Autor: Hexymama

  • Angekommen

    Freitag, 6. Juni 2025, im Ärmelkanal Tag 11
    Baro 1009, sonnig, kalt, Wind SW 15 – 20, später bis 25 Knoten, die See 1 – 3 m
    Etmal 156 sm, bis Samstag104, gesamt 1760, 11 Tage 15 Stunden, Schnitt 6,3 kn, um 01:35 sind wir an der Hafeneinfahrt von Nieuwpoort

    Um 08:15 Uhr muss der Schmetterling weg, das Platt-vorm-Laken Theater ist erst einmal beendet. Wir müssen uns ja außerhalb des Verkehrstrennungsgebietes bewegen oder es rechtwinklig kreuzen. Wir können also nicht immer den Idealkurs fahren, sondern müssen uns an die Regeln halten. Im AIS sehen wir auch die vielen großen Kähne, die dort wie auf einer Autobahn fahren.

    Seit 16 Uhr frischt der Wind immer weiter auf, es sind sicher 25 Knoten, in Böen auch mehr, die Hexe rockt schon wieder. Das bleibt so, und obwohl die Gezeit noch gegenan läuft, sehen wir manchmal hohe Bootsgeschwindigkeiten, 8-9 Knoten, zum Beispiel, wenn sie die Wellen runter surft.

    Als der Strom dreht, werden wir immer schneller, über 13 Knoten standen schon mal auf der Logge. Wir fahren konstant mehr als 8, meist über 10 Knoten schnell. Wellen und Gezeit führen zu enorm ruppigen Bewegungen. Um das auf den letzen Meilen zu vermeiden, möchte Volker den inneren Weg nach Nieuwpoort fahren, obwohl der ziemlich eng ist. Es sind noch 16 Seemeilen bis Nieuwpoort. 

    Als erstes fahren wir das betonnte Fahrwasser nach Calais, das ist aber auch das Fahrwasser für die großen Passagierschiffe und Fähren, die in und aus dem Hafen fahren. Nach Calais liegt noch Dunkerque auf unserem Weg, auch hier gibt es große Schiffe die uns entgegen kommen. Eines der Hauptprobleme ist, dass es hier entlang der Küste so viele verschiedene Lichter gibt, es ist also wirklich schwierig zu sehen, welches die nächste grüne Tonne ist, oder ein Gefahrenzeichen zu finden. 

    Nach Dunkerque geht das Fahrwasser noch eine Weile entlang der Küste weiter, bis wir an einer Sandbank namens Bank Hills vorbei sind, dann verlassen wir die Küste und damit den direkten Weg, weil hier zahlreiche Untiefen den Weg unpassierbar machen. Die Suche nach den richtigen Tonnen geht weiter, es gibt so viele Gefahrenzeichen, Nord, Süd, auch West und Ost, je nachdem wo die Untiefe lauert, oder Sperrgebiete im Weg liegen. 

    Um 01:35 haben wir die Strecke erfolgreich gemeistert, und fahren in die eine Seemeile lange Einfahrt nach Nieuwpoort rein. Auch diese Strecke ist eine Herausforderung, bis man das richtige Fahrwasser findet vor lauter blinkenden Bojen, und lauter Pfähle stehen unvermittelt im Weg herum. An der dritten grünen Boje biegen wir ab, richtig, dann noch zu einer roten, dann liegt rechts direkt der Steg mit unserem Liegeplatz, den der Hafenmeister uns schon vorher telefonisch zugewiesen hatte. Beim Anlanden haben wir erstmal eine Horde Möwen aufgeschreckt, die unter lautem Protest fortgeflogen sind. Leider hatten sie auch den Steg vorher bereits vollgeschissen, was Volker ziemlich aufregte. Daher hat er, nachdem alle Leinen fest waren, unseren Wasserschlauch geschnappt und den gröbsten Dreck weg gespritzt. 

    Um halb drei sind wir dann todmüde und gleichzeitig immer noch aufgedreht ins Bett gefallen, stolz auf die 1.760 Seemeilen und froh, dass sowohl wir als auch unser Boot das gut gemeistert haben. Und nach nicht einmal 30 Sekunden haben wir beide tief und fest geschlafen.

    Es war eine interessante Passage. Angefangen hatte es mit sehr viel Wind auf einem Amwindkurs mit hohen Wellen, eher ungemütlich, bis wir aus dem Umfeld von Madeira raus waren. Es folgten Tage, an denen wir mit dem Code Zero segeln konnten, auch nachts. Danach Tage mit Code Zero raus, einrollen, Genua raus, Motorfahrt, Code Zero setzen, einrollen, Genua ausrollen, Code Zero wieder raus, da capo… Nach acht Tagen entspannterem Segeln frischte der Wind auf, der Code Zero konnte endgültig schlafen gehen. Zum Schluss hielt uns das herausfordernde Segeln im englischen Kanal bei achterlichen wechselnden Winden, Wellen und Gezeitenstrom auf Trab. 

    Anfangs wollten wir ja nur nach Santa Maria auf den Azoren, dann änderte sich die Windvorhersage so, dass wir uns entschlossen haben, gleich bis zum Festland durchzusegeln. Vielleicht nur bis A Coruña, oder doch weiter bis Brest? Schließlich sind wir hier in Nieuwpoort gelandet, und somit fast am Ziel, um ein paar Tage auf Vlieland zu verbringen.

