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  • Es regnet – il pleut 

    wie der Franzose sagt. Der Regen ist an sich nichts Ungewöhnliches in der Bretagne, aber es regnet auch, wenn Sonnenschein vorhergesagt ist. Die Luftfeuchtigkeit ist enorm hoch, Handtücher, die wir zum Trocknen in den kurzen regenfreien Perioden raushängen, sind kaum weniger feucht, wenn wir sie wieder abhängen.

    Aber das Wetter soll nicht die Hauptrolle in diesem Blogbeitrag spielen, eher eine kleine Nebenrolle. Ansonsten ist es sehr schön hier in der Bretagne, malerische Buchten und Flussläufe zeigen ein veränderliches Landschaftsbild durch das ständige auf und ab der Gezeiten, hübsche historische Altstadkerne laden zum Bummeln ein, und in den traditionellen Creperien gibt es herzhafte Galettes, süße Crepes und natürlich den landestypischen Cidre.

    Auch dass unsere Website, an der wir so hängen, die unter anderem über 12 Jahre unseres seglerischeren Lebens beinhaltet und abbildet und in den letzten Wochen mehrfach offline, von gegnerischen Mächten angegriffen und noch immer nicht vollständig wiederhergestellt ist, bekommt nur eine kleine Nebenrolle, also ein paar Zeilen Aufmerksamkeit in diesem Blogbeitrag. Cornelia ist beinahe täglich, im nicht immer zufrieden stellenden Austausch mit unserem Provider Ionos und investiert Stunde über Stunde, nur damit auf der Website wieder alles so ist, wie es bisher war. Eine echte Sisyphusarbeit. Wir hoffen, dass  wir jetzt und zukünftig wieder Blogbeiträge einstellen können, damit wir unser Seglerleben mit Euch teilen können.

    Der eigentliche Grund für die Reise in die Bretgne war ja, das bei unserem Mastenbauer Lorima das sogenannte stehende Gut gewechselt werden soll. Bezahlen für die Wanten und das Vorstag mussten wir im Voraus, erst dann sollte die Bestellung an den Zulieferer rausgehen. Am Tag vorm Wechseltermin sind wir nach wunderbaren gemeinsamen Ferientagen mit unserer Enkelin hoffnungsfroh in die Bretagne zu unserem Boot nach Lorient gefahren.

    Kurz gab es nach dem Anruf vom Directeur von Lorima ein bisschen Konfusion, weil der uns mitteilte, dass der eingeplante und für uns vertraute Projektmanager nicht mehr zur Verfügung steht. Doch ein Ersatzrigger war schnell gefunden, nur mein Vertrauen in einen guten und geregelten Projektablauf war erst einmal ein bisschen erschüttert. Egal wie, gestern ging der Wechsel der beiden Hauptwanten mithilfe eines Krans und  der geriggten Hilfswanten, gut und flott über die Bühne. Zwei junge Rigger arbeiteten hoch im Mast und der Chef der Firma und ich als Helfer an Deck, sozusagen als Bodenpersonal. 

    Nach zwei Stunden waren die Wanten erfolgreich getauscht und die Hexe fuhr vom Kranplatz zurück zu unserem Liegeplatz. Dann ging es mit viel Einsatz, zu viert, an den Wechsel des Vorstags, ebenfalls bei stehendem Mast. Das ist insofern möglich, als wir ein zweites inneres Kutterstag und mehrere Fallen haben, die den Mast auch ohne Vorstag sicher oben halten.

    Schnell war das alte Stag unten, was dann extrem lang dauerte, war der Wechsel der einzelenen Aluminiumprofile, die über das eigentliche Vorstag montiert werden, und an denen das Vorsegel nach oben gezogen und aufgerollt werden kann. Es dauerte bis ca. 18 Uhr, bis wir soweit waren, dass das neue Drahtvorstag samt den alten ummontieren Aluprofilen, gesetzt werden konnte. Um 19 Uhr war dann alles erledigt, zehn Stunden harte Arbeit lagen hinter uns. Das Team von Iroise Rigging hat wirklich eine sehr gute Arbeit geleistet und meine Befürchtungen haben sich –  Gott sei Dank – nicht bestätigt. 

    Unsere Wanten bestehen im Prinzip aus dem hochfesten Material Kevlar. Und laut der Auskunft vom Rigger werden unsere alten Wanten recycelt. Das Kevlar wird von einer holländischen Firma geschreddert und danach zu schussfesten Westen oder Hitzeschutzhandschuhen weiter verarbeitet.

    Die Hexe liegt jetzt vollgetankt, vollproviantiert und bereit für neue Abenteuer am Steg. Wir werden berichten.

