Eisenhart.

Nach ein paar Tagen Funkstille im Blog gibt es mal wieder etwas zu berichten. Die Lücke hat einfach auch damit zu tun, dass, wenn wir schon mal in der hessischen Heimat sind, soviel zu tun und organisieren ist, dass einfach (zu) wenig freie Zeit bleibt.

Zwei der gigantischen Hochöfen schauen hier ganz klein aus
Zwei der gigantischen Hochöfen schauen hier ganz klein aus

Jetzt bleiben wir mal beim Thema Heimat und machen einen kleinen Schlenker von 180 Kilometern ziemlich genau nach Westen. Eingerahmt  und mehr oder minder abgegrenzt von Frankreich und Luxemburg liegt dort das Saarland. Damals, zu früheren und leider längst vergangenen Zeiten, ein äußerst wirtschaftsstarkes Bundesland. Zum einen durch das schwarze Gold, die Kohle, die in der tiefen Erde ruhte und auf den Abbau wartete und zum anderen durch die Stahlwerke in Dillingen, Neunkirchen und Völklingen.

Hermann Röchling, der Unternehmer
Hermann Röchling, der Unternehmer

Das Werk in Völklingen wurde bereits 1870 gegründet, aber leider währte das Glück des deutschen Stahlwerkgründers gerade mal fünf kurze Jahre, bevor die erste Insolvenz folgte. Der Grund ist schnell erklärt: Die Strafzölle für Eisenimporte aus  den umliegenden Ländern, Belgien, Frankreich und Luxemburg nach Deutschland wurden aufgehoben. Doch nur kurze Zeit danach wurde das Stahlwerk von der Familie Röchling übernommen, weiterentwickelt und zu seiner jetzigen vollen Größe ausgebaut. In den folgenden Jahrzehnten sicherte es Aufschwung für die Stadt Völklingen und das gesamte Umland. Die dunkle Seite der Medaille ist, dass bereits im ersten Weltkrieg Rüstungsgüter hergestellt und Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit verpflichtet wurden.

Es gibt viele Erklärungen für Besucher, dennoch ist so eine persönliche Führung etwas ganz Besonderes
Es gibt viele Erklärungen für Besucher, dennoch ist so eine persönliche Führung etwas ganz Besonderes

Im zweiten Weltkrieg wurde das Stahlwerk nicht bombardiert, da die französischen Nachbarn auf eine Akquirierung des Werkes nach Kriegsende aus waren. So war man in Völklingen auch direkt nach dem Krieg in einer relativ glücklichen Lage und konnte die Stahlproduktion nahtlos fortsetzen.

In der Gasgebläsehalle stehen riesige Maschinen
In der Gasgebläsehalle stehen riesige Maschinen

Aus sechs Hochöfen wurden jeden Tag sechstausend Tonnen glühend heißen Stahls gestochen. Riesige Luftmaschinen aus der fußballfeldgroßen Gebläsehalle lieferten die notwendige heiße Luft für die Schmelzprozesse, das Eisenerz wurde aus den Nachbarländern angeliefert, veredelte Kohle, das sogenannte Koks kam aus den umliegenden Kokereien. Eine gigantische Produktionsmaschinerie. Tag und Nacht, 365 Tage im Jahr, wurden die gierigen Hochöfen beschickt und befeuert. Die Welt wollte Stahl für den Wiederaufbau und für den Fortschritt, das Röchling’sche Stahlwerk lieferte es.

Zwei Hochöfen, im Vordergrund die gelben Röhren für die Heißluft
Zwei Hochöfen, im Vordergrund die gelben Röhren für die Heißluft

Die Arbeit im Eisenhüttenwerk und an den Hochöfen ein Knochenjob. Staub, Rauch und Dreck auf, über und in der Stadt, sichtbar, fühlbar. 1974 waren mehr als 17.000 Menschen im Hüttenwerk tätig. 1975 kam, schon krisenbedingt, der erste wirkliche Abschwung und einige tausend Mitarbeiter mussten ihren Hut nehmen. 1980 wurde ein modernes weiterverarbeitendes neues Stahlwerk direkt neben dem alten gebaut.

 

IMG_7598

Im Sommer 1986 ging dann bei der alten Hütte das Licht oder, besser gesagt, das Feuer in den Öfen endgültig aus. Die sechs Hochöfen und die mehrere hundert Hektar große Industrieanlage stand still. Der bis heute anhaltende und unaufhaltsame Abschwung für Völklingen und die umliegende Region begann. Mehr als zehntausend Menschen wurden arbeitslos oder verrentet. Sozialpläne und ein Hilfsprogramm der damaligen Landesregierung milderten, Gott sei Dank, die Misere.

