Total geschafft

Zuhause…

Die Zeit rast gefühlt mal wieder dahin, seit sechs Wochen sind wir schon in Darmstadt. Die Werft hat signalisiert, dass alle Garantiearbeiten an unserer Hexe ausgeführt sind und unsere Reise weitergehen kann. Am letzten Sonntag hat ein Nachbarlieger mit einem misslungenen Anlegemanöver noch einen Teil unserer Scheuerleiste beschädigt, verneint dies frech in einer dreisten Mail an Pantaenius, unterstellt eine Vorschädigung und kündigt auch an, dies notfalls gerichtlich zu untermauern. Ich weiß nur, dass wir ein tadelloses, vollkommen unbeschädigtes Schiff in LGM hinterlassen haben. Wie gesagt, wir reden hier von einem kleinen Haftpflichtschaden, der ohne Folgen von Pantaenius geregelt werden würde, da der Schädiger beim gleichen Versicherer ist wie wir. Schade, schade. Aber sogar die Scheuerleiste soll bereits wieder repariert sein, und wir warten mal, wie dieser skurrile Fall sich entwickelt.

Keine Hooligans, nur Fans

Heute war ich mal wieder mit meinen Freunden zu einem vorsaisonalen Testspiel der Lilienelf am Böllenfalltor. Testpielgegner war Roda-Kerkrade, ein Erstliga-Absteiger aus der südholländischen Provinz Limburg. Die 98er gewannen das Spiel souverän 4:1 und unsere Spieler überzeugten mit engagiertem Fußball.

Völlig abgeschafft kamen vor wenigen Minuten die Capitania und Petra aus der Stadt. Beide haben eine mehrstündige Shoppingtour in der Darmstädter City hinter sich, und sitzen jetzt völlig platt mit einem Perlwasser auf dem Balkon. Zum abendlichen Boulespielen unterm Platanenhain haben beide keine Lust mehr. Relaxen steht auf dem Programm, und es wird über die abendliche Restaurantwahl diskutiert.

Im Laufe der nächsten Woche wollen wir voraussichtlich nach LGM fahren, und den Darmstädter Topsommer gegen den südlichen Mittelmeersommer eintauschen. Die heimischen Sommertage  sind derzeit der absoluten Knaller und wir gehen jeden Tag zur Abkühlung an oder in den Rhein.

Die Mathildenhöhe in Darmstadt

Im Morgensonnenschein

Jeden Morgen, wenn ich mit Samy spazieren gehe, erfreue ich mich an der Schönheit dieses Ortes. Natürlich auch vormittags oder nachmittags, aber morgens ist es besonders schön.

Spaziergänger auf dem Dachfirst

Über allem thront der Hochzeitsturm mit seinen fünf Fingern, daneben das Ausstellungsgebäude mit der auf dem Dachfirst balancierenden Figur, und vorne dran erstrahlt die Russische Kappelle mit ihren Goldtürmchen im sommerlichen Sonnenschein.

Die Mathildenhöhe mit Hochzeitsturm und Russischer Kappelle

Hier ist das Zentrum des Jugendstils zuhause, viele Gebäude auf dem Hügel und rundherum in der Künstlerkolonie stammen von Joseph Maria Olbrich, dem großen Jugendstil-Architekten. So auch der Hochzeitsturm, in dem man sich heute noch das Ja-Wort geben kann, hoch über der Stadt mit großartiger Aussicht. In der Eingangshalle sieht man das Mosaik „Der Kuss“ und hier gibt es allerlei Schönes zu kaufen, so auch den Hochzeitsbecher, oder Darmstadt Memories, bei uns beliebt an Heiligabend, wenn wir uns die Geschenke verdienen müssen.

Außen am Turm prangt eine wunderschöne Sonnenuhr, und immer wieder sieht man festlich gekleidete Gesellschaften, die vor dem Eingang das gegebene Jawort mit einem Glas Sekt begießen. Oder ein launiger Butler begrüßt die Gäste und stellt den Turm vor.

Das Ausstellungsgebäude ist seit 2012 ein riesiger Bauplatz, die Kosten für den Umbau sowie für die Sanierung sind auch deutlich höher als erwartet. Nun soll der Umbau bis zum Sommer 2019 fertig gestellt sein, wir sind gespannt.

Die Russische Kapelle von hinten, mit Feierzelten

Die Russische Kappelle ist ein wahres Kleinod, eine prachtvolle kleine Kirche, die der russische Zar Nikolaus II. errichten ließ, damit er auch bei Besuchen bei der Familie seiner Frau, Zarin Alexandra, geborene Prinzessin Alix von Hessen-Darmstadt,  nicht auf den Besuch in einem orthodoxen Gotteshaus verzichten musste. Tatsächlich ist die Kappelle auf aus Russland importierter Erde errichtet. Noch heute werden dort orthodoxe Gottesdienste abgehalten, sonntags sowie an einigen Wochentagen begegnen mir vor allem Frauen mit duftigen Schleiern auf dem Kopf auf dem Weg dorthin. Der Rasen rund um die Kappelle und das angrenzende Wasserbassin in schönem Mosaik ist grün, im Gegensatz zum Rest der Wiese auf der Mathildenhöhe, weil der Küster der russischen Kirche jeden Morgen die Rasensprenger bemüht. Eine Augenweide!

