Die letzte Woche

Eine Woche ist es jetzt schon her, dass wir den langen Rückweg nach Darmstadt angetreten haben. Acht Tage weg vom Boot und weg vom Meer. Dabei sind wir noch einen Tag vor der Abreise in eine gefühlt weit zurückliegende Zeit eingetaucht. Genauer gesagt, haben wir mit Patrick und Annett, einem deutschen Seglerpaar, die mittelalterliche Stadt Aigues Mortes besichtigt. Der alte Innenstadtkern ist von einer hohen Festungsmauer umgeben und die jahrhundertalte Geschichte von Aigues Mortes ist überall spür- und sichtbar. Außerhalb des steinernen Befestigungswalls gibt es einige schiffbare Kanäle und das Panaorama erinnert uns ganz stark an Holland. Masten und Bootskörper, die so erscheinen, als würden sie durch Felder und Landschaft fahren. Die Kanäle ziehen sich wie blaue weitverzweigte Lebensadern durch die Camargue-Region und kontrastieren mit dem weithin sichtbaren Weiß der Salzberge um die Wette. Ein ausführlicher Stadtrundgang und ein leckeres Abendessen in einem gemütlichen Restaurant runden den rundum gelungenen Ausflug ab. Danke an Patrick und Annett für den Tip!

Und nach einem Zeitsprung und Ortswechsel sind wir wieder im Hier und Jetzt in Darmstadt.

Von gestern bis heute hatten wir Besuch aus dem hohen Norden der Republik. Jens und Martina von der Maje waren spontan zu Gast. Ein Besuch, über den wir uns sehr gefreutt haben, auch wenn die paar Stunden mit reichlich Klönschnack, Besuch bei unseren Nachbarn  und ein bisschen Programm zum Sightseeing viel zu schnell vorbei gegangen sind.

Morgen kommen Detlef und Ingrid, unsere Segelfreunde vom Kaarster Segelclub, zum Mittagsessen vorbei. Gut, dass Segler nicht nur auf dem Wasser, sondern auch auf der Straße, ein recht reisefreudiges Völkchen sind.

Montagsboot?

Wellenspiele
Wellenspiele

In Sète haben wir einen Sozialarbeiter kennengelernt, der auf seinem Segelboot Kinder aus sozialschwachen Familien auf Segeltörns mitnimmt und diese auch zu Hause pädagogisch betreut. Ein engmaschiges Betreuungssystem wacht konstant, nicht nur bei den Segelfreizeiten, über das Wohl der Kinder. Das ist so leider nicht bei allen erlebnispädagogischen Maßnahmen der Fall und meines Erachtens der Grund, warum der Erfolg ausbleibt. Häufig fallen die Teilnehmer nach den Pädagogikmaßnahmen in ihre alten tradierten Verhaltensweisen zurück und langfristige zeigen sich keine Veränderungen. Aber das nur am Rande.

Jedenfalls kannte der nette Pädagoge einen Bootseigner, der so kreuzunglücklich mit seiner Dehler 41 ist, dass er schon langjährig prozessiert und einen eigenen Blog darüber schreibt. Das Boot wurde mit einem zu kurzen Mast geliefert, ist an mehreren Stellen undicht und der Innenausbau ist an einigen Stellen mangelhaft, kurz ein Montagsboot. Das schlimmste ist für den Eigner wohl, dass Hanse/Dehler Deutschland alle Garantieleistungen ablehnt und versucht, diese auf den Händler vor Ort abzuwälzen. Das Gerichtsurteil aus Frankreich erkennen die deutschen Bootsbauer nicht an, und so geht die Leidensgeschichte des unglücklichen Bootskäufers weiter. Das wirft auch kein gutes Licht auf den deutschen Bootsbauer.

Aber der Fairness halber, bei längerer Recherche im Internet finden sich einige solcher Bootskaufdramen im Netz, mit fast jedem Großserienbauer, aus unterschiedlichen Ländern. Ein bisschen widersprüchlich ist das schon von den Werften, da wird für viel Geld und Aufwand Werbung betrieben und im Reklamationsfall lässt man den Kunden im Stich und verliert somit nicht nur diesen, sondern durch dessen Erzählungen noch andere potenzielle Neukunden.

Wer das verstehen will? Klar gibt es häufig ein paar Dinge, die bei einem Neuschiff leider nicht so sind, wie vereinbart, es ist halt ein komplexes Sytem, so ein Boot. Diese kleinen Problempunkte sollten aber willig und zügig seitens der Werft oder vom Händler beseitigt werden. Boot gut, Kunde happy, macht Gratiswerbung für die Werft. So einfach ist es, und so sollte sein. Win-Win-Situation für alle. Es könnte halt vieles so leicht sein.

