Inselabschied und Wiedersehn mit St. Tropez

unterwegs auf staubigen Pfaden Foto: Johannes Emich
unterwegs auf staubigen Pfaden
Foto: Johannes Emich
Steilküste, erarbeitet Foto: Johannes Emich
Steilküste, erarbeitet
Foto: Johannes Emich

Nachdem wir, Larissa, Johannes, Patrick von der Pastis, und ich, nahezu die gesamte Insel Porquerolles am Donnerstag mit ausgeliehenen Fahrrädern erkundet und (fast) umrundet hatten, war gestern für die muskelverkaterten Beine der tapferen Radfahrer ein Ruhetag unter Segeln angesagt.

Agave auf Porquerolles Foto: Johannes Emich
Agave auf Porquerolles
Foto: Johannes Emich
Ausblicke
Ausblicke

Ein kurzes Fazit, Porquerolles ist nicht nur wunderschön, grün und vielseitig, sondern auch sehr hügelig. Mit steilen Anstiegen zu Aussichtspunkten wie dem Leuchtturm, dem Semaphor, der Mühle und dem Inselosten. Insgesamt, bei  30 Grad, ein anstrengend-schönes Erlebnis mit Fernsicht und einem kleinen Badestopp in einer Bucht.

Die Ankerbucht vor dem Ort
Die Ankerbucht vor dem Ort

Gestern war dann, wie eingangs erwähnt, ein Beinruhe- und dafür Segeltag. Bei leichtem Wind und ganz ruhigem Meer kreuzten wir zusammen mit einigen anderen Segelbooten  in Richtung St. Tropez. Jedenfalls für eine ganze Weile, bis der unbeständige Mittelmeerwind sich mal wieder leider entschieden hatte, eine Atempause einzulegen. So ging das dann den Rest des Weges und des Tages, Wind da – Motor aus, Wind weg – Motor an.

gestrandet :-((
gestrandet :-((

Einige Meilen vor St. Tropez hatten wir in einiger Entfernung eine große gestrandete Segelyacht entdeckt, die, halb versunken, an der steinigen Felsenküste auf ihre Bergung wartet. Kein schöner Anblick, man fragt sich, welches Drama sich dort wohl abgespielt hat, und was die Ursache war, die dazu geführt hat.

Vor acht Uhr abends sind wir, das letzte Stück des Weges komplett motorend, in St. Tropez angekommen. Trotz beginndender Nebensaison ist der Hafen gut gefüllt. Nach dem üblichen Aufklaren mit anschließendem Anlegebier brachen wir zu einem ausführlichen Altstadtbummel mit Kneipenstopp auf. Auch die pittoresken Gassen waren gut gefüllt mit See(h)leuten aus der ganzen Welt. Larissa und Johannes waren sehr von der nächtlichen Schönheit von St. Tropez angetan.

Bunte Leckereien Foto: Johannes Emich
Bunte Leckereien
Foto: Johannes Emich

Samstag ist in St. Tropez Marktag, der Veranstaltungshöhepunkt am Ende der Woche für Einheimische und Touristen. Auf dem großen Marktplatz findet man alle leckeren Dinge, aber auch Kleider, Stoffe, Hüte, Gürtel, selbst lebensgroße Hundestatuen.

Man(n) ist dort natürlich nicht alleine, dicht an dicht flaniert man an den reichhaltigen regionalen Warenangeboten vorbei.

Bilder sagen an der Stelle mehr als Worte.

Oliven … Foto: Johannes Emich
Oliven …
Foto: Johannes Emich
noch mehr Oliven… Foto: Johannes Emich
noch mehr Oliven…
Foto: Johannes Emich
Salamis in allen Variationen… Foto: Johannes Emich
Salamis in allen Variationen…
Foto: Johannes Emich
noch mehr Salamis … Foto: Johannes Emich
noch mehr Salamis …
Foto: Johannes Emich
Obst… Foto: Johannes Emich
Obst…
Foto: Johannes Emich
… und bunte Stoffe Foto: Johannes Emich
… und bunte Stoffe
Foto: Johannes Emich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Morgen geht es weiter, an der Côte d’ Azur entlang nach Villeneuve Loubet. Cornelia fliegt am Montag ab Nizza für einen Tag nach Deutschland, morgens hin und abends wieder zurück.

