Ganz frisch noch

Selfie im Winter
Selfie im Winter

in Erinnerung ist der heutige Abend. Reisen oder segeln wir um des “Reisens“ willen? Sind es die Menschen, sind es die magischen Orte, ist es der Zauber des Meeres? Oder doch vielleicht ein Mix von alldem? Schwer zu sagen, was mehr gewichtet. Was den Reiz des vagabundierenden Lebens ausmacht. Mal schlägt das Pendel mehr zu den Menschen aus, die man so trifft. Manchmal sind es die Orte. Heute Abend waren es die Menschen, die uns begeistert haben. Im Hafen gibt es, passend, eine Hafenkneipe, keine klassiche Spelunke, eher das Abbild eines elsässischen Bistros. Theke, Billard, klassisch mit gelb-roten Kugeln, einem Flipper und einem gemauerten Flammkuchenofen mit Holzkohlenfeuer. Der Name des „Etablissement”, eher halb-englisch und irreleitend “Le Pitcher”.  Der Pitcher ist eigentlich ein Krug Bier mit 1,89 Liter Inhalt. Ein Größenmaß, das äußerst selten anzutreffen ist in französischen Bistros. Aber egal, hier vor Ort werden solche Henkelkrüge serviert und ausgeschenkt, dazu gibt es gratis gute Musik und einen deutschsprechenden Wirt aus dem Elsass. Gute Stimmung, nette Gäste und alle, die an uns vorbeigehen, interessieren sich irgendwie für Nico.

Das ist so ein bisschen Frankreich-typisch. Schweres Wort, das im Kern die Sache gut trifft. Frankreich ist, und das muss mal gesagt werden, extrem hundefreundlich, fast überall darf der Hund mit hin. Sogar in manche Supermärkte und in die Bäckereien. Heute Abend haben wir eine Landwirtin kennengelernt, die Zitronen auf drei Hektar Grund biologisch anbaut. Die meisten Früchte verkauft sie nach Paris. Dreimal im Jahr blüht der Zitronenbaum, doch nur zweimal im Jahr erntet sie. Alles Handarbeit, keine Maschinen wie beim Weinanbau. So wie früher, traditionell. Abends lebt oder wohnt die junge Frau in den Wohnanlagen der Marina Baie des Anges, erfreut sich daran und findet es nicht langweilig hier. Tagsüber ist sie von morgens an auf ihren Anbauflächen unterwegs. Krasser Gegensatz, der sich anscheinend nicht ausschließt.

Glanzleistung

Championsleague, Uefa-Cup, Bundesliga- Fußball total. Im Süden Frankreichs und doch mittendrin. Sky und andere Anbieter machen es möglich. Borussia Mönchengladbach gewinnt, Bayern liefert Glanzleistungen und deklassiert seine Gegner. Nahezu jedes Pub, jede urfranzösiche Brasserie überträgt die Top-Events des internationalen Fußballs. Nur die Bundesliga ist hier außen vor, ganz normal. Da sind wir auf die Mithilfe von Freunden und Familie angewiesen, um die Darmstadt-Tore mitzukriegen.

So glänzt die Hexe
So glänzt die Hexe

Aber nicht nur die deutschen Teams glänzen mit ihrem  Spiel, auch unsere Hexe strahlt vom Bug zum Heck. Über sieben Stunden harte Arbeit haben ihr zu dem strahlendsten Weiß verholfen, das man sich vorstellen kann. Erstmal gab es eine gründliche Vorwäsche, die jeder Autowaschanlage zur Ehre gereicht hätte, und dann folgte stundenlange Handpolitur mit einem sanften Poliermittel. Wir haben danach die Spiegel im Bad entsorgt. Auch die böse Königin kann jetzt nur noch draußen, am glänzenden Aufbau, nach der Schönsten im Lande fragen.

Handarbeiter…
Poliererfinger
Auf der Suche nach dem perfekten Stich
Auf der Suche nach dem perfekten Stich
Das schreit nach Nadel und Faden
Das schreit nach Nadel und Faden

Zwei Tage Antibes voll ausgenutzt: Zum Bummeln, Schauen und Polieren. Das alles bei strahlendstem Sonnenschein und nächtlichem Vollmond. Die alte Stadtmauer umringt buchstäblich das historische Zentrum und Teile des Hafens, die alte Markthalle ist wirklich mittendrin in dem ältesten Stadtteil, dabei sind alle Wege angenehm kurz. Ideal für Segler.

IMG_8048Antibes ist, und das ist mehr als offensichtlich, Heimathafen von einigen hundert Motoryachten. Zwanzig Meter Bootslänge sind schon der untere Durchschnitt. Dementsprechend ist auch das Preisniveau. Ein Liegeplatz für eine 13 Meter Yacht, egal ob Segel oder Motor, kostet 13.000 Euro im Jahr. Da kommt dann Strom und Wasser noch obendrauf. Aber viele Plätze gibt es sowieso nicht als Mietplätze, die meisten sind Kaufplätze. Für die beliebte 20 Meter Motorbootklasse kostet so ein Platz 350.000 Euro für 10 Jahre. Das sind dann schon andere Preiskategorien, als es der Holland- oder Ostseesegler so gewohnt ist. Wer also möglichst viele Millionäre bewundern will, muss nur nach Antibes kommen, St. Tropez ist nichts dagegen.

Das ist keine moderne Kunst, sondern Seife
Das ist keine moderne Kunst, sondern Seife, in einem Laden in Antibes

Seit heute liegen wir wieder auf unserem Liegeplatz in der Marina Baie des Anges, mit gratis Blick auf die treppenförmig angelegten Hochhäuser. Aber wir wollen nicht meckern, ein guter Windschutz und sicherer Liegeplatz ist alles.