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  • Mustergültig

    Es ist nicht ganz so einfach mit dem Segeln an der Côte. Häufige Flauten wechseln sich mit noch häufigeren Flauten. Trotz Winterzeit ist es überwiegend schwachwindig, genau wie im November. Stetige und beständige Segelwinde, die durch Hoch- oder Tiefdruckgebiete enstehen, scheinen wohl eher die Ausnahme zu sein. Umso erfreulicher ist es, dass sich in den letzten drei Tagen so eine Art Tageswindmuster erkennen lässt. Wer morgens um acht Uhr den Kopf in den Nacken legt, und den Blick zur Mastspitze streifen lässt, wird eine langsam drehende Windanzeige sehen. Das Ende des sogenannten Landwindes naht, Zeit für die neu einsetzende Tagesthermik. Bis zur Mittagszeit tut sich nichts, garnichts, alles steht, hängt oder ist sonstwie bewegungslos. Kein Windhauch kräuselt die spiegelglatte Meeresoberfläche, nur erste Wolken über den vorderen küstennahen Bergketten lassen erahnen, dass da noch was drin ist mit dem Wind.  Ab so ca. 13 Uhr zeigen alle Windrichtungsanzeiger in die gleiche Richtung, es herrscht eine geordnete Einigkeit der Windmesseinrichtungen in luftiger Masthöhe.

    Und dann beginnt er zu wehen, der Motor, der unsere weißen Segel füllt und unser Schiff vorantreibt. Erst ganz sachte, kaum erahnbar, manchmal noch zu leicht, sodass das Boot mehr ein Spielball der alten Dünung ist und heftig rollt. Dann etwas stärker, sodass unsere Hexe schön voraus fährt, so wie gestern und heute. das macht echt Laune, es geht voran, es passiert etwas. Wenn dann das Ziel noch in der richtigen Richtung liegt, wie an den letzten beiden Segeltagen, steht einem schönen Segeltag nichts mehr im Weg. Gegen 18 Uhr erreicht die thermische Brise ihren Höhepunkt, um dann einer abendlichen Flaute zu weichen. Meistens jedenfalls.

    Passend zur italienischen Flagge
    Passend zur italienischen Flagge

    Nachdem wir gestern in Menton die Leinen losgeworfen und die Segel gesetzt hatten, war nach 15 Minuten die auf dem Wasser unsichtbare Grenze zu Italien übersegelt. Der Wind kam von hinten, der Spinnaker wurde aus dem Winterschlaf rausgeholt und kurze Zeit später stand das bauchige Vorwindsegel in den italienischen Farben grün, weiß, rot. Sehr zur Freude der Crew einer entgegenkommenden Yacht, die von soviel Lokalpatriotismus sehr angetan waren und uns zujubelten. Dabei hätten sicher auch die Ungarn viel Spaß an unserer Farbwahl. Wir wollten nur ein richtig buntes Segel, das auch an grauen Tagen ein wenig Farbe ins Spiel bringt, Länderfarben hin oder her.

    Das sieht böse aus…
    Das sieht böse aus…

    Nur ein tiefes Donnergrollen lies uns dann aus dem seglerischen Wunschkonzert aufschrecken. eigentlich war nichts zu sehen außer sehr dunklen Wolken über der hinteren Bergkette. War da ein Gewitter im Anmarsch oder eine Gefechtsübung weit entfernter Kreuzereinheiten? Kurz nach dem Anlegen löste sich das Rätsel auf, ein schweres Gewitter hatte sich in der Bergwelt zusammengebraut, Blitze zuckten am frühabendlichen Himmel nervös hin und her, schnell gefolgt von einem tiefen Donner.

    Weihnachtsbeleuchtung am Casino
    Weihnachtsbeleuchtung am Casino

    Nach dem abendlichen Grillen, es gab leckere Hähnchenschenkel und Tomaten mit Mozzarella, dazu gegrilltes Foccacia, ging es nochmals in die freitäglich schön belebte Stadt. Während in Nizza Prinz Carneval herrscht, in Menton das Zitronenfest mit Umzügen gefeiert wird, hängt hier noch in allen Gassen die Weihnachtsbeleuchtung. Andere Länder, andere Sitten 🙂

  • Da steppt die Luzie…

    Entspanntes Dahingleiten…
    Entspanntes Dahingleiten…

    Also, nachdem die Capitania in ihrem letzten Beitrag mir die Rolle zukommen hat lassen, über unser Katamaranprobesegeln zu berichten, will ich das jetzt mal machen.
    Es steht bei uns seit ein paar Jahren immer noch das Thema im Raum, ob wir zweirümpfig die Weiten der Weltmeere erkunden werden, oder einrümpfig wie bisher.
    Die ganze Geschichte, wie es bei der Bootsmesse in Cannes dazu gekommen ist, dass die Capitania sich mit dem Multihullvirus infiziert hat, wurde schon öfter mal erzählt. Seit dieser Zeit diskutieren wir immer wieder über dieses Thema. Nur soviel zum Thema „Segeleigenschaften“, genau wie bei den Einrümpfern gibt es auch bei den Katamaranen schnellere und agilere Schiffe und die langsameren, sogenannten Cruisingkatamarane. Wir haben über beide Schiffstypen ausgiebig „geforscht“, Segelerfahrungen gesammelt und viel Wissen angehäuft.

