fast alle Früchte kommen aus der Karibik oder den Bahamas selbst, vieles aus Guatemala und der Dominikanischen Republik, und es schmeckt einfach gut, weil es vor Ort gereift ist. Achtung, der Verzehr von reifen Ananas kann süchtig machen!
Seglerisch geht es erst einmal unspektakulär weiter.

Die Kapitäne planen die Fahrt

Anfangs hat kurz der Gennaker gestanden, aber der Windwinkel wurde zu spitz, weiter geht es mit der Genua, bei einem Windeinfallswinkel zwischen 100 und 120 Grad wird unsere Hexe richtig schnell, und der Skipper ist glücklich. Leider baut sich eine kabbelige See auf, wir einigen uns darauf, dass es vom Golfstrom kommt, der an der amerikanischen Küste für eine starke Strömung nach Norden sorgt. Eigentlich kann der Golfstrom hier – wir sind ja immer noch in den Bahamas – keinen wichtigen Einfluss haben, aber wenigstens bekommen wir so eine Erklärung für die ruppige See. Am Nachmittag wechseln wir uns alle ein bisschen ab mit Schlafen, damit wir für die Nacht gut vorbereitet sind.
Das Abendessen verteilen wir heute auf die jeweiligen Ehepaare, denn da wir unterschiedliche Essgewohnheiten haben, was die Zutaten angeht, ist das Kochen etwas aufwändiger und bei dem Geschaukel muss man Töpfe und Pfannen auf dem Herd sichern. Zuerst essen Volker und ich kleine Nuggets von der Hühnerbrust mit selbst gemachtem Kartoffelpüree und einer kleinen Gemüsepfanne, unsere Gäste bereiten für sich Kürbispüree mit Kartoffeln zu.
Danach legen sich Wes und Roisin für eine Weile hin, Volker beobachtet Wind und Segel, damit der Windeinfallswinkel optimal ausgenutzt wird, ich versuche unseren Blog, Positionen und Wetterberichte über die Kurzwelle zu versenden und zu empfangen. Es wird langsam dämmerig, um uns herum stapeln sich die dunklen Wolken, es beginnt zu grummeln, und natürlich zucken auch leuchtende Blitze durch die Gegend. Im Radar schauen wir nach, ob sich die Wettergebilde uns zu bewegen, oder ob sie verschwinden werden. Der Regen aus den Gewitterfronten erzeugt ein Echo in der Radaranzeige, und man kann den Zug dieser manchmal sehr umfangreichen Regengebiete gut verfolgen.
Nun beginnt eine wilde Jagd: Der Wind hat zugenommen, klar in gewittrigen Zonen, und wir versuchen, einer breiten Regenfront angefüllt mit Donner und Blitz zu entkommen. Die Genua ist schon ganz klein gerefft, aber wir fliegen mit bis zu 14 Knoten Fahrt dahin, eigentlich ist der Skipper, trotz dicker Regenjacke, ganz glücklich, wenn da nicht solche runden Dinger voller Wasser auf dem Bildschirm drohten. Mein Blick jedenfalls ist starr auf die Radaranzeige gerichtet. In Böen haben die Fronten bis zu 35 Knoten Wind dabei, bei vollem Großsegel nicht so spaßig, deswegen ist Volker dann immer weiter abgefallen, vom Wind weg, bis die Böen vorbei sind.

Dunkle Wolken drohen


Irgendwann können wir einer Front nicht mehr entkommen, das ist der Zeitpunkt, an dem wir doch das Großsegel reffen. Wes und Roisin hören natürlich den Lärm, das Anspringen der Motoren und die unruhigen Schritte auf Deck, und kommen zum Helfen. Es ist immer spektakulär und aufregend, weil das Boot in den Wind gedreht werden muss, der scheint dabei stärker zu werden, weil er von vorne kommt. Das Segel muss schnell abgelassen werden, dazu geht Volker an den Mast und zieht es nach unten, auch nicht wirklich spaßig, wenn wegen zuviel Wind gerefft werden muss. Dabei müssen die Reffleinen nachgezogen werden, diese schlagen gerne mal, bis sie wieder fest sind, und gleichzeitig wird das Großsegel wieder hochgewinscht. Also eine eher stressige Situation.
Aber danach kommt – natürlich – eine Periode mit wenig Wind, aber nur kurz, anschließend geht es, gerefft, mit 8 – 10 Knoten Speed bei 12 – 14 Knoten Wind flott voran.

Tag 2

Sonnenuntergang

Baro 1011, bewölkt mit Aufheiterungen, Wind SW um 4, auf See
Tagesetmal um 08:00 Uhr: 175 sm, noch 131 bis St. Augustine
War das ein Geschaukel heute Nacht! Der Gang zur Toilette fühlt sich an, als versuche man, auf einem wilden Pferd beim Rodeo zu reiten. Bei der anschließenden Rückkehr in den Salon wird man zum Bergsteiger, vier Stufen hoch. Zähne putzen, Kaffee kochen und den Frühstückstisch zu decken, wird zum Abenteuer, denn für alle Tätigkeiten habe ich nur eine Hand frei, mit der anderen muss ich mich festhalten. Ausnahmsweise werden mal bei einem Katamaran die Schubladen gesichert, Flaschen und Gläser in die Spüle oder an einen sicheren Ort gestellt, damit sie nicht umfallen. Auch der Drehstuhl am Kartentisch, auf dem ich immer dieses Logbuch schreibe, erfordert Beweglichkeit im Rücken und in den Beinen, um weiterhin die Finger auf der Tastatur zu platzieren. Nur im Bett und auf dem für die Überfahrt zur großen Liegewiese ausgezogenen Sofa liegt es sich bequem. Dort hat Volker sein Bett aufgeschlagen, prinzipiell macht er nach alter Gewohnheit die Nachtwachen, deshalb liegt er oben und schläft dann hier richtig, wenn ich in der Früh komme und die Wache übernehme.

