summt es wieder fröhlich zur nächtlichen Stunde. Ich werde wach, weil die kleinen Moskitos mehrere Angriffe auf mich fliegen, bei der Capitania gibt es hingegen keine Regung. Die schläft seelenruhig weiter und wird von den Stechbiestern ignoriert und im wahrsten Sinne des Wortes (ruhig) links liegen gelassen. Heute Morgen hingen sechs fette, vollgesaugte und satte Stechfliegen an der Deckenverkleidung und erfreuten sich, allerdings nicht mehr sehr lange, ihres Lebens.
Gestern war sozusagen Feierabend, wir haben mit Kathrin, Tina, Peter und Gary das Ende der Woche und den Beginn des Wochenendes gefeiert, dabei im hell erleuchteten Cockpit gesessen und die Schiebetüren zum Salon standen natürlich sperrangelweit offen. Trotz kurzer Inspektionsrunde nach Moskitos vorm Schlafengehen, bei der ich auch drei gefunden und beseitigt habe, gab es scheinbar genug Überlebende, um mich heute Nacht busy zu halten. Ab heute Abend hängt wieder unser Fliegenvorhang vorm Saloneingang.
Wir warten auf Petra…
Ebenfalls ab heute haben wir auch wieder Besuch an Bord und freuen uns sehr auf 14 Tage mit Petra, die aus dem fernen Düsseldorf angeflogen kommt. Cornelia hat einen Leihwagen organisiert und in den nächsten Tagen werden wir Petra die schönen Seiten von Lanzarote zeigen und von denen gibt es ja einige. Die Capitania hat schon,wie sie es gerne macht, ein Landgangsprogramm entworfen, der Besichtigungszeitplan ist eng getaktet.
… da kommt sie!
Eigentlich wollte ich heute mal mein Surfbrett klarmachen und eine Runde Windsurfen gehen, aber die Palmen wiegen und biegen sich dermaßen im starken Nordostwind, dass es schlicht zu viel für meinen Wiedereinstieg ins Surferleben ist. Dazu scheint endlich die Sonne vom wundervoll tiefblauen Himmel und die Temperaturen erreichen tagsüber die 20-Grad-Grenze und gehen oft sogar drüber. Die Oberseite vom Schiff ist komplett poliert und gewachst und glänzt mit der Sonne um die Wette. Ende.
und andere kleine Probleme sorgen für Abwechslung im Bordalltag und beschäftigen die Capitania und mich. Fangen wir erstmal mit der Waschmaschine an, die gestern, sehr zu unserem Erstaunen, im 60-Grad-Waschprogramm ein bisschen Seifenlauge auf den Boden im Backbordrumpf geleckt hat. Beim heutigen 40-Grad-Kontrollwaschgang war dann alles pottendicht und staubtrocken. Oh Wunder, oh Wunder, könnte man jetzt sagen und denken, dass der Lavamat sich selbst repariert hat, aber ich hab so eine Idee, was die Ursache der kleinen Undichtigkeit gewesen sein könnte. Es war nur knapp ein viertel Liter, der da rausgeschwappt war, und auch nur vor der Öffnungsklappe war es nass. Vom Waschmittelbehälter abwärts ist ein kleiner Kalkstreifen zu sehen. Ich vermute, dass der Waschmittelbehälter nicht ganz fest verschlossen war. Morgen gibt es einen Kontrollwaschgang bei 60 Grad.
ohne Worte
Ein altbekanntes Problem ist, dass bei nachlaufendem höheren Seegang, der sich über die Badeplattform bricht, immer noch Wasser in den Steuerbordmotorraum gelangt. Das Leck muss irgendwo ganz hinten unter der Badeplattform sein, undje nach Menge läuft das Salzwasser dann durch kleine Verbindungslöcher und sammelt sich vorm Motor. Jedoch nicht nur dort gibt es eine Undichtigkeit, auch vor dem Auspuffkrümmer unserer Dieselheizung ist es feucht und die Auspuffrohrschweißstellen sind verrostet und das Hitzeisolationsmaterial bröselt. Zudem ist am Auspuffauslass in der Bordwand noch eine lecke Stelle, wie eine verräterische Rostnase erkennen lässt.