    Nico gefallen die Netze auch
    Nico gefallen die Netze auch

    Nachdem es bei einem Gespräch mit Allegra eigentlich nur um Wassersprudler ging, (das sind die kleinen Dinger, die mit Hilfe von Kartuschen Leitungswasser in kohlensäurehaltiges Mineralwasser verwandeln), kamen wir auf Umwegen mal wieder auf das Thema Katamaran zu sprechen. So mit dem Hintergrund, was man da alles draufpacken kann. Und da geht echt einiges, platzmäßig im direkten Vergleich zum Mono.
    Da ist er wieder ausgebrochen, der Zweirumpfvirus, der nicht nur Cornelia sondern auch mich zwischenzeitlich volll gepackt hat.

    Das war noch nicht alles!
    Das war noch nicht alles!

    Nur eins ist klar, wenn schon Katamaran, dann muss es einer sein, der schnell und sicher segelt, wenn es sein muss, sogar gegen den Wind, also keine lahme Ente. Dieser Markt ist dünn gesät,es gibt eigentlich nur zwei Hersteller in Europa, die in Serie flotte Katamarane mit guten Segeleigenschaften bauen. Für uns die einzige Option, da wir unser Glück nicht bei einer Kleinst- oder Individualwerft suchen wollen. Die Serienproduktion bietet den Vorteil ausgereifter Produkte mit einem relativ standardisierten Herstellungsverfahren, sowie fest kalkulierten Lieferfristen und Preisen. Beide Bootsbauer, Catana und Outremer, sind in Frankreich am Mittelmeer beheimatet und bauen seit 30 Jahren flotte Schiffe für weltweite Reisen.

    So schnell sieht das aus!
    So schnell sieht das aus!

    Eine Catana sind wir schon vor ein paar Jahren für eine Woche gesegelt, diesmal wollten wir die Sensation des Segelns mit einer Outremer erleben. Wind gab es an dem Tag reichlich, fast grenzwertig viel, das Werftteam stand parat und nach einem kurzen Kaffee ging es gleich früh morgens raus aufs Wasser. Wie gewohnt von unserer Hexe, habe ich das riesige Großsegel versucht direkt am Mast hochzuziehen, aber für die letzten der 27 Meter musste die Elektrowinsch ran.
    Dazu noch schnell und effizient die Selbstwendefock ausgerollt und ab ging die Luzie. Wir haben alle Kurse zum Wind abgesegelt und waren begeistert von der Performance und dem ganzen Handling des Kats. Ca. 45 Grad wahre Höhe zum Wind bei 10 Knoten Speed, Topschnelligkeit des Tages 14,8 Knoten und auch mit einem Reff im Großsegel segelt die Outremer wie auf Schienen. Wenden? Kein Problem! Das Beste dabei, alles läuft total entspannt ab, ohne Stress oder große Anstrengung, alle Leinen sind da, wo sie hingehören und natürlich, es ist ja ein Kat, das Ganze ohne Schräglage.
    IMG_8805Nach dem Segeln haben wir den ganzen Kat noch einmal von innen nach außen inspiziert. Alle sichtbaren Installationen sind sauber ausgeführt, die Bilge und unteren Stauräume mit Topcoatanstrich sauber versiegelt und alle erspähten Laminatarbeiten scheinen sehr solide ausgeführt.
    Auch drinnen ist die schnellsegelnde Outremer keine leere Höhle, sondern eine modern eingerichtete Schönheit mit ganz viel hübsch gestaltetem Wohnraum und Wohnwert. Ein rundum gelungenes Gesamtkonzept!

  • Und sie segelt doch!

    Die schneebedeckten Seealpen
    Die schneebedeckten Seealpen

    Tatsächlich, es geht noch! Bzw. sie segelt noch! Zwar zeigt die Logge nichts an, da scheinen sich Muschelchen angesiedelt zu haben, aber die Segel stehen und wir gleiten bei ganz zartem Wind Richtung Osten. Die Sonne scheint, und es ist so warm wie in der Nordsee an Ostern nicht oft.

    Im Hintergrund sieht man die schneebedeckten Gipfel der französischen Seealpen. Noch zwei Segel- und ein paar Motorboote sind mit uns auf dem Wasser. Schaumermal, wohin der Wind uns heute noch trägt!