  • Pustekuchen

    Die Freude über unsere wieder aufgetauchte Website währte nur kurz. Erstens funktionierten die Plugins wie Kalender oder die Benachrichtigung unserer Freunde, aber auch der Spam-Filter nicht mehr (ganz schlecht), und es war trotz mehrerer Versuche meinerseits und weiterer Telefonate mit den „Telefonseelsorgern“ von Ionos nicht möglich, sie erneut zu installieren.

    Und dann war die Seite noch einmal komplett weg. Und als sie dann nach weiteren Telefonaten wieder online war, sieht sie jetzt ein bisschen arm aus. Aber ich bleibe weiterhin dran 🥹.

    Wir haben eine schöne Woche in Hoorn verbracht, viele alte Freunde getroffen, alle Neuigkeiten ausgetauscht. Wir haben Rundfahrten mit dem Dinghy durch die Stadt gemacht.

    Im Hafenrestaurant vorzüglich gegessen, und als Highlight waren wir am letzten Abend bei einer Freundin eingeladen, um von ihrem Wohnzimmer mit der riesigen Fensterfront das jährliche Life-Konzert auf der „Abel Tasman“, einem riesigen alten Plattbodenschiff mitzuerleben.

    Es gab verschiedene musikalische Stile zu bewundern, als erster zeigten die Kinder der ansässigen Musikschulen ihr können, dann kamen von einem kleinen Orchester mit Streichern, Bläsern und Harfe eigenwillige Interpretationen klassischer Musikstücke, und schließlich wurde es populär bis rockig. Dazu tanzten – außer uns allen an dem Fenstern – viele Menschen unten an der Uferpromenade.

    In Deutschland haben wir in den vergangenen zwei Wochen eine entspannte Zeit verbracht bei den letzten wunderschönen Sommertagen. Ich habe ein bisschen was für meine Gesundheit getan, wir haben das Frühstück auf der Terrasse genossen, und viele Abende in Biergärten gesessen. Und natürlich waren wir ganz oft bei unseren Enkelkindern.

    Jetzt beginnt wieder der Ernst des Segelns. Ab Sonntag werden wir wieder mit der Hexe losfahren und sie bis Anfang Oktober nach Lorient in der Bretagne bringen. Dort soll das stehende Gut ausgetauscht werden, sie wird neue textile Wanten und ein neues Vorstag für den Mast bekommen. Wir werden versuchen, zügig voranzukommen, weil wir das Boot dann dort lassen werden, um unsere Enkeltochter  abzuholen, die gerne eine Woche ihrer Herbstferien bei Oma und Opa verbringen möchte.

    Wir werden wie gewohnt hier aus unserem Logbuch berichten und hoffen sehr auf gute und angenehme Winde.

  • Auf dem Weg zur Reparatur

    Kurz nach 12 Uhr legen wir am Sonntag, 9. August  in Workum ab. Unter Motor fahren wir an Stavoren vorbei, lassen auch den Vrauwezand links liegen. In der Mitte der Strecke legen wir eine kleine Segelprobe ein, aber der Wind reicht nicht aus, außerdem kommt er genau von vorne, und wir müssten kreuzen, das macht bei 3,5 Knoten Fahrt keinen Spaß, auch noch Umwege zu fahren. Also werden die Segel schnell wieder geborgen.

    Nach unserer Segel-Einlage wird es auch auf dem Ijsselmer weniger voll, südlich von Lemmer auf der einen und Enkhuizen auf der anderen Seite des Ijssemers ist die Streckefür ist für die meisten Urlauber nicht so attraktiv, es sei denn, sie wollen nach zu dem schönen alten Fischerdorf Urk, oder eben – wie wir – nach Lelystad. Die meisten Segler mit Zielen im Markermer nehmen den Weg über das weiter nördlich gelegene Enkhuizen, und gehen dort durch die Schleuse. Und die Wochenendsegler, meist aus dem nahen Nordrhein-Westfalen fahren nun  wieder nach Hause.

    Wir waren am frühen Abend in der Flevo Marina in Lelystad, diese liegt noch vor der Schleuse zum Markermer,. An Steg 12B legen wir an, der hiesige Hafenmeister hatte uns dort schon einen Platz reserviert und hoffen, dass morgen früh die Arbeiten beginnen können, zumindest wurde uns das von dem Reparaturbetrieb bestätigt. Eines unserer Probleme habe ich, dank KI, selbst herausgefunden. Auf unserem Plotter haben wir hier im Ijsselmer nur AIS Signale in einem sehr begrenzten Raum, und wir haben uns gefragt, was da nun wieder kaputt oder falsch eingestellt sein kann. Aber beim Nachforschen fand ich heraus, dass so ein AIS auf dem Bildschirm nicht mehr als 100 Signale anzeigen kann, und da wird eben der Radius viel kleiner.

