Boot weg? Nein danke!

Samstag, 29. August 2015, Baro 1016, sonnig mit ein paar Wolken am Morgen, warm, Wind O um 4, später mehr aus NW
Liscia-Bucht von Porto Pollo 10:00 – Îles Sanguinaires vor Ajaccio 19:45, 65 sm

rechts Meer, links Lagune
rechts Meer, links Lagune

Volker hat gestern Abend beim Hundespaziergang entdeckt, dass hinter dem endlosen Sandstrand eine kleine Lagune ist, und am Morgen gehen wir mit dem Beiboot noch einmal dahin zum fotografieren. Es ist wunderschön, der Strand ist endlos (wie wir noch mit Schrecken später feststellen werden) und hintendran ist die schönste Landschaft.

Morgendliches Bad für den Hund
Morgendliches Bad für den Hund

Man hört in der Ferne leise Glocken wie von Kühen, aber es ist nichts zu sehen. Zu der frühen Zeit ist auch noch niemand am Strand, aber so ab 09:30 Uhr kommen die ersten mit Sonnenschirmen und Strandtaschen.

Die Schuhe liegen am Strand, wo ist Volker, fragt Nico sich?
Die Schuhe liegen am Strand, wo ist Volker, fragt Nico sich?

Als wir an den Strand zurückkommen, ist der Schreck groß: Da hinten in der Bucht treibt unser Beiboot! Das haben wir wohl nicht hoch genug an den Strand gezogen, der fällt aber auch steil ins Wasser ab!

Der Held krabbelt ins Beiboot
Der Held krabbelt ins Beiboot

Volker rennt los, und der Strand ist soooo lang, man läuft nicht so schnell in dem schweren Sand hier, der aus relativ großen Sandkörnern besteht. Als er die geschätzt kürzeste Entfernung zum Boot hat, springt er ins Wasser und krault und krault und krault… und ist bei dem Boot. Ein Held! Mit Kraft zieht er sich hinein, und kommt zurück zum Strand, um Nico und mich abzuholen. So ein Schreck am frühen Morgen!

Wir verabschieden uns von Liz und Kevin, die werden demnächst die Ostküste von Sardinien bis nach Cagliari runter segeln. Frisch den Anker aufgeholt und die Segel gesetzt und schon bläst uns ein achterlicher Wind mit gut 16 Knoten Richtung Korsika. Es ist richtig heiß, und hier ist es natürlich auch wieder leerer auf dem Wasser. Am Cap dauert es keine zehn Minuten, dann lässt der Wind nach und verschwindet erstmal ganz, die Wellen leider nicht, wir müssen tatsächlich ein Stück motoren, ehe der Wind wieder auf neun Knoten auffrischt, allerdings leider von vorne. Das macht uns aber gar nix aus, wir segeln schön erstmal hoch am Wind in die Bucht von Propriano hinein, um festzustellen, dass der Skipper hier doch nicht ankern will – dann gewendet – wieder hinaus.

Und dann kreuzen wir und wenden und wenden und wenden… bis kurz vor Sonnenuntergang haben wir es endlich geschafft, der Anker ist gefallen auf neun Meter Tiefe direkt vor der Insel Île de la Grande Sanguinaire. Schnell das Beiboot fertig gemacht, Abendessen für den Hund und ich fahre mit ihm zum Land. Was für eine goldische Insel! Auf dem Hügel steht der Leuchtturm, überall sind Wege, Ruinen einer alten römischen (?) Befestigung, eine kleine Kapelle. Morgen werden wir das alles besichtigen, ich steige nur noch einen Pfad weiter hoch, und sehe noch, wie ein kleines rotes Rund der Sonne im Meer versinkt, während auf der anderen Seite der riesengroße Vollmond hinter den Bergen der Insel aufgeht. Kribbel, kribbel!

Ganz viele junge Leute laufen über die Insel, ich überlege noch, wie die alle wieder wegkommen, dann fällt mir ein, dass am Hafen noch ein großes Boot lag. Als ich runtergehe, höre ich Musik, schöne, aber fremde Klänge, die Disco-Beleuchtung ist an, und ein paar junge Menschen stehen an Deck mit Drinks in der Hand. Ich wünsche noch einen schönen Abend, steige mit Hund  in mein kleines Dingi und fahre zurück zur Hexe.

