Zurück in LGM

Cornelias persönliches LGM-Wahrzeichen

44 Seemeilen in fünf Stunden, von Carro bis zur Espiguette, dem Kardinalzeichen, das den südöstlichen Eingang zur Bucht von LGM, bzw nach Port Camarque, der Baie des Aigues Mortes markiert. Das war Flachwassersegeln vom Feinsten, bei ablandigem Wind, mal mit gerefften Segeln, mal unter Vollzeug, bei prallem Sonnenschein und herbstlich kühleren Temperaturen. Am frühen Nachmittag machen wir vor der Capitainerie für eine Nacht fest. Es herrscht ein Treiben auf dem Wasser, vor der Hafeneinfahrt, im Hafen selbst wie zur Hochzeit im Sommer, später erfahren wir, dass in Frankreich die Herbstferien begonnen haben.

Es ist viel los auf dem Wasser und an Land, alle Restaurants und Bars sind gut bevölkert, berichtet Cornelia nach ihrem Mittagsspaziergang mit Samy. Unser vierbeiniger Freund hat uns in der frühmorgendlichen Dämmerung ganz schön geschockt. Normal ist Samy ja der bravste und ausgeglichenste Hund, den man sich so vorstellen kann, doch an diesem Sonntagmorgen lief irgendwas in seinem Hundehirn nicht ganz rund. Unmittelbar nachdem der Anker oben war, haben wir, etwas unorthodox, auf einem Amwindkurs mit gefierter Großschot das Großsegel gesetzt. Da kam gleich ein bisschen Druck ins Segel, deswegen musste die Elektrowinsch mehr arbeiten und das Großfall hat heftig geknarzt.

Anschließend ist der Hund völlig erschöpft eingeschlafen

Ein unangenehmes Geräusch, das den Hund irgendwie in Unruhe versetzt hat, ohne dass wir es bemerkt hätten. Ich schaue irgendwann nach hinten und da steht Samy, bei über 10 Knoten Fahrt auf dem hintersten Ende der Backbordbadeplattform. Ich glaubte meinen Augen kaum und hab ihn schnellstens von dort eingesammelt, während das Schiff weiter voranstürmt. (Er ist sicher auf die Badeplattform gegangen, weil wir von dort aus immer ins Beiboot steigen, er wollte desertieren, nur dass da kein Beiboot mehr war!) Da gab es erstmal ein paar Streicheleinheiten für den Hund und ein Leckerli zur Beruhigung dazu. Nochmal alles gut gegangen! Was lernen wir daraus? Bei den nächsten Segelmanövern wird Samy im Cockpit angeleint, das brauchen wir nicht mehr!

Sonnenaufgang unter Segeln

So, noch ein kleines Fazit, nach über sechs Wochen segeln. Weitere 815 Seemeilen liegen in unserem Kielwasser, mit der Outremer zu segeln macht richtig viel Spaß, zumal wenn nix neues kaputt geht, Elba ist wunderschön und im Herbst gibt es im Mittelmeer doch an vielen Tagen Wind, um mit Segeln unterwegs zu sein, aber ohne Dieselmotorstunden geht es dann eben doch nicht. Wir hatten eine richtig gute Zeit…

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Wir sind bei Euch

Wo seid Ihr?

Unsere Gedanken gehen heute raus auf den Atlantik zu Petra, die bereits vorgestern als Crew auf der Magic Star, einer Jeanneau 53 von Barbate/Spanien nach Madeira unterwegs ist, und zu Ralf und Inge-Lore, mit mit ihrer 36 Fuß langen Stahlsegelyacht “Malwieder” nach La Palma/Kanaren unterwegs sind, um von dort aus ihren Törn bis nach Neuseeland zu wagen.

Mit letzteren hatten wir vor einer Stunde eine gut-verständliche Unterhaltung über die Kurzwellenfrequenz 14.313 Kiloherz, fast 2000 Kilometer entfernt. Wir wünschen allen Dreien eine gute Überfahrt und trotz schwachem umlaufenden Wind viel Freude bei der atlantischen Segelreise.

