Lektion gelernt!

Jetzt segeln wir ja nun schon seit ein paar Jahren zusammen und haben einige Seemeilen in unserem gemeinsamen Kielwasser. Für den heutigen Tag hatten wir einen 64 Seemeilen langen Schlag von Ouistreham nach Cherbourg geplant, vorher den Wetterbericht eingeholt, der versprach südwestliche Winde um 4-5 Beaufort im Laufe des Tages westdrehend. Soweit, sogut, um 6 Uhr haben wir abgelegt, dann die Seeschleuse von Ouistreham passiert und danach schnell die Segel gesetzt. Mit dem Wind von der Seite sind wir flott In Richutng Cherbourg unterwegs. Doch dann, kurz vor Barfleur, dreht der Wind auf die Nase und nimmt auf 6 Beaufort zu, also: Segelfläche verkleinern und mit ordentlich Schräglage pflügt unsere Hexe durchs Wasser. Der Wind nimmt dann unvermittelt weiter zu, die Zeit, um mit günstigem Strom das Kap zu passieren, wird immer kürzer und kurze Zeit später muss der Motor kräftig mitschieben. Unangenehme Wellen bauen sich auf, in die das Schiff laut scheppernd und zitternd immer wieder rein fällt. Unangenehm für uns, unsere Freunde und sicher auch nicht gut für unser schwimmendes Zuhause.
Drei Dinge sind aufeinander getroffen: Der Strom lief gegen den Wind und bremst die Wellen ab und macht sie dadurch sehr steil um das Kap herum, (Kapeffekt) und kam dadurch genau von vorne. Der Wind frischte unerwartet auf und bescherte uns dadurch ebenfalls höhere Wellen.
Also das war echt ein Krampf (Kampf) – aber nicht der Wetterberichtsersteller oder der Windgott ist für diese Misere verantwortlich gewesen. Nein, wir hätten einfach nicht losfahren sollen, schon garnicht, weil wir über ein gewisses Maß an Erfahrung verfügen. Wir hätten den Kapeffekt, die Situation Wind gegen Wellen, und dass Böen einfach stärker sein können, berücksichtigen sollen.
So, Lektion gelernt, Schwamm drüber, machen wir nie wieder! Also nix passiert, alles heil, nur das seglerische Selbstbewusstsein ist ein bisschen angekratzt.
inzwischen liegen wir gut und sicher vertäut in Cherbourg und beobachten die Wetterentwicklung.

Adieu, Paris

22. August, Donnerstag, Baro 1010, wolkig, Wind WNW um 4, später abflauend, aber sonnig
Honfleur – Ouistreham 21,3 sm
Die Ausfahrt aus der Seine unter Motor gestaltet sich etwas ruppig, nicht des Windes, sondern der Wellen wegen, aber danach segeln wir die 20 Meilen zunächst mit schönem Wind, dann lässt er wieder nach und wir müssen motoren. Das Wasser ist voller Seelinsen, die sich leider auch am Kiel verfangen, und unsere Fahrt bremsen, Volker fährt immer wieder mal rückwärts, um sie loszuwerden. Die letzten Meilen können wir wieder segeln, bei Sonnenschein und leichtem Wind fühlt sich das wie Urlaub an. Kurz vor Ouistreham sehen wir immer mehr Boote, Segler und Fischer, die zur Einfahrt hinstreben, klar, um 18:30 Uhr ist die erste Schleusenöffnung, da kommen alle nach Hause, die noch zu Abend essen wollen. Und dann wird diese riesige Schleuse auch richtig voll, mit all den Segelbooten und den kleinen Fischerbötchen aneinandergereiht, und zum Schluss kommt auch noch das dicke Fährboot rein, und scheucht die Boote zusammen, die da hinten zuviel Platz beanspruchen.
In der großen Marina finden wir einen schönen Platz, grillen und gehen rechtzeitig zu Bett, denn am nächsten Morgen soll es mit der ersten Schleusenöffnung um 06:30 Uhr weitergehen.