    Menton im Abendsonnenschein
    Menton im Abendsonnenschein

    14:45 an der Pointe du colombier (die Landspitze der Taube) schwimmt ein totes Wildschein an uns vorbei, schrecklich! Es war schon ganz dick und aufgequollen, gut, dass wir das nicht gerammt haben, das hätte fürchterlich gestunken. Das arme Schwein!

    Der Wind frischt immer weiter auf, bis zu 18 Knoten, wir lassen das mit dem Spinnacker, und sind trotzdem schnell. Noch bei Sonnenschein machen wir die Leinen in Menton fest.

     

  • Zurück am Meer

    Der idyllische Landsitz
    Der idyllische Landsitz in der „Drôme“

    Am Sonntag haben wir auf dem Weg nach Montpellier einen Stop mit einem kleinen Umweg durch das Land eingelegt, um unsere Segelfreunde schon mal auf ihrem Landsitz in „la Drôme“ zu treffen. Das ist wunderschön dort, das riesige Grundstück liegt direkt an einem Fluss, die Obstbäume blühen schon und es ist unglaublich grün. Am späten Nachmittag fahren wir gemeinsam nach Montpellier, bewundern die mit Stuckdecken reichlich ausgestattete Altbauwohnung im historischen Zentrum der Stadt, und verbringen einen wunderschönen Abend zu viert.

    Am nächsten Morgen machen wir uns früh auf zum Probesegeln in La Grande Motte, davon wird der Skipper separat berichten. Nach einem langen Tag fahren wir abends zu unserer Hexe, schaffen es gerade noch, um kurz vor zehn in die Pizzeria, um, bevor die Küche schließt, zwei Pizzen zu ergattern und fallen todmüde ins Bett.

    Wellenbrecher
    Wellenbrecher
    Karwenzmänner 1
    Karwenzmänner 1
    bis Karwenzmänner 2
    bis Karwenzmänner 2

    Am Dienstag überrascht uns das Mittelmeer mit einer gewaltigen Dünung, schon am Morgen. als ich mit dem Hund gehe, wundere ich mich über den Lärm am Strand, der von den großen Wellen verursacht wird, die auf die unzähligen Kieselsteine treffen. Mittags laufen wir an der Strandpromenade entlang und staunen über die Karwenzmänner, die da ankommen. Allein die Möwen, die auf dem Wasser sitzen, zeigen sich davon unbeeindruckt. Gut, dass wir heute, bei dem fehlenden Wind, nicht hinausgefahren sind, das wäre ein reines Gewackel geworden, kein Wind, aber Wellen wie auf dem großen Meer.

    von weiß bis dunkelrot blühen die Alpenveilchen in der Marina
    von weiß bis dunkelrot blühen die Alpenveilchen
    Idyllischer Flusslauf
    Idyllischer Flusslauf

    Heute haben wir mit dem Auto einen Ausflug gemacht. Nach so langer Zeit am Land muss man sich wohl erst langsam an das Bootsleben gewöhnend Nur der Verkehr und die Umleitung in Nizza wegen des dort noch herrschenden Karnevals haben genervt, das wäre auf dem Seeweg nicht vorgekommen, da haben wir nur mal eine Stunde vor Nizza hin- und hergekreuzt, weil wir nicht in den Hafen einlaufen durften wegen der herannahenden Fähre.

    Wolkenverhangen präsentiert sich das Tal
    Wolkenverhangen präsentiert sich das Tal
    Wer kennt diesen Baum?
    Wer kennt diesen Baum?
    Kaktusfeigen
    Kaktusfeigen

    Wie auch immer es sei, wir sind mit dem Auto nach Eze gefahren, da kommt man mit dem Boot auch nicht hin, es liegt auf 470 m Höhe, in – heute – wolkenverhangenen Bergen. Warum auch immer, hier sind wieder die großen Parfümerien angesiedelt, vielleicht wegen der vielen Kräuter und Blumen? Eze ist eine kleine mittelalterliche Stadt, wo man – mal wieder – zahlreiche Steintreppen hoch- und wieder runterstiefeln kann. Mit der fehlenden Sonne war es kalt und feucht, und man fühlte sich schon ein bisschen ins finstere Mittelalter zurückversetzt.

    Ein Seitenaltar
    Ein Seitenaltar der sehr schönen Kirche
    Glaskunst…
    Glaskunst…
    Hippokunst…
    Hippokunst…

    Allein die übermächtigen Andenken- und Kunsthandwerksläden waren Zeugen, dass wir uns in der Gegenwart befanden. Die für die kleine Gemeinde relativ große Kirche ist außen neoklassizistisch, innen aber sehr schön mit den seitlichen Erkern, die verschiedenen Heiligen gewidmet sind.

