Gierig

Hurrikan Fiona auf dem Weg nach Norden

Gierig wie ein Nimmersatt saugt Hurrikan Fiona Luft in ihr wirbelndes Zentrum, um ihr zerstörerisches System zu erhalten. Von einer tropischen Depression, über einen tropischen Sturm hat sich Fiona zu einem ausgewachsenen Hurrikan der Stufe 3 entwickelt. Die Schäden auf den betroffenen Karibikinseln gehen in die Milliarden und leider hat Fiona auch schon einigen Menschen das Leben  gekostet. Doch obwohl Fiona nun nicht mehr in der Karibik wütet, halten die Menschen an der Ostküste der USA und in Neufundland den Atem an, und beobachten das Wettermonster mit Argusaugen. Denn die Zugbahn von Fiona darf man getrost als absolut ungewöhnlich bezeichnen. Statt raus auf den Atlantik zu ziehen, saugt sich dieser Hurrikan mit amerikanischer Festlandluft so richtig voll, lässt sich auch nicht von den kühlen Wassern des Humboldtstroms abschwächen und ballert mit voller Kraft in Richtung Kanada weiter.

Hier in Bristol hatten wir gestern sozusagen die Vorboten von Fiona in Form von tropischen Regenschauern gespürt, und heute wehte es durchgängig und gerade immer noch, mit 7-8 Windstärken aus nördlichen Richtungen. Bedingt durch den nördlichen Starkwind ist die Temperatur in den Keller gerauscht, nachts ist es mit 7 Grad ausgesprochen kalt. Doch wir wollen nicht jammern, denn, um ehrlich zu sein, sind wir heilfroh, dass wir nicht von diesem Wettersystem getroffen wurden, das  in nur 150 Seemeilen an uns vorbeigezogen ist. Zumal Bristol in den Jahren 1938 und 1954 von schweren Hurrikanen getroffen wurde, mit schwersten Schäden an Haus und Hof. Klar kann man sich in diesem Inselgewirr verstecken und ein sogenanntes Hurricanhole (Hurrikanversteck) suchen. Nur gehört dann schon eine gehörige Portion Glück dazu, bei den massiven Naturgewalten schadenfrei zu bleiben. 

Stille nach tropischem Regen

Nachdem die Hurrikansaison im Juli und August ausgeblieben ist, nimmt sie nun anscheinend so richtig Fahrt auf. Allein in dieser Woche haben sich vierweitere tropische Systeme gebildet. Das als Nummer Zehn bezeichnete System ist mittlerweile ein tropischer Sturm, hört auf den Namen Hermine und rauscht gerade von den Kapverden auf die Kanaren zu und sorgt dort schon für reichlich Unruhe bei der Bevölkerung. Die Menschen haben Angst vor dem, was auf sie zukommt, und die Medien überschlagen sich mit Warnungen. 

Die Hurrikan Site der Noaa

Auch bei Hermine kann, oder muss man sogar, ebenfalls von einer ungewöhnlichen Zugbahn sprechen. Denn das gab es noch nie, dass ein tropischer Sturm schnurgerade von den Kapverden nach Norden zu den Kanaren gezogen ist. Normalerweise wandern tropische Wettersysteme von der Ostküste Afrikas zu den karibischen Gebieten. Umso interessanter ist Hermine für die amerikanische Wetterbehörde NOAA und das dort befindliche Hurricancenter. 

Deshalb senden die USA ein Spezialflugzeug, das bis oben unter das Kabinendach mit Messapparatur vollgepackt ist, in das Zentrum des Tropensturms, um diesen genauestens zu untersuchen. Zudem intensiviert die NOAA nochmals ihre Arbeit, so sind die mögliche Hurrikangebiete in noch kleinere Sektoren eingeteilt worden, um dort noch mehr Wetterdaten erfassen zu können. 

Ein Kraftakt, der hoffentlich dabei hilft, die Entwicklung und mögliche Zugbahnen der tropische Stürme und der Hurrikans noch besser vorhersagen zu können und somit den Verlust von Menschenleben zu vermeiden und schwere Sachschäden zu beschränken.

Dass dies gelingen kann, sieht man meiner Meinung nach ganz gut an Puerto Rico. Während des Durchzugs von Hurrikan Maria vor fünf Jahren sind über 3000 Menschen gestorben, jetzt waren es, wie bereits erwähnt, fünf Menschen die die Naturgewalt nicht überlebt haben.

