3. November 2016, Donnerstag, Baro 1013, sonnig, Wind N um 2
Palavas-les-Flots 13:00 – La Grande Motte 15:30, 6,5 sm
Gestern sind wir erst so spät losgesegelt, weil es zum einen nur 6,3 sm bis La Grande Motte sind, und wir zum anderen noch den Ort Palavas mit dem hohen begehbaren ehemaligen Wasserturm besteigen wollten. Also, besteigen ist übertrieben, ein Außenfahrstuhl mit Sicht fährt uns rasch in die elfte Etage, wo sich ein Café oder einen Bar, je nach Tageszeit und Appetit befindet. Von hier aus hat man einen sensationellen Blick über den Kanal, die Binnenseen bis hin zur Kathedrale von Magelone. Die Geschichte von der “schönen Magelone” stammt tatsächlich von hier. Das ist ein Prosaroman aus dem Frankreich des 15. Jahrhunderts, der sehr populär war, eine ergreifende Liebesgeschichte, die sich durchaus lohnt.
Wir segeln bei ganz leichtem Wind, aber angenehm warmen Sonnenstrahlen, es geht noch ohne Strümpfe, und im T-Shirt. Mal sehen, wie lange noch. Zunächst ist wenig Wind, das Hexchen segelt so schnell wie der Wind selbst bläst. Zwei Seemeilen vor dem Hafen besinnt sich der Wind, und wir können dieses letzten Meilen mit fünf Knoten bis direkt vor den Hafen segeln. Dort gehen wir erstmal an einen niedrigen Steg an der Capitainerie, denn Volker will noch den Rumpf polieren.
Mittwoch, 2. NOvember 2016, Baro 1016, sonnig mit Schleierwolken, Wind NW 3 Cap d’Agde 09:15 – Palavas-les-Flots 16:15, 25 sm
Obwohl heute wieder ein normaler Arbeitstag ist, scheint es in Cap d’Agde noch sehr ruhig. Supermarkt, Bäcker, Fleischer und Fischladen haben natürlich schon auf, aber ansonsten sind die Läden an den Eissalons, Restaurants und Boutiquen fest geschlossen. Gestern abend sind wir auf der Suche nach einer Pizzeria schließlich in einem französischen Restaurant gelandet.
Fleisch……Muscheln…… Nachspeise
Am Abend des Feiertags hatten fast alle Restaurants und Bars geschlossen. Wir haben sehr lecker gegessen, am großen Nachbartisch aß der Patron mit Familie und Freunden, auch hier war es der letzte Abend der Saison. Ab Mitte Februar sind sie wieder da.
Stimmung am letzten Tag
Auf dem Nachhauseweg sind wir noch in unserer Musikbar hängen geblieben, die Stimmung war hervorragend, nicht zuletzt, weil es für das singende Paar auch der letzte Auftritt vor dem Winterurlaub war.
Der kleine Supermarkt im Strandteil von Cap d’Agde hatte gestern und vorgestern schon Ausverkauf, Schokokekse, Schokoladen, und ähnliches boten sie für 1 € feil, und die Kleiderläden boten die Sommerware zu Schnäppchenpreisen an. Wir haben uns auf die Schokokekse und die Schokoladen mit bretonischem Salzkaramel beschränkt, die Kleiderschränke an Bord der Hexe sind voll. Und Volker hat auch genügend Polierlappen, dazu nehmen wir nämlich unsere ausrangierten T-Shirts.
Wir haben uns heute von dem Käptn des großen Katamarans, an dem wir, mangels eines Stegplatzes, längsseits angelegt hatten, verabschiedet, ihm viel Erfolg mit seinem neuen Projekt gewünscht. Mit einem noch im Bau befindlichen Alukatamaran wird er Schulungen für alle Altersklassen anbieten, über die Pollution der Meere durch Plastikmüll, z.B.
Nico in Not
Mit Vollzeug sind wir auf dem glatten Meer unterwegs, Halbwind bis achterlich, das verbotene Fischfanggebiet lassen wir an Steuerbord, friedlichstes Segeln im Sonnenschein, da kann auch Nico entspannen. Zur Beschäftigung bekommt er den Knochen von Volkers halbem Mittagskotelett, zuerst ist er total überfordert und will ihn vergraben. Das geht aber schlecht auf einem Segelboot, er leidet und weiß nicht, was er tun soll, bis er herausfindet, dass man den Knochen auch abnagen kann. Das scheint er tatsächlich vergessen zu haben!