Von allem etwas

6. September 2016, Dienstag, Baro 1015, sonnig, Wind N 6-4
Les-Saintes-Maries-de-la-mer 10:00 – Cassis 18:00 ca. 58 sm

Und das ist die schwarze Madonna
Und das ist die schwarze Madonna
Die Kerzen für die schwarze Madonna
Die Kerzen für die schwarze Madonna

Kurz nach acht machen Volker und ich uns auf, um neben dem obligatorischen Baguette-Einkauf der schwarzen Madonna einen Besuch abzustatten und die Seglerkerze anzuzünden. Segler sind abergläubisch, und in den Kirchen, in denen auch richtige Kerzen angezündet werden, machen wir das stets. Nur die elektrischen, die in Spanien sehr verbreitet sind, verschmähen wir total. In der Apsis der Kirche ist es richtig heiß, so viele Kerzen haben hier die ganze Nacht gebrannt. Die schwarze Madonna steht in der Ecke und schaut lächelnd zu.

Achtung, hier können Stiere und Pferde herumlaufen!
Achtung, hier können Stiere und Pferde herumlaufen!
Reis von der Camargue
Reis von der Camargue

Mit einem ausgeklügelten Ablegemannöver schaffen wir es, trotz Seitenwind unbeschadet aus der Box zu kommen. Mit zwei Reffs im Großsegel und ganz kleiner Fock fangen wir an, draußen weht der kräftige Nordwind mit Böen bis über 30 Knoten. Wir segeln zunächst neun Meilen 136 Grad, das ist Raumschotkurs, vom Kurs her schön, aber es baut sich eine recht unangenehme Welle auf. Doch wir sind schnell, ich höre Volkers kleine Freudenrufe: “10 Knoten”, später: “11,7 Knoten!” Nachher müssen wir anluven auf 108 Grad, aber da sind wir weiter unter Land und die Wellen werden kleiner.

11:20 Tatsächlich werden die Wellen kleiner, aber der Wind weht unvermindert stark, wir gehen auf 104 Grad, das ist mehr Halbwind als Raumschots, aber stabil. Die Sonne scheint, und nur der Wind kühlt so sehr, dass Larissa sich eine Jacke auf die nackten Beine legt. Volker sitzt im kompletten Ölzeug, weil ab und zu Wellen oder Spritzwasser überkommen. Im Boot ist es angenehm, der Hund schläft, bei so viel Crew muss ich nicht auch noch draußen im Weg rumsitzen, ich mache es mir hier gemütlich, prüfe ab und zu die Navigation, checke das Wetter und die Windmesswerte, scheitere allerdings hier öfter an nicht vorhandenem Netz, in der Camargueregion am Wasser ist es eher menschenleer, wahrscheinlich laufen hier nur die weißen Camarguepferde in freier Natur.

An der Rhônemündung ändert sich die Farbe der See
An der Rhônemündung ändert sich die Farbe der See

Der Wind nimmt ab, wie vorhergesagt, nach 12:00 Uhr wird er zuerst ein bisschen weniger, wir können ausreffen, und das Ölzeug ablegen. Dann wird er noch weniger und nach 13:30 motoren wir. Larissa und Johannes kochen Kartoffelsuppe zum Mittagessen. Nach dem Verkehrstrennungsgebiet an der Rhônemündung hat der Wind soweit gedreht, und ein bisschen an Stärke zugenommen, dass wir mit Spi an Marseille vorbei segeln.

