Klasse war’s

Die Capitania hat es am Ende ihres letzten Blogbeitrags schon passend zusammengefasst, dass wir insgesamt einen super Segeltörn hatten.

Wenn wir unserer kleinen Atlantikpassage von Gibraltar nach Lanzarote nach dem klassisch-deutschen Schulsystem eine Note geben wollten, wäre es eine glatte Eins. Das aus mehreren Gründen: Der Wind war von Anfang an so konstant, sogar nachts, dass abgesehen von ein paar Knoten mehr oder weniger, man durchaus von perfekten Segelbedingungen sprechen kann. Aber nicht nur der Wind war auf unserer Seite, der Vollmond hatte ebenso seinen Anteil an dem schönen Segelerlebnis. Eine mondhelle Nacht auf dem Meer fühlt sich rein subjektiv für uns sehr positiv an, mehr Horizont, weniger bedrohlich-dunkel erscheinendes Meer, mehr Orientierung.

Mond an Bord

Der nächste positive Punkt ist das Boot selbst. Wir haben relativ früh in der Passage ein Reff ins Großsegel gebunden und es auch bis zum Ende drin gelassen. Bei Windgeschwindigkeiten von 18-33 Knoten waren wir damit perfekt unterwegs. Die Windschwankungen haben wir mit der Rollgenua ausgeglichen, mal mehr, mal weniger Vorsegelfläche. Nichts geht schneller, als das Rollvorsegel zu reffen. Das Boot lief dabei wie auf den buchstäblichen Schienen, stoisch-ruhig. Das hat wiederum einen weiteren schönen Effekt, an den man zuerst so garnicht denken mag. Bei einem gut ausbalancierten Schiff verbraucht der Autopilot weniger Strom, da nur kleine Kurskorrekturen notwendig sind. Dadurch gibt es auch weniger Querbeschleunigungen, die Mann/Frau gerne als besonders unangenehm empfindet. Zudem konnten wir wegen des guten Winds ohne großen Aufwand eine schnelle Durchschnittsgeschwindigkeit erreichen.

Der einzige Negativpunkt der Reise war, falls man denn davon reden will, dass die Delfine sich nicht blicken liessen, und das kennen wir so garnicht. Normalerweise kommen jeden Tag, besonders auf dem Atlantik, ein paar fröhlich-spielende Delfine angeschossen und schwimmen mit unserem Schiff um die Wette.

Vogel auf Schwert

Unser tierischer Ausgleich kam aber in Form einer Seeschwalbe, exakt kitschig-romantisch zum Sonnenuntergang, die es sich auf unserem Leeschwert bequem gemacht und trotz Rauschefahrt dort fast eine Stunde verbracht hat. Es hat mich total berührt, dass so ein Vogel, der sonst in den Weiten des Atlantiks seinen Lebensmittelpunkt hat, bei uns an Bord einen Rast- oder Ruheplatz, wenn auch nur für kurze Zeit, gefunden hat.

Zudem haben wir innerhalb eines vollen Tages gut acht Stunden schlafen können, nicht am Stück, jedoch über den Tag verteilt. Auch kürzere Schlafsequenzen reichen wohl vollständig aus. Dadurch haben wir uns zu keinem Zeitpunkt der Reise gestresst oder ermüdet gefühlt. In den 48 Stunden nach unserer Ankunft in Puerto Calero haben wir das Boot komplett entsalzen, einige Waschmaschinenladungen gewaschen, alles komplett durchgesaugt. Wir waren mit Evelyn und Horst italienisch essen, haben unsere Lieblingsteinbucht besucht, ich habe meine ersten Runden  2019 mit dem Stand-up-Paddle-Board gedreht. Samy hat seinen wohlverdienten Auslauf erhalten, wir hatten einen schönen Pubabend mit Doris und Erik und einiges mehr.