Natürlich kommt die Mittagsflaute. 0,8-1 Knoten Wind. Diesmal sitzen wir es aus, wir haben es ja nicht eilig, ob wir in Sète bleiben, oder bis Port Camargue kommen, ist irrelevant. Wir beobachten die anderen Segler, “Da draußen segelt einer schief, da muss Wind sein!”, “Da hinten kommen zwei mit Spinnaker, da ist Wind!” Tatsächlich kommt hier vor Säte die leichte Brise aus einer ganz anderen Richtung, immerhin schon mit fünf Knoten aus Südost.
Der Wind kommt noch einmal zurück, bis 15:30 Uhr können wir segeln, dann ist es aus, und wir motoren die letzten drei Meilen bis zum Hafen von Palavas. Dort werden wir freundlich empfangen, und freuen uns schon auf einen Landgang.
Alle Jahre wieder, in 2016 bereits zum 17. Mal, fand der Salon Nautique in Cap d’Agde statt. Eine Gebrauchtbootmesse mit über 500 Yachten, die von Yachtmaklern und Endkunden gleichermaßen zum Verkauf angeboten werden. Die Schiffsgrößen variieren dabei ebenso wie die Preise. So wurden kleine Motorboote für wenige tausend Euro und richtig große Segel- und Motoryachten für über eine Million Euro feilgeboten. An den fünf Messetagen pilgerten über 50.000 Wassersportinteressierte über die Stege und bewunderten die Schiffe, die, sicher vertäut am Steg denoch schwimmend in ihrem Element, auf neue Besitzer warteten.
Blöcke und anderes ZubehörTaschen wie Christiane sie auch nähtDie Schönheiten gab es auch zu bewundern
Aber nicht nur auf dem Wasser wurde den Besuchern viel dargeboten. Auch an Land gab es zahlreiche Aussteller. Außenbordmotoren, Seglerbekleidung, Yachtzubehör, Mastenbauer, Segelmacher, Elektronikspezialisten, die französische Rettungsgesellschaft, sozusagen das ganze maritime Leistungsspektrum war in Hallen oder mit kleinen Zelten vertreten.
maritimer Trödel
Für echte Schnäppchensucher gab es zudem einen Segelzubehörflohmarkt. Wir haben die die französische Rettungsgesellschaft unterstützt und zwei großformatige Badehandtücher gekauft. Wie meinte doch die Capitania sicherlich nicht ohne Hintergedanken, “wenn ich damit im Seenotfall winke, werden wir schneller gerettet” -:)
Angeln in allen Ausführungen
Ja, jetzt sind wir praktisch drei Tage lang über die Stege mit den Verkaufsangeboten gebummelt und es sind tatsächlich einige Schiffe verkauft worden, und das Schild mit “à vendre” wurde gegen ein “vendu”-Schild ausgetauscht – jeden Tag ein paar mehr. Gestern Mittag haben wir erstmalig live zugeschaut, wie eine Rettungsinsel aktiviert wurde. Ich habe das gefilmt und es ist beruhigend zu sehen, wie schnell sich dieses überlebenswichtige Rettungssystem aufbläst und bereit zum Einstieg ist. Wer will, kann sich hier den Film mit dem launigen Kommentar des französischen (kettenrauchenden) Radiomoderators ansehen.
Heute um 18 Uhr hat der Gebrauchtbootsalon seine “Türen” geschlossen und morgen werden dann wohl die meisten ausgestellten Boote in ihre jeweiligen Heimathäfen zurückkehren.
Monster!Monster?
Halloween hat sich übrigens auch allerorten in Frankreich durchgesetzt und wird gefeiert. Große und kleinere Monsterchen, Hexen und Draculas zogen durch die Geschäfte auf der Hatz nach Süßigkeiten. Ein sprachlicher Gleichlaut brachte mich dabei völlig aus dem Konzept. Das französische Wort für Schwester ist “soeur” lautsprachlich Sör, und das Wort für Fluch oder Zauberspruch ist “sort”, und wird nahezu gleich ausgesprochen. Nur mit einem kaum hörbaren “T” am Ende, ansonsten wie die “Schwester”. Als jetzt die kleinen Monster in die Kneipe kamen und das bei uns bekannte “Süßes oder es gibt Saures”- “douces ou sort” riefen, kam das bei mir an wie “Süßigkeiten oder Schwester.” Meine Bemerkung, das man dann die lieben Kleinen mal nach dem Aussehen ihrer Mütter befragen sollte, wenn sie sich ein Schwesterchen wünschen, sorgte für schallendes Gelächter und brachte mir die Bermerkung der Wirtin ein, dass doch alle MÄNNER gleich seien. Die sprachliche Richtigstellung erfolgte unmittelbar. Solche kleinen Fettnäpfchen, lauern wohl in jeder fremden Sprache und eins hat gestern für mich da gestanden…