Ingenieurskunst
Ingenieurskunst

1994 wurde das brachliegende Stahlwerk zum Unesco Weltkulturerbe erklärt und die weltweite Einzigartigkeit dieses vollständig erhaltenen Eisenwerkes zertifiziert.

Heute ist die Völklinger Hütte Besucher- und Veranstaltungsmagnet zugleich. Touristen und Einheimische, Fotografen und Interessierte aus der ganzen Welt besichtigen diese einzigartige Industriebrache.

staunende Gesichter
staunende Gesichter

Wir, Cornelia, Babara, Joachim und ich haben gestern an einer Führung durch das gigantisch große Werk teilgenommen. Kilometer lange dicke Rohre, die alles überragenden Hochöfen, zahllose Industriegebäude, ein endlos erscheinendes Gewirr von Wegen, Gleisen, und Gängen. Wir waren in der Gasgebläsehalle, der betriebseigenen Kokerei, sind die 170 Stufen zum Hochofen hinaufgestiegen und haben die sogenannte Möllerhalle, die zur Lagerung der benötigten Rohstoffe etc. diente, bestaunt.

ohne Worte…
ohne Worte…

Was für ein beeindruckendes Erlebnis, und jedem zu empfehlen. Die Führung dauerte  drei Stunden, wer will und noch Kraft in den Beinen hat, kann danach sicherlich noch die ein oder andere Stunde auf Entdeckungstour gehen. Das gesamte Gelände des Industriedenkmals ist mittlerweile barrierefrei und behindertengerecht erschlossen Ich empfehle ausdrücklich einen Zwischenstopp zur Kräftigung im gegenüberliegenden Café Umwalzer mit seinen lokal-saarländischen Spezialitäten. Also ab in Auto, Bus oder Bahn und auf nach Völklingen und ins schöne Saarland.

Noch mehr zur Hütte erfährt man hier:
Weltkulturerbe Völklinger Hütte: Willkommen
oder bei Wikipedia

Der Schlüssel ist mannshoch
Der Schlüssel in der Kokerei ist mannshoch
Klappen am Hochofen, durch die Teile des Kühlwassers einfließen konnten
Klappen am Hochofen, durch die Teile des Kühlwassers einfließen konnten
Die Hängebahnwagen zum Bestücken der Hochöfen
Die Hängebahnwagen zum Bestücken der Hochöfen
Das Werkzeug liegt noch bereit…
Das Werkzeug liegt noch bereit…
Die Kokerei
Die Kokerei

Orange!

Nach dem Frühstück am Freitag versuche ich erneut mein Glück, einen Liegeplatz in Antibes zu reservieren, nachdem das in der Saison nie geklappt hat. Kaum zu fassen, wir bekommen einen Platz! Bei dem wenigen Wind schaffen wir tatsächlich die neun Seemeilen von Nizza nach Antibes in vier Stunden, inklusive Badestopp für den Skipper, was für eine Leistung!

Der Orange-Laden residiert im ehemaligen Grand Hotel
Der Orange-Laden residiert im ehemaligen Grand Hotel

Antibes ist schön, wie immer, wir entdecken bei der Suche nach einem Gemüseladen Ecken der Stadt, in denen wir noch nicht gewesen sind. Es sind viele Menschen unterwegs, auch noch viele Touristen, man hört deutsche, schwedische und englisch-sprachige Laute. Aber die kleinen Galerien, an der Bastion, bei den touristischen Restaurants haben schon für den Winter geschlossen. Auf dem großen Platz gibt es einen Orange-Telefon-Laden, da werde ich morgen früh mal hingehen und unsere bereits gekauften Gigabytes aktivieren. Das ist bestimmt einfacher, denn mit einem ausländischen Telefon funktionierte das nicht automatisch, da musste ich bisher immer erst mit der Hotline telefonieren.

IMG_7513Nach dem Abendessen suchen wir die Australian Bar, die in unserem Hafenplan angezeigt hat, und wo heute Livemusik sein soll. Allerdings fangen die Jungs erst nach elf Uhr an zu spielen, da sind wir nach vier Liedern zu müde und gehen nach Hause ins Bett.

Am nächsten Tag im Orange-Laden bekomme ich eine wirklich gute Nachricht: Sie haben es geschafft und eine Nummer eingerichtet, damit man von einem ausländischen Mobiltelefon aus die Gigabytes für den “Domino” genannten Wlan-Router aufladen kann. Ich probiere das noch direkt im Laden aus und es funktioniert einfach so, völlig ohne Probleme! Ich muss nur die Karten-Nummer meines Routers eingeben, dann die vierzehnstellige Nummer der bereits gekauften Gigabytes, und schon sagt mir die freundliche Stimme, mein fünf Gigabyte-Guthaben seien aktiviert und gelte bis August 2016. Solange werden sie bei uns zwar nicht halten, aber gut zu wissen.