Les Embiez

Wir sind gestern von Porquerolles aus nach Les Embiez aufgebrochen, zu der Insel, die den Erben von Paul Ricard gehört, und die uns bei früheren Besuchen schon ein bisschen an Herz gewachsen ist. Weil sich Hafenverwaltung stur angestellt hat und uns nur einen Liegeplatz an der Mauer der schwelligen Hafeneinfahrt geben wollte, haben wir es vorgezogen  davor zu ankern. Nichts desto trotz sind wir gleich zu der rund sieben Kilometer langen lnselumwanderung aufgebrochen und haben uns an der Pflanzendiversität und den schönen Aussichten aufs Festland und die kleineren Nachbarinseln erfreut. Im Gegensatz zu Porquerolles mit dem üppigen Wald und hoch wachsenden Bäumen, besticht Les Embiez mit seinen überwiegend niedrig wachsenden aber oft immer noch blühenden Bodendeckern und Sträuchern.

Dornenkrone

Abends haben wir uns dann vor den Hafen von Le Brusc verholt, weil auf Les Embiez die alte Hafenkneipe im Umbau oder Abriss befindlich ist, wir wissen es nicht exakt. Nur zu ist zu und damit ist auf der Insel tote Hose. In Le Brusc steppt zwar nicht der Bär, aber es gibt ein angenehmes Hafenleben mit Kneipen und gut bewerteten Restaurants. Wir haben im Pinocchio ausgesprochen lecker zu Abend gegessen. Kaum zurück an Bord der Hexe haben wir die hell erleuchteten Masten des Segelkreuzfahrtschiffes “Sea Cloud,“ die nur eine halbe Meile entfernt von uns ankerte, erspäht. Was für ein herrlicher Anblick! Und heute morgen gab es einen kurzen Ausblick auf die drei Masten der (eigentlich hässlichen) Segelyacht „A“.

Ile Maire vor Marseille

Jetzt liegen wir nach einem wind- und ereignislosen Motortag auf See in der Bucht vor Carro vor Anker. Morgen sind es noch einmal 47 Seemeilen bis La Grande Motte. Gestern hat uns Outremer darüber in Kenntnis gesetzt, dass der vorgesehene Werfttermin zur Erneuerung des Antirutschbelags aus organisatorischen Gründen um 15 Tage nach hinten verschoben werden muss. Wir müssen trotzdem mit der Hexe nach LGM, zum einem, wegen des angekündigten schweren Mistralsturms ab Montag und weil wir rechtzeitig zu der Hochzeit von Allegra und Christian ab Ende Oktober in Deutschland sein wollen. Morgen geht es früh ankerauf, die Windvorhersage verspricht schon für den Nachmittag die ersten Windkapriolen.

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Und noch eine

Le Phare, der Leuchtturm

Die Gorges du Loup

Simpel gesagt, die Copy-und-Paste-Taste drücken und den gleichen Blogeintrag von vorgestern nochmal reinstellen, damit wäre zumindest wettermäßig alles wie schon mal beschrieben. Denn einer 12-stündigen windarmen Verschnaufpause folgt seit heute Mittag das zweite angekündigte Sturmtief, mit Windspitzen jenseits der 40 Knoten im Laufe der Nacht. In einer regenfreien Stunde sind wir gestern zum markanten Leuchtturm von Porquerolles geradelt und haben in den Gorges du Loup in faszinierende Abgründe geschaut.

Die Klatsche gegen das französische Fußballteam haben wir uns in einem netten Restaurant, dem Orangeraie, in geselliger Runde angeschaut. Doch nicht nur Fußballfans zog es in die Kneipe, sondern auch zahlreichenTeilnehmer eines Kinofestivals, das seinen Ursprung im fernen Kanada hat und sich, wie uns erzählt wurde, weltweit ausgebreitet hat. Für dieses Festival, das seinen Höhepunkt in der nächsten Woche hat, kommen Laien-und Profischauspieler von überall her und machen Filme. Aber nichts geplantes, streng nach Drehbuch sondern mehr nach Lust und Laune der Protagonisten wird improvisiert. Am Ende werden alle im Rahmen des Festivals auf Porquerolles entstandenen Filme vorgeführt. Cornelia, die ja früher viel mit Theater und Film zu tun hatte, war ganz fasziniert von dem Konzept, und wir redeten noch lange nach dem verloren gegangenen Fußballspiel mit zahlreichen  jungen Festivalteilnehmern. Sehr inspirierend.

