Eine (traurige) Liebesgeschichte

Schnee auf dem Balkon im März

Wir sind noch immer im winterlich kalten Darmstadt. Heute morgen hat es noch heftig geschneit! Zumindest soll es zum Wochenende hin ein wenig wärmer und am Samstag auch durchweg sonnig werden.

Ein frühlingshafter Lichtblick, auf den wir uns freuen. Die Uhr wird am Wochenende auf die von uns favorisierte Sommerzeit umgestellt. Diese späte kühle Phase im März scheint wohl ein bekanntes Wetterphänomen zu sein und wird dementsprechend als Märzwinter bezeichnet. Ca. alle 5 -10 Jahre bleibt es im März winterlich kalt, dass es ausgerechnet dann sein muss, wenn wir zu dieser Zeit im Lande sind, ist schlicht und einfach Pech.

Der Lorbeerwald auf La Gomera

Richtiggehend Pech hatten der tragischen Legende nach auch die Prinzessin Gara von La Gomera und ihr Geliebter Jonay. Die beiden Jugendlichen verliebten sich auf einem Fest, bzw. einer Zusammenkunft der Stammeshäuptlinge von La Gomera und Teneriffa. Ein Priester sagte den beiden und den Inseln ein großes Unheil vorher, wenn sie an ihrer Liebe festhalten sollten. Doch Gara und Jonay ließen sich davon nicht beeindrucken, und der Jüngling überquerte in einem Boot aus Ziegenfellen die Meeresenge zwischen Teneriffa und La Gomera, um seine geliebte Prinzessin in die Arme zu schließen. Gemeinsam floh das Liebespaar in den Lorbeerwald von La Gomera. Als beide keine Zukunft für ihre Liebe mehr sahen, schnitzen sie eine beidseitig angespitze Lanze aus Lorbeerholz, hielten diese zwischen sich und umarmten sich zum letzten Mal, während die Lanze ihr Leben auslöschte. Seit dieser Zeit, so sagt man, heißt der Nationalpark und Nebelwald auf La Gomera “Garajonay”

Festes Wasser, auch Schnee genannt

Zauberhafte Bergwelt

Viele Pistenkilometer und auch Höhenmeter liegen hinter uns und alle Knochen sind glücklicherweise heil geblieben. Alle Zutaten, die man für eine perfekte Skifahrwoche braucht, haben wir in Maria Alm vorgefunden: Enorm viel Schnee auf gut präparierten Pisten, wenig Menschen an den Liften und auf den Pisten, fast jeden Tag Sonne, nette Pistenlokale zum Einkehren, oder die eine oder andere Après-Ski-Party.

Rezept für Kaspressknödel, lecker!

Für mich war Maria Alm mit seinen angrenzenden und über Lifte, Gondeln und Bergbahnen verbundenen Skiorten wie Diemen, Hintermoos, Hintertal und Mühlbach eines der schönsten Skigebiete der letzten Jahre. 32 Pistenkilometer umfasst dieser “Hochkönig” genannte Teil der Österreichischen Alpen. Abends wurden wir in den landestypischen Restaurants mit österreichischen Spezialitäten, wie Speckknödelsuppe,  Gröstl, Wiener Schnitzel, Haxen oder Gebirgsbachforelle lukullisch verwöhnt.

Bereit für die Abfahrt!
Auch Hund Nana
liebt den Schnee
… und die großen Stöcke

Nur einen kleinen Pferdefuß gab es dann doch, wir waren alle mehr oder minder die ganze Woche erkältet, verschnupft oder von Husten geplagt. Die lokale Apotheke wurde mehrfach frequentiert, um Nasenspray, Schleimlöser oder Halsschmerztabletten käuflich zu erstehen. Eins ist sicher, wir wollen im nächsten Winter wieder nach Maria Alm zurück.

Auch am Skilift gibt es Hexen …

Seit Freitag Abend sind wir wieder im mittlerweile frühlingshaften Darmstadt, heute war es tatsächlich 16 Grad warm. Da wir im Moment leider nicht wissen, wann es zurück zu den Kanaren geht, werden wir eine Blogpause einlegen.

 

Mitte rechts der Großglockner

Ein bisschen Kultur

Die letzten zwei Tage in Darmstadt haben wir genutzt, um mal wieder ins Theater zu gehen. Unser Spanisch wird ja jeden Tag besser, aber ob das für einen ganzen Theaterabend ausreichend wäre, wage ich zu bezweifeln. Das machen wir lieber auf deutsch. So sind wir Freitag Abend ins Darmstädter Mollerhaus gezogen, ein Ein-Personen-Stück stand auf dem Programm: “Inneres Ensemble”, von und mit Anouschka Sarafzade. Um es gleich vorweg zu nehmen, ein großartiges Stück!