    Um 18:15 waren die Leinen fest in der großen Flevo Marina in Lelystad. Noch beim Anlegen mach ich den Mückenvorhang zu, es ist so viel kleines fliegendes Getier unterwegs, obwohl hier überall Spinnennetze mit großen fetten Spinnen hängen, die die Mücken eigentlich fangen und auffressen sollten. Volker kocht uns ein leckeres Abendessen mit eingelegter Hühnchenbrust und Risotto, und nach einem kleinen Spaziergang durch die große Marina gabt es noch einen – alkoholfreien – Sekt und schon war es Zeit fürs Bett, denn am nächsten Morgen kam Martin, der Techniker, schon früh an Bord.

    Volker wird ja – wie im letzten Blog versprochen – über die Details der Arbeiten ausführlich berichten.

  • Pfingstsonntag, 24. Mai 2026

    Baro 1016, diesig, 22°, Wind anfangs wechselhaft, später NO bis N um 3 bis 5 Beaufort

    Logge 9230, Motor rechts 1270,4, links 1251,7 h, Dieseltank voll

    10:30 verlassen wir Puerto Calero nach einem Stopp an der Tankstelle, wo wir nicht nur die zwei Dieseltanks auffüllen, sondern auch noch vier Kanister, denn in der Wettervorhersage ist eher schwacher nordnordöstlicher Wind angesagt. Unter Motor fahren wir an Playa Quemada vorbei, um die Ecke an den Papagayo-Stränden entlang, Playa Blancq liegt im Kalima-Dunst, und ab dem südwestlichem Ende der Insel am  Leuchtturm Pechiguera werden die Segel gesetzt, noch fahren wir außerdem mit Hilfe der Motorkraft.

    Um 15 Uhr kommt die Genua raus, der Motor darf ein bisschen schlafen, aber das dauert nicht lang. Dieses Spiel spielen wir bis zum Abend, Genua rein, Motor an, Genua raus, Motor aus. Der aktualisierte Wetterbericht um 19 Uhr bestätigt unsere Befürchtungen, der Wind dreht immer weiter nördlich, mal mehr, mal weniger. 

    Zum Essen gab es heute leckere Tortellini alla panna, Volker hat gekocht, obwohl die See heute sehr ruppig ist und man – vor allem ich – mich überall festhalten muss, um nicht gegen die Möbel oder aufs Sofa zu fallen.

    Nach dem Essen hat der Wind aufgefrischt und auf nette 50-60 Grad Windeinfallswinkel gedreht. Also wird mal wieder ab 21:10 gesegelt. Tatsächlich nimmt der Wind immer weiter zu (das hat keiner meiner Wetterberichte vorhergesagt), daher muss in die Genua Reff 1 eingebunden werden.

    Das ist auch für eine Taube zu viel, „Andrea“ denkt sich, sie könne mit der Fähre nach Madeira fahren. Andrea deswegen, weil bei Tauben das Geschlecht ganz schwer zu bestimmen ist, und Andrea gibt es – vor allem im Deutschen – als weiblichen Vorname – und in Italien heißen viele Männer so. Jedenfalls ist sie erstmal bei uns ins Cockpit geflogen, dann kam sie tatsächlich rein und setzte sich nach einer Weile auf den Küchenblock. 

    Das Wasser und die Sonnenblumenkerne hat sie kurz angerührt, sie war offensichtlich sehr müde und hat die Nacht dankbar, still und schlafend bei uns verbracht. Am nächsten Morgen, beim Hellwerden ist sie jedoch aktiv geworden, sie hat auf Taubenart gegurrt, die Kerne gegessen und wollte dann das Boot erkunden, spazierte unter das Salonbett, und hätte am liebsten auch die Rümpfe inspiziert. Das ging ja nun zu weit, jetzt musste sie wieder raus ins Cockpit. Auch dort hat sie Futter und Wasser bekommen, und war offensichtlich beleidigt, dass sie draußen bleiben musste. Es hätte noch gefehlt, dass sie an die Scheibe geklopft hätte, aber sie stand auffordernd davor. Mittags hat sie einige Flugübungen begonnen, war weg, kam aber immer wieder und trippelte von dem Landeplatz auf unseren Solarpaneelen in den Schutz des Cockpitzeltes.

    22:20 Uhr: Der Wind hatte aufgefrischt auf scheinbaren Wind von über 22 Knoten, als plötzlich ein lautes „Bäng“ ertönt. Ich hatte gedacht, das sei nur eine besonders grobe Well, die von unten an das Brückendeck geschlagen hat, aber Volker ist sofort rausgestürzt und hat gesehen, dass deie Leine des Unterliekstreckers gerissen war. Natürlich passiert  so etwas immer in der Nacht, im Dunkeln. 