Samy schnuffelt Landluft

Wir sind sehr froh, auf Lanzarote zu sein, irgendwie geht von diesem kleinen atlantisch-vulkanischen Eiland ein besonderer Reiz aus.Wir werden sicherlich ein paar Wochen hier auf der Insel verbringen, zumal es ein paar Punkte an Bord zu reparieren gibt, bevor wir weiter segeln können. Dazu jedoch mehr im nächsten Blogbeitrag…

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Nach Lanzarote – Tag 4: Ankunft

Donnerstag, 21. März 2019, Baro 1015, auf See
02:00 Uhr Wind NO um 6, Vollmond, Position 30°25′ N, 012°19′ W, noch 118 sm bis Puerto Calero

Wir haben wieder gehalst, der Vollmond erleuchtet die Nacht wunderbar. Er begleitet uns durch de ganze Nacht. Ab 04:00 Uhr nimmt der Wind ab auf 20 – 24 Knoten, die Wellen werden ruhiger, dann kann man auch besser schlafen.
Um 07:20 MEZ haben wir wieder nach Backbord gehalst, jetzt merkt man, dass wir eigentlich in einer anderen Zeitzone sind, denn noch erhellt der Mond die Nacht, während in Gibraltar bereits um 07:24 die Sonne aufgegangen ist, und vorher deutliche Dämmerungszeit war. I m Osten wird es hier nun um 07:35 Uhr langsam rötlich am Himmel.
Der Wind bleibt uns treu, 30 – 23 Knoten heute morgen, um 10:00 Uhr haben wir ein neues Tagesetmal von 206 sm, und schon wieder ist der Skipper zufrieden. Der Wetterbericht für die nächsten Stunden sagt ebenfalls ordentlichen Nordostwind voraus, sodass berechtigte Hoffnung besteht, dass wir nach unserer Zeit vor 20:00 Uhr ankommen sollten. Hier ist ja UTC, also eine Stunde früher, da bleibt genug Zeit, um mit Samy spazieren zu gehen, sich umzuziehen, und rechtzeitig um 20 Uhr in einem der schönen Restaurants in Puerto Calero zu sitzen und das erste Bier zu trinken. Auf der Überfahrt trinken wir immer nur “Zero San Miguel”, also das alkoholfreie Bier, zum Sundowner.
Zum Frühstück gibt es heute wieder selbst gebackene Foccacia und Rührei mit Speck, so sind wir für den letzten Tag gerüstet. Mit ordentlich Wind, um die 20 – 24 Knoten, geht es weiter. Um 16:30 Uhr MEZ liegt Arrecife querab, jetzt sind es noch 12 Meilen bis zur Marina Puerto Calero. Seit einigen Stunden haben wir Handy-Empfang, der Skipper hat sein Internet wieder, ich glaube, das hat er während der Überfahrt am meisten vermisst. Und die Whatsapps fliegen durch den Äther. Samy wittert Land, freut sich, dass kein Seegang mehr ist, und er sich alleine draußen bewegen kann, ohne Leine, sich einfach so im Trampolin wälzen!
Vor 18:00 Uhr sind die Leinen fest am gewohnten Liegeplatz in Puerto Calero, eine super Überfahrt mit 640 Seemeilen!

