Kategorie: Leben an Bord

  • Krabbelt da was?

    Eine gewisse Ruhe ist wieder im Hafen eingekehrt. Das Geschaukel der Boote in den letzten Tagen hat nicht nur an den Leinen, sondern auch an unseren Nerven gezerrt. Jetzt ist der Schwell aus dem Süden verschwunden, der Wind hat sich gelegt Frieden im Schiff und im Hafen. Nur über eine Sache sind wir seit gestern mehr als beunruhigt und hoffen inständig, dass es nur ein bedeutungsloses Kleintier war, das ich gesehen habe.

    Die Kanaren sind leider unter Fahrtenseglern dafür bekannt, dass sie die Heimat der gefürchteten Küchenschaben oder auf spanisch Cucarachas sind. In jeder Pappverpackung oder in Salat und Obst können Eier oder Larven der Plagen hängen, und unentdeckt mit den Einkäufen an Bord gelangen.

    La Cucaracha gibt es auch als Lied…

    Jedenfalls, gestern Nacht, in den frühen Morgenstunden, krabbelt ein kleines rötliches Krabbeltier an der Innenverkleidung von unserer Kajüte lang. Noch halb im Schlaf versuche ich, das „Tierchen“ mit der flachen Hand zu erschlagen, erwische es aber nicht richtig, und das Insekt rutscht zwischen Matratze und Bordwand nach unten. Ich war sofort aus dem Bett, die eilig geweckte Capitania kurz danach. Wir haben die Lattenroste aufgestellt, alles abgesucht und abgeleuchtet, doch das vermaledeite Tier war nicht zu finden. Nachdem alles zurück am Platz – und die Capitania wieder eingedöst war, habe ich im Netz nach Bildern von Küchenschaben gefahndet. Soviel sei gesagt, rötlich sind sie fast alle, doch ob das nur ein harmloser Käfer oder eine Cucaracha war, kann ich beim besten Willen nicht sagen. Gelesen habe ich jedenfalls, dass es leider auch kleine fliegende Kakerlaken gibt. Im Tageslicht haben wir dann alle Bilgenabteile durchsucht und nix tierisches gefunden, außer vielen möglichen Verstecken, in Kabelrohren und nicht erreichbaren Durchbrüchen.

    Fallen extra für Cucarachas gibt es zu kaufen

    Nicole hat heute fünf Cucaracha-Fallen im Supermarkt gekauft und an verschiedenen Stellen im Schiff aufgestellt. Doch die Unsicherheit bleibt. Was, wenn das Krabbeltier irgendwo seine Eier abgelegt hat, kurz bevor es verendet ist, und die gefürchteten Schaben sich epidemieartig im Schiff verbreiten? Wenn wir nur eine in den aufgestellten Fallen finden, wissen wir, dass wir ein super ernstes Problem an Bord haben. Jetzt heißt es abwarten und die Nerven bewahren. Im schlimmsten Fall muss ein Kammerjäger das Schiff, bzw. die Plage ausräuchern…

  • Der perfekte Segeltag

    Regenbogen zum Start

    Dazu braucht es ein paar Zutaten, die man als Segler selten in so einer wunderbaren Kombination wie am gestrigen Samstag bekommt (zumindest bei uns ist das schon über fünf Monate her). Beim Ablegen lag das Meer noch da wie ein ölig glatter Teppich, nur die ewige Atlantikdünung zeugte vom lebenden Ozean. Bei 2200 Umdrehungen arbeitet der Steuerbordmotor konstant und ruhig in seinem Motorabteil und der Propeller treibt die Hexe auf gute 6,2 Knoten Fahrt an.

    Nicole genießt das Segeln
    am Bug der Hexe

    Zeit zum Entspannen, zum Genießen und Zeit zum Ankommen für Nicole auf dem bewegten Meer. Starkwind am ersten Segeltag ist häufig Gift für frisch an Bord gestiegene Segelgäste.