    Wir haben das Großsegel abgelassen und Reff 1 einngebunden, dann hat Volker die gerissene Leine am Unterliekstrecker repariert. Mir gefällt das ja gar nicht, wenn er da oben auf dem Dach herumturnt, ich schaue ihm dabei immer ziemlich gestresst zu, habe aber eigentlich unerschütterliches Vertrauen in ihn, bei allem, was mit Booten zu tun hat. (Sonst natürlich auch, aber hier besonders.)

    Mit diesen beiden Reffs und einem Windeinfallswinkel von rund 60 -70 Grad fährt die Hexe im Vergleich zum anfänglichen Motoren viel ruhiger. Wir können sogar immer wieder ein bisschen anluven, das wird uns bei dem für morgen vorhergesagtem Nordwind sehr gut passen. Bis ca. 04:00 Uhr hält der Wind an, die Hexe segelt schnell mit 7-8 Knoten, aber dann wird der Windeinfallswinkel wieder spitzer, der Wind lässt nach, der Motor muss mit schieben.

    Gegen 23 Uhr habe ich begonnen, mich zum Schlafen fertig zu machen, habe mir gerade die Zähne geputzt, als ich eine Welle aufs Deck schlagen höre. Danach kam eine noch stärkere und plötzlich stand ich unter der Salzwasserdusche. Offensichtlich hatten wir die Luke geschlossen, aber sie nicht mit den beiden Griffen verschlossen, und die Welle war stark genug, das Glas hochzuheben. Oh je!!!

    Glücklicherweise hatte ich die Tür geschlossen, sonst wäre auch noch der ganze Flur nass gewesen, mit den Bilgen darunter, wo sich viele unserer Vorräte befinden. Erst mussten mal die Wassermassen mit den Handtüchern aufgenommen werden, dann einmal mit Süßwasser abgewischt, wir waren eine Weile beschäftigt.

    Das war genug Aufregung für den ersten Tag unserer Reise gen Norden, für den Rest wünschen wir uns 13 bis 14 Knoten Wind aus 70 – 90°. Träumen darf man ja.

  • Pizza at Sea

    Samstag 4. Oktober 2025, Tag 7
    Baro 1025, wolkig, Wind ab 06:00 wechselnd zwischen 6 und 18 Knoten, die See 1 m
    Etmal 126

    Kurz nach Sonnenaufgang

    Nach einer Motornacht haben wir um sechs Uhr die Genua ausgerollt und um acht Uhr werde ich wach, als Volker den Motor anstellt, um das Großsegel zu setzen. Das ziehen wir bis in Reff eins, denn wir haben, wie fast immer auf dieser Fahrt, den Wind von achtern, und mit einem Reff steht das Großsegel ruhiger. Der sehr unbeständige Wind wechselt mit einer Vehemenz die Richtung, dass man mit dem Nachsteuern kaum nachkommt. Außerdem bewegt er sich in der Stärke auch gerne zwischen neun und sechzehn Knoten.

    Zum Frühstück gibt es heute selbst gebackene Brötchen, da es heute Abend Pizza geben soll, habe ich den Teig schon gestern Abend gemacht, und im Kühlschrank gehen lassen. Hat prima funktioniert. Als die Frühstücksbrötchen im Ofen waren, hat Volker sich erstmal beschwert, sie seien im zu flach, aber geschmeckt haben sie dann trotzdem.

    Der Tag verläuft eher unspektakulär, Kurse korrigieren, Logbuch und Blog schreiben. Manchmal läuft der Motor mit, wenn der Wind eine Pause macht.Wir schlafen immer mal wieder abwechselnd ein bisschen, und zum Abendessen gibt es selbst gebackene Pizza.

    Volker schreibt:

    Die selbstgemachte Pizza von Cornelia ist natürlich der Megaknaller, knusprig und saftig zugleich, nach Wunsch belegt, für mich Hawaii und dann noch ein Stück klassisch mit Salami und Champignons. Damit habe ich auch meistens keine Lust, im italienischen Restaurant eine Pizza zu bestellen, weil ich sowieso weiß, dass sie in der Regel nicht so gut ist wie Pizza Capitania.

