Zwischen Death Valley und den Schweizer Bergen – die vielfältigen Gesichter Islands

Wenn man mit dem Auto durch Island fährt, sieht man ganz verschiedene Landschaftsbilder.
Es gibt vulkanische Steinwüsten wie in Lanzarote, aber hier sind sie von weichem Moos bedeckt, sodass man einsinkt, wenn man darüber läuft. Das gilt wahrscheinlich auch für die grasenden Schafe sowie für die vielen Islandpferde, die auf weiten Weiden rennen können.
Es gibt grüne Wiesen und schroffe Berge wie in den Alpen, an manchen Stellen ragen rote Felsplateaus aus wüstenähnlichem Boden, dann wieder stehen da Tannenbäume wie im deutschen Nadelwald. Eine andere Gegend erinnert an die sanften Hügel Südenglands.
Beeindruckend aber sind die Geysire, oder Wasserfontänen, die aus der Erde sprudeln, sowie riesige und kleinere Wasserfälle, oft sieht man glasklare oder erdtrübe Seen und Flüsse.
Und über all dieserVielfalt thronen die Gletscher Islands mit den unaussprechlichen Namen, der kleine Myrdalsjökull oder der riesige Vatnajökull, von denen an einigen Stellen Eisbrocken in Lagunen abspalten, der Gletscher „kalbt“. Große und kleine, braune, weiße und blaue Eisberge schwimmen in den Seen, auch einzelne Stückchen Gletschereis, die wie Diamanten in der Sonne glitzern.

Was machen wir in Island? Während wir zu unserem Sommerurlaub in Deutschland waren, haben Wes und Roisin in ihrem Sommerurlaub die Hexe nach Boston gebracht. Dort findet dann – sozusagen – ein Crewwechsel statt, die beiden fliegen zurück nach Lanzarote, und wir übernehmen unser Boot wieder.

Alles muss eingepackt werden

Der Flug von Amsterdam nach Boston sollte in Reykjavik zwischenlanden, mit zwei Stunden Aufenthalt. Da wir beide aber noch nie in Island waren, beschlossen wir, den Zwei-Stunden-Aufenthalt auf drei Tage zu verlängern. Und das hat sich gelohnt!

Auf dem Weg zum Abendessen im Turm

Auf dem Weg zum Flughafen in Amsterdam haben wir eine Nacht als erste Gäste im neu eingerichteten Airbnb von Sabrina und Matthijs in Hoorn geschlafen, und waren mit unseren Freunden Kees und Boris wie in alten Zeiten in den Hoofdtoren Spareribs und Sliptongetjes essen.

Der etwas andere Fahrradständer

Ich hatte uns ein nettes Hotel im Herzen von Reykjavik gebucht, ein Leihauto hatten wir schließlich auch (aber dazu gehört eine andere Story), und nachdem wir unser Gepäck in dem schönen Zimmer mit Aussicht auf den Hafen verstaut hatten, machten wir einen ersten Rundgang durch die Innenstadt.

Auf der Fahrt vom Flughafen war uns aufgefallen, dass es viele eher hässliche Bauten gibt, mit unschönem grauen Betonputz. Aber hier im Zentrum erfreuten wir uns an den typisch bunten nordischen Häusern. Die Stadt ist unglaublich lebendig, so viele Menschen laufen durch die Straßen, am frühen Sonntagabend genauso wie am späteren Montagabend oder Dienstag Nachmittag. Es gibt anspruchsvolle Modegeschäfte, Designerläden und natürlich viele Souvenirläden mit hübschen bis hässlichen Andenken an Island. Fast jedes zweite Haus beherbergt ein Restaurant, ein Café oder eine Kneipe, alle sind meist gut besucht.

Das Opern- und Konzerthaus – moderne Architektur vom Feinsten

Viele junge Menschen beherrschen das Stadtbild, manche mit außergewöhnlichen Haarprachten, Männer mit Zöpfen bis zum Po, viele – wie in der Karibik – sehr bunt gefärbt, und mit abenteuerlichen Tätowierungen.


In der ältesten Kneipe Islands tranken wir ein Bier – „Viking“, in Island gebraut wie auch „Gull“, von dem wir schon am Flughafen ein Sixpack ins Hotel mitgenommen hatten, weil wir horrende Storys von Bier- und Weinpreisen gehört hatten. Also, günstig ist es nicht, aber insgesamt scheint es – zumindest für die Isländer – in Ordnung zu sein.

Uns blieben zwei volle Tage, um die Sehenswürdigkeiten dieser Insel anzuschauen, und jede einzelne Stunde hat sich mehr als gelohnt. Da wir beschlossen hatten – schon wegen unserer eher zahlreichen und schweren Gepäckstücke von dem einen Hotel in Reykjavik aus zu fahren, anstatt jeden Abend eine neue Unterkunft zu suchen – waren wir lange mit dem Auto unterwegs, durch eben diese vielfältigen Landschaften.