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Nach Lanzarote – 3. Tag

Mittwoch, 20. März 2019, Baro 1018, Wind NO um 6
Auf See, Position 07:45 32°38’235 N, 010° 34’766 W
Tagesetmal 187 sm
In der Nacht haben wir 77 Ah verbraucht, ab dem Sonnenaufgang laden die Solarpanele heute gut rein, die zwei tragbaren liegen im Trampolin, angewinkelt zur Morgensonne. Die Segelführung ist unverändert, wir kreuzen vor dem Wind, um 06:40 haben wir gehalst, um 13:00 Uhr sind wir noch 17 sm von der Ideallinie entfernt, wir fahren einen Schnitt von knapp unter acht Knoten. Wir werden dann ca. 25 Seemeilen über die Ideallinie fahren, dann erneut halsen, usw.
Um 17:00 Uhr frischt der Wind auf von 17 auf 25 Knoten, wir halsen gerade noch rechtzeitig, fahren tatsächlich fast auf der Ideallinie. Gut, dass wir trotz der zwischendurch nur 18 Knoten Wind das Groß nicht ausgerefft haben, so müssen wir jetzt nicht in den Wind drehen und bei 2 – 3 Meter Welle reffen.
Es gibt Abendessen für Hund und Crew um 19:00 Uhr, eine halbe Dose für Samy, Schnitzelchen und Broccoli für uns.
Um 20:00 Uhr frischt der Wind noch weiter auf, 27 – 32 Knoten, aber die Richtung ist gut, mit 150 – 160° von Steuerbord. Die Wellen sind schon echte Karwenzmänner, die haben bestimmt drei Meter Höhe, sie rauschen knatternd und scheppernd unter dem Schiff durch und schaukeln es (und uns) ganz schön durch.
Ein Seevogel hat sich zum Ausruhen auf unser Luv-Schwert gesetzt, aber nach zwanzig Minuten fliegt er oder sie weg, kommt dann wieder und setzt sich auf den viel unbequemeren Relingstab, bevor er entültig verschwindet.
Der Wind bleibt die ganze Zeit stark, die Wellen auch, das Fensterputzen heute morgen hätten wir uns sparen können, aber so hatten wir wenigstens einen halben Tag lang gute Sicht.
Um 22:00 Uhr haben wir ein Halbtagesetmal von 103 sm, das macht den Skipper zufrieden. Wir drehen noch zwei Umdrehungen auf die Genua, die letzten zwei Stunden hatten wir eine durchschnittliche Geschwindigkeit von über zehn Knoten, Topspeed waren 18,7 Knoten, mit einem Reff in Genua und Groß nicht schlecht. Volker geht mit Samy ins Trampolin, damit der Hund seine Geschäfte erledigen kann, mir zuliebe an der Leine, bei 14 Knoten Geschwindigkeit kommt es selbst Volker ziemlich schnell vor. Und wenn man unten im Bad auf der Toilette sitzt und raus schaut, denkt man, man säße im ICE.
So vergeht die Nacht mit Wachen und Schlafen, und der letzte Tag der Überfaht bricht an.

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Nach Lanzarote – Tag 2

Dienstag, 19. März 2019, 01:00 Uhr, Baro 1020, Wind NNO, 16 – 18 Knoten
Auf See, Position 23°52′ N 007°10’W
Im Laufe der Nacht nimmt der Wind mal ein bisschen ab, dann wieder ein bisschen zu, zwischen elf und zwanzig Knoten Wind blasen in die Segel, allerdings noch raumer, sodass wir anluven müssen, um vor dem Wind zu kreuzen, denn sonst schlagen die Segel bei diesem Wellengang. Der Kurs ist 255° statt 225°, aber so läuft es wenigstens. Um 06:50 Uhr zeigen sch erste Spuren des aufkommenden Morgens am leider wolkigen Himmel.
10.00 Uhr: Tagesetmal 182 sm, Baro 1018, Sonne + leichte Wolken, Wind NO 5
Das selbst gebackene Focaccia ist im Ofen und verbreitet köstlichen Geruch, die Morgentees und der Cappuccino sind gekocht, der Skipper flucht über den Vorwindkurs, wegen der flappenden Segel: Der Tag kann losgehen.
Ich kämpfe mit unserem Winlink Mail Account. Offensichtlich habe ich beim Absenden der Requests an Predict Wind zuviele Daten abgefragt, jedenfalls verstopfen mir die Antwortmails unser Postfach, es dauert Stunden, bis so ein File heruntergeladen ist, und angeblich sind noch zwölf drin!
12:48 Uhr Auf UKW Kanal 16 empfangen wir einen Pan-Pan-Ruf (Dringlichkeitsmeldung) der Segelyacht Leia; da kein Offizieller, damit meine ich die Küstenwache, sich schnell meldet, antworten wir und bitten um Mitteilung der Position und des Problems an Bord. Wie ich schon an dem Pan-Pan-Ruf gehört hatte, ist der Mensch an der Funke aus Deutschland. Wir verständigen uns auf Kanal 9. Die Ruderanlage der Leia ist kaputt und sie können nur noch mit der Notpinne steuern, bei den 2-3 Meter hohen Wellen wäre das sehr schwierig, sagt er. Außerdem haben sie nur noch Sprit für ca. 20 Stunden motoren. Die Leia ist ein 51-Fuß Monohull, sie kommen von Madeira und wollten eigentlich nach Gibraltar. Ihre Position ist ca. 50 Seemeilen nördlich von uns und 80 Seemeilen von der marokkanischen Küste. Fakt ist, dass wir nicht helfen können und die Mannschaft versuchen wird, Rabat in Marokko motorend zu erreichen. Wir können nur mit Auskünften unterstützen, wie man den nächsten Hafen, Rabat, ansteuern kann, und wir verständigen mit unserem Sat-Telefon den Vercharterer. „Na dann, alles Gute Leia, und eine sichere Fahrt nach Rabat, over and out!“
Mittlerweile hat Ralf übers Internet dankenswerterweise den Stau in unseren Winlink-Mail-Account aufgelöst, da waren über zwei MB drin, er sagt, wir wären in Lanzarote bereits angekommen, ehe das alles heruntergeladen sein könnte.
Um 13:40 Uhr haben wir gehalst und fahren jetzt auf Steuerbordbug, nicht mehr genau vorm Wind, das ist wesentlich angenehmer, 35 Meilen können wir das so machen, dann müssen wir wieder halsen, um in der Nacht nicht zu nah unter Land zu geraten und uns mit den marokkanischen Fischern anzulegen.
17:30 wechseln wir auf Backbord, halsen mal wieder vor dem Wind, der inzwischen aufgefrischt hat auf bis zu 24 Knoten, jetzt ist der Skipper zufrieden, „da gibt es nichts zu meckern!“, die Hexe rennt.
Ralf hat mich über Mail informiert, dass ich bei der Eingabe unserer Position im Position Report für Winlink Ost und West verwechselt habe, wir wären da irgendwo auf dem Tunesischen Festland, blöd, blöd, denn die Abendposition hatte ich auch schon gesendet, also musste ich sie erneut senden, diesmal mit 9° West statt Ost.
Um 19:00 Uhr refft Volker zwei Umdrehungen auf die Genua, der Wind hat weiter aufgefrischt. Um 21:00 Uhr binden wir Reff 1 ins Groß, weil es inzwischen mit 29 Knoten Wind weht. Das stimmt auch mit den Vorhersagen überein, danach segelt die Hexe zwar ein bisschen langsamer (vorhin habe ich 14,7 Knoten über Grund gesehen!) aber wir machen immer noch 7 – 11 Knoten Fahrt. Gut, dass wir rechtzeitig gerefft haben, so wird es eine relativ entspannte Nacht.