  • Es strömt

    Donnerstag, 5. Juni 2025, im Ärmelkanal, Tag 10
    Baro 1007, Wetter: englisch, bedeckt, regnerisch, kühl, Wind SSW um 4, die See 1,5 m
    Etmal nur 142 sm

    Die Nacht verlief viel ruhiger als die letzte. Für mich. Um 00:30 Uhr habe ich die Wache übernommen, und meinen gestrigen Blog zusammengestellt. Durch die südwestlichen Winde – wir fahren ja nach Nordost – war es kein schöner Winkel, den ich fahren musste. Zumal, weil nach der Hälfte der Zeit der Wind immer unsteter wurde, vor allem, was die Richtung betraf. Zum Teil konnte ich gar nicht so schnell reagieren, wie das wechselte, und das Boot halste mehrmals unbeabsichtigt. Als dann der vorher eher moderate bis flaue Wind plötzlich stärker wurde, und konstant von Steuerbord anstelle von Backbord kam, habe ich mich entschlossen, den Käpt’n zu wecken, zumal es mittlerweile 03:30 Uhr geworden war, und er eigentlich nur eine Stunde schlafen wollte. Aber erst beim dritten Weckversuch um 04:00 Uhr war es möglich, ihn aus dem Land der Träume in die Realität zu holen.

    Kelp am Hydrogenerator

    In der Wache hatte Volker. alle Hände voll zu tun. Wollte doch der Hydro-Generator plötzlich nicht mehr laden! Warum das? Volker begibt sich ans Backbord-Heck (Ich hoffe, nicht ohne vorher die Schwimmweste anzulegen und den Gurt einzupicken). Und – siehe da – es hängt eine Unmenge von Kraut an dem Schaft. Das verhindert nicht nur das Laden der Batterie, es macht zudem das Boot langsamer. Vielleicht hängt noch mehr davon am Ruder und am Skeg. 

    Als ich um 07:30 wieder die Wache übernehme, ist es bereits hell, aber grau grau grau. Also englisches Wetter! Der Kurs ist angenehmer, raumschots, nur die Gezeit, und vielleicht das Kraut unterm Boot, machen die Hexe langsamer.

    Der Übeltäter

    Volker hatte sich gerade zu einem kleinen Nickerchen hingelegt, da höre ich plötzlich ein kleines metallisches „Ping“ auf dem Kajütdach oberhalb des Kartentisches. Dort finde ich eine kleine Schraube, die irgendwo aus dem Segel heraus gefallen ist. Weil sie aber so klein ist, denke ich mir, kann es nicht ganz so schlimm sein, und lasse den Skipper schlafen. Tatsächlich war es eine Schraube von einer Lattentasche im Großsegel, die kann Volker wieder anschrauben. Klar, das bedeutet Action. Das Vorsegel wird eingeholt, das Boot in den Wind gedreht, das Großsegel ein Stück abgelassen, dann kann Volker die Schraube wieder rein drehen Nun muss die ganze Chose wieder zurück, doch vorher probieren wir noch etwas aus. Die Geschwindigkeit des Bootes passte so gar nicht zu dem Speed, den wir sonst gewöhnt sind, vielleicht haben wir doch Seegras am Ruder hängen. Wir fahren einmal mit Vollgas rückwärts, hoffen, dass jetzt alles weg ist.

    Leider hat der Wind wieder so gedreht, dass er genau von hinten kommt, wir fahren seit 16 Uhr im Schmetterling. Wir versuchen so schnell wie möglich voran zu kommen, denn um 20 Uhr kippt die Gezeitenströmung in der engen Durchfahrt zwischen Alderney und dem französischen Cap de La Hague, und würde mit mehr als drei Knoten gegen unsere Fahrt strömen, also wollen wir vor acht Uhr dort sein. 

    Inzwischen merken wir die Nächte mit den unterbrochenen Schlafzyklen, wir schlafen unter Tag immer wieder abwechselnd, und treffen uns vor allem zu Segelmannövern oder zum Essen.

    Der ewige Vorwindkurs nervt. Es ist viel anstrengenderes Steuern, weil man ständig auf der Hut sein muss, dass zum Einen die Genua nicht back steht, und man zum anderen aber auch keine Patenthalse fährt. Letzte Nacht sind dabei an dem Bullenstander, der das Großsegel in Lee fest hält, alle Gummis gerissen. 

    Und dieses Geschaukel! Wenn der Wind gegen die Strömung steht, und die Welle auch noch aus einer dritten Richtung kommt, ist es fast unmöglich, einen vernünftigen Kurs zu halten.  Und wir segeln dann so schrecklich langsam. Aber nach sechs Stungen kippt ja die Gezeit, und dann wird alles besser.

    Die richtige Segeljacke kommt wieder um Einsatz
  • Im Ärmelkanal angekommen

    Mittwoch, 4. Juni 2025, auf See Tag 9
    Baro 1014, bedeckt, dicke Wolkenfelder, Wind 3 Beaufort, die See 2-3 m
    Etmal 160, Gesamtmeilen bis 4. Juni 17:35 am Eingang vom Ärmelkanal: 1409 sm

    Die Nacht verlief eher unruhig. Wir hatten ausgemacht, dass wir uns ab jetzt im Zwei-Stunden-Rhythmus ablösen, und immer einer von uns richtig wach bleibt, keine zwanzigminütigen Schlafpausen mehr, denn jetzt kommen wir in die viel genutzten Schifffahrtswege. Die erste Wache ab 22 Uhr wollte ich übernehmen, aber nach 21 Uhr war der Wind so chaotisch, dass Volker noch nicht schlafen wollte. Also habe ich mich hingelegt, und Volker hat mich bis halb eins schlafen lassen. 

