Autor: Hexymama

  • Tag 3 mit Gennaker

    Vor Sonnenaufgang

    Dienstag 30. September 2025
    Baro 1023, bewölkt mit wonnigen Abschnitten, Wind zwischen 9 und 20 Knoten, die See 1,5 – 2 m

    Etmal 11:00 122 sm

    Die Nacht über mussten wir immer noch mit dem Motor fahren. Ich hab wieder mal bis 06:00 Uhr geschlafen, heute allerdings mit weniger schlechtem Gewissen, denn da ja hier auf dem Ozean fast kein Verkehr ist, kann Volker zwischendurch auch mal 20-30 Minuten am Stück schlafen.

    Um neun Uhr kann ich die neuen Wetterberichte holen, es sieht so aus, als hätten wir doch immer mal ein bisschen Wind, allerdings heute bis zum Abend eher so um zehn Knoten. Daher: 09:25 Uhr, wir segeln mit Gennaker! Die Motoren schweigen. 

    Rundgang bei Sonnenschein

    Der Gennaker bleibt stehen bis nach dem Abendessen, zunächst war es sehr wenig Wind, ständig wechselnd wischen sieben und zehn Knoten, wir mussten dauernd den sehr schwankenden Kurs anpassen. Ab vierzehn Uhr stabilisiert sich der Wind bei 14 Knoten,  es geht mit sieben bis acht Knoten schnell voran. Zum Sonnenuntergang sind es öfter über 15 Knoten Wind, wir rollen das bunte Segel ein, so ist die Nacht ein bisschen entspannter. Mit der Genua muss man nicht dauernd auf jede kleinste Winddrehung reagieren, die steht ruhiger.

    So vergeht der dritte Tag unserer atlantischen Reise. Wir schlafen abwechselnd mal ein bisschen, die Wäsche, die heute morgen in die Waschmaschine gekommen war, musste auf- und abgehängt werden, wir sitzen ein bisschen in der Sonne, ich lese ein Kapitel von Tim Sawyer vor, das ich morgen mal an Zoey wegschicken werde.

    Um 18 Uhr schaffe ich es tatsächlich, hier von Bord aus an dem Zoom-Yoga-Meeting mit Katja teilzunehmen. Bei Ihr in Maribor ist es so kalt, dass sie heute von drinnen aus die Stunde macht, bei Roisin in Lanzarote hingegen ist es so warm, dass sie sämtliche Fenster offen hat, na und hier an Bord ist es irgendwas mittendrin. Auf jeden Fall angenehmer als im Norden.

    Kochkäseschnitzel

    Zum Abendessen gibt es heute Schnitzel. Volker klopft schon eifrig, und ich bekomme, mitten auf dem Atlantik, ein Kochkäseschnitzel mit selbst gemachtem Kochkäse (Danke an Leo Strempel vom SC Saar für den Quark!).

    Danach wird der Gennaker geborgen, die Genua ausgerollt, wir sind vorbereitet für die Nacht. Auch einen neuen Wetterbericht haben wir geladen, heute Nacht werden wir genug Wind haben, 16 – 20 Knoten schieben uns flott voran. Nachts brennt nur die kleine rote Lampe über dem Kartentisch, nach Einbruch der Dunkelheit begleitet uns für ein paar Stunden das Solar-Flackerlicht, das uns Freundin Sabine in die Karibik mitgebracht hat.

  • Am Rande der Biskaya – Tag 2

    Montag 29. September 2025
    Baro 1025, Wind um 5-8 Knoten aus NNO, leicht bewölkt, die See unter 1 m

    Jetzt hab ich doch tatsächlich verschlafen! Eigentlich war ich um halb fünf schon mal im Salon und wollte Volker ablösen, da hat der mich aber wieder ins Bett geschickt. Natürlich habe ich mir daraufhin einen Wecker gestellt, aber nur auf der Uhr. Den habe ich dann geflissentlich überhört, bis ich um Viertel nach sieben aufgewacht bin.

    Noch vor sechs Uhr hat Volker den Motor angemacht, der Wind hat zu sehr abgeflaut auf 6-7 Knoten und kommt fast genau von hinten. Es ist traumhaftes Wetter, und im Gegensatz zu den letzten Tagen wird es warm, so wie Volker es die ganze Zeit vorhergesagt hat: „Ab Brest wird es wärmer, und warte mal, wie warm es ab A Coruña wird …“ Nur leider hat der Wind eine große Pause eingelegt, und wir diskutieren, wie und ob es weitergehen soll ab dort.

    Jetzt sind wir wieder allein auf dem großen weiten Meer, das wegen der herrschenden Flaute auch total ruhig ist. Mittags und am Nachmittag kommen kleine Delphine, sie sind zunächst auf der Jagd, und später kommen sie zum Spielen am Boot vorbei, das macht immer noch Spaß, die hüpfenden und tauchenden Tiere zu beobachten. 

    Flaute

    Sonst passiert hier nicht so viel, der Wind ist zu schwach zum Segeln, und er kommt genau von hinten. Angeblich soll das ab Morgen Vormittag besser werden, sagen meine Wetterberichte. Aber es kommen während der nächsten acht bis neun Tage immer wieder mal Flautenzeiten. Also haben wir unsere Dieselvorräte kalkuliert, und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir auf jeden Fall fünf Tage, 120 Stunden unter Motor fahren könnten. Das sollte ausreichen, damit wir auch mit dem eher schwachen Wind bis Lanzarote kommen, denn zwischendurch sind angeblich die Windwinkel besser, und die Windgeschwindigkeiten gehen auch hoch. Vamos a ver!

