Stark verwurzelt und elastisch verbunden

IMG_2445In jedem Park sieht man sie, es gibt kein Waldstück ohne, und auch in städtischen Bezirken gibt es wahrhafte Riesen. Manchmal sehen die Wurzeln aus wie märchenhafte Gestalten aus einer anderen Welt, und hin und wieder sind die Stämme so verdreht, dass man meinen könnte, ein Riese hätte mit der ganzen Kraft seiner Hände den Stamm verdreht.

IMG_2440

Uns faszinieren diese gigantischen Bäume, ihr Laubdach ist so dicht, dass nahezu kein Stück des Himmels sichtbar ist. Zuhause, also in Darmstadt, haben wir so ein Gewächs in herrlich klein und zierlich, mit der Bezeichnung Kirschlorbeer im Garten stehen. Wie diese wurzelnden Baumgiganten, die es auch bezüglich ihres Stammdurchmessers mit den amerikanischen Sequoias spielend aufnehmen können, heißen, wissen wir leider nicht. Kein Herkunftsschild verrät Namen oder Alter. Also, liebe Leser, wer die Bezeichnung dieser schönen Bäume kennt, möge sie uns bitte verraten! (Bei”Wikinger an Bord” gibt es einen Film, in dem man den Baum noch genauer sieht.)

 

Oben neu, unten alt: Auf die Mischung kommt es an!
Oben neu, unten alt: Auf die Mischung kommt es an!

Auf jeden Fall fühlen wir uns hier in Cartagena sehr wohl und irgendwie stark verwurzelt. Einen Drang zur schnellen Weiterreise verspüren wir im Moment nicht, was sicherlich zum einen mit den extrem kühlen Temperaturen in Barcelona (dort schneit es im Moment) oder auf den Balearen zu tun hat. Aber zum anderen haben wir hier einige Segler kennengelernt, die mit ihren Geschichten, ihrer Lebensart und ihren Sichtweisen der Dinge, unseren Aufenthalt deutlich bereichern. Und über die Vorteile der Stadt haben wir ja schon mal berichtet… Wir bleiben also noch eine Weile!

 

Hier breiten die Fischer ihre Netze zum Trocknen aus
Hier breiten die Fischer ihre Netze zum Trocknen aus

 

Die Verbindung von unserem Schiff zu dem jeweiligen Steg, Ponton oder Kai ist eine ganz andere Geschichte. Manchmal liegen wir längsseits an einem Steg und werden dann von insgesamt vier Leinen gehalten, oft liegen wir, seit wir im Mittelmeer sind, an einer sogenannten Muring. Eine Muring ist eine Leine, die an einer großen Kette in der Hafenmitte festgemacht ist und von dort aus zum Steg oder Kai führt. Die Muringleine greift man sich beim Anlegen und belegt diese dann straff gespannt auf dem Vorschiff. Zwei Achterleinen halten das Schiff zusätzlich hinten stabil zum Kai.
Uups, das war lang, aber jetzt wird es spannend. Jedenfalls gibt es zahlreiche Häfen, die bei unterschiedlichen Wellenrichtungen ganz schön schwellig bzw. schaukelig sind. Das Schiff wird von den Wellen beschleunigt und von den Leine wiederum hart abgebremst, dieses ständige Rucken spürt Man (n) deutlich. Sehr unangenehm.

IMG_2473IMG_2462Glücklicherweise gibt es in der heutigen Zeit zahlreiche Ruckdämpfer aus den unterschiedlichsten Materialien. Es gibt eiserne Federn, die effektiv, aber schwer sind, und wenn sie denn rosten, auch noch  quietschen.

IMG_2471IMG_2464Es gibt gummiartige Ruckdämpfer mit Anlehnungen ans Phallische und pfiffige MC Gyver-artige Individuallösungen wie den abgebildeten Gummireifen.

 

IMG_2461 IMG_2456Wir haben lange nachgedacht und uns für eine Gummiseillösung entschieden. Dazu wird die Gummileine mehrfach an die Festmacherleine angeknotet oder eingeflochten und fertig ist der günstige Ruckdämpfer. Gerade mal 8 Euro haben die 10 Meter Gummileine gekostet. Ein Stahlfederdämpfer schlägt hingegen mit ab 45 Euro zu Buche, der gummihaltige Ruckdämpfer mit ca. 25 Euro, nur der Altreifendämpfer ist noch billiger, dafür schwerer zu entsorgen, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Unsere Seillösung funktioniert prächtig, die Bremsbewegungen der Leine sind jetzt viel sanfter, das Gummiseil erfüllt seinen Zweck.
Wer noch gute Ideen zur Ruckdämpfung bei Schiffen hat, maile die uns bitte zu, vielen Dank.

Und zum Schluss noch ein kleines Rätsel: Was sehen wir denn da?