    Um halb zwei, Volker hatte gerade mal eine Stunde geschlafen, kam eine Böe mit über 20 Knoten zu uns, und wir fuhren noch unter voller Besegelung! Deswegen musste ich ihn leider wecken. Wir hatten gehofft, dass damit das Leichtwind-Theater vorbei wäre, aber Pustekuchen! Nach zehn Minuten schönster Fahrt flaute der Wind wieder ab und drehte zurück, sodass wir erneut mit achterlichem Wind fahren mussten.  Der aber wechselte dauernd in Richtung und Stärke, die Segel haben geschlagen, es war gruselig. Schlussendlich, um 02:00 haben wir alle Segel weg gepackt, und sind unter Motor weiter gefahren. Dabei war es mittlerweile 5 Uhr geworden, und am Horizont zeigte sich das erste Licht. 

    Jetzt, am Nachmittag, sind es noch 20 Seemeilen bis zum Raz de Sein, zwischen der Insel Ouessant und dem französischen Festland nahe Brest gelegen. Nach genauem Studium der Karte mit den Strömungen wird die Route geändert, wir fahren nördlich um Ouessant herum, die Strömung im Raz wäre noch zu stark gegenan, erst zwei Stunden später kippt die Gezeit.

    Der Leuchtturm vom Raz de Sein ist einer der am meisten fotografierten Leuchttürme, denn in der engen Durchfahrt herrschen starke Strömungen, wenn dann der Wind dagegen steht, entstehen die schönsten Wellen. Das Seezeichen steht auf einem Felsen im Meer, und die hohen Wellen schlagen dagegen, sodass die Gischt hoch spritzt.

    Um 17 Uhr ist mit eben dieser Insel Land in Sicht, das heißt, es ist eigentlich um 18 Uhr, denn nun hat sich die Uhrzeit umgestellt von der in Portugal herrschenden westeuropäischen Zeit WEZ auf die mitteleuropäische Zeitzone MEZ. Seitdem segeln wir auch wieder, im 2. Reff, damit das Segel nicht so schlackert, zwar fahren wir noch mit Motorunterstützung, aber immerhin sind wir damit wieder ein Segelboot und haben Vorrang vor den großen Frachtern, Tankern, etc. 

    Kollegen auf See

    Um 19 Uhr haben wir den Atlantik verlassen, und befinden uns nunmehr im English Channel. Naja, wirklich verlassen haben wir den Atlantik nicht denn der Ärmelkanal ist eigentlich ein Seitenarm des Atlantik. Er ist 560 km lang, an seiner engsten Stelle 34 km, die breiteste Stelle ist 240 km. Angrenzende Länder sind Großbritannien, Frankreich, sowie die Kanalinseln Guernsey und Jersey. Die Dover Strait zwischen Dover und Calais gehört zu den Schifffahrtswegen mit dem weltweit dichtesten Schiffsverkehr (circa 400–500 Schiffe pro Tag).

    Bei uns gab es um 20 Uhr Flammkuchen mit Speck, Lauch und Zwiebeln, seitdem segeln wir – „platt vorm Laken“ – daher im 2. Reff, damit das Segel nicht so schlägt, mit 5 – 7 Knoten Fahrt durch die Nacht.

    Nachtstimmung am Kartentisch
  • Wackelt Volkers Stuhl?

    Dienstag, 3. Juni 2025, auf See
    Baro 1014 (!), bedeckt, regnerisch, kühl, Wind WSW 15-20 kn, die See 2-3 m
    Etmal 167 sm

    In der Nacht ist das Tief durch gelaufen, das über Island wütet, wir waren gerüstet mit zwei Reffs im Großsegel, und vier in der Genua. Das haben wir noch vor der Nacht gemacht, so hatten wir keinen Stress in der Dunkelheit. Tatsächlich gab es in der Nacht Böen bis gut 30 Knoten, und wir kamen flott voran. Dank der moderaten Besegelung waren auch die Bootsbewegungen nicht unangenehm, trotz der hohem Wellen, die durchgegangen sind. Es war also alles viel entspannter, als ich befürchtet habe.

    Böen über Island

    Das Barometer ist von gestern auf heute Moren um 10 Striche gefallen, daran kann man deutlich sehen, dass das Tiefdruckgebiet über uns gekommen ist. Es ist auch jetzt noch viel Wind, um 20 Knoten, aber der Windeinfallswinkel hat sich gebessert und wir fahren mit 8-9 Knoten auf Ouessant zu, zum Eingang des English Channel. Nur die Wellen sorgen für unvorhersehbare Schiffsbewegungen, sie sind hoch, klar bei den Winden, plus die Dünung des Ozeans, insgesamt sicher bis drei Meter, es wackelt. Gut, dass wir beide nicht seekrank werden.