    Neben den Delphinen sind am Nachmittag tausende Babys und Kinder von Portugiesischen Galeeren vorbei geschwommen. Selbst wenn die noch nichts tun, man weiß ja nicht, ob vielleicht ein paar erwachsene Aufpasser dabei sind. Also auf keinen Fall mal eben schwimmen gehen, so wie wir das bei Flaute auf dem Weg in die Karibik gemacht haben.

    Dank der vielen Motorstunden konnte ich auch eine Maschine Wäsche waschen, und dank der warmen Sonnenstrahlen ist sie auch schnell getrocknet. Und das Wasser war warm zum Duschen! Das Meer ist flach, man spürt nur die atlantische Dünung, die das Boot leicht anhebt und senkt. Und viel Verkehr ist hier auch nicht. Ein paar Frachter sind so weit entfernt, dass man sie trotz guter Sicht nur auf dem AIS sehen kann, am Horizont habe ich sie jedenfalls nur den einen oder anderen gefunden.

    Um 18:00 Uhr ist das Barometer um zwei Strich gefallen auf 1023, und zum Sonnenuntergang ziehen  ein paar kleine Wölkchen auf. Bei uns gibt es ein Ribeye für Volker und für mich Lachsfilets mit Kräuterbutter, dazu Salat und Knoblauchbaguette, himmlisch!

    Ich habe ein neues Projekt: Ich habe es endlich geschafft, für meine Enkeltochter und mich mal rechtzeitig Karten für das Weihnachtsmärchen im Darmstädter Theater zu erstehen, in früheren Jahren waren die immer so schnell ausverkauft, und bis mir aufgefallen ist, dass es auf Weihnachten zugeht, gab es keine Karten mehr. Dieses Jahr war ich also rechtzeitig und werde mit Zoey in die Abenteuer von Tom Sawyer gehen. Als alte Theatergängerin weiß ich, wie gut es ist, wenn man den Stoff kennt, so werde ich für Zoey das Buch vorlesen und ihr die Dateien schicken, damit sie sie auf ihrer Toniebox hören kann. Aber dazu muss ich mich erstmal mit ein paar neuen Programmen befassen, wenn es halbwegs perfekt sein soll.

    Während Volker noch einmal schlafen kann, bevor ich zu Bett gehe, lerne ich alles über Sprachmemos, wie man sie in dem Programm verarbeitet, bearbeitet, Teile raus schneidet oder einfügt, und wie man mehrere Aufnahmen, dann allerdings in einem anderen Programm, IMovie, zusammen schneiden kann.

    Während wir so durch die Nacht fahren, hat sich draußen der schönste Sternenhimmel entwickelt, und begleitet uns durch die klare Nacht.

  • Guernsey ade!

    Sonntag 28. September 2025
    St. Peter Port, Guernsey 10:00
    Baro 1020, Wind um 4 Knoten SSW, Nieselregen, schlechte Sicht
    Motoren BB 191, SB 190, Logge 7800, 27.09. 309 l roten Diesel getankt

    Um zehn Uhr legen wir ab, denn ob wir nun im Hafen weiter rumsitzen oder auf dem Wasser langsam motoren, ist ja eigentlich egal. Also sind wir unterwegs. Es ist nicht schön auf dem Wasser, zuerst fängt es an zu nieseln, dann kommt dichter Nebel. Um zwölf Uhr wird es über der Insel ein bisschen heller.

    Um 12:00 Uhr kommt der Wind, zuerst aus wechselnden Richtungen mit 9-11 Knoten, dann stabilisiert er sich bei 15 Knoten aus 10º, also Nordwind. Nachdem Volker erst leise und laut murmelnd Überlegungen angestellt hat, welches Vorsegel wir demnächst verwenden wollen, ist nun die Entscheidung einfach, wir bleiben bei der Genua. Jetzt ist auch die Strömung gekippt, wir haben keinen Gegenstrom mehr und fahren mit acht bis neun Knoten Geschwindigkeit. Das nimmt immer weiter zu, der Wind sowie die Strömung, und wir erreichen bei 20 Knoten Wind bei einem Windwinkel von 120º tatsächlich mehr als zwölf Knoten über Grund.

    Am Nachmittag ist das Barometer auf 1023 gestiegen, der Wind hat leicht abgeflaut auf 12- 15 später 10 – 11 Knoten, dafür ist der Einfallswinkel spitzer, und, obwohl die Gezeit jetzt um 20:40 gekentert ist, fahren wir immer noch mit über sieben Knoten über Grund.

    Ach Du Schreck! Wir wollen ja zu Abend essen, haben aber gar nichts aufgetaut!, Na gut, da muss noch ein bisschen gewartet werden, die Slavinken, mit Speck ummantelte Hackfleischrollen, erwärmen sich schnell in den letzten Sonnenstrahlen, um 19 Uhr gibt es diese mit Zwiebelsoße, Salzkartoffeln und Butterkarotten. Lecker wie immer.

    Die steinige bretonische Küste mit ihren Gefahrenzeichen

    22:30 Uhr: Es ist schon gigantisch, wir segeln entlang der bretonischen Küste mit ihren zahlreichen steinigen Untiefen, und halten uns schon weit draußen. Trotzdem ist es mega spannend, links, in 210º, blinkt der Leuchtturm der Ile vierge, Jungfraueninsel (?), weiß alle fünf Sekunden, in 230º blitzt das Westkardinalzeichen „Lizen Ven“, das auf die Untiefe daneben aufmerksam machen soll, und dann kommt von links auch noch ein Fischer angepest, die „Etoile d’Arvor“, der es sehr eilig hat, und offensichtlich noch nicht oder nicht mehr beim Fischen ist. Vor einer halben Stunde lag ein Nordkardinalzeichen auf unserer Route, sie alle haben bretonische Namen, dieses hier z.B. „Aman ar Ross“, was immer das bedeuten soll. Eines liegt noch vor uns, diesmal kein typisch bretonischer Name, „Grande Basse de Portsall“, ist wieder ein Westzeichen,  also neun weiße Blitze alle 15 Sekunden. Danach entfernen wir uns weiter vom Land und seinen steinigen Ausläufern, die Navigatorin kann entspannen, bis sie abgelöst wird.

