On the Rocks

IMG_5502The Rock, so wird umgangssprachlich der Fels genannt, von dem aus die Fürstenfamilie das Fürstentum von Monaco regiert und verwaltet. Hoch oben, 227 Meter über dem Meer, thront buchstäblich das Prunkbauwerk oder genauer gesagt das Schloss der Grimaldis. Um es zu erreichen, geht es eine endlos lang erscheinende Steigung hinauf, die Sonne brennt, der Schweiß fließt und der Herzschlag wird deutlich schneller. Die Capitania hat Geburtstag und hat sich das anspruchsvolle Ausflugsprogramm in den Kopf gesetzt. Da hält sie dann so schnell nichts ab von, leiser Protest verhallt im Nichts oder in der Mittagshitze. Nur Nico, der Bordhund hat frei und darf es sich im schattigen Schiff bequem machen.

IMG_5517Wir überholen auf der Steigung die einen oder anderen schwächelnden Touristen, und kommen schließlich und endlich auf dem Schlossplatz an. Gerade rechtzeitig zum Wachwechsel der fürstlichen Leibgarde. Befehle hallen üben den Schlosshof, Waffen werden präsentiert, es wird salutiert, Touristen schießen Fotos. Nach einer Weile ist der Zauber vorbei, wir tingeln durch die Gassen der Altstadt, blicken vom Fels aus auf Meer und Boot, besichtigen die Kathedrale und bewundern die kleine unscheinbare Altstadtkirche, ein paar Gassen entfernt. Schön ist es auf dem Rock, die Anstrengung hat sich gelohnt.

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Dann wird es Zeit, den Rückweg zum Schiff anzutreten, der Hund wartet und wir wollen zurück in die Ankerbucht, wo ein kühles Bad im Meer unausweichlich und ganz oben auf der Geburtstagsprogrammliste steht. Der Wind weht leicht beim Erreichen der Hafenausfahrt, aber beständig und stark genug. Adieu Monaco, hisst die Segel, unser Schiff legt sich leicht auf die Seite und nimmt langsam Fahrt auf. Der Gegenwind kühlt angenehm.

Die Ankerbucht ist gut besucht, es findet sich jedoch eine Lücke, der Anker fällt und greift. Keine fünf Minuten später schwimmt das Geburtskind fröhlich wie ein Fisch im Wasser. Fünf Uhr: Zeit für den ersten Geburtstagsdrink des Tages. Rosé mit Pampelmusenlikör, das diesjährige Modegetränk der Grande Nation. Und beim morgendlichen Einkauf haben wir in weiser Voraussicht des Kommenden schon mal Eiswürfeltüten gekauft und mit Wasser befüllt. Die passen mal eben so in das Minieisfach unseres Kühlschrankes. Egal wie, das Ergebnis stimmt und die Eiswürfel klirren verlockend in den Gläsern. Das Getränk war köstlich. Danach ein kurzer Mittagsschlaf und schon wird es Zeit, den Lotusgrill anzuheizen. Fisch am Spieß satt für die Capitania und Hühnerspieß für den Skipper.

IMG_5553Kurz nach Sonnenuntergang haben wir uns nochmal halbwegs in Schale geworfen und mit dem Beiboot Kurs auf St. Jean genommen. Mein Gebet wurde tatsächlich erhört, passend zum Geburtstag hat mal wieder einer der „Schönen und Reichen“ ein Höhenfeuerwerk abgefeuert. Dazu der bereits erwähnte und-  organisierte – Vollmond. Am Land dann die nächste schöne Überraschung, eine dreiköpfige Herrenband spielt auf zur Straßenmusik und bietet chansonartige Lieder dar.

IMG_5555Ein perfekter Abend, Cornelia ist glücklich und ich müde. Aber mit schlafen gehen wird es dann so schnell nichts. Auf ein Mal frischt der Wind kräftig auf und Schwell setzt in unsere Ankerbucht. Das Schiff tanzt wie ein übermütiges Pferd an seiner Ankerkette. An Schlaf ist vorerst nicht zu denken. Auch auf anderen Schiffen sieht man besorgte Segler im Cockpit stehen. Um drei Uhr Nachts ist der Spuck vorbei und der Wind wie mit dem Schalter ausgeschaltet. Schnell ab in die Koje.

