Fehleinschätzung

28. August, Baro 1013, leicht bewölkt, SW 4-5

Zum ersten Mal seit Tagen gibt es ein gesittetes Frühstück im Hafen (ansonsten haben wir immer direkt abgelegt, und ich habe Brote geschmiert, die dann mit ‘ner Tasse Kaffee aus der Hand gegessen wurden). Ablegen um 09:00, wieder die liebliche Mündung hinaus.

Nico ist es nicht ganz geheuer
Nico ist es nicht ganz geheuer

Auf See empfängt uns eine ruppige Welle, die manchmal das ganze Schiff erzittern lässt. Nico findet das auch nur bedingt gut, obwohl er in seinem neuen Körbchen relativ geschützt liegt

Heute morgen dachte ich über die Fehleinschätzungen nach, die ein Mensch so macht. Als wir in Darmstadt gepackt haben für den ersten großen Abschnitt, war es heiß und sommerlich, und wir hatten das Gefühl, wir fahren jetzt in einen endlosen Urlaub, also packt man auf jeden Fall Sommerkleidchen, Badeanzüge, einen schönen langen Rock für lauschige Abende. Natürlich auch warme Unterwäsche, für den Fall, dass mal ein kühler Segeltag dabei sein sollte. Und den Segelanzug mit Faserpelz und Regenhose und -jacke haben wir ja sowieso an Bord.

Die blaue Strumpfhose baumelt
Die blaue Strumpfhose baumelt

Dass wir aber seit Hoorn jeden Tag die Strumpfhose oder die lange Unterhose, und fast jeden Tag auch den Faserpelz und die warme Jacke anziehen müssen, damit haben wir nicht gerechnet. Also baumelt täglich irgendeine ausgewaschene Strumpfhose (ich habe zur Auswahl eine blaue, eine braune und eine schwarze) im Bad und wartet auf den nächsten Einsatz.

 

Aber ab jetzt, wir haben gerade gewendet und versuchen, unseren Idealkurs von 178 Grad (das ist fast genau nach Süden!) zu erreichen, ab jetzt wird alles wärmer. Und der Wetterbericht verspricht auch Besserung, und ab Sonntag oder Montag, sogar Ostwind, dann könnten wir uns an den Schlag pber die Biscaya wagen. Nur gerade kommt eine neue Front auf uns zu, das sieht wieder mal nach Regen aus, aber wir sind ja Böses gewöhnt…

Let's go south!
Let’s go south!

Die schönste Bucht der Bretagne

27. August, Mittwoch, Baro 1014, bedeckt, zuerst Nieselregen, SW 5-6
Roscoff – L’Aber Wrac’h 32 sm
Nach dem gestrigen Schock segeln wir heute trotzdem los, legen um 08:30 Uhr ab und überholen bis zum nächsten Hafen vier Segler auf einem Amwindkurs, reparieren uns AIS durch ausschalten. Volker segelt mit einem dicken Fäustling, in den der Finger mit Verband hineinpasst, er lässt uns auch nur bedingt helfen, nur, was so gar nicht geht, wie Segel zusammenlegen oder setzen, darf Detlef machen.
imageAls wir bei über 25 Knoten Wind in L’Aber Wrac’h festmachen, sind wir froh, dass wir uns nicht verleiten ließen, noch ein bisschen weiterzusegeln, weil der Wind bis zu 34 Knoten auffrischt und die sechs Fender, die wir zwischen Boot und Steg gebunden haben, immer mehr zusammendrückt.
Nach einem kleinen Mitagssnack machen wir uns auf den Weg, die Gegend zu erkunden, und wollen, was wir gerne an fremden Orten machen, einfach den Bus nehmen, und in die nächste oder übernächste Ortschaft fahren. Nachdem dieser erst mal eine Viertelstunde Verspätung hatte (wir sind ja in Frankreich und auf dem platten Land am Ende der Saison), durfte Nico nicht mit, also haben wir die Erkundung zu Fuß fortgesetzt, waren auf dem Semaphore mit einem ultragenialen Blick über die Bucht (foto folgt, wenn wir WLAN haben zum Hochladen) nd haben ein Bier im Cafė du Port genommen.