    Ein schicker schneller Trimeran, „Viabilis“, ein Solo-Segler, kommt – ohne Vorfahrt zu haben – auf uns zu, die ganze Zeit auf Kollisionskurs, ich rufe ihn über Funk, erhalte zwar keine Antwort, aber er ändert seinen Kurs. Um 23:30 segeln wir ganz nah an der Segelyacht Giulia vorbei, sie fährt nur mit Vorsegel und ist daher deutlich langsamer als wir. Es kommt noch ein Boot auf uns zu, dass kein AIS hat, aber Volker hat es gesehen, und die letzte Kardinalboje ist auch vorbei, jetzt muss ich ins Bett. Volker hat am Tag zwei Stündchen geschlafen, er übernimmt jetzt die Wache.

  • Im Englischen Kanal

    Mittwoch 24. September 2025
    Baro 1025, leicht bewölkt bis bewölkt, Wind um 6 – 7  Bft.
    Nieuwport 10:35, Etmal um 10:45 175 sm

    Die Windmühlen am Hafen von Nieuwpoort

    Nach einem Besuch auf der Excess 14 „Geronimo“ von Corinna und Rainer verlassen wir den Hafen von Nieuwpoort. Unter der Genua allein geht es los Richtung Calais. Die Gezeit geht noch mit, wir er reichen immer wieder zehn bis zwölf Knoten Fahrt, das nutzen wir aus, um Strecke zu machen.

    Um 12:40 wird das Großsegel in Reff 2 gesetzt, und so hangeln wir uns entlang der Bojen in dem schmalen Fahrwasser nach Calais. Es ist eigentlich ein gemütliches Segeln, nur dass Volker (und die Hexe) diese Vorwindkurse gar nicht leiden können. Seit mittags sind auch die Wellen viel ruhiger, das ganz wilde Gewackel hat sich gelegt. Aber wir sind unglaublich schnell, selbst bei Gegenstrom surft die Hexe manchmal mit neun Knoten auf den Wellen, und als die Strömung wieder mit uns geht, sehen wir öfter mal 12 oder sogar 13 Knoten Geschwindigkeit über Grund.

    Um 19 Uhr gibt es Essen, heute Spaghetti bolognese, wieder sehr lecker. Jetzt brauchen wir auch unser Starlink, denn nun befinden wir uns außerhalb der terrestrischen Netzabdeckung des Mobilfunks. Wir haben in den Einstellungen der Starlink-App das kleine Häckchen bei der Datennutzung gesetzt, was besagt, dass wir Daten auch auf dem Meer empfangen können, pro Gigabyte für 2,65€. Perfekt!

    Sunset

    Um 22:15 schlafen meine beiden Herren, der eine hat sich ins Bett verabschiedet, der andere ist auf dem Sofa eingeschlafen, ich versuche, den Überblick zu behalten. Ich sehe ganz viele Fischer auf dem Radar, aber vorhin ist einer an uns vorbei gefahren, der hatte offensichtlich kein AIS an, den hatte ich daher nicht auf dem Schirm, nur plötzlich fuhr ein hell erleuchtetes Boot an uns vorbei.

    Mit Wind um zwanzig Knoten und leider wieder konfusen Wellenbildern geht das die Nacht durch, Volker wacht auf, ich gehe schlafen, Matthijs löst Volker ab, um 03:00 Uhr löse ich Matthijs ab, um 05:00 schickt der inzwischen erwachte Volker mich ins Bett. Um Viertel nach sieben  wache ich auf weil die Hexe auf über 15 Knoten Geschwindigkeit beschleunigt. Kurz danach kommt auch Mattijs kommt hoch, der Kaffeegeruch hat ihn bestimmt gelockt.

    Eine Fähre von Portsmouth nach Southampton kreuzt nah vorm Bug

    Der Wind bleibt wieder beständig zwischen 20 und 24 Knoten, allerdings ist nun der Windwinkel besser, ungefähr 130 Grad, wir kommen gut voran, nur die Wellen bleiben kabbelig. Aber als wir an Cherbourg vorbei sind und in die Landabdeckung kommen, wird die See plötzlich ganz ruhig. Auch der Wind hat nachgelassen, aber hier ist so viel Strom, der momentan glücklicherweise mit uns geht, dass wir trotzdem noch gut voran kommen.  

    Auf einmal ist das Leben viel einfacher, ich habe gemerkt, wie ich plötzlich entspannt war. Ich hatte mich hingelegt, um ein bisschen verlorenen Nachtschlafs nachzuholen, konnte aber nicht gut einschlafen, es wackelte so sehr und durch die kurzen Wellen war es auch laut im Boot. Doch dann dauerte es keine fünf Minuten und ich war fest eingeschlafen. Und auch nach dem Aufwachen ist es wunderbar, ich muss mich nicht bei jedem Schritt festhalten, kann auch einfach eine volle Teetasse zum Tisch tragen. Wind und Strömung lassen uns doch gut vorankommen, wir segeln zwischen sieben und neun Knoten, mit der Strömung, es fühlt sich fast so an, als ob wir bei leichtem Wellengang vor Anker lägen.

    Wir müssen auch nicht zu schnell fahren, denn wir können erst ab 18:33 Guernsey Zeit, für uns also 19:33 Uhr, in die Marina fahren, denn an der Einfahrt befindet sich eine Barre, die man nur drei Stunden vor und nach Hochwasser überfahren kann. Hauptsache, wir sitzen bis 20 Uhr im Pub!