Eigentlich wollten wir heute nach Les Embiez weiter schippern, aber beim morgendlichen Wettercheck entschieden wir uns ganz flott und einstimmig fürs Bleiben.

Die Moulin du Bonheur, die Mühle des Glücks

Cornelia und ich sind seit Elba begeisterte Stand-up-Paddler und nach einem gemeinsamen dreistündigen Poliereinsatz an der Hexe, sind wir, abwechselnd, durch das sehr weitläufige Hafenvorfeld von Porquerollen gesupt. Anschließend haben wir uns für einen längeren Fussmarsch zum Fort Agathe gerüstet, jedoch haben sich kurz danach unerwarteterweise unsere Wege getrennt. Auf Porquerolles gibt es ein Projekt der Kunststiftung Fondation Carmignac, die in einem wunderbaren Museum und einem weitläufigen Skulpturenpark bedeutende Werke zeigt. Da musste die Capitania natürlich hin, der Hund  durfte nicht mit rein, ich musste nicht unbedingt mit rein, Wir beide, Samy und ich, haben dann unsere geplante Wanderung fortgesetzt, während sich Cornelia an den dargebotenen Kunstwerken erfreut hat.

Miquel Barceló: Alycastre

Das Museum ist wirklich großartig, ein schöner moderner Bau, es gibt eine sehr gute Präsentation der Bilder, die Räume haben verschiedene Themen, aber bis auf den Botticelli, alles Moderne. Alle Großen der Pop-Art und der zeitgenössischen Kunst sind vertreten. Vor dem Gebäude steh diese Zwei-Mann-Große Skulptur, die auch das Etikett des Weinguts “Courtade”, von dem hier auf Porquerolles die richtig guten und teuren Weine stemmen. Nach dem Eingang (man muss die Schuhe ausziehen, und den Rucksack vor dem Bauch tragen), hängt ein riesiges Bild von Roy Lichtenstein, im Raum dahinter noch mindestens fünf weitere Malereien von ihm (u.a. „Crying Girl“). Es war eine wundervolle kleine Stunde für mich, man würde das einfach nicht vermuten, dass auf dieser Insel, die zum Nationalpark von Port Cros gehört, solche bedeutenden Werke hängen! Hier ein paar Bilder:

Roy Lichtenstein: Beach Scene with Starfish

Andy Warhol

ed Ruscha: The Study of Friction and Wear on Mating Surfaces

Gerhard Richter

Yves Klein

Sandro Botticelli: Madonna mit Kind

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Schutzhafen

Es heult, brummt und kreischt der Sturmwind in den Masten, Wanten und Stagen der umliegenden Yachten. Ein Gratis Hafenkonzert, wenn man so will, vom Hauptakteur des Tages. Die elektronische Nadel des  Windmesser zeigt oft über 30 Knoten an, einzelne Böen bringen es auf über 35 Knoten Wind.

Sonnenuntergang über dem Hafen

Gestern früh haben wir uns vom Ankerplatz in den Hafen von Porquerolles verholt. Die Wetterprognosen bis Mittwoch wurden immer ungünstiger und als sich dann zur Sturmvorhersage noch Starkregen dazu gesellte, war die Entscheidung schnell gefallen. Wir können es gut und gerne ein paar Tage ohne Landgang auf dem Schiff aushalten, für Samy sieht das anders aus, der will  natürlich dreimal am Tag an Land geführt werden, wenn es denn da ist. Aber letztendlich ist es auch für uns bei schlechtem Wetter viel komfortabler, im sicheren Hafen zu liegen, ohne aktivierten nächtlichen Ankeralarm seelenruhig durchschlafen zu können.

Der supernette Hafenchef von Porquerolles hat uns einen bestens geschützten Längseitsliegeplatz im Hafen zugewiesen, mit Klampen auf dem Steg, die auch ein 100 Tonnen schweres Schiff im ärgsten Sturm sicher halten würden. Gestern, einmal im Hafen angekommen, ging es gleich an die Arbeit, denn durch die “Urlaubsegelei” der letzten Woche gab es einen zum Teil sichtbaren Unterhaltsrückstau an Bord. Rostanflug bedeckte so manches Edelstahl, die eine oder andere Gelcoatfläche schimmert nur noch matt und das Schiffsinnere musste mal gründlich entstaubt werden.