Kurz danach stirbt leider der Wind, aber wir nutzen es aus, dass der Spi nicht steht, Johannes und Volker gehen mit Taucherbrillen an den serh pittoresken Felsen schnorcheln, aber es gibt keine Fische! Johannes hat einen oder zwei gesehen, und Volker klagt über das viel zu kalte Wasser. Daraufhin verzichten Larissa und ich auf den Badestopp, wir motorsegeln weiter.
Das macht allen nicht mehr so viel Spaß, wir beschließen, nach Cassis abzubiegen, und dort die Nacht zu verbringen. In der Marina ist kein Platz mehr für uns, wir sollen in die nahegelegene Calanque de Port-Miou fahren, da kann man an Bojen liegen. Das findet Volker aber zu weit weg vom Ort, wir ankern vor dem Hafen auf 10 Meter Wassertiefe. So haben wir die Möglichkeit, kleine Ausflüge in den Ort zu unternehmen, der auch jetzt, im Sommer, nichts von seinem Charme verloren hat.

Nachts um drei werden wir wach, weil die Wellen unangenehm ans Heck schlagen, so kann keiner schlafen, wir überlegen, direkt loszufahren, aber es wäre nachts genau gegenan, das macht auch keinen Spaß. So verholen wir uns in das hintere Ende der Bucht, da sind wir durch die steinernen Felsberge geschützt. Es ist viel ruhiger hier, und, wenn Wellen kommen, dann von vorne, das knallt nicht so. Zwischendurch gehen ein paar kräftige Böen durch, eine ganz ruhige Nacht wird es nicht, aber man kann immerhin immer mal wieder schlafen.

Nochmal bei der schwarzen Madonna

5. September 2016, Montag, Baro 1012, sonnig, warm, Wind S um 3
La Grande Motte 11:45 – Les-Saintes-Maries-de-la-mer 15:00 19,5 sm

So friedlich kann es in Aigus-Mortes aussehen
So friedlich kann es in Aigus-Mortes aussehen

Nach der gestrigen Autofahrt haben wir zunächst das Boot eingeräumt, uns nach einem kühlen Bad im Meer wieder über die Wärme gefreut, und wir haben uns tatsächlich noch einmal ins Auto gesetzt, um den beiden die schöne mittelalterliche Stadt Aigues-mortes zu zeigen. Klar ist das ein Touristenort, aber uns gefällt die Ruhe, die trotzdem innerhalb der hohen Stadtmauern herrscht, und die schönen Plätze, Straßen und Häuser.

Heute morgen legen wir nach Hundespaziergang, Großeinkäufen, Besuch auf der Werft und beim Hafenmeister  ab, zunächst ohne, dann mit ganz leichtem Wind segeln wir Richtung Osten. Larissa und Johannes genießen die Sonne und die Aussicht auf die Küste, beobachten die Chemtrails am Himmel, Volker und Jo nehmen ein Bad, indem sie sich an einem Seil hinter der Hexe herschleppen lassen. Nur das Einsteigen ist ganz schön schwierig, bei 4 Knoten Fahrt bekommt man die Beine nicht so leicht auf die Sprossen der Leiter, deshalb beschließen Larissa und ich, dass unsere ins Meer gehängten Füße uns genug abkühlt haben.

Das Emblem: Anker, Herz und Kreuz, wie der Stier und das Pferd
Das Emblem: Anker, Herz und Kreuz, wie der Stier und das Pferd

Von der Pastis, die gerade auf Porquerolles ist, bekommen wir die Nachricht, dass sie sich vom Ankerplatz in den Hafen verzogen haben, weil es dort mit 35-40 Knoten weht, daraufhin checken wir noch einmal die Wetterberichte, und überstimmen den Skipper, dass wir nach Les-Saintes-Maries gehen, und nicht eine erste Sturmnacht mit den beiden riskieren wollen.

Leider sind an den Dalben im Hafen dumme Ketten angebracht, man muss höllisch aufpassen. Aber bald sind die Leinen fest, der Hund darf spazieren gehen, und danach verziehen sich Larissa und Johannes an den Strand zu einem kurzen Bad in dem kühlen Meer.

das beeindruckende Innere der Kirche
Das beeindruckende Innere der Kirche

Anschließend habe wir noch einen Ausflug in die Innenstadt von Les-Saintes-Maries gemacht, ganz kurz die Kirche besichtigt; weil sie schließen wollten, mussten wir raus, aber Volker hat es noch geschafft, einen Blick auf die in der Apsis lagernde „schwarze Madonna“ zu werfen.