Eine ausgefallene Uhr schmückt den Bahnhof von Antibes
Eine ausgefallene Uhr schmückt den Bahnhof von Antibes

Danach mache ich noch einen Schlenker zum Wochenmarkt. Die Markthalle ist  gut besucht und die Stände bieten die leckersten Dinge an: ganz viel kandierte Früchte aller Art, Cranberries, Feigen, Aprikosen, Zitronen,  alles, was das Herz begehrt, es gibt mehrere Oliven- und Tapenade-Stände, solche mit korsischer Salami und Käse, Gemüse und Obst aller Art. Ich hole noch einen Vorrat an Kakis, denn Allegra hat gesagt, zuhause gibt es noch keine reifen Kakis und die von hier sind so unglaublich süß und lecker. An zwei Orten in der Stadt ist  Flohmarkt, auf dem großen Platz überwiegen die Antiquitätenhändler, die zum Teil sehr schöne Porzellanstücke und Silber feilbieten, zum Teil aber auch viel Ramsch. Auf dem anderen Platz nahe bei der Marina gibt es neue und getragene Kleider, von der Unterwäsche bis zur Winterjacke.

Mittags segeln wir bei ganz leichtem Wind langsam die drei Meilen bis zur Marina Baie des Anges, von der aus wir morgen früh für eine Woche nach Hause fahren werden.

Bella Italia

Ein Wasserspeier in La Pigna
Ein Wasserspeier in La Pigna

Nachdem vor allem der Skipper anfänglich große Zweifel an der Schönheit von San Remo hatte, wurden wir doch in den zwei Tagen eines Besseren belehrt. Noch am Abend sind wir – mal wieder – nach oben gestiegen, in die eine Altstadt und in den anderen sehr verfallenen mittelalterlichen Stadtteil “Pigna”, wo uns zahlreiche Schilder über die einstige Bedeutung der Plätze, Häuser und Straßen aufklärten.

Häuser, vom Verfall bedroht
Häuser, vom Verfall bedroht

Die Hauswände sind feucht, in die meisten Gassen dringt niemals ein Sonnenschein, klar, war das abends dunkel hier, aber als wir am nächsten Mittag bei strahlendem Sonnenschein noch einmal durch diese Gassen gelaufen sind, war es auch nicht viel heller. Und auch hier wieder das Problem, dass man alles, jeden Einkauf, aber auch den Kühlschrank und die Waschmaschine durch kleine verwinkelte Gassen tragen muss.

Blick mit Engel
Blick mit Engel

Mittwoch sind wir also auch wieder mal nach oben gestiegen, diesmal noch weiter hoch, erst wieder ein bisschen runter, um auf den nächsten Hügel zu gelangen und zum Schluss standen wir an einer schönen Kirche, die aber leider geschlossen war, und erst vierStunden später wieder öffnen sollte. Wir waren 107 m über dem Meer, hatten einen sensationellen Ausblick über die Stadt. Man sah auch das Kreuzfahrtschiff von Thomas Cook, das am Morgen in der Bucht angekommen war, und das lauter kleine Boote mit vielen Menschen ausspuckte, die einen Landausflug durch San Remo oder mit dem Bus an der Costa dei Fiori entlang machen.

reife Kiwis
reife Kiwis

Auf dem Weg hoch haben wir einen gut gefüllten Kiwi-Baum gesehen, das war eine Premiere, mitten am Hang neben einem abenteuerlich darein gebauten Haus. Auch kleine Schrebergärten haben die Menschen angelegt, dort wachsen Tomatensträucher und Zucchinis, Kräuter und bunte Blumen.

Davon gibt es große Sträucher und kleine Stauden in allen Farben
Davon gibt es große Sträucher und kleine Stauden in allen Farben

Ja, die Costa dei fiori macht ihrem Namen alle Ehre, es blüht immer noch vieles, natürlich die Bougainvilla und der Oleander, der Hibiscus, aber auch ganz viele andere bunte Blumen, deren Namen wir, als Botanik-Laien, nicht kennen.

schöner Fußboden vor der Kirche
schöner Fußboden vor der Kirche

Am Donnerstag Morgen wollten wir eigentlich früh ablegen, aber als ich nach dem Hundespaziergang zurückkam, war der Wind verschwunden. Laut Windfinder sollte er um elf wiederkommen, wir haben es ausprobiert und segelten zuerst bei ganz leichtem Wind im Sonnenschein die Küste entlang. Mir gefällt es, es ist alles so friedlich, aber der Skipper ist genervt von den vielen Flauten an der Côte und den ewigen Winddrehern.