Hier ging es noch gerade

Am späten Nachmittag war schon viel getan und wir holten seit langem mal wieder die Fahrräder aus der vorderen Backskiste heraus. Porquerolles ist ein Eldorado für Fahrradfahrer, im Ortskern gibt es daher gut und gerne zehn Fahrradverleiher. Wir haben unsere Räder zum Glück dabei, die erste Fahrradtour führte uns raus aus dem Ortskern, am Weingut Perzinsky vorbei,  durch mediterrane Kiefernwälder und die edle Hotelanlage des Mas de Langoustier, bis wir schließlich nach 30-minütiger Fahrt in der schönen Bucht Anse du Parfait angekommen sind.

La baie des langoustiers

Auf der anderen Seite der schmalen Landzunge liegt die Bucht Baie du Langoustier, wo wir vor über drei Jahren schon it unserer alten Hexe geankert haben. Für die Rückfahrt haben wir dann einen küstennäheren Weg gewählt und den ein oder anderen hübschen Ankerspot entdeckt, das war ganz schön anstrengend, auf klapprigen Wegen die Hügel hoch, und naja, auch wieder schön runter zu fahren.

La calanque du Maure, super geschützt bei Ostwind

Nach eineinhalb Stunden haben wir Samy vom Alleinsein erlöst, uns die Boulekugeln geschnappt und mitten auf dem Dorfplatz, heute ganz allein, ein paar schöne Runden gespielt. Danach gab es noch einen Sundowner mit Appetizer „Panisse“ (eine Spezialität aus Marseille, in Nizza heißt sie Socca), aus Kicherbsenmehl, frittiert, mit einem leichten Tomatencoulis, sehr lecker. An Bord gab es Abendessen mit anschließendem Schwarzweißfilm aus den sechziger Jahren, den Cornelia noch von früher kannte, „Die Gentlemen bitten zur Kasse”

Regentropfen, die an mein Fenster klopfen

Heute morgen gingen die Polierarbeiten weiter, bis der Regen einsetzte. Im Moment ist draußen alles grau in grau und außer den großen Fähren hat heute noch kein Schiff den sicheren Hafen von Porquerolles verlassen. Zum Hundespaziergang ziehen wir Ölzeug an…

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Race

Das Plakat

Als wir in Calvi waren, fand dort der zweite Tag einer Oldtimer-Rallye über Korsika statt. Wir haben am Nachmittag die Schrauber besucht, und am Abend mussten alle Autos zur Ausstellung kommen, am nächsten Morgen sind sie vom Hafen aus gestartet. Richtige Schätzchen waren dabei. Innen drin ist es furchtbar eng in den Wagen, und sie sind unglaublich laut Die Fahrer sind meist nicht ganz jung, und die Beifahrer bekommen dicke Kladden als Anweisungen. Auf den Autos stehen die Namen von Fahrer und Beifahrer, und deren Blutgruppen!

Wir haben sehr viele Fotos gemacht, die wir Euch nicht vorenthalten wollen:

 

 

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Die Überfahrt

Route nach Porquerolles

An La Revellata, dem Leuchtturm vor Calvi müssen wir noch vorbei, dann gehen wir auf Kurs 281° Richtung Porquerolles. Die See ist ruppig, die Wellenhöhe beträgt geschätzt zwei bis drei Meter, und die Hexe wird ganz schön durchgeschaukelt. Dafür sind wir schnell unterwegs und nachmittags soll der Wind ein bisschen abnehmen, Im Moment haben wir immer wieder mal über 20 Knoten, meist 18 – 19, und das Wasser spritzt hoch durch das Trampolin.

Die komplette Elektronik wird geladen

Volker hat, sehr vorausdenkend, gleich ein Reff ins Groß gebunden, auch die Genua ist um gute zwei Umdrehungen verkleinert. Auf der Luvseite sind ist das Cockpitzelt zugezogen und feste eingehängt, damit möglichst kein Wasser den Weg ins Boot findet.