Jedenfalls meinte der Sozialpädagoge noch, dass die Dehler seines auch langsam sei und nicht so schnell wie seine Dufour. Ich war da ziemlich verdutzt, denn, um so eine Dufour fahren wir normalerweise Kreise und ich dachte, dass ich da erstmal nichts zu sage. Wir haben dann am nächsten Morgen gemeinsam abgelegt, er mit seinem und wir mit unserem Boot und raus ging es aufs Meer. An der Hafeneinfahrt hatte er schon das Vor-und Großsegel oben und wir nur das Groß. Motor aus, und selbst mit dem einen Segel schiebt sich unsere flinke Hexe ganz langsam am Gegner vorbei. Der schaut nur entgeistert und ruft noch, dass seine Elektronik nicht funktioniert, und er nicht sieht, wo der Wind herkommt. Das merkt man doch, wo der herkommt! Wir haben dann noch das Vorsegel ausgerollt und liesen ihn verdutzt zurück. Dann ging es auf Kurs La Grande Motte, der Spinnaker kam hoch und die Dufour wurde immer kleiner am Horizont.

Aprilwetter mit Hagelkörnern in Darmstadt
Aprilwetter mit Hagelkörnern in Darmstadt

Sète

hat einen Nachteil: Es gibt nur wenig Auslauf für den Hund. Eigentlich fast gar keinen. Auf dem Weg zur Aussichtsplatform in 173 m Höhe konnten wir ihn laufen lassen, aber eher, weil er so fertig war, dass er nicht mehr weiter laufen wollte.

Judas-Baum (lest es nach…)
Judas-Baum (lest es nach…)

Aber nach den „Kunststädten” Villeneuve und La Grande Motte sind wir begeistert von einem urbanen Ort, mit Kneipen, täglichem Markt, lauten, lärmenden Straßen und einem sehr lebendigen Fischerhafen. Gestern lag morgens ein nicht so großes Kreuzfahrtschiff am Terminal, heute Abend kam die Fähre aus Sardinien, die sicher bald wieder ablegen wird.

Am ersten Tag haben wir nach der Ankunft einen Teil des Hügels erstiegen, waren am Leuchtturm, sind anschließend durch einen Teil der inneren Stadt wieder nach unten gewandert und haben dort – wie berichtet – mal köstlich, mal nicht so berauschend – unser Abendessen eingenommen.

Am nächsten Morgen habe ich mit Nico ein kleines bisschen das Viertel erkundet, bin – nach längerem Suchen – auf einen Biobäcker mit sehr leckerem Baguette und einer unfreundlichen Verkäuferin gestoßen, gegen Mittag machen wir uns auf den Weg, die Stadt und die Umgebung zu erkunden.

Rundblick
Rundblick

Eigentlich wollten wir es weder dem Hund noch uns zumuten, in der Mittagshitze auf den Berg (Hügel) zu steigen, aber irgendwie war es doch einfach so. Volker mit Hund voraus, um ab und zu im Schatten auf mich zu warten, leider immer an der Straße entlang, irgendwann haben wir es geschafft.

Auf dem Weg sehen wir eine Reihe von ziemlich geilen Häusern, manche ganz neu, andere eher alt und rekonstruiert, aber immer mit wunderschönen Grundstücken und eigentlich fast alle mit einem unverbaubaren Blick aufs Meer, oder auf den Etang de Thau, den See hintendran,

Nach einer halben Stunde schon haben wir es geschafft, wir sind oben, an dem Kreuz, das man auch vom Hafen aus sehen kann, wir legen eine kurze Pause ein, Wasser für den Hund, eine Orangina für mich, ein Eis für den Skipper.

Kerzen in der Kirche
Kerzen in der Kirche

Noch ein paar Schritte, und wir sind am „Mirador“, der Aussichtsplattform. Es gibt einen wunderbaren Rundumblick auf Meer und Land und Binnensee, eine Kirche mit unzähligen Kerzenlichtern und Dankesplatten an die Mutter Gottes, den heiligen Antonius von Padua, und anderen Heiligen, dann machen wir uns an den Abstieg.

Heiligsplättle, das tut aber in den Beinen weh! So steil fällt die Straße ab, dass wir schon nach kurzer Zeit wieder auf Meeresniveau sind. Doch tapfer wandern wir weiter, weitere Teile der Stadt wollen erkundet werden.

Watt nen geiles Ding
Watt ‘nen geiles Ding
farbenfrohes Boot am Stadtkai
farbenfrohes Boot 
Raumschiff Orion
Raumschiff Orion

Am inneren Kanal entdecken wir einen genialen Renntrimaran, einen großen Segler, ein altes Binnenschiff und „Raumschiff Orion“ auf dem Wasser.