    Nochmal eine kleine technische Ausführung für alle Interessierten

    Der mit Gas gefüllte Ausgleichsbehälter

    Der nochmals modifizierte Wassermacher läuft, als sei er neu. Kein Wunder, es ist ja auch alles neu, außer den Membranen, der 24-Volt-Motor, der 220-Volt-Motor und last but not least die Hochdruckpumpe mit dem Expansionsgefäß. Genau da, bei dem kleinen Expansionsgefäß, das die Funktion hat, kleine Druckschwankungen abzupuffern, saß noch ein Fehler im Detail. Ich ging davon aus, dass die Entsalzungsanlage mit einem Druck. Von 60 Bar arbeitet, deshalb hat der super freundliche Mitarbeiter von Catpumps den Druck auf 60 Bar im Ausdehnungsgefäß eingestellt. Damit hat die Anlage aber nur die Hälfte der Trinkwassermenge, nämlich 50 Liter/h, bei einer kleinen Testfahrt im salzhaltigen Wattenmeer geliefert. Im Original hat das Expansionsgefäß einen Druck von 120 Bar. 

    Also habe ich es nochmal ausgebaut und zum Mitarbeiter von Cat Pumps in Idstein mitgenommen, um es wieder auf 120 Bar auffüllen zu lassen und einen neuerlichen Versuch starten zu können. Auffüllen ging leider nicht, da die dafür vorgesehene Hochdruckgasflasche alle war. Dafür gab es ein neues Ausdehnungsgefäß geschenkt. Und genau das war der springende Punkt, oder das hüpfende Komma, der fehlende Baustein. Jetzt entsalzt unsere Entsalzunganlage das Meerwasser wieder wie sie soll. Läuft schnell an, funktioniert ohne Druckschwankungen, wenn sie einmal auf den richtigen Druck eingestellt ist, eben wie neu. Wir sind begeistert. Danke Team Cat Pumps, ihr seid Spitze! 

    Die general überholte Heizung springt schneller an als je zuvor, die neue Schubstange des Backbord Autopiloten hält das Schiff allzeit und unter allen Umständen ohne Leckagen auf Kurs, und der fast neue knallbunte Gennaker verbreitet sofort gute Laune, wenn er das Schiff mit seiner schieren Größe von 212 Quadratmetern über den blauen Ozean zieht.

    Bei so einer langen Fahrt zahlt sich unser steter Fokus auf den Unterhalt der Hexe wieder einmal aus. Wer will schon unterwegs mit technischen Problemen kämpfen?

  • Tag 4: Die Biscaya liegt hinter uns

    Mittwoch 1. Oktober 2025
    Baro 1022, Wind NO 4-5, sonnig, warm. die See ca. 1,5 m, Etmal 155,3 sm 

    Verkehr bei A Coruña

    Die Nacht und den frühen Morgen hat der Wind gut durchgestanden, nach dem Frühstück wird er langsam leichter, wir setzen den Gennaker. Das ist leider eine kurze Freude, es gibt immer weniger Wind und wir fahren nur noch mit 3,5 Knoten. So kommen wir nie nach Lanzarote. Also schiebt mal wieder der Motor mit, heute Nachmittag soll der Wind ja drehen.

    Tatsächlich kommt der Wind um 13:30 statt von Backbord von Steuerbord, wir setzen wieder den Gennaker. Bei zwölf Knoten Wind aus 150º fährt die Hexe ruhig ihren Kurs. Um 14:15 Uhr kommt plötzlich ein kleiner Vogel in den Salon geflogen und Volker packt ihn ganz zart und trägt ihn raus, hoffentlich findet er seinen Weg zurück. Er begleitet uns tatsächlich bis zum frühen Abend, gerade habe ich ihm ein Schälchen mit Wasser hingestellt, da war er fortgeflogen. Hoffentlich schafft er es bis zum Land.

    Wir essen heute deftig, Volker hat einen Eintopf aus Grünkohl, englischem Sellerie, Fenchel, Kartoffeln und Mettwürstchen gekocht, sehr lecker und sehr nahrhaft. Nur der Grünkohl war eine Herausforderung an die Kaumuskeln. Irgendwie hat der Grünkohl von den Kanalinseln eine andere Konsistenz als daheim.

    Am Horizont sind lauter Wolken, sodass es kein schönes Sonnenuntergangsfoto gibt. Aber der restliche Himmel ist klar, bald wird man den Mond sehen, und der soll schon zu 70% zu sehen sein, und immerhin bis Mitternacht unsere Fahrt beleuchten.

    Noch steht der Gennaker, noch reicht der Wind, wir probieren jetzt mal aus, wie das ist, wenn unser Autopilot nach dem Wind steuert. Volker hatte sich bisher immer dagegen gewehrt, aber die Maschine macht das wirklich gut, sie behält stets den gleichen Windwinkel bei. Wir müssen nur darauf achten dass wir eingreifen, wenn die Windrichtung sich gravierend ändert, und wir in die falsche Richtung fahren würden. Schau mer mal, wie lange der Wind heute Nacht durchsteht.