    Nietzsches steiniger Weg zu Zarathustra
    Nietzsches steiniger Weg zu Zarathustra

    Der Weg zum Auto zurück war besonders steinig. Wir haben den Friedrich-Nietzsche-Pfad genommen, der Hund fand es gut, wir  mussten aufpassen, dass wir nicht auf den ganz unregelmäßigen Treppenstufen, die auch schon einigermaßen verwittert waren, ausrutschten und uns die Haxen brachen. Diesen Pfad ist Nietzsche häufig gewandelt (hoffentlich war der Weg damals ein bisschen besser in Schuss) und lobte dessen landschaftliche Schönheit. Hier hat er auch große Teile seines bedeutenden philosophischen Werks „Also sprach Zarathustra“ geschrieben, das vielen heute eher durch die Vertonung als symphonische Dichtung von Richard Strauss und seine Verwendung in zahlreichen Filmen bekannt ist, die erste und wichtigste in Stanley Kubrick’s „Odyssee im Weltraum“, aber auch „Werner Beinhart!“ oder „Scott and Huutsch“ oder bei den Simpsons.

    Auf dem Rückweg wollten wir lieber an der Côte entlangfahren, als die Autobahn zu nehmen, das war auch sehr schön bis Nizza, wo immer noch der Karneval tobt, die Jecken mit Masken herumlaufen, und die Straßen wegen Umzügen gesperrt werden. Vielleicht schauen wir uns das in den nächsten Tagen mal per Boot an, falls wir uns doch entschließen können, die Leinen loszumachen…

  • Das …

    Foto von Jürgen Wiesner in Frankfurt/Höchst
    Foto von Jürgen Wiesner in Frankfurt/Höchst

    … lassen wir jetzt hoffentlich hinter uns. Heute morgen um Punkt acht Uhr sind wir aus der Allee weggefahren, Kurs Süd. Wir wollen nach Montpellier, unsere französischen Segelfreunde Eric und Nany besuchen.

    Auf der Düsseldorfer Bootsmesse haben wir einen Probesegeltermin ausgemacht mit dem – unserer Meinung nach – schönsten und schnellsten Katamaran, einer Ourtemer 5X. Das werden wir morgen früh ausprobieren, bei vorhergesagten drei bis vier Windstärken wird das eine Wonne werden, gut, 20 Grad mehr Lufttemperatur gingen auch! Aber man kann ja nicht alles haben.

    Unsere Mission zuhause ist erst einmal abgeschlossen, und so werden wir, nach einer gefühlten Ewigkeit, auf unsere Hexe zurückkehren. Der Wetterbericht ist nicht unfreundlich, Höchsttemperaturen von 13 – 17 Grad locken in den nächsten zwei Wochen, o.k., nachts wird es noch kalt mit 3 – 5 Grad, aber wir haben ja eine Heizung. Und dann hoffentlich auch wieder was vom Segeln zu berichten.

  • Kunst, Kultur und Karneval

    IMG_1358Seit zwei Tagen haben wir lieben Besuch in unserem Haus. Unsere englischen (Segel-) Freunde sind für ein paar Tage angereist. Diesmal mit der Kombination aus Fähre und eigenem Auto. Täglich pendeln die P&O-Fähren zwischen Hull/ Ostengland und Rotterdam hin und her. Zwölf Stunden beträgt die Fährfahrzeit, es wird nachts gefahren, während die Passagiere in den Kabinen selig schlummern. So kommt man denn auch schön ausgeruht auf der großen Insel oder in Holland an. Die Ticketpreise inkl. Fahrzeug, zwei Personen und Kabine liegen bei rund 330 Euro, hin und zurück, je nach Buchungslage. Kein schlechter Preis und, gerade für Menschen mit latenter Flugangst, sicher eine gute Alternative. Und damit eine Seefahrt  so richtig lustig und schön ist, gibt es an Bord der Fähren verschiedene Restaurants, Bars und Pubs. Damit am Ende der Nacht keiner die Straßen mit Restalkohol unsicher macht, muss jeder Fahrer vor Fahrantritt ins Röhrchen blasen. So sind dann für alle die Straßen ein wenig sicherer, egal, ob sie auf der jeweils falschen oder jeweils richtigen Straßenseite fahren müssen.

    IMG_8724Und wenn man dann schon mal in so fröhlicher Runde für ein paar Tage zusammen ist, kommt, dazu passend, die Karnevalszeit genau recht.

    Nur, da war doch noch was? Ach ja, ein Tiefdruckgebiet, das den Karnevalsumzügen, zumindest einigen, kräftig den Garaus gemacht hat. Auch unser Plan ist so nicht nur ins Wasser gefallen, sondern buchstäblich vom Winde verweht worden. Irgendwie hatte wir es in den zurückliegen Jahren nie geschafft zum Mainzer Karneval aufzubrechen.