    Noch vor dem Eingang zum Kanal, bei dem erstenVerkehrstrennungsgebiet ist es mit den entspannten Nächten sowieso vorbei. An dem Bild von Marine Traffic kann man erkennen, was dort für ein Verkehr herrscht. Die Verkehrstrennungsgebiete müssen beachtet werden, ebenso die zahlreichen Sperrgebiete, z.B. Windkraftanlagen und Fischfarmen, und nebenbei gibt es auch einige Fischer, die ohne AIS arbeiten, damit ihre Jagdgründe geheim bleiben. Und dann gibt es noch eine Warnung vor Booten mit Flüchtlingen, die – natürlich – kein AIS bei sich haben, und versuchen, von Nordwest Frankreich nach Süd England überzusetzen.

    Aber noch sind wir auf hoher See, vertreiben uns die Zeit mit der Analyse von Wetterbeichten und der dazugehörigen Routenplanung. Wann setzen wir wieder den Code Zero, oder ist doch der Gennaker das Segel der Wahl? Oder frischt der Wind gleich wieder auf? Ab und zu hält einer von uns ein Nickerchen, Vorschlafen für die Nacht!

    Am Nachmittag hat sich eine ordentliche Welle aufgebaut, die Wogen rollen, bestimmt vier Meter hoch, von der Seite her an, heben das Boot an und dann kommt die Talfahrt, hui! Natürlich ist das mit den Bootsbewegungen eines Einrumpfers nicht zu vergleichen, aber es stellt doch schon hohe Anforderungen an mein Gleichgewichtsgefühl beim Gehen. Vor allem, wenn man irgendwelche Gegenstände in den Händen hat und sich nicht sofort abstützen kann. Inzwischen – es ist 21 Uhr – ist die Wellenhöhe deutlich zurück gegangen, das macht die Bewegungen an Bord viel leichter.

    Ich hatte mich am Nachmittag gerade zu einem kleinen Schläfchen hin gelegt, da höre ich erst ein kleines Peng, aber Volker sitzt am Kartentisch und sagt, es sei alles in Ordnung. Ich mache die Augen wieder zu, da ertönt ein richtig lauter Knall und Volker liegt auf dem Rücken am Boden. Was ist passiert? Am Kartentisch haben wir einen schwenkbaren Bürostuhl, dessen Schwenkarm an einer Säule befestigt ist, die wiederum sowohl an einer Metallplatte im Boden als auch an der Tischplatte fet gemacht ist. Nun hat aber offensichtlich an dem Metallstift, der in die Tischplatte ragt, die Schweißnaht nicht gehalten, und der Stuhl ist, samt Volker, einfach umgefallen.

    Ich bin ja nicht schadenfroh, aber all die Freunde, denen Volker die Geschichte per WhatsApp mitgeteilt hat, haben ihn damit geneckt, dass das ausgerechnet passiert ist, als er dort gesessen hat. Das ist vielleicht fünf Prozent der Zeit, normalerweise sitze dort immer ich. Und er hat doch so viel abgenommen, dass es an seinem Gewicht nun wirklich nicht gelegen haben kann. Da hatte ich wohl Glück gehabt, dass es nicht mir passiert ist.

    Was nun? Also, irgendeine Sitzgelegenheit brauchen wir da schon, ich sitze dort den halben Tag zum Navigieren, oder um Logbuch zu schreiben, oder irgendwelchen Bürokram zu erledigen, außerdem natürlich auch beim Essen. Jetzt steht dort unser kleiner faltbarer Strandstuhl. Weil der aber so niedrig ist, dass ich in die Tischkante beißen könnte, haben wir die Sitzfläche mit Polstern und Kissen erhöht, und nun geht es einigermaßen.

    Mit Polster und Kissen geht die Sitzhöhe halbwegs

    Beim Abendessen jedenfalls hat es geklappt, es gab Kotelett und Lende mit Kartoffelbrei und Karottengemüse.

    Diese Nacht wechseln wir uns richtig mit den Wachen ab, hier fahren in einer Stunde mehr Schiffe um uns herum als auf der ganzen Reise bisher.

    Dieser Tanker kam uns sehr nah, aber nachdem ich mit ihm gefunkt habe, hat er seinen Kurs geändert
  • Bericht von Tag 6

    Sonntag, 1. Juni 2025, Tag 6 auf See
    Baro 1025 , bedeckt, Wind N 20 kn , die See 1,5 m
    Etmal 11:00 164 sm

    In der Nacht musste der Motor laufen bis 06:30 Uhr, danach wurde der Windwinkel besser, wir können wieder segeln. Um 08:30 kommt Reff 1 ins Großsegel, wir haben scheinbaren Wind deutlich über 20 Knoten.

    Einen kleinen Eindruck von Bord:

    Die kleine Rauchschwalbe hat die Nacht leider nicht überlebt, dabei hatte sie sich auf unserem Cockpittisch in ein Handtuch verkrochen. Heute Morgen habe ich eine Möwe um uns herum fliegen sehen, und hatte schon die Befürchtung, dass auch sie als blinder Passagier mitfahren will, aber sie war offensichtlich auf der Jagd nach Essen. Ebenso wie die Herde Delfine, die kurz nach dem Reffen vorbei gekommen sind. Aber leider hatten sie keine Zeit zum Spielen, der Hunger war stärker.