Die Capitania kämpft seit Tagen mit der SSB-Funkanlage, mit der wir eigentlich über große Distanzen hinweg, sogar weltweit, kommunizieren können sollten, was bei uns aus irgendeinem Grund nicht richtig funktioniert. Die Funkrunde mit Intermar kommt jedenfalls, wenn überhaupt, bei uns nur zerhackt an und von den ganzen Gesprächen zwischen den Amateurfunkern versteht man rein gar nix.
Gestern haben wir mit Peter und Kathrin von der Florentine, die im Hafen hier sind, gefunkt, die kurze Distanz funktioniert tadellos. Peter hat der Cornelia noch ein paar Tipps zur Geräteeinstellunggegeben, damit das Gerausche aufhört. Jetzt heißt es abwarten und ausprobieren.
Ende des britischen Abends
Abends ging es dann auf die lokale Kneipenmeile, die hier im Hafen sehr schön angelegt ist. Egal ob Indisch, Italienisch, heimisch Spanisch, Chinesisch, oder wie in unserem Fall, die englische Küche, es gibt eine Riesenauswahl an guten Restaurants, Bars und Cafés. Wir haben uns für die englische Küche im Sorleys entschieden und zusammen mit Peter und Kathrin (und unseren englischen Freunden der Championsleague) einen (feucht-) fröhlichen Abend verbracht.
Heute sind wir dann irgendwie nicht so richtig in die Puschen gekommen und haben fast nix getan. Damit wir nicht nur nichts tun und damit der Hund noch zu seinem Auslauf kommt, geht es gleich zu Fuß ins 5 Kilometer entfernte Puerto del Carmen. Zum Wetter schreib ich diesmal nichts, da es viel zu schlecht für die Jahreszeit ist..
Der Hexentag des Tages heißt “Samy under Sails”, denn der Hund war großartig auf der Überfahrt nach Lanzarote! Hier das Logbuch:
Samstag, 21. April 2018, Baro 1015, Sonne-Wolken, 16°, Wind WSW um 5 Santa Cruz de Teneriffe 09:00 –Puerto Calero auf Lanzarote 22.4.2018 02:45, 148 sm
Eigentlich wollten wir um 07:00 Uhr ablegen, aber da war dermaßen furchtbares Wetter, die Wolken hingen bis zum Meer, es regnete, eklig, dass wir beschlossen haben, noch ein bisschen abzuwarten. Es hetzt uns ja auch keiner. Ob wir nun morgen früh um vier oder um acht oder um zwölf in Lanzarote ankommen, ist schon egal.
Der Regen ist vorbei
Um 09:00 war es aber dann doch soweit, Leinen los in Santa Cruz, sonst schlagen wir hier noch Wurzeln! Langsam motoren wir durch den Hafen, winken Gary und Tina von der Dragon ein „Adieu!“. Draußen ist Leeküste, kein Schwell, ideal zum ersten Segelsetzen nach so langer Zeit, und zum ersten Mal für Samy. Zunächst ein Schrecken: Die Großschotklemme scheint nicht zu halten, die Leine läuft einfach so durch. Doch bei näherer Inspektion findet Volker den Fehler, es war nur ein wenig Dreck auf der Schot, jetzt funktioniert auch das. 09:30 sind die Segel gesetzt, das Groß im 1. Reff, denn wir erwarten außerhalb des Inselschattens 17 – 20 Knoten Wind, die Genua steht voll, und mit einem Raumschotkurs beschleunigt die Hexe schnell auf über acht Knoten Fahrt.
Als wir aus der Abdeckung der Insel heraus sind, baut sich eine ordentliche Welle von backbord auf, und kurzfristig schwächelt der Wind mit elf Knoten, zehn Minuten muss der Motor mit schieben, dann kommen wieder 25 Knoten Wind.
Den Regen kann man im Radar sehen
Um 13:00 Uhr geht erneut eine Front durch, diesmal kann ich auf dem Radar den Regen sehen. Die erste Wolke zieht vorne vorbei, aber der zweite Teil erwischt uns, der Himmel schüttet eimerweise Wasser aufs Boot. Ich glaube, mein Skipper ist gar nicht so traurig darüber, vielleicht ist jetzt der schwarze Sand aus Santa Cruz richtig abgewaschen. Volker hat nämlich gestern dreimal das Schiff gewaschen, kaum war er fertig, kamen die nächsten Schauerböen, mit ordentlich schwarzen Steinchen aus den Lavabergen, oder vom Parkplatz.
