Mit soviel Wind und hohen Wellen…

Und die Wellen wären noch höher geworden im Laufe des Tages...
Und die Wellen wären noch höher geworden im Laufe des Tages…

haben wir nicht gerechnet, als wir heute morgen um 5 Uhr aus Calvi los sind, um den langen Schlag an die Côte d’Azur zu segeln. Nach dem Passieren von Cap Revelata waren wir noch nicht ganz aus der schützenden Wind- und Wellenabdeckung heraus, als schon die ersten schweren Seen die Hexe kräftig durchgerüttelt haben. Kurz darauf fand eine laut brechende Welle ihren Weg übers Deck, Wassermassen ergossen sich ins Cockpit. Gurgelnd sucht das kühle Nass seinen Weg und fließt nach einer Weile wieder dahin zurück, wo es hergekommen ist. Mit siebeneinhalb Knoten Speed springt das Schiff von Welle zu Welle, einem Rodeo gleich, der Wind heult im Rigg, noch mehr Wasser findet immer wieder den Weg aufs Deck.

Im Osten zieht langsam die Helligkeit des neuen Tages herauf, rötlich schimmernd lässt sie nicht Gutes erahnen. In einer fernen Wolke im Nordosten zucken jede Menge Blitze herum. Das ist nur der Anfang von dem, was die Wetterküche anscheinend für uns vorbereitet hat.

Bei Windfinder sah das nicht so dramatisch aus
Bei Windfinder sah das nicht so dramatisch aus

Dabei ist es irgendwie immer dasselbe. Vor so einer langen Fahrt vergleicht man alle Wetterberichte, wägt ab, ob und wann es losgehen soll, vielleicht manchmal mit der berühmten rosaroten Brille. Die müssen wohl auch wir beim Studieren der gestrigen Wetterkarten angehabt haben. Statt die schlechtmöglichste Wetterprognose von dem italienischen Anbieter Lama Rete anzunehmen, haben wir uns an den guten Prognosen verschiedener anderer Wetterdienste für unser Fahrgebiet erfreut.

Für halb fünf den Wecker gestellt, schnell noch Nico Gassi geführt und die Segel gesetzt. Der salzige Strich durch die Rechnung kam postwendend mit den hohen Wellen. Die Konsequenz ebenfalls. Was zuviel ist, ist zuviel, mit “eingekniffenem Schwanz” drehen wir um und verschieben die Überfahrt nach Frankreich bis auf Weiteres.

Was kann man daraus lernen? Bisher haben wir uns oft auf den Wetterbericht des italienischen Anbieters Lamma Räte verlassen (http://www.lamma.rete.toscana.it/mare/modelli/vento-e-mare). Bietet er doch auch, als einer der wenigen Wetterdienste, Vorhersagen auch für kleinräumige Gebiete im Mittelmeer an, inklusive Wellenprognose. Zudem sah es auch bei anderen Anbieter so aus, als würde sich für das Gebiet der Rhônemündung eine Mistrallage ankündigen. Diesen Aspekt haben wir unterschätzt. Das ist zwar relativ weit weg, würde aber die zum Wind überproportional hohen Wellen erklären. Und das am Anfang der Starkwindphase!

Die Vorhersage für Samstag (brrrr)
Die Vorhersage für Samstag (brrrr)

Wenn man beide Faktoren betrachtet, zum einen die schlechte Vorhersage für unser Seegebiet und die negative Entwicklung im Löwengolf, hätten wir besser von dem Versuch der Überfahrt Abstand genommen. So ist es halt, Versuch macht eben nicht immer klug (oder vielleicht doch) und gut, dass wir nicht erst auf halbem Weg von der negativen Wetterentwicklung überrascht worden sind, sondern am Anfang. Der Wind pfeift durch die Takelage, alles ist aufgeklart und ein paar Stunden Schlaf sind schon nachgeholt. Wir ankern in einer hübschen Bucht vor Calvi und warten ab, was wettermäßig so passiert.