    Nach dem Frühstück – wie immer um 11 Uhr, nach dem Ablesen des Etmals – kommen plötzlich Wolken von Luv, die bis zu 24 Knoten Wind mit sich bringen, das ist prinzipiell gut, weil die Geschwindigkeit deutlich nach oben steigt. Aber die konfusen höheren Wellen von der Seite machen das Leben nicht eben einfacher.

    Nachdem wir beide nacheinander einen kleinen Mittagsschlaf gemacht haben, wird um 15 Uhr wieder ausgerefft, der Wind hat etwas abgenommen. Es geht heute immer hin und her, so ganz stabil sind Windrichtung und -Stärke nicht.

    Bei einem Kontrollgang ums Boot herum entdeckt Volker ein gerissenes Gummi, das sorgt dafür, dass der Block, der die Schot der Leichtwindsegel umleitet, nicht herum schlackert und an die Bordwand schlägt. Das wird ausgetauscht und eine Inspektion des Motorraum wird ebenfalls durchgeführt.

    Zum Abendessen gibt es heute Spaghetti Bolognese, danach wird der um 20 Uhr aktualisierte Wetterbericht eingeholt. Für die Nacht sind um 11 Knoten Wind angesagt, Böen bis 17 kn. Der Wind kommt aus Nord, das bedeutet für uns, dass wir einen Amwindkurs fahren müssen.  Die Wellen sind zwischen anderthalb und zwei Meter hoch, ein bisschen konfus, aber das kennen wir ja schon. Morgen soll der Wind etwas abnehmen, und dann gegen Mitternacht erreicht uns wahrscheinlich die Flanke eines Tiefs mit Böen bis 30 Knoten.

    Warten wir es ab.

    Sonnenuntergang von drinnen
  • Bordroutine an Tag 4

    Freitag, 30. Mai 2025, Tag 4 auf See
    Baro 1022, leicht bewölkt, Wind West um 12 Knoten
    (Das ist immer der Stand am Morgen, wenn ich anfange Logbuch zu schreiben, und ändert sich im Laufe des Tages)
    Etmal um 11:00 Uhr 169 sm

    Mit dem Code Zero fahren wir durch die dritte Nacht, es gibt es mehr zu tun und folglich weniger Schlaf – vor allem für Volker – als bei Motorfahrt, zumal der Wind sowohl in Stärke wie in Richtung nicht ganz stabil ist. Das Meer ist ruhig, abgesehen von einer leichten Dünung bleibt die Windwelle gering. Kurz vor Sonnenaufgang löse ich Volker ab, damit er mal ohne Unterbrechung schlafen kann.

    Ein winziger Tintenfisch und ein hübscher fliegender Fisch haben leider in der Nacht den tödlichen Weg auf die Hexe gefunden. Fliegende Fische hatten wir schon öfter, hier gibt es diese wunderschönen Arten mit vier Flügeln. Aber wie die kleine Sepia den Höhenflug geschafft haben soll? Wir hatten schon öfter Sepien auf dem Deck, trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, wie sie den Sprung in die Höhe bewältigen.

    An Bord geht es entspannt weiter. Der Code Zero steht immer noch, nach 08:00 Uhr morgens hole ich den neuen Wetterbericht, danach diskutieren wir die möglichen Strategien, die uns die verschiedenen Modelle anbieten. Ich setze einen neuen Wegepunkt auf unsere Route, denn wir können wir leider nicht auf dem direkten Weg nach genau Ouessant fahren, dabei kämen wir entweder in Flautenzonen oder in Felder mit zuviel Wind oder Gegenwind.

    Die blauen Zonen gilt es zu vermeiden

    Es gibt Frühstück; wenn wir unterwegs sind, essen wir immer am Kartentisch, ich sitze auf dem Stuhl und Volker an der Ecke des Sofas, der Laptop muss weg, dafür kommt eine Tischdecke drauf, und dann wird gegessen. Abwechselnd holen wir ein bisschen Schlaf nach.

    So geht der Tag weiter, der Wind dreht am Nachmittag weiter nach vorne, wir bergen den Code Zero und setzen die Genua, dann nimmt der Wind immer weiter ab, seit 17 Uhr schiebt der Motor mit. Das bleibt so, bis ich nach dem Abendessen (Kürbissuppe, köstlich!) den aktuellen Wetterbericht hole. Viel Wind für diese Nacht verspricht der auch nicht, aber kurzfristig konnten wir wieder mit dem Code Zero fahren. Wir haben scheinbaren Wind mit 8 Knoten aus 50 Grad, und fahren immerhin zwischen fünf und sechs Knoten über Grund. Leider hält der Zauber nicht lange, um 22 Uhr motoren wir wieder, mal schauen, was die Nacht so bringt.

    Einen kleinen Spalt in den Wolke für einen schönen Sonnenuntergang
  • Nach Norden, Tag 2 und 3

    Volker hat ja gestern schon geschrieben, aber der Vollständigkeit halber stelle ich für den Tag 2 auch mein Logbuch in unseren Blog.

    Mittwoch, 28. Mai 2025, Tag 2 auf See
    Baro 1027, wolkig, Wind nachts bis 24, am Vormittag um 18 Knoten NNO
    Etmal 11:00 232 sm (!)

