Viele Tage, viele Buchten

Dienstag, 13. September, Onset Bay nach Martha’s Vineyard, 20 Seemeilen

Pünktlich um 08:00 Uhr sind wir an der Bootstankstelle, denn in der Seekarte stand, das diese mit Abstand die günstigste Tankstelle der Region ist. Tatsächlich haben wir für 92 Gallonen 425 Dollar bezahlt, das sind 4,62 Dollar pro Gallone, meist kostet die hier 5 Dollar.

Die Onset Bay hatte uns gut gefallen, ein kleines verschlafenes Nest, mit einem Pub am Hafen und einem Pizza-Restaurant. Dort haben wir sehr leckeren Salat und Pizza gegessen, und uns mit den Damen am Nebentisch unterhalten. Alle sind immer so interessiert, fragen uns, woher wir kommen, wollen mehr von unserer Reise wissen und finden es “awesome“, fantastisch!

Dann geht es los, immer brav an den Bojen entlang die Onset Bay hinaus bis zu der schmalen Durchfahrt bei dem Nonamesset Island (ist bestimmt ein indianischer Name) über die Bucht von Falmouth Harbour bis nach Martha’s Vineyard, das uns sehr empfohlen wurde. Für heute war dies die ideale Entfernung, denn kurz vor dem Ankern fängt es an zu regnen. Im VHF kommen Warnungen der Coastguard vor Gewitter, schwerer See, plötzlichen Böen und Windhosen, die kleinere Boote umwerfen und andere schwer beschädigen könnten. Tatsächlich braut sich hinter uns was zusammen, eine dunkle Wolkenfront kommt immer näher, wir hören auch schon mal ein Donnergrollen.

Von hinten kommen die dicken Wolken

Vorsorglich lässt Volker uns alles wegpacken, die Cockpitpolster wegen des kommenden Regens, das Cockpit-Zelt, um eventuellen Böen keine Angriffsfläche zu bieten, die Abdeckungen auf den Winschen, alles was irgendwie durch die Luft fliegen könnte wird im Innern des Bootes verstaut.

Glücklicherweise kommen die bösen Sturmböen und Windhosen nicht zu uns, aber der Regen! Das ist kein Regen, sondern Petrus hat da oben ein Schwimmbad leer laufen lassen. Dabei verschwimmen Wasser und Horizont zu einer einzigen grauen Fläche, auf dem Dach prasselt es, und es grummelt immer mal wieder, aber nun sitzen wir trocken im Boot und lauschen dem aufs Dach prasselnden Regen. Mal sehen, wie lange das dauert, laut Wetterberichten soll es gegen 17 Uhr aufhören. Hoffentlich weiß Petrus das auch …

Tatsächlich wird es abends trocken, wir machen uns auf in den Ort, von dem wir so tolle Sachen gehört haben. Obama macht hier Urlaub und noch andere amerikanische Celebrities. Aber ehrlich: Der Ort ist ausgestorben und langweilig. Es gibt ein paar Kleidergeschäfte, die obligatorischen Galerien und hochpreisige Souvenir-Läden.

Lecker Sushi

Ganze zwei Restaurants haben an diesem Dienstg geöffnet, eines davon serviert (für mich) sehr leckeres Sushi, Volker ist von seinem Essen weniger begeistert. Am nächsten Abend essen wir lieber auf dem Boot, aber danach finden wir tatsächlich ein Pub, das berühmte Black Dog, in dem wir nur etwas trinken dürfen, und Volker einen unglaublich leckeren Schokoladenmousse-Nachtisch bekommt.

Den schwarzen Hund gibt es in allen Varianten, auf sämtlichen Gläsern und Tellern hier im Pub. In den Black-Dog-Läden findet man ihn sogar auf T-Shirts, Hoodies und vielem mehr.