    IMG_8741Wir waren da immer ein paar Tage segeln. Meistens dick eingehüllt, ging es raus zu den friesischen Inseln. Da gab es keine Narren, höchstens Narrenschiffe, wenn man so will. Gefeiert wird Karneval nur in Südholland.

    Aber nun wollten wir die Gelegenheit und den Besuch unserer Freunde zum Anlass nehmen, uns ins närrische Treiben zu stürzen Das geht am besten im Epizentrum des Karnevals, in Mainz. Doch wegen des Sturmtiefs Ruzica haben wir schon in weiser Voraussicht umgeplant und den gestrigen Karnevalsumzug in Heppenheim angeschaut.

    IMG_8744Schön verkleidet, wie sich das gehört, mit ein paar „kleinen Feiglingen“ im Gepäck, zur Aufmunterung, hatten wir erst mal den sehenswerten historischen Innenstadtkern von Heppenheim erkundet. Ja, und dann kam er, der närrischen Zug, der sich langsam und mit viel Tamtam durch die engen Gassen schlängelt.

    IMG_8763Jeder hatte sichtlich seinen Spaß an dem Treiben, für Trevor und Kay war es die karnevalistische Taufe. Am Ende waren dieTaschen gut gefüllt mit gesammelten Süßigkeiten, Rosen für die Damen und Popcorn für die Herren. Doch irgendwann ist auch der längste Zug vorüber, die Capitania hat das Steuer in die Hand genommen und uns nach Hause kutschiert

    IMG_8775
    Heute gibt es zu späterer Stunde ein kleines kulturelles Highlight in Darmstadt. Im Staatstheater wird das Violinkonzert von Jean Sibelius dargeboten und wir werden das karnevalistische Kostüm gegen angemessen-festliche Kleidung eintauschen. Ein Hörgenuss auch für Klassikmuffel!

    Jetzt bleibt nur noch die Kunst offen. Zumindest, was die Kunst des Segelns angeht, gibt es Licht am Ende des dunklen segelfreien Tunnels. Wenn alles weiterhin gut geht, werden wir am nächsten Sonntag gen Süden aufbrechen. Über zweieinhalb Monate sitzen wir nun schon auf dem Trockenen, dementsprechend freuen wir uns schon sehr, wenn die segelfreie Zeit bald vorüber ist. Solange waren wir in den zurückliegenden Jahren noch nie ohne Boot. Der Mittelmeerwinter war, ähnlich dem hiesigen, bisher sehr mild, und wir hoffen daher sehr, dass wir einen superschönen Frühling erleben werden.

    bundesliga.de | Liveticker Bundesliga | 20. Spieltag 2016-02-08 18-34-02Zu guter Letzt noch eine gute Nachricht für alle Freunde der Darmstädter Lilien: Nach dem gestrigen 2:0-Sieg gegen den Tabellenletzten Hoffenheim, steht die Darmstädter Equipe auf dem 11. Tabellenplatz.

  • Aufwärtstrend?

    Toys for Boys - der Größte! (Motor)
    Toys for Boys – der Größte! (Motor)

    Das soll es nun wirklich sein, die Wende, der Aufbruch, der Aufwärtstrend? Gemeint ist die Stimmung in der Yachtbranche. Nach zum Teil massiven Abschwüngen und Auftragsrückgängen soll es jetzt wieder bergauf gehen. Das zumindest suggerieren zusammenfassend die Pressestimmen, im Nachgang zur „Boot 2016“.

    Unterlegt werden soll diese (Achtung, jetzt Ironie anstellen!) Tatsachen mit harten Zahlenfakten:
    Es gab ein Besucherplus gegenüber dem Vorjahr um ganze 2,8 Prozent. Dazu gibt es – wie alle Jahre wieder – einzelne positive Stimmen von den Branchengrößen, die ihr teures Standengagement einfach nicht schlecht reden können. Klar ist die „Boot“ die weltgrößte Wassersportmesse, aber gerade der Verkauf von Segelyachten ist in den letzten Jahren stark rückläufig und auch größere Werften fahren zum Teil Millionenverluste ein.

    Faltbare Carbon Gangway mit individuellem Aufdruck
    Faltbare Carbon Gangway mit individuellem Aufdruck

    Es gibt sicher Nischenanbieter, die sich über gute Absätze freuen können. Doch die guten Zeiten im konventionellen Yachtbau sind sicherlich unwiederbringlich vorbei. Das liegt auch am geänderten Freizeitverhalten der Segler selbst. Wer früher ein Schiff hatte, hatte in der Regel genau nur dieses Hobby. Es gab nichts anderes, jeder Urlaubstag wurde auf dem Boot verbracht, andere Freizeitbeschäftigungen waren tabu. Das ist nun anders. Diese Fixiertheit auf ein Hobby ist passé. Es lockt der Golfcourt, die Berggipfel, der Tennisplatz oder die komfortable Kreuzfahrt. Gesegelt wird, wenn es passt, und dazu wird einfach ein Boot gemietet. Keine lästigen Unterhaltsarbeiten, keine teuren Liegeplatzkosten fallen an, man ist nicht nur auf ein Revier fixiert und je nach Charterlocation gibt es noch eine Sonnengarantie mit Badespaß obendrauf.

