Auf dem Atlantik gibt es keine sichtbaren Ländergrenzen, der Übergang von einem zum anderen Hoheitsgewässer ist im wahrsten Sinne des Wortes fließend. Seit gestern segeln wir an der nordspanischen Küste vorbei, die Biskaya mit ihren heranziehenden Herbststürmen liegt hinter uns. Glück gehabt, kann man sagen, denn gerade zieht ein ausgebreitetes Sturmtief mit Kern über der westlichen Biskaya heran.

Die bisherige nordöstliche Windrichtung, mit der wir gut die Biskaya überquert haben, ist Geschichte. Wir befinden uns zur Zeit am Südrand des Drucksystems. Seit heute früh haben wir westliche Winde, mit leichtem südwestlichem Einschlag. Gerefft und mal mehr oder mal weniger auf Amwindkurs heizen wir mit 8-10 Knoten Speed dahin. 530 gesegelte Seemeilenliegen im Kielwasser. Gerade übersegeln wir wieder eine unsichtbare Ländergrenze. Der kurze nordspanische Küstenabschnitt, von A Coruña bis zur portugiesischen Landesgrenze, in der Nähe von Viana do Castelo, haben wir nur auf der Seekarte gesehen. Willkommen in Portugal – bem-vindo a Portugal.
Seit dem Ablegen hatten wir einen Fehler auf dem Ruderlagensensor des Backbord Autopiloten und haben deswegen den Steuerbord Autopilot genutzt, der zu 100 Prozent aus den gleichen Komponenten besteht. Damit man im Fall der Fälle auch Ersatzteile austauschen könnte, oder falls ein Blitzschlag einen Autopilot lahmlegen würde. Doch je mehr ich in den letzten Tagen über das Problem nachgedacht habe, umso klarer wurde es, dass der Fehler an der kleinen Schubstange des Ruderlagensensors liegen musste.



Nur bedingt durch den heftigen achterlichen Wind, mit der nachlaufenden Welle, war an ein Öffnen der weit hinten liegenden Motorraumklappe nicht zu denken. Viel zu riskant wäre es, wenn eine brechende Welle ihren Weg in die Motorkammer finden würde. Tagelanges Entsalzen von allem darin Befindlichem würde anstehen. Doch heute, mit dem Wind von der Seite, war es Zeit, dem Problem nachzugehen. Und – wie gedacht – war die Schubstange ausgehakt, weil die runde Haltekugel sich losgeschraubt hat.
Hä, was, wie bitte, was meint er denn da jetzt wieder, ich verstehe rein gar nix, Haltekugel, was ist das??? Bilder sagen mehr als Worte.
Schnell war die kleine Reparatur erledigt, zum Schluss habe ich noch 15 Milliliter Hydrauliköl für den Autopilot nachgefüllt. Jetzt haben wir wieder zwei perfekt funktionierende Autopiloten, unerlässlich bei zahlenmäßig kleiner Crew.


Ab heute Abend soll der Wind auf Nord drehen und damit wieder von weiter achtern wehen. Doch zuerst scheint noch eine kleine dunkle Front auf unserem Weg zu liegen. Ein dunkles Wolkenband schiebt sich von Luv heran und der Wind frischt gerade weiter auf. Die Genua ist jetzt im 3. Reff.