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Nach Lanzarote – Tag 1

Die Intermarfunkrunde um 11:00 UTC, 12:00 Uhr MEZ bekomme ich nicht gut rein, ich höre mal kurz ein Rufen: „CQ CQ hier ist…“, aber das wars dann auch schon, vielleicht hab ich ja bei der Abendrunde um16:30 UTC mehr Glück. Wir versenden noch Whatsapps an Familie und Freunde, ich stelle den kleinen Blog, dass wir abgelegt haben, online, irgendwann haben wir nur noch marokkanisches Netz, dann wird das teuer. Unsere Kommunikation beschränkt sich jetzt auf den SSB-Funk, Emails und Wetter per Pactor, und zur Not das Satellitentelefon.
Um 14:00 Uhr sind wir am Ende des Verkehrstrennungsgebietes, jetzt gilt es, gut aufzupassen, dass wir beim Abbiegen nicht in den Weg von einem Tanker oder Frachter kommen, denn wir haben zwar das Großsegel oben, aber wir motorsegeln, der Wind reicht mit 4 Knoten nicht annähernd zum Segeln. Auch ist die Strömung noch sehr gegen uns.Mit den Tankern, Frachtern und Autotransportern ist es ein kleines Zickzacklaufen, aber schließlich haben wir die großen Verkehrswege hinter uns gelassen und freie Fahrt. Wir füllen 70 l in die beiden Dieseltanks, denn die Fahrt mit den zwei Motoren auf 2200 Umdrehungen schluckte beträchtlich Diesel.
Um 16:00 Uhr dreht der Wind weiter, und frischt auf 11 – 12 Knoten auf, der Code D darf in die Sonne, jetzt wird gesegelt! Schnell fährt die Hexe trotz Gegenstrom mit über elf Knoten über Grund, der Skipper ist glücklich.
In der Intermarfunkrunde höre ich Uwe klar und deutlich, und auch DL4TJ, der zwischendurch übernimmt, kommt klar an, und bestätigt mir, dass wir selber hervorragend zu hören sind. Währenddessen nimmt der Wind weiter zu, 16, manchmal auch über 17 Knoten, da sind wir immer noch vorsichtig und rollen den Code D lieber weg. So steht es in den Empfehlungen von Outremer, mit größerer Crew könnte man da sicher noch was reizen, aber wir zwei segeln dann eher konservativ. Aber auch mit der Genua läuft die Hexe über zehn Knoten Speed, was wollen wir mehr?
Vor der Dunkelheit wollen wir den Wassergenerator anbringen, denn dazu muss Volker ganz unten auf die Backbord-Badeplattform. Ich habe immer ein bisschen Angst, dass er dabei über Bord geht, deshalb geht das hier draußen nur mit Schwimmweste und Lifeline. Der Hund wird im Cockpit festgemacht, damit er nicht mit kommt, Volker holt den Watt&Sea aus der Backskiste. Das schwere Ding ist bald gut angebracht, zu Wasser gelassen, ich schaue nach, ob es lädt, aber nein, es funktioniert nicht, und außerdem ist in dem kleinen Stecker vom Hydrauliköl etwas kaputt. So ein Mist, bei der Fahrt nach Süden wäre dies eine wichtige Energiequelle gewesen!
Mit Genua und Groß fahren wir bis zum Abend, zum Essen gibt es Chicken Nuggets und Reis, danach wird das „Wachbett“ bereitet im Salon, dann beginnen die Nachtwachen. Volker hatte kurz darüber nachgedacht, ob wir nicht doch den Code D wieder setzen, aber als ich da unten im Bettchen lag und auf die Windanzeige schielte, war ich froh, dass wir es nicht getan hatten. Der Wind weht konstant mit 16 – 20 Knoten, etwas raumer als bisher, aber doch zuviel für das Leichtwindsegel.