Wir können den Navigationsbildschirm beständig anlassen, auch Computer, Ipad und Handys werden geladen, denn der Hydrogenerator sorgt dafür, dass wir genug Strom haben. Bei diesen Geschwindigkeiten lädt er viele Ampères in die Batterie. Wir schalten sogar den Solar-Lader aus, nur der Hydro soll laden, denn wenn die Batterien voll sind, macht er schrecklichen Lärm, und man muss ihn wieder aus dem Wasser holen. Bei den Wellen mache ich mir immer ein bisschen Sorgen, wenn Volker da hinten auf der Badeplattform herum turnt.

Die Motoryacht schlägt in die Wellen

Auf dem Bildschirm sieht man, wie nahe wir aneinander vorbei gefahren sind

Um 13:50 Uhr fährt eine 27 m lange Motoryacht, die „Magnum Force“ keine 200 Meter vor unserem Bug vorbei, sie fährt 355°, fast genau in die Wellen, und schlägt auch trotz ihrer Länge ganz schön auf. Hoffentlich haben die ihr Geschirr und die Gläser gut gesichert! Aber auch uns heben die seitlich anrollenden Wellen ganz schön an, sechs Grad nach Backbord, und dann wieder zurück, und wieder hin, das ist ein Geschaukel!

Nach 15:00 Uhr lässt der Wind ein bisschen nach, die Wellen sind nicht mehr ganz so hoch. Bald schütten wir das Reff aus dem Großsegel, und kurze Zeit später kommt der Code D zum Einsatz, damit wir auch weiterhin mit gut neun Knoten Fahrt dem französischen Festland entgegen kommen.

Mit Topfklammern gesichert steht der Gulasch auf dem Feuer

Volker kocht einen hervorragenden Gulasch und macht aus den alten Brotresten Semmelknödel, sehr fein, dazu gibt es frisches Sauerkraut, das wir gestern beim Super U gefunden haben. Leider lässt nach dem Essen und dem anschließenden Sundowner der Wind deutlich nach und kommt direkt von achtern, sodass wir den Code D wieder einrollen, und den Motor anwerfen.

Um 20:00 Uhr beginnt die Kinozeit, der Laptop steht mit Festplatte bereit, damit wir einen Film schauen können, ca. alle zehn Minuten halten wir ihn an, schauen draußen mit dem unter Seglern berühmten Rundumblick in die Gegend, außerdem läuft das Radar, durch die Motoren haben wir genügend Strom.

Der Sonnenuntergang verheißt für morgen schönes Wetter

Bei einem solchen Rundumblick stellt Volker fest, dass der Wind jetzt ausreicht, die Genua wird ausgerollt, der Motor ausgestellt, und viel leiser als vorher segeln wir durch die dunkle Nacht. Die schmale Mondsichel hat sich schon früh verabschiedet, aber der Sternenhimmel ist großartig. An Steuerbord sieht man den Lichtschein von Cannes und anderen Orten an der Côte d’Azur, an backbord kommen wir langsam einem Segler näher, der fast den gleichen Kurs fährt wie wir.

Nach dem Film wechseln wir uns mit der Wache ab, allerdings schickt Volker mich um Mitternacht ins Bett und verspricht, mich zu wecken. Zwei Meilen vor dem Wegepunkt außen vor Port Cros wache ich auf, ich habe anderthalb Stunden geschlafen und er hatte halt die ganze Zeit Wache.

Jetzt sollte ich dran sein, aber zwischen den Inseln wird der Wind weniger, ich dachte, das stehe ich durch, da kann der Skipper mal eine Stunde schlafen, aber Pustekuchen, der ist schon wieder wach und der Motor muss mitschieben. Drei Meilen vor der Nordspitze von Porquerolles rollen wir um 03:00 Uhr die Genua weg, jetzt schieben sogar beide Motoren. Noch gut fünf Meilen bis zum Ankerplatz.

Ankerplatz mit Hexe

Um 04:00 Uhr liegen wir am Ankerplatz, alles weggeräumt. Nach einer kurzen Nacht gehe ich um 08:30 mit Samy im Beiboot zum Land, hier ist noch richtig was los, Touristen ohne Ende und viele Boote, wunderbar im Sonnenschein.

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Der Wind kommt, wir gehen.