  • Morgens früh um sechs fährt die kleine Hex

    Dienstag 23. September 2025
    Ijmuiden 06:00 – 22:15 Nieuwpoort, 108 sm
    Baro 1025, mäßig bewölkt, nicht ganz so kühl

    Der Versuch zu bezahlen

    Pünktlich um sechs Uhr verlassen wir die Seaport Marina, ohne das Liegegeld bezahlt zu haben. Das war nicht unsere Absicht, sondern der Technik der neuen IMarina-App geschuldet. Brav habe ich nach Ankunft den QR-Code an unserem Liegeplatz gescannt, dann landet man auf der Seite der Marina, versuche zu bezahlen, aber da bekomme ich die Meldung, es sei momentan kein Liegeplatz für uns frei. Wir liegen aber genau an dem Platz, an dem ich den entsprechenden QR-Code scannen konnte. Und der Platz ist auch wirklich groß genug für uns. Na gut, dann werden wir die 107 € eben im nächsten Restaurant „verfressen“. (Nachtrag: Am nächsten Tag kam eine Rechnung per Mail, verstecken geht nicht mehr so gut in Zeiten von Internet und AIS, das war ja auch gar nicht unsere Intention.)

    Der Gennaker steht

    Es ist wenig Wind, 10-14 Knoten, aber genau von hinten, und es steht noch eine unangenehme Welle von dem Nordwind der letzten Wochen. Nach einer Weile motoren jedoch setzen Volker und Matthijs den Gennaker, und wir kreuzen vor dem Wind mit sieben bis acht Knoten Geschwindigkeit.

    Dann lässt der Wind immer weiter nach, von hinten kommen deutlich Regengebiete heran, das bunte Segel wird eingerollt und ein Motor schiebt uns nach Südwest. Zu einer ganz ungewöhnlichen Zeit, um zehn Uhr, frühstücken wir bereits, danach scheint wieder die Sonne und der Wind hat erneut aufgefrischt. Wir fahren zwischen 8,5 und über zehn Knoten, noch fünf Meilen bis Hoek van Holland. 

    Wellen

    So geht das den ganzen Tag, mal mehr, mal weniger Wind, mal Gennaker, mal Genua, mal Motor. An der Maasmündung und vor Vlissingen müssen wir höllisch aufpassen, es ist unglaublich viel Schiffsverkehr, große Frachter, Windmühlenplattform- und Bohrplattformversorger preschen mit über 20 Knoten heran und befinden sich auf Kollisionskurs zu unserer Hexe. Einer nach dem anderen.

    Anschließend bekommen wir eine kurze Pause, bis es vor Zeebrugge schon wieder sehr wuselig wird. Und dann frischt auch der Wind wieder auf, die Motoren werden ausgestellt und wir segeln, nur mit Großsegel sind wir manchmal deutlich über 12 Knoten schnell. Gigantisch! Zum Abendessen gibt es heute Fajitas mit leckerem Rindfleisch, Gemüse und Saucen. Mit dem vielen Wind – zum Teil über 20 Knoten – sind die Schiffsbewegungen unruhiger und das Tischdecken oder Abspülen wird zu einer Art Seiltanz für mich.

    Unser heutiges Ziel ist Nieuwoort, Volker hat schon einen Platz im Hafen reserviert. Noch ein Schreck in der Einfahrt: Ausnahmsweise stehe ich am Ruder und hätte doch beinahe das Boot auf Grund gefahren. Ich hatte es schon in den Schlick gesetzt, kam aber nochmal raus, danach musste ich auch nicht mehr steuern. (Beim nächsten Mal muss ich wahrscheinlich die Bilgen putzen oder Rost klopfen!) 

    Unser reservierter Liegeplatz beim Segelverein von Nieuwpoort ist besetzt, was nun? Es ist eine stockdunkle Nacht und die Häfen sind auch nicht gerade üppig beleuchtet. Aber Volker steuert das Boot souverän durch die verwinkelten Hafengassen, bis wir bei dem Segelclub von der Luftwaffe, dem WSKLuM, einen Platz am Kopf eines Stegs finden. Um 23:15 sind die Leinen fest, es gibt wieder ein alkoholfreies Radler als Anlegerbier, dann geht es sofort ins Bett.

  • Noch im süßen Wasser

    Montag, 22. September 2025
    Hoorn 13:30 – 21:30 Ijmuiden, 37,5 sm
    Baro 1022, leicht bewölkt, Wind 10 – 20 Knoten, kühl

    „Auf nach Hoorn!“ hieß es vorgestern für uns. Um 8 Uhr stehen Ute, Wolfgang und Aljoscha vor unserem Haus, um uns abzuholen. Wolfgang hatte angeboten, uns mitzunehmen, weil er mit Familie sowieso nach Workum fahren will. Wolfgang und Aljoscha wollen morgens am Strand der Bucht von Workum kiten, und am Nachmittag werden sie ihr neu erworbenes Schmuckstück, ein zwölf Meter langes Plattbodenschiff namens „Swantje“ abholen. Wolfgang wusste, dass wir diesmal ohne eigenes Auto zum Boot kommen müssen, da wir ja den Hafen für unbestimmte Zeit verlassen werden. Für uns war das großartig und wir genossen die Fahrt im VW-Bus.

    Bei strömendem Regen verlassen wir die hessischen Gefilde, und kurz nach 13 Uhr, ohne nennenswerte Stau auf der Route, steigen wir auf dem Parkplatz vom WSV aus. Wir räumen kurz ein, dann gehe ich mit Maureen bei Lidl einkaufen, einen ganzen Einkaufswagen voll. Der Inhalt wird verstaut, Matthijs ist auch schon da, um das neue Großfall einzuziehen. 