    Nach einer Stunde setzte ein ruhiger gleichmäßiger Südwind ein, der sich im Laufe der Zeit auf konstante 14 Knoten steigerte. Der Windeinfallswinkel war mit 120-140 Grad wahrem Wind ideal für unser Leichtwindsegel, den Code D und dass dazu die Sonne noch geradezu verschwenderisch vom tiefblauen Himmel schien, war wunderbar. Das Schiff segelte ruhig und gleichmäßig mit 9-10 Knoten dahin, ab und an ein bisschen an den Schoten getrimmt, mehr gibt es nicht zu tun.

    Kielwasser bei 10 Knoten

    Nicole wünscht sich ein paar Delfine herbei und eine halbe Stunde später spielt ein Delfinrudel ums Schiff herum. Als ob das des Schönen noch nicht genug wäre, kreuzt kurz darauf eine Grindwalgruppe unseren Weg.

    Amor de mis Amores

    Nachmittags legen wir auf unserem  alt bekannten Platz in der Marina de Tenerife an. Segeln kann ja so schön sein! Einen einzigen Wermutstropfen gab es dann doch, als Cornelia beim Herabsteigen von der Bordleiter in der Sorgleine hängen bleibt, längs auf den Steg fällt und sich die Hüfte prellt. Abends fahren wir deswegen “nur” mit dem Taxi zur Tapasbar, anstatt den Weg zu den Ramblas hinauf zu laufen. Nach dem leckeren Essen im „Amor de is Amores“ ging es hinunter gestärkt und langsam zu Fuß.

    Die aufgewühlte See

    Heute geht es mit der Hüfte, bzw. dem Gehen schon wieder viel besser. Dafür geht es wettermäßig gerade ganz wild ab. Es weht jetzt schon mit über 35 Knoten und heute Nacht soll sich der Sturm noch steigern und Windgeschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometer erreichen, in Begleitung von sintflutartigen Regenfällen.

    Sturm über Santa Cruz

    Der Unwetterwarndienst spricht bzw. schreibt von einer Art Hurrikan und die Emanuelle aus dem Hafenbüro hat der Capitania erzählt, dass der gesamte Zivilschutz aller kanarischen Inseln in Alarmbereitschaft versetzt wurde. Unseren Ausflug nach La Laguna haben wir vorzeitig beendet, weil wir klitsch-klatsch nass geworden sind. Ich denke, dass wir an einem sehr guten und sicheren Platz liegen, wir haben doppelte Festmacher-und Springleinen ausgebracht, um das Schiff zu sichern. Mehr gibt es nicht zu tun, wir sind heilfroh, dass wir jetzt nicht draußen auf dem Atlantik unterwegs sind.

  • Gut gelandet

    Noch schnell ‘ne warme Mütze auf’m Weihnachtsmarkt erstanden

    Früh ging es gestern aus den Federn, denn der Rückflug nach Lanzarote war für 6.25 Uhr angesetzt. Um 4 Uhr früh klingelt der Wecker und auf dem Weg zum Airliner weht mir ein eisig kalter Wind ins Gesicht, bei 2 Grad plus. Gerade rechtzeitig zum Boarding komme ich am Flughafen an, leider hat der Pilot vergessen, im Vorfeld die Heizung anzustellen und und das Flugzeug ist genauso warm drinnen wie draußen kalt. Pünktlich verlässt der Ferienflieger den Airport und bei voll bedecktem Himmel gibt es nur über den Wolken einen wunderbaren Sonnenaufgang.

    Gartendeko in Puerto del Carmen

    Ein paar Flugstunden später und gut 3.000 Kilometer weiter südlich ist von frühwinterlicher Kälte nix zu spüren und die warme Kleidung wird rasch gegen Shorts und Shirt eingetauscht. Nach der Ankunft an Bord gibt es ein richtig frugales Seglerfrühstück mit allem Drum und Dran. Für den Abend haben die Capitania und unsere Engländer  in meiner Abwesenheit einen Ausflugsplan ausgeheckt und es geht auf einem sandigen Pfad gut fünf Kilometer an der Steilküste entlang in den historischen Ortsteil von Puerto del Carmen. Nach einem kleinen Apéritif mit Ausblick geht es in ein Steakhouse und danach mit gut gefüllten Bäuchen mit dem Taxi zurück nach Puerto Calero.