Die letzten Tage auf Sardinien

27. August 2015, Donnerstag, Baro 1013, sonnig, warm, leichter Ostwind
Capo Coda Cavallo 10:30 – Olbia 12:40 – Olbia 15:30 Baro 1010 – Caprera, 35 sm

Der Teig ist gegangen und der Ofen ist bereit
Der Teig ist gegangen und der Ofen ist bereit

Heute ist Larissas Abflugtag. Nachdem wir gestern Abend nicht bis Olbia gesegelt sind, sondern es vorgezogen haben, uns noch einmal bei Johannes und Co. zum Pizzaessen einzuladen (zum letzten Mal, =(( – und das war wieder so köstlich, vielen Dank, Johannes!), mussten wir heute morgen eher früh raus. Schnell noch mit dem Nico Gassi gehen, und schon gehen der Anker und die Segel hoch. Der Wind ist leicht, aber wir schaffen es, so rechtzeitig in Olbia zu sein, dass wir noch einen kleinen Imbiss nehmen und dann Larissa mit dem Taxi zum Flughafen fahren können.

Ade, Tavolara (i una Coca Cola?)
Ade, Tavolara (i una Coca Cola?)

Wir legen danach gleich wieder ab, sodass wir schon auf dem Wasser sind, als Larissas Swiss-Maschine direkt über uns fliegt. Wir haben schönen Wind, das ist auch gut so, denn hier sind wieder alle großen Motorboote unterwegs und wühlen die See auf.

Motorboot-Fuzzis
Motorboot-Fuzzis

Volker ist davon auch ordentlich genervt, und will nicht in einer der Buchten der Costa Smeralda bleiben, sondern hoch ins Maddalena-Archipel. Mit dem letzten Tageslicht schaffen wir es, den Anker in der Bucht vor Caprera fallen zu lassen, morgen wollen wir die Ruinen dort besichtigen.

Freitag, 28. August 2015, Baro 1012, sonnig, warm, Wind O um 3
Caprera 11:00 – Porto Liscia, 12:30, 9 sm

Der jüngere Fort-Teil
Der jüngere Fort-Teil
Schienen führen zum Wasser
Schienen führen zum Wasser
Was war das wohl mal?
Was war das wohl mal?

Mit dem Beiboot fahren wir zu den Ruinen des Forts von Punta Rossa. Es besteht aus zwei Teilen, die aus unterschiedlichen Epochen zu stammen scheinen. Wir laufen an den verfallenen Häusern vorbei, versuchen zu deuten, was was gewesen sein könnte. Der untere Teil stammt aus neuerer Zeit, und ist wohl noch bis nach dem zweiten Weltkrieg im Einsatz gewesen. Aber jetzt fallen die Häuser ein, und die Natur überwuchert sie.

 

Das Waschhaus
Das Waschhaus
Die Küche mit Backofen
Die Küche mit Backofen
Ein Kanonensattel
Ein Kanonensattel

Interessanter ist der obere Teil des Forts, der auch wesentlich älter sein muss, die Wände sind aus geschichteten Steinen, hier waren auch die Unterkünfte der Soldaten. Eine Italienerin, die mit uns entlang läuft, erklärt ein paar Sachen, sie ist schon öfter hier gewesen. Wir finden das Waschhaus, die Küche mit dem großen Herd, viele Treppen aus solidem Granit, die irgendwohin führen, und ganz vorne, an der Punta Rosa eben, müssen einst riesige Kanonen gestanden haben, man sieht noch die Verankerungen im Boden.

Die Segelschule segelt die Freitags-Abschluss-Regatta
Die Segelschule segelt die Freitags-Abschluss-Regatta

Durch die Schießscharten hat man einen großartigen Blick auf die Bucht, in der die Segelschule gerade eine Regatta segelt.

Zurück an Bord machen wir uns auf, Liz und Kevin von der “Black Velvet“ zu treffen, sie haben in einer Mail geschrieben, sie seien in der Bucht von Liscia. Das ist keine zwei Seemeilen weg, allerdings in die falsche Richtung, aber wir Motoren mal hin. Ich lasse mir die Koordinaten geben, wo sie vor Anker liegen, und bin verblüfft: Das ist ganz  woanders! Trick der Italiener: „Liscio“ heißt „glatt“ und es scheint mehrere „glatte“ Buchten zu geben. Also, umgedreht, Segel gesetzt und die neun Meilen schön hingesegelt. Die Bucht bei Porto Pollo ist entzückend, es sind auch ein paar Segler und Motoryachten da, aber sie liegt gut geschützt und ohne Schwell.

Viele Surfschüler üben
Viele Surfschüler üben

Ein Nachmittagsspaziergang führt uns zum Campingplatz, dort gibt es Mohrrüben für abendliche Gulasch. Nur eine kleine Landzunge trennt die Porto-Pollo-Bucht von der Porto-Puddu-Bucht, und auf beiden Seiten ist der schönste Sandstrand. Ganz viele Windsurfer sind auf dem Wasser, das st praktisch mit den zwei Buchten, da kann man mit Anfängern immer dort surfen, wo sie im Zweifel zum Land zurück geweht werden.