La Revellata, der Leuchtturm vor Calvi, und tschüss!

Pünktlich um 12 Uhr fing es an, in die Bucht von Calvi hinein zu wehen, wir gehen Ankerauf, Segel hoch und machen uns auf den Weg nach Porquerolles, auf jeden Fall an die französische Küste. Im Moment rollt die Hexe ganz schön in den Wellen, die See hat Schaumkrönchen, der Wind kommt aus guten 120° mit 16 – 18 Knoten, wir segeln beständig über neun Knoten schnell. Morgen nach der Ankunft gibt es dann ein Update, wo wir wann gelandet sind.

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Was eingebrockt

Noch ist Samy entspannt

Da hab ich mir was ausgedacht heute Morgen!

Wie immer habe ich, sobald die Augen aufgeschlagen und der Kopf aufnahmefähig ist, nach dem Wetterbericht geschaut. Und das sieht trübe aus für Capraia, ab heute Abend regnet es die ganze Zeit bis Freitag Vormittag. Ich schaue mal die anderen Möglichkeiten an, in St. Florent, Calvi, Cannes regnet es zwar auch, aber nicht ununterbrochen, sondern ab und zu. Also studiere ich sämtliche Windprognosen, Windfinder, Weathertrack und vor allem Predict Wind. Sie alle sagen südöstliche Winde voraus, die Windgeschwindigkeiten liegen zwischen 12 und 18 Knoten. Ich schlage Volker also vor, heute nach St. Florent zu fahren, mit schönem achterlichen Wind, noch ohne Regen und Gewitter, und dann dort im Hafen oder vor Anker den Donnerstag abzuwettern. Er ist zwar nicht begeistert, willigt aber ein.

Um zehn Uhr legen wir ab, im Hafen ist von Wind kaum etwas zu spüren, aber bereits draußen beim Segelsetzen frischt der Wind auf lockere 14 Knoten auf, und Volker bindet vorsorglich Reff 1 ins Großsegel. Das war eine gute Idee, denn kaum waren wir an der Nordspitze der Insel, wurden aus den 14 schnell 18 Knoten und mehr.

Böenwalze

Im Canal de Corse kommt es dann aber noch dicker. Fette Gewitterwolken hängen über dem Wasser, wir setzen Reff 2 ins Großsegel, ehe die Front kommt, die Genua ist verkleinert, ich sitze am Radar und beobachte die Geschwindigkeit der Gewitterzellen. Eine geht direkt über uns hinweg, und es schüttet wie aus Eimern. Man sieht die Böenwalze herankommen. Eine andere Gewitterzelle bleibt glücklicherweise hinter uns.

Die Spitzengeschwindigkeit betrug 13,8 Knoten!

Hinter Cap Corse hätten wir bei dem dort herrschenden Wind eine Kreuz von zwanzig Meilen bis St. Florent. Darauf hat aber keiner von uns Lust, am wenigsten wohl der Hund, der ist verschnupft, weil er nicht ins Trampolin zum Spielen darf. Und der Wind nimmt zu und zu, und die Wellen werden immer höher und kommen immer schneller, in der Spitze hatten wir über 31 Knoten Wind. Dann laufen wir doch lieber ab nach Calvi. Ich setze die Route neu auf, wundere mich ein bisschen, dass es 216° sind und nur noch 27 Meilen, aber das ist ja schön.

Das Wasser tobt

Die Wellen sind echt unangenehm, ich schließe alle Schubladen mit dem kleinen Verschlusskopf, das brauchen wir sonst nie, und die Schiebetür zum Eignerbereich macht sich hin und wieder selbständig. Die Orchidee steht an einem gesicherten Platz, der Outremer-Pokal ist umgelegt, und der Wassersprudler ist im Schapp versorgt.

