Ca. 20 Seemeilen östlich von uns liegt der große Industriehafen El Jadida und die Hafenkräne zum Entladen der Containerschiffe sind bis zu uns hin sichtbar. Wir segeln immer noch mit dem Code D und dem perfekten Windeinfallswinkel von 120 Grad. Wir haben uns bewusst entschieden, tagsüber möglichst nahe zur marokkanischen Küste zu segeln. Das hat mehrere Gründe; einer ist davon ist, dass wir uns gehofft haben, dass die nördliche atlantische Stömung näher zur Küste schwächer wird, dem ist auch so. Der andere positive Effekt ist, dass der Wind tagsüber durch den thermischen Seewindeffekt stärker ist als vorhergesagt. Man kann diese thermischen Effekte sehr schön im Mittelmeer an warmen Sommertagen beobachten, tagsüber weht es zum Land hin und nachts vom Land weg. Wir segeln im Moment bei 10-12 Knoten wahrem Wind mit guten acht Knoten dahin, bei einer leichten Atlantikdünung. Es ist halt sehr wahrscheinlich, dass am späten Abend der Wind einschlafen wird, zumindest sieht es auf den Gribfiles so aus, die Cornelia mit unserer SSB-Anlage in Verbindung mit dem Pactormodem abgerufen hat.
Negativ ist, dass es ein kleines neues elektronisches Problem an Bord gibt. Die Motoren laden die Batterien nur bis zu 95 Prozent voll. Dann geht von den Lichtmaschinen kein Ladestrom in die Batteriebank hinein. Hingegen die Solarpanele vermögen die Batterien bis zu 100 Prozent vollzuladen. Wenn jemand eine Idee hat, sind wir für Anregungen dankbar. Samy tut es wirklich wunderbar an Bord, alle seine Geschäfte erledigt er mühelos. Damit es ihm nicht zu eintönig wird, spielen wir viel mit ihm und trainieren wichtige Kommandos, wie Sitz, Platz oder Hütte. Mit dem Kommando “Hütte” ist seine Flugbox gemeint, in die er sich dann hineinlegt. Heute haben ich versucht, ihm den Hütchenspielertrick mit den 3 Bechern, unter einem ist ein Leckerli, beizubringen. Den hat er auf Anhieb noch nicht verstanden und es bedarf wohl noch zahlreicher Wiederholungen. (Das waren auch keine Platikbecher, sondern Eierbecher, die schmeißt ein Hund nicht so leicht um, Anm. d.Red.)
Noch 245 Seemeilen bis Gibraltar.
Tag: 25. Mai 2018
Der zweite Tag auf See
Donnerstag 24. Mai 2018, 12:00 Uhr, Baro 1015, Sonne-Wolken, Wind SW 10-14 Knoten
Auf See, Position 31°02.97 N / 011°24.90 W, 431 Meilen bis Gibraltar.
Der schöne Code D steht und zieht uns noch mehr als die Genua Richtung Nordost. Leider raumt der Wind immer weiter, wir sind jetzt schon auf Vorwindkurs und ich bin ein bisschen angeluvt. Zum späten Frühstück gab es Münchener Weißwürste mit original süßem Senf, anschließend versuchen wir mal wieder den Gassigang mit Samy, aber der wartet tatsächlich, bis er meint, dass wir nicht zuschauen, dann geht er aufs Vorschiff und pinkelt, bestimmt drei Minuten lang, bis die kleine Blase leer ist. Neben uns fährt ein Frachter mit riesigen Kränen, angeblich mit Ziel Piräus, ob er die dahin bringt?
14:00 Uhr, Baro 1014, Wind SW um 13 Knoten, Besegelung immer noch Code D und volles Groß.
17:00 Uhr: Ein Drittel der Strecke ist geschafft! 200 nautische Meilen liegen bereits in unserem Kielwasser, also noch zweimal so viel vor uns. Um das zu feiern, setzen wir uns mit einem Bier in die Sonne, und unterhalten uns über Langfahrten, und wie wir wohl die vor uns liegenden Meilen ohne zu viel Langeweile überstehen, denn die Bootspflege ist erledigt, klar kann man jeden Tag an den Edelstahl-Wasserhähnen putzen und Staub wischen, außerdem funken und lesen und rätseln und natürlich schlafen, aber ein bisschen langweilig ist so eine Überfahrt schon. Plötzlich ein unbekanntes Geräusch. Ist die Code-D-Schot gerutscht?, die Großschot?, Nein, das Großsegel ist plötzlich in Falten. Was da passiert ist, und was wir dagegen tun konnten, davon hat der Skipper in einem separaten Blogbeitrag berichtet. Wir waren jedenfalls geschockt!