Am Abend erkunden wir die Kneipenszene von Sète, in einem Bistro am Fischabschlag ist Party, da herrscht „Après-Ski“ auf französisch, von nebendran kommt immer mal der Kellner und bringt was zum Essen, Jungs und Mädels tanzen Polonaise – sogar durch den Biergarten – hier geht was.

Wir laufen noch ein bisschen durch die Stadt und nehmen einen letzten Drink in der Kneipe „Au bout de la rue“ (Am Ende der Straße ohne Haus am See), nebenan in dem Laden dekorieren die neuen Eigentümerinnen, mal sehen, was das wird. Heute waren es jedenfalls deutlich über 10 km und mindestens 173 x 2 Höhenmeter, die wir zurückgelegt haben.

Am Mittwoch morgen heißt die Herausforderung: „Marché“. In der ganzen Stadt ist Markt, er beginnt mit einem Blumenmarkt auf dem Platz vor dem “Hôtel de Ville“, dem französischen Stadthaus, und endet, ich weiß nicht wo. Ursprünglich wollte ich nur ein Baguette beim bekannten Biobäcker erstehen, aber dann waren da so viele Leute, die alle in die gleiche Richtung liefen (“Millionen Fliegen können nicht irren, Scheiße ist essbar“) und ich wollte mit, hatte doch schon die nette Frau in der Marina mich auf den Mittwochsmarkt aufmerksam gemacht. Und ich sollte nicht zu spät dort ankommen, denn sonst sei es zu voll.

Saucisson auf dem Markt
Saucisson auf dem Markt
geht auch als Schmuck
 Schmuck
oder Seife
oder Seife
oder …
oder …
Spargel
Spargel
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Die Straßen sind voller Menschen

Nun, es war leider schon zehn Uhr und es war definitiv zu voll. Auf jeden Fall mit dem Hund. Wir haben irgendwann beschlossen, dass wir beide diese Straßen  nicht weiter gemeinsam beschreiten können. Aber ich hatte einen wunderwollen Eindruck genossen von der Vielfältigkeit der Einkaufsmöglichkeiten auf diesem Mittwochs-Wochenmarkt in Sète, und ich habe einige Bilder davon mitgebracht.

Am Nachmittag sind wir noch einmal auf den Hügel gestiegen, damit ich einen Ausflug in das wundervolle und überschaubare Musée Paul Valéry unternehmen konnte. Paul Valéry, der letzte französische Lyriker, der von seiner Kunst leben konnte, ist 1945 in Paris gestorben, aber in Sète geboren, und hier wollte er beerdigt werden, auf dem „cimetière marin“, den er selber in einem Gedicht so veredelt hatte.

Hafen von Sète
Hafen von Sète
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Der Hafen von Estartit
Hafen von Sète
Hafen von Sète
Hafen von Sète
Hafen von Sète
Hafen von Sète
Hafen von Sète
Hafen von Sète
Hafen von Sète

Das Museum ist großartig und zeigt viele Zeitzeugen des 19. Jahrhunderts, die den Ort kannten und zum Sujet ihrer Malereien machten.

schön, wenn auch nicht furchtbar originell
schön, wenn auch nicht furchtbar originell
noch schöner
noch schöner

In der Sonderausstellung „4×4“ mit vier verschiedenen lebenden Künstlern hat es nur ein einziger in meine Gunst geschafft, aber den fand ich großartig, ich weiß leider nicht mehr den Namen.

Mein letzter Gang ging noch über den alten Friedhof Marin im Glauben, dass neben Paul Valéry auch Georges Brassens dort liegt. Schon lange, denn ich habe meine Abitursarbeit über das französische Chanson geschrieben, weiß ich, dass Brassens hier begraben liegt. Und schon lange würde ich gerne auf sein Grab eine Rose legen, als Hommage an den – für meine Begriffe – größten Chansonnier aller Zeiten.

IMG_0158Leider war mir das heute nicht vergönnt, eine nette kleine ältere Dame informierte mich auf mein Nachfragen, dass Brassens auf dem anderen Friedhof, hinter dem Hügel, liegt.

Mal sehen, vielleicht komme ich ja morgen dorthin…

Gesellenstück

Save our sea!
Save our sea!