Wes und Roisin auf Wache

Aber jetzt sind wir zu viert, Wes und Roisin übernehmen auch Wachen, da muss Volker während der Nacht nicht alle 15 Minuten nach den Rechten sehen.Gegen Morgen wird das Geschaukel etwas besser, mal sehen, wieviele blaue Flecken ich morgen haben werde.
Halbwegs ausgeschlafen treffen wir uns alle zum Frühstück um 10:30 Uhr, wieder mit selbst gebackenen Brötchen, heute Spiegelei mit Püree oder Avocadocreme, und ebenfalls wieder jede Menge Früchte. Gut, dass wir soviel Zeit haben, die bissfertige Zubereitung von Ananas und Mango ist schon zeitaufwändig.
Danach holen alle nacheinander noch ein bisschen Schlaf nach, während die Hexe, in ihrer Geschwindigkeit auch begünstigt vom Golfstrom, weiter nach St. Augustine segelt. Um uns herum türmen sich leider wieder einige Schlechtwetterwolken auf, drohen mit Regen und Starkwind, sonst würde Volker sofort den Code D setzen, und wir könnten schneller unserem Ziel entgegenstreben. Wir werden auf jeden Fall im Dunkeln ankommen, aber die Karten zeigen keine wesentlichen Hindernisse, und die Einfahrt scheint gut betonnt zu sein. Außerdem war Wes schon hier und kennt – zumindest am Tag – die Gegebenheiten.Ab 15 Uhr kommen die dicken Wolken näher, ab 16 Uhr ist der Regen im Radar gut zu sehen, wir binden Reff 1 ins Großsegel, die Genua ist ja schnell weggerollt. Heute sind wir besser organisiert, wir müssen nicht erst reffen, wenn es schon Starkwind hat. Leider sieht es nur so aus, dass wir diesmal den Squalls mit dem vielen Regen nicht entkommen werden.

Die Fronten liegen um uns herum

Und so war es auch, leider. So viele große Regenfronten um uns herum habe ich noch nie auf dem Radar gesehen, es wurden immer mehr und sie vereinigten sich zu großen Gebilden, aus allen blitzte es, und dazu fiel unglaublich viel Niederschlag . Die Genua war schon nur ein Taschentuch, doch Böen von über 36 Knoten veranlassten Volker, das Großsegel ganz zu bergen, und nur mit dem Motor zu versuchen, den kräftigsten Fronten und Gewittern auszuweichen. Die Gewitter haben wir so – glücklicherweise – umfahren können, nur der Regen ließ sich nicht vermeiden. Fast zwei Stunden hat das Spektakel gedauert, das Boot ist mehrfach gewaschen worden, der Skipper und Wes aber auch, nur Roisin und ich haben die Entwicklungen am Radarbildschirm verfolgen dürfen, wir haben ab und zu Kursänderungen empfohlen, um den wildesten Gebilden auszuweichen, sowie bei stärkeren Donnern und Blitzen in der Nähe Laptops und Telefone im Backofen verstaut.
Es gab einen wilden Sonnenuntergang um 20 Uhr, der Wind ist immer noch viel stärker als vorhergesagt, und wir fahren gerefft in die zweite Nacht.

Tag 3

Kurz vor Sonnenaufgang kommen wir vor St. Augustine an, legen uns auf den ersten besten Ankerplatz und schlafen erstmal. Nach zwei Nächten und 320 Seemeilen sind alle ein bisschen müde, später werden wir zu den Bojen vor der Marina fahren, um dort ein paar Tage die wunderschöne Stadt zu erkunden. Aber darüber schreibt Volker im nächsten Beitrag.

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Oase der Ruhe

Unsere Webseite war zerstört, wie wahrscheinlich viele von unseren treuen Lesern gesehen haben, und ohne Schwiegersohn Christian würde die Capitania heute noch an der Wiederherstellung rumbasteln.
Vielen Dank an Christian, Du bist unser Held!

Das ist unser erster Blog seit langer Zeit, die anderen kommen bald.

Little Harbour, der kleine friedliche Ort mit seiner, zumindest unter Seglern, berühmten „Pete`s Bar and Restaurant“, war unser Ziel nachdem wir aus Nassau weg sind. Die dazugehörige Bucht bietet einen Rundumschutz gegen alle Unbillen des Wetters und Pete`s Bar stellt gut gesicherte Mooringbojen kostenlos zur Verfügung. Der kleine Ort schmiegt sich harmonisch ins Landschaftsbild ein, ein wunderbarer Anblick und ein Ruhepol für gestresste Seelen.

Abendessen mit Blick aufs Boot

Nachdem wir an der Mooringboje festgemacht haben, klaren wir die Hexe auf, wassern das Dinghy und tuckern langsam zum Dinghysteg. Zu Pete`s Bar sind es nur ein paar Schritte durch feinsten Sand und kurz darauf fließt ein gut gekühltes goldgelb schimmerndes Kalik Bier durch unsere durstigen Kehlen. Wir sind angekommen an diesem Platz, der schon von so vielen durchreisenden Seglern besucht wurde, und an dem einige ein T-Shirt mit Unterschriften an der Decke der Bar als Erinnerung hinterlassen haben. Das einfache aber frisch zubereitete Abendessen schmeckt hervorragend und dem ersten Bier folgen noch ein paar weitere.

Pünktlich zum Sonnenuntergang stellen sich die Bahamas-typischen Stechmücken ein. Rauchende Kokosnusschalen, Anitmückenspray und Rauchdosen auf dem Tisch helfen nur bedingt bei der Stechfliegenabwehr. Irgendwann wird es uns zuviel und wir flüchten auf unseren Kat. Dort hatten wir leider vergessen, eine offenstehende Luke zu schließen, und wir müssen deshalb erstmal ein paar Moskitos klatschen. Nachdem alle Fliegenrollos am Platz waren, kehrte Ruhe im Schiff ein.