    Heute Morgen hieß es dann Abschied nehmen vom schönen Lanzarote – was für ein tolles Eiland. Windmäßig war es in der ersten Stunde nach dem Ablegen mau und so musste der Motor uns durchs ruhige Atlantikwasser schieben. Doch kurz danach setzte ein leichter Ostwind ein und wir haben uns nur von der ausgerollten Genua allein nach Los Lobos ziehen lassen.

    Bevor uns ein anderer Segler von Los Lobos berichtet hat, wusste ich nicht, dass es eine solche Kanareninsel gibt. Auch frühere Segel- oder Törnberichte von den Kanaren, liessen die kleine aber feine Insel mit ihrem Fischreichtum und den Sandstränden unerwähnt. Erst ein Stegnachbar erwähnte das einsame Paradies, das gerade einmal einmal zwei Meilen im Norden von Fuerteventura liegt und 4,6 qm km misst. Nachdem unser Spadeanker sich wie bisher immer schnell und kräftig zupackend im sandigen Untergrund eingegraben hat, haben wir unser Beiboot klargemacht und sind über das naheliegende flache Steinriff zum Strand hingerudert. Wieder einmal hat es sich bewährt, dass wir kein großes schweres Beiboot sondern ein kleines extrem flachgehendes Gummiboot haben, das sich auch spielend leicht einen steilen Strand nach oben ziehen lässt. Nachdem die Urlaubsgäste mit der letzen Fähre die Insel verlassen, hatten wir die Insel und den Strand für uns. Genial.

    Sonnenuntergang über Fuerteventura von Los Lobos aus

    Aber der himmlische Frieden und die Ruhe war bei der Rückkehr zum Boot schnell verflogen. Obwohl wir das einzige Boot in der Bucht sind, hat sich ein Schweizer Alleinsegler unsinnigerweise genau vor uns, also quasi genau über unserem Anker gelegt, absolut unverständlich. Wir haben die Motoren gestartet und die Hexe an einen anderen Platz gelegt. Nicht auszudenken, wenn so ein Ankerdilettant nachts in unser Boot treibt…

    In den nächsten Tagen kommt der atlantische Luftstrom völlig zum Erliegen, und wir werden gemütlich noch ein paar Tage vor Los Lobos und Fuerteventura verbringen.

  • Geht das?

    Dies ist der erste Versuch, einen Blog über das Postie-Plugin auf unsere
    Website zu stellen.

  • Wieder unterwegs

    Bastelmaterial für Volker

    Alle haben sich mächtig ins Zeug gelegt und gestern Abend war unser Kat abreisebereit. Das Radardome war tatsächlich kaputt und wurde durch ein neues Gerät ersetzt, ebenso die externe GPS-Antenne. Wir hoffen, dass das jetzt länger hält. Was uns positiv auffällt ist, wie leicht alles durch die geclipsten Deckenpanele, wenn nötig, erreichbar ist. Ein simples System, das meiner Meinung nach viele Vorteile gegenüber den Innenschalen hat, die wir auf unseren Vorgängerbooten hatten. Die GPS-Antenne war so in einer halben Stunde getauscht, einschließlich Kleberrestentfernung. Die Macke im Badboden wurde von einem eilends herbeigerufenen Outremer-externen Schreiner fachgerecht geflickt und man muss schon ganz genau wissen, wo die vorher war, wenn man sie noch sehen will. (Volker war auch nicht faul und hat zwei Stützen gebaut, eine für unsere dritte Gasflasche und eine weitere für die Rettungsinsel.) Alle haben eine super Arbeit geleistet und wir freuen uns jetzt so richtig auf die vor uns liegenden Segelabenteuer.