    Volker schreibt…

    Die berüchtigte Biskaya liegt nun hinter uns, und sie war uns mehr als gnädig. Es war unsere 3. Biskayaüberquerung, mit Abstand aber auch die langsamste. Kleine Etmale, wenig Wind aus unterschiedlichen Richtungen, viele Seemeilen mit dem bunten Gennaker. Alles besser als ein Sturm in diesem zu Recht gefürchteten Seegebiet. Wir  beklagen uns nicht über das langsamere Vorankommen und sind froh, dieses Wetterfenster genutzt zu haben. Noch 900 Seemeilen bis Lanzarote liegen vor uns. 

    Das Schöne ist, es wird täglich wärmer und für das Leben im Warmen ist der Katamaran wie geschaffen. Mit seinem großen Cockpit und dem enormen Platz auf den Trampolinen und den Außenflächen lädt das Boot geradezu zum Sonnenbaden und Relaxen ein. 

    Und leckere Gerichte kochen, wird ohne stampfenden, oder rollenden Untergrund zum Vergnügen. Zudem gibt uns das ruhige Wetter genügend Raum zum stundenlangen Schlafen, wir sind frisch und ausgeruht, als wären wir gerade losgefahren.Was will man mehr?

    Ob wir für die Reise zu den Kanaren neun, zehn oder sogar elf Tage brauchen werden, spielt keine Rolle, die Zeit verliert ihre Bedeutung. Es zählt der Tag, das Hier und das Jetzt. Die Freude am Segeln, das Sein auf dem blauen geliebten Atlantik, das funktionierende Schiff, das ist unser Pragmatismus.

  • Nachgetragen

    Zu recht beschwert sich Kees, dass wir noch garnicht davon geschrieben haben, dass die Hexe wohlbehalten in Hoorn liegt. Und nicht in irgendeinem Hafen, denn wir hatten Glück, der WSV Hoorn, also mein holländischer Segelverein, in dem ich nun seit über 20 Jahren Mitglied bin, hatte tatsächlich einen freien Liegeplatz für unseren großen Katamaran. Wir sind sehr froh, wieder in Hoorn und wieder beim WSV zu sein. Viele Freunde und Bekannte kennen wir hier schon seit vielen Jahren, und die wunderschöne Altstadt lädt zum Bummeln und Verweilen ein.

    Dazu ist es sommerlich warm, das Wasser ist warm und lädt zum Schwimmen ein. Holland und Hoorn im Speziellen zeigen sich von ihrer besten Seite. Doch wir sind nicht nur zum Vergnügen hier. Es gibt einiges an Bord zu reparieren, bzw. auszutauschen. Bei einem Zwischenstopp in Workum, unserem früheren Sommerhafen, habe ich mit Freund Wolfgang bereits die leckende Hochdruckpumpe vom Wassermacher ausgebaut. Und siehe da, die Pumpe ist „Made in Germany“ und auf der Frontseite steht Cat Pump (das ist der Hersteller), „the Pump with nine Lifes“ (die Pumpe mit neun Leben).

    Wolfgang und ich müssen lachen und kommen zu dem Schluss, dass ein Leben der Pumpe jetzt zu Ende ist, sie aber glücklicherweise noch acht weitere haben muss. Bei der weiteren Recherche stellte sich dann sogar heraus, dass der Hersteller ebenfalls in Hessen angesiedelt ist, und wir die Hochdruckpumpe dort persönlich zur Revision vorbeibringen können, was wir vorgestern auch taten. Jetzt warten wir auf den Kostenvoranschlag von Cat Pumps und die anschließende Reparatur.

    Hier in der Werkstatt vom Segelverein konnte Lukas dann noch mit seinem neuen Edelstahlschweißgerät den abgebrochenen Navistuhl wieder anschweißen. Das war garnicht so einfach und ziemlich trickreich, da das relativ günstige Schweißgerät nicht so wollte, wie er das gerne gehabt hätte. Am Ende hat dann noch ein Vereinskamerad mit einem wegführenden Hinweis maßgeblich zum Erfolg beigetragen. Der Navistuhl ist wieder an seinem Platz und er hat bis jetzt auch mehreren Sitzversuchen von mir Stand gehalten.