    Dann kommen Leo und Doris Strempel vom Segelclub Saar, in dem Volker Mitglied ist, so ungefähr seit er laufen und in ein Boot steigen konnte. Die beiden machen Urlaub hier oben an der holländischen Küste und haben die Gelegenheit genutzt, einmal unseren Katamaran anzuschauen. Das hat uns natürlich sehr gefreut, auch wenn es nur ein kurzer Besuch war. Viele Freunde von dem SC Saar lesen auch fleißig unsere Blogs, dadurch sind sie immer auf dem Laufenden, wo wir uns gerade befinden.

    Am frühen Abend gönnen wir uns ein köstliches Abendessen im Clubrestaurant. Es war wieder wunderbarer. Man wird empfangen wie bei Freunden, der Service ist super freundlich. Mein Tunfisch war eine Sensation, Volker genoss sein Ribeye sehr, und die Creme brulée war eine Offenbarung, ganz ungewöhnlich begleitet von einem hinreißenden Mousse au Chocolat. Das Lokal ist wirklich ein Gewinn für den Hafen.

    Die Bösewichte

    Doch am heutigen Morgen:
    Um neun Uhr wollten wir ablegen, Segelfreund Matthijs wird uns begleiten bis irgendwo in Frankreich, pünktlich steht er, von Sabrina gebracht – vor dem Boot. Aber:
    Was für ein Schreck! Kurz davor sind – plötzlich und unerwartet – alle Heizungslüfter ausgegangen. Und sie lassen sich auch nicht mehr starten. Es wird der Fehler gesucht, in der Elektrik, an dem Motor, mit telefonischer Hilfe von Freunden, aber nix passiert. Matthijs findet einen Monteur aus Alkmaar, der auch verspricht, gleich loszufahren.

    Tatsächlich steht Kevin von Elektrostat eine Stunde später vor dem Boot, und er schafft es tatsächlich, dass nach relativ kurzer Zeit die Heizung wieder dreht und die Lüfter wieder die warme Luft ins Boot blasen. Der Temperatursensor war kaputt, der Brennereinsatz wurde ebenfalls ausgetauscht, Kevin hatte die richtigen Teile dabei. Wir sind glücklich, der Skipper auch wieder entspannt, und dann sind wir nicht mal fünf Stunden zu spät los gefahren und segelten bei schönstem achterlichem Wind Richtung Amsterdam.

    Um 17 Uhr sind wir an der Schellingwouder Brug, aber die öffnet während der Amsterdamer Rush Hour von 16 – 18 Uhr nicht für den Schiffsverkehr, also müssen wir warten, damit wir anschließend noch in die Schleuse fahren können, und dann endlich im Kanal nach Ijmuiden sein werden.

    Um 18 Uhr dreht die Brücke, wir fahren direkt in die Oranjesluis, direkt danach wird bei dem dahinter liegenden Bunkerschiff getankt. Nun werden wir wohl nicht bis 21 Uhr in Ijmuiden sein, um bei dem leckeren chinesischen Restaurant zu essen, also gibt es Hamburger an Bord, mit frisch gemachtem Kochkäse, auch lecker. 

    Während der ca. 15 Meilen langen Fahrt durch den Nordseekanal wird es langsam Abend, und als wir in die Zeesluis vor Ijmuiden fahren, ist es eine stockdunkle Nacht, wir sind nur einenTag nach Neumond. Das war spannend, denn obwohl die Schleuse 11 m breit ist, blieb an jeder Seite neben den Fendern nur wenig Platz. 

    Weiter geht es an den unbeleuchteten Bojen vorbei in die Seaport Marina, wo um 21:30 die Leinen fest sind. Es waren nur 35,7 sm mit zwei Schleusen, aber nun ist es auch genug, und nach einem alkoholfreien Radler fallen wir alle drei müde ins Bett. Morgen früh um sechs soll es weitergehen.

  • Lecker, lecker, lecker

    Bei unserem kurzen Trip nach Hoorn haben wir diesmal weniger auf dem Boot gekocht, wie wir das sonst meistens tun, sondern sind tatsächlich ziemlich oft ausgegangen. Dabei haben wir ganz verschiedene Restaurants besucht, von denen ich hier mal berichten will.

    Der Turm

    Als erstes waren wir mit Kees und Maureen im Turm, bei den „Hooftoren“, ein Restaurant am Hafen, das wir schon lange und gut kennen. Volker isst dort auch immer wieder das gleiche, Spareribs, von denen er sagt, sie seien noch besser als die von ihm gemachten. Ich bin da nicht ganz einverstanden, aber ich halte mich dort gerne an die Dinge aus der See. Es gibt erstklassige Miesmuscheln, einen ganzen Kochtopf voll, und auch der Fisch vom Tag ist immer sehr gut. Beim vorletzten Mal haben wir dort den ultimativen Nachtisch entdeckt: „Advocaat met Slagroom“, also lauwarmer Eierlikör mit Schlagsahne. Mmmmhmmm! (Das haben wir dann auch mal auf dem Boot nachgemacht, da schmeckt es ebenso gut.)

    Auch in dem Vereinsrestaurant kann man hervorragend essen. Freitag Abend bis Sonntag Mittag ist es geöffnet, ein professioneller Koch kocht, und viele Freiwillige aus dem Verein machen den Service, sehr professionell und liebenswürdig. Es gibt eine kleine feste Karte und immer ein wechselndes Fleisch- und Fischgericht. Alles wirklich lecker, es scheint auch bei den Passanten gut anzukommen. Hoffen wir mal, dass es so bleibt.