    Seile, soweit das Auge reicht
    Seile, soweit das Auge reicht
    So ein schöner Falt-Propeller
    So ein schöner Falt-Propeller
    Viel Platz gibt es nicht in so einer Rettungsinsel
    Viel Platz gibt es nicht in so einer Rettungsinsel

    Anders sah die Messe sicher für die Zubehörbranche aus. Dort waren die Stände gut gefüllt. Egal, ob Yachtelektronik, Yachtausrüster, Segelmacher – wenn schon kein neues Schiff gekauft wird, so wird „die Alte“ doch gut gepflegt und modernisiert.

    Zimmer mt Aussicht
    Zimmer mt Aussicht

    Nur ein Zweig des Yachtbaus kann sich entgegen dem derzeitgen Trend über kräftige Umsatzzuwächse freuen – die Katamaranbauer. Darum war der die weltgrößte Katamaranwerft gleich mit zwei Modellen vor Ort vertreten, der bereits in den letzten 5 Jahren über 500 mal gebauten Lagoon 450 und der Weltpremiere Lagoon 42. Direkt am Nebenstand präsentierte die zweitgrößte Zweirumpfwerft Fotaine Pajot ihr neues, 40 Fuß großes Einstiegsmodell, die Lucia 40. Bezeichnend für den Erfolg dieses Einstiegsmodells steht die Zahl der sozusagen frisch vom Reißbrett verkauften Katamarane: 60! Keiner der Kunden hat das Schiff vorher wirklich gesehen oder überhaupt zur Probe gefahren. Und das bei einem Invest von über 300 Tausend Euro. Ein super Erfolg für Fountaine Pajot.

    geräumige Pantry mit Naviplatz links
    geräumige Pantry mit Naviplatz links
    sehr geräumiges Eigner-Bett in der Lagoon
    Schlafzimmer!
    schickes Bad
    schickes Bad

    Wir haben uns jedenfalls alle drei Katamarane auf der Messe angesehen und waren sehr angetan von der modernen und schönen Innenarchitektur.

    Und das haben wir heute in einem Großmarkt gesehen:

    Kaum sind die Weihnachtsmänner weg, da stehen die Osterhasis bereit!
    Kaum sind die Weihnachtsmänner weg, da stehen die Osterhasis bereit!

     

  • Alle Jahre wieder

    findet Ende Januar in Düsseldorf, zwar am Rhein, aber nicht am Meer, die weltgrößte Indoor-Bootsmesse statt, kurz „Die Boot“ genannt.

    IMG_0724Seit 1969 öffnet die Messe jährlich ihre Tore und zigtausend Wassersportbegeisterte stürmen täglich die Hallen. Über 1.700 Aussteller aus der ganzen Welt bieten auf über 220.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche alles erdenklich Mögliche aus dem Themenbereich „Wassersport“ an. Ein Austellungsschwerpunkt sind nach wie vor Segel- und Motoryachten. Vom kleinen Boot für den Binnensee bis hin zur 25 Meter großen Luxusyacht ist alles vertreten, was das Wassersportlerherz höher schlagen lässt. Aber längst nicht nur die Yachties kommen auf ihre Kosten, sondern auch die Liebhaber relativ neuer Trendsportarten wie Kitesurfen, Standup-Paddeling, oder Flyboarding. In einer der zahlreichen Ausstellungshallen gibt es sogar vieles direkt auszuprobieren. Ein überdimensional großes Becken ist mit Wasser gefüllt, Kajaks liegen ebenso bereit für jedermann wie Paddelboards, Surfbretter und kleine Segeljollen – Wassersport zum Anfassen und Mitmachen.

    IMG_0778Wir waren am Dienstag vor allem in den Hallen 15, 16 und 17 unterwegs und haben uns die neuesten Segelyachten angeschaut. Und dazu war an dem Tag so richtig schön Zeit, während an den Hauptbesuchstagen am Wochenende die Menschen dicht an dicht durch diese Hallen ziehen, war es gefühlt relativ leer. So hatten wir im Laufe des Tages (und das war früher nicht immer so), die Möglichkeit, selbst die ganz großen Segelschiffe zwischen 50 und 74 Fuß Länge anzuschauen.

