Gestern Abend hatten wir auf Wunsch der Capitania nochmal Ausgang. Ein Fisch musste her, nicht für mich versteht sich, Cornelia wollte die Nähe zum Meer und der französischen Küche noch einmal verwöhnen lassen, bevor es raus auf die hohe See geht. Also sind wir zum benachbarten Armor Plage gefahren, einem typisch bretonischen Ort, mit kleinem Altstadtkern, großem Strand und Häusern mit dicken Mauern, ein netter Ort, in dem es jetzt in der Nachsaison sehr beschaulich zugeht. Zuerst waren wir ganz allein im Restaurant, einer muss ja den Anfang machen, doch nach und nach trudelten immer mehr Gäste ein. Der Service war perfekt, das Essen sehr lecker und die Preise moderat, sehr empfehlenswert das „Ty Mero“, was will man mehr.
Heute früh ging es für die vergessenen Paprika und die gefüllten Nudeln nochmal zum È Leclerc Supermarkt und danach zur Autorückgabe.


Um 11 Uhr warfen wir die Leinen los und motorten langsam zum Ausgang der riesigen Bucht. Alle Fender und Leinen wurden verstaut, das Großsegel gesetzt und motorsegelnd ging es zum ersten Wegepunkt, südwestlich der Ile de Groix. Die Wetterberichte sagen nordöstliche Winde für die nächsten Tage voraus, nicht ganz perfekt, da genau von achtern, aber das Wetter, bzw. den Wind können wir leider nicht ändern, sondern nur die Segel danach ausrichten. (Und besser als Sturm von vorne ist es allemal, Anm. d.R.) Noch länger in Lorient zu bleiben ist ebenfalls keine Option, je weiter das Jahr voranschreitet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für heftige Herbststürme in diesem Teil des Atlantiks.


Leider dämpfen erneute Orca-Attacken in den letzten Tagen, in der Gegend zwischen A Coruña und Porto, unsere Reisefreude, denn sie zwingen uns dazu, unseren Kurs nicht nur nach dem Wind, sondern auch nach den durchgeknallten Viechern auszurichten. Wir werden mindestens 60 nautische Seemeilen Abstand zur Küste halten, eher mehr. Das sollte auf jeden Fall reichen, ein Besuch im schönen A Coruña verkneifen wir uns unter den gegebenen Umständen.
Gerade jetzt schiebt uns der Wind und eine chaotische See mal mehr nach West und dann wieder mehr nach Süd. Wir kreuzen vor dem Wind. Wir wollen es langsam angehen lassen, die Leichtwindsegel bleiben heute noch eingepackt. Wir möchten uns erstmal langsam an die See und die Bewegungen gewöhnen. Es sind noch zwei weitere Schiffe in die gleiche Richtung unterwegs und je nachdem, ob wir im Wellental oder auf dem Wellenkamm sind, sind diese am Horizont sichtbar.
Die nächste Nacht wird kalt, die Temperaturen fallen auf 8 Grad, das ist schon wie Wintersegeln in Holland, oder die voraussichtliche Temperatur zuhause an Heiligabend. Doppelte Decken, warmer Tee und ab und an die Dieselheizung halten uns hoffentlich warm. Delfine waren auch schon da, haben eine Zeitlang mit der stampfenden Hexe gespielt und andächtig dem Rhythmus gelauscht, den ich bei solchen Anlässen am Bug für die verspielten Tiere trommele. Auch ein kleiner Spatz hat sich zu uns gesellt. Das war sicher keine gute Idee, denn obwohl wir ihn mit Sonnenblumenkernen füttern und Wasser zum Trinken hingestellt haben, kann er die weite Fahrt eigentlich nicht überleben.


Jetzt ist ja die Katze irgendwie auch schon fast aus dem Sack. Unser Ziel ist – entgegen allen früheren Lippenbekenntnissen im schön warmen Hochsommer – nicht Holland als Winterlager, sondern doch wieder das sonnenverwöhnte Lanzarote. Ja, irgendwie sind wir um das Thema, wo wie wir den nächsten Winter verbringen wollen, wochenlang wie die Katze um den heißen Brei herumgeschlichen. Schließlich hat die Sehnsucht nach blauem Wasser, Wärme und dem Leben, das vor der Tür statt im beheizten Schiff stattfindet, den Ausschlag für Lanzarote gegeben. Das schöne Holland muss bis zum nächsten Frühsommer auf uns warten und ein paar holländische Freunde kommen uns hoffentlich auch auf Lanzarote besuchen.


Die Sonne senkt sich langsam zum Horizont, obwohl sie hier, soweit westlich, deutlich später untergeht als im heimischen Deutschland. Zum Glück haben wir zunehmenden Mond, genau wie bei der Reise in die Bretagne. Ich bin absolut kein Fan von superdunklen Nächten.
Wir rechnen mit zehn Tagen Reisedauer.