    Bei unserem Lieblings-Italiener sind wir auch einen Abend eingekehrt, und auch hier wurden wir nicht enttäuscht. Beim letzten Mal war Zoey mit uns dort, und sie bekam eine Kinderpizza, die so hübsch aussah, dass man sie fast nicht essen wollte. Diesmal hat Volker sich auch so eine Pizza bestellt, allerdings in der Erwachsenen-Größe, der Teig dort schmeckt einfach köstlich, und ich bekam meine favorisierte Melanzane Parmiggiana, Auberginen in Tomatensoße, „da da daaa, ich liebe es“!

    Das Ankertje, in dem wir  mit Matthijs und Sabrina an unserem letzten Abend in Holland gegessen haben, war geschmückt – wie immer, wir waren dort früher häufig mit den Kindern – mit Modellen von alten Schiffen. In dieser maritimen Atmosphäre aßen wir lecker klassisch holländisch zum Abschied, bevor wir am nächsten Tag für unseren kurzen Ausflug nach Deutschland aufbrachen.

    Die Krönung aber war unser Ausflug nach Alkmaar. So ein Restaurant haben wir beide noch nie erlebt! In dieser schönen holländischen Stadt haben wir Kees und Maureen in ihrer Wohnung besucht, und wollten dort auch zu Abend essen. Maureen hat darauf ein nettes Restaurant in Laufnähe vorgeschlagen, wunderbar. Wir gingen hinein, es war bereits gut besucht, aber wir bekamen noch einen Tisch für uns vier, obwohl wir nicht reserviert hatten. Ein sehr freundlicher Kellner fragte nach unseren Getränkewünschen und erklärte uns auch, wie das hier läuft. Also man scannt den QR-Code, bekommt dort die Speisekarte angezeigt, und bestellt über das Smartphone. Zunächst hatten wir es so verstanden, dass wir uns zwei Gerichte auswählen können und eine Beilage. Und alle Getränke seien inkludiert. Für 37 €. „Wieviel, 37 Euro????!!!“, fragt Volker entsetzt. Aber dann kommt die Erklärung: Nach 15 Minuten kann man wieder zwei Gerichte bestellen, Vorspeisen, Fisch, Vegetarisches, worauf auch immer man Lust hat. Und wiederholen, solange das Herz begehrt oder der Magen mitmacht. Das haben wir ausgiebig getan, zu viert haben wir wahrscheinlich einmal die gesamte Speisekarte auf dem Tisch gehabt. 

    Es stimmte, alles waren übersichtliche Portionen, unglaublich lecker und optisch wunderbar angerichtet. So hatte man danach Lust auf den nächsten Gang, nur so haben wir jeder zehn oder zwölf verschiedene Gerichte probieren können. Angefangen mit Suppen oder Sushi oder anderen Vorspeisen, über alle möglichen Varianten von Fisch- und Fleisch-Überraschungen, auch Mini-Portionen Spareribs, Aal und Rotbarsch waren dabei.  Laut Volker kam danach die Offenbarung in Gestalt von sehr unterschiedlichen und extrem leckeren Desserts. Also rundum jeden Cent wert!

    Immer bei Eva und Yanni dabei: Restaurant-Hündin „Daisy“

    In Darmstadt angekommen, gingen wir sozusagen „zuhause“ essen, nämlich mit Petra und Axel bei „Kassandra“, unserem Lieblings-Griechen-Freund, wo wir überschwänglich begrüßt wurden, von Yanni und Eva, den Besitzern und von vielen Freunden, die – wie wir – dort viele gemütliche und unvergessliche Abende verbracht haben. Und der Zander im Kartoffelteig schmeckt köstlich wie eh und je, auch das klassische Champignon-Schnitzel (ratet mal für wen) war unverändert lecker.

    Unsere kleine Tour als Restaurantverkoster hat sich gelohnt, so viele verschiedene Küchen, so viele Geschmäcker und so viel leckeres Essen. Glücklicherweise haben wir keine Waage an Bord.

  • Tour durch die schönsten Städtchen in Nordholland

    Früh, kurz nach sieben Uhr, werde ich am Sonntag Morgen wach. Volker ist schon am Lesen, und gleich geht es los, und wir heben den Anker, um Uli und Elke mit ihrem neuen Boot „Lil“ entgegen zu fahren. Sie sind laut Marine Traffic kurz vor Harlingen, noch eine gute Weile weg.

    Die Lil kommt in die Schleuse

    Wir wollen sowieso in die Nordsee, also ins Wattenmeer, um die neue Pumpe im Wassermacher auszuprobieren, das können wir nur im Salzwasser, sonst gehen die Membrane kaputt. Wir motoren also  zur Schleuse, und dank der frühen Uhrzeit ist auch noch fast nichts los, und wir können direkt einfahren. Nach der Schleuse übernehme ich das Ruder und Volker probiert sein Glück mit dem Watermaker, es dauert ein bisschen, aber dann springt er doch an. Nur leider wird nicht die gleiche Menge gefiltert wie sonst, nun müssen wir herausfinden, woran das liegt.

    Nach einer guten Stunde erblicken wir die Lil, und um zehn Uhr sind wir wieder an der Schleuse zurück ins IJsselmeer. Wir finden einen schönen Platz am langen Steg in Makkum, die Lil kommt neben uns, und wir genießen ein schönes Frühstück, es gibt ja schließlich so viel zu erzählen. 

    Während sich die beiden von ihrer Nachtfahrt ausruhen – sie sind gestern in Glückstadt gestartet – holt Volker das Windsurfbrett und das Segel raus, und – hallo – er hat es nicht verlernt, es geht von der ersten Minute an!

    In den nächsten Tagen wollen wir Uli und Elke unser Heimatrevier, das IJsselmeer zeigen, sie mit den entzückenden kleinen und größeren Städtchen bekannt machen. So machen wir am Nachmittag einen Rundgang durch Makkum, und genießen die Sonne.