Donnerstag, 15. September, Martha’s Vineyard nach Newport, 44 Seemeilen

Um den Gezeitenstrom, der hier mit bis zu vier Knoten stark ist, auszunutzen, sind wir früh auf den Beinen. Der Wind ist noch stärker als vorher gesagt, gut dass Volker schon gleich Reff 2 eingebunden hat. In der Bucht von Martha’s Vineyard mussten wir noch unter Motor fahren, denn es ging genau gegenan, und hier verkehren zahlreiche Fähren, sodass man nicht gut kreuzen kann. Kurz vor Ende der Bucht wird das Großsegel gesetzt, nach dem Abbiegen zunächst auf 280° kommt die Genua im 4. Reff hinzu. 

Der nächste Kurs ist mit fast 210° ein Halb- bis Am-Wind-Kurs. Dank des mit 28 Knoten wehenden  Windes und  der Böen bis 32 Knoten sind wir rasend schnell, oft über 12 Knoten, am Ende sind wir einen Schnitt von neun Knoten gesegelt.

Nach fünf Stunden biegen wir in die Bucht von Newport ein, hier wird gesegelt. Ein paar Regatta segelnden Booten müssen wir ausweichen, nachdem wir vor der letzten Bucht das Segel geborgen haben. Die Bucht vor der Stadt ist voll mit Mooring-Feldern, die Ankerplätze sind gefüllt wie in der Marigot Bay. Aber wir finden einen guten Platz, und können bald mit dem Dinghy in die Stadt fahren.

Am nächsten Tag sind wir früh im Ort, denn hier findet gerade eine Boat Show statt, mit ganz vielen Motor- und auch einigen Segelbooten im Wasser, und auch Zubehör in zwei Hallen. Wir genießen es, dass man hier ganz unproblematisch auf jedes Boot gehen kann, ohne gleich ein festes Kaufinteresse zu zeigen. Schuhe ausziehen und ab!

Samstag, 17. September, Newport nach Bristol, 12 Seemeilen (gekreuzt wahrscheinlich eher 14, aber die Logge funktioniert nicht)

Früh legen wir ab, es sind zwar nur 12 sm bis Bristol, aber Volker möchte heute noch in das Herreshoff-Museum. Ohne Frühstück und vor allem ohne Kaffee für mich motoren wir zunächst bis zur Newport oder auch Claiborne Pell Bridge (das scheint nicht so klar) und, obwohl sie mit den 194 Fuß mehr als genug Durchfahrtshöhe für uns hat, sieht es immer wieder spektakulär aus. Zumindest von unten.

Wie in Holland im Winter …

Der Wind ist kalt, wir ziehen eine Schicht nach der anderen an, sogar Handschuhe. Aber die Sonne scheint und verspricht wärmere Temperaturen für heute Mittag.  Es ist sehr schön hier und nicht ganz so voll wie in Newport auf den Ankerplätzen und  den zahlreichen Regatten.

Vor Bristol liegen auch zahlreiche Boote, die meisten an Moorings, aber wir finden einen großartigen Ankerplatz.  vor wunderschönen Villen am Ufer mit großzügigen Grundstücken. „Bei der Garten-Größe rentiert sich ein Aufsitzrasenmäher!“, sagt Volker.

Das Herreshoff-Museum ist interessant anzuschauen, wir bewundern die verschiedenen Modelle, und man kann sogar in manche reingehen. Die sind wunderschön gebaut, mit allem, was man auf längeren Törns braucht, Toiletten, Betten und eine funktionierende Küche mit Dieselherd. 

Bristol gefällt uns gut, mit zahlreichen Kneipen und Restaurants, wir genießen die kleine Stadt. Anthony Quinn hat in Bristol gelebt und ist sogar auf dem hiesigen Friedhof beerdigt. Auch hier finden wir überall nette Leute, die uns mit Tipps zu der Gegend versorgen, und mehr über unsere Reise wissen wollen.

Am Sonntag findet in einer Straße ein Event statt, mit verschiedenen Bands auf den Porches, den Veranden an der Vorderseite, tausende Menschen sitzen auf mitgebrachten Stühlen, oder stehen vor den jeweiligen Bands, und manche, so wie wir, laufen die ganze Straße entlang, um alle Bands und die wunderschönen Häuser anzuschauen.

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