Unglaubliche Wassermengen
Nach vierzig Minuten ist auch dieser Seeschauer vorbei, der Skipper bekommt sein Mittagessen, und wir wechseln die Genua auf die andere Seite zum Schmetterling. Nach Durchzug der Front hat der Wind weiter auf achtern gedreht. Allerdings muss man die Wolkenfelder am Heck im Auge behalten.
17:00 Uhr: Ein Frachter mit Ziel Lissabon kreuzt unseren Weg, gerade noch zu sehen, und das AIS sagt, dass in 10 Meilen Entfernung eine 12m-Yacht ebenfalls passiert hat, aber die konnten wir nicht sehen, schon gar nicht bei den doch ganz ordentlichen Wellen. Der Wind frischt zwischendurch immer mal auf gute 22 Knoten auf, dann geht er wieder auf 16 – 17 Knoten herunter, nur die Wellen bleiben und schaukeln die Hexe durch.
Ein kleines Stückchen ist am Unterliek des Vorsegels abgescheuert, da müssen wir wohl mal einen Segelmacher finden, der das repariert. Ich glaube, in dem Fall streikt meine Singer-Nähmaschine.
Samy macht sich total gut, allerdings haben wir ihm auch zugestanden, dass er sich das Salonsofa erobert. Anfänglich war er noch ziemlich nervös, aber seit er auf das Sofa darf, liegt er entspannt schlafend meist auf seiner blauen Decke. Nur als der Skipper sich auch hingelegt hat, musste er sich ein bisschen näher ran kuscheln.
1:00 Uhr, Baro 1012, dunkel. Ab und zu kreuzt ein Frachter oder ein Tanker unseren Weg, auch zwei Segelboote, die haben wir aber nur auf dem AIS gesehen. Eine kleine zunehmende Mondsichel steht hoch am Himmel, wenn keine Wolken mehr kommen, soll sie uns bis 02:00 Uhr begleiten.
Samy liegt auf dem Sofa, lässt die Segelei über sich ergehen, wir haben ihn schon mehrfach übers Boot geführt, besonders hinten zu der Stelle, an der er am ersten Tag gepinkelt hat, aber jetzt macht er nichts, gar nichts. Tatsächlich hat er durchgehalten bis Puerto Calero. Klar, es wäre uns lieber gewesen, er hätte zwischendurch etwas gemacht, denn vier Tage bis Gibraltar kann er nicht anhalten… Aber er ist sooo brav, wir sind ganz gerührt, wie gut er sich an seinem ersten Segeltag verhalten hat. Im Hafen bekommt er den ersehnten Spaziergang gepaart mit Leckerlis und einem großen Lob.
Der neue und alte Liegeplatz der Hexe in Puerto Calero
Insgesamt war es ein schöner Tag, am Ende sogar mit richtig gutem Wind aus 120°, Topspeed war 14,8 Knoten, wir sind zufrieden, und nach Hundespaziergang und Boot aufklaren gibt es um fünf Uhr in der Früh ein Bier unter dem Sternenhimmel am Steuerstand, dann fallen wir müde ins Bett.
Während wir hier bei einem äußerst kühlen Wolke-Sonne-Regen-Mix, gepaart mit heftigen Böen, ausharren und unser Abfahrtsdatum nach Lanzarote immer weiter nach hinten schieben, macht uns Larissa eine lange Nase und berichtet von prall gefüllten Biergärten bei Temperaturen von über 25 Grad in Darmstadt. Wetteranomalie, Klimaverschiebung oder haben wir schlicht ein schlechtes (Früh-) Jahr auf den Kanaren erwischt? Das sind so die Fragen die mir durch den Kopf schießen. Auch Patrick aus Cannes berichtet vom Sommereinzug im Mittelmeer mit Sonnenschein.Egal wie, wir gönnen dem Norden, unserer Familie und unseren Freunden jedes Grad und jeden Sonnenstrahl von Herzen:-)))
Die Danmark in voller Schönheit
Heute morgen wurde die Aussicht übers Hafenbecken durch den dänischen Rahsegler “Danmark” bereichert, der ca. 80 Meter achteraus im südlichen Industriehafenbecken seinen Liegeplatz zugewiesen bekommen hat. Ein paar Worte zur Danmark selbst, sie ist 1933 in Dienst gestellt worden und fährt heute für die zivile dänische Seefahrtschule in Frederikshaven/Dänemark. Bei einer Länge von 60 Metern und einer Breite von 10 Metern verfügt sie über 14 feste Besatzungsmitglieder auf dem Vollschiff und maximal 80 junge Nachwuchsnautiker, die auf der 3,5 Monate langen Nordatlantik-Sommerreise in der traditionellen Segelschifffahrt ausgebildet werden.