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Jetzt aber

Montag, 18. März 2018, Baro 1019, sonnig, leicht bewölkt, Wind O, um 2 Beaufort, Gibraltar 10:00

Dem humpelnden Hund geht es besser heute morgen, und Expertin Larissa hat ja gesagt, er soll die Pfote wenig belasten. Also segeln wir einfach heute los, dann muss Samy nur auf dem Boot ein kleines bisschen laufen, ansonsten darf er ausruhen.

Der Wetterbericht sagt für heute bis mittags Westwind, also gegenan durch die Straße von Gibraltar, dann dreht der Wind auf Nordost, ab Dienstag soll er dann stärker weerden, 20 – 26 Knoten, die Wellen sollen moderat bis maximal drei Meter bleiben.

Drückt uns die Daumen, ich lade das Logbuch täglich hoch, und die Position gibt es wieder über Winklink DL3HEX.

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Planänderung

Gestern waren wir noch davon überzeugt, dass wir heute Nacht, zwar bis Sonntag bei wenig Wind,  aber doch immerhin unter Motor Europa hinter uns lassen würden, entlang der marokkanischen Küste Richtung Kanaren segeln würden. Aber dann hat ein heimtückischer Virus den Skipper hinterrücks befallen und seit gestern Abend liegt er danieder. Statt die irischen Pubs am gestrigen St. Patrick’s Day unsicher zu machen, waren wir brav an Bord, und haben alte Filme geschaut.

Heute ging es schon ein bisschen besser, aber mit so einem Skipper wollte ich keine Nachtschichten machen, vor allem nicht auf dem Atlantik, man weiß ja nie, was dort passiert…

Ab morgen weht der Wind in der Straße von Gibraltar aus Westen, eine denkbar schlechte Situation, um nach Westen zu fahren, selbst mit einem gesunden Skipper, also müssen wir mindestens bis Dienstag warten. Dann werden wir die gesamte Wettersituation neu einschätzen, und mitteilen, wann und wohin wir weiter fahren. Bis dahin wünschen wir allen ein schönes Wochenende!