Der eher kurzen zur Verfügung stehenden Zeit wegen haben wir uns auf die Südküste konzentriert und sind am ersten Tag sehr früh, um kurz nach sieben Uhr, losgefahren, 380 km weit, zu dem Vatnajökull-Gletscher, vorbei an all den eingangs erwähnten verschiedenen Landschaften.

Schwefeliger Dampf kommt auch mit in die Luft

Geysir-ähnliche Fontänen aus schwefeliger Erdwärme haben uns beeindruckt, natürlich die wirklich sehr zahlreichen Schafe, die friedlich grasenden Islandpferde und Shetlandponys. Nahe der am südlichen Rand der Insel gelegene Stadt Vik gab es auch einen kleineren Gletschersee, allerdings eher mit schmutzigbraunen Eisbergen.

Aber der Gletschersee Fjallsarlon hat wirklich alles übertroffen. In der Sonne am Ufer sitzend beobachten wir, wie die kleinen Diamanteisberge leicht übers Wasser gleiten, der große Brocken in einem unglaublichen Blau leuchtet und kleinere weiße Stücke auf dem kalten Wasser schwimmen. Volker hat mal die Hände reingehalten und fand die Temperatur als nicht zum Baden geeignet.


Der Rückweg nach Reykjavik wurde zu einem Festival der Wasserfälle und der daraus resultierenden Flussschnellen. An dem großen und berühmten Seljalandsfoss ersparten wir uns den eigentlich unvermeidlichen Gang zwischen dem hinab stürzenden Wasser und der Felswand, als wir sahen, wie nass die Leute da herauskamen, viele in Regenjacken und -mäntel gehüllt, uns reichte schon, dass die Gischt unsere Gesichter benetzt. Trotzdem war es gigantisch anzusehen, wie schön die von Sonne und Spray gebildeten Regenbogen an den Berg gemalt wurden.

Auch die Band spielt vor vollen Bücherregalen

Müde und hungrig kamen wir am Hotel an, und landeten – nach einem leckeren Abendessen mit Fish & Chips für mich und einem Burger für Volker in einer großen Buchhandlung. Also, es sah aus wie eine Buchhandlung, aber vor fünf Jahren hatte der Chef, der wie der Archetyp eines Buchhändlers durch den Laden lief, eine andere Idee. Er stellte antiquarische Bücher in die zahlreichen Regale im Erdgeschoss und auf der umlaufenden Empore, baute zwei Theken ein, seitdem spielt hier jeden Abend eine Band, der Laden ist voll, und die Bars laufen gut. Wahrscheinlich kommen hier täglich mehr Menschen in das Geschäft, als es Buchkäufer gäbe.

Die amerikanische Erdplatte

Nach der ausgedehnten Autofahrt am ersten Tag wollten wir an unserem zweiten und letzten Tag nicht so lange im Wagen sitzen. Die Landschaftseindrücke waren unglaublich vielfältig, heute reichte uns der Ausflug zu der Kontinentalspalte. In dem Nationalpark Thingvellier treffen die eurasische und die amerikanische Erdplatte aufeinander, dazwischen hat sich eine Spalte gebildet, durch die man hindurch wandern kann, vom Museum bis – mal wieder – zu einem Wasserfall. Hier waren wir auch nicht alleine, aber das Gefühl, mal eben so von europäischem zu amerikanischem Boden zu wechseln, und natürlich – auch wieder mal – die umgebende Landschaft machten den Spaziergang zu einem besonderen Erlebnis.

Volker und die Pferde


Auf dem Rückweg haben wir kurz angehalten, um ein paar Islandpferde zu streicheln, waren in einem Museum, das isländischer Malerei gewidmet war, und eine Ausstellung des unglaublich produktiven Porträtmalers Kjärval (1886-19729) zeigte, sowie eine Ausstellung von gestickten modernen Bildern, die lustig anzuschauen.


Nach einem leckeren vietnamesischen Abendessen schauten wir noch einmal bei der musikalischen Buchhandlung vorbei, diesmal allerdings waren wir vernünftig genug, nicht – wie am Abend zuvor – die letzte Zugabe abzuwarten, sondern gingen rechtzeitig zurück zum Hotel, um die Taschen zu packen, schließlich mussten wir um sieben Uhr in der Früh bereits auf dem Weg zum Flughafen sein.


Da wir – trotz aufmerksamer Nachtwachen (für jeweils fünf Minuten) – kein Nordlicht gesehen haben, werden wir wohl sicher mal zurück kommen, Island hat uns gut gefallen.

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2 Antworten zu Zwischen Death Valley und den Schweizer Bergen – die vielfältigen Gesichter Islands

  1. Rolf sagt:

    Danke für den schönen Beitrag

  2. Schneider Manfred sagt:

    Super toller Abstecher.
    Gute Weiterfahrt.
    Manfred

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