Der erfindungsreiche Schlagzeuger gehört nicht zum offiziellen Konzertprogramm
Überhaupt ist in dem Industriehafen von Santa Cruz ganz schön was los, besonders im Nordteil. Neben den Pendelfähren, die von hier aus zu allen umliegenden Inseln verkehren, und den fast täglich erscheinenden Kreuzfahrtschiffen, gibt es ein großes Containerterminal, in dem permanente Verladetätigkeiten zu beobachten sind. Außerdem gibt es den weiter von der Stadt entfernten Hafenteil, in dem die Öltanker anlegen, um die Insel mit den benötigten Kraftstoffen zu versorgen.
Im Stadtkern von Santa Cruz gibt es ab dem jetzigen Wochenende und im Wonnemonat Mai einige musikalische Darbietungen auf verschiedenen Bühnen. Wir drücken die Daumen, dass die Konzerte nicht ein Opfer des schlechten Wetters werden, und buchstäblich in Wasser fallen.
Ruhetag, gestern war nix los, schaffensmäßig, die Batterien waren leer, der Polierarm schwer und die Schultern schmerzten. Die Tage davor ging es hoch her auf der Hexe, nicht mit Partys bis tief in die Nacht sondern mit der Arbeit. Fünf Wochen verlassenes Boot gehen an unserem Kat, besonders an dem sonnenausgesetzten Gelcoat, nicht spurlos vorüber. Besonders hier in Santa Cruz, wo die alte Armasfähre mit dicken Rußpartikeln die Umgebung einsaut und der schwarze Sand aus dem Anagagebirge in alle Ritzen reinkriecht. Enorm viele Stunden haben wir gebraucht, um unseren Kat wieder, auf Hochglanz zu polieren, inklusivedes ganzen Edelstahlmaterials. Damit der Glanz länger anhält, wird am Schluss ein UV-abweisendes Wachs aufgetragen.
Zudem wurde das Unterwasserschiff, so gut es ging, mit der Decksbürste vom Algenbewuchs gereinigt, die kleinen Muscheln abgekratzt, alle akkubetriebenen Gerätschaften geladen, die Backbordmotorbilge gereinigt, das Beiboot mit reinem Alkohol gereinigt, endlich eine UV-Schutzfolie auf die Stauraumluken aufgetragen, und der Impeller von der Logge (Geschwindigkeitsanzeige mit Drehrädchen an der Rumpfunterseite) vom Muschelbewuchs freigekratzt.
Das Beiboot wird gesäubert
Letzteres ist normalerweise eine fixe Aktion. Logge ziehen, stattdessen Blindstopfen ins Loch, damit kein Wasser einströmt, Logge mit Messer oder kleinem Schraubendreher reinigen und wieder rein damit. Gestern ließ sich der Blindstopfen nur mit Gewalt rein drücken und am Ende kam er nicht mehr raus.Gutes Zureden half nicht, Fluchen auch nicht, Ziehen mit Gewalt, vergiss es. Also bin ich schnell zu Gary rüber und hab ihn um Hilfe gebeten. Der kam, aber der böse Blindstopfen widersetzte sich auch der gemeinsamen Anstrengung. Da half nur ein eins. Schnorchel, Maske, Flossen an, und mit dem Hammer bewaffnet abtauchen in die Hafenbrühe. Nach ein paar Tauchversuchen und beherzten Hammerschlägen von unten auf den Blindstopfen, kam er endlich oben raus und die saubere Logge konnte wieder zurück an ihren angestammten Platz.