Pfui, Qualle

31. August 2015, Montag, Baro 1012, sonnig, warm, Wind W um 5, nach zehn Minuten NW um 2
Galéria 11:15 – Calvi 19:00, 15 sm

Kühe - mit Appetit auf Pizza?
Kühe – mit Appetit auf Pizza?

Heute morgen war nicht nur eine Kuh auf der Straße, nein zwei Mutterkühe standen mit zwei Kälbchen direkt vor der Pizzeria. Nico hat sich die Kälbchen angeschaut: “Ob man mit denen wohl spielen kann?” Als sich dann aber eines auf ihn zubewegt hat, ist er doch lieber abgehauen, das war ihm anscheinend zu groß (im Gegensatz zu den zu kleinen Geckos auf den Îles Sanguinaires).

Kaum sind wir – mit einem frischen Baguette – zurück an Bord, schon heißt es wieder: “Anker auf!”, denn es weht ein frischer Westwind, und den wollen wir ja nicht verpassen. Leider ist das auch wieder nur ein thermischer Wind, der hier in die Bucht hinein weht, denn nach zehn Minuten ist der Zauber vorbei und wir fahren gerade mal noch 3,5 Knoten bei vier Knoten Wind! Das bleibt den ganzen Tag so, mal ein bisschen mehr, mal gar kein Wind, aber wir haben es heute auch nicht eilig, es sind nur 15 Meilen bis Calvi und wir haben den ganzen Tag Zeit.

An einem wunderschönen Felsen möchte Volker schnorcheln gehen, und nach Fischen schauen, er nimmt sogar extra die GoPro mit zum Filmen (wenn ich den Film geschnitten habe, kommt hier der Link hin). Leider sind an der Kante nicht so viele Fische, wir wollen es später nochmal probieren. Das machen wir auch, zwischendurch haben wir mehrere Badestopps einlegen müssen, denn bei dem leichten Wind ist es einfach zu heiß. Es waren auch keine richtigen Stopps, einer von uns ist bei leichter Fahrt an der Treppe ins Wasser gegangen und hat sich entweder ziehen lassen, oder man konnte es schaffen, genauso schnell zu schwimmen, wie das Boot fährt. Das geht aber nur bis maximal zwei Knoten Fahrt.

Kurz vor Calvi laden einige spektakuläre Felsen zum Schnorcheln ein, es sind auch mehrere Tauchboote da, vielleicht ein Garant, dass es eine gute Unterwasserszene gibt. Und tatsächlich gibt es hier Fische, kleine, die in großen Schwärmen herumschwimmen, und größere Barsche, die sich aber nicht so gerne filmen lassen. Leider gibt es auch ein paar Quallen, einer, die direkt vor sein Gesicht geschwommen ist, kann Volker noch ausweichen, aber die hinterhältige kleine, die an seinen Waden leckt, hat er nicht gesehen. Vom Boot aus sehe ich, dass er hektische Bewegungen macht, und dann ganz schnell verschwimmt, also motore ich in seine Richtung, um ihm den Weg zu verkürzen, ich habe mir schon gedacht, dass er mit einem unnetten Unterwasserwesen Kontakt hatte. Dank Liz’ und Keins Tipp, die Stelle mit einer Kreditkarte (wir nehmen den Schaber, mit dem wir die Muscheln vom Unterwasserschiff abschaben) an der getroffenen Stelle fest zu schaben, und dann mit Rasierschaum (wenn man den nicht hat, eben mit Seife) nachzubehandeln, wird es nicht so schlimm, es brennt noch ein wenig, ist aber abends wieder weg.

Reich verziertes Kreuz in der wunderschönen Kirsche auf der Bastion von Calvi
Reich verziertes Kreuz in der wunderschönen Kirsche auf der Bastion von Calvi

Wir ankern zuerst in einer kleinen Bucht, um schön mit Nico spazieren zu gehen, und fahren abends in die Bucht von Calvi, auch an die alte Stelle, wo aber jetzt deutlich weniger Ankerlieger sind.