Ciao, Bella Italia
Ciao, Bella Italia

Und dann kam er doch noch, der Wind. Zwar genau daher, wo wir hinwollten, aber mit 12-13 Knoten, aber wir konnten segeln, also kreuzen, halt. Leider mussten wir auch alles anziehen, was der Kleiderschrank so hergab, denn gegen den Wind wird es empfindlich kühl. Und als wir dann den letzten Schlag raus geschafft hatten und mit einem leichten Schrick in den Segeln auf Nizza zu fuhren, wurde sie auch wieder richtig schnell, unsere Hexe. Der Unterwasseranstrich hat sich gelohnt, auch bei wenig Wind benimmt sie sich nicht mehr wie eine bleierne Ente, sondern sprinted los wie ein junges Fohlen. (Damit warten wir auch nie wieder so lange.)

Spagat zwischen Historie, Kunst und Technik

Ein moderner Odysseus
Ein moderner Odysseus

Zwei Tage und zwei Nächte haben wir in Menton, dem letzten Yachthafen vor Italien verbracht. Hört sich fast so an, als wenn man mit dem Auto auf der A 5 unterwegs ist in Richtung Süden – irgenwann steht dann da so ein Hinweisschild: “Letzte Raststätte vor der Schweizer Grenze”. Beinahe so ist das in der Tat für uns Segler. Nur ein paar Seemeilen segeln und wir sind in Italien. Grenzübertritt barrierefrei, unkontrolliert, unbemerkt. Das Wasser kennt keine Landesgrenzen. Trotzdem tauscht Cornelia pflichtgemäß die Trikolore Frankreichs unter der Steuerbordsaling gegen die italienische. Die hat – wie der Spitzname “Tricolore” besagt – auch drei Farben. Da ist also gefühlt kein großer Unterschied. Nur blau gegen grün getauscht…

San Remo heißt das Tagesziel, der Wind ist launisch schwach. Entsprechend langsam geht es voran, dafür ist es schön warm und wir genießen das Bad in der wärmenden Herbstsonne.

Der Friedhof auf dem Hügel
Der Friedhof auf dem Hügel
belohnt mit einem Blick über Menton
belohnt mit einem Blick über Menton
und die roten Dächer
und die roten Dächer

Gestern haben wir den schönen Tag auch genutzt, um Menton ausgiebig zu erkunden. Dazu gab es genau nur eine Richtung – immer weiter nach oben. Durch die verwinkelten Gassen der Altstadt ging es immer weiter hoch, genau bis dorthin, wo der höchste Punkt von Menton erreicht war. Das war der Friedhof. So als hätte man sich früher gedacht, dass dies der höchste Ort ist, den der Mensch in seinem Leben als letzte Ruhestätte erreichen kann. Wer weiß? Die Aussicht von oben war auf jeden Fall atemberaubend in jeglicher Hinsicht. Aber das Wort “Umzug” gewinnt in Menton (und in San Remo, wie sich später zeigen soll, eine ganz neue Bedeutung. Wahrscheinlich verkauft man dort die Häuser möbliert, damit man kein Sofa, keine Waschmaschine und keinen Kühlschrank umziehen muss.

Eine Cocteau'sche Bestie
Eine Cocteau’sche Bestie
Bemalter Teller
Bemalter Teller
Orpheus
Orpheus

Menton bietet aber noch mehr als Altstadt, Aussicht und Strände. Jean Cocteau, ein Universalkünstler – Dichter, Maler, Drehbuchautor, Regisseur, Bildhauer. Das ganze Repertoire berherrschte dieses Genie, der bei einem Besuch im nahegelegenen Villefranche das schöne Menton kennen und lieben gelernt hat. Seine Werke sind dort in zwei wunderbaren Museen zu sehen.

Der Hochzeitssaal
Der Hochzeitssaal

Und wer in Menton heiraten möchte, wird sich im von Jean Cocteau gestalteten Trausaal das Ja-Wort für ein Leben in Glück und Eintracht geben. Dort sind viele Mythen verarbeitet, dabei ist der Saal aber so liebevoll und schön gestaltet für die Menschen, die durch eine Ehe ihre Liebe in eine bürgerliche Institution mit Zukunft wandeln möchten, was Cocteau niemals angestrebt hatte. Aber er hat einen wundervollen Rahmen dafür geschaffen. Also, es gibt viel zu sehen in Menton.

Heute wollten wir trotz aller Schönheit weiter und haben jetzt in San Remo angelegt. Viva Italia. Den ersten Bummel durch die große weitläufige Stadt haben wir hinter uns. Besonders nachhaltig beeindruckt hat uns das mittelalterliche Stadtviertel “Pinta”. Das ist wie eine Reise in eine vergangene Zeit, authentisch und jetzt, außerhalb der Reisezeit, ein individuelles Erlebnis.

