Kategorie: Leben an Bord

  • Glanzleistung

    Championsleague, Uefa-Cup, Bundesliga- Fußball total. Im Süden Frankreichs und doch mittendrin. Sky und andere Anbieter machen es möglich. Borussia Mönchengladbach gewinnt, Bayern liefert Glanzleistungen und deklassiert seine Gegner. Nahezu jedes Pub, jede urfranzösiche Brasserie überträgt die Top-Events des internationalen Fußballs. Nur die Bundesliga ist hier außen vor, ganz normal. Da sind wir auf die Mithilfe von Freunden und Familie angewiesen, um die Darmstadt-Tore mitzukriegen.

    So glänzt die Hexe
    So glänzt die Hexe

    Aber nicht nur die deutschen Teams glänzen mit ihrem  Spiel, auch unsere Hexe strahlt vom Bug zum Heck. Über sieben Stunden harte Arbeit haben ihr zu dem strahlendsten Weiß verholfen, das man sich vorstellen kann. Erstmal gab es eine gründliche Vorwäsche, die jeder Autowaschanlage zur Ehre gereicht hätte, und dann folgte stundenlange Handpolitur mit einem sanften Poliermittel. Wir haben danach die Spiegel im Bad entsorgt. Auch die böse Königin kann jetzt nur noch draußen, am glänzenden Aufbau, nach der Schönsten im Lande fragen.

    Handarbeiter…
    Poliererfinger
    Auf der Suche nach dem perfekten Stich
    Auf der Suche nach dem perfekten Stich
    Das schreit nach Nadel und Faden
    Das schreit nach Nadel und Faden

    Zwei Tage Antibes voll ausgenutzt: Zum Bummeln, Schauen und Polieren. Das alles bei strahlendstem Sonnenschein und nächtlichem Vollmond. Die alte Stadtmauer umringt buchstäblich das historische Zentrum und Teile des Hafens, die alte Markthalle ist wirklich mittendrin in dem ältesten Stadtteil, dabei sind alle Wege angenehm kurz. Ideal für Segler.

    IMG_8048Antibes ist, und das ist mehr als offensichtlich, Heimathafen von einigen hundert Motoryachten. Zwanzig Meter Bootslänge sind schon der untere Durchschnitt. Dementsprechend ist auch das Preisniveau. Ein Liegeplatz für eine 13 Meter Yacht, egal ob Segel oder Motor, kostet 13.000 Euro im Jahr. Da kommt dann Strom und Wasser noch obendrauf. Aber viele Plätze gibt es sowieso nicht als Mietplätze, die meisten sind Kaufplätze. Für die beliebte 20 Meter Motorbootklasse kostet so ein Platz 350.000 Euro für 10 Jahre. Das sind dann schon andere Preiskategorien, als es der Holland- oder Ostseesegler so gewohnt ist. Wer also möglichst viele Millionäre bewundern will, muss nur nach Antibes kommen, St. Tropez ist nichts dagegen.

    Das ist keine moderne Kunst, sondern Seife
    Das ist keine moderne Kunst, sondern Seife, in einem Laden in Antibes

    Seit heute liegen wir wieder auf unserem Liegeplatz in der Marina Baie des Anges, mit gratis Blick auf die treppenförmig angelegten Hochhäuser. Aber wir wollen nicht meckern, ein guter Windschutz und sicherer Liegeplatz ist alles.

  • Der große Friedhof der heutigen Schiffe…

    ganz arm
    ganz arm

    …liegt in Südfrankreich und um ganz präzise zu sein, dicht bei dem kleinen Ort Port St. Louis. Eigentlich assoziieren Segler oder geschichtskundige Menschen mit dem Friedhof der Schiff eher die berüchtigte Region um Kap Hoorn, also den südlichsten Zipfel Südamerikas, wo tatsächlich zahlreiche segelnde Handelsschiffe in den aufgewühlten Fluten des Pazifiks mit Mann und Maus untergegangen sind.