Der Schwanentempel

Mein Favorit jedoch ist der kleine Schwanentempel, der ein bisschen im Schatten der Kappelle steht, am Ende einer großen Treppe, die von dem Olbrichweg mit seinen Jugendstil-Künstlerhäusern zur Mathildenhöhe führt. Der Regen, der vom Dach dieses Tempels abläuft, wird durch den Mund von weißen Marmor-Schwänen geführt, ich finde diesen Tempel einfach zauberhaft.

Abends treffen sich die Darmstädter gerne im Platanenhain, es gibt ein kleines Freiluft-Café dort, und genug Raum unter den Bäumen für viele Boulespieler. Auch wir lieben diesen Platz und gehen am späten Nachmittag gerne auch mal nur zu Zweit dorthin, um unsere Fertigkeiten mit den kleinen Kugeln zu üben.

Die Mathildenhöhe bei Nacht

Irrwege im Paketdienst

Einmal, nur ein einziges Mal, habe ich unsere Adresse angegeben für eine Sendung. Ansonsten bestelle ich immer alles zu Larissas Adresse, denn in dem Haus sind nicht so viele Parteien, und immer jemand zuhause, der die Pakete für den Rest annimmt.

Doch von vorne. Seitdem unser SSB-Gerät eingebaut ist, haben wir ein Problem damit, dass es sich manchmal, ganz plötzlich, unter Abgabe eines hässlichen lauten Tons abschaltet, und die Funkeinheit „einfriert“. Es hat eine Weile gedauert, bis herauskam, dass noch mehrere Boote diesen Fehler hatten, und Icom, der Hersteller, sich bereit erklärt hat, die fehlerhaften Teile in dem Gerät auszutauschen. Dafür muss aber die Einheit nach Hamburg geschickt werden. Von den Kanaren aus schien uns das viel zu riskant, denn auch die Wiedereinfuhr würde erhebliche Probleme beim Zoll aufwerfen. Also haben wir es so geplant, dass wir zu unserem Heimaturlaub im Sommer die Blackbox mit nach Hause nehmen, und sie von Darmstadt aus versenden, und auch dorthin zurück geliefert bekommen.

Dumm war natürlich, dass wir bei der Abreise vom Boot vergessen haben, unsere SSB-Unit, die Blackbox, die hinter unserer Sitzbank verstaut ist, auszubauen und mitzunehmen. Und natürlich fiel uns das erst nach ein paar Tagen auf, als wir die To-Do-Liste abarbeiteten. Outremer hat sich freundlicherweise bereit erklärt, die Box auszubauen und uns zuzuschicken. Damit ich sie nicht noch mehr verwirre, habe ich nicht darum gebeten, dass es an Larissas Adresse gehen soll.

Am 21.6. bekomme ich die Nachricht von Outremer, dass das Paket morgen verschickt werden soll. Super, denke ich, dann haben wir ja noch genug Zeit. Aber das Paket kommt und kommt nicht. Am 29. Juni frage ich bei Outremer nach, und sage, dass ich ein bisschen beunruhigt bin. Daraufhin bekomme ich den Nachweis mit der Tracking-Nummer. Bei meinen Recherchen muss ich feststellen, dass angeblich bereits zweimal versucht wurde, das Paket zuzustellen. Nur dass wir beide Male zu der genannten Uhrzeit zuhause gewesen sind. Ich rufe bei der DPD an, bekomme die Auskunft, dass das Paket am nächsten Morgen erneut zugestellt werden soll, die genaue Uhrzeit würde ich über die Paketverfolgung am Ausliefertag erfahren.

Zwischen zehn und zwölf Uhr sitzen wir abwechselnd draußen vor der Tür, damit der Auslieferer keine Ausrede haben kann, aber es kommt kein DPD-Wagen in unsere Straße. Empört rufen wir wieder an, erst beim zweiten Anruf wird klar, dass das Paket gar nicht in den Wagen geladen wurde. Na, dann kann es ja auch nicht ausgeliefert werden. Wir bieten an, es in Raunheim abzuholen, aber das geht nicht, die Abläufe sind so mechanisiert, da kann man nicht eingreifen. Aber offensichtlich ein Paket vergessen!

Natürlich wird uns versichert, dass es am nächsten Tag zugestellt werden soll, wieder sollen wir auf der Website die genaue Uhrzeit bekommen. Ganz früh am nächsten Morgen schaue ich nach, da steht: „Wir konnten Sie dreimal nicht erreichen, das Paket wird an den Versender Outremer zurückgeschickt. Bitte setzen Sie sich mit dem Versender in Verbindung.“ Das schlägt dem Fass doch den Boden aus!

Nach weiteren Telefonaten wird uns versichert, dass unser Paket am nächsten Morgen kommt, „Nein, heute geht das nicht mehr, wir bekommen das nicht auf den Wagen“. Fast haben wir schon resigniert, da hält Volker das Paket pünktlich um 11:10 in der Hand und wundert sich, dass es so leicht ist. Kein Wunder, es ist das Pactor-Modem drin, und nicht die Blackbox, Schicksal. Es war auf jeden Fall gut gemeint…