Danach gab es einiges Revue passieren zu lassen. Das haben wir in einem Bistro getan. Dort kam zu jedem Getränk eine komplette Tapasplatte, Oliven und ein Glas gefüllt mit Erbsensuppe, Salami und knusprigen Brotstücken. Mit dem Resultat, dass wir nach drei Getränken in jeder Hinsicht zufrieden umd gut gesättigt waren.
Bella Italia… bald gibt es mehr davon.

Auf nach Osten

18. Oktober 2015, Sonntag, Baro 1014, grau, Nieselregen, Wind NO um 2
Nizza 10:30 – Menton 14:10, 14 sm

Tief hängen die Wolken über den letzten Zipfeln der französischen Riviera
Tief hängen die Wolken über den letzten Zipfeln der französischen Riviera

Im grauen Wetter verabschieden wir uns von Nizza, der Inhaber unseres liegeplatzes wird für heute zurück erwartet, da müssen wir ihn räumen. Unser Fernziel für diese Woche heißt San Remo, am Sonntag müssen wir ja schon wieder zurück in der Baie des Anges sein, Menton soll eine schöne Stadt sein und sie liegt nur zwölf Seemeilen entfernt, nur schade, dass der wenige Wind genau von dort kommt, und dann auch noch der Nieselregen einsetzt. Wenn es gar nicht geht, machen wir in Monaco Halt und sagen den Grimaldis “Guten Tag”.

Die Hafeneinfahrt verspricht schon eine schöne Stadt
Die Hafeneinfahrt verspricht schon eine schöne Stadt

Ansonsten erwarten uns in Menton schöne Parks, interessante Kirchen und die Stadt ist voll von Jean Cocteau, dem vielbegabten Surrealisten, der Gedichte schrieb, Dramen und Theaterstücke, Filme machte und malte und der in Menton den “Salle de Marriage” im Rathaus gestaltet hat. Ihm sind auch zwei Museen gewidmet, die Altstadt soll schön sein, wenn es morgen nicht mehr regnet, können wir uns auf ein großes touristisches Programm einstellen.

IMG_7247Es fällt uns auf, wie anders plötzlich das Leben an Bord ist. Vor sechs Wochen war das erste, was wir morgens nach Hundespaziergang und Schwimmen, noch vor dem Frühstück gemacht haben, das Sonnensegel zu spannen, damit man der größten Hitze entgehen, und angenehm im Schatten draußen das Leben genießen konnte. Wir waren, wenn es irgend ging, mehrmals am Tag im Wasser, schwimmen wurde unser Sport, und an Essen dachten wir erst spät am Abend.

Jetzt gewinnen Strümpfe, dicke Jacken und die Heizung mehr und mehr Bedeutung. Der Neoprenanzug für das tägliche Schwimmen, den wir, enthusiastisch, in Deutschland gekauft hatten, wartet auch noch auf den ersten Einsatz. Mittags braucht Volker beim Segeln etwas Warmes zu essen, und ich denke beim Steuern über Handschuhe nach. Eine andere Decke, bzw. die zweite haben wir bereits in den Bettbezug eingezogen, nur manchmal, mittags, kommen die kurzen Hosen zum Einsatz bzw. hat die Strumpfhose Pause. Was für ein Unterschied!

Mosaik in Nizza
Mosaik in Nizza

Heute segeln wir soweit östlich an der Festlandküste des Mittelmeers, wie wir noch nie waren, jedenfalls mit dem Boot (klar, Olbia war weiter östlich, aber das ist ja auch eine Insel!). Zwar geht es langsam voran, es sind nur 3-5 Knoten Wind, und zwischendurch musste auch der Motor mithelfen, da war gar kein Wind mehr, aber jetzt liegt Monaco schon hinter uns und wir nähern uns Menton. Danach kommt gleich Italien.

ob der Neppern auch wirklich warm hält?
ob der Neopren auch wirklich warm hält?

Leinen sind fest am “Acceuil”-Steg, wir hatten auch schon einen Schwatz mit dem deutsch-brasilianischen Ehepaar von der “Marlijn”, und jetzt straft der Volker mich Lügen, denn er geht im neuen Neopren schwimmen!