    L'aventure - das Abenteuer ist vorbei
    L’aventure – das Abenteuer ist vorbei

    Aber eines ist sicher, wer jemals in seinem Leben die Stellfläche für ausrangierte Segelschiffe (Trockenhafen) in Port St. Louis betreten und gesehen hat, wird den Anblick dieser ehemaligen Schönheiten der Meere nicht mehr los. Egal, ob große oder kleine Segelyachten, ob aus Aluminium, Kunststoff oder Stahl gebaut, sie alle warten dort auf ihr se(e)liges Ende. Teilweise zugemüllt, verdreckt oder verlottert, verbastelt, von der Witterung zerstört, stehen sie da, diese Objekte früherer Träume.

    Das war wohl mal eine "Utopie", jetzt steht sie auf rostigen Stützen und der Eigner soll sich beim Hafenmeister melden
    Das war wohl mal eine „Utopie“, jetzt steht sie auf rostigen Stützen und der Eigner soll sich beim Hafenmeister melden

    Es stellt sich sofort die Frage, wem diese Schiffe gehören, warum der Traum unter Segeln geplatzt ist, oder ob der Eigner das Interesse an seinem Schiff verloren hat, oder ob dieser krank geworden – oder gar gestorben ist? Fragen über Fragen, aber beim Anblick von soviel Schiffsmüll sinkt unser Stimmungsbarometer mal ganz schnell auf den Gefrierpunkt. Und nicht nur uns geht dieser traurige Anblick an die Nieren, auch Jens und Martina, die mit uns zusammen diesen Schrottplatz besichtigt haben, sind ziemlich geknickt.

    Die Markthallen
    Die Markthallen
    Fast wie in New York
    Fast wie in New York

    Wie es überhaupt zu unserem Besuch in Port St. Louis kam, ist eigentlich eine ganz andere Geschichte. Wir, Cornelia und ich, haben ein Auto gemietet, um die Umgebung hier ein wenig zu erkunden. Gestern hat es uns in die mittelalterliche Stadt Beziers verschlagen.

    Die Kathedrale von Beziers
    Die Kathedrale von Beziers
    Christo an der Kathedrale?
    Christo an der Kathedrale?

    Der Stadtkern mit Altstadt, Kathedrale, Festung, Brunnen und einer traumhaften Aussicht über das grün blühende Tal liegt auf einer Anhöhe. Die silber glänzende Wasserader des Canal du Midi windet sich an der unteren Stadtmauer entlang, verliert sich erst in weiter Ferne. Zudem gibt es an diesem sonnigen Samstag noch drei Hochzeiten, mit fröhlichen frisch getrauten Eheleuten und umherstehenden Gästen. Wir haben viel Spaß an allem.

    Der Knöterich blüht an der alten Festungsmauer
    Der Knöterich blüht an der alten Festungsmauer
    Der großartige Blick vom Hügel dieser mittelalterlichen Stadt hat bestimmt bei der Verteidigung geholfen
    Der großartige Blick vom Hügel dieser mittelalterlichen Stadt hat bestimmt bei der Verteidigung geholfen

    Bereits einen Tag früher saßen wir bei einem Gläschen und dachten darüber nach, Martina und Jens von der „Maje“ einen „letzten“  Besuch abzustatten. Die beiden verlassen mit ihrem Schiff das Mittelmeer und warten in Port Napoleon auf den bestellten Tieflader, der ihr Boot und sie selbst in den nächsten Tagen nach Holland transportieren wird.

    Zur Besuchsplanung haben wir dann kurzerhand das nautische Navigationsprogramm statt der Straßenkarten herangezogen und den Weg dorthin abgesteckt. Leider hat sich dann später herausgestellt, dass die Strecke über die Straße, wegen der Umfahrung der riesigen Bucht mit ihrer Lagune doppelt so lang ist, wie der direkte Weg mit dem Schiff.

    Trotzdem sind wir heute frohgelaunt und guten Mutes mit unserem kleinen Franzosen (Renault Clio) aufgebrochen uund waren 180 Kilometer bzw. zwei Stunden später in Port Napoléon. Dort angekommen haben wir alle Neuigkeiten der letzten Tage ausgetauscht und wurden noch alle zum Kaffee auf ein sehr schönes luxemburgisches Boot eingeladen. (Danke dafür an die  stolzen Eigner). Danach sind wir zu viert plus Nico zu einem Ausflug aufgebrochen, der uns geradewegs zu dem oben beschriebenen Schiffsfriedhof geführt hat.