    So schön sieht unser neues “Vorwindgesicht” aus

    Um 8 Uhr hat uns heute Morgen der Wecker aus dem Bett geklingelt. Nana wurde von Larissa Gassi geführt, Cornelia hat noch frisches Baguette gekauft und ich habe das Boot klar gemacht. Kurz vor neun Uhr haben wir die Leinen losgeworfen, die Capitania hat trotz Seitenwind bravourös abgelegt, und mit langsamer Fahrt voraus ging es aus dem Hafen. Für mich immer ein bewegender Moment, egal wann und wo. Es ist schon ein besonderes Ereignis, wenn man den sicheren Hafen hinter sich lässt und auf die offene See hinausfährt.

    Kurz nach der Hafeneinfahrt haben wir bei achterlichem Wind erstmals unseren neuen quietschbunten Spinnaker vorbereitet. Bei einem Kat gibt es keinen Spinnakerbaum wie beim Monohull. Aufgrund der großen Breite des Schiffes ist das unnötig, beide Schothörner, die seitlichen Ecken des Spis,  sind schon deswegen gespannt. Dafür braucht man zwei Spischoten auf jeder Seite. Eine davon ist der sogenannte Achterholer, der die Luvseite des Spis in Luv hält. Das neue Segel steht sehr schön und endlich machen tiefe Kurse (Kurse mit Wind von hinten) richtig Spaß. Wir können jetzt genau vor dem Wind segeln, was vorher mit dem Code D nicht ging.

    Und nachher muss der ganze Wust wieder in die Tasche gepackt werden

    Trotz einer unruhigen See steht der Spi ruhig, der Wind schiebt das Boot regelrecht vor sich her. Viele Trimmarbeiten an den Schoten sind dabei nicht notwendig, der Autopilot macht ganz wenig Kurskorrekturen. Bei bis zu 13 Knoten wahrem Wind wurden wir bis zu 8 Knoten schnell, ein gutes Ergebnis.

    Unser heutiger Etappenstopp ist der Hafen von Cap d’Agde, den wir von früheren Besuchen bestens kennen. (Hier ist es voll, viele Urlauber genießen die letzten Ferientage, die Fahrgeschäfte neben dem Vergnügungspark sind gut besucht, ebenso wie die Tauch-, Katamaran und Fischguckfahrten. Und selbst jetzt, zu der späten Stunde, stehen neben unserem Boot einige Angler und versuchen ihr Glück.)

  • Der Outremer Cup

    ist vorbei, gestern gab es noch mal zwei schöne Wettfahrten, die glücklicherweise nicht wie die anderen ein Flautenpoker waren. Es wehte ein konstanter thermischer Seewind zwischen neun und elf Knoten, der unsere Hexe gut in Fahrt brachte. Die Regattamannschaft an Bord gab alles bei den Segelmanövern und wir wurden mit einem 1. und einem 3. Platz bei den Wettfahrten belohnt. Besonders der erste Durchgang, bei dem wir den ersten Platz belegen konnten, war eine perfekte Wettfahrt. Nach einem perfekten Start führten wir das Feld an, segelten eine fehlerfreie Kreuz zur Luvtonne, der Code D ging nach oben und mit über neun Knoten ging es ab zur Leetonne. Dort wurde fehlerfrei schnell gehalst und mit einigen hundert Metern Abstand waren wir das erste Boot im Ziel. Das bedeutete für uns eine Superleistung, war es doch unsere erste Regatta mit der neuen Hexe und die erste Wettfahrt mit einem Katamaran überhaupt. Gefeiert wurde anschließend ein bisschen im Hafen, doch für einen Großteil unserer tollen Crew war es bald danach an der Zeit, den Heimweg anzutreten – das lange Himmelfahrtswochenende ging zu Ende.

    Bei der anschließenden Siegerehrung wurden wir gleich zweimal aufgerufen. Zum einem haben wir die französische Jury beim Kochwettbewerb überzeugt und einen herausragenden 3. Platz gewonnen und zum anderen wurden wir stolze Dritte in der Gesamtwertung.

    Gestern Abend hatten wir dann noch ein sehr schönes Abendessen mit Astrid, Jörg, Liz, Bill, Maren und Mattgias, und dann war echt die Luft raus. Wir waren soooooo müde und sind einfach nur noch ins Bett gefallen, denn heute morgen standen die Outremer-Handwerker schon wieder um sieben Uhr am Schiff.

