Baro 1026, Temperatur angenehm, Wind umlaufend um 2 Beaufort, die See 3m mit langsamer Atlantikdünung
Es war eine Nacht mit Motorfahrt, zunächst noch mit Großsegel, das wurde dann aber geborgen, und wieder gesetzt, und wieder geborgen bis zum nächsten Morgen. Nach dem Frühstück kündigt sich ein leichter Wind aus günstiger Richtung an, es wird ein erneuter Versuch gewagt, aber auch diese Hoffnung endet nach wenigen Minuten bei 3-4 Knoten Wind.
So eine Motorfahrt hat aber auch ihr Gutes. Volker stellt den Wassermacher an, die Batterien werden voll geladen, denn der bedeckte Himmel der letzten Tage hat den Solarpanelen nicht genug Energie beschert, um unseren Verbrauch mit ständig laufendem Autopilot, nachts Radar, etc. auffangen zu können.
Außerdem kann die Waschmaschine einmal laufen. Das ist gut, denn wir hatten unsere Schmutzwäsche mit nach Darmstadt genommen, weil es in Lorient so viel Luftfeuchtigkeit hatte, dass die Sachen nach dem Waschen niemals ganz getrocknet wären. Und dann haben wir – oh Schreck – den Koffer mit den gewaschenen Sachen einfach im Keller stehen lassen, anstatt ihn ins Auto zu packen. Ich hätte morgen meine letzte frische Unterhose anziehen können, obwohl wir in Lorient im Leclerc Supermarkt nochmal aufgestockt haben.
Wir haben jetzt aber so schönes Wetter, dass wir die Wäsche an der Reling aufhängen konnten, und sie innerhalb kürzester Zeit trocken war. Nun muss ich mir um die unterste Lage meiner auf einer Überfahrt ansonsten sehr gleichbleibenden Kleidung keine Sorgen mehr machen.


Gerade eben kam eine ganze Herde Delfine vorbei, zuerst waren es nur drei, vier, die an Backbord schwammen, aber es wurden immer mehr, und Volker hat dann seinen Delfin-Rhythmus an den Rumpf geklopft, und tatsächlich bewegen sich die schönen Tiere im Takt. Elf Tiere habe ich gezählt, eine Großfamilie. Zum Schluss blieb noch ein Pärchen, das vor uns durchs Wasser tanzte und eindeutig miteinander agierte, superschön!
Um 17 Uhr kommt endlich der Gennaker ins Spiel. Volker redet schon seit Tagen, dass er ihn setzen will, aber dann ist der Wind zu raum, oder zu stark, oder zu viele Böen oder zu schwach. Aber nun ist es so weit. Es passt, wir haben acht bis zehn Knoten Wind, fahren mit einem Windwinkel zwischen 130º und 140º, später werden es sogar 14 Knoten, im Gegensatz zu der Motorfahrt rennt die Hexe wieder, der Skipper ist zufrieden.



Ach ja, gestern gab es Eintopf aus Wirsing, Rüben und Kartoffeln mit friesischer Mettwurst, klassisch, erdig und gut. Das Abendessen heute war eine echte Herausforderung, an den Koch, die Größe der Küche, die Anzahl der Herdplatten und Töpfe und anschließend an die Spülfrau. Das Ergebnis aber konnte sich sehen, bzw. schmecken lassen: Rindergulasch mit ganz vielen verschiedenen Gemüsesorten wie Englischer Sellerie, Zwiebeln, Paprika, Lauch, dazu selbstgemachte Semmelknödel und Rotkraut, ein Gedicht!
Noch steht der Gennaker, wenn der Wind nachher weiter auf Nord dreht, werden wir ihn wegpacken, und mit der Genua oder dem Motor weiter fahren. Gute Nacht!