Viel besser…

 

Touch down
Touch down

als gedacht lief unser kurzer Zwischenaufenthalt an Land ab. Das Unterwasserschiff erstrahlt in einem makellosen satten Blau, die komplette Ruderanlage funktioniert wieder präzise, ohne Spiel und das Getriebe vom Antrieb ist mit frischem Öl versorgt. Gestern Morgen ging alles ganz schnell. die Mechaniker haben ihre letzten Handgriffe getan, dann kam schon der riesige freifahrende Kran und hat unsere Hexe sanft angehoben. Dort, wo die Stützen der Lagerböcke waren, haben wir noch schnell die bewuchshemmdende Farbe aufgetragen, ebenso auf der Unterseite des Kiels. Der freifahrende Kran drehte einen Vollkreis, rollte ein paar Meter und setzte dann ganz sanft unser Schiff ins blaue Nass.

Selfi …
Selfi …

Wir verbrachten noch eine Stunde am Meldesteg des Hafens, um letzte Dinge an Bord zu klarieren und alles seefertig zu stauen. Vor der Hafeneinfahrt empfing uns ein frischer Südwind. Das Großsegel war schnell gesetzt und ebenso das Vorsegel ausgerollt. Mit flotter Rauschefahrt nahmen wir Kurs auf Nizza. Diese Großstadt zieht uns irgendwie immer wieder magisch an.

IMG_7264Der Hafen liegt superschön mitten in einem alten Stadtviertel, die Altstadt ist super, der “Hausberg” mit seiner Historie überagt den Hafen, kurz gesagt, es gibt soviel zu entdecken und zu sehen. Ein Besuch reicht da bei weitem nicht aus.

IMG_7257Heute zum Beispiel haben wir den alten Friedhof von Nizza entdeckt und die kaskadenartige Wasserfälle am “Hausberg” bestaunt. Der von uns sobennate Berg liegt zwischen dem Hafenviertel und der Altstadt von Nizza. Obenauf war einmal die Festung, heute trifft sich dort Alt und Jung, Familien zum Picknick, Jugendliche, Verliebte, Touristen, ein Platz mit viel Aussicht für Jedermann und Jedefrau.

"Les Cascades"
“Les Cascades”

Abends ging es dann trotz platter Sohlen nochmals los in die hinteren Gassen und Straßen des Hafenviertels. Immer wieder gibt es Neues zu entdecken. Quirlig, lebendig, dabei noch übersichtlich, auch mal leise-romantisch, mit viel Kunst und Kultur, dem Meer und den Bergen, so erleben wir diese Stadt.

Regen am Sonntag, Regen am Montag, danach wird es, hoffentlich, wieder mediterran mild und sonnig.

Hoch und trocken

Die Hexe im Kran
Die Hexe im Kran

Die gute Nachricht vorneweg: Das Auskranen aus dem Wasser lief buchstäblich wie am Schnürchen. Pünktlich um 8 Uhr haben wir bei Bleu Marine direkt beim Kran angelegt. Ehe wir uns versahen, standen wir hoch und und trocken auf unserem vorgesehenen Platz. Alle haben Hand in Hand gearbeitet, der Hochdruckreiniger war einsatzbereit, der Kranführer motiviert und der Chef vom Betrieb verbindlich.

Das Unterwasserschiff erstrahlt in Marine Blau
Das Unterwasserschiff erstrahlt in Marine Blau

Schnell war mit viel Druck, Wasser und Hingabe unser Unterwasserschiff von nahezu allen ungewünschten Bewüchsen befreit. Na, jedenfalls beinahe allen. Einiges klammerte sich geradezu hartnäckig an der Unterwasserfarbe fest. Besonders renitent und resistent waren einige Algenansammlungen und kalkhaltige Rückstände von kleinsten Muscheln. Schließlich und endlich hatten wir auch diese unerwünschten Anhaftenden mit Schleifpapier und Muskelkraft abgetrennt bekommen. Das ganze, sonst schwimmende Unterteil unseres Schiffes war nun bereit für den ersten Anstrich mit der neuen bewuchshemmenden Farbe. Dem ersten Anstrich folgte der empfohlene zweite Farbauftrag, immer schön aufpinseln, nicht zu dick, nicht zu dünn. Bloß keine Farbnasen produzieren. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, soviel steht fest. Eigenlob stinkt nicht in dem Fall, Fremdlob gab es von den vorbei laufenden Se(h)leuten.

Der Malermeister
Der Malermeister

Das Problem mit dem Ruder steht auf einem anderen Stück Papier. Da hat der Bootshersteller wohl beim Zusammenbau einmal mehr gepfuscht und das Außenlager, das das obere Ruderlager führt und hält, leider nachlässig montiert. Dadurch hatte die gesamte Ruderanlage das empfundene und erfahrene Spiel. Bei einem so großen und freistehenden Ruderblatt sollte so etwas nicht passieren, weil die Folgen durch die auftretenden Hebelkräfte äußerst fatal sein können.

Die Mechaniker von Bleu Marine haben das Problem gleich erkannt und hoffentlich dauerhaft gelöst. Morgen wird noch das Getriebeöl gewechselt und um 10 Uhr soll das Boot zurück in sein gewohntes Element gehen.