Handgeschriebene Speisekarte

Nach einer sehr erholsamen Nacht ging es am nächsten Morgen um sieben Uhr schon los, denn die Fahrrinne in die Bucht ist zwar betonnt, aber nur 1,3 Meter tief, und die hochwasserzeit lag schon zwei Stunden zurück. Teilweise blieben bei der Ausfahrt nur 10 Zentimeter Wasser unter den Rudern, und alle Blicke richteten sich gebannt auf den Tiefenmesser. Aber selbst eine kleine Grundberührung sollte keine Folgen haben, denn der Untergrund ist weicher Sand.

Unser nächstes Ziel lag nach einer Strecke mit zahlreichen Untiefen und Sandbänken, was für viele Manöver und Spaß and Bord sorgte. Am frühen Nachmittag liefen wir dann in Marsh Harbour ein, und ankerten nahe bei der Zollbehörde, denn unsere Zeit in den Bahamas ist vorbei, wir wollen ausklarieren und weiter nach Amerika segeln.

Cornelia macht sich auf den Weg zum Zoll und zur Immigration, Wes und Roisin kaufen noch ein paar fehlende Lebensmittel im großen lokalen Supermarkt und ich erledige letzte Vorbereitungen für die gut 300 Seemeilen lange Überfahrt, Um 15 Uhr sind Schiff und Mannschaft klar zum Auslaufen in die 10 Seemeilen entfernte Bucht vor Guana Cay, wo wir noch eine nacht ankern wollen, bevor es nach Amerika geht.

Ab hier folgt demnächst das bewährte Segeltagebuch von Cornelia, und die will ich an dieser Stelle gerne einmal gebührend und ausführlich für ihre akribische Navigation, durch die Gewässer der Turks and Caicos und der Bahamas loben. Man umschifft in diesem Seegebiet, dem in früheren Zeiten endlos viele Schiffe zum Opfer gefallen sind, tagtäglich unzählige Untiefen, Riffe, Sände und Felsbrocken. Mit Hilfe des Kartenplotters und der dazugehörigen elektronischen Navionics Seekarten, auch unter Zuhilfnahme von Google Maps, muss man jeden Segelabschnitt akurat planen und anpassen. Zudem braucht man bei einigen Passagen eine hochstehende Sonne für die sogennante Augapfelnavigation. Cornelia hat uns und das Boot allzeit sicher durch dieses äußerst anspruchsvolle Fahrtgebiet geführt. Ein wahres Meisterstück, das musste mal erwähnt werden!

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Viel zu erzählen…

ein Bad am Morgen

Wir sind auf dem Weg zu den Abacos, einer Inselgruppe, die zu noch zu den Bahamas gehört und gleichzeitig das nördliche Ende markiert.

Während es in den letzten Tagen auf unserem Blog still war und keiner von uns beiden Beiträge geschrieben hat, haben wir doch einiges in der Zwischenzeit erlebt und auch einige technische Probleme haben uns ganz schön auf Trab gehalten.

hungrige Bache

Doch nun der Reihe nach: Von Georgetown sind wir nach Stanley Cay gesegelt, einer Insel, die einen Teil ihrer Berühmtheit den wild lebenden Schweinen zu verdanken hat. Die Schweine sind nicht wild, im Sinne von aggressiv, und man kann die zum Teil sehr gewichtigen Tiere vom Beiboot aus oder direkt am Strand mit allem füttern, was das Schweineherz begehrt.

Gibt es hier mal etwas zu essen?

Wir haben ein bisschen Toastbrot undSalat vom Vorabend mitgebracht, das hat dann gleich die Aufmerksamkeit einer kapitalen Bache auf sich gezogen, die unser Beiboot entern wollte.

So viel Nähe am Anfang war uns dann doch zu viel und im Rückwärtsgang ging es erstmal auf eine sicherere Beobachtungsposition. Nachdem der erste Schreck verdaut war und von den Nachbarbooten ein paar spaßige Kommentare gekommen sind, ob wir denn ein Schwein klauen wollen, wagten wir einen neuerlich Anlandungsversuch mit unserem Dinghy.

Ein Schweineleben

Am Strand konnten wir unbehelligt die Schweine beobachten, ein paar Schweine füttern und die quietschfidelen Ferkel beim Rumtoben bewundern. Die Zeit mit den Schweinen flog nur so dahin und wir konnten uns kaum losreißen von diesem besonderen Ort.

Am späten Nachmittag waren wir mit Carmen und Ralf von der Relax zum Schnorchelausflug in die berühmte Thunderball Grotto verabredet. Die Thunderball Grotto ist eine Höhle, die bei Ebbe schnorchelnd zu erreichen ist und die zudem Drehort bei dem James-Bond-Film „Thunderball“ war.

Fast alle tropischen Fischarten, die es gibt, sind in und um die Höhle rum vertreten, ein buntes Fischspektakel. Da wir nicht genug von der artenreichen Unterwasserwelt bekommen konnten, sind wir zusätzlich um das ganze Inselchen herum geschnorchelt. Den Anblick der farbenprächtigen Korallen und Fische werden wir wohl nie vergessen.
Nach einem Sundowner Drink auf der Relax ging ein ereignisreicher und einzigartiger Tag mit einem farbenprächtigen Sonnenuntergang zu Ende, bei dem der windstille Ozean mit dem Himmel zu verschmelzen schien.

Am nächsten Morgen gab es dann das negativ Kontrastprogramm, der Wasssermacher versagte seinen Dienst und war trotz systematischer Fehlersuche und viel gutem Willen nicht mehr zum Leben bzw. zum Arbeiten zu bewegen. Ein kleiner Schock für uns, den der Wassermachermacher beschert einen wichtigen Teil der Autonomie, die wir am Ankerplatz benötigen.