Hier an der Küste zog es heute die Wellenreiter an die zahlreichen Strände in der Umgebung. Wir verfolgten das sportliche Schauspiel am Newport Beach, wo ein ablandiger Wind auflandige Atlantikwellen, sowie die ebenfalls auflaufde Atlantikdünung für optimale Wellenreitbedingungen mit hohen und lang laufenden Wellen sorgten.

Wellenspektakel

Spektakulär anzuschauen waren die brechenden Wellen, am nur wenige Kilometer entfernten Denkmal für die portugiesischen Seefahrer und Entdecker, dem Brenton Point.

Denk-mal

Seit sechs Tagen ankern wir nahe zum Bristol Harbour, seit vier Tagen haben wir einen Mietwagen, den wir für Einkäufe und Erkundungsfahrten nutzen. Es gibt mal wieder viel zu tun an Bord und die Arbeitsstunden mehren sich. Wir wollen alle Silikonnähte erneuern und das Auskratzen der alten unansehnlichen Silikonfugen ist eine echte zeitfressende Plackerei. Doch wir kommen langsam aber stetig voran, das Cockpit ist fast fertig, frühmorgens geht es los und am späten Nachmittag sind wieder ein paar Silikondosen leer und ein paar Meter Fugen weiß gefüllt. 

Abends sind wir dann in Bristol unterwegs, das ist in der Regel sehr unterhaltend und abwechslungsreich. Denn die lieben Menschen von Bristol sind durchweg „open minded“, also interessiert an neuen Menschen/Bekanntschaften, und nicht wenige hier haben einen Bezug zu Deutschland, sei es durch das eigene Arbeitsleben, Verwandte und Bekannte oder durch Urlaub  oder Reisen. So entwickeln sich Gespräche schnell, wir werden nach dem Woher und Wohin befragt, erhalten viele Informationen zur Gegend, zur Ostküste von Amerika, über die Lebens-/Arbeitsweise in Amerika. Häufig tauschen wir unsere Adressen aus, mit der Hoffnung auf ein Wiedersehen. Um es kurz zu fassen, wir sind froh, diesen wunderbaren Ort für uns entdeckt zu haben. 

Alter schneller Kat mit modernen Attributen

Apropos wunderbarer Ort, ich finde ja, dass Cornelia bei der Beschreibung des Herreshoff Museums ein bisschen einsilbig und emotionslos war. Dazu muss man wissen, dass Nathanael Herreshoff (1848-1938) den legendären Ruhm begründete und sein Sohn Francis den Erfolg fortsetzte. Beide waren herausragende Yachtkonstrukteure ihrer Zeit. Die Yachten, die ihrer Feder entsprangen und von ihnen auch gebaut wurden, gewannen zahllose Regatten, besonders im berühmten Americas Cup. Acht mal wurde dieses Highlight der Sportgeschichte ruhmreich von Herreshoff Yachten gewonnen. Wer sich hingezogen fühlt zum Segelsport oder klassische Yachten mag, wird den Besuch des Herreshoff Museums allzeit liebevoll in seiner Erinnerung bewahren. 

Die Konstruktionszeichnung und die Beschreibung des Kat

Diese große Anzahl ehemals schwimmender Schönheiten im guten Zustand in der ehemaligen Bauhalle bewundern zu können, geht echt ans Herz. Und für die Katamaransegler unter den Lesern, Herreshoff hat bereits 1876 einen 9,5 Meter langen Katamaran in offener Bauweise, also ohne Kajüte gebaut, der damals schon 18 Knoten schnell war und jetzt in der Ausstellung zu bewundern ist. Beide Ruder sind über ein Stangensystem miteinander verbunden, der Katamaran hatte Steckschwerter und einen großen Bugspriet, der an sportliche Yachten der heutigen Zeit erinnert. Damals gab es keine (Katamaran-)Vorbilder, einfach nur genial! Es gibt zudem noch eine Hall of Fame des Americas Cup und ein Americas Cupper steht in voller Schönheit vor dem Museum. Das Museum sucht noch Freiwillige zur Mitarbeit im Museum. Also wer in die USA umsiedelt und Schiffe liebt, könnte in Bristol seine 2. Heimat finden. 🙂

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