    IMG_0766Aber nicht nur die Schiffe mit ihren riesigen Abmessungen haben uns beeindruckt, sondern auch die Art des Standbaus. Es gab Schiffe auf lila gefärbtem Kies, eine Segelyacht, die mit hunderten blumenähnlichen Lichtern angeleuchtet wurde, riesige Stände mit Bar, Sitzgruppen und Empfang.

    Was für ein Aufwand für ein paar Tage Messe. Ein Verkäufer erzählte uns im Vertrauen, dass für jede Segelyacht über 10 Meter mindestens 70.000 Euro Standgebühr fällig werden. Einige Nischenanbieter kleinerer Schiffe kommen da sicher günstiger weg, aber wir wissen aus eigener „Ausstellererfahrung“), dass es nicht immer ganz leicht ist, die entstandenen Kosten reinzuholen.

    IMG_0680Die Messe selbst, also die Veranstalter, geben sich jedoch sichtbar und hörbar reichlich Mühe, möglichst viele Besucher auf die Boot zu locken. Egal, ob hier in Darmstadt im Radio, in den Nachrichtenportalen und in den Printmedien wird für die Messe geworben. Klappern gehört halt nicht nur zum Handwerk. das Konzept geht seit vielen Jahren. Wir fahren morgen für eine zweite Besuchsrunde nochmal nach Düsseldorf. Diesmal sind die Zubehörhallen dran.

    IMG_0763Im letzten Jahr sind einige neue elektronische Gadgets auf den Markt gekommen, die wir uns gerne anschauen wollen. Raymarine stellt erstmals sein neues hochauflösendes „Quantum-Radar“ aus, eine Brandbekämpfungsfirma ihren neuen Feuerlöschball, den man nur noch ins Feuer werfen muss und der dann alles löschen soll und vielleicht gibt es ja noch ein paar dauerhaft wasserdichte Segelstiefel für mich. Die Capitania hat auch eine lange Liste, die sie abarbeiten will. In den letzten Wochen und Monaten ist das Interesse am Langwellenfunk, kurz SSB-Funk, bei ihr gewachsen.

    Also auf geht’s, kommt alle zur Boot und erlebt 360 Grad Wassersport, noch bis zum Sonntag 🙂
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  • Live von der Autobahn

    Winter Wonderland
    Winter Wonderland

    Heute Morgen haben wir uns früh aufgerappelt, noch im Dunkeln war ich mit dem Hund im Park spazieren, und jetzt sind wir wieder mal auf der A5, aber diesmal Richtung Norden. Je weiter wir kommen, desto tiefer sinkt das Thermometer. Nach dem Kirchheimer Dreieck, schon auf der A7, hat es rekordverdächtige -13 Grad erreicht. Dabei scheint die Sonne und verwandelt die nordhessische Landschaft in ein Winter Wonderland. Heute Abend soll es regnen, das kann man sich hier gar nicht vorstellen.

    Die Bucht von Arrecife
    Die Bucht von Arrecife

    Gestern Abend bekam ich eine Whats App von einer Freundin aus Lanzarote, sie schrieb: „Das wunderbar milde Wetter mit viel Sonne und ungewöhnlich wenig Wind verwöhnt an Leib und Seele.“ So unterschiedlich kann es in Europa sein…
    Wir mussten auf jeden Fall erstmal eine Tankstelle anlaufen, weil das Wischwasser in unserem Auto wohl zu verdünnt ist und auf der Windschutzscheibe gefriert.

    Vor 14 Monaten haben wir uns in Lagos verabschiedet, die drei Mädels der Familie standen mit Mutter Monika winkend am Steg. Jetzt fahren wir nach Nordfriesland, um sie dort zu besuchen, und auch Martina und Jens von der Maje zu treffen. Wir freuen uns wie Schneekönige darauf, und hoffen nur, dass das Wetter uns nicht noch e

    Eine kalte Wintersonne hinter kahlen Bäumen…
    Eine kalte Wintersonne hinter kahlen Bäumen…

    inen Strich durch die Rechnung macht.

    Volker, der am Steuer sitzt, meint, ich solle noch darauf hinweisen, dass morgen in Düsseldorf die „Boot“ eröffnet wird, vom 21. – 30. Januar wird dort in vielen Hallen sich alles um das Thema Wassersport drehen, von der Tauchausrüstung bis zu Superyacht ist dort alles zu finden. Also Sportsfreunde, auf nach Düsseldorf am Rhein!

  • Ein heikles Thema – Waffen an Bord

    © Kai Niemeyer / pixelio.de
    © Kai Niemeyer / pixelio.de

    Es werden nicht vieleThemen in der Langfahrtseglerszene so kontrovers diskutiert wie das Thema „Waffen an Bord“.