    Am zweiten Arbeitstag haben wir dann erfolgreich den leckenden Hydraulikzylinder vom Autopiloten gegen eine neue Einheit ausgetauscht, anschließend das Leitungssystem entlüftet und denAutopiloten, wenn auch nur im Hafen, ausprobiert. Weiterhin haben wir den alten Teppich, der noch als Muster für einen neuen dienen soll, zum Auto gebracht, ebenso unseren alten 6-PS-Tohatsu-Außenborder, dann noch überflüssige Leinen und Ersatzteile. Zudem hat die Capitania tief in den diversen Bilgeabteilen gewühlt und lang abgelaufene Lebensmittel aussortiert. Da kamen echt Dosen und Verpackungen zum Vorschein, die schon mehr als drei Jahre über dem Mindesthaltbarkeitsdatum waren und auch ziemlich seltsam rochen, nachdem wir sie testweise geöffnet hatten. Samstag ging es dann nach Hause, denn am letzten Sonntag wurde unsere jüngste Tochter Larissa 30 Jahre alt. Die Folgetage sind dann nur so dahin geflogen, und es blieb echt noch nicht mal genügend Zeit, um einen aktuellen Blogbeitrag zu erstellen. 

    Insgesamt sind wir auf dieser Reise von Lanzarote bis Hoorn 2300 sm gesegelt, waren an 21 Tagen, davon über 12 an einem Stück, auf See (oder dem Ijsselmer), und sind nun sehr froh, mit dem Boot mal wieder in heimischen Gefilden zu sein.

    Jetzt sind wir wieder für ein langes Wochenende auf unserer Hexe, und nehmen uns die Zeit.

  • Freiheit

    Das war so nicht geplant, dass wir genau an diesem denkwürdigen Tag hier vorbeisegeln, dessen am Ende glücklicher Ausgang die Weltgeschichte zum Positiven verändern sollte. Deswegen gibt es heute keinen gewöhnlichen Blogbeitrag, sondern nur ein stilles Gedenken an alle gefallenen Soldaten vom 06.06.1944. 

    Am heutigen Datum, genau vor 81 Jahren, startete mit dem D-Day die Befreiung Europas von der Naziherrschaft. An dem ersten Tag der Landungsmission stürmten mehr als 150.000 alliierte Soldaten die Strände und Küstenabschnitte Nordfrankreichs, am Sword Beach, am Juno Beach, am Gold Beach, dem Omaha Beach und dem Utah Beach. An diesem śdenkwürdigen Tag verloren mehr als zehntausend Männer auf beiden Seiten ihr Leben. Die Strände und die Erde waren blutgetränkt. Und doch war es der Anfang von einer neuen Zeitperiode, eines neuen Friedens, ein Frieden, den es vielleicht ohne dieses schreckliche Blutvergiessen nie gegeben hätte. 

    Wir sind heute entlang dieser Strände gesegelt, an denen, zumindest vom Wasser her, nichts mehr an den D-Day erinnert. Trotz der Freude auf die heute Nacht bevorstehende Ankunft in Nieuwpoort spürten wir eine Last in unseren Herzen, nachdem uns Rolf daran erinnert hat, welch wichtiger Gedenktag heute ist.

    Frieden für alle!

  • Kalt erwischt

    Mich friert es am ganzen Körper, und das, obwohl die Autoheizung auf mollige 27 Grad eingestellt ist. Schnell steht fest, dass da was im Anzug ist, was ich sicherlich nicht haben will.

    Skifahren bei schönstem Sonnenschein

    Eine wunderbare Woche Skilaufen mit fast der ganzen Familie liegt hinter uns. Bei milden 10-15 Grad, macht Skifahren auch Spaß, eine neue Erfahrung für uns. Eine neue Erfahrung war es auch für unsere Enkeltochter Zoey, die nach ein paar Lehrstunden nun gekonnt über die schneeweißen Pisten bügeln kann, während sie Cornelia schon mal deutlich hinter sich lässt. Ein niedriger Schwerpunkt und komplette Angstfreiheit sind ideale Zutaten für das Erlernen des Skisports. Und es war so schön, mit unseren Töchtern und den Enkelkindern und immerhin einem Schwiegersohn, eine ganze Woche zu verbringen. Das schreit nach Wiederholung!

    Larissa als Skilehrerin, aber die Schülerin nimmt manchmal auch ihre eigenen Wege

    Doch sieben Tage gehen schnell ins Land, und je weiter wir uns von Maria Alm entfernen, quasi mit jedem Kilometer mehr, verschlechtert sich mein Zustand. Die Grippe hat mich erwischt und zwei Tage später auch die Capitania eingeholt. Fieber, ein nervender Husten, Gliederschmerzen, das ganze 17 Tage lang, was für ein Elend. Wir siechen, zu absolut nix fähig, wechseln vom Bett zum Sofa und wieder zurück. So lange hat das ehemals aus dem Kindergarten eingeschleppte Mistvirus uns in seinem Klammergriff. Der geplante Flug nach Lanzarote wird annulliert, der Frühjahrsschnitt des Gartens gecancelt, soziale Kontakte, nicht dran zu denken. Nicht mal zum Blog schreiben hat die Energie gereicht!