    Da lag ich doch um 00:30 in schönstem Tiefschlaf, als Volker  mich sehr eindringlich aufforderte, wach zu werden. „Um uns herum sind lauter Lichter, was soll das?“ Weder im AIS noch im Radar war davon etwas zu sehen. Klar, die Empfindlichkeit vom Radar hatte ich herunter gestellt wegen des Echos der zahlreichen hohen Wellen, sonst hätte keiner von uns hier ein Auge zugetan, wenn der Alarm dauernd gepiepst hätte. So aber piepste es nur manchmal ohne Grund. Aber die Lichter warfen offensichtlich nicht genug Echo ab. Es war gespenstisch! Wir standen oben am Steuerrad, und rings herum blinkte es. „Das ist ein treibendes Fischernetz“, sagte Volker, „aber wo ist der Fischer hin?“ Tatsächlich war im 100 Meilen Umkreis kein AIS-Signal sichtbar. „Wir müssen da jetzt durch, das ist kilometerlang!“ Mit angehaltenem Atem fahren wir weiter, und glücklicherweise ist nichts passiert, aber das war ein schöner Schreck.

    Der Rest der Nacht ist unspektakulär, mal ein bisschen ein-, dann wieder ein bisschen ausreffen. Am frühen Morgen entdeckt Volker bei einem Kontrollblick eine ganze Herde Delfine, sie spielen mit dem Boot.

    Bei uns herrscht die normale Bordroutine, Logbuch schreiben, dank Starlink können wir Wetterberichte abholen, denn mein Kontakt über die Kurzwelle zu Intermar hat heute morgen leider gar nicht funktioniert. Ich versuche mich daran, wegen der fehlenden Daten über wahren Wind und Kurs diese zu errechnen, aber die Seiten im Internet sind entweder zu lasch, oder hochkompliziert, zumindest für mich, da ich die höheren Weihen der Mathematik lieber gegen musikalische oder Bühnenwerke eingetauscht habe. Aber es ärgert mich doch ein bisschen, dass ich das nicht kapiere.

    Um 15:30 wird Reff 2 ausgeschüttet, auch die Genua hat nur noch ein Reff, die Wellen haben sich beruhigt und weisen nur noch eine Höhe von ca. 1,5 m auf.

    Zum Abendessen gibt es Wraps, sehr sehr lecker, nur relativ schwierig zu essen, selbst bei ruhiger Fahrt.

    Delfine

    Donnerstag, 29. Mai 2025, auf See
    Baro 1022, bewölkt, Wind N 6-8 Knoten, die See glatt
    Etmal 12:00 154 sm

    01:30 auch Reff 1 ist ausgeschüttet. Kurs 346 Grad
    02:37 Motoren an, der Wind ist weg

    Nachdem um 02:37 der Motoren angeschaltet war, verlief die Nacht ruhig, die Wellen sind komplett runtergegangen, und es wackelt fast nicht mehr. Das ist zwar ganz angenehm so für die Bewegung an Bord, aber wir sind ja nun ein Segelboot, und fahren unter Segeln auch deutlich schneller als mit dem Motor. Heute Abend soll der Wind auf Südwest drehen und sich langsam stabilisieren.

    Im Gegensatz zu meinem frustrierenden Lernerfolg gestern mit Sinus und Cosinus für die Berechnung des wahren Windes, habe ich heute ein Erfolgserlebnis gehabt. An einigen Stellen in der Seekarte war die Detail-Ansicht gar gruselig, bunt, mit Rasterpunkten und damit völlig unübersichtlich. Und das zeigte sich nur an manchen Stellen. Es hat mich ganz wuschig gemacht. Nach längeren Recherchen habe ich endlich herausgefunden, dass man es abstellen kann, es ist ein besonderes Feature, an manchen Stellen ist der Meeresgrund so gut kartographiert, dass man es darstellen kann. Aber, herrje, darauf will ich verzichten!

    Um 11:30 wird das Großsegel geborgen, der Kurs, der uns am schnellsten zum Wind führen soll, geht genau gegenan, da bringt das Segel nichts, und schlägt nur bei den kleinsten Abweichungen.

    Es dauert nicht lange, nach 15 Uhr ziehen Großsegel und Genua uns gen Norden, nach 16 Uhr kommt der Code Zero mal wieder an die frische Luft, der Windwinkel hat sich so geändert dass wir damit Kurs 360 Grad fahren können. Denn der Wind hat glücklicherweise doch wieder aufgefrischt, wir haben ca. 11 Knoten scheinbaren Wind aus 50 – 60 Grad, da ist diese Besegelung gerade richtig. Nach eingehendem Studium des neuen Wetterberichts werden wir das Leichtwindsegel auch – entgegen unserer Gewohnheit – nachts stehen lassen, damit wir ein bisschen voran kommen. Immerhin sind wir seit Lanzarote 10 Grad weiter im Norden gesegelt.

    Heute gab es Schnitzel mit Kartoffeln und Blumenkohl mit Hollandaise Sauce, nun geht es wieder in den Bords-Schlaf-Rhythmus. Bis morgen!

  • Mit neuem Draht auf zu anderen Küsten

    Dienstag, 27. Mai 2025
    Calheta 11:10
    Baro 1023, Sonne-Wolken-Mix, Wind im Süden um 9 Knoten, am westlichen Ende bis 35 Knoten, nach der Accelleration Zone um 20 Knoten, die See ca. 2,5 – 3 m
    Motorstunden links 1088, rechts 1093, Logge (sie geht wieder, Hurra!) 7095 nm

    Heute werden uns Wes und Roisin verlassen, sie müssen zurück nach Lanzarote, es gibt noch einiges an ihrem Katamaran „Time“ zu tun, bevor auch sie auf große Segelreisen starten können. 