Einen Tag später bestätigt sich unser Verdacht zur Ursache. Die Kohlebürsten des Elektromotors des Wassermachers sind komplett abgenutzt, zudem ist das Innere des Motors korrodiert. Bei unserer Entsalzungsanlage handelt es sich um ein Modell mit zwei Motoren, Dessalator Duo 100″ es gibt einen 24-Volt-Motor, der nun kaputt ist und einen 220-Volt-Motor. Wes hatte dann den rettenden Gedanken, den 220-Volt-Motor vom Landstromanschluss ab- und an den 220-Volt-Spannungswandler anzukoppeln. Eine Stunde später war das schlafraubende Problem gelöst.

Agathe, abgeschwächt, bevor sie zu Alex wurde

Ein anderes Problem zu dieser Zeit war der nahende Tropensturm, der sich auf der Pazifikseite bei Mexiko gebildet, sich dann zu einem Kategorie 2-Hurrikan entwickelt hat; der nun über Yukatan in Richtung Florida/Atlantik zu ziehen drohte. Zunächst war die Entwicklung positiv in unserem Sinne, denn der Hurrikan schwächte sich zu einer tropischen Depression ab. Leider war damit das Thema noch nicht vom Tisch, da sich das Wettergebilde nicht komplett auflöste, sondern sich im Nachgang nochmals intensivierte. Aus dem ehemaligen pazifischen Hurrikan Agathe wurde nun ein atlantischer Tropensturm Alex mit einer möglichen Zugbahn zu den Bahamas. Unsere inneren Alarmglocken schrillten im Endlosmodus.

Wir überdachten mit Wes und Roisin unsere Fluchtmöglichkeiten, die schützenden Buchten in der Nähe, oder die sicheren Häfen in der Umgebung. Am Ende entschieden wir uns für die Yachthaven Marina in Nassau, die uns für die zu erwartenden Windrichtungen und vorhergesagten Sturmböen als am geeignetsten erschien.

Am letzten Freitag haben wir in dem Yachthafen festgemacht. Nassau selbst hat uns nicht so gut gefallen, zu krass sind die Unterschiede zwischen dem zur Schau gestellten Reichtum einiger und der Armut eines nicht unerheblichen Teils der Bevölkerung. Der Plastikmüll im Hafenbecken und die täglich laufenden und ungekapselten Generatoren der umliegen Fischerboote verstärkten nur noch den negativen Eindruck von Nassau. Den eigentlich Zweck jedoch erfüllte der Yachthafen, er bot uns den erwarteten Schutz vor den starken Windböen, und die abendliche Kneipentour brachte ein wenig Abwechslung ins stürmisch-regennasse Bordleben. Tropensturm Alex hat zu zahlreichen sintflutartigen Regenfällen mit Überflutungen in Kuba, den Bahamas einschließlich Nassau und in Florida geführt.

Endlich wieder unter Segel

Gestern haben wir die Leinen losgeworfen, uns von Ralf und Carmen verabschiedet. Unsere Reise geht nach ein paar Tage derZwangspause endlich weiter.
Unser nächstes Ziel ist Abaco, ca. 80 Seemeilen nördlich von uns, der Wind ist schwach, der Dieselmotor tuckert im Gleichtakt, trotzdem – endlich wieder auf See.

– – –

Abschließend noch ein paar kleinere technische Reparaturdetails:

1. Der Hydraulikanschluss vom Hydrogenerator war von der Sonne marode und wurde ausgetauscht.

2. Einige Haltepunkte des Cockpit-Zeltes wurden erneuert.

3. Die werftseitig nicht angeschlossene Kühlschrankentwässerung, die immer wieder für einen feuchten Fußboden sorgte, ist jetzt provisorisch angeschlossen.

4. Die Heizung leckte – aus welchem Grund auch immer – am Wärmetauscher im Salon, da haben wir den ½-Zoll-Plastikverbinder gegen einen ½-Zoll-Metallverbinder getauscht.

5. Ein Gasbrenner von unserem Kocher russte und brannte schlecht. Die Gasdüse wurde ausgeschraubt, gereinigt, Russ und Dreckpartikel ausgesaugt, jetzt brennt er wieder, wie  er soll.

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Cruising the Exumas

Montag, 30. Mai 2022; Georgetown Exuma 08:55 – Staniel Cays 15:40, 67 sm, Baro 1013, bedeckt, leichte Schauer, Wind zuerst um 13, später um 18 Knoten

Mit an Bord sind Roisin und Wes, die nun bis in die Chesapeake Bay mit uns segeln werden.Um 08.00 Uhr, als wir eigentlich losfahren wollten, schüttet es, und es gewittert mal wieder über uns. Aber eine halbe Stunde später hört der Regen langsam auf,  wir machen uns auf den Weg Richtung Staniel Cay, wo wir am Abend die Relax mit Carmen und Ralph von der Relax treffen wollen.

Schnell genug!

Kurz nachdem wir aus der Ausfahrt von der Lagune sind, setzt Volker mit Wes die Segel, aber nach einer Weile ist das meinem Käpt’n zu langsam, der Code D wird rausgeholt und gesetzt. Diesmal habe ich Glück, heute ist Wes bei uns, da muss ich nicht mit arbeiten und wieder überlegen, welche Leinen wie durch welche Augen müssen. Der Gennaker gibt uns viel mehr Speed; wenn die Geschwindigkeitsanzeige zweistellig ist, ist der Skipper zufrieden.

Der Code D steht

Um den Batteriestatus zu verbessern – denn bei dem bedeckten Himmel können die Solarpaneele nur wenig Strom liefern – bringt Volker den Watt&Sea am Heck an, vorschriftsmäßig (Bedingung der Capitania) mit Schwimmweste und eingepickt. Dieser Wellengenerator liefert Strom aus der Fahrt durch das Wasser, während wir segeln.