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Fünfkommadrei

Beautiful Gibraltar

So viele Kilometer sind Samy und ich gestern Morgen gelaufen. Für elf Uhr hatte ich bei der hiesigen Filiale der größeren, in La Linéa angesiedelten Tierklinik einen Termin ausgemacht, um abzuklären, was es mit Samys offensichtlichen Ohrenschmerzen und dem Gekratze auf sich hat. Um halb zehn sind wir von Bord gegangen, mit einem kleinen Umweg zur Hauptstraße in der Fußgängerzone, beim Bäcker vorbei. Eigentlich wollte ich auch noch einen Café trinken, aber ich dachte, ich suche erstmal die richtige Adresse. Am Ende der Fußgängerzone hab ich bei der Tierklinik angerufen und nach der genauen Adresse gefragt, damit Tante Google mich hinführen kann. „Watergardens No. 6“ das sollte die Adresse sein. Also gebe ich das in Google Maps ein, dachte, ich sei zwei Minuten entfernt. „Pustekuchen“, sagt Tante Google, „Zeit zu laufen 16 Minuten.“ Oh, gut dass ich so früh war.

Mit dem Handy in der Hand laufe ich weiter, das Problem hier ist, dass an den zahlreichen Roundabouts, Kreiseln, es keine Fußgängerübergänge gibt, sie sind mit Gittern, gefühlt kilometerweit, abgesperrt. Es wird immer später, aber als ich angeblich kurz vor dem Ziel bin, beschleichen mich Zweifel, und ich frage einen Mann auf seiner Vespa. „Oh no“, sagt der, da müsse ich die Straße dort zurückgehen, dann nach rechts, bis ich zu einem Denkmal komme, mit einem Mann und einer Frau, dort nach rechts, und da sei es dann. Okay, schnell ziehe ich Samy weiter, denn mittlerweile ist es kurz vor elf. Auf dem Weg treffe ich noch eine Frau mit Hund, die mir bestätigt, dass dies prinzipiell die richtige Richtung ist. Und ein weiterer freundlich Mann erklärt mir, da vorne müsse ich rechts, und dann käme ich zu Water Gardens. Leider ist auf der rechten Straßenseite der Fußgängerweg gesperrt und wir müssen wieder eine Umleitung gehen. Direkte Strecke wären es 1,7 km gewesen, nach 3,7 km waren wir am richtigen Ort.

Eine junge sehr freundliche spanische Tierärztin hat Samy untersucht (der ist ein echter spanischer Feigling), unglaublich, er musste am Ende einen Maulkorb bekommen, damit sie mit dem Wattestäbchen einen Abstrich aus seinem Ohr nehmen konnte, so hat er sich angestellt.

Nun hoffen wir, dass die Medizin hilft, einen weiteren Abstrich hat die Ärztin eingesandt und will mir telefonisch Bescheid geben, was eventuell noch zu machen ist. Dann sind wir die 1,7 Kilometer zurück gelaufen, diesmal aber auf direktem Weg.

Sunset Beer

Gestern Abend haben wir uns lang Entbehrtes gegönnt, und waren gleich in zwei englischen Pubs. Im Trafalgar haben wir das Sunset Bier direkt am Kreisel genossen, dann sind wir ein bisschen in die Fußgängerzone gelaufen, und fanden „The Angry Friar“, dort durften wir sogar mit Samy hinein, erst an die Bar, dann an einen kleinen Tisch für ein echtes englisches Pub Meal. Chicken Curry für mich and Würstchen mit mashed potatoes für Volker, das musste sein.

Ein echtes englisches Pub

Die Atmosphäre war großartig, zuerst haben wir uns mit den drei Herren auf Kurzurlaub von der Insel am Nebentisch unterhalten, später mit drei Damen, nachdem die Herren gegangen waren. Alle waren gegen den Brexit und voller Spannung wurde die Abstimmung im Parlament verfolgt. Als es beim ersten Ergebnis nur vier Stimmen Unterschied gab, war man hier im Pub sehr erstaunt, und erleichtert, als die zweite Abstimmung ein deutlicheres Ergebnis brachte. Die „Gibraltar-Engländer“ würden auf jeden Fall lieber in der EU verbleiben, mal sehen, wie es weiter geht, der Zeitdruck ist jedenfalls erst einmal kleiner geworden.

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Warm

Die Überschrift sagt eigentlich schon alles. Der Frühling ist hier an der Südspitze von Spanien, bzw. in der englischen Kolonie Gibraltar vollends ausgebrochen, tagsüber klettert die Quecksilbersäule auf behagliche 22 Grad  und nachts muss man (n), oder eher gesagt frau bei kuscheligen 14 Grad Minimaltemperatur nicht mehr frieren. Die Heizung, egal ob Diesel oder elektrisch, bleibt aus. Anderes Thema.