    Als erstes wird der nahe gelegene Pingo Doce geplündert, mit dem gut gefüllten Einkaufswagen fahren wir bis vor das Boot. Der Tiefkühler ist jetzt proppevoll, da geht gar nichts mehr rein, der Kühlschrank ebenso, und draußen, in unserer Gemüse-Backskiste stapeln sich Kartoffeln, Zwiebeln, weiße Rüben, Blumenkohl, Lauch, Kürbis, Blumenkohl etc. sowie unempfindlicheren Obstsorten wie Äpfel, Birnen, Orangen und Zitronen.

    Die Hexe bekommt auch Proviant in Form von Diesel, und um 11:11 Uhr legen wir ab. 

    In Lee der Insel herrscht ein zarter achterlicher Wind, doch als wir an das westliche Kap kommen, sieht Volker schon die „weißen Pferdchen“, aber diesmal sind es eher große Rösser, die da aus dem Wasser steigen. Die Wellen haben dort sicher 3,5 m Höhe, und der Wind frischt auf, in Böen bis zu 35 Knoten. Volker hat vorsichtshalber das Großsegel nur bis Reff 2 hochgezogen, die Genua ist bei dem stärksten Wind in Reff 4, und die Hexe tanzt mit 9 Knoten auf den Wellen.

    Alles ist soweit gesichert an Bord, der Wassersprudler in Decken eingepackt, die Kaffeemaschine an einem sicheren Platz, alle Schranktüren und die Schubladen sind verriegelt. Nur, warum ich gestern noch die Glastüren im Cockpit geputzt habe, weiß ich auch nicht, da kam doch gleich  die Spray von so ein paar vorwitzigen Wellen herein, obwohl Volker schon vorausschauend das Cockpitzelt in Luv verschlossen hat.

    Frühstück gibt es unter diesen Umständen aus der Hand, das Ei konnte ich gerade noch vorher kochen, Kaffee gab es morgens schon mit Wes und Roisin. 

    !5:00 Uhr: Der Wind hat nachgelassen und bläst nur noch mit 15-19 Knoten aus NNO, die Genua wurde etwas ausgerefft und wir konnten ein bisschen anluven. Unser Wunschziel ist nämlich nicht mehr Santa Maria auf den Azoren, wir wollen versuchen, doch zum Englischen Kanal hochzukommen, solange der Wind noch halbwegs gut in die Richtung bläst. 

    Jetzt ist schon viel angenehmer als unmittelbar bei der Insel, aber die Hexe tanzt doch noch wild übers Meer. Am Ende habe ich dann so viele blaue Flecken, dass es aussieht, als habe mich ein Dilettant tätowiert. Der Wind bewegt sich immer zwischen 15 und 24 Knoten, die Genua wird zwei Umdrehung ein- und wieder ausgerefft, aber trotz der Wellen sind wir schnell unterwegs, auf der Logge stehen nach zehneinhalb Stunden 94 sm!

    Zum Abendessen gibt es heute Carbonara, das geht am einfachsten zu kochen für Volker auf diesem Rodeo-Kahn hier. Das Bett ist  bereitet, also der Tisch im Salon abgesenkt, mit Polstern gefüllt, hier werden wir mit Unterbrechungen die Nacht verbringen. Ab morgen Nachmittag soll es etwas ruhiger sein, wir werden sehen!

  • Wieder in Calheta

    Heute verlassen wir unseren schönen Ankerplatz an der Praia Formosa.Die schrecklichen Bässe der Musik vom ersten Abend waren glücklicherweise  um 23 Uhr vorbei, und seitdem war abends auch nichts mehr los an musikalischen Darbietungen in den Hotels des Ortes. Oder sie waren so leise, dass wir das nicht bis zu unserem Ankerplatz gehört haben.

    Der Ort Camara de Lobos ist wunderhübsch und schön dekoriert, mit einem kleinen Hafen für die lokalen Fischerboote. Und die Jungs des Ortes lieben es anscheinend, an der Einfahrt zum Hafen Fußball zu spielen oder auch fünf Meter ins tiefe Wasser zu springen. Der Fußball in unserem Boot hatte es einigen sehr angetan, Volker hat ihnen dann auch erlaubt, ihn zu nehmen und anschließend wieder ins Boot zu legen. Das hat – trotz einiger Bedenken des Skippers –  gut geklappt. Als wir zurück kamen, lag der Ball im Boot, aber es war auch ziemlich nass, weil die Jungs sich einen Spaß gemacht haben, immer wieder rein zu steigen.

    Wir waren derweil im Pingo Doce, dem portugiesischen Supermarkt, einkaufen, haben in einem der schönen Cafés am Hafen einen solchen getrunken, und dem Anfang eines Gottesdienstes in der kleinen, mehr als gut gefüllten Kirche (so mancher Pfarrer in Deutschland würde sich glücklich schätzen), von außen zuschauend beigewohnt. Die Kirchentür stand weit offen für alle.