IMG_2455

Seefahrerkulturen und andere

Die Industrie- und Handelskammer ist hier auch für die Seefahrt zuständig
Die Industrie- und Handelskammer ist hier auch für die Seefahrt zuständig

Der Sturm ist vorbei, der Luftdruck steig stetig, der Wind hat auf Nordwest gedreht. Kühler ist es geworden, der Wind kommt jetzt aus den Bergen, das Gebläse unsere Dieselheizung fächelt warme Luft ins Schiffsinnere. Die Schiffe liegen wieder ruhig an ihren Liegeplätzen, die Wasseroberfläche ist nur noch leicht gekräuselt, und so manchem Schiffseigner ist der Schlafmangel der letzten Nächte noch deutlich ins Gesicht geschrieben. Die Ruhe nach dem Sturm ist nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm, der schon ab Dienstag wieder die spanische Küste heimsuchen soll, ebenfalls mit Windspitzen bis 100 Stundenkilometern. Wir sind gespannt!

Den heutigen ( Wind-) Ruhetag haben wir genutzt, um zwei ganz nahegelegene Ausstellungen des Nationalmuseums zu besuchen.

Eine Goldfigur, wie sie die Eroberer fanden (woher genau, konnte man nicht sehen)
Eine Goldfigur, wie sie die Eroberer fanden (woher genau, konnte man nicht sehen)

In der Ausstellung „Pacifico”, die hier noch bis zum 5. Februar zu besichtigen ist, geht es um die spanischen Entdeckungen, Eroberungen und Handel der damaligen Seemacht im pazifischen Raum. Vasco Nuñez de Balboa war der erste spanische Eroberer und damit der erste Europäer, der vom amerikanischen Kontinent aus das „mär del sur“, den pazifischen Ozean erblickte. Er und seine Mannen, unter ihnen auch Francisco Pizarro haben von Kolumbien aus den amerikanischen Kontinent durchquert, bis nahezu dorthin, wo der heutige Panamakanal in den Pazifik mündet und brachten reichlich Gold und Edelsteine von dort mit.
Ihm folgte Magellan, der Südamerika durch die später nach ihm benannte Magellanstraße durchsegelte. Seine Reise führte ihn weiter bis in die Südsee. Der Weg von Südamerika bis in die Südsee war geprägt von stetigen guten Winden und vor allem keinen Stürmen mehr, weshalb Magellan diesen Ozean Pazifik nannte, den friiedlichen Ozean. Magellan verstarb dann in der Südsee. Danach eroberten zahlreiche Seefahrer die Südsee. Die seefahrenden Nationen Portugal England und die Niederlande folgten und damit auch zahlreiche Zwistigkeiten zwischen den Mächten. Ein Gebietsverzicht von Spanien, das dafür von Portugal ein kleine Entschädigung von 350.000 Golddukaten erhielt, beendete diese nicht immer glorreiche Geschichte der Spanier im Pazifik zwischen 1515 und 1627.

Phönizische Scherben
Phönizische Scherben
Modell der phönizischen Segler
Modell der phönizischen Segler

In den nächsten Kulturräumen ging es um Unterwasserarchäologie, mit dem Schwerpunkt historischer Entdeckungen unter Wasser. Funde aus dem 7. Jahrhundert vor Christus bis zum 19. Jahrhundert werden in den modernen Ausstellungsräumen gezeigt. Die Sammlung umfasst eine große Anzahl an phönizischen, punischen und römischen Amphoren, sowie ein außergewöhnliches Ensemble an von Elefantenstoßzähnen, zum Teil mit Inschriften, aus der phönizischen Zeit.

Ein Modell zeigt, wie die Schiffe (ordentlich) gepackt werden sollten
Ein Modell zeigt, wie die Schiffe (ordentlich) gepackt werden sollten
Ob diese Schiffe jemals so ordentlich gepackt waren?
Ob diese Schiffe jemals so ordentlich gepackt waren?

Weiterhin beherbergt die Ausstellung Schiffsüberreste und damit wichtige schiffsarchitektonische Beispiele von den genannten Epochen.

 

 

 

Ein Aufgang zur Altstadt
Ein Aufgang zur Altstadt

Wer nun denkt, dass damit schon alle Ausstellungen, Museen und kulturhistorischen Beschreibungen über Cartagena abgearbeitet sind, liegt falsch. Es gibt noch soviel mehr zu sehen in dieser schönen Stadt, das Augusteum, das römische Amphitheater, die punische Mauer und abends gibt es eine ganz andere Kultur, die nicht minder reizvoll ist, die Kneipenkultur. Bedingt durch die zahlreichen Bars, Restaurants, gibt es mit Studenten aus der ganzen Welt und den fröhlichen Spaniern ein herrlich frisches Nachtleben in Cartagena.