    Der Salon ist abgeklebt

    Jetzt ist das Team von Outremer wieder am Start, um die Arbeiten fortzusetzen und das Schiff ist wieder wie einen Baustelle. Es soll ja weiter gehen…

    (Weitere Bilder folgen, wenn ich wieder an den Photoapparat und die Kabel komme.)

  • Segel- und Arbeitstage

    Den Samstag haben wir ausgiebig zum Testsegeln in der Bucht zwischen La Grande Motte und Sète genutzt und mal so ganz nebenbei 30 Seemeilen in weniger als drei Stunden abgesegelt. Testsegeln, warum das? Ganz einfach, zum Einen, weil eine kleineUndichtigkeit im Abteil hinter dem Motorraum seitens der Werft beseitigt wurde, und wir das ausprobieren wollten,  und um noch einmal die Bewegungen des Mastfußes in der Welle zu filmen und zu schauen, ob dort irgendwo Metall auf Metall reibt. Viel Welle war nicht, weil der Wind ablandig über die Bucht wehte. Die Wasserbewegung hat doch ausgereicht, um den Mast in Bewegung zu setzten und das störende Geräusch “provozieren” zu können. Morgen kommt der Rigger, der den Mast ein bisschen gerader stellen und die seitlichen Wanten nachspannen möchte. Wir hoffen, dass damit das Problem abgestellt ist.

    Immer wieder über 23 Knoten ist die Yssabeau gesegelt!

    Wind gab es reichlich am Samstag und trotz des kleinem Unterwasserpelzes (Algenbewuchs), den unser Schiff angesetzt hat, erreichten wir Spitzengeschwindigkeiten von über 14 Knoten, ganz ohne Wellen. Den Rekord muss man jedoch relativ betrachten, da Freunde von uns mit dem gleichen Katamaran heute eine Nachricht aus Südsardinien geschickt haben, dass sie häufig über 20 Knoten schnell waren bei mitlaufender Welle und achterlichem Wind und ihr Top-Speed bei fabelhaften 27,8 Knoten lag.

    Achtung, nicht hinsetzen…
    … und hier ist frisches Gelcoat, nicht betreten!

    Die Arbeiten an Bord gehen voran und viele fleißige Outremermitarbeiter bevölkern tagsüber das Schiff und arbeiten die To-Do-Liste ab. Morgen früh sind sogar schon ab 7 Uhr die ersten Handwerker angesagt, was uns sehr recht und mit uns so abgestimmt ist, damit die Arbeiten zügig vorangehen.

    Das Wasser wird wärmer, und die Quallen größer

    Zudem soll der Sommer in LGM Einzug halten und für die Folgetage sind dauerhaft Temperaturen von über 30 Grad vorhergesagt, sodass wir hoffentlich bald auch mal wieder im Meer schwimmen können. Denn noch ist das Wasser mit seinen 17 Grad zu frisch für uns, aber am nächsten Wochenende, wer weiß …

  • Hightech in Tunesien 

    so klein und will über den Atlantik…

    Nachdem wir vor ein paar Tagen die Baliwerft in Haouaria angeschaut haben, hat uns der superfreundliche Hafenmeister von Bizerte gestern auf eine nahegelegene Werft mitgenommen, die sich seit ein paar Jahren u.a. auf die Fertigung von Yachten spezialisiert, die aus dem leichten Werkstoff Karbon hergestellt werden. Wir waren gespannt. Denn das Karbonmaterial wird mit verschiedenen Harzen in den jeweiligen Formen in großen Öfen auf bis zu 100 Grad erhitzt, oder wie der Fachmann sagt, gebacken. Dabei hatten wir das große Glück, eine kleine Regattayacht, die für einen deutschen Schauspieler im Bau war, in Augenschein zu nehmen.

    … und sooo leicht

    Der kleine Renner, der beim berühmten Minitransat starten soll, wiegt mit seinen 6,50 Metern Länge gerade mal 230 Kilo, natürlich ohne. Mast, Segel und sonstiger Ausrüstung, die an Bord gehört.Der Minirenner hat zudem einen heutzutage üblichen und typischen Rundbug und soll außerdem mit Foils ausgestattet werden.