    Nachdem wir am Donnerstag an diesem Ankerplatz angekommen waren, wurden wieder ein paar Punkte von der To-Do-Liste abgearbeitet. Ich habe endlich die neue Tasche für die Segellatten fertig genäht, mit mehreren Anläufen, aber jetzt passt es. Auch kleine Häubchen für die Weingläser habe ich genäht, damit wir bei dem nächsten ruppigen Törn nicht wieder einige zerdeppern. Volker hat derweil am, über und unter dem Boot geputzt, gewienert und poliert, und noch ein paar abgeplatzte Stellen mit Gelcoat ausgebessert, wir waren sehr fleißig!

    Jetzt sind wir in Calheta Marina warten wir auf Wes und Roisin, die  heute morgen mit ganz viel Werkzeug von Lanzarote nach Teneriffa geflogen sind, dort den neuen Draht für unser Martingal abgeholt, am Nachmittag das nächste Flugzeug nach Madeira bestiegen haben. Morgen soll das kaputte Teil ausgetauscht werden, wir berichten im nächsten „Hexenbrief“.

  • An der Ostspitze Madeiras

    Nun haben wir drei Tage in der ruhigen Bucht von São Lourenço verbracht, hier haben uns keine lauten Fischerboote morgens um halb sieben aus dem Schlaf geschmissen, nur der Wind hat in den letzten zwei Nächten gepfiffen. So still die Bucht anfänglich hier lag, ab Montag Abend kam der Wind und die Böen erreichten zeitweilig bis zu 24 Knoten. Aber der Anker hat brav gehalten, und heute Morgen dauerte es eine ganze Weile, bis wir – gegen den Wind – die 60 Meter Kette wieder eingeholt hatten.

    Am Sonntag hat Volker das Beiboot mal alleine eingefahren, es war ja nun schon lange nicht mehr aktiv gewesen. Um 17:30 Uhr war der Anker fest im Grund und Volker nutzte die Zeit bis zu Abend für einen kleinen Ausflug entlang der Küste. Vom Boot aus kann man die lange Menschenkette sehen, die ab dem frühen Morgen über den Bergrücken bis zu dem Miradouro do Furada läuft. Es gibt die moderate Variante, 4,3 km lang 225 m Höhendifferenz, die wohl in anderthalb Stunden angeblich zu bewältigen wäre. Die alternative Variante hingegen hat 1200 Höhenmeter und eine Länge von 11 km, geschätzte Gehzeit ca. 5 Stunden. 

    Am Montag stand ein größerer Ausflug auf dem Plan. Im Badeanzug, ausgerüstet mit Brille und Schnorchel fuhren wir los Richtung Leuchtturm „Farol da Ponta de São Lourenço“. Auf dem Weg gab es zahlreiche Höhlen zu bestaunen, und die beeindruckenden Felsformationen der steinigen Küste luden zum Fotografieren ein.

    Der Leuchtturm steht auf einer eigenen kleinen Insel, zugänglich – eigentlich gar nicht – aber es gibt Treppen aus einer kleinen Höhle heraus, hier wurden anscheinend früher die Leuchtturmwärter abgeliefert und abgeholt, bei den neueren Reparaturen wurden Hubschrauber eingesetzt. Mit diesem Turm erhielt Madeira 1870 sein erstes Leuchtfeuer. 1983 wurde der Leuchtturm automatisiert, und der Wärter überflüssig, und seit 2000 kommt der nötige Strom as Solarenergie.

    Nun gab es doch in der kleinen Höhle Stufen vom Wasser bis zu den Gebäuden oben, und Volker wäre ja nicht der, der er ist, wenn er da nicht unbedingt auch hinaufgehen würde. Der Ausstieg aus dem Gummiboot war nicht so einfach, die Stufen sind glitschig, und man kann ja nicht einfach da anlegen, sondern muss versuchen, das Beiboot so lange wie möglich in einer ufernahen, aber nicht daran reibenden Position zu halten. Aber der Ausstieg war geschafft, nun musste ich dort zwanzig Minuten Kreise fahren, bis Volker die vielen Stufen wieder hinunterkam, mit zahlreichen Fotos und Filmen auf dem Handy.

    Die Rundsicht vom Leuchtturm aus

    Auf dem Rückweg wollte er gerne auf der anderen Seite der Bucht in eine kleinere Höhle hinein schwimmen, weil er vermutet, dass sich nach links noch ein ansonsten nicht einschaubarer Höhlenteil fortsetzt. Also ankern wir kurz davor, er steigt mit Maske und Schnorchel bewaffnet aus, kehrt aber ganz schnell wieder um, weil es da unter ihm von Quallen nur so wimmelt. Und in der dunklen Höhle würde er die ja kaum sehen können. In der nahen Marina Quinta do Lorde schwammen so viele portugiesische Galeeren rum, da wird man doch gleich ein bisschen misstrauisch.

    Die Tage gingen doch schnell vorbei, Volker hat noch ein paar kleine Stellen am Gelcoat ausgebessert, ich habe genäht, und am Abend konnten wir dank Starlink einfach Filme schauen.

    Jetzt ankern wir vor Praia Formosa in der Nähe von Câmara de Lobos, der Wind, der heute Morgen an der Ostspitze Madeiras mehr als kräftig wehte, vist öllig verschwunden, und auch das Meer sieht aus wie ein Binnensee.