Seit nunmehr exakt vier Wochen steht unsere Hexe an Land. Wir beiden haben Asyl in der Ferienwohnung einer Freundin gefunden. Dank Claudia können wir – zumindest die Abende und Nächte – in unserem geliebten Puerto Calero verbringen.
Nach vielen und aufwändigen Reinigungsarbeiten an unserem Boot, mit einem Hochdruckreiniger zum Abspülen von Algenschleim und Muschelresten, und dem anschließend – betäubend lauten – Sandstrahlen, begannen die eigentlichen Arbeiten.
Einen Teil davon haben wir mit der Kamera festgehalten, und ich habe daraus einen kleinen Film geschnitten, der auf YouTube zu sehen ist.
Nach der Bergbesteigung (siehe letzter Blogbeitrag) des Skippers auf dem Werftgelände von Arrecife soll ein erholsames Wochenende folgen. Ab Freitag 16 Uhr wird geschlossen, keiner darf auf dem Gelände sein, geschweige denn dort arbeiten.
Also habe ich bereits am Mittag Kleider, Badeanzüge und Ladekabel für die Telefone eingepackt, auch die Zahnbürsten und das Shampoo nicht vergessen, sodass wir uns direkt nach getaner Arbeit – okay, nach der Dusche – auf den Weg nach Playa Blanca machen können. Ab dort geht die Fähre nach Corralejo auf Fuerteventura. Da wir nicht wussten, wann wir in Arrecife los kommen, haben wir im Vorhinein kein Ticket gebucht, aber das Glück war mit uns, das Schiff der Fred-Olsen-Linie legte zehn Minuten nach unserer Ankunft ab, ich schaffte es gerade noch, Fahrkarten für uns und unseren Leihwagen zu ergattern, dann fuhren wir damit in den Bauch des Bootes ein, und genossen die halbstündige Fahrt zur Nachbarinsel von Lanzarote auf einem Logenplatz in der ersten Reihe am Bug der Fähre.
Meer- und Poolblick
Auf Empfehlung von lieben Freunden geht unsere Fahrt Richtung Süden, dort gäbe es ausreichend Hotels, in denen die zwei Erholung suchenden Bootsgebeutelten für ein Wochenende eine Auszeit nehmen können. Im Hotel Faro Jandia, direkt bei dem großen Leuchtturm finden wir ein wunderschönes Zimmer mit Meer- und Poolblick. Mit gut bestücktem Frühstück nach ausgiebigem Schwimmen im am Morgen völlig leeren Pool, einem netten Snack am Mittag, und einem üppigen Abendessen waren wir „pumpelsatt“. Der Verdauungsspanziergang auf der Straße vor dem Hotel endete mit einem kleinen Ausflug in einen Spielsalon.
Flipper – lange nicht mehr gespielt
Wir haben uns noch an der Life-Musik-Darbietung erfreut, eine Band spielte die bekannten Standards der Jazz und Rockmusik, mit eingestreuten uns unbekannten spanischen Liedern. Der Hotel-Manager zeigte seine Fähigkeiten als Saxophon- und Querflöten-Soloist. Der Beifall des Publikums war der Band sicher, am Ende wurde sogar getanzt.
Fuerteventura ist ähnlich wie Lanzarote und doch ganz anders. Beide Inseln sind vulkanischen Ursprungs, nur hat Fuerteventura keinen schwarzen Gesteinsboden wie Lanzarote, im Norden Fuerteventuras ist die Landschaft eher rostrot, im Süden findet man auf beiden Inseln sandfarbene Anblicke. Im Vergleich allerdings wirkt Lanzarote wie die kleine Schwester mit einer Fläche von ca. 845 Quadratkilometern auf eine Länge von 60 km und einer maximalen Breite von 34 km. Fuerteventura hingegen wartet mit 1.660 Quadratkilometern auf, bei einer Lange von über 100 km, allerdings eher geringer Breite zwischen 5 und 30 Kilometern.
Die weite Landschaft
Entsprechend weitläufiger ist die Landschaft, auf Lanzarote ragen einzelne Vulkangipfel heraus, während sich auf Fuerteventura ganze Landschaften voller Täler und Hügel finden. Die Ausblicke sind großartig, das Land ist sehr sehr wenig besiedelt. Zum Vergleich: Fuerteventura hat 122.000 Einwohner bei einer Bevölkerungsdichte von 72/qkm, während auf der deutlich kleineren Schwesterinsel 150.000 Menschen leben, das entspricht 184 Einwohnern pro qkm.
Betancuria
Am Sonntag sind wir auf dem Heimweg ins Inland gefahren, um die ehemalige Hauptstadt Betancuria anzuschauen. Für eine ehemalige Inselhauptstadt ist das Darf winzig, es gibt zwei bis drei Souvenirläden, ein paar Restaurants, die allerdings höchstens bis 18 Uhr geöffnet sind, und ein deutsch geführtes Luxushotel, dessen wegen seines charmant historischen Interieurs eine Michelin-Erwähnung gefunden hat. Leider ist dieses nur samstags geöffnet. Im Juli allerdings sind Betriebsferien, sodass wir uns lieber für zwei Tage in Jandia eingemietet haben, statt die zweite Nacht von Samstag auf Sonntag hier zu verbringen.
StatueBildBeichtstuhl
Beeindruckend ist die Kirche von Betancourt, Santa Maria war im 15. Jahrhundert sogar eine Kathedrale, jetzt befindet sich dort ein Museum. Zahlreiche Bilder, Figuren und Ornate sind ausgestellt, auf kleinen Tafeln werden Herkunft und Bedeutung sehr verständlich erklärt. Das Kirchenschiff ist Original, die alte Kanzel steht, auch der Beichtstuhl ist erhalten geblieben.