    Die nächste Station auf unserer „touristischen Kreuzfahrt“ übers IJsselmeer ist Workum, am 14. Juli (französischer Nationalfeiertag) liegen wir nach einer kurzen Motorfahrt dort wieder an dem Meldesteg, die Lil bekommt eine Box zugewiesen. Und schon geht es los: Statt spätem Frühstück fahren wir alle vier mit dem Dinghy nach Hindelopen, und essen an der besten Fischbude von Nordholland (alternativ lockt die Eistheke). Nach einem Rundgang durch den pittoresken Ort geht es mit dem Dinghy zurück nach Workum, dann quasi ohne Pause erneut auf Tour:  Jan, der Hafenmeister, gibt uns vier Leihfahrräder und wir radeln nach Workum rein, die Sightseeing-Tour geht weiter. Natürlich halten wir bei meinem Lieblings-Käseladen und decken uns ein. Auch bei dem Bäcker müssen wir zuschlagen, mit Rosinenbrötchen und Anis-Zuckerbrot bestückt, radeln wir durch den Ort zur Marina zurück. Volker erklärt auf dem Weg auf die interessanten Orte, und auf Elkes Wunsch hin fahren wir auch noch zum Strand am Campingplatz.

    Es ist – natürlich – eine kleine Regatta, als wir am nächsten Morgen in Workum abgelegt haben. Wir waren zuerst los vom Steg, die Lil folgte ein bisschen später. Es ist ein Am-Wind-Kurs nach Medemblik, unserem Ziel. Volker schaut stets nach dem Abstand zwischen der Lil und uns. Zuerst ist er bass erstaunt, dass der Abstand gleich bleibt, über ganz lange Zeit. Dann plötzlich der Schreck: Uli kommt näher! Ich beruhige ihn: „Das war bestimmt nur ein Messfehler“! Tatsächlich liegt die Lil nach kurzer Zeit wieder im gleichen Abstand hinter uns wie gehabt, Volker kann entspannen und aufhören mit dem dauernden Zubbeln an den Schoten. Schließlich sind wir doch ein bisschen länger, und „Länge läuft“; auch so ein Seglerspruch.

    Um 12:20 wird gewendet und um 12:50 sind die Leinen fest, längsseits mitten in Medemblik. Auch hier folgt natürlich wieder ein Rundgang durch die Altstadt und am Strand zurück. Elke und ich bummeln noch ein bisschen durch die Einkaufsstraße, und am Abend treffen wir uns alle wieder auf der Hexe, Volker hat ein Drei-Gänge-Grill-Menü kreiert. 

  • Auf der Insel

    Mittwoch, 11. Juni 2025
    Ijmuiden 09:45 – 21:10 Vlieland, 68 sm
    Baro 1022, sonnig, Wölkchen, Wind zuerst 5 Knoten, die See unter 1 m

    Am Abend unserer Ankunft, vorgestern, standen Uwe und Sigrid von der Islay schon am Steg, um die Leinen anzunehmen, full Service! Obwohl es schon spät war, mussten wir dann noch ein paar Stunden das Wiedersehen feiern, und es gab ja so viel zu erzählen aus den acht Jahren, in denen wir uns nicht gesehen haben.

    Gestern hatten wir ein unerwartetes Treffen. Vor zehn Jahren sind wir hier vor Ijmuiden mit dem Segelboot von Petra rausgefahren, um die Asche von ihrem verstorbenen Mann und unserem liebsten Freund, ebenfalls Volker, dem Meer zu schenken. Seither kommt sie in Begleitung von Volkers Bruder mit Familie an Volkers Geburtstag, eben dem 10.6., nach Ijmuiden an den Strand. Diesmal konnten wir mitgehen, bei 30 Knoten Wind flog einem der Sand in den Mund, aber die Kiter hatten ihren Spaß. Natürlich haben wir anschließend auf der Hexe noch Kaffee getrunken, und ein paar Killepitsch waren auch dabei.

    Wir starten in Ijmuiden heute Morgen unter Motor und Großsegel, von 10:45 bis 11:15 darf die Genua mitziehen. An unserer rechten Seite sind endlose Sandstrände. Wir müssen aufpassen, einige Fischer, die Küstenwache, später auch mal ein mutiger Nacra-Katamaran, der wahrscheinlich für die Regatta „Texel rund“ am Wochenende üben wollte, sind nahe unserer Fahrlinie.

    Die Segel stehen

    15:15: Volker will gerade die Genua an Backbord ausrollen, da flutscht die Dirk – die Leine, die den Baum oben hält, wenn das Großsegel es nicht tut – aus der Klemme. Die muss da aber dringend wieder eingefädelt werden! Dazu hole ich Nadel und Faden,  eine Häkelnadel und Klebeband. Der Faden wird an das Ende der Leine angenäht, die Nadel an die Häkelnadel geklebt, und dann vorsichtig durch die Klemme gezogen. Das hat gut geklappt, der Baum kann wieder gesichert werden, wenn das Großsegel geborgen wird.

    Plötzlich segeln wir mit acht Knoten auf 323°, nur 20° zu weit nach Backbord, dem heutigen Etappenziel, Paal 8 vor Texel, entgegen. Wir fahren fast bis zum Verkehrstrennungsgebiet, wenden dann zurück Richtung Küste. Plötzlich ist der Wind weg, wir hängen in einer Flaute. Seitdem motoren wir, der Wind ist wieder da und kommt genau von vorne. Außerdem frischt er immer weiter auf, am Ende läuft auch noch Wind gegen Strom, da ist die See besonders ruppig. Wir haben seit 17 Uhr über 20 Knoten Wind aus NO.