Glücklicherweise habe ich routinemäßig nach dem Ablegen alle Fenster gecheckt, da war doch tatsächlich ein kleines Fenster in der Gästetoilette offen, das wäre sonst bitter gewesen, weil irgendwann das Salzwasser in die Bilge und in die Flure kommt, und man den ganzen Rumpf auswaschen muss…

Der Wind geht schlafen und Samy darf ins Netz

Fünf Meilen vor dem Ziel betrachten wir die Bucht, um zu überlegen, wo man da bei welchen Windrichtungen am besten ankert, als Volker plötzlich zu mir sagt: „Das ist die Bucht von Ile Rousse, nicht Calvi!“ Oh nein! Da habe ich die falsche Bucht als Ziel eingegeben, und mich noch gewundert, warum der Kurs nicht ganz stimmt, und die Entfernung kürzer ist! Wenn man schon Zweifel hat, muss man das überprüfen, oh je oh je!

Sofort setze ich den neuen Kurs auf Calvi ab, und siehe da, es sind genau die erwarteten 230°, nicht 216°, und es sind einfach gut zehn Meilen mehr. Tut mir jetzt sehr Leid für Samy, nächstes Mal hinterfrage ich es, wenn ein Wegepunkt nicht zu passen scheint.

Von Land aus sieht man die Hexe friedlich am Ankerplatz schwojen

Ab diesem Zeitpunkt ging auch der Wind schlafen und drehte auf genau von vorne, sodass wir motoren mussten. um 17:10 fiel der Anker vor Calvi, wir haben uns umgezogen, das Beiboot klargemacht, den Hund spazieren geführt. Er hat es uns (oder mir) nicht übel genommen. Danke Samy!

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Capraia

ist eine von sieben Hauptinseln, die das toskanische Archipel bilden, sie befinden sich genau gegenüber der toskanisch-italienischen Küste. Dazu gehören: Elba, die größte und bekannteste Insel des gesamten Archipels, daneben Giglio, die Insel, neben der Kapitän Schettino die Costa Concordia auf Grund gesetzt hat, Montechristo, wo die berühmte Geschichte des dazugehörigen Grafen von Daniel Defoe zu Papier gebracht wurde, Pianosa, die unter Naturschutz steht und von Seglern nur im Notfall angelaufen werden darf, Gorgona und Giannutri, die jeweils nur aus einer Gemeinde bestehen und  Capraia, die Ziegeninsel, auf der wir uns zur Zeit befinden. Daneben gibt es noch einige kleinere überwiegend unbewohnte Inseln. Das gesamte toskanische Archipel umfasst eine Fläche von ca. 60.000 Hektar, die Eilande werden auch die tyrrhenischen Inseln genannt. Dieser Name entspringt einer Legende, wonach die tyrrhenische Venus dem Meer entstieg und dabei ihren Perlenschmuck verlor, der dabei in Splitter zerbrach, diese Splitter wurden zu den heutigen Inseln. Soweit und so schön die Legende, Tatsache ist wohl, dass der kleine Fleck Capraia und die anderen Inseln auch in der Folge von Vulkaneruptionen vor ca. 1 – 3 Millionen Jahren entstanden sind.

Soweit zum Archipel allgemein, nun zu Capraia im Besonderen. Der Ankergrund vor der Hafeneinfahrt ist nahezu vollständig mit Seegras bewachsen, und unser Anker hat trotz viel Geduld und mehrerer Eingrabungsversuche keinen Halt gefunden. Danach haben wir uns entschlossen nach Ankunft in den Hafen zu verholen. Hier sind wir jetzt seit vorgestern und haben bereits zwei größere Ausflüge zu Fuß unternommen und uns an der reichhaltigen Natur und dem hoch über dem Hafen thronenden alten Ortskern sehr erfreut.

Im Ort selbst herrscht fast eine gespenstige Stille, die meisten Häuser sind verwaist, da die Saison schlichtweg vorbei ist. In dem Ortsteil am Hafen sind die Kneipen, Restaurants, der Tauchexkursionsanbieter und der Supermarkt noch geöffnet, man hat das Gefühl, dass das Inselleben hier pulsiert und nicht im Oberdorf. Es kommen mal mehr oder weniger Chartersegelschiffe an, die dann den Hafen für eine Nacht bevölkern.

Wir hatten mit dem Schweizer Ehepaar Benno und Margit das Glück, zwei sehr nette Liegeplatznachbarn für zwei Tage zu haben, die zudem schon die Welt von 2003 – 2006 umsegelt hatten und mit ihren über 80 Lebensjahren über eine unglaubliche körperliche und geistige Konstitution verfügen. Die beiden segeln jetzt noch anspruchsvolle Törns im Mittelmeer und sind beim gemeinsamen Klönschnack ein Quell an Geschichten, sehr schön!