    Die Werft bietet zu attraktiven Preisen, alle möglichen Arbeiten rund ums Schiff an. Ein moderner 270-Tonnen-Kran, der bis zu zwölf Meter breite Schiffe aus dem Wasser heben kann, steht zur Verfügung, eine Preisanfrage für alle interessierten Eigner lohnt, deshalb hier die Kontaktdaten.

    Für uns war die Zeit in Tunesien etwas ganz besonderes – weder Cornelia noch ich, waren vorher in einem nordafrikanischen Land gewesen. Wir haben soviel gesehen und soviel erlebt, dass wir garnicht alles in unserem Blog wiedergeben können, ohne tagelang die Computertastatur zu traktieren. Tunesien hat uns in seinen Bann gezogen – die Städte, die unglaubliche Freundlichkeit der Menschen, die wir getroffen haben, das wuselige Leben in den Straßen und Gassen der Orte.

    Tunesien ist schön

    Bizerte, selbst ist mit seinem Hafen, der Altstadt und den Märkten ein lohnenswerten Ziel, ganz gleich, ob man es vom Wasser oder vom Land her entdecken möchte. Unserer besonderer Dank geht an den unbekannten jungen Vater, der uns zusammen mit seiner kleinen Tochter, auf seinem Motorroller, nach einer endlosen Suchaktion, sicher und ganz selbstverständlich ans Ziel geführt hat, wir danken dem Hafenmeister und seinem engagierten Team, die wirklich alles getan haben, um unseren Aufenthalt zu einem ganz besonderen Erlebnis zu machen, wir danken dem freundlichen Herrn, der uns ohne Eigeninteresse und ungefragt, den Weg zum Restaurant erklärt hat.

    Und für alle Nachahmer, Nachsegler und andere Interessierte gibt es hier die vollständigen Kontaktdaten der Marina Bizerte.

    Diesen Beitrag möchten wir daher gerne mit den Worten beenden, die der italienische Werftchef in Bizerte gewält hat, der seit 2003 permanent in Tunesien lebt und arbeitet: „Wer einmal in Tunesien war, den zieht das Land in seinen Bann und lässt es nie mehr los.”

  • Bye bye Tunesien

    Freitag, 5. Mai 2017, Baro 1009, sonnig diesig, warm, Wind NO 13-15 Knoten

    Bizerte 11:25 (tunesischer Zeit) – Porto Corallo 6.5. 10:00, ca. 140 sm
    Nach all den Eindrücken des fremden Kontinents und nach einem abschließenden Besuch bei der nahe gelegenen Werft W-Magic, den der nette Hafenmeister Mourad Chamari organisiert hat, bekommen wir unsere Pässe wieder, die Polizisten gehen einmal durch unser Boot, auch in beide Rümpfe, und wir dürfen ablegen. Das gestaltet sich relativ schwierig, wir versuchen zuerst über die Vorleine zu drehen, Das geht gar nicht, über die Vorspring dreht es nur ein bisschen, ich gabe das Rad ab an Volker, und endlich dreht die Hexe aus dem Längsseitsplatz heraus, aber nicht genug, es ist relativ eng, bis Volker es kurz vor dem Ende des Hafenbeckens schafft, sie in die richtige Richtung zu drehen. Harald und Rolf sind angeradelt gekommen, um uns zu verabschieden und zu fotografieren, da bin ich gespannt auf die Bilder. Es war eine schöne Zeit mit Euch beiden, danke für alles!

    Um 12:00 Uhr stehen Großsegel und Genua, Volker sitzt an der Pinne, wir kreuzen aus der Bucht heraus, mal sehen, wann der Wind weiter östlich dreht. 12:45 Uhr wenden wir, Kurs 317 Grad, der Wind nimmt ab auf 7-9 Knoten.
    Am Nachmittag frischt der Wind auf, es sind wieder konstant 15 Knoten, bei einem wahren Windeinfallswinkel von 50-60 Grad und voller Besegelung läuft die Hexe locker über 8,5 Kknoten Speed. Wir kämpfen mit den lauten Geräuschen, die der Mast in den Wellen macht, ich nehme das mal auf, damit wir es Outremer zeigen können.