Nach einem Apéritif in einer kleinen Bar mit lauter Schallplatten an der Decke und an den Wänden machen wir es uns mit einem Grillabend an Bord gemütlich, während draußen der Wind pfeift.

verrostetes Fahrrad am Kakteentisch: Zeugnis einer charmanten Stadt
verrostetes Fahrrad am Kakteentisch: Zeugnis einer charmanten Stadt
Sonnenuntergang über dem Binnensee
Sonnenuntergang über dem Binnensee
Bunte Weintöpfe
Bunte Weintöpfe

Urlaubsende

Um kurz vor 7 Uhr klingelt uns der Wecker am heutigen Sonntag aus dem Schlaf. Die letzte Nacht in Darmstadt war kurz. Gestern Abend fand i n“unserer Allee“ das jährliche gemeinsame Hoffest statt. Die Gelegenheit, um einige schöne Stunden mit Nachbarn und guten Freunden zu verbringen. Wir haben gegrillt, gelacht und gefeiert, Neuigkeiten ausgetauscht, und alte Nachbarschaftsanekdoten wurden zum Besten gegeben. Neben uns Erwachsenen sind die zahlreichen größeren und kleineren Viertelskinder rumgewuselt. Ein lebendiges nachbarschaftliches Miteinander zeichnet unsere kleine Siedlung aus und macht per se jedes Nachhausekommen zu einem herausragenden Ereignis.

Ein bisschen eher als früher üblich haben wir uns von der Feier zurückgezogen, damit wir heute die 950 Kilometer nach La Grande Motte gut ausgeruht unter die Räder nehmen können. Diesmal fahren wir nicht allein zu unserer Hexe, Larissa und ihr Freund Johannes sind mit von der Partie. Beide bleiben 14 Tage bei uns an Bord, zusammen wollen wir die südfranzösische Küste bis nach Nizza entlang segeln. Als Larissa noch deutlich kleiner war, haben wir regelmäßig in der Gegend einmal jährlich mit guten Freunden einen Törn unternommen und sie freut sich schon sehr, altbekannte schöne Orte wiederzusehen.

Für mich ist jeder Abschied, egal ob vom Boot oder aus Darmstadt ein „klein wenig“ stimmungseintrübend. Am liebsten würde ich unsere Allee komplett einpacken und mitnehmen, Cornelia macht schon hin und wieder leicht sarkastische Bemerkungen über mein Empfinden. Aber so sind die Frauen…!?

Auf jeden Fall steigt die Außentemperatur äquivalent zu den in südlicher Richtung zurückgelegten Kilometern. Im Mittelmeerraum ist noch Hochsommer, gut, der hat ja auch dieses Jahr erst relativ spät, Ende Juni, begonnen und scheint sich dafür nach hinten hinaus auf längere Zeit zu etablieren. Uns ist das sehr recht so, jedes Grad zählt…

Das Rheinabenteuer mit unserem kleinen Motorboot ist auch schon wieder Geschichte.Die Zeit vergeht (viel zu) schnell Seit letztem Mittwoch steht das gute Stück in seinem  trockenen Unterstand und wartet dort auf die nächste Ausfahrt. Aber egal, was die anderen Segler so denken, mir persönlich macht Motorbootfahren auch viel Spaß. Und die Entscheidung von den Motorbootkollegen für so so ein kraftstoffverbrennendes Gerät kann ich gut nachvollziehen. Es ist schon faszinierend, mit einer relativ hohen Geschwindigkeit von 50-70 Stundenkilometern übers Wasser zu brettern, dabei den Achtzylindermotor im Keller brummen zu hören und schnell von A nach B zu kommen. Zumindet hin und wieder. An Eleganz ist indes eine hübsche Segelyacht mit gut eingestellten Segeln natürlich nicht zu überbieten. Ich denke, letzteres muss man nicht diskutieren.

In den nächsten Tagen gibt es dann in gewohnter Art und Weise wieder regelmäßig neue Blogbeiträge von uns. Nur, wenn man so auf Landurlaub ist, fehlen so fern ab vom Meer eben die Ideen und Anregungen, Segelblogbeiträge zu schreiben.