Oder soll ich lieber sagen, ein Meisterstück, hat die liebe Capitania aus meinen mitgebrachten Videosegmenten vom Trimaransegeln gemacht. Das Video ist meiner Ansicht nach rundum gelungen. Jede Menge Arbeit steckt drin, über 3 Stunden rumexperimentieren. Immer wieder einzelne Segmente anschauen, aussuchen,aneinanderreihen, wieder anschauen, verbessern, Texte schreiben, Musik aussuchen, Suchwörter definieren, zum letzten Mal anschauen und schließlich und endlich auf Youtube hochladen. Wer das mal gemacht hat, weiß, wovon ich spreche, und wir reden immer noch von einer kurzen Videosequenz von vier Minuten. Aber wichtig ist ja bekanntlich, was “hinten rauskommt”. Gefilmt habe ich diesmal mit meinem Eiphone 4, weil die kleine Go-Pro-Kamera sich selbst entladen hatte und komplett leer war, und daher im entscheidenden Moment nicht filmen konnte, leider. Halb so wild, dafür arbeitet das Telefon doch ganz anständig und der Go-Pro-typische gewölbte Horizont entfällt so nebenbei. Werden wir jetzt öfter machen, das Telefon ist ja fast immer dabei.

Hafenpromenade von Sète
Hafenpromenade von Sète

Sète macht einen guten Eindruck. Was man halt so nach einem 1-stündigen Rundgang sagen kann. Der Blick vom “Haushügel” hinter dem Ortskern ist grandios. Zumindest ging es immer bergauf bis aufs Plateau. Das Abendessen fand in einem Fischrestaurant statt, was hier kein Wunder ist. Jedes Restaurant hat Fisch und Muschelspezialitäten. Die Fangflotte ist riesig, so viele Fischtrawler auf einem Fleck habe ich noch nicht gesehen. Die meisten fischen auf roten Thunfisch.

senza parole
senza parole

In unserem Restaurant gab es neben leckeren Meerespezialitäten für die Capitania und trockener Ente für mich noch zwei nette kanadische Paare, die eine Frankreichrundreise machen. Wir haben ein paar Ausflugstipps für die nächsten Tage ausgetauscht und uns zum Bier am Dienstagabend in der Hotelbar verabredet.
Die “Meeresspezialitäten” waren “Tielles” zur Vorspeise, das ist kleingeschnittener Tintenfisch, geschmort und zwischen zwei Teigscheiben gesteckt, enorm lecker, sowie “Rouille de Seiches”, ebenfalls geschmorter Tintenfisch mit Tomatensauce und Gemüse, ein Festessen für mich!

Der Adenauer nunmehr diebstahlsicher am Achterstag
Der Adenauer nunmehr diebstahlsicher am Achterstag

Nette Menschen trifft man, Gott sei Dank, fast überall. Nicht so nette Menschen haben in der letzten Nacht in La Grande Motte unseren Flaggenstock samt Flagge vom Heck geklaut, und wir haben nichts mitgekriegt. Wahrscheinlich waren das Deutschlandfans, die für die bald anstehende Europameisterschaft schon mal das passende Fanequipment organisieren wollten. Wir hatten noch ein Ersatzflagge die jetzt stolz, mit Kabelbindern gespannt und gesichert, vom Achterstag weht.

Mein allererstes Mal

Der Wasserläufer
Der Wasserläufer

Es hat geklappt, ich durfte mit, auf den reinrassigen Renntrimaran, dem Rahmenprogrammschiff der Katamaranmesse in La Grande Motte. Mal kurz vorab, schnell wie der Wind waren wir, der deshalb spürbar immer von vorne ins Gesicht geweht hat. Die Bedingungen am gestrigen Tag: ideal, 10 bis max. 18 Knoten Wind aus Nordwest, dazu flaches Wasser – keine Wellen. Um 15 Uhr ging der Trip vom Messesteg los, neben mir gab es den Skipper und seinen Maat sowie noch weitere fünf Mitsegler an Bord des optisch stark an einen Wasserläufer erinnernden Gefährts. Gleich vorm Hafen gingen die Segel hoch, das Leeschwert nach unten und die Luzie ab.

So spritzt das Wasser am Leerumpf
So spritzt das Wasser am Leerumpf

Nach ein paar Eingewöhnungsminuten und -erklärungen waren alle Manöverpostionen besetzt. Ich war für die Steuerbordvorschotwinsch eingeteilt und bei den Wenden und Halsen für das Absenken und bzw. Aufholen der Schwerter verantwortlich. 90 Quadratmeter Segelfläche am Wind, bei gerade mal 1,8 Tonnen Bootsgweicht, plus Crew. Bereits nach dem ersten Segeltrimm standen 13 Knoten auf der Logge und die erste kleine Bö beschleunigte uns schon ganz flott auf über 15 Knoten. Der Leerumpf durchpflügte mit kleinen, aufstiebenden Wasserfontänen filigran das tiefblaue Meer, der Luvrumpf war ca. einen Meter hoch freischwebend in der Luft. Das Ganze gefühlt – und hoffentlich real – ein stabiler Zustand. Der Wind nahm zu, unsere Geschwindigekeit dito. Topspeed waren flinke 18,7 Knoten am späten Nachmittag.