    20:00 Uhk MESZ, Baro 1011, Wind NO 15-17 Knoten
    Wir haben auf die Selbstwendefock gewechselt, seitdem läuft die Hexe viel ruhiger, kurz, als der scheinbare Wind über 22 Knoten ansteigt, überlegen wir, auch ein Reff ins Groß zu binden, aber mit der Fock läuft sie eigentlich stabil. Gut, dass wir das nicht gemacht haben, denn schon zehn Minuten später wird der Wind wieder weniger. Es ist total feucht, zum einen natürlich von der Spray der Wellen, aber auch durch die diesige Luft. Zum Abendessen kocht Volker uns Carbonara, das kommt immer gut und gibt Kraft für die Nacht.

    22:00 Uhr, Baro 1013, Wind NO 17-20 Knoten
    Jetzt reffen wir lieber doch das Groß, der scheinbare Wind bleibt beständig über 20 Knoten, so sind wir gut aufgestellt für die Nacht, wenn es nicht noch stärker weht.
    Und natürlich weht es noch stärker, 23:30 ist der TWS bei über 24 Knoten, und die Hexe ist sooo schnell. Unangenehm ist vor allem das unruhige Meer, das Boot knallt immer wieder in die Wellen, es knarrt und scheppert. Wir binden Reff 3 ein, danach wird sie ein bisschen langsamer, aber der Wind weht inzwischen auch in Böen bis gut 27 Knoten.
    Um 00:30 schläft der Wind ganz plötzlich ein, die Wellen natürlich noch nicht, ich warte zehn Minuten, dann wecke ich Volker: “Wir müssen ausreffen”. Das hilft leider nur kurz, dann wird der Wind zuerst ganz schwach, um danach auf die Nase zu drehen. Wir motoren mal wieder, aber gut, so kann wenigstens der Wassermacher laufen und wir verdünnen das schrecklich gechlorte Wasser aus Tunesien.
    Um 03:30 piept es zweimal an meinem Ohr, ich hatte mich auf Geheiß des Skippers in die Steuerbordkabine gelegt, ich gehe hoch, um ihm zu sagen, dass meines Erachtens der Wassermacher gepiept hat, da frischt der Wind mal wieder auf 25 Knoten wahr auf, und wir reffen das Groß. Das geht gut so bis 05:00 Uhr, dann sind wir nur noch drei Meilen von der Küste weg, und wir zischen mit sechs Knoten drauf zu, ich wecke den Skipper, der sich gerade mal für eine halbe Stunde hingelegt hat, damit wir wenden können.

    Samstag, 6. Mai 2017, Baro 1013, bedeckt, Wind NO 15-20 Knoten
    An der Naturschutzinsel Isola Serpentara motoren wir noch vorbei, leider gibt es dort keine Ankerbucht, in der wir mal eine Pause einlegen könnten, nach Passieren der Insel wird gesegelt. Unser Etappenziel heißt Porto Corallo, ich hab auch schon angerufen, mein bestes Italienisch ausgepackt, und die Auskunft bekommen, dass es einen Liegeplatz für uns gibt. Un 10:00 Uhr morgens machen wir dort die Leinen fest, längsseits “all’inglese”, (auf englische Art) wie die Italiener es nennen, an einem großen Steg, putzen Boot, essen die Reste der Spaghetti carbonara und fallen todmüde ins Bett.