Nach 35 Stunden segeln hat Samy mitten ins Cockpit ein Häufchen gemacht, direkt nach seinem Abendessen hat er sich gedreht, und schwupp, war es geschehen! Wir sind sehr froh (ein bisschen wie junge Eltern über den ersten Zahn!), denn das bedeutet, dass wir längere Strecken mit dem Hund segeln können, wenn er einen Ort an Bord für seine Notdurft finden kann. Und bei der Abendrunde geht er selbstverständlich vorne ins Netz zum Pinkeln. Jetzt aber genug davon!
Für uns gibt es zum Abendessen Gulasch mit Nudeln, denn leider war die eingelegte Rinderlende von Lidl, die wir gestern als Spieße gegrillt haben, so zäh, dass wir beschlossen haben, sie ein bisschen länger zu kochen, lecker mit Zwiebeln, Champignons, Paprika und frischen Tomaten.
22:00 Uhr Baro unverändert, Wind SW um 11 – 16 Knoten
Freitag 25. Mai 2018, 01:00 Uhr, Baro 1014, Wind W 9 Knoten, Position 32°11.39 N / 010°14.61 W
Als ich Volker um 00:30 Uhr ablöse, hat leider der Wind nach vorne gedreht und ist schwächer geworden. Ich versuche zuerst, den Code D und das Großsegel anzuholen aber schon nach einer halben Stunde ist der Windeinfallswinkel viel zu ungünstig, ich muss Volker wecken, damit wir das Leichtwindsegel wegpacken. Danach geht es mit der Genua aber auch noch flott voran, hoffentlich wird der Wind nicht noch spitzer. Volker will weiter wachen, ich gehe um 02:00 Uhr nochmal ins Bett.
04:30 Uhr, Baro 1014, Wind NW, 9 – 10 Knoten aus 90°
Position 32°27.36N / 009°57.43 W, 320 Meilen von Gibraltar
Es ist ein fast wolkenloser Himmel, voraus sehe ich die Kassiopeia, nicht ganz so liegend wie bei uns, ich sehe den leuchtenden Mars und die Milchstraße, beeindruckend. An Steuerbord liegt der schwache Schein der marokkanischen Stadt Safi, 35 Meilen entfernt, ab jetzt müssen wir fpr die nächsten einhundert Meilen vermehrt nach Fischern Ausschau halten. Ich habe das Verzögerte Senden beim Radar eingeschaltet, alle 15 Minuten dreht sich die Schüssel 15 Mal, und würde, wie auch das AIS, einen Warnlaut geben, wenn ein gefährliches Ziel in 12 Minuten näher als zwei Meilen an uns ist. Supertechnik!
Um 05:20 Uhr zeit sich die erste zarte Helligkeit am östlichen Himmel, um 06:00 färbt sich der Horizont rötlich, um 06:30 geht die Sonne auf.
07:25 Uhr: Halbzeit! Noch 300 Meilen bis Buffalo! Nein, Gibraltar, natürlich. Nach 46,5 Stunden, davon 14 Stunden unter Motor.
Der Morgen beginnt geschäftig, da der Wind nur schwach ist mit fünf Knoten, starten wir einen Motor, der Wassermacher darf Wasser machen, ich koche Kaffee und backe die am Vorabend vorbereiteten Hefebrötchen, Volker holt den Staubsauger, und befreit das ganze Boot vom Staub. Die See ist glatt, inzwischen hat sich meine ganze Segelaufregung gelegt, die ich immer vor längeren Strecken habe, und, natürlich auch bedingt durch die perfekten Wetterverhältnisse, könnte ich mir gerade vorstellen, immer weiter zu segeln.
09:00 Uhr: Etmal der letzten 24 Stunden: 167 sm, noch 290 Meilen nach Gibraltar.