Zwischen den Jahren

Weihnachtsessen: Kalbskarree mit Herzogin- Kartoffeln

Die Weihnachtszeit liegt hinter uns, den Heiligabend verbrachten Cornelia und ich ganz ruhig zu zweit in unserem Haus, und am 25.12. feierten wir fröhlich in gewohnter familiärer Runde, wobei ganz klar unser geliebtes Enkelkind Zoey im Mittelpunkt stand. Was gibt es Schöneres, als an Weihnachten in leuchtende und staunende Kinderaugen zu blicken, ein intensives Erlebnis.

Seit gestern steht unsere Segelreise wieder im Fokus, ich habe Ersatz-, beziehungsweise Reserveteile für unseren betagten Außenbordmotor bestellt. Eine neue Opferanode, einen Dicht- und Reparatursatz für den Vergaser, sowie einen neuen Impeller. Damit kommen wir hoffentlich neben den bereits gelagerten Reservezündkerzen und dem Ersatzpropeller gut über die Runden im Pannenfall.

So ein kleines Gerät kann die Welt verbinden
© Courtesy PredictWind.com

Nachdem unser Satellitentelefon sich beharrlich weigert, irgendwelche Daten auf den Computer zu laden und ebenso die Batterie schon nach kurzem Gebrauch einknickt, hat Cornelia sich entschieden  ein neues IridiumGo-Satellitentelefon zu shoppen, damit können wir dann in gewohnter Weise mit unseren Mobiltelefonen über die Iridium-Satelliten telefonieren und auch Wetterdaten runterladen. Damit sind wir nicht mehr komplett von unserer Kurzwellenanlage abhängig und haben bezüglich der Wetterdaten eine Redundanz.

Auch die meisten Weihnachtsgeschenke werden ihren Weg aufs Boot finden. Gerade im Werkzeugbereich haben wir nochmals nachgelegt. Ich habe ein Oszilliergerät mit verschiedenen Spachteln bekommen, mit dem ich nun in Windeseile Silikondichtungen, beispielsweise bei leckenden Luken durchtrennen kann. Des weiteren ergänzt ein kleiner praktscher Dremel, den Geschenkesegen. Damit können wir dann kleine Haarrisse im Gelcoat selbst ausfräsen, um sie mit neuem Gelcoat wieder zu füllen.

Einen großen Teil des Tages sitzen wir an unseren Navionics-Seekarten, um unsere Weiterreise zu planen. Es hat sich da in den letzten Wochen eine fixe Idee in unseren Köpfen immer weiter manifestiert. Ich lasse jetzt mal die Katze aus dem Sack: Wir wollen gerne vom Atlantik in den Pazifik segeln. Dort dann erstmal zu den von Darwin entdeckten Glapagosinseln schippern, dann weiter zu den Marquesas. Ob wir von dort aus weiter in Richtung Südsee, beziehungsweise Australien segeln werden oder eher in Richtung Norden, nach Hawaii, steht noch in den Sternen. 

Das neue Jahr wird also in jedem Fall in seglerischer Hinsicht wieder spannend.

Und da dies der letzte Blogbeitrag für 2022 sein wird, wünschen wir allen unseren lieben Bloglesern einen guten Start ins neue Jahr, sowie Glück, Gesundheit und Zufriedenheit. 

Fröhliches neues Jahr!

Eiszeit

Über den Wolken

Super sanft setzt das Fahrwerk des Airbus A330 auf dem Boden von Paris auf, ein angenehmer 8-stündiger Flug geht zu Ende und eine Odyssee, quer über den Flugplatz Charles-Gaulle, zum Anschlussflug nach Frankfurt beginnt. Erst geht es mit der Magnetschwebebahn zu einem anderen Terminal, dann durch einen ewig dauernden Securitycheck, weiter zu nicht funktionierenden Automatiktüren beim Zoll und dann weiter mit dem Bus. Endlich kommen wir im Terminal G an, in dem auf den Anzeigedisplays nur noch kurz die Nachricht blinkt, dass der Check-In für unseren Weiterflug bereits geschlossen und das Boarding beendet ist. Pech gehabt, jetzt müssen wir fünf Stunden warten, es gibt Tragischeres. Kurz vor ein Uhr geht es mit dem Cityflieger nach Frankfurt, wir werden dankenswerter Weise von Larissa, Johannes und Hund Nana abgeholt, und mummeln uns, trotz Autoheizung, in die wärmsten Klamotten, die wir dabei haben. Nach insgesamt 16 Stunden Reisezeit sind wir zuhause angekommen, die Temperaturprognose für die nächsten 14 Tage ist schon ein krasser Kontrast zum karibischen Wohlfühlklima.