Danach gab es für mich eine Entsalzungsdusche auf der Badeplattform und für Gary ein herzliches Dankeschön. Erfolgreiches Ende des Hafenschwimmens, Teil 1.
Samy musste seine Schwimmweste ausprobieren
Hafenschwimmen Teil 2 fing erst eigentlich ganz lustig an. Ich kam nach einem kurzen Mittagsschlaf raus ins Cockpit, bemerkte, dass eine Frau im Hafenbecken schwamm und teilte dies Cornelia mit. Die sagte, ja ja hätte sie auch schon gesehen. Doch statt zu irgendeinem Schiff zurück zu schwimmen, wollte sich die Lady am Steg hochziehen, was natürlich nicht gelang. Erst da nahm ich wahr, dass ihr Partner, Ehemann, Mitreisender, Freund, oder was auch immer, angezogen oberhalb des Steges auf dem Parkplatz stand und zunehmend unruhig wurde, weil sie es nicht alleineaus dem Wasser schaffte. Er kletterte daraufhin über den Mauerrand auf den Steg (so wie die Lady vermutlich auch dahin gekommen ist) und bückte sich, gab ihr eine Hand und versuchte, sie aus dem Wasser zu ziehen, was er nicht schaffte. Man muss dazu sagen, dass die Stegkante gut 40 Zentimeter über dem Wasser liegt. Dann versuchte die Frau erfolglos, sich an unserem Backbordschwimmer hochzuziehen, der nur 25 Zentimeter übers Wasser ragt. Jetzt wurde es Zeit, aktiv zu werden, ich begab mich zu dem mittlerweile aufgeregten Mann und gemeinsam zogen wir die ermüdete Schwimmerin auf den Steg hinauf. Dabei zog sie sich eine kleine Schnittwunde von dem Muschelbewuchs an der Stegunterkante zu. Ich bot ihr daraufhin ein Desinfektionsmittel an, weil derlei Wunden schnell eitern, bzw. um der Gefahr einer Blutvergiftung zu entgehen. Sie meinte lapidar, dass Salzwasser desinfiziert, worauf ich entgegnete, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Sie sagte dann dass sie Ärztin sei, ich sagte nichts mehr und dachte mir meinen Teil… Ende Hafenschwimmen Teil 2.
Unsere Abfahrt haben wir auf den Samstag vertagt. Da soll es perfekte Windverhältnisse für den Lanzarotetrip geben.
Impressionen vom Kurztrip nach Puerto del Carmen heute morgen:
Gestern Abend hatten wir den ersten nächtlichen Ausgang mit Samy zu einem Restaurant. Es ging hoch in die Altstadt von Santa Cruz, die mit der in 1578 erbauten Kirche La Concepción ein weithin sichtbares historisches Bauwerk aufzuweisen hat.
Die meisten Altstadtwohnhäuser sind nach 1800 erbaut worden, da der Altstadtkern klein aber fein ist, kann man bequem und entspannt durch alle Gassen bummeln. Oberhalb der Kirche gibt es eine Ansammlung von Bars und Restaurants, die von den bekannten kanarischen Tapas-Köstlichkeiten bis hin zu exklusiven Fleisch-und Fischgerichten alles anbieten, was der hungrige Gast begehrt.
Eine kleine Freßgass’
Wir hatten Glück und einen schönen Sitzplatz mit Aussicht auf einer Terrasse ergattert und damit das ganze Altstadtgeschehen im Blick.
Sozusagen Glück Nr. 2 war an diesem Abend, dass es in dem Restaurant unserer Wahl eine kostenlose Bierprobe gab, die von der kanarischen Dorada Brauerei veranstaltet wurde. Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne den Gerstensaft trinke :-). Doch zurück zu Samy, der hat sich unterm Tisch vorbildlich verhalten und nur hin und wieder neidisch nach unserem Essen gelunst.
Die Schönheiten des Karnevalvereins auf dem Laufsteg
Beim Karnevalsverein gab es eine Art Misswahl oder Modenschau, so ganz klar war uns das nicht, zumal die jungen Damen mit ihren hochhackigen Schuhen eher wohlproportioniert waren. Je später es wurde, umso mehr Menschen strömten ins historische Zentrum und in die umliegenden Restaurants.