  • So viele Gebrauchtboote

    Der rote Teppich lädt ein…
    Der rote Teppich lädt ein…
    Die bunten Fahnen wehen
    Die bunten Fahnen wehen

    Alle Jahre wieder, in 2016 bereits zum 17. Mal, fand der Salon Nautique in Cap d’Agde statt. Eine Gebrauchtbootmesse mit über 500 Yachten, die von Yachtmaklern und Endkunden gleichermaßen zum Verkauf angeboten werden. Die Schiffsgrößen variieren dabei ebenso wie die Preise. So wurden kleine Motorboote für wenige tausend Euro und richtig große Segel- und Motoryachten für über eine Million Euro feilgeboten. An den fünf Messetagen pilgerten über 50.000 Wassersportinteressierte über die Stege und bewunderten die Schiffe, die, sicher vertäut am Steg  denoch schwimmend in ihrem Element, auf neue Besitzer warteten.

    Blöcke
    Blöcke und anderes Zubehör
    Taschen wie Christiane sie auch näht
    Taschen wie Christiane sie auch näht
    Die Schönheiten gab es auch zu bewundern
    Die Schönheiten gab es auch zu bewundern

    Aber nicht nur auf dem Wasser wurde den Besuchern viel dargeboten. Auch an Land gab es zahlreiche Aussteller. Außenbordmotoren, Seglerbekleidung, Yachtzubehör, Mastenbauer, Segelmacher, Elektronikspezialisten, die französische Rettungsgesellschaft, sozusagen das ganze maritime Leistungsspektrum war in Hallen oder mit kleinen Zelten vertreten.

    maritimer Trödel
    maritimer Trödel

    Für echte Schnäppchensucher gab es zudem einen Segelzubehörflohmarkt. Wir haben die die französische Rettungsgesellschaft unterstützt und zwei großformatige Badehandtücher gekauft. Wie meinte doch die Capitania sicherlich nicht ohne Hintergedanken, “wenn ich damit im Seenotfall winke, werden wir schneller gerettet” -:)

    Angeln in allen Ausführungen
    Angeln in allen Ausführungen

    Ja, jetzt sind wir praktisch drei Tage lang über die Stege mit den Verkaufsangeboten gebummelt und es sind tatsächlich einige Schiffe verkauft worden, und das Schild mit “à vendre” wurde gegen ein “vendu”-Schild ausgetauscht – jeden Tag ein paar mehr. Gestern Mittag haben wir erstmalig live zugeschaut, wie eine Rettungsinsel aktiviert wurde. Ich habe das gefilmt und es ist beruhigend zu sehen, wie schnell sich dieses überlebenswichtige Rettungssystem aufbläst und bereit zum Einstieg ist. Wer will, kann sich hier den Film mit dem launigen Kommentar des französischen (kettenrauchenden) Radiomoderators ansehen.

    Heute um 18 Uhr hat der Gebrauchtbootsalon seine “Türen” geschlossen und morgen werden dann wohl die meisten ausgestellten Boote in ihre jeweiligen Heimathäfen zurückkehren.

    Monster!
    Monster!
    Monster?
    Monster?

    Halloween hat sich übrigens auch allerorten in Frankreich durchgesetzt und wird gefeiert. Große und kleinere Monsterchen, Hexen und Draculas zogen durch die Geschäfte auf der Hatz nach Süßigkeiten. Ein sprachlicher Gleichlaut brachte mich dabei völlig aus dem Konzept. Das französische Wort für Schwester ist “soeur” lautsprachlich Sör, und das Wort für Fluch oder Zauberspruch ist “sort”, und wird nahezu gleich ausgesprochen. Nur mit einem kaum hörbaren “T” am Ende, ansonsten wie die “Schwester”. Als jetzt die kleinen Monster in die Kneipe kamen und das bei uns bekannte “Süßes oder es gibt Saures”- “douces ou sort” riefen, kam das bei mir an wie “Süßigkeiten oder Schwester.” Meine Bemerkung, das man dann die lieben Kleinen mal nach dem Aussehen ihrer Mütter befragen sollte, wenn sie sich ein Schwesterchen wünschen, sorgte für schallendes Gelächter und brachte mir die Bermerkung der Wirtin ein, dass doch alle MÄNNER gleich seien. Die sprachliche Richtigstellung erfolgte unmittelbar. Solche kleinen Fettnäpfchen, lauern wohl in jeder fremden Sprache und eins hat gestern für mich da gestanden…