Um 16 Uhr sind wir wieder an der Fähre, diesmal sitzen wir am Heck in der freien Luft, und sehen zu, wie Fuerteventura immer kleiner wird. Es war ein wunderschönes Wochenende mit viel Erholung und ganz neuen Eindrücken.
Ohrenbetäubend laut startet zuerst der große, stromliefernde Dieselgenerator, und direkt danach der Druckluftkompressor. Als dann noch das 120 Dezibel laute Sandstrahlgebläse kreischend einsetzt, wähnt man sich vollends im Vorhof der Hölle.
Das beschädigte RuderDa war ehemals der verlorengegangene Skeg befestigt
Die ersten drei Arbeitstage auf der Werft in Arrecife sind vorbei. Beide Ruder mitsamt ihrem langen Edelstahlschaft sind ausgebaut, vom sozusagen „“gesunden“ Ruder wird eine Laminierform für das stark beschädigte Ruder abgenommen. Vom verbleibendem, unbeschädigten Skeg haben die Fiberglassexperten, fachmännisch geschickt, ebenfalls eine Laminierform direkt am Boot abgenommen, um einen neuen Skeg, in eben dieser Form laminieren zu können.
Die Laminierform am bestehenden Skeg während der AnfertigungDie fertige Laminierform für den Skeg
Das Ruderlager auf der Seite mit dem kaputten Ruder ist ebenfalls beschädigt, wie sich bei näherer Inspektion herausstellte. Mehrere Walzenlager im Ruderlager sind beschädigt, bzw. teilweise gebrochen. Der Ausbau gestaltet sich schwierig und ist nur dank des vorsichtigen Einsatzes von Dremel und der Oszilliermaschine mit Sägeaufsatz möglich. Vorsichtig deshalb, damit das Gehäuse des Ruderlagers nicht auch beschädigt wird.
Das funktionierende RuderlagerDas defekte Ruderlager nach dem Ausbau
Über drei Stunden brauche ich, bis das defekte Ruderlager sich endlich hochkant drehen und somit rausnehmen lässt. Vorsichtshalber baue ich auch das gegenüberliegende Ruderlager mit der Unterstützung von Wes aus. Zu zweit, und mit der Hilfe von einem Kantholz und ein paar Hammerhieben, ist der Job in einer halben Stunde erledigt.
Generator, Kompressor und der SandstrahlerPerfekte Arbeit- der gesandstrahlte Rumpf
Die Schiffsschrauben und die Propellernaben sind poliert, eine zeitraubende Tätigkeit, die aber mit einem schönen Hochglanzfinish belohnt wird. Aber die schwerste Arbeit, bis jetzt, hat definitiv der lanzarotensische Sandstrahlexperte, der mit viel Geschick und noch mehr Vorsicht, mit dem Sandstrahlgebläse das Antifouling vom Bootsrumpf entfernt. Dazu wird das abrasive Sandstrahlmaterial mit einem 2-3 Bar hohen Druck und einem langen Rohr, das dem eines Hochdruckreinigers in gewisser Weise ähnelt, aus ca. einem halben Meter Abstand auf den Bootsrumpf gerichtet. Theoretisch könnte ein ungeschickter Laie mit einem Sandstrahlgebläse die schützende Epoxyschicht und das Gelcoat beschädigen und eventuell sogar Löcher ins Laminat schießen. Der Sandstrahler selbst schützt sich und seine Gesundheit mit einer Atemschutzmaske und einem Helm mit ponchoartigem Umhang gegen den Staub und die umherfliegenden Sand- und anderen Körnchen, die in dem Strahlmittel enthalten sind. Morgen sollten beide Rümpfe komplett gesandstrahlt sein.
Das Sandstrahlen beginnt
Wie geht es dann weiter? Zunächst einmal müssen beide Rumpfseiten gründlich gewaschen und vom Staub befreit werden. Ab Montag werden zwei weitere Epoxyschichten aufgebracht, die dann erstmal austrocknen und eventuell noch ein bisschen beigeschleift werden müssen. Dann wird zum Ende der nächsten oder zum Anfang der übernächsten Woche das finale Coppercoat Antifouling aufgebracht.
Zwischenzeitlich wird das Ruderblatt und der Skeg laminiert. Die Ruderlager von Jefa sind bestellt und auf dem Weg von Dänemark nach Lanzarote. Vorsichtshalber tausche ich noch die Saildrivedichtung und die Propellernabe am Backbord-Saildrive aus. Aber bis dahin fließt noch viel Wasser den Rhein hinunter, bzw. die eine oder andere Schweißperle über das Gesicht.
Cornelia hat während der Werftzeit ihr eigenes Programm und versorgt mich mit gekühlten Getränken, näht ein neues Lager für unser Bett im Salon, das wir bei Überfahrten nutzen, Sie besorgt notwenige Werkzeuge und Zubehör aus der Ferreteria (kleine lokale Baumärkte) und trifft sich hin und wieder mit Ulrike und Inge-Lore zum fröhlichen Plausch.
Irgendwie kommt einem so ein Werftprojekt wie eine Bergbesteigung vor. Erst steht es vor einem wie eine unbesteigbare Wand, doch dann ordnen sich so langsam die Dinge. Man kommt in den Arbeitsrhythmus, organisiert die Arbeitsabläufe, die Facharbeiter finden sich ein und so ganz langsam geht es bergauf. Das dann mal die Schultern oder der Muskelkater in den Armen schmerzt, ist verkraftbar, Hauptsache es geht koordiniert voran. Zusätzliche Hindernisse und unerwartete Ereignisse, wie beispielsweise das kaputte Ruderlager, werden mit Elan und Bravour gemeistert.