    Wir haben viele Photos von den besuchten Orten gemacht, davon die Besten ausgesucht und wünschen viel Freude (oder Horrorkribbeln?) beim Anschauen.

    ein Eimer Farbe genügt nicht…
    ein Eimer Farbe genügt nicht…
    fantasievolle Bemalung
    fantasievolle Bemalung
    Teile eines Monster-Trimarans, der wohl nie fertig werden wird
    Teile eines Monster-Trimarans, der wohl nie fertig werden wird
    rostige alte Ölfässer als Unterlage für einen Mast
    rostige alte Ölfässer als Unterlage für einen Mast
    Da hat einer am Heck schon Vogelhäuschen angebaut
    Da hat einer am Heck schon Vogelhäuschen angebaut
    Manche wohnen auch auf diesem Schrottplatz
    Manche wohnen auch auf diesem Schrottplatz
    Die hat auch schon bessere Zeiten gesehen
    Die hat auch schon bessere Zeiten gesehen
    Das war wohl mal eine "Utopie", jetzt steht sie auf rostigen Stützen und der Eigner soll sich beim Hafenmeister melden
    Das war wohl mal eine „Utopie“, jetzt steht sie auf rostigen Stützen und der Eigner soll sich beim Hafenmeister melden
    Auch dieser  Schmetterling fliegt nicht mehr
    Auch dieser Schmetterling fliegt nicht mehr
    Traum in braun?
    Traum in braun?
  • Deftiges aus der Hexenküche

    Bevor wir uns in unsere Küche begeben, wollen wir Euch gerne mitteilen, dass wir ab Samstag wieder im Lande seine werden – besser gesagt in Deutschland(e).
    Die Enterprise Autovermietung hat uns einen super Tarif gemacht und so werden wir für die nächsten 14 Tage stolze Besitzer eines Fahrzeuges in Opel-Corsa-Format sein. Alle Kilometer sind in dem günstigen Mietpreis inbegrifffen und so stehen nur noch über 2100 Kilometer zwischen uns und Euch. Aber als echte Vielfahrer und Meilenfresser sollte das kein allzu großes Problem für uns darstellen. Also stellt schon mal das Bier kalt!

    So, jetzt geht es mal zur Abwechslung fast ohne Umweg in unsere Bordküche, bzw. die Hexenküche. Dieser kleine Umweg sei uns gestattet und wird Euch hoffentlich gefallen. Wirhaben vor zeei Tagen ein nettes junges Paar kennengelernt (Ende 20), die mit ihrem Segelschiff für ein Jahr die sog. nordatlantische Route besegeln wollen. also von hier aus zu den Kanaren, dann zu den Kapverden, von dort in die Karibik. Der Rückweg erfolgt dann über die Azoren und in einem Jahr werden beide wieder brav und anständig ihren Beruf weiter verfolgen. Er ist jetzt beurlaubt und sie hat ein Arrangement mit ihrer Agenturpartnerin getroffen. Die darf dann danach weg. Respekt vor soviel Organisationstalent und Mut. Und genau diese zwei kamen gestern abend an Bord zum Abendessen.

    Jetzt aber ab in die Küche. Gestern war es hier zwar noch sommerlich warm, aber trotzdem stand uns der Sinn nach Deftigem und nicht nach Tapas, Meeresfrüchten oder Fisch. Etwas Herbstlich-Herzhaftes musste her. Und so gab es einen Kartoffel-Karottenbrei mit ordentlich Butter dran, Wirsinggemüse mit reichlich Speckstückchen und deutsche Bratwurst (danke Detlef und Ingrid) – lecker das Ganze und damit auch alles gut endete, folgte hinterher der deutsche Jägermeister.
    Wir haben es uns richtig gut gehen lassen, während draußen der Regen auf das Schiff trommelte. Schönes Gefühl, für uns, aber auch für unsere Gäste.

    Zum Schluss haben wir uns dann noch eine Frage gestellt und keine richtige Antwort gefunden. Hätten wir beide an Land so schnell mit zwei deutlich jüngeren Menschen zwei so schöne Abende verbracht (den Abend davor saßen wir nämlich bei ihnen auf der „Meise“, eine Konbination aus Meike und Stefan), oder ist es so, weil wir die gleichen Interessen, sprich Segeln und Reisen, haben?

    Egal, lassen wir diese Antwort mal offen. Wir sehen uns auf jeden Fall bald in der Allee.