Platz für einen Steuermann
Platz für einen Steuermann

Einmal nur haben die Hydrodynamik  des Leerumpfs und der Großsegeltrimmer gleichzeitig gepatzt, ersterer tauchte daraufhin tief ins bremsende Blau ein und es gab einen abrupten Stopp. Verwunderte und fragende Blicke bei uns Trimarannovizen, ein  gedeuteter „nicht-so-tragisch“-Blick vom Käpt’n und weiter gings im Gleichtakt.

Ein enger Einstieg in die Kabine
Ein enger Einstieg in die Kabine

Kurz danach wurde der Wind schwächer, aber das Leistungsvermögen des Dreirumpfers war noch deutlicher sicht- und spürbar. Wie das? Wir haben die Fock gegen das deutlich größere Leichtwindsegel, den Gennaker, getauscht und das Geschoss segelte immer auf Windgeschwindigkeit. 6 Knoten Wind – 6 Knoten Fahrt, 9 Knoten Wind – 9 Knoten auf der Logge, 12 Knoten – schwupp auf 12 Knoten beschleunigt. Die Aufzählung ließe sich jetzt noch bestimmt beliebig fortsetzen, aber leider erschien allzuschnell die Hafeneinfahrt vor unserem Bug und drei Stunden adrenalinhaltiger Segelspaß waren vorüber.

Trampolin
Trampolin

Nur mal ‘ne kleine Zahl noch am Rande: Mit Gennaker und Großsegel stehen fast 200 Quadrameter Segelfläche für den schnellsegelsüchtigen Skipper parat. Unglaublich. Und wer jetzt denkt, dass es sich  bei der Formula 40, so die Klassenbezeichnung, um ein neumodisches Schiff handelt, der liegt falsch. Das Spaßding wurde bereits 1986 gebaut und ist somit schon ein echter Segeloldtimer, wenn auch ein ganz schneller. Anstrengend ist die Segelei auf so einem Schiff, ständig wird getrimmt, die Segel nach oben zu ziehen ist eine Plackerei und bei richtig Welle bockt der Wasserläufer bestimmt wie wild. Trotzdem: Supergeil war es und ein nachhaltiges Erlebnis, das ich nicht missen möchte, bestimmt nicht vergessen werde und jederzeit gerne widerholen würde!

Kein Job für schwache Hände
Kein Job für schwache Hände

Zurück am Ufer, voll mit Adrenalin und Euphorie, habe ich erstmal minutenlang Cornelia zugetextet und hatte ein Riesengrinsen auf dem Gesicht.

Heute ging es dann bei moderaten bis böigen Amwindbedingungen ins 20 Seemeilen entfernte Sète. Schönes Segeln, sehr intensiv, sonnenreflektiertes Glitzerwasser und bis acht Knoten Speed. Das Ruder ruhig, kein Lagerspiel mehr spürbar, die Reparatur war ein Erfolg.

Ein Besuch in Sète soll lohnen, so die Empfehlung unserer Freunde,sowohl in der Stadt, als auf dem Friedhof und beim Leuchtturm, der hoch über Stadt drohnt.

Morgen gibt es mehr Infos über Sète, jetzt erstmal viel Spaß mit dem Video vom Trimarantrip.

Gute Nachrichten

sowohl von Bord als auch von unseren Lilien. Oh Lilien, oh Lilien, oh Lilien. Sensation am Böllenfalltor, die Darmstädter Equipe hat das Heimspiel gegen Ingolstadt, sehr verdient,  2:0 gewonnen und befindet sich im Moment auf dem 10. Tabellenplatz. Der Klassenerhalt in der Bundesliga rückt damit in greifbare Nähe. Das Tabellentief scheint endlich überwunden!

Das Ruderlagerproblem ist auch gelöst, nur unseren geplanten Messetermin bei der Katamaranshow mussten wir heute mehrmals nach hinten schieben. So schnell wie gedacht ging die Reperatur dann doch nicht vonstatten. Zuerst wurden die auf Maß geschnittenen Aluplatten eingeklebt und später festgeschraubt. Besonders letzteres erwies sich als ziemlich schwierig, da der Kleber noch nicht vollständig ausgehärtet war und der Bohrer beim Durchbohren des Alus immer wieder die Platten verschob. Zudem hat unser Akkubohrer mittendrin den Geist aufgegeben, was dem lokalen Baumarktleiter einen Umsatzzuwachs bescherte. Das ist innerhalb einer kurzen Zeit das zweite ernsthafte Problem mit unserer Bosch-Akkubohrmaschine aus der sog. Profilinie.