Ein paar Tage vorher sind wir noch auf dem karibischen Meer geschaukelt und mit einem sachten Wind nach Saint Bartholomé gesegelt. Dort haben wir in dem Hauptort Gustavia, vorschriftsmäßig einklariert und direkt wieder ausklariert, um kurz danach in der wunderbar ruhigen Bucht „Anse du Gouverneur“ den Anker auf sandigem Grund zu werfen. Am Strand kann man dort den Schildkrötennachwuchs beim Fressen bewundern und auch rund ums Boot taucht immer wieder mal ein Schildkrötenkopf aus den blauen Fluten auf.

Der folgende Tag bietet perfekte Segelbedingungen, und hoch am Wind, aber ohne atlantisches Wellengetöse, geht es zurück nach Sint Maarten. Kurz vor der Ankunft im holländischen Inselteil , beißt noch ein Yellow-Thunfisch an den nachgeschleppten Köder. Aber der Fisch war echt zu klein zum Verspeisen und so wird er wieder, vom Angelhaken befreit, in sein maritimes Reich entlassen. 

Wir warten eine halbe Stunde auf die Brückenöffnung und schon geht es im Konvoi mit anderen Booten in die relativ flache Insellagune. Kaum sind wir drinnen, versagen die Instrumente wieder, nur die elektronische Seekarte bleibt uns erhalten und mit der tasten  wir uns vorsichtig und mit kleiner Fahrt zur Blue Pearl Marina vor. Dort werden wir schon erwartet. Unsere Leinen werden vom Juniorchef persönlich angenommen. Der vereinbarte Liegeplatz ist jedoch noch belegt, der soll aber bald frei werden.

Das Beiboot droht fast zu sinken unter dem Gewicht des Großsegels

Die nächsten Tage arbeiten wir hart am Boot und endlich gelingt es uns, auch das Elektronikproblem zu lösen. Wir tauschen die ITC5 gegen eine neue Einheit und schon haben wir eine Sorge weniger. Die Logge, der Tiefenmesser, und das Windinstrument funktionieren wieder einwandfrei. Am vorletzten Tag schlage ich mit Matthijs das 140 Kilogramm schwere Großsegel ab. Was für eine Herausforderung, bis die 124 Quadratmeter Segelfläche, mehr oder minder aufgerollt, mithilfe der elektrischen Großfallwinsch ins Beiboot schweben, und wir sie dann zum Segelmacher  fahren können. Matthijs spleißt anschließend noch ein Auge in die neue Reffleine des ersten Reffs. Dann ist auch schon der letzte (Arbeits-)Tag an Bord vorbei und abends feiern wir ein bisschen im Laggonies, der Kultkneipe, mit Livemusik im holländischen Teil. 

Am nächsten Tag packen wir alles für den Heimflug, räumen auf, und reinigen das Boot innen von Grund auf. Dann fahren wir mit unserem Leihwagen zum Leihwagenverleih und werden vom Inhaber zum Flughafen kutschiert.

Improvisierter Adventskranz

Jetzt sitzen wir im kalten Deutschland, dennoch ist es sehr schön, nach so langer Zeit an Bord, die geliebte Familie und die Freunde wiederzusehen. Die Tage fliegen auch hier nur so dahin und Weihnachten steht ja schon vor der Tür, das wir in diesem Jahr bei unserer ältesten Tochter feiern werden. Auf dem Wunschzettel für Weihnachten stehen noch ein Fein-Multimaster sowie ein Dremel für kleinere Gelcoatreparaturen und Schleifarbeiten. Mal schauen, was das Christkind so im Gepäck hat.

Der Rückflug in die karibische Inselwelt ist für Anfang Januar geplant.

Das Wunder der Baie Orientale

Seit wir die Vereinigten Staaten verlassen haben, ging unsere Logge nicht mehr, das bedeutet, wir hatten keine Angaben zu unserer tatsächlichen Geschwindigkeit durchs Wasser. Dadurch kann unser Navigationssystem den wahren Wind nicht berechnen, wir mussten uns auf die Angaben zu dem scheinbaren Wind verlassen. Auf der Überfahrt sind wir damit zurecht gekommen, ob der Wind, der eh von vorne kommt, nun 50° wahr oder 30° scheinbar anzeigt, daran muss man sich nur gewöhnen, höher können wir nicht gegen den Wind segeln. Leider hatten wir dann keine Angaben zu den Tagesmeilen, sondern mussten die später anhand der von uns eingegebenen YellowBrick-Punkte, die im Internet unsere Route verfolgen lassen, zusammenzählen.