Flautenpoker

Still und starr liegt die See...
Still und starr liegt die See…

Segel hoch, Motor aus, Segel weg, Motor an, dieses beliebte Spiel spielen wir jeden Tag. Mehrmals, immer wieder, so wie man täglich Zähne putzt, frühstückt oder aufsteht. Im gleichen Maße wie die Wassertemperatur und die Sonnenscheindauer ansteigen, nimmt im Gegensatz dazu der Wind ab. Starr und bleiern liegt sie da, die See, allenfalls zur Mittagszeit ist ihre Oberfläche leicht gekräuselt, wenn eine sanfte Seebrise weht. Mehr als acht Stundenkilometer Windgeschwindigkeit gibt die Thermik nicht her.

Der Fußgängertunnel  in Monaco durch den Fels ist schön beleuchtet
Der Fußgängertunnel in Monaco durch den Fels ist schön beleuchtet

Umgerechnet sechs Stundenkilometer schnell wird unsere Hexe damit, Fußgängertempo. Wir haben unseren Rhythmus dem Wetter angepasst, die zurückgelegten Distanzen der letzten Tage sind kurz. Extrem kurz, was will man machen. Den lärmenden Dieselmotor anwerfen? Das ist keine Lösung für jeden Tag, wir sind Segler. Die Nächte seit Cannes verbringen wir in Ankerbuchten mit grandioser Rundumsicht. Steile Berge, Villen, Strände, Kiefernwälder und manchmal andere Ankerlieger, das ist das, was wir sehen, wenn wir uns einmal um 360 Grad drehen. Mehr nicht. Aber auch die schönsten Tage vor Anker sind einmal vorbei, spätestens dann, wenn unser Wasservorrat dem Ende zugeht oder es uns in eine Stadt zieht, wo es keine Ankerbucht gibt. So wie heute.

Der berühmte Fels, auf den Monaco gebaut ist
Der berühmte Fels, auf den Monaco gebaut ist

Wir liegen in Monaco. Und so wie wir das im Moment verstehen, besteht Monaco aus vier Teilen, bzw. vier Städten. Fontvielle, die westlichste Stadt mit Yachthafen, Monaco Stadt, wo der Fürst wohnt und das berühmte ozeanographische Institut/Museum ist, dem Condamine, mit dem Hafenbecken „Port Hercule” wo die Megayachten liegen, die bei jeder Fernsehübertragung des Großen Preises von Monaco zu bestaunen sind

Das ozeanographische Museum
Das ozeanographische Museum

und schließlich Monte Carlo mit dem berühmten Casino, der Hermitage oder dem Hôtel de Paris, wo die Berühmten und Reichen sich die Tür- oder besser gesagt die Hotelklinke in die Hand geben. Auf jeden Fall sind wir heute dort lang spaziert, wo beim Grand Prix die PS- Boliden langbrettern. Wir haben den Tunnel gesehen, der mit über 300 Stundenkilometern durchfahren wird,

Alte Fotos von Renn-Events schmücken die Stadt
Alte Fotos von Renn-Events schmücken die Stadt

sind einmal an der berüchtigten Rascasse-Kurve entlangspaziert, die im ersten Gang genommen wird und auch die endlose Steigung zum Casino in der prallen Sonne hochgeschlappt. Dort erreichen die Formel-Eins-Renner nahezu Höchstgeschwindigkeit, bevor in der Spitzkehre zum Hotel de Paris die Bremsscheiben zum Glühen gebracht werden.

Eins der vielen Automobilmuseen
Eins der vielen Automobilmuseen

Überall in den verschiedenen Stadtteilen ist die Geschichte des Motorsports allgegenwärtig. Souvenirshops mit Flaggen, Automobilmuseum mit Rennwagen vergangener Zeiten, Denkmäler mit und für Rennfahrer und der legendäre Motorsportclub von Monaco, der das jährlich stattfindende Formel-Eins-Spektakel formell ausrichtet.

Grace Kelly, oder Fürstin Gracia Patricia ist omnipräsent
Grace Kelly, oder Fürstin Gracia Patricia ist omnipräsent

Nach drei Stunden Entdeckungstour durch die Stadteile waren unsere Füße platt und der  (Fuß-Benzin-) Tank komplett leer. Die Hitze der Stadt war sicher ein weiterer Faktor, die Besichtigungstour zu beenden, in ein Bistro einzukehren und den Abend dann gemütlich auf dem Boot ausklingen zu lassen. Morgen ist ein ganz großer Tag, der entsprechend gefeiert werden muss. Die Capitania hat Geburtstag und tritt in ein neues Jahrzehnt ein. Ich habe auf jeden Fall dazu schon mal passend den Vollmond geordert, ist doch was…

Das Casino, vor dem nur schicke Autos stehen
Das Casino, vor dem nur schicke Autos stehen