Jetzt haben wir einen Akkubohrer mit Lithium-Ionen-Akku für unschlagbare 69 Euro erstanden und der tut es echt gut. Die Platten sind drin und verschraubt, morgen kommen noch dickere Schrauben in die Schraubenlöcher und das war’s dann. Ich würde mal sagen, dass das Ganze ewig hält. Danke an alle, die mitgedacht haben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Nachmittags waren wir noch ein paar Stunden auf der Messe und haben Schiffe angeschaut, die wir so noch nicht gesehen haben. Darunter ein relativ kleiner 10 Meter langer Katamaran aus Amerika, die Gemini 35, mit kluger Innenaufteilung, der so schon mehr als 1.200 mal gebaut wurde.

Es gab einen in der Türkei gefertigten Zweirumpfer der Firma Swiss Tech und einen schönen 11 Meter langen Kat von der italienischen Traditionswerft Comet, die damit versucht, auf dem Mehrrumpfermarkt Fuß zu fassen. Es ist gut, dass bei so einer Veranstaltung nicht nur die Großen der Branche vertreten sind, sondern dass auch Nischenanbieter den Markt bereichern.

Das Beste jetzt mal zum Schluss! im Hafen liegt ein 40 Fuß puristischer Renntrimaran.

Der Mast ist 22 Meter hoch, reichlich Segelfläche und das bei gerade mal 1,8 Tonnen Bootsgewicht. Wenn alles gut geht, darf ich da morgen nachmittag ‘ne Runde mitsegeln. Die Kamera hängt schon am Ladestecker, die Spannung steigt. Hoffentlich gibt es ein bisschen Wind, obwohl, viel braucht es nicht, um das Geschoss zu beschleunigen.

Man(n) muss geduldig sein

Heute morgen wurde ich gleich um 9 Uhr in der Schlosserei vorstellig. Mit maßstabsgerechtem Muster. Der Chefschlosser, ganz Fachmann, hat unser Problem und das Muster sofort verstanden und eine baldige Fertigung der Aluplatte zugesichiert, nur ganz so schnell geht es nicht, und unsere ausgeschlagene Halterung des oberen Ruderlagers muss noch bis Samstag auf ihre Reparatur warten. Eine Schwachstelle, die wir im letzten Sommer auf dem Rückweg von Korsika erstmalig bemerkt hatten. Plötzlich hatten wir so ein „schwammiges” Steuergefühl, vor allem bei höheren Geschwindigkeiten. Bei genauerem Hinsehen konnte man feststellen, wie sich die obere Führungsbuchse des Ruderlagers hin und her bewegte.

Hier muss die Platte hin
Hier muss die Platte hin

Beim Krantermin im Oktober wurde das Problem von den Mechanikern in Villeneuve Llobet behoben. Leider anscheinend nicht dauerhaft, denn auf dem langen Weg nach Villeneuve trat das gleiche Problem wieder auf. Ursächlich dafür ist das nicht ausreichend starke Laminat, in dem das Gleitlager eingebettet ist. Der Plan ist daher, eine Aluplatte um das Gleitlager herum zu befestigen, die dauerhaft verhindern soll, dass sich das Ding weiterhin bewegt. Das ist ziemlich wichtig, weil das ein sehr sicherheitsrelevantes Teil ist und eine sich bewegende Ruderachse im schlimmsten Fall das Schiff aufreißen kann, durch die großen auftretenden Kräfte.

Den Umfang muss man erst einmal messen!
Den Umfang muss man erst einmal messen!

Auf dem Bild ist das der äußere sichtbare schwarze Flansch, nur zum besseren Verständnis. Lange haben wir darüber nachgedacht, wie eine adäquate Abhilfe aussehen muss, Ralf, Joachim und Wolfgang haben mit überlegt und die Lösung ausgearbeitet. Lösungsorientiertes Networking.

Jetzt heißt es erst mal abwarten, bis Samstag, und dann geht es so richtig los. Bis dahin packen wir die Gelegenheit beim Schopfe und bummeln aisführlich übler die Katamaranmesse und klettern auf jedes ausgestellte Schiff.

Messefahnen
Messefahnen

Allegra war heute bei leichten Winden mit der Outremer 45 zum Probesegeln, und hat das ruhige Dahinsegeln auf dem Zweirumpfer sehr genossen. Mit Gennaker, einem Leichtwindsegel, ging es trotz nur ein bis zwei Windstärken flott voran. Ich habe nachmittags das gute sonnige Wetter ausgenutzt, um den Bootskeller, die Bilge, zu reinigen und unseren Teppich mal gründlich auszuklopfen. Frühjahrsputz sozusagen.