Brav liegt Samy im Fußraum beim Autofahren
Heute war dann auch die vom Tierheim gesetzte Probezeit mit Samy abgelaufen. Für uns stand eigentlich von Anfang an fest, dass der Hund bei uns bleiben wird. Dafür haben wir ihn ja auch ausgesucht, den Süßen. Wir sind um die Mittagszeit nochmal zum Tierheim gefahren und haben Samys europäischen Hundeausweis abgeholt. Damit gehört er jetzt ganz formal und offiziell zu uns, wir sind sehr glücklich, dass das so ist.
Da ist der böse Wirbelsturm
Aus seglerischer Sicht müssen wir noch, so wie es aussieht, bis Mittwoch warten, um rüber nach Lanzarote segeln zu können. Da gibt es ein kleines Vielleicht, denn oben im Atlantik tobt ein Frühjahrszyklon, der rund um die Azoren für orkanartigen Wind sorgt und sich anschickt, nach Süden zu ziehen, und hier um die Kanaren herum für haushohe Wellen sorgen könnte.
integriert sich Samy ins Bordleben, egal ob die Capitania das Edelstahl poliert, ich in der Küche rumwerkel oder ob jemand von uns die drei Stufenin den Seitenrumpf runtergeht, der Hund ist immer interessiert mit dabei. Außerdem ist Samy ein echter Schmuser und genießt es, gedrückt und gestreichelt zu werden. Bindungsmäßig fühlt es sich an, als ob er schon ganz lang bei uns ist und wir hoffen, dass Samy noch eine kleine Ewigkeit bei uns bleiben wird. Es macht echt viel Spaß mit diesem tollen Hund zusammen zu sein.
Volker am Rad der Dragon – ein bisschen Fremdgehen ist erlaubt
Spaß hat es mit heute auch gemacht, auf einem besonderen Schiff mit zu segeln, einem sehr schnellen Katamaran, der noch ein paar Zentimeter länger ist als unserer und den passenden Namen “Dragon” am Heck führt.
Dragon in voller Schönheit
Wenn man an Drachen denkt, kommen fliegenden Saurier aus der Urzeit in den Sinn, doch Dragon ist ein supermodernes Schiff in Vollkarbonbauweise mit allem Higtech, das es braucht, um so ein schnelles Gefährt, das gute 4,5 Tonnen weniger wiegt als die Hexe, sicher mit kleiner Crew durch die Wogen des Meeres zu segeln. Meistens zeigte die Geschwindigkeitsanzeige zweistellige Werte an und wir waren fast immer schneller als der Wind unterwegs. Topspeed am heutigen Tag waren fantastische 19 Knoten Speed over Ground und das mit der kleinen Stagfock und einem Reff im Großsegel bei flacher See. Der Unterschied zur Hexe, die ja nun nicht wirklich langsam segelt, war deutlich zu spüren.
Sauber läuft das Wasser am Heck ab
So ein schnelles Schiff braucht eine professionell erfahrene Schiffsführung und die hat es mit Gary und Tina, die die Trimmklaviatur, bestehend aus Traveller, Großschot, drehendem Mast und Schwertern, die Auftrieb produzieren, bestens beherrschen. Herzlichen Dank für den coolen Tages-Trip.
Freitag, der dreizehnte!
Heute Abend waren wir bei Monika und Walter zum Abendessen eingeladen und haben super leckeres Osso Buco mit Polenta gegessen. Es war zudem ein erstes Zusammentreffen an Bord von deren super liebem Bordhund Gipsy und Samy, den wir mitbringen durften. DieHunde haben sich gut verstanden – oder in Ruhe gelassen, wir haben uns gut unterhalten, vielen Dank an euch für den schönen Abend. Besser als heute kann ein Freitag, der dreizehnte, nicht vorüber gehen…
Zurück an Bord vom Gute-Nacht-Spaziergang mit unserem neuen Hundeleichtmatrosen, springt Samy, so als wäre es selbstverständlich, direkt aufs Salonsofa und legt sich hin. Ich will ihn am Halsband hinunter zerren, weil er dort definitiv nicht hingehört Er fletscht die Zähne, knurrt mich an, ich werde laut und drück ihn auf kurz auf den Boden. Die erste Runde geht an mich.