Währenddessen frischt der Wind weiter auf, über 18 Knoten sind nicht gut für den Code D, er muss weg. Der Windeinfallswinkel wird auch immer besser, jetzt fährt die Hexe weiterhin mit deutlich über 10-11 Knoten. Natürlich wird der Wind anschließend ein bisschen weniger, und es gibt die Überlegung, wieder den Gennaker zu setzen, so geht das auf einem sportlichen Segelboot mit zwei Kapitänen. Zuerst aber wird das Großsegel ausgerefft, das gibt schon mal ein bisschen mehr Geschwindigkeit, und tatsächlich steht um 15 Uhr der Code D wieder. Dem Katamaran Relax mit Carmen und Ralph, die eine Stunde vor uns gestartet sind, rücken wir immer weiter auf die Pelle, da sie sich hier auskennen, lasse ich mich gerne anleiten, welche Einfahrt durch durch die Inselkette die beste ist, und wohin wir dann zum Ankern gehen. Von dort aus wollen wir zu dem Schweinestrand fahren, an dem man mit den auf der Insel heimischen Schweinen schwimmen kann, und Carmen von der Relax will uns beim Schnorcheln den Fischreichtum in der Thunderball-Grotte zeigen, in der Szenen des James-Bond-Films „Thunderball“ gedreht wurden. 

Der Skipper und die Capitania auf dem Weg zu neuen Begegnungen

Die Zeit in der Lagune vor Georgetown war angefüllt mit einer unglaublichen Menge schöner Begegnungen. Angefangen hatte es ja mit dem Pottluck (wir berichteten im letzten Beitrag), dann gab es jeden Morgen im Funk auf Kanal 72 die Ankündigungen weiterer Aktivitäten. An einem Nachmittag sind wir zufällig in eine größere Seglerrunde am Beach gekommen, und erst mit dem Angriff der Mücken zum Boot zurück gefahren. Abends waren wir fast immer mit neuen Freunden und Bekannten zusammen, ob bei uns oder auf anderen Booten, es war immer was los. Wir haben Familien mit Kindern kennengelernt, wie die kleine Pia, die wir ins Herz geschlossen haben, und die musikalischen Töchter des Ballet-tanzenden Ehepaares. Auch drei allein segelnde Männer, außerdem mit ihrem Booten Mareike von der Moana, die seit vielen Jahren mit Gästen Charter fährt und die Bahamas wie ihre berühmte Westentasche kennt. Es gab viele Paare, die meisten sind schon länger unterwegs. Einige werden nach Süden fahren zum „Übersommern“, die anderen wollen nach Amerika, so wie wir. Klar, dass es tränenreiche Abschiedsszenen gab.

Nun sind Roisin und Wes, unsere Freunde aus Lanzarote bei uns, sie werden mit nach Amerika und in die Chesapeake Bay fahren. Wir sind auf dem Weg nach Norden, mit ein paar touristischen Stopps bis an der Ostküste der USA.

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Potluck auf dem Wasser

Montag, 23. Mai 2022

Cape Santa Maria, Calabash 09:00 – Sand dollar bay 14:00, Baro 1017, Sonne/Wolken-Mix, warm, Wind 15-20 Knoten, die See um 1 m

Was für eine Farbe morgens um halb sieben!

Noch einmal ein kurzer Sprung ins unglaublich türkise Wasser der ruhigen Bucht am Cape Santa Maria, dann geht es nur mit Vorsegel  Kurs 249° nach Georgetown auf Exuma.

Abschiedsdrink

Gestern Abend hatten wir wieder einen sehr geselligen Abend an der Bar des Cape Sant Maria Ressorts, mit Jeff und Nicole aus Washington, und Petra und Marco Medici (!) aus Tennessee, die aber eigentlich aus Düsseldorf und Modena stammen. Beide Paare haben uns eingeladen, sie zu besuchen, wenn wir die Staaten bereisen werden.

Es sind nur 25 sm bis Georgetown und es ist genug Wind, sodass wir gemütlich nur mit der Genua segeln und immer noch schnell genug sind. Wir frühstücken in Ruhe, erledigen Post und Banken, alles gemütlich bei 17-18 Knoten Wind auf einem angenehmen Raumschotkurs.

Die Einfahrt ist nicht trivial

Ab der Einfahrt in die Lagune allerdings sind wir wieder sehr wachsam, gibt es doch eine ganze Reihe kleiner Riffe und Untiefen, die nicht betonnt sind, aber nicht ungefährlich für Bootsfahrer. Die vorher ausgesuchte Ankerbucht gefällt uns nicht so sehr, weil sie doch dem Wind ganz schön ausgesetzt ist.

Hier ist ein kleines Video von der Einfahrt in die Lagune, einfach anklicken!

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Wir sind ja früh, deshalb fahren wir alle möglichen Ankerplätze in der großen Bucht vor Georgetown ab, und entscheiden uns am Ende für die Monument Bay, so benannt nach einer Bake für die Seefahrt, die 100 m über der Bucht steht. Hier sind die Wellen deutlich angenehmer, und wir sind immer noch nah dran an der kleinen Stadt.

Die Beiboote werden miteinander vertäut

Wir freuen uns auch schon darauf, Mareike Guhr wiederzusehen, die hier mit Gästen Charter fährt. Von ihr haben wir erfahren, dass die Seglergemeinde sich um 16 Uhr zum Potluck  trifft, an der Sandbank vor dem “Peace and Plenty Beach Club“. Dorthin kommen alle, die mögen und es wissen mit ihren Beibooten, diese werden dann aneinander gebunden, und der ganze Pulk lässt sich durch die Bucht treiben.