Morgen früh bringen wir Allegra in aller Herrgottsfrühe zum Zug. Ihre Zeit bei uns an Bord ist leider schon vorbei, und sie war sehr schön.

Doppelt undicht

Nicht nur der Heißwasserschlauch war durchgescheuert, sondern auch ein Stück Schlauch vor der Abwasserpumpe. Cornelia hat es genau dort, bewaffnet mit der Taschenlampe, und in der hintersten Ecke tropfen sehen. Und das war dann auch schon des Rätels Lösung. Beinahe jedenfalls, denn bis dass wir das zweite Schlauchstück ersetzt hatten, verging noch ein bisschen Zeit. Jetzt ist alles dicht und trocken, ganz so, wie es sein soll.

Heute haben wir mit Allegra unsere Freunde Eric und Nany in Montpellier besucht und, bis zum einsetzenden Gewitterregen, einen ausgiebigen Spaziergang durch den großen Altstadtkern unternommen. Bei einigen Gebäuden in der Stadt sind noch mittelalterliche Bausubstanzen zu erkennen. Nach einem späten nachmittäglichen Mittagessen und folgendem Klönschnack mit unseren Freunden ging es zurück zu unserer Hexe. In La Grande Motte hatte heute der “Salon de Multicoque”, eine Katamaranmesse (wörtlich übersetzt Mehrrumpfermesse) seine Toren für Besucher und Aussteller aus der ganzen Welt geöffnet. Über 50 Katamarane sind in ihrem Element ausgestellt und zu besichtigen, dazu zahlreiche Yachtzulieferer und ein umfangreiches Rahmenprogramm.

Die Austellung geht noch bis zum 17. April und ist mit so vielen ausgestellten Katamarnen die weltweit größte Messe ihrer Art. Vom Raumwunderzweirumpfer bis zum sportlichen bewohnbaren Katamaran ist alles verteten, was Rang und Namen in der Mehrumpferwelt hat.

Allegra und Cornelia werden morgen früh mit anderen interessierten eine brandneue Outremer 45 probesegeln. Beide sind schon sehr gespannt, auch weil es für Allegra das erste Mal ist, dass sie mit einem Zweirumpfer segelt. Ich habe morgen früh um neun ein Rendezvous mir einem Schlosser, um unser zweites großes Problem zu lösen.

Und jetzt ?!

eng sind die Löcher für die Schläuche
eng sind die Löcher für die Schläuche

Nachdem wir am gestrigen Tag die alten wasserführenden Leitungen mühevoll extrahiert hatten, sollte am heutigen Tag eigentlich der Rückbau erfolgen. Um es kurz zu machen, ja, wir haben wieder alles eingebaut. nein, es war leider nicht erfolgreich und sobald man den Duschwasserhahn aufdreht, sammelt sich so ganz ganz langsam Wasser unter dem Waschbecken. Aber zunächst mal der Reihe nach. Heute Morgen haben wir alle Händler im Ort abgeklappert, aber anscheinend ist unser Warm-Wasserschlauch mit 10 Millimeter Innendurchmesser ein echter Exot, keiner kennt das Produkt, keiner hat das Maß. Aber völlig egal, wir haben heute eine wirkliche Sternstunde von einem perfekten Kundendienst erfahren, die wir als ein super positives Erlebnis immer in guter Erinnerung behalten werden. Und das ging so – der Heißwasserschlauchhersteller ist die Firma Trelleborg, da denkt man eigentlich an Schweden und Michel aus Löneberga. Aber der Betrieb stellt Dichtungen und industrielle Schläuche für alle möglichen Anwendungen her. So auch für uns Segler.

Nach ein bisschen Recherche im Internet hatten wir die Zentrale in Mettmann am Telefon und wurden zu Frau Jahn verbunden. Und die hat sich so ins Zeug gelegt, dass es uns glatt die Sprache verschlagen hat. Normalerweise liefert die Firma nur an Firmenkunden und hat keinen Endkundenkontakt.Frau Jahn und ihre Vertriebskollegin haben jedoch für ganz Europa recherchiert, wer in den letzten Wochen und Monaten die von uns benötigten Schläuche bestellt hat, damit wir dort anrufen, hinfahren, oder sonstwie bestellen können. unglaublich was für ein Zeitaufwand für unser Anliegen investiert wurde. Eine Firma in Sète wurde ermittelt, leider ist der Schlauch erst ab nächster Woche Mittoch vorrätig.  Wir haben uns erst mal für eine Übergangslösung entschieden, eingekauft und das halbe Bad zerlegt. Was wir da geshen haben, hat uns die Sprache verschlagen. Kein Wunder, dass bei so einem Pfusch ein Schlauch durchscheuern muss, eher ein Wunder dass er überhaupt so lange gehalten hat. Leider leckt unser Provisorium noch immer und so langsam stellt sich Ratlosigkeit ein. Aber morgen ist ein neuer Tag, der vielleicht auch neue Ideen bringt.