Heute geht es auf eine große Spaziergehrunde hinter die Halbinsel vom Auditorium. Erster Gehversuch ohne Leine, weil der Hund bisher fabelhaft dicht neben uns her gelaufen ist. Samy läuft hin, wo er will und hört kein Stück. Klarer Punktsieg für den Hund.
Cornelia insistiert und meint, der Versuch ohne Leine sei zu kurz gewesen, der Hund muss sich erst an seine Freiheit gewöhnen. “Let the Dog out”, Teil zwei – Leine los. Vom Hunger (oder besser Gelüsten) getrieben, sucht der arme Samy das Gelände nach Essbarem ab und findet magischer Weise etwas Fleischiges, das sich später als eine riesige Scheibe Serranoschinken herausstellt. Er hat also einen guten Geschmack und will das Stück Schinken nicht mehr hergeben. Bei jedem Versuch, ihn anzuleinen, haut er flugs ab. Kluges Tier, ganz klar, aber irgendwann haben wir ihn mit viel List und Kraft vom Schinken getrennt. Da der Vorgang lange gedauert hat, kann man diese Runde als unentschieden durchgehen lassen.
Es folgt ein kurzer Strandbesuch, um mal zu sehen, ob sich der mittlerweile angeleinte Hund direkt ins Wasser stürzt. Tut er nicht, eher läuft er vor den Wellen weg, lässt sich dann aber doch auf eine kurze Salzwasserdusche ein.
Leider ohne Nummerngirl wie beim Boxkampf wird die nächste Runde zwischen Mensch undHund eingeläutet. An einer Bank lösen wir noch einmal die Leine, Samy findet prompt eine halbleere Austernschale, zerbeisst diese in einer affenartigen Geschwindigkeit und schluckt Teile davon.
Fazit: Nach zwei ereignisreichen Spaziergehstunden mit Samy suchen wir fieberhaft nach öffentlichen Fördergeldern im Internet für unseren Hund, weil der systematisch und konsequent Santa Cruz vom organischen Müll befreien möchte. Wenn wir keine Fördertöpfe finden, werden wir eine Petition starten.
Unabhängig voneinander haben wir beide in der Nacht wachgelegen und die Für-und-Widers bedacht, ob wir uns wieder einen Hund anschaffen sollen. Am frühen Morgen liegen wir nebeneinander und Volker fragt: „Was denkst Du?“ „Ei, ja, was denkst Du denn?“ „Klar, warum nicht?“
Samy – selbstbewusste Schönheit
Eindeutige Kommunikation zwischen Ehepaaren, noch vor dem Aufstehen, bedeutet: Wir fahren jetzt dorthin, holen den Hund, und schauen mal, ob er von uns geholt werden möchte. Und ob der wollte! Die ganze Meute der kleinen Hunde war aufgeregt, als wir die Papiere fertig machen lassen, damit wir Samy mitnehmen können, zuerst einmal ein paar Tage zur Probe. Den Hundepass bekommen wir normalerweise erst nach einer Probezeit von vierzehn Tagen, aber wir verhandeln auf den kommenden Sonntag, denn am Dienstag könnte das Wetter gut sein, um nach Gran Canaria oder Lanzarote zu segeln, und das machen wir nur mit gültigen Papieren.
Und Samy hat, ganz gegen seine Gewohnheit, heftig gebellt heute morgen, als wollte er sagen: „Heute müsst Ihr mich aber wirklich mitnehmen“. Gestern beim Abschied hat er schon soooo traurig geschaut, nach dem Motto: „Wie, Du nimmst mich jetzt nicht mit?“ Dabei muss man sagen, den Hunden im Refugio Internacional de los Animales geht es gut, sie werden hervorragend versorgt, der Tierarzt kümmert sich um sie, und die angestellten Tierpfleger sind den ganzen Tag damit beschäftigt, für der Tiere Wohl zu sorgen.
Selva hätten wir auch genommen
Wir bezahlen 105,00 €, gehen noch eine Runde mit Samy und drei anderen Hunden spazieren, alle süß, alles Kandidaten für einen Platz an der Hexensonne, Sancho, der quirlige junge Mix, Olga, ein bisschen älter, klein, aber oho, und Selva, keine Schönheit, von der man noch nicht viel weiß, weil sie gerade erst ins Heim gekommen ist, die aber, so denke ich, unglaublich intelligent ist; man könnte sie alle mitnehmen.