Park mit Teich in der Abendsonne

Wer schon mal hier war, weiß, Gibraltar ist, um es kurz zu beschreiben, eine einzige dicht besiedelte Betonwüste, überwiegend gepflastert mit zehn Stockwerk hohen Gebäuden an der Wasserfront und flacheren Häusern in den hinteren nachfolgenden Reihen sowie einer langgezogenen Fußgängerzone mit jeder Menge Duty Free Shops, also Mehrwertsteuer-freien Elektronikläden. Nur die Steilhänge des Bergrückens sind teilweise unbebaut. Wer mit offenen Augen durch das Straßengewirr läuft, bekommt aber auch erstaunlich Hübsches zu sehen: kleine Parks mit Teichen, die Knight-Bastion, englische Telefonzellen und Briefkästen wie aus dem Schulbuch, die Seilbahn hoch zum Affenfelsen und ein ausgeklügeltes Tunnelsystem.

Chicken WIngs…

Pulled Pork Brötchen

… und Gravy

Für alle Freunde des Biergenusses gibt es natürlich jede Menge wunderbare Pubs, mit einer Inneneinrichtung, wie man sie sonst nur in England findet. Etwas Besonderes ist auch der englische Supermarkt “Morrison” für uns, neben einer endlos langen Fleischtheke gibt es ein riesiges “Gravy”-Sortiment, also dunkle braune dickflüssige Bratensaucen, leckere Fastfoodgerichte aus der Tiefkühltheke, eine große Auswahl an indischen Gewürzen und endlos lange Süßwaren- und Chipsregale mit kalorienreichen Versuchungen.

Aussichten

alter Kran

Speicherhäuser

Gestern sind wir, ich weiß eigentlich garnicht warum, mal durch das angrenzende Industriegebiet gebummelt. Da waren wir noch nie, und wenn doch man genau hinschaut, gibt es auch dort Sehenswertes zu bestaunen. Die alten Lagerhallen zum Beispiel oder der schon fast historische Industriekran, oder die verfallenden Betonstraßenlaternen.

Aussicht von unserem Liegeplatz

Eigentlich wollten wir Gibraltar schnell hinter uns lassen, raus auf den Atlantik und rüber nach Lanzarote segeln, doch die Wellenvorhersagen halten uns davon ab. Das Tiefdruckgebiet, das die nächsten Tage Sturm nach Deutschland bringt, hat auf dem Atlantik im Bereich der Biskaya die Wellen mächtig aufgetürmt. Diese Wasserberge wandern jetzt südlich, wir müssten mit 4-5 Meter hohen Wellen von Mittwoch Abend an rechnen. Wollen oder müssen wir uns das wirklich antun? Die Antwort fällt ebenso knapp, wie eindeutig aus…

Der Affenfelsen

Neuer geplanter Abfahrtstag ist der Samstag, alle Wettermodelle sehen bisher verheißungsvoll aus, ist noch ein paar Tage bis dorthin und daher mit einer gewissen Unsicherheit verbunden. Bis dahin genießen wir die Annehmlichkeiten derQueensway Quay Marina. Immerhin haben wir von unserem Liegeplatz aus eine super Aussicht auf den Berg, oder besser gesagt „The Rock“, wie der Fels auch liebevoll genannt wird.

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Gegenstrom

Sonntag, 10. März 2019, Baro 1028, sonnig, Wind SW 2 – 3, auf See

In der Bucht von Gibraltar ist was los!

Erst um 10:50 hat der Wind soweit aufgefrischt, dass wir einen Segelversuch wagen können. Sechs Knoten aus 50 – 60 Grad reichen, damit die Hexe zumindest mit fünf Knoten Speed voran kommt. Und es ist plötzlich so schön still, nur die Heckwellen plätschern leise. Rechter Hand weichen jetzt langsam die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada den niedrigeren Hügeln um Malaga.