Sabrina und Matthijs – willkommen an Bord

Auf St. Martin war leider bei keinem Schiffsausrüster diese schon etwas ältere Version des Geschwindigkeitsmessers zu finden, aber letzten Freitag kamen unsere Freunde Matthijs und Sabrina aus Hoorn, und die hatten für uns so eine Logge erstanden und brachten sie im Gepäck mit. Am nächsten Tag sollte sie dann eingebaut werden.

Noch lacht die Capitania

Als Sabrina und ich dann im Supermarkt waren, um für die nächsten Tage einzukaufen, haben Matthijs und Volker die Logge eingebaut und an die Anschlüsse in dem Konverter ITC-5 angeschlossen. (Der ITC konvertiert Seatalk-Anschlüsse, die über Protokoll 0183 gehen, in NMEA 2000.) Als wir es jedoch ausprobierten, funktionierte gar nichts mehr, auch die Daten für scheinbaren Wind und Tiefe und Wassertemperatur waren verschwunden. Oh je, oh je!

Jetzt beginnt die Fehlersuche. Alle stromführenden Leitungen werden durchgemessen, alle Anschlüsse kontrolliert, die Logge noch einmal abgenommen und wieder angeschlossen, die alte Logge angeschlossen, nichts hilft. Es kommt kein Strom beim ITC-5 an.

Ich telefoniere mit unseren Boots-Reparatur-Beratern, Ralf und Bernhard, beide denken und denken, und geben Tipps, die wir ausführen, aber leider auch keine Besserung zeigen.

Blauer Himmel – blaues Meer in der Baie Orientale

Da wir so nun auch nicht weiter kommen, es ist Wochenende, segeln wir Sonntag in die schöne Oriental Baie, Sabrina und Matthijs gehen zum Riff zum Tauchen, und abends grillen wir gemütlich. Leider sind am Strand mehrere Disc Jockeys am Start, und die Bässe wummern zu uns herüber. Schon am Nachmittag geht es los, glücklicherweise hört die auditive Umweltverschmutzung pünktlich um 21 Uhr auf. Wir sind erleichtert, trinken ein letztes Glas Wein und einen Gute-Nacht-Tee, da dröhnen plötzlich um 22 Uhr die schlimmsten Bässe in die Bucht! Es war nur ein Ausrutscher, Volker wollte schon den Anker hoch holen.

Am nächsten Morgen, heute, Montag, telefoniere ich mit den möglichen Raymarine-Technikern auf der Insel. Ile Marine hat zwar einen Techniker, der kommt aber nicht aufs Boot. Sie geben mir die Nummer von einem Monteur, der das tut. Der aber geht nicht ans Telefon. Auf der holländischen Seite, also Sint Maarten, gibt es auch noch zwei mögliche Raymareine Service-Läden, den einen rufe ich direkt im Anschluss an, und ein freundlicher Mensch erklärt mir nach meiner Schilderung des Problems, dass wir bereits alles getan hätten, was auch er tun könnte, außer vielleicht ein neues Gerät auszuprobieren. Das hat er aber nicht. Und fairerweise sagt er noch, dass er 70 oder 90 $ kostet, wenn er zu uns kommt, und doch auch nicht helfen kann.

Ein bisschen frustriert telefoniere ich noch mit Ile Marine, ob sie einen ITC-5 da haben, und dass die mir den reservieren. Wir beschließen jetzt einfach, heute doch noch nach St. Barth zu fahren, dann waren wir wenigstens auch auf der letzten französischen Insel in der Karibik. 

Ein Platz an der Sonne

Nun kommt die große Überraschung: Ich mache die Navigation an, und auf den zweiten Blick sehe ich plötzlich, dass wir wieder eine Anzeige für den Apparent Wind haben! Und auch für die Tiefe und die Wassertemperatur, und als wir dann losfahren, sehen wir auch die Geschwindigkeit und den True Wind! Warum das so ist, wissen wir auch nicht, aber wir sind sehr froh, und fragen erstmal nicht weiter nach!