    Das Etappenziel isst gestrichen, wir fahren doch durch bis Vlieland Hafen. Wir können zwar nicht in die Marina selbst, sagt der Hafenmeister, da hat er heute keinen Liegeplatz für uns, erst morgen. Aber in dem 1. Hafen an Steuerbord, den sie „derte Haven (?)“ nennen, soll es einen Steg geben, an dem wir auch nachts anlegen könnten, auf Kanal 21 wäre jemand, der uns den Platz anweist. Volker ist schon sehr nervös, dass wir dort einen ordentlichen Platz bekommen, denn an den Dalben im Gezeitenhafen können wir nicht liegen. Da wir noch im Hellen ankommen möchten, lassen wir das Kreuzen, und fahren mit – inzwischen gerefftem – Großsegel auf direktem Weg.

    Kurz nach neun sind wir angekommen, den Strom der Gezeit haben wir perfekt ausgenutzt. Volker findet schnell einen Liegeplatz an einem Plattbodenschiff, mit netten Leuten, die unsere Leinen annehmen. Nun sind wir auf „unserer“ Insel angekommen, morgen schauen wir mal, was sich alles geändert hat.

  • Das bunte Segel

    Montag, 9. Juni 2025
    Nieuwpoort 04:50 – Ijmuiden
    Baro 1023, diesig, 14°, Wind 7 kn SW

    Unser heutiger Gast ist Jan Welsch von dem Boot „Philae“. Ihn und seine Frau Ria haben wir in Puerto Calero kennengelernt, und sind seitdem in regelmäßigem Kontakt, egal wo wir uns befinden, WhatsApp macht’s möglich.

    Pünktlich um 04:35 klingelt unser Wecker, da ist die Crew in Person von Jan schon an Bord und wartet im Cockpit.  Zwanzig Minuten später sind die Leinen los und wir fahren zur Ausfahrt, setzen noch im Kanal das Großsegel, aber leider muss der Motor mit laufen, hier ist viel zu wenig Wind.

    Mit Sonnenaufgang ist der Wind aufgewacht, wir segeln noch mit Motor Unterstützung. An der Einfahrt nach Oostende ist richtig viel los, die Versorger für die Windparks fahren ein und aus auf der markierten Anfahrt, und sie haben dort Vorfahrt vor kreuzenden Yachten und Seglern. Wir sind alle drei mega aufmerksam, beobachten das CPA, den Closest Point of Approach. 

    Endlich sind wir frei davon, und fahren weiter zur nächsten Herausforderung bei der Kreuzung vor Zeebrugge. Zwischendurch können wir schon segeln, Volker hat den Gennaker raus geholt. Zunächst waren 15 Knoten Wind, und es ging richtig los, die Hexe flog mit über zehn, manchmal elf Knoten übers Meer. Vor Zeebrugge und dem Fahrwasser Richtung Antwerpen mussten wir wieder scharf aufpassen, welches der großen Schiffe unseren Weg kreuzt und wann, ob einer vor oder hinter uns durch geht. 

    Und nun kommt das nördliche Fahrwasser nach Antwerpen, auch hier kommen die dicken Pötte aus dem Verkehrstrennungsgebiet und kreuzen unseren Kurs. Naja besser gesagt, wir kreuzen deren Kurs, denn hier haben sie Vorfahrt.

    Das Gebiet um den Maasmond, die Mündung der Maas, ist gefürchtet wegen des Verkehrs, aber da hatten wir mal Glück und es war nicht soviel los. Man muss sich anmelden, wenn man mit einem Segelboot den Anfahrtsweg kreuzen will, das haben wir auch getan. Zu dem Zeitpunkt waren wir drei Segelyachten, die nah beieinander durchfahren konnten, die Kontrollstelle hat auch gut informiert, welche Frachter wie an uns vorbei kommen würden.

    Danach steht wieder der Gennaker, die letzten 25 Meilen nach Ijmuiden werden wir hoffentlich noch bei Tageslicht schaffen, auch wenn ab 20 Uhr der Gezeitenstrom gegen uns fließen wird.

    Gestern hatten wir einen Ruhetag in Nieuwpoort, haben spät gefrühstückt und sind dann mit Ria und Jan „ausgeflogen“. Zuerst waren wir in einem kleinen Bauernladen, die selber einiges, das sie verkaufen, produzieren, aber sie kaufen auch von umliegenden Höfen dazu. So gibt es eine große Auswahl an frischem Gemüse, extrem leckerem Käse, Wurst in Dosen, auch Speiseeis. Aber das beste waren die hier angebauten Erdbeeren, die wirklich wie solche schmecken müssen, süß und fruchtig. Die erste Schale war gestern schnell leer.

    Ria hat uns noch mitgenommen zu einem Fischereifest, aber – ehrlich gesagt – das war nix Besonderes, nichts, was uns alle vom Hocker gehauen hätte. Das Lustigste daran war unsere eigene Organisation. Ria und ich sind in der Nähe des Fischmarktes ausgestiegen, während die Männer sich auf Suche nach einem Parklatz machten. Das war aber leider gar nicht erfolgreich, daher fuhren sie zurück zum Hafen, haben das Auto abgestellt und sind mit dem Dinghy gekommen. 

    Ria und Jan sind dann zurück gelaufen, wir haben noch einen kleinen Ausflug in die hübsche Altstadt gemacht, anschließend sind wir mit dem Dinghy den Kanal weiter nach binnen gefahren, bis uns drei geschlossene Schleusen den Weg versperrten. Insgesamt ein schöner, interessanter und erholsamer Tag nach der langen Reise.

    Heute Abend werden wir in Ijmuiden in den Hafen gehen, Jan wieder zu Ria zurück bringen, und morgen machen wir uns auf den Weg nach Vlieland, unserer liebsten Waddenzee Insel.