    Es gibt sie, die absoluten Befürworter, denen es wichtig ist, sich im Notfall mithilfe ihrer Schusswaffen gegenüber potenziellen Angreifern verteidigen zu können. Und da müssen wir mal ein bisschen den Bogen spannen und weiter ausholen. Es gibt Länder, wie die USA, wo es bekannterweise sehr leicht ist, eine Schusswaffe zu erstehen und wo es weiterhin unproblematisch ist, diese auf dem Schiff legal zu lagern. Die Schwierigkeit fängt an, wenn man die Landesgrenzen des schusswaffenfreundlichen Landes verlässt und ferne Lande bereist und dort einklarieren möchte. Eine Frage, die garantiert auf jedem Zollformular steht, oder die der – eventuell freundliche – Zollbeamte stellt, ist die nach Waffen an Bord. Damit ist jetzt nicht das scharfe Fleischmesser in der Besteckschublade gemeint.

    © Andrea Damm / pixelio.de
    © Andrea Damm / pixelio.de

    In den meisten Ländern dieser Erde ist die Einfuhr von Schusswaffen schlichtweg nicht oder nur unter verschärften Auflagen gestattet. D.h die Waffe muss häufig für die Dauer des Aufenthaltes abgegeben werden und wird erst beim Ausklarieren wieder ausgehändigt. Oder sie darf – wie in manchen Ländern üblich – in einem zugelassenen Waffenschrank an Bord lagern, der für die Bleibezeit versiegelt wird. Nicht deklarierte und von Behörden bei einer möglichen Durchsuchung gefundene Waffen ziehen zum Teil drakonische (Freiheits)-Strafen nach sich. Da die meisten Segler nach dem Einklarieren in der nächsten Bucht den Anker werfen, nützt ihnen die mitgebrachte und evtl. vorher bei der Behörde abgegebene Waffe auch nichts.

    © Dieter Schütz / pixelio.de
    © Dieter Schütz / pixelio.de

    Soweit zu den praktischen Überlegungen unter dem Seglervolk. Viel emotionaler und kontroverser wird es zwischen den Lagern der Befürworter und der Waffengegner, wenn es um den praktischen Gebrauch von Schusswaffen bei einem Überfall geht.

    Denn eigentlich kann, meiner Meinung nach, wenn überhaupt, nur der derjenige eine Waffe sinnvoll, benutzen der an ihr ausgebildet ist. Klar habe ich der Capitania auf dem Rummel schon mal mit dem Luftgewehr eine Rose geschossen, wenn auch Cornelias Bilanz am Schießstand deutlich besser war als meine :-). Das wars dann aber auch schon mit dem „Wissen“.

    © w.r.wagner  / pixelio.de
    © w.r.wagner / pixelio.de

    Wir gehen davon aus, dass jeder bewaffnete Angreifer besser im Umgang mit Schusswaffen, ist als wir es überhaupt sein können. Denn wenn es zum Schusswechsel kommt, muss der Segler schneller und treffsicherer zielen können als der Angreifer. Sonst hat er wohl echt ein Problem. Was noch nicht  heißt, dass Segler ohne Feuerwaffen hilflos ausgeliefert sind. Die Durchschlagskraft von Fallschirmsignalraketen, die aus nächster Nähe abgefeuert werden, steht dem von Waffenprojektilen in keinster Weise nach. Oder das anfangs beschriebene Messer aus der Schublade.

    © Julien Christ / pixelio.de
    © Julien Christ / pixelio.de

    Menschen mit Waffen an Bord müsen sich auch die Frage stellen, was sie tun, wenn fremdländisch wirkende Menschen mit friedlicher Absicht und offenem Fischerkahn auf die eigene Yacht zu tuckern. Zücke ich dann jedesmal erst die Waffe, lasse ich das Boot näherkommen, oder ballere ich lieber präventiv gleich mal los? Ein anderer Fall – wie fühlt sich ein mitsegelnder Gast, wenn, er weiß, dass Waffen an Bord mitgeführt werden?

    Die Überfälle auf Segler, auch in sicheren Gegenden, sind in den letzten Jahren leider nicht weniger geworden. Wer die Berichte zu den teilweise wirklich brutalen Übergriffen in den letzten Jahren liest, verfolgt und auswertet, wird letztendlich genau so klug sein wie zuvor. Es gibt Überfälle, bei denen passives Verhalten gegenüber den Agressoren das Mittel der Wahl war, genauso wie Berichte über in die Flucht geschlagene Kriminelle durch Schusswaffengebrauch. Deshalb wird dieses heikle Thema auch zukünftig die Gemüter von uns Seglern erhitzen und beschäftigen.

    © Silvia Koerner / pixelio.de
    © Silvia Koerner / pixelio.de

    Wir für uns haben ganz klar entschieden, keine Schusswaffen mitzuführen  Die Argumente dagegen wiegen unserer Meinung nach deutlich stärker als die vermeintlichen Vorteile.