Eine Quelle des Ärgernisses ist die allabendliche Beschallung durch eine mehr als provinzielle Dorfdisko in der äußeren südöstlichen Hafenecke, die den gesamten Hafen mit ihrer Musik nervt, auch wenn kein Mensch mehr dort ist. irgendwie muss der alternde Besitzer dieses Etablissements ein gestörtes Verhältnis zu den Hafenbewohnern haben. Wir sind jedenfalls von der allabendlichen/allnächtlichen Zwangsbeschallung reichlich genervt und können deswegen den Hafen für ruheliebende Segler leider nicht empfehlen. Wie man als Inselverwaltung so einen Bullshit auf einer sonst so ruhigen und wunderbaren Insel genehmigen kann, ist uns absolut nicht verständlich. (Ich würde sie trotzdem empfehlen, es ist eine wunderbare Insel, Heimat sozusagen, dann muss man eben abends eigene Musik anmachen!)

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(K)eine neue Insel

Der Strand von Salivoli in der Morgensonne

Als wir heute Morgen relativ früh abgelegt haben, gab es einen Plan, heute nach Livorno zu motoren, weil leider wieder mal kein Wind weht, und morgen mit leichtem Ostwind die 40 Seemeilen nach Porto Venere vor La Spezia zu segeln. Doch anfänglich gab es Nordwind mit zehn Knoten, da mussten wir ganz schnell das Segel setzen, als er ein bisschen auf Nordost drehte… und plötzlich nur noch mit zwei Knoten wehte, als das Großsegel oben war.

Nach einer Stunde Motorfahrt kommt allerdings der Skipper und mault, dass er nicht so lange motoren will, und außerdem zeigte die Vorhersage für die italienischen Küstengebiete immer weniger Wind an, sodass die Gefahr von weiteren „Motorboot-Tagen“ herrschte. Auf solche Diskussionen habe ich ja überhaupt keine Lust, weil ich dann immer am fehlenden Wind Schuld bin, und kann doch leider gar nichts dafür. Wenn es nach mir ginge, hätten wir beständig zwölf bis vierzehn Knoten Wind aus 150 Grad, egal ob von Backbord oder von Steuerbord.

Also schlage ich vor, doch einfach den Kurs zu ändern und die kleine Insel Capraia anzusteuern, dann lassen wir eben die italienische Küste aus, lernen eine neue Insel kennen, und segeln in ein paar Tagen, hoffentlich mit Wind, nach Nizza oder Cannes. So machen wir das.

Capraia in Sicht!

Tatsächlich sind wir alle 26 Meilen unter Motor gefahren, der Wind kam aus wechselnden Richtungen mit einem bis viereinhalb Knoten, zehn Minuten lang durfte die Genua mit ziehen, aber dann war auch dieser Hauch vorbei. In Capraia angekommen, haben wir uns zunächst vor Anker gelegt, beim ersten Versuch hielt der Anker schlecht, beim zweiten Mal war es in Ordnung, aber hier ist viel Posidonia, und der Anker gräbt sich nicht richtig im Sand ein. Nach einem kleinen Erkundungsgang im Ort beschließt Volker plötzlich, dass wir doch besser im Hafen aufgehoben sind, zumal inzwischen noch ein Segler gekommen ist und sich sehr in unsere Nähe gelegt hat. Die Marina ist auch halbleer, ich telefoniere kurz mit dem Hafenbüro, klar können wir kommen, der Preis ist in Ordnung, nicht so günstig wie in Piombino, aber wir sind ja schließlich auch auf einer Insel hier.

Als ich nach dem Anlegen zum Marinabüro gehe, fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Ich war hier schon einmal! Vor ein paar Jahren, als ich bei Sabines Mädelstörn mitfahren durfte, haben wir genau hier angelegt, Fritzi ist in die Farmacia gegangen wegen ihres Quallenbisses, und abends sind wir auf den Hügel gestiegen, um dort vorzüglich zu essen. Also keine neue Insel für mich, aber für Volker und Samy. Und morgen werden wir sie erkunden!

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