Samy – in ganzer Länge
Wir aber haben uns entschieden, Samy soll mit uns kommen. Samy ist zwölf Jahre alt, sein Herrchen ist verstorben, deshalb kam er ins Heim. Samy ist hübsch und ein ruhiger Charakter. Und er hat unser Herz gefangen. Warum sollte er sein Alter im Tierheim verbringen? Ein paar schöne Jahre noch mit uns sind viel besser. Findet er auch.
Nach obligatorischen Abschiedsfotos verlassen wir mit Samy das Heim, er steigt gerne ins Auto, muss überzeugt werden, dass er im Fußraum sitzt und nicht auf dem Beifahrersitz, irgendwann legt er sich hin. In La Laguna besorgen wir uns in der örtlichen Zoohandlung ein Körbchen, Dog-Shit-Beutel, eine Wasserschale und Spielbälle.
neues Terrainzum Erkunden
Problemlos lässt Samy sich in Santa Cruz aufs Boot heben, erkundet es neugierig, in jede Schublade, die ich aufziehe, steckt er seine Nase und folgt uns auf Schritt und Tritt.
Gute Nacht!
Erst als der Skipper sich zum späten Mittagsschlaf auf die Couch legt, macht der Hund es sich im Körbchen bequem. Im Moment kämpfen wir noch damit, Samy zu erklären, dass das Sofa den Menschen gehört und nicht dem Hund…
Seit gestern haben wir wieder die täglichen Spaziergehrunden mit den Tierheimhunden in Los Realejos in unserem Tagesprogramm. Seit unserem letzten längeren Aufenthalt im Februar auf Teneriffa wurden viele der kleineren Hunde in ein neues Zuhause vermittelt. Die Arbeit der Tierschützer vor Ort wird wohl dennoch niemals enden, denn es gab ebenso viele Neuzugänge. Vor ein paar Tagen wurden drei gerade mal sechs Wochen alte Welpen bei einer Polizeistation abgegeben und von dort ins “Refugio internacional de los animales” vermittelt. Die drei schwarzen Babywelpen sind sooooo süß und genießen jede menschliche Zuwendung. Larissa, der wir ein paar Fotos zugesandt haben, meint, dass es sich eventuell um Bulldogwelpen handeln könnte.
“Sinfonia de las gambas”, lecker!
Gestern Abend waren wir unglaublich leckere Tapas in Puerto de la Cruz essen. Abschiedsessen sozusagen, nicht für uns, aber für Simone Jochen und Reik, deren Urlaub auf Teneriffa sich dem Ende zuneigte. Die „Bodega Julian” ist nicht nur wegen ihres leckeren Essens bekannt, es werden zwischendurch von dem Chef des Hauses und der stimmgewaltigen Tochter spanische Balladen gesungen und mit Gitarre begleitet.
Die ganze Familie macht Musik
Nicht umsonst glänzt die Bodega mit Top-Bewertungen im Netz und ohne Tischreservierung bekommt man auch keinen Platz.
Heute Nachmittag ging es mit unseren Schweizer Freunden, Walter und Monika, zu einem Probeschlag hinaus auf den Atlantik. Die beiden haben in Eigenleistung in 17 Jahren ein 42 Fuß langes Stahlschiff gebaut. Das Hauptaugenmerk bei der Ausfahrt war, was man trimmtechnisch am Schiff noch verbessern kann, um noch ein paar Zehntelknoten mehr raus zu kitzeln. Das Schiff ist als Langkieler konzipiert, braucht ein bisschen mehr Wind, bis es los segelt, dafür setzt es wundervoll weich in die Wellen ein und vermittelt so ein ganz anderes, ruhigeres Segelgefühl als die gewohnten Performance-Yachten. Trotz anfänglicher Schräglage beim Amwindkurs hatte Cornelia deshalb das Einrumpfersegeln sehr genossen.
brrrrr…
Das Wetter ist fast noch wie zur Winterszeit, es regnet hin und wieder, die Temperaturen liegen zwischen 18 und 20 Grad, und der Wind weht kühl aus nördlicher Richtung. Insgesamthaben wir uns das ein bisschen wärmer vorgestellt oder vielmehr erhofft.