Volker segelt, ich nutze die Ruhe, um noch ein Stündchen zu schlafen. Leider ist es danach mit dem Segeln vorbei, ich komme mir schon vor wie Sabine von der Atanga, die in ihrem Blog auf dem Weg von den Osterinseln nach Pitcairn auch am Tag 11 nur noch fragt: „Wo ist der Wind?“ (www.atanga.de).

Zum Frühstück gab es Rührei zu aufgebackenen Brötchen vom Davo-Bäcker aus Cartagena, sechs kleine Brötchen hatte ich gekauft, in der Tüte waren zehn, das ist dort immer so. Da man ja sonst nicht viel zu tun hat, habe ich zum Mittag kleine Empanadas gebacken, den Teig gab es fertig ausgerollt und zugeschnitten im Supermarkt. Ich bestreiche die Teigplätzchen mit einem Hauch Philadelphia und Pesto Genovese, habe aus Resten von Tomate, Zwiebeln und Hamburger eine kleine Salsa gekocht, ebenfalls eher sparsam darauf gegeben, die kleinen runden Fladen zu netten Halbmonden geformt, mit Eigelb bestrichen und ab in den Ofen. War eine leckere Zwischenmahlzeit, jetzt halten wir es bis heute Abend aus.

Nach dem Essen kommen wie heute Morgen die Delfine, diesmal sind sie in Spiellaune, es werden immer mehr, sicher 15 Tiere springen zwischen unseren Rümpfen hin und her, ehe sie sich nach knapp zehn Minuten wieder verabschieden. Es ist erstaunlich, welche Auswirkungen diese possierlichen Tiere haben, Unlust oder schlechte Laune sind sofort vergessen, mit einem breiten Lächeln im Gesicht schaut man ihnen zu. Kommen sie vorbei und bleiben ein bisschen, schon ist der Tag noch etwas schöner! Um !6:00 Uhr kommt schon wieder eine große Schule Delfine, sie springen und tanzen kurz mit dem Boot, dann verabschieden sie sich mit tollkühnen Schwüngen zwischen den Rümpfen, und weg sind sie.

Danach hatte ich mich noch einmal kurz hingelegt, und als ich wieder an Deck erscheine, meint Volker: „Sollen wir nicht vor Estepona ankern heute Nacht, bis 01:00 Uhr müssten wir dort sein?Dann müssen wir uns nicht noch eine Motor-Nacht um die Ohren schlagen, fahren morgen ausgeruht nach Gibraltar, schlafen dann noch eine ganze Nacht, dann machen wir uns auf die große Strecke.“ Klar, können wir machen, es gibt einen Ankerplatz nordöstlich von der Hafeneinfahrt, da wird es auch ruhig sein, heute Nacht kommt nur etwas Nordwind, aber dagegen sind wir dort gut geschützt. Zwanzig Grad abfallen, Wind ist sowieso keiner da, so kann die Fock ein bisschen mitziehen, wir haben nämlich Strömung gegenan.

18:15 Uhr: Schon wieder ein Kurzbesuch von bestimmt zehn Delfinen, zwei Minuten spielen, dann geht es weiter mit der Jagd nach Abendessen, vermute ich. Samy bekommt auch Abendessen, nachdem schon wieder so schön im Trampolin gekackt hat, und Pipi gemacht; wir sind nur nicht sicher, ob  er so raffiniert ist, dass er es auf mehrere Male verteilt, weil er weiß, dass er dann ein Leckerli bekommt, oder ob das halt so ist.

Sonnenuntergang auf See, sieht auch nicht viel anders aus der der Sonnenaufgang, sagt Allegra

Auch wir bekommen Abendessen, Filetsteak von Feinkost-Lidl Cartagena und Kartoffelpuree aus den Salzkartoffeln von gestern, dazu ein paar von den süßsauer eingelegten Zwiebeln vom Markt, lecker! Nur der versprochene Nordwind kommt nicht, und noch immer schiebt der Strom uns keineswegs, sondern verlangsamt unsere Fahrt. Die Idee des Ankerns vor Estepona haben wir aufgegeben, so wie das hier läuft würden wir nicht vor drei bis vier Uhr ankommen, und hätten morgen nochmal zwanzig Meilen mehr. So fahren wir doch die Nacht durch, sind morgen hoffentlich mit der ersten Morgendämmerung in Gibraltar. Dann schlafen wir uns eben dann aus, macht auch nix.

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