Zur Belohnung gab es Kotelett und Pommes
Zur Belohnung gab es Kotelett und Pommes

Das mit dem Hotel haben wir doch lieber sein lassen. Die Capitania hat ihre leichte Höhenangst überwunden und ist jetzt schon mehrfach schwindelfrei und sicher die angebundene Leiter hoch und runtergeklettert. Die Aussicht vom aufgebockten Schiff über die Bucht von Antibes und das weite Mittelmeer ist klasse. Home, sweet Home! Zur Belohnung gab es ein leckeres Essen beim ortsansässigen Italiener.

Hin und zurück

Mal wieder segeln wir zwischen den Isles des Lérins hindurch
Mal wieder segeln wir zwischen den Isles des Lérins hindurch

Richtig weit sind wir diesmal nicht gekommen, nur bis Saint Tropez. Gestern ging es dann schon wieder nach Cannes und heute in die Marina Baie des Anges bei Antibes. Ganze zwei Tage waren wir weg. Der Außenstehende würde sagen, dass das nicht lange war. Wir empfinden das genauso. Gründe dafür gibt es genug, drei werden wir mal exemplarisch näher beschreiben.

Bereits vor zwei Tagen hat sich abgezeichnet, dass von Donnerstag bis Samstag ein heftiger Mistral mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 55 Knoten wehen soll. Alle Vorhersagemodelle zeigten dieselbe Entwicklung an. Sturm im Löwengolf bis östlich von Hyères. Ab Cannes und weiter östlich soll der Mistral weniger stark bis garnicht auftreten. Ergo wäre es nicht so geschickt, für die bezeichneten Tage bereits weiter westlich in der kritischen Zone zu sein.

Auch die Toilettenpumpe muss ausgetauscht werden
Auch die Toilettenpumpe muss ausgetauscht werden

Der 2. Grund für unsere Entscheidung zur Umkehr ist eher technischer Natur. Seit einiger Zeit haben wir ziemlich viel Spiel in unserer Ruderanlage. Bereits in Korsika war das spürbar, aber noch tolerierbar. Die Drahtsteuerseile müssen nachgespannt oder evtl. gekürzt werden. Da wir fürs Kürzen und Neupressen keine Werkzeuge an Bord haben, brauchen wir eine Werkstatt. Der dritte Grund ist der noch immer ausstehende Unterwasseranstrich mit bewuchshemmender Farbe. In der Marina Baie des Anges gibt es einen großen Travellift, der morgen unsere Hexe hoffentlich früh und hoffentlich wohlbehalten an Land setzen soll. Zwei Tage wird unser, dann nicht mehr schwimmendes Heim hoch und trocken an Land stehen. Da wir das Rumgeklettere über Leitern oder fahrbare Gerüste, um aufs aufgebockte Schiff zu kommen, nicht besonders mögen, werden wir uns in ein nahgelegenes Hotel einquartieren.

Drückt bitte fest die Daumen, dass mit dem Kranen alles gut geht!

Cornelia filettiert den Bonito fürs abendliche Grillen
Cornelia filettiert den Bonito fürs abendliche Grillen

La pluie – der Regen

Gut haben wir geschlafen in der ersten Nacht an Bord. Die Hexe lag während unserer Abwesenheit ganz geschützt hier im Hafen, auch die schlimmen Regenfälle vom letzten Wochenende haben keinen Schaden angerichtet, nur ein paar kleinere Boote mussten ausgepumpt werden. Gestern Abend hatten wir noch einen Schrecken, weil die Batterie so leer war, und nicht richtig laden wollte, aber das war wohl tatsächlich, weil sie so tief entladen gewesen war.

Heute Morgen hat Volker das Boot gewaschen und wieder schön gemacht, ich habe den Hund ausgeführt, eingekauft, bei Sonja die noch ausstehenden Hafengebühren bezahlt, den Parkplatz für einen Monat gebucht. Dabei habe ich eine Wirtschaftsprüferin getroffen, die schon lange hier lebt, in Deutschland arbeitet; sie hat mir viel erzählt von dem guten Klima, von den “Stufenhäusern” hier in der Marina. Und sie hat gesagt, “um zwölf Uhr regnet es”.