    Jetzt, seit zwei Tagen, geht es so langsam bergauf. Die Betonung liegt auf langsam, unsere Kondition ist im Keller, jedwede Anstrengung quittiert unser Körper noch mit Protest. Der äußert sich in Form von Kurzatmigkeit, röchelndem trockenen Reizhusten und schneller Erschöpfung. 

    Sobald wir wieder auf dem Damm sind, wollen wir zurück zum Boot und hoffen,  dass das in der nahen Zukunft der Fall sein wird. 

    Überhaupt fehlt mir die Segelelei, zu lange ist schon her, dass wir die Segel gesetzt und uns dem Rhythmus des Atlantiks anvertraut haben. Das Meer ruft, mit seinen unendlichen Weiten!

  • Gegenwind und Sturzflut

    Was machen die Regattasegler???
    Schleppend langsam, für ihre Verhältnisse, quälen sich die Imoca 60 Rennyachten über den Parcours, auf dem Weg zum Äquator. Statt frischen Passatwinds gibt es Gegen- oder keinen Wind aus dem südlichen Quadranten des atlantischen Tiefdruckgebietes. Die Imoca 60 der alten Generation, ohne Foils, führen seit Tagen das Feld an, in diesem Flautenkrimi. Selbst die Capitania ist vom Regattavirus infiziert und folgt mehrmals täglich den vierstündlich aktualisierten Platzierungen und Neuigkeiten auf der Website der Veranstalters.

    Und wann segeln wir endlich los???
    Für uns sieht es leider sehr, sehr trübe aus, das nordatlantische Passatsystem ist nicht mehr existent, stattdessen gibt es weit nach Süden reichende atlantische Tiefdruckgebiete, die fast stationär stehen bleiben. Und wenn man eine Woche weiter schaut, ist schon das nächste Tief im Westen, aus Amerika, unterwegs zu uns, mit seinem Kern auf 30 Grad Nord. Mit den Tiefdruckgebieten kommen ausgebreitete Regenfelder zu den Kanaren, was ja prinzipiell erst mal positiv ist, zumindest in Lanzarote. 

    Doch vor drei Tagen wurde Puerto Calero von regelrecht sintflutartigen Regenfällen heimgesucht. Viele Straßenzüge und Kellereinfahrten waren überflutet. Die Kanalisation hier ist für solche Ereignisse nicht ausgelegt. Zudem haben sich Erd-, Stein- und Schlammmassen in Bewegung gesetzt. Bagger und Räumfahrzeuge mussten anrücken. Zu Schaden ist Gott-sei-Dank, keiner gekommen. Am heutigen Nachmittag hat es wieder heftig geregnet. Starke südliche Winde treiben die Brandungswellen zur Hafenmauer, die dort laut polternd brechen und die dahinter liegenden Schiffe mit einem feinen Salznebel überziehen.

    Und jetzt???
    Es ist sind natürlich Erste-Welt-Probleme, dass wir nicht los können und auf einem fertig gepackten und komplett verproviantierten Boot sitzen. Wir haben uns eine Frist gesetzt, bis zu der wir maximal warten werden, denn ansonsten verschieben wir die Abfahrt an den Anfang von 2025, da wir bis spätestens zum 15. Dezember, wieder in Deutschland sein wollen, um Weihnachten mit der Familie zu feiern.

    Es bleiben also noch knapp zehn Tage übrig. Mal gucken, ob Daumen drücken, magische Beschwörungsformeln oder Flüche die Wetter- oder Meeresgötter umstimmen können.

    Wie ist die Stimmung an Bord???
    Unserer positiven Stimmung und Haltung tut das Warten keinen Abbruch, denn alle unseren lieben (Nicht-nur-Segel-)Freunde sind auf der Insel. Erstmals waren wir deutlich mehr als 20 Menschen bei unseren beliebten Champagne-Friday-Party. Bei soviel Gewicht an Bord war zum ersten Mal  der untere Tritt unserer  Badeplattform am Heck überflutet.

    Also, wir feiern schön, treffen liebe Segler und Landratten und genießen weiterhin das Leben. Und ein Gutes haben die südlichen Winde, es ist wirklich schön warm. Fast wie im Paradies, bzw. der Karibik. Und beim Warten auf den guten Wind sind wir ja nach all den Lebensjahren an Bord zu richtiggehenden Profis geworden. Wenn wir da an den Anfang unserer Fahrtenseglerkarriere zurückdenken, bei was für Schietwetterprognosen wir teilweise losgeschippert sind, da hat uns dann der gute alte Neptun ganz schön Gegenwind in die Segel und Gicht an Deck, sozusagen als Lehrgeld, geschickt.

    Bis zum nächsten Blog…