Leckere Gnocchi mit Gambas für die Capitania
Leckere Gnocchi mit Gambas für die Capitania

Nach einem leckeren Abendessen sieht die Welt nun schon wieder ganz anders aus.

Kaputt ist kaputt

Bunte Drachen:
Bunte Kites

Wie man so schön sagt, und manchmal ist das auch garnicht so tragisch. Neues Teil gekauft, eingebaut und fertig ist die Lauge. Alles ganz easy, leicht erreichbar, überschaubarer Zeitaufwand, wie im Fall unseres alten Mülleimers. Stand einfach im Weg rum, ich bin draufgetreten. Plastik bricht, Skipper flucht. Das Internet hilft weiter, und kennt den Lieferanten. Bestellt und wegen Ortsnähe von Darmstadt sogar direkt beim Hersteller abgeholt, zwei Löcher für die Halterung reingebohrt, tatata: Erfolgserlebnis!

Beim nächsten Problem sieht das, zumindest im Moment noch ein bisschen anders aus. Es handelt sich um, sagen wir mal, ein eher schleichendes Problem. So eins, das klein, kaum wahrnehmbar beginnt. Das anfänglich noch leicht zu ignorieren ist, und sich dann soweit ausbreitet bis ein Eingreifen unabdingbar ist. Leider haben wir zwei solcher “Problemzonen” gerade an Bord.

Behelfsbecher zum Auffangen eventueller Restwasser
Behelfsbecher zum Auffangen eventueller Restwasser

Das eine, nennen wir es das „Sanitärproblem”, ist erstmals Ende Februar in unser Bewusstsein gerückt. Nach jedem Duschen stand unter dem Waschbecken Wasser, an einer Stelle, wo vorher keins war, und auch keins hingehört. Anfänglich wirklich nur ein paar Tröpfchen, danach für eine lange Weile ziemlich stabil ein paar Schwämme voll.

Doch nach der heutigen Reinlichkeitsaktion stand dort soviel warmes Duschwasser, dass es über einen Rand in die Bilge geschwappt ist. Also genau der richtige Zeitpunkt zum Handeln, natürlich nicht, ohne vorher die Problematik zu analysieren. Gesagt getan, schnell stand fest dass nur eine komplette Demontage der Duscharmatur und ein herausziehen der wasserführenden Schläuche zur Lösung des Problems führen werden. Leider. Denn, was dann folgte, ist in Worte kaum zu fassen.

Aufräumen der Baustelle
Aufräumen der Baustelle

Man bräuchte, um die notwendigen Stellen zu erreichen, die Statur eines kleinen Kindes, die Dehnbarkeit einer Katze und die Kraft eines Bodybuilders . So verwinkelt sind die Schläuche, Schlauchschellen und Verzweiger, dass nur mit viel Gefluche und Gesuche und nach drei Stunden rumwurschteln die Wurzel des Übels zum Vorschein kommt. Der Warmwasserschlauch hat sich an einer Stelle im Laufe der Zeit durchgescheuert, wahrscheinlich waren beim Einbau noch kein Möbelstück, kein Waschtisch oder andere Installationen vorhanden. Anders kann ich mir dieses umwegige schlauchverlegen nicht vorstellen.

Jetzt steht für morgen erstmal Ersatzteilbeschaffung auf dem Programm, neuer Warmwasserschlauch und Ersatz für die zerbrochenen Plastik-T-Stücke. Dann wird das Ganze wieder zusammengebaut und leicht erreichbar verlegt. Über das andere Problem wollen wir noch gar nicht reden, das ist noch viel gravierender.

Bei chönstem Wetter
Bei schönstem Wetter
fliegen sie
fliegen sie

Am späten Nachmittag ging es zum Strand. Heute war der Tag für Kitesurfer und Windsurfer. Viel Wind, nicht zuviel Welle und Sonne pur. Was für ein Spektakel auf dem Wasser und in der Luft. Einige Kitesurfkönner vollführten wahre Luftsprünge und flogen sekundenlang, von ihren Kiteschirmen sicher getragen, durch die Luft.

Lecker, lecker…
Lecker, lecker…

Heute Abend haben wir mal wieder gegrillt. Cornelia hat frischen Spargel dazu besorgt, genauer gesagt, Spargel aus der Camargue. Lecker, dazu gab es zwei Doraden, einen Rinderspieß und eine heimatliche Bratwurst, frisch vom Grill. Lecker!