Regentropfen, die an mein Fenster klopfen
Regentropfen, die an mein Fenster klopfen

Und richtig, wir haben um 10:30 Uhr abgelegt, um 11:15 Uhr konnten wir Segel setzen, und um viertel vor zwölf fing es an zu regnen! Egal, wir ziehen die Regenstiefel und die Segelhosen und -jacken an, und fahren gen Westen, denn ab Mittwoch soll der Wind auf West drehen. Leider hört der Regen gar nicht mehr auf, Volker ist auch entsprechend genervt und beschuldigt mich, dass ich die Schnapsidee hatte, nach St. Raphael zu fahren. Dabei habe ich es nur ins Spiel gebracht, falls wir noch ein bisschen Strecke machen wollen, solange der Wind günstig ist. Ab Mittwoch dreht der nämlich auf Nordwest und aus der Löwenbucht kommt Mistral in Sturmstärke. Aber daran bin ich wahrscheinlich auch schuld.

Plötzlich fängt das Wasser an zu kochen, trotz Regen. Zumindest rechts vom Boot, und da sind auch ganz viele Möwen und sie schreien. Ein Thunfischschwarm geht vorbei, man sieht sie springen, vielleicht werden sie auch von Delfinen gejagt. Kurz vor der Bucht von St. Tropen treffen wir noch einmal auf einen Schwarm, nicht ganz so groß, aber man sieht die einzelnen Fische springen. Vielleicht jagen sie ja auch selber, die sind ganz schön schnell, sie können bis zu 80 Stundenkilometer schnell werden. Das wäre aber deutlich schneller als die Hexe…

Der Regen hört den ganzen Tag nicht auf, der Wind hatte nach anfänglichem Schwächeln doch noch aufgefrischt und wir kamen mit gut sieben Knoten voran, da wollte Volker dann doch bis Cavalaire durchsegeln. Aber nach einer weiteren Stunde in Kälte und Regen konnten wir gerade noch nach St. Tropez abgedrehen. Die eine letzte Stunde geht, sonst wären es ja noch zwei bis drei geworden.

So sieht der schöne Platz von St. Tropez im Abendregen aus
So sieht der schöne Platz von St. Tropez im Abendregen aus

Der Hafen von St. Tropez ist ganz verwaist, anders als im Sommer liegen nur noch wenige Boote an den Stegen und Moorings, die großen Boote sind fast alle weg, wir können uns den Liegeplatz aussuchen. Wir fahren eine kleine Hafenrunde, leider gibt es an der Quai d’honneur keine Moorings, wir versuchen es längsseits, aber da gibt es keine vernünftigen Stromanschlüsse, also gehen wir an einen Steg längsseits, damit wir den Regen von vorne haben.
Morgen nachmittag soll es aufhören 😀

Zum Abschied

Aus Darmstadt hat unser Kater mit dem wohklingenden Namen Mikesch gestern Abend eine tote Maus gebracht. Das macht er gerne, nicht nur, wenn wir verreisen. Seine Jagderfolge erfreuen uns dabei naturgemäß weniger, als er es wahrscheinlich denkt. Doch sein lautes Miauen, wenn er mit fetter Beute durch die Katzenklappe stürmt, ist in jeder Ecke des Hauses deutlich vernehmbar. Er ist dann soooo stolz.

Der schwarze vierpfotige Jäger hütet mit Larissa das Haus, während wir mit vollgepacktem Auto die Stadt hinter uns lassen und Richtung Süden fahren. Bei jedem Abschied bin ich vor dem Klingeln des Weckers auf den Beinen. Typischer Fall von Reisefieber.

Bewusst haben wir uns diesmal den Sonntag als Reisetag ausgesucht. Wenig Verkehr, keine LKW’s, freie Straßen – freie Fahrt: Die Rechnung geht auf. In weniger als acht Stunden sind die 940 Kilometer abgespult. Autofahren kann noch Spaß machen, bei leeren Straßen, wie heute. Übrigens waren einzelne Bergspitzen in der Schweiz bereits mit einer Schneeschicht überzogen und glänzten majestätisch in der Mittagsonne. Ein sicheres Zeichen dafür, dass die nächste Skisaison nicht mehr weit weg ist.

Wettermäßig überwiegt an der Côte ein Sonne-Wolken-Mix mit Temperaturen um die 22 Grad, dazu weht ein kräftiger Wind aus Nordost. Allerdings hat die Vorhersage Regen im Gepäck, mal schauen. Heute Abend wird gegrillt, das muss sein. Lange waren wir jetzt weg vom Boot, der längste Heimaturlaub seit unserer Abfahrt im August 2014. Wieder Einleben auf unserem schwimmenden Lebensmittelpunkt, das geht fix.

Morgen wird erst mal klar Schiff gemacht, die geschuldeten Hafengebühren in der Capitainerie bezahlt und frisches Essen gebunkert. Wenn dann der Wind noch mitspielt, wollen wir noch am Montag die Leinen loswerfen und dem Ruf des Meeres folgen.
Wie immer nehmen wir Euch gerne mit auf die Reise und werden fleißig davon berichten.