Eine Schauspielerin und eine Leinwand und ganz wenige Requisiten, aber viele Kostüme.
Bei der Generalprobe eines Stücks ist die Regisseurin vollkomen genervt: Die Schauspielerinnen machen, was sie wollen, keine Szene läuft ungestoppt durch, und sie sucht immer nach dem roten Faden des Ganzen. Am Anfang ist auf der Leinwand im Video ein Zuschauerraum zu sehen, langsam füllt er sich mit den Frauen, alles verschiedene Facetten der Autorin oder der Regisseurin, “eine Reise durch die Vielfältigkeit des eigenen Ichs”, nennt es Sarafzade. Prominent ist die lustige Figur der “Pausenfüllerin”, es gibt die Handwerkerin, die Nichtskönnerin, die Schlussdramatikerin, und und und…

In Real und auf der Leinwand

Immer spielt die Schauspielerin mit der Leinwand, läuft in die gefilmte Szene hinein oder die Regisseurin redet mit dem gefilmten Schauspieler-Ich, sehr spannende siebzig Minuten. Das Publikum war begeistert, wir auch, ein schöner Abend und sehr empfehlenswert, sollte das Stück auf Tournee in Eure Stadt kommen.
Gestern Abend, nachdem die Koffer für unsere Skiwoche gepackt waren, haben wir uns noch in das Darmstädter Jazz-Institut im Achteckigen Haus aufgemacht, und uns bei der Musik der Gruppe “Don’s Bag” mit Gast Jan Belling am Saxophon einen entspannenden Abend zu gönnen. Klassische Jazzstücke aus den sechzigern und Jazzsounds zu Prince, ebenfalls ein gelungener Abend.

Seit sieben Uhr sind wir mit dem Auto unterwegs, durch dicke Nebelfelder in den Niederungen und sonnige Höhenlagen, die Wiesen sind noch leicht mit Schnee bedeckt, nach Österreich zum Skifahren.

Krabbelt da was?

Eine gewisse Ruhe ist wieder im Hafen eingekehrt. Das Geschaukel der Boote in den letzten Tagen hat nicht nur an den Leinen, sondern auch an unseren Nerven gezerrt. Jetzt ist der Schwell aus dem Süden verschwunden, der Wind hat sich gelegt Frieden im Schiff und im Hafen. Nur über eine Sache sind wir seit gestern mehr als beunruhigt und hoffen inständig, dass es nur ein bedeutungsloses Kleintier war, das ich gesehen habe.

Die Kanaren sind leider unter Fahrtenseglern dafür bekannt, dass sie die Heimat der gefürchteten Küchenschaben oder auf spanisch Cucarachas sind. In jeder Pappverpackung oder in Salat und Obst können Eier oder Larven der Plagen hängen, und unentdeckt mit den Einkäufen an Bord gelangen.

La Cucaracha gibt es auch als Lied…

Jedenfalls, gestern Nacht, in den frühen Morgenstunden, krabbelt ein kleines rötliches Krabbeltier an der Innenverkleidung von unserer Kajüte lang. Noch halb im Schlaf versuche ich, das „Tierchen“ mit der flachen Hand zu erschlagen, erwische es aber nicht richtig, und das Insekt rutscht zwischen Matratze und Bordwand nach unten. Ich war sofort aus dem Bett, die eilig geweckte Capitania kurz danach. Wir haben die Lattenroste aufgestellt, alles abgesucht und abgeleuchtet, doch das vermaledeite Tier war nicht zu finden. Nachdem alles zurück am Platz – und die Capitania wieder eingedöst war, habe ich im Netz nach Bildern von Küchenschaben gefahndet. Soviel sei gesagt, rötlich sind sie fast alle, doch ob das nur ein harmloser Käfer oder eine Cucaracha war, kann ich beim besten Willen nicht sagen. Gelesen habe ich jedenfalls, dass es leider auch kleine fliegende Kakerlaken gibt. Im Tageslicht haben wir dann alle Bilgenabteile durchsucht und nix tierisches gefunden, außer vielen möglichen Verstecken, in Kabelrohren und nicht erreichbaren Durchbrüchen.

Fallen extra für Cucarachas gibt es zu kaufen

Nicole hat heute fünf Cucaracha-Fallen im Supermarkt gekauft und an verschiedenen Stellen im Schiff aufgestellt. Doch die Unsicherheit bleibt. Was, wenn das Krabbeltier irgendwo seine Eier abgelegt hat, kurz bevor es verendet ist, und die gefürchteten Schaben sich epidemieartig im Schiff verbreiten? Wenn wir nur eine in den aufgestellten Fallen finden, wissen wir, dass wir ein super ernstes Problem an Bord haben. Jetzt heißt es abwarten und die Nerven bewahren. Im schlimmsten Fall muss ein Kammerjäger das Schiff, bzw. die Plage ausräuchern…