Für uns ist bis 16 Uhr nicht mehr viel Zeit, wir packen ein paar kalte Bier ein und ein bisschen Knabberzeug, und ab ins Beiboot. Die ersten Boote sind schon da, auch Mareike, und nun kommen mit uns noch weitere. Man begrüßt sich, stellt sich vor, und wenn das alles so schnell geht, und es so viele neue Gesichter sind, kann man sich – zumindest ich – die vielen Namen gar nicht merken. Auf einem Nachbarboot war Alex, und auf einem anderen Dirk aus Deutschland, es gab irgendwo noch Dean und Jeff, meine ich, aber die kann ich schon nicht mehr zuordnen.

Das Essen wird von Boot zu Boot gereicht.

So und jetzt erfahren wir, was Potluck hier bedeutet: Jedes Beiboot hat ein selbst gekochtes Gericht mitgebracht, sie haben Teller und Besteck dabei, und dann werden die Töpfe oder die Tupperschüsseln weitergereicht. Auf soviel Luxus waren wir nicht vorbereitet, wir dachten eher so an Kekse oder Salzstangen, aber das hier ist wirklich eine schöne Idee. Es mit Beibooten auf dem Wasser zu veranstalten, hat den Effekt, dass es die um diese Uhrzeit an den Stränden zahlreich auftauchenden Stechmücken selten so weit aufs Wasser schaffen. Wobei es leider auf der Hexe einige von den Viechern gibt, sodass wir alles mit Mückennetzen sorgsam verschließen, und abends so wenig wie möglich Licht anschalten.

Blick von der kleinen Bar

Morgens um acht Uhr gibt es eine  Funkrunde auf VHF-Kanal 72, daran nehmen wir gerne teil, dann wissen wir auch mehr über die nächsten Aktivitäten. Nach einer kurzen Spritztour durch die Lagunen auf der Georgetown vorgelagerten Insel sind wir mit dem Sonnenuntergang zum Boot zurück, den Kopf gefüllt mit vielen neuen Geschichten.

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Clarence und Long Island – Liebe auf den zweiten Blick

So begrüßt uns die Insel

Eigentlich hatte ich ja angekündigt, von den Schwierigkeiten bei der Einklarierung auf den Bahamas zu schreiben, aber angesichts der schönen Erfahrungen in den letzten Tagen sind die Erinnerungen an die Mühen und den Frust verblasst. Denn trotz des nervigen Papierkrams und dem damit verbundenen Amtsschimmel waren wir überrascht von der Hilfsbereitschaft und der Freundlichkeit aller Menschen, die wir getroffen haben.

Erikas Bakery

Die Madam von dem Marina-Office hat uns schon per Funk detailliert über den Einklarierungsprozess unterrichtet, ein Taxi bestellt, das uns zur „Klinik“ fahren würde, um den verlangten Covidtest zu machen, und auf der Rückfahrt an dem Laden halten, wo wir uns eine Simkarte kaufen könnten, damit wir auch wieder online sein können und uns nicht so analog hier bewegen sollen, dass wir sogar zu der Marina laufen mussten! Das Mädel bei dem Mobilfunk-Anbieter war ebenfalls ausgesprochen hilfreich, hat die Karte für uns in das Modem eingelegt, sie aktiviert, die App zur Steuerung auf mein Telefon geladen und uns alle Passwörter und Zugänge auf den Karton geschrieben.

Am Government Dock

Ein ganz großes Dankeschön geht an die Schwestern der Klinik, die uns mit Rat und vor allem mit Tat bei der online-Registrierung für die Gesundheitsbehörde unterstützt haben, denn ohne gibt es kein Testergebnis. Die Registrierung hierfür kostet 25 $, der Test 20 $, pro Kopf, versteht sich, und das Cruising-Permit fürs Boot schlappe 300 $. Nachdem ich den halben, oder eher den ganzen Abend gebraucht habe, um alle Fragen zu beantworten, und alle nötigen Dokumente hochzuladen (leider zweimal, weil kurz vor Schluss das Netz aufgegeben hat), ging das am nächsten Morgen reibungslos. Die Lady vom Zoll kam, stempelte Pässe, stellte das Cruising-Permit aus, danach waren wir offiziell und die gelbe Quarantäneflagge konnte runter vom Mast.

Barry

Endlich einklariert haben wir die Gegend erkundet, sind mit dem Dinghy zum Riff gefahren und zur gegenüberliegenden Sandinsel mit wunderschönen Muscheln und Korallen.

Fächerkoralle

Das Wasser ist von sensationeller Farbe, je nach Untergrund, türkis oder blau, die Bucht groß und nicht voll, meist waren es drei Boote, die dort geankert haben. Unter unserem Boot wohnt seit unserer Ankunft Barry, the Barracuda, manchmal fütterten wir ihn mit Fleischabfällen, Speck mochte er nicht. Wir schwimmen nur mit Maske, um ihn immer im Blick zu haben, er verfolgt jede Bewegung mit seinen großen Augen, und manchmal zeigt er die Zähne und schüttelt den Kopf, aber er kommt nicht näher, und wenn Volker auf in zu schwimmt, geht er weg.

Vor der Kneipe

Außerdem haben wir im lokalen Laden eingekauft, und abends ein Bier in der hiesigen Kneipe getrunken. Die war allerdings ein wahres Highlight! Die freundliche Taxifahrerin hatte uns auf Nachfrage von Volker (!) gezeigt, wo das lokale Pub ist, und am ersten freien Abend haben wir uns mit dem Beiboot aufgemacht, und sind die paar Schritte bis dorthin gelaufen.

Auf einer Terrasse saßen oder standen ein paar Männer mit Bierflaschen, in dem angrenzden Raum gibt es eine Theke und einen großen Kühlschrank und einen freundlichen Wirt, der auch gerne mit seinen Gästen auf der Terrasse weilt.

Man sitzt dort auf Biergartenganituren, ausrangierten Autositzbänken und wir trinken – natürlich – das lokale Bier: Kalik. Die umstehenden Männer kommen, zumeist in Arbeitskleidung, sozusagen zum After-Work-Bier. Sie sind Handwerker, Maurer, arbeiten bei der Power Plant, ein pensionierter Kapitän der lokalen Frachtschifffahrt ist auch dabei.

Unglaubliche Farben

Und alle sind so nett zu uns! Geduldig beantworten sie alle Fragen zu ihrer Insel, manchmal allerdings brauchen wir einen der Herren als Übersetzer, sie haben einen unglaublichen Dialekt hier, so wie bei uns echtes Platt oder tiefstes Oberbayrisch. Neben der Straße gehen Hühnerfamilien spazieren, bei Einbruch der Dunkelheit fliegen sie in die Bäume, wilde Ziegen finden einen Eingang zu den gepflegten Vorgärten und rauben die Blumen, eine Herde Schafe schickt ein paar „Mäh’s“ herüber.

Flügellahmer Flamingo

Zu einem weiteren Highlight fährt uns unser Dolmetscher mit seinem Auto. An einem kleinen Binnensee, ca. zwei Kilometer entfernt, wohnen Flamingos in einer großen Herde, als wir kommen, fliegen sie – bestimmt extra für uns – in großem Bogen über den See. Nur ein flügellahmer leuchtendoranger Vogel kann nicht mit, unser Fremdenführer sagt, der könne nicht mehr fliegen, und wäre leider immer allein.

Donnerstags kommt das Versorgungsschiff

Im örtlichen Laden gab es bedauerlicherweise keine Eier mehr für uns, aber der Wirt weiß sofort Abhilfe: Morgen früh um neun sollen wir zum Bootssteiger kommen, da hat er zwölf frische Eier von der Insel für uns, Volker kann noch drei reife Mangos für 5 $ erstehen, und lecker süße reife Bananen bekommen wir geschenkt.

Die Schönheit offenbart sich erst auf den zweiten Blick

Auch wenn uns die Insel auf den ersten Blick wenig attraktiv erschien, hat sie uns doch ihren versteckten Charme gezeigt, und uns den Abschied schwer gemacht. Nun segeln wir bei wenig Wind mit Gennaker nach Norden, dort wollen wir eine Nacht ankern, dann sind es nur noch 26 Meilen bis Georgetown, der Hauptstadt der Exumas.

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Long Island

Ankunft am Government Dock, zum Einklarieren

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Auf zu den Bahamas! Tag 2

17. Mai 2022, auf See
Baro 1012, wolkig, Wind in der Nacht SO um 5, morgens NNW um 2
Nach dem Abendessen bleibt der Wind SO, aber glücklicherweise stärker als die vorhergesagten sechs Knoten. Wir segeln durch die Nacht mit wechselnden Schlafphasen, fast auf Kurs zu der Nordspitze von Acklins Island, wo wir eigentlich ankern wollten. Da aber der Wind so schön durchhält, nutzen wir das aus und fahren weiter.
02:00 Uhr: Der Skipper halst nördlich der Insel, damit wir es ausnutzen können, in Lee des Landes zu sein, und der Seegang ruhiger wird. Unmittelbar danach geht die Welt unter! Es gießt so, als hätte ein zorniger Wolkengott über uns den Stöpsel seiner enorm großen Badewanne gezogen, und dazu noch Feuerwerk gemacht. Nun aber schnell das Cockpitzelt zumachen, alle Fenster kontrollieren, danach braucht der Skipper trockene Anziehsachen. Rund um uns herum sehen wir die Zellen mit Starkregen und Gewittern, es blitzt aus allen Richtungen, das dauert sicher eine Stunde mit Böen bis 22 Knoten.
04:30 Uhr: Wachwechsel, aber kaum liegt Volker im Bett, sehe ich auf dem Radar neue große Regenzellen auftauchen, das bedeutet hier immer auch Starkwind und manchmal eben Gewitter. Also muss der Skipper noch einmal hoch kommen, wirbeobachten wir die Entwicklung. Auch diesmal kommt wieder viel Regen aus den Wolken über uns, und ein paar Blitze erleuchten den Himmel, aber es scheint nicht ganz so sintflutähnlich zu werden.
06:30 Uhr: Und plötzlich ist der Wind weg! Außerdem kommt er zunächst von vorne, dann von Backbord, dann von Steuerbord, jetzt muss der Motor mitschieben. Volker sieht voraus dunkle Wellen, wir reffen das Großsegel, die Genua ist sowieso weggedreht, wenn wir motoren.
Ab 07:00 ist das Meer flach, wird haben drei Knoten Wind, langsam lösen sich die dunklen Wolken auf, der neue Tag kann beginnen. Oben an Acklins sind tatsächlich ein paar Segler, vor allem Katamarane, unterwegs, allerdings in die andere Richtung.
Die Inseln hier sind alle flach. An den Anblick muss man sich erst gewöhnen, fast alle Karibik-Inseln sind aus vulkanischem Gestein entstanden, Turks and Caicos sowie die Bahamas sind Koralleninseln, die höchsten Erhebungen meist nicht mehr als 100 Meter hoch. Und somit von See aus erst viel später zu sehen.
Der Tag ist schrecklich grau, von dem einen Horizont bis zum anderen. Volker sagt enttäuscht: „Da bekommen wir das Permit aber für den halben Preis!“ Ein Permit zum Reisen mit dem eigenen Boot muss man kaufen beim Eindeklarieren, hier soll es 300 $ kosten, bei dem Preis kann man ja wohl gutes Wetter für erwarten.
Noch 19 sm bis Clarence.
Im Endeffekt sind wir gut in der großzügigen Ankerbucht angekommen, mit uns ankern noch ganze vier Yachten, wir haben einen schönen Platz gefunden. Volkers Kommentar beim Einfahren: „Na, hier steppt ja der Bär!“ Und dann hat er mit mir gewettet, dass es nicht ein einziges Restaurant (oder Pub) in Laufnähe gibt. Prinzipiell hat er – leider – gewonnen, aber eine kleine Kneipe gibt es doch, vielleicht tröstet sie uns morgen.
Morgen gibt es auch schöne Bilder dazu und die Gescichte des Einklarierens. Der Deutsche Amtsschimmel ist eine Mücke dagegen!
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Auf zu den Bahamas! Tag 1

16. Mai 2022, 07:30 Uhr
Baro 1011, sonnig, Wind SO um 5, See (noch) flach

Nach einem rauschenden Abschiedsabend mit wieder neuen Freunden (Dirk aus dem Erzgebirge, Mackensie und Roman aus Californien, die beiden haben gerade von Dirk das Boot gekauft), machen wir doch erstaunlich früh die Leinen los. Am Hafen verabschieden uns noch andere neue Freunde, Tom, Claude und Bosch von der „Eridu“, sie kommen von der Ostküste der USA.
Noch bevor wir aus dem Hafen sind, will Volker alle Fender oben haben, damit sie nicht nass verstaut werden müssen, die Leinen kommen ins Cockpit, dann fahren wir langsam unter Motor raus. In der Hafeneinfahrt steht – wie erwartet – eine unangenehme Welle, danach wird es schnell besser, das Großsegel kommt hoch im 1. Reff, und ebenso wird die Genua ausgerollt. Wir haben 17-22 Knoten Wind, das ist deutlich mehr als in der Vorhersage, vielleicht hält der Wind dann auch durch und flaut nicht so ab wie von den Wetterfröschen angekündigt.
Zehn Meilen vor der Ausfahrt aus der Lagune refft Volker die Genua ganz aus, nur die Wellen werden höher und ganz konfus.
Um 10:15 höre ich auf Kanal 16 Provo Radio die Sailing Vessel Hexe rufen, ich bitte Volker ans Mikro, weil ich mir nicht sicher bin, was ich jetzt sagen soll, doof! Nachdem wir auf Kanal 74 gegangen sind, möchte die Coastgard nur wissen, ob wir das Land verlassen, wünscht eine gute Fahrt und bleibt Standby auf Kanal 16, falls wir irgendwelche Hilfe brauchen sollten.
10:45 Volker brät Schnitzel zum Frühstück und isst ein gut belegtes Sandwich mit den teuersten Paprika unseres bisherigen Lebens, fast 10 Dollar haben wir im Supermarkt dafür bezahlt! Schnitzel am Morgen ist mir doch ein bisschen zu dolle, ich bleibe erstmal bei meinem Cappuccino und einem Apfel.
Es ist ziemlich rollig auf der freien See, mit unserem „Fast-Vorwind-Kurs“ und den seitlichen Wellen wackelt selbst die Hexe deutlich. Es sind hundert Meilen bis zu Acklin Island, wo wir vielleicht die Nacht verbringen wollen, d.h. den späteren Teil der Nacht, denn so werden wir deutlich nach Mitternacht ankommen. Sollte der Wind durchhalten, könnten wir uns auch vorstellen, die restlichen 120 Meilen bis Clarence auf Long Island durchzufahren.
16:45 Das Großsegel wird ausgerefft, und schon mal die Gennaker-Schoten gelegt. Aber noch sind die Böen zu stark, doch der Wind soll ja nachlassen.
17:00 Gehalst, neuer Kurs ist 330°, das wäre der Kurs zum oberen Ende von Acklin Island, während wir bisher das südliche Ende angesteuert haben. Der Weg zu beiden Ecken ist ungefähr gleich weit, angeblich soll im nördlicheren Teil ein bisschen mehr Wind sein, wenn nachher die angekündigte Flaute kommt. An beiden Ecken sind gute Ankerplätze, mal sehen, wo wir landen werden.
Insgesamt ist die See jetzt schon deutlich ruhiger, das macht des Seglers Leben leichter. Wir planen die nächsten Abschnitte in den Bahamas, viel Zeit bleibt uns leider nicht, denn irgendwann müssen wir ja nach Amerika, und das Boot in die Chesapeake Bay bringen, bevor wir nach Deutschland fliegen.
Zum Abendessen gibt es von Volker gestern schon vorgekochte Hähnchenschenkel in leckerer Soße mit Reis und Brokkoli, langsam wird es dunkel. Leider ist es dicht bewölkt, sodass wir nicht so viel von dem schönen Vollmond sehen werden, der uns gestern Nacht mit einer partiellen Mondfinsternis überrascht hat. Es sah großartig aus, weil ein sternenklarer Himmel das Licht des Mondes in einem satten Gelb erscheinen ließ, und sich plötzlich ein Schatten davor schob. Heute morgen habe ich gelesen, dass in Europa eine totale Mondfinsternis war. So ist der Himmel überall ein bisschen anders, hier sehen wir andere Sternbiilder, und der Sichelmond liegt auf dem Rücken oder auf dem Bauch, aber er ist niemals aufrecht wie Deutschland.
So fahren wir in die Nacht, wechseln uns mit den Wachen ab, bei dem Vorwindkurs muss man ständig den Windeinfallswinkel im Auge behalten und kurzfristig reagieren. Wir können das Ipad mit unserer Navigation verbinden, und so müsste niemand am Navitisch sitzen, sondern man könnte sich gemütlich aufs Sofa setzen. Aber leider ist mit dem letzten Update von Raymarine die Funktion weggefallen, dass man den Autopilot auch vom Ipad